[Buchgedanken] Claudia Casanova: „Albas Sommer“

In der letzten Zeit habe ich „Albas Sommer“ von Claudia Casanova gelesen. Das Buch ist 2020 beim Eichborn Verlag in der Bastei Lübbe AG erschienen, die Originalausgabe wurde 2019 unter dem Titel „Historia de una flor“ bei Penguin Random House Grupo Editorial veröffentlicht . Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Spanien 1875. Alba liebt die langen Sommer im Valle de Valcabriel am Fuße der Pyrenäen. Hier kann sie ausgiebig durch die Natur streifen und sich ganz ihrer Leidenschaft widmen: dem Studium von Pflanzen. Als sie den bekannten deutschen Botaniker Heinrich Willkomm kennenlernt, der eine von Alba entdeckte Pflanze nach ihr benennt und auf der Pariser Weltausstellung präsentieren will, kann sie ihr Glück kaum fassen. Doch dann muss sie eine harte Entscheidung treffen, die ihr Leben verändern wird.

„Albas Sommer“ ist historischer Roman, Familiensaga und Entwicklungsroman in einem – und ja, irgendwie trotz des historischen Settings auch Gegenwartsliteratur, sind doch die angesprochenen Themen auch in der heutigen Zeit duchaus noch aktuell. So ist das Buch – neben allem anderen – auch eine Hommage an die mutigen Frauen der Geschichte, an Entdeckerinnen, Forscherinnen und Wissenschaftlerinnen, deren vielfältigste Leistungen oft nicht den ihnen eigentich zustehenden Ruhm erhielten.

Der Roman erzählt auf eine leichte, leise und einfühlsame Weise das Leben von Alba in kurzen Episoden. Dabei erschafft die Autorin filigrane, zerbrechliche Bilder, die trotzdem kraftvoll strahlen und den Balanceakt Albas zwischen gesellschaftlichen Konventionen und eigenem Entdeckerdrang perfekt porträtieren.

Eingebettet in ein wundervolles Setting klingt in jedem Kapitel die Liebe zur Natur durch, die Alba – und auch Heinrich – antreibt. Eine gemeinsame Leidenschaft aus der eine zarte, aber nie übertriebene oder zu präsente Liebesgeschichte erwächst, deren Ende aber leider durch das erste Kapitel schon vorweggenommen worden ist – wie auch ein weiteres, elementares Ereignis, was die Spannung etwas mindert, der Unterhaltung schlussendlich jedoch keinen Abbruch tut.

Die Buchgestaltung bezaubert hingegen auf ganzer Linie. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz ist wunderschön und hält sich als eines der wenigen Bücher noch an alte Traditionen, jedes Kapitel auf einer ungeraden Seite zu beginnen. Auch das Cover vermag in der einfachen Natürlichkeit mit den wundervollen Abbildungen zu überzeugen.

Mein Fazit? „Albas Sommer“ ist ein leichtes, fragiles Buch über die Natur und die Liebe, eine Hommage an all die vergessenen Frauen der Wissenschaft – und kann vor allem dank eines tollen Settings und wunderschön erzeugten Bildern punkten. Bedenkenlos zu empfehlen.

4 Gedanken zu “[Buchgedanken] Claudia Casanova: „Albas Sommer“

  1. Ein schöner Beitrag … aber wo ist die Übersetzerin geblieben, ohne die es den Text auf Deutsch gar nicht gäbe? Lost im Layout? 😉

    1. Liebe Frau Giersberg,

      vielen Dank für die wichtige Anmerkung. Literaturübersetzungen sind eine Kunst für sich – eine unglaubliche Anstrengung, den Ton und Witz, die Botschaft und Gedanken des Autors in eine andere Sprache zu transportieren. Und es ist wichtig, dass diese auch gewürdigt wird.

      Nichtsdestotrotz finde ich es schwierig, im Rahmen einer Buchbesprechung auf die Übersetzung einzugehen, da ich zu dieser nicht wirklich etwas sagen kann, wenn mir der originalsprachliche Text nicht bekannt ist.

      Gern bin ich aber bereit und würde mich darüber freuen, die Arbeit eines Literaturübersetzers, zum Beispiel in Form eines Interviews, den Besuchern des Blogs näherzubringen. Sollte Ihrerseits Interesse an einer – dann näher bestimmbaren – Vorstellung liegen, würde ich um eine kurze Rückmeldung per Mail bitten.

      Liebe Grüße aus dem benachbarten Heidelberg
      Erik Huyoff

    1. Liebe Sabine,
      ja, es wird eine Mail-Adresse zum Kommentar angezeigt. Ich melde mich im Laufe des Wochenendes bei Ihnen, dann können wir genaueres besprechen.

      Liebe Grüße
      Erik

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