[Buchgedanken] Marie Force: „Versuchung auf Gansett Island“ (McCarthys 24)

Vor kurzem habe ich „Versuchung auf Gansett Island“ von Marie Force gelesen, den 24. Teil der Reihe um die McCarthys bzw. Gansett Island. Das Buch ist 2022 bei Montlake Romance, Amazon Media EU S. à r. l. veröffentlicht worden, die Originalausgabe erschien 2021 unter dem Titel „Temptation after Dark“ bei HTJB, Inc., Portsmouth, Rhode Island. Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks. Das Buch ist dem Genre Romance zuzuordnen, für die Übersetzung zeichnet Lotta Fabian verantwortlich.

Der charmante Cooper James ist ein echter Traumtyp. Doch bisher konnte keine Frau sein Herz erobern. Das ändert sich in einem einzigen magischen Augenblick, als er am Pool seines Bruders Jared die umwerfende Gigi kennenlernt. Fortan weiß Cooper genau, was er will, aber dafür müsste er sein ganzes Leben umkrempeln … Gigi Gibson ist auf Gansett Island, um hier die neue Staffel ihrer TV-Erfolgsserie zu drehen. Sie ist glamourös, frech und wunderschön, doch ihr Herz ist fest unter Verschluss. Liebe? Will sie nicht! Aber gegen eine heiße Sommerromanze und Coopers wunderbare Küsse hat sie nichts einzuwenden. Gar nichts …

„Versuchung auf Gansett Island“ ist einer der unzähligen Bände der McCarthy- bzw. Gansett-Island-Reihe von Marie Force und grundsätzlich als Standalone lesbar, wenn auch natürlich unzählige Querverweise zu und Figuren aus früheren – und kommenden – Bänden eine Rolle spielen.

Dabei gelang es der Autorin jedoch größtenteils nicht, den Fokus auf der Geschichte der Protagonisten zu lassen. Durch die vielen, teils immerhin interessanten, Nebenhandlungsstränge, die sogar gegen Ende noch neu auftauchten – so wurde das Pärchen für den nächsten Band gänzlich aus dem Zusammenhang gerissen und ohne Verbindung zur Geschichte einfach mal in die Handlung integriert -, ist die Love Story der Protagonisten teils komplett in den Hintergrund gerutscht.

Zudem sind – nicht nur, aber insbesondere – die Hauptprotagonisten gnadenlos klischeehaft überzeichnet. Reich, übernatürlich schön, hilfsbereit, stark, gut im Bett – gerade Cooper, aber auch Gigi, fehlen jegliche Ecken und Kanten, die einen runden Charakter auszeichnen. Lediglich einige Nebencharaktere wie Jared und Evelyn können hier überzeugen.

Das Setting hingegen brilliert auf ganzer Linie. So entführt die Autorin den Leser auf eine malerische Insel als Hotspot der High Society, mitten hinein in eine Welt voller Traumhochzeiten, Fernsehdrehs und Dinner Partys. Ideal zum Abschalten – daher ein perfekter Urlaubsbegleiter.

Marie Forces Schreibstil lässt sich zudem schnell und flüssig lesen. Lediglich der Einstieg fällt hier aufgrund der angesprochenen Fülle an Namen und Handlungssträngen schwer. Auch die Genrezuordnung ist nicht ganz einfach. So sind die Protagonisten für New-Adult fast zu alt oder haarscharf an der Grenze, für einen Liebesroman fehlt es an Handlung und Tiefe, sodass ich es einfach mal altersunspezifisch als Romance gekennzeichnet habe.

Die Buchgestaltung ist noch solide, Lektorat, Korrektorat und Buchsatz sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, die sich noch im Rahmen halten. Das Cover ist farblich auffällig und strahlend, die Proportionen des abgebildeten Paares (egal, wie man zu Menschen auf dem Cover steht) im Vergleich zum Rest jedoch zu klein. Zudem ist es, mindestens mal, verwirrend, dass sich das Covermotiv nahtlos auf Buchrücken und Coverrückseite fortsetzt, das Auto allerdings davon ausgenommen zu sein scheint und einfach abgeschnitten worden ist. Gut gedacht, aber eher suboptimal umgesetzt.

Mein Fazit? „Versuchung auf Gansett Island“ kann vor allem durch sein Setting überzeugen, lässt aber Ecken und Kanten bei den Protagonisten vermissen. Auch verliert es zugunsten diverser anderer Handlungsstränge oftmals den Fokus. Für Liebhaber der Reihe und als Urlaubsbegleiter dennoch zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Susanna Tamaro: „Geschichte einer großen Liebe“

Bevor ich mit meinen Berichten aus Leipzig weitermache, möchte ich Euch heute erst einmal „Geschichte einer großen Liebe“ von Susanna Tamaro vorstellen, das ich als Rezensionsexemplar im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks gelesen habe – vielen Dank dafür an HarperCollins, Verlagsgruppe HarperCollins Deutschland GmbH, wo das Buch 2022 erschienen ist. Die Originalausgabe wurde 2020 unter dem Titel „Una grande storia d’amore“ bei Solferino veröffentlicht, für die Übersetzung zeichnet Barbara Kleiner verantwortlich. Das Buch ist der Gegenwartsliteratur zuzuordnen.

1978: Auf einer Überfahrt von Venedig nach Piräus begegnen sich Edith und Andrea; sie, die gerade Abitur gemacht hat, er, Kapitän des Schiffes. Andrea ist von Ediths rebellischer Art fasziniert. Er löst seine Verlobung. Doch Edith gibt ihm keinerlei Sicherheit, und als Andrea ihr einen Heiratsantrag macht, weist sie ihn schroff zurück. Ihre Wege trennen sich. Doch das unsichtbare Band des Lebens führt sie wieder zusammen. Jahre später begegnen sie sich erneut, zunächst verbunden durch eine innige Freundschaft, die bald in eine tiefe Liebe mündet. Eine Liebe, die unerwartetes Glück schenkt und ebenso einen traumatischen Schicksalsschlag verkraften muss.  

„Geschichte einer großen Liebe“ ist mein erstes Buch von Susanna Tamaro. Es ist ein Roman, der zwischen Liebes- und Schicksalsroman pendelt, aufgrund des literarischen Anspruchs aber durchaus der Gegenwartsliteratur zugerechnet werden kann. Dabei besticht der Roman vor allem durch seine poetische Sprache.

Die Handlung ist sehr gefühlvoll und emotional, durch die Vorwegnahme des Endes jedoch auch sehr antiklimaktisch und vorhersehbar, kommt ohne größere Überraschungen aus. Zudem fällt auch der Einstieg in die Handlung schwer, ist am Anfang doch für einige Seiten unklar, wer die Geschichte erzählt.

Das Setting vermag hingegen auf ganzer Linie zu überzeugen. So entführt Susanna Tamaro den Leser in ein Italien zwischen 1950 und der Moderne, in ein Land zwischen Konservatismus und Hippie-Bewegung – und auf die hohe See zwischen Fährhäfen und Kreuzfahrten nach Bali.

Da die Geschichte ja aus Andreas Sicht in Rückblenden erzählt wird, ist es schwer, die Charaktere zu beurteilen, sind die Erinnerungen an diese doch durch die Sicht von Andrea verfälscht. Er hingegen ist emotional, handelt aber nicht immer nachvollziehbar – und ist daher perfekt in seiner Fehlerhaftigkeit. Susanna Tamaros Schreibstil lässt sich darüber hinaus einfach und flüssig lesen, lediglich die vielen Zeitsprünge sorgen gelegentlich für Verwirrung.

Die Buchgestaltung ist solide, Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet. Das Cover ist schön, aber eher belanglos und austauschbar, der Buchumschlag insgesamt eher schlicht, genau wie das Buch unter dem Umschlag.

Mein Fazit? „Geschichte einer großen Liebe“ ist ein unglaublich poetischer und gefühlvoller aber auch antiklimaktischer Roman der Gegenwartsliteratur, der den Leser in das Italien der Moderne entführt. Für Liebhaber der Gegenwartsliteratur bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Judith & Christian Vogt: „Schildmaid. Das Lied der Skaldin“

Eine Rezension frisch aus Leipzig von der Nichtbuchmesse! #weiterlesen

Vor kurzem habe ich „Schildmaid. Das Lied der Skaldin“ von Judith & Christian Vogt gelesen. Das Buch ist 2022 in der Piper Verlag GmbH erschienen und dem Genre Historical Fantasy zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag und die Autoren für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de

Seit sieben Jahren baut die Einzelgängerin Eyvor ein Drachenboot in einem Fjord. Als sich immer mehr Außenseiterinnen um sie scharen, wird sie unerwartet zur Kapitänin eines Schiffes, das eigentlich niemals in See stechen sollte. Die Letzte, die sich ihr anschließt, ist Herdis, das Krähenkind: Verfolgt von Berserkern zwingt sie die Gruppe zum Aufbruch. Es beginnt ein tödliches Wettrennen vom skandinavischen Festland bis ins Land der Eisriesen hinein, an dessen Ende nichts Geringeres droht als Ragnarök, das Weltenende selbst.

„Schildmaid. Das Lied der Skaldin“ ist historische Phantastik, so spielt die Geschichte zu einem nicht näher bestimmten Zeitpunkt im Zeitalter der Wikinger. Zugleich gehört das Buch aber auch der selbsternannten, immer dominanter werdenden, progressiven Phantastik an, dreht es sich doch um Themen wie Emanzipation, sowie sexuelle und geschlechtliche Identitäten, die von der – zumindest überlieferten – Norm abweichen, ähnlich (sowohl im Setting als auch in der Botschaft) wie Nora Bendzkos „Die Götter müssen sterben“.

Die Handlung ist im Großen und Ganzen spannend und abwechslungsreich, mit zwischenzeitlich kleineren Längen und Ungereimtheiten und einem Ende, das – sagentypisch – auslegungsbedürftig ist und – zumindest mich – nicht vollends überzeugt.

Die einzelnen Charaktere sind im Wesentlichen dreidimensional angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei werden auch dem Antagonisten gute Eigenschaften zuerkannt, sodass die Charaktere runder und kompletter wirken. Insbesondere überzeugen hier Tinna, Herdis und Birger.

Das Setting ist gelungen und führt den Leser durch einen Großteil der nordischen Welt, vom heutigen Dänemark über Norwegen, England und die Faröer bis hinzu entlegensten Inseln. Der Schreibstil der Autoren liest sich dabei wie aus einem Guss, durch die Vielzahl von Namen und die teils authentische Schreibweise kommt es jedoch zu Abstrichen in der Lesbarkeit, die gerade noch okay sind und durch die teils kurzen Kapitel aufgefangen werden.

Die Buchgestaltung überzeugt auf ganzer Linie. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz ist gelungen und verdient ein Lob dafür, größere Sinnabschnitte immer auf ungeraden Buchseiten starten zu lassen. Der Buchumschlag ist hochwertig auf Cover, Buchrücken und Coverrückseite geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen – sehr edel. Auch das Covermotiv überzeugt, lediglich die Darstellung des Buchtitels auf dem Cover kann für Verwirrung sorgen.

Mein Fazit: „Schildmaid. Das Lied der Skaldin“ ist historische/progressive Phantastik, die durch ein tolles Setting und komplexe Charaktere brilliert, aber auch einige Längen hat. Für Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Lisa Kirsch: „Querbeet ins Glück“

In der letzten Zeit habe ich „Querbeet ins Glück“ von Lisa Kirsch gelesen. Das Buch ist 2022 als FISCHER Taschenbuch in der S. Fischer Verlag GmbH erschienen und als Liebesroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Maddie hat es fast geschafft: Ihr Traumjob als Musicaldarstellerin ist zum Greifen nah. Um richtig Fuß zu fassen, darf sie sich auf keinen Fall ablenken lassen. Doch dann stolpert Maddie durch Zufall in den Gemeinschaftsgarten “Grüne Freiheit”. Auf einmal merkt sie, was ihr gefehlt hat: Sie genießt das Gefühl von frischer Erde zwischen den Fingern, freundet sich mit der wilden Lila an und bekommt Herzklopfen, wenn der unverschämt gutaussehende Mo ihr beim Johannisbeeren-Ernten hilft. Aber Maddie kann sich nicht zweiteilen und ihr wird klar: Früher oder später muss sie sich zwischen ihren Gartengefühlen und ihrem Karrieretraum entscheiden.

„Querbeet ins Glück“ ist – zumindest im Wesentlichen – ein klassischer Feel-Good-Roman und idealer Begleiter für den stressigen Alltag, um einfach mal für ein paar Stunden abzuschalten. Dabei entführt Lisa Kirsch den Leser in das schrullige, hippe Berlin zwischen Musical und Schrebergarten, zwischen bis ins kleinste Detail durchgetakteten Tagen und anarchisch-alternativen Lebensweisen.

Die Handlung ist dabei erwartbar seicht, aber nichtsdestotrotz durchaus spannend und abwechslungsreich. Schwere Themen spielen zwar schon eine Rolle, nehmen aber nie überhand, um die Wohlfühlzone nicht zu verlassen. Nur gegen Ende hin fällt die Handlung etwas ab, da das Ende durchaus problematisch ist und nur in der Lovestory die Handlungsstränge zufriedenstellend auflöst.

Die einzelnen Protagonisten sind – zumindest teils – dreidimensional angelegt, haben Stärken und Schwächen. Hierbei überzeugen vor allem einige Nebencharaktere wie Lila und Rainer – oder auch die Tiere wie Inge und Opa – und der Fässchenkühler. Dahingegen bleibt Mo etwas blass.

Der Schreibstil von Lisa Kirsch lässt sich leicht und flüssig lesen und transportiert authentisch die Berliner Schnauze und das Lebensgefühl der Stadt, ohne allzu sehr zu übertreiben oder Lesebarrieren für Nichtberliner aufzubauen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz ist fehlerfrei, hätte bei Maddies Listen aber etwas mehr Mut vetragen können. Beim Cover überzeugen vor allem die farbigen Coverinnenseiten und die schöne Coverrückseite, das Covermotiv holt mich hingegen nicht wirklich ab.

Mein Fazit: „Querbeet ins Glück“ ist ein authentischer Wohlfühlroman mit interessanten Gegensätzen, aber auch einem eher schwachen Ende. Für Liebhaber von Liebesromanen dennoch bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Laetitia Colombani: „Das Mädchen mit dem Drachen“

Vor kurzem habe ich „Das Mädchen mit dem Drachen“ von Laetitia Colombani gelesen. Der Roman ist 2022 in der S. Fischer Verlag GmbH veröffentlicht worden, die Originalausgabe erschien 2021 unter dem Titel „Le Cerf-volant“ bei Éditions Grasset & Fasquelle, Paris. Das Buch ist als Gegenwartsliteratur zu klassifizieren, für die Übersetzung zeichnet Claudia Marquardt verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Am Golf von Bengalen will Léna ihr Leben in Frankreich vergessen. Jeden Morgen beobachtet sie das indische Mädchen Lalita, das seinen Drachen fliegen lässt. Als Léna von einer Ozeanwelle fortgerissen wird, holt Lalita Hilfe bei Preeti, der furchtlosen Anführerin einer Selbstverteidigungsgruppe für junge Frauen. Léna überlebt und zusammen mit Preeti schmiedet sie einen Plan, der nicht nur Lalitas Leben grundlegend verändern wird.

„Das Mädchen mit dem Drachen“ lässt mich, auch Tage nach dem Beenden der Lektüre, noch immer etwas ratlos zurück. Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen auf der Welt, ist das Buch unglaublich wichtig und wertvoll, propagiert es doch den unermüdlichen Kampf für eine friedliche Welt frei von Herkunft und Religion und – in diesem Fall – Kasten, für Gleichberechtigung von Frauen und Mädchen. Und doch gelingt es dem Funken nicht, gänzlich überzuspringen, mich komplett für das Buch einzunehmen.

Dies liegt vor allem an dem Schreib-/Erzählstil von Laetitia Colombani. So erzählt die Autorin die Geschichte mit einer großen Distanz, lässt den Leser nie allzu nah an die Figuren. Und auch wenn man aufgrund des großen Leids, der schweren Themen, darin einen gewissen Schutz für den Leser sehen mag, fehlt mir doch die emotionale Bindung zu den Protagonistinnen, deren Handlungen und Empfindungen man nicht im Sinne von „Show, don’t tell“ erleben darf, sondern die einem in Gänze beschrieben werden.

Das Setting hingegen überzeugt auf ganzer Linie. Laetitia Colombani nimmt den Leser mit auf eine Reise nach Indien, lässt ihn die Küste in Tamil Nadu und die Orte fernab touristischer Hotspots erkunden. Und auch wenn einige Handlungsteile – gerade das Ende – doch eher unrealistisch sind, beschönigt Colombani nicht und zeigt auch die dunklen Seiten Indiens.

Die Handlung ist im wesentlichen spannend und abwechslungsreich, und nimmt gerade zum Ende hin etwas Fahrt auf. Dabei konzentriert sich das Buch sehr stark auf das Wesentliche und spart z.B. viele organisatorische Fragen in Zusammenhang mit den Indienaufenthalten und der Schulgründung aus – was auch etwas die Kürze des Buches erklärt. Ich hätte mir hier noch ein paar Hintergrundinformationen mehr gewünscht.

Die Buchgestaltung ist solide, Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet. Der Buchumschlag glänzt durch die goldenen Elemente, ist darüber hinaus aber doch wie auch das unter dem Umschlag befindliche Hardcover relativ eintönig und simpel gestaltet, passt sich aber gut an die anderen Bücher der Autorin an und sorgt so zumindest für einen gewissen Wiedererkennungswert.

Mein Fazit? „Das Mädchen mit dem Drachen“ ist ein gerade derzeit unglaublich relevantes Buch, das vor allem mit einem grandiosen Setting und einer spannenden Handlung punkten kann, aber auch mit großer Distanz zum Geschehen erzählt wird – insgesamt bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Debbie Tung: „Quiet Girl: Geschichten einer Introvertierten“

Vor einiger Zeit habe ich „Quiet Girl: Geschichten einer Introvertierten“ von Debbie Tung (Text und Illustration) gelesen. Das Buch ist 2022 im Imprint Graphix der Loewe Verlag GmbH erschienen, die Originalausgabe wurde 2017 unter dem Titel „Quiet Girl in a Noisy World: An introvert’s story“ bei Andrews McMeel Publishing veröffentlicht. Das Buch ist als Graphic Novel einzuordnen, für die Übersetzung zeichnet Katharina Hartwell verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die vermittelnde Agentur Literaturtest.

Debbie geht nicht gerne unter Leute. Sie schreibt lieber Textnachrichten als zu telefonieren und steht auf Partys immer abseits. Ein perfekter Tag ist für Debbie, wenn es draußen regnet und sie mit einer Tasse Tee und einem Buch auf dem Sofa liegen kann. Natürlich fragt sie sich, ob etwas mit ihr nicht stimmt. Aber sie ist eben einfach glücklich mit sich selbst. Und mit Jason, der sie so akzeptiert, wie sie ist. Auch ohne viele Worte. Was soll daran verkehrt sein?

„Quiet Girl: Geschichten einer Introvertierten“ ist nicht mehr und nicht weniger als einfach ein herzerwärmendes Buch, das in kleinen Comics das Leben einer introvertierten, jungen Frau zeigt. Ohne große Storyline, aber dafür mit ganz viel Herz. Jeder, der auch nur ein Stück weit introvertiert ist, findet sich in den tollen Zeichnungen wieder, fühlt, leidet und freut sich mit Debbie zusammen, wenn sie nach dem schwierigen Alltag wieder in einem Buch versinken kann. Dabei ist neben Debbie Jason der heimliche Star der Geschichte, akzeptiert er sie doch so, wie sie ist.

Die einzelnen Illustrationen sind in schwarz-weiß gehalten, warten aber teils mit liebevollen Details auf. Dabei ziehen sich einige Illustrationsstrecken thematisch durch das ganze Buch, gelegentlich werden aber auch Listen, Vergleiche oder ähnliches illustriert dazwischengesetzt.

Im Laufe des Buches stolpert Debbie irgendwann über einen Blog mit Persönlichkeitstest, der ihr erklärt, dass sie introvertiert ist und dass dies nichts schlimmes sei. Was ich mir gewünscht hätte, ist, dass am Ende des Buches vielleicht ebenfalls Links zu Artikeln, Blogs, Ratgebern o.ä. aufgelistet worden wären, sodass man sich auch als Leser noch selbst einen Überblick verschaffen kann.

Die Buchgestaltung überzeugt auf ganzer Linie. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, der Umschlag ist auf dem Cover, Buchrücken und der Coverrückseite hochwertig geprägt und sowohl auf dem Titel als auch der Coverrückseite mit Illustrationen versehen, die sich in minimal abgewandelter Form auch im Buch finden. Wunderschön anzusehen – einfach ein tolles Gesamtpaket.

Mein Fazit? „Quiet Girl – Geschichten einer Introvertierten“ ist ein liebevoller und berührender Graphic Novel, der vor allem mit tollen Illustrationen und viel Herz glänzen kann. Für Leser von illustrierten Büchern, insbesondere, aber nicht nur, für junge Menschen ab dem vom Verlag vorgeschlagenen Lesealter von 14 Jahren bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Tom Voss: „Eiszeit für Beck“ (Nick Beck 2)

Vor einiger Zeit habe ich „Eiszeit für Beck“ von Tom Voss gelesen, den zweiten Band der Reihe um Nick Beck und Cleo Torner nach dem Auftaktroman „Hundstage für Beck“. Das Buch ist 2021 als FISCHER Taschenbuch in der S. Fischer Verlag GmbH erschienen und als Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag (und die Glücksfee) für die Bereitstellung eines Leseexemplars im Rahmen einer Buchverlosung auf Lovelybooks.de.

Es ist Winter in Hamburg, und entsetzliche Morde erschüttern die Stadt. Der Elbripper ist zurück, nachdem er fast zwei Jahre lang verschwunden war. Elf Opfer gehen schon auf sein Konto. Und Nick Beck hat auf der Jagd nach ihm seine Kollegin im Einsatz verloren. Daraufhin nahm er Abstand vom LKA-Dienst und ließ sich versetzen. Aber jetzt wird er reaktiviert, denn niemand kennt den Serienmörder so gut wie er. Doch irgendetwas ist anders: Die Rituale des Killers scheinen sich verändert zu haben. Hat der Elbripper seinen Modus geändert? Oder haben es Nick Beck und Cleo Torner mit einem Nachahmer zu tun? Nur eines ist klar: Der Täter ist gefährlicher als je zuvor …

„Eiszeit für Beck“ ist der zweite Band um Nick Beck und Cleo Torner, wobei letztere in diesem Roman eher eine untergeordnete Rolle spielt – gleichsam aber die Sympathieträgerin bleibt. Die Handlung setzt kurz nach dem Ende des Vorgängerbandes an und schreibt diese nahtlos weiter, weicht aber überraschenderweise von den im Epilog des ersten Bandes angedeuteten Geschehnissen stark ab und löst gleich zu Beginn das große Mysterium auf, das die Buchreihe über mehrere Bände hätte tragen können – sehr antiklimaktisch.

Abgesehen davon ist die Handlung durchaus spannend und abwechslungsreich, teils überraschend und insgesamt stärker als die des ersten Bandes. So trifft man altbekannte Charaktere wieder, lernt aber vereinzelt auch neue Protagonisten wie Bekka kennen. Durch die Verlagerung der Handlung in die Metropole Hamburg geht dabei dem Roman etwas das Flair eines Regionalkrimis ab, das dem ersten Teil noch anhaftete. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Reihe hier entwickelt.

Das Setting ist in Konsequenz durchaus mondäner, auch wenn der Autor versucht, die Großstadt auf andere Weise zu zeigen, indem er die Handlung in die Vororte und vor allem zu Lost Places bringt. Dabei beschreibt Tom Voss, dessen Schreibstil sich gut und flüssig lesen lässt, anschaulich, hätte aber durchaus noch detaillierter sein können, um das Grauen beim Leser noch zu erhöhen.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen dreidimensional angelegt, haben Stärken und Schwächen. Neben Cleo überzeugen vor allem Nebencharaktere wie Lola, während Nick Beck sich zwar im Vergleich zum ersten Teil deutlich steigert, zum Schluss aber gesammelte Sympathiepunkte wieder verspielt, sodass er noch mindestens einen dritten Teil braucht, um insgesamt zu überzeugen.

Die Buchgestaltung ist im großen und ganzen ordentlich, Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet. Der Buchumschlag ist relativ einfach gearbeitet, das Cover farblich auffällig und vom Motiv her eher austauschbar, sorgt aber von der Gestaltung für einen einheitlichen Gesamteindruck der Reihe.

Mein Fazit? „Eiszeit für Beck“ setzt die Reihe um Nick Beck gelungen fort. Dabei steigert sich das Buch im Vergleich zum Vorgänger mit einer spannenden, und teils unerwarteten Handlung, löst aber zugleich einen der Kernpunkte der Reihe direkt zu Anfang antiklimaktisch auf. Für Liebhaber von Kriminalromanen bedenkenlos zu empfehlen, allerdings nicht als Standalone und nicht unter einem Lesealter von 16.

[Buchgedanken] Diana Gabaldon: „Outlander – Das Schwärmen von tausend Bienen“ (Outlander 9)

Vor einiger Zeit habe ich „Outlander – Das Schwärmen von tausend Bienen“ von Diana Gabaldon gelesen, den neunten Teil der weltberühmten Highland-Saga bzw. Outlander-Reihe. Das Buch ist 2021 im Knaur Verlag, Droemer Knaur GmbH & Co. KG, erschienen, die Originalausgabe wurde 2021 unter dem Titel „Go Tell the Bees That I Am Gone“ bei Delacorte Press, New York, veröffentlicht. Das Buch ist als historischer Roman einzuordnen, für die Übersetzung zeichnet Barbara Schnell verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

1779 steht für Claire Randall und Jamie Fraser mehr auf dem Spiel als jemals zuvor: Zwar sind sie überglücklich über Briannas Heimkehr – doch niemand weiß, ob die Gefahr, die ihre Tochter mit Mann und Kindern zur Flucht aus dem 20. Jahrhundert gezwungen hat, wirklich gebannt ist. Wie können Claire und Jamie ihrer Familie inmitten des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges Schutz bieten? Währenddessen hadert der junge William Ransom noch immer mit seiner wahren Abstammung. Und Lord John Grey muss sowohl einen Weg zur Versöhnung finden, als auch neuen Gefahren entgegentreten – im Namen seines Sohnes, und in seinem eigenen …

„Outlander – Das Schwärmen von tausend Bienen“ setzt die Reihe um Claire und Jamie Fraser nahtlos fort. Und auch wenn man etwas braucht, um wieder hereinzukommen – schließlich liegen viel zu viele Jahre zwischen den Veröffentlichungen der einzelnen Bände -, ist es doch wie nach Hause zu kommen, trifft man doch alle altbekannten und geliebten Charaktere wieder und fühlt sich sofort gut aufgehoben – wie zu erwarten absolutes Jahreshighlightpotential.

Dabei ist bereits die Genrezuordnung umstritten – vereint das Buch doch nicht nur Elemente eines historischen Romans mit denen einer Familiensaga, sondern hat auch fantastische Elemente, die einige sogar deklaratorisch in den Sci-Fi-Bereich schieben würden. Für mich bleiben die Outlander-Bücher jedoch historische Romane, habe ich durch sie doch viel über die schottische Geschichte und die Geschicht der Medizin gelernt.

Die Handlung, die Diana Gabaldon perfekt aus einer Ich- und mehreren personalen Erzählperspektiven erzählt, ist spannend, abwechslungsreich und komplex. Nach und nach werden die einzelnen Handlungsstränge zusammengeführt und teilweise aufgelöst, auch wenn relevante Handlungsteile offen bleiben – und das Buch in diesem Zusammenhang mit einem Cliffhanger endet, was umso tragischer ist, wenn man den erst in ferner Zukunft erwartbaren Erscheinungstermin des nächsten Bandes berücksichtigt.

Das Setting ist – wie in der Reihe üblich – erwartbar perfekt, wenn auch dieses Mal rein auf die amerikanischen Kolonien beschränkt. So nimmt die Autorin den Leser mit auf eine Reise in ein Amerika zur Zeit des Unabhängigkeitskriegs, in eine Welt voller Unruhen, wechselnder Loyalitäten und Ungewissheiten. Dabei lässt sich Diana Gabaldons Schreibstil leicht und flüssig lesen, ist authentisch und trotz der Informationsdichte nie langatmig.

Einzige Konstante in diesen aufwühlenden Zeiten ist der unglaubliche Cast an Protagonisten, die in der Bandbreite wirklich toll entwickelt und gestaltet sind und alle über Stärken und Schwächen verfügen. In diesem Teil überzeugen neben meinen Favoriten der gesamten Reihe (Claire, Brianna und Lord John Grey) auch wichtige Nebencharaktere wie Jenny Fraser, Rachel Hunter, Frances und Harold „Hal“ Grey.

Die Buchgestaltung ist ein wahrer Traum. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, der Geschichte sind eine Karte voran- und ausführliche Anmerkungen hintangestellt. Der Buchumschlag ist hochwertig geprägt, wunderschön anzusehen und mit Klappen versehen. Das unter dem Umschlag befindliche Buch ist ebenfalls edel gestaltet und kann mit wunderschönen Coverinnenseiten aufwarten, die den Familienstammbaum zeigen.

Mein Fazit? „Outlander – Das Schwärmen von tausend Bienen“ ist die absolut überzeugende Fortsetzung einer der besten Buchreihen aller Zeiten und ein definitives Jahreshighlight. So brilliert das Buch mit einem spannenden Setting, unglaublichen Charakteren und einer interessanten Handlung und ist daher bedenkenlos zu empfehlen (wie alle Teile der Reihe).

[Buchgedanken] Alex Pohl: „Forever, Ida – Und raus bist du“ (Forever, Ida 1)

Vor einiger Zeit habe ich „Forever, Ida – Und raus bist du“, den ersten Band der „Forever, Ida“-Trilogie von Alex Pohl, gelesen. Das Buch ist 2021 als cbt Taschenbuch im cbj Kinder- und Jugendbuchverlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als Jugendthriller einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über eine Leserunde auf Lovelybooks.de.

Neue Stadt, neue Schule, neues Glück: Adi ist froh über den Wechsel nach Sonderberg. Sie will ihre Vergangenheit hinter sich lassen. Doch gleich am Tag ihrer Ankunft beobachtet sie einen Trauerzug: Ahmet, ein Junge an Adis neuer Schule, ist zu Tode gekommen. Selbstmord, sagen die einen, ein Unfall, meinen die Behörden. Adi findet sich bald im Freundeskreis von Ahmet wieder; vor allem Ben, Ahmets bester Freund, fasziniert sie. Doch Ahmets Tod lässt ihr keine Ruhe: Was ist mit Ahmet wirklich passiert?

„Forever, Ida – Und raus bist du“ lässt mich, auch einige Zeit nach der Lektüre, weiterhin etwas ratlos zurück. Eine Flut an Ich-Erzählern (mir fallen spontan mindestens 5 ein), eingestreute Gesprächsnotizen, Interviews, Therapiesitzungen und Briefe … – das ist kein Roman, sondern eher eine willkürliche Aneinanderreihung von Fragmenten, sodass gerade zu Beginn dem Buch jegliche Stringenz, jeglicher rote Faden fehlt.

So weiß man auch lange nicht, worauf das Buch eigentlich zusteuert, was Ziel der Handlung ist. Wir haben hier eine Mischung aus Thriller, Liebesroman und Schicksalsroman; ein Jugendbuch, das so viele Themen bedient, dass es auch für einen längeren Roman mehr als genug gewesen wäre. Hier bleibt lediglich die Hoffnung, dass die restlichen Bücher der Reihe die Handlung vernünftig abschließen, nachdem dieser Band – unnötigerweise und gänzlich aus der Luft gegriffen – mit einem Cliffhanger endete.

Im Rahmen der Leserunde wurde vermehrt die Meinung vertreten, dass man das Buch außerhalb einer Leserunde wohl abgebrochen hätte. Auch wenn ich nicht so weit gehen würde, muss ich doch insoweit zustimmen, dass „Forever, Ida – Und raus bist du“ eines der schwächsten Bücher seit langem ist, da auch die einzelnen Charaktere regelmäßig nicht überzeugen. Insbesondere Adi und Ben bleiben hier gänzlich blass und handeln unlogisch, während zumindest vereinzelte Nebencharaktere wie Julia (der Lichtblick im Buch) und Kris glänzen können.

Lediglich das Setting – so ungewöhnlich es auch ist – vermag ebenfalls zu überzeugen. So entführt Alex Pohl den Leser in eine deutsche Kleinstadt zwischen Baumogul und Migranten, zwischen Drogenkriminalität, Sprayern und Schulalltag, zwischen den Träumen Jugendlicher und den Erwartungen Erwachsener.

Die Buchgestaltung ist solide, aber nicht außergewöhnlich. Während Lektorat und Korrektorat gut gearbeitet haben, ist der Buchsatz durch die vielen verschiedenen Erzählformen (Handlung, Protokolle, Chatgespräche, Befragungen, Dialoge …) doch sehr inkonsistent; das Cover hochwertig geprägt und mit Klpapen versehen, vom Motiv her aber sehr eintönig und unauffällig. Gut gefallen hat mir jedoch, dass anstelle einer spoilernden Triggerwarnung zu Beginn lieber eine Sammlung von Hilfsangeboten für Betroffene am Ende des Buches eingebaut worden ist.

Mein Fazit? „Forever, Ida – Und raus bist du“ ist der Beginn einer Jugendthriller-Reihe mit vielversprechenden Ansätzen, aber fragwürdigen Erzählkonzepten und doch einigen Schwächen. Für Leser des Genres nur bedingt zu empfehlen – und nicht unter dem vom Verlag empfohlenen Lesealter von 14 Jahren.

[Buchgedanken] Aly Mennuti: „Aber der Sex war gut“

Vor kurzem habe ich „Aber der Sex war gut“ von Aly Mennuti gelesen. Das Buch ist 2021 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG erschienen, die Originalausgabe wurde 2020 unter dem Titel „Real Fake“ bei Bolinda Publishing PTY LTD veröffentlicht. Das Buch ist als Liebesroman einzuordnen, für die Übersetzung zeichnet Eva Bauche-Eppers verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Annie Shepherd ist eine der bekanntesten Autorinnen der Welt, ihre TRUST ME-Reihe verkauft sich millionenfach. Doch Annie hat auch ein sorgsam gehütetes Geheimnis, das ans Licht zu kommen droht, als ihr Freund, der preisgekrönte Literaturprofessor Joe Duke, überraschend stirbt. Um sich zu retten, muss sie sich mit ihrem größten Feind verbünden: dem Literaturagenten Henry Higgins. Der kommt ihr nicht gerade bereitwillig zu Hilfe, aber auch er hat alles zu verlieren. Und jeder weiß: Was sich neckt, das lernt sich lieben … Oder doch nicht?

„Aber der Sex war gut“ ist nicht nur Liebesroman, sondern auch ein Spiegelbild der Buchwelt und begleitet eine Autorin auf dem Weg zu ihrer literarischen Stimme, ist Ode an den innigen Kontakt zwischen Autor und Leser und prangert mahnend Probleme im Literaturbetrieb an.

Die Handlung ist dabei genrebedingt durchaus vorhersehbar, nichtsdestotrotz aber abwechslungsreich und unterhaltsam, jedoch auch etwas belanglos. Während der Start in den Roman etwas zäh ist, entwickelt sie sich gerade im letzten Drittel zum wahren Pageturner und lässt den Leser das Buch nicht mehr aus der Hand legen wollen.

Die einzelnen Charaktere sind – im Wesentlichen – vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen. Hierbei überzeugen vor allem die Nebencharaktere wie der absolute Sympathieträger Will oder Daphne, während Annie und Henry teils etwas blass und eindimensional bleiben, sich aber dennoch auch weiterentwickeln und Hoffnung für Folgebände schaffen.

Aly Mennutis Schreibstil lässt sich leicht und flüssig lesen, ist humorvoll, frech, am Anfang aber gewöhnungsbedürftig. Eingestreute Gimmicks – wie der Cameo von Hugh Grant – beleben die Bindung zum Leser und sorgen für eine bessere Identifikation zur Handlung.

Die Buchgestaltung überzeugt ebenfalls im großen und ganzen, Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, der Buchumschlag ist auf dem Titel und Buchrücken hochwertig geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Insgesamt bleibt das Cover aber – trotz der Farblichkeit – eher schlicht und austauschbar.

Mein Fazit? „Aber der Sex war gut“ ist ein Liebesroman für Buchliebhaber, dessen Handlung gerade in der zweiten Hälfte an Fahrt aufnimmt, insgesamt sein Potential aber nicht vollends ausschöpft. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen, ab dem vom Verlag empfohlenen Lesealter von 16 Jahren.