[Buchgedanken] Regina Meißner: „Seductio: Von Schatten verführt“

In den letzten Tagen habe ich als vorletztes Buch im fantastischen Lesefrühling „Seductio: Von Schatten verführt“ von Regina Meißner gelesen. Das Buch ist 2015 im Selfpublishing bei BoD erschienen und ist dem Genre Young-Adult Urban/Contemporary Fantasy zuzuordnen. Es ist der Auftakt einer dreibändigen Reihe.

Seit ihrem vierten Lebensjahr befindet sich Ivory auf der Flucht vor den Decessaren. Nur518oeicbspl-_sx312_bo1204203200_ sie ist in der Lage, das Tor zur Welt Embonis zu öffnen, um den dort gefangenen Schatten die Freiheit zu schenken. Da diese sich von menschlichen Seelen ernähren, engagiert Ivorys Tante Grace den Privatermittler Kil, um die Schlüsselträgerin – und die Menschheit –  zu schützen. Seit ihrem ersten Aufeinandertreffen ist Ivory von dem undurchsichtigen Ermittler fasziniert. Doch welche Geheimnisse verbirgt er?

Vorweg: Regina Meißners Roman zeigt einmal mehr, dass sich unter der Vielzahl an Selfpublishing-Titeln auch wahre Schätze verbergen. „Von Schatten verführt“ überzeugt dabei mit einem tollen Grundidee. Durch die eingestreuten Auszüge aus dem „Dunklen Buch“ lernt man während des Lesens auch nach und nach mehr über die Welt Embonis. Gut gelungen sind auch die Charaktere, die sich – vor allem Ivory – im Laufe der Zeit weiterentwickeln. Schade fand ich, dass einer meiner Lieblingscharaktere – Lynn – so sang und klanglos aus der Geschichte verschwand. Vielleicht kehrt sie ja in den Folgebänden zurück – auch wenn ich derzeit keine große Hoffnung darauf hege :).

Der Spannungsbogen wird durch viele unerwartete Wendungen dauerhaft aufrechterhalten, auch wenn das Ende nicht gänzlich überraschend kommt, sondern sich einige Seiten vorher schon ankündigt. Zudem ist das Ende ein brutaler Cliffhanger. Regina Meißners Schreibstil ist leicht und flüssig und lässt sich gut lesen. Positiv hervorheben möchte ich auch die Perspektivenwahl. Durch die Erzählung in der Ich-Perspektive gewinnt die Geschichte aus meiner Sicht ungemein, lässt sie doch einerseits den Leser noch eine tiefere Bindung zur Protagonistin knüpfen, und sorgt andererseits dafür, dass Kil seine mystische und geheimnisvolle Aura dauerhaft beibehält. Ich freue mich daher bereits jetzt auf die weiteren Bücher und bin sehr gespannt darauf, wie es mit Ivory und Kil, mit Embonis und der Welt weitergeht.

Das Cover ist ein wahres Meisterwerk und wurde von der tollen Rica Aitzetmüller (Cover & Books) gestaltet. Zusammen mit den folgenden Reihencovern sorgt es für ein einheitliches Gesamtbild und einen hohen Wiedererkennungswert. Im Gegensatz zum Cover können Lektorat und Korrektorat, sofern durchgeführt, nicht restlos überzeugen. Die vorhandenen Fehler und Logikbrüche mindern den Lesefluss zwar nicht sehr, wären aber bei einer genaueren Kontrolle locker zu vermeiden gewesen und sorgen dafür, dass das Buch das Potential, das die Geschichte bietet, nicht vollständig ausschöpft.

Mein Fazit: „Seductio: Von Schatten verführt“ ist ein vielversprechender Auftakt zu Regina Meißners Urban-Fantasy-Buchreihe. Mit einer spannenden Grundidee und tollen Charakteren legt der Roman den Grundstein für weitere tolle Bücher und macht Lust auf mehr. Trotz kleinerer Schönheitsfehler in der Umsetzung für Fantasy-Liebhaber bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Stefanie Hasse: „BookElements. Die Magie zwischen den Zeilen“

Was wäre passender zum Welttag des Buches als eine neue Rezension? Na dann los :)!

Vor einigen Tagen habe ich als fünftes Buch in meinem fantastischen Lesefrühling den Reihenauftakt „BookElements. Die Magie zwischen den Zeilen“ von Stefanie Hasse gelesen. Das Buch ist 2017 bei Im.press Taschenbuch erschienen und wurde zuerst 2015 im Carlsen Imprint „Im.press“ als e-Book veröffentlicht. Aus meiner Sicht ist es dem Genre „Young-Adult Urban Fantasy“ zuzuordnen. Als e-Books sind bereits drei Teile der Reihe veröffentlicht, als Taschenbuch folgt der zweite im Herbst 2017.

Melinda „Lin“ East arbeitet in der Bibliotheca Elementara als Wächterin. Zusammen mit 51d2bcdbmf9l-_sx319_bo1204203200_ihren Teammitgliedern Ric, Peter und Coral streift sie durch die Straßen und fängt dort seelenlose Romanfiguren, die von Lesern, die sich in die Charaktere verliebt haben, aus den Büchern herausgelesen wurden. Nur ihrem Lieblingscharakter Zac aus dem Roman „Otherside“ ist sie noch nie begegnet. Als die herausgelesenen Romanfiguren plötzlich Anomalien entwickeln und die ersten Söldner aus „Otherside“ auftauchen, bricht Panik unter den Wächtern aus und eine uralte Prophezeiung kommt wieder ans Tageslicht.

Auch wenn das Prinzip, dass Romanfiguren in die reale Welt geholt werden, nicht gänzlich neu ist, setzt Stefanie Hasse es auf eine interessante und innovative Weise um. „BookElements“ ist nämlich mehr als ein Roman, es ist zugleich auch ein Manifest für die Liebe zu Büchern. Die Handlung strotzt vor unerwarteten Wendungen, die den Spannungsbogen die ganze Zeit halten. Zwar darf auch das – im Genre übliche – Love Triangle nicht fehlen, es ist jedoch angenehm im Hintergrund gehalten und dominiert nicht das ganze Geschehen. Als kleine Easter-Eggs werden auch nicht nur Mythen wie Samhain eingebunden, sondern es wird auch auf moderne Bestseller Bezug genommen – so kann gleich getestet werden, wer als Booknerd wirklich alle herausgelesenen Protagonisten erkennt.

„BookElements“ besticht vor allem durch die Charaktere und das Zusammenspiel zwischen ihnen. Gut gefallen hat mir, dass die einzelnen Wächter nicht nur den Elementen zugeordnet worden sind, sondern sich die Elemente auch in ihren Wesenszügen widerspiegeln. Beständig wie die Erde, aufbrausend wie das Feuer, so kann man sich gut mit den einzelnen Protagonisten identifizieren und sich in ihnen wiederfinden.

Mir persönlich kam das Ende etwas schnell und überhastet, hier hätte ich mir ein paar mehr Seiten gewünscht. Ich möchte jedoch zugleich auch festhalten, dass das Ende mich nicht nur sehr (positiv) überrascht hat, sondern gleichsam auch endlich mal, trotz des Reihenformats, kein gänzlich offenes Cliffhanger-Ende ist, sondern den Roman gut abschließt – etwas, was in letzter Zeit bedauerlicherweise zur Seltenheit geworden ist.

An Lektorat, Korrektorat und Buchsatz gibt es nichts auszusetzen, auch das Cover ist grundsätzlich sehr gelungen. Ich persönlich hätte mir jedoch noch etwas mehr farbige Elemente gewünscht, die als Eyecatcher gedient und die einzelnen Elemente widergespiegelt hätten (anzusehen als Kritik auf einem ganz, ganz hohen Niveau).

Mein Fazit: „Die Magie zwischen den Zeilen“ ist ein vielversprechender Auftakt zu Stefanie Hasses „BookElements“-Reihe. Der Urban-Fantasy-Roman punktet durch starke, interessante Charaktere sowie durch eine spannende Handlung mit vielen unerwarteten Wendungen. Dabei kann insbesondere das – zwar leicht schnelle – Ende besonders überzeugen. Für Fans des Genres – und Buchliebhaber generell – bedenkenlos zu empfehlen. Ich freue mich jedenfalls schon auf die weiteren Teile.

[Buchgedanken] Ben Aaronovitch: „Der Böse Ort“

In den letzten Tagen habe ich den vierten Teil der Romanreihe um den Zauberlehrling Peter Grant gelesen: „Der Böse Ort“. Der Urban-Fantasy-Roman von Ben Aaronovitch erschien 2014 bei dtv und wurde ursprünglich unter dem Titel „Broken Homes“ 2013 bei Gollancz, London, veröffentlicht.

Noch immer hält die Jagd nach dem Gesichtslosen die magische Abteilung der Londoner 61be2b4bpx1lPolizei auf Trab. Ein verstorbener Stadtplaner und ein Einbruch in eine alte Villa eines bekannten deutschen Architekten führen Peter Grant zum Skygarden Tower, einer berühmt-berüchtigten Sozialwohnanlage im Süden von London. Doch welche Vision hat der Architekt Erik Stromberg mit dem Bau verfolgt? Weshalb interessiert sich der Gesichtslose so sehr für den Turm? Und was haben eine Baumnymphe und eine russische Nachthexe mit der Sache zu tun? Fragen über Fragen, auf die Peter Grant schnell Antworten finden muss, denn ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

„Der Böse Ort“ ist – wie auch bereits aus der Kurzbeschreibung ersichtlich – eine direkte Weiterführung der ersten drei Bände, da sie den zentralen Konflikt zwischen dem Folly (die magische Abteilung der Polizei) und dem gesichtslosen Magier behandelt. Ein Spannungsbogen ist vorhanden, und das Buch ist abwechslungsreich und humorvoll wie die Vorgänger. Jedoch fehlt mir im vierten Teil die eigenständige Handlung. Bisher gelang es Ben Aaronovitch immer exzellent, den zentralen Konflikt der gesamten Buchreihe im Hintergrund der einzelnen Fälle (man denke an das „Stille Volk“ aus Band 3) weiterzuentwickeln, während in diesem Teil der Konflikt dominiert und klar im Vordergrund steht. Das wäre an und für sich kein Probblem – wenn dann der durchaus epische Endkampf auch eine Entscheidung gebracht und sich nicht in einen Cliffhanger zu den nächsten Bänden gerettet hätte.

Zudem hat der Autor die Chance vertan, den Cliffhanger aus Band 3 („sprechender Fuchs“) und Abigail als Charakter noch stärker ins Buch zu integrieren. Abgesehen davon ist der Schreibstil von Ben Aaronovitch weiterhin ein wahrer Genuss. Wortwitz und Einfallsreichtum, pointierte Klischees und geniale Szenen wie die Frühlingscour sorgen dafür, dass trotz leichter Schwächen in der Handlung „Der Böse Ort“ erneut zu einem tollen Lesevergnügen wird und mich nach mehr lechzen lässt. Beeindruckend ist auch die Verknüpfung der Themen „Magie“ und „Architektur“, die nicht nur auf eine tolle Recherche schließen lässt, sondern auch die magische Welt des Romanes weiter ausbaut und mit Leben füllt.

Das aufwendig geprägte Cover, der Buchsatz, Lektorat und Korrektorat können auf der ganzen Linie überzeugen. Zudem bieten die Cover der Reihe einen starken Wiedererkennungswert.

Mein Fazit? „Der Böse Ort“ ist ein grundsolider Urban-Fantasy-Roman, der die Reihe um Peter Grant nahtlos fortführt. Leichte Schwächen in der Handlung trüben jedoch aufgrund des brillianten und humorvollen Schreibstils des Autors das Lesevergnügen kaum. Für Fans der Reihe, von humoristischer oder Urban-Fantasy bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Ben Aaronovitch: „Ein Wispern unter Baker Street“

Heute möchte ich meine erste Buchbesprechung für 2017 mit Euch teilen (und die letzte, bevor mein tolles neues Büchertagebuch ankommt – aber dazu nächste Woche mehr :)).

Über den Jahreswechsel habe ich „Ein Wispern unter Baker Street“ gelesen, den dritten Teil von Ben Aaronovitchs Urban-Fantasy-Buchreihe über den Londoner Polizisten und Zauberlehrling Peter Grant. Das Buch ist als Taschenbuch 2013 bei dtv erschienen, die Originalausgabe wurde 2012 unter dem Titel „Whispers Under Ground“ bei Gollancz, London, veröffentlicht.

„Ein Wispern unter Baker Street“ entführt den Leser in die Londoner U-Bahn. Als die 61en0z4hzcl-_sx312_bo1204203200_Leiche eines amerikanischen Kunststudenten gefunden wird, wird der Polizei schnell klar, dass Magie im Spiel ist. Deswegen werden Peter Grant und Leslie May zu dem Fall hinzugezogen, der sich schnell als komplizierter herausstellt, als sie es sich vorgestellt hatten. Denn der Getötete ist der Sohn eines amerikanischen Senators – was das FBI auf den Plan ruft. Vergessene Tunnel, Flussgottheiten und ein alter Feind. Im Untergrund von London gerät Constable Peter Grant in mehr als eine brenzlige Situation. Und alles, unter den wachsamen Augen der FBI-Agentin Reynolds…

Mit dem dritten Band knüpft Ben Aaronovitch nahtlos an die Handlung der ersten Bände an. Hierbei ist aber zu beachten, dass – auch wenn „Ein Wispern unter Baker Street“ als eigenständiges Buch gelesen werden kann – ich zwingend empfehle, die Reihe von Beginn an zu lesen, da dem Leser sonst schlichweg viele Hintergrundinformationen fehlen. Abgesehen davon ist der Roman erneut ein Paradebeispiel des Genres. Ben Aaronovitch integriert die Magie und magischen Wesen mühelos in die Londoner Gesellschaft und schafft einen Urban-Fantasy-Roman, der wie die Vorgänger vor allem durch seinen bestechenden Humor punkten kann – seit Terry Pratchett das humorvollste, was die Fantasy zu bieten hat.

Auch die Protagonisten und Nebencharaktere überzeugen vollends und sind detailreich ausgearbeitet (allerdings kam mir Nightingale in diesem Band etwas kurz). Zudem führt Ben Aaronovitch in diesem Band neue Wesen und Figuren ein, die das kleine, aber feine magische Universum erweitern – man lernt wie in jedem Band mit Peter mit.

Das Cover ist gelungen und auf der Vor- und Rückseite aufwendig geprägt. Buchsatz, Lektorat und Korrektorat sind ebenfalls ohne erkennbare Schwächen. Teil 4 kann also kommen (und liegt auch schon auf meinem SuB :)).

Die Handlung spielt in der Woche vor Weihnachten und ist kurzweilig. Mit vielen Plottwists und unerwarteten Wendungen lässt der Autor den Leser immer wieder im Unklaren darüber, was eigentlich genau vor sich ging. Dabei gelingt es Ben Aaronovitch, diesen Fall nicht nur eigenständig zu erzählen, sondern auch nahtlos in die (über alle Bände angelegte) Jagd nach dem Erzschurken der Reihe zu integrieren. Die Spannung wird dabei konstant aufgebaut, und nur durch die ebenfalls wichtigen witzigen Momente unterbrochen. „Ein Wispern unter Baker Street“ ist dabei genauso sehr Polizei- wie Fantasyroman und beschreibt auf humoristische – aber sicherlich auch zumindest teilweise zutreffende – Weise die Skurillitäten britischer Polizeiarbeit.

Mein Fazit: „Ein Wispern unter Baker Street“ ist ein Paradebeispiel für das Genre „Urban Fantasy“. Der Roman überzeugt mit Witz und tollen Charakteren, und ich kann ihn bedenkenlos jedem Liebhaber der Fantasy ans Herz legen. Allerdings würde ich empfehlen, vorher die Vorgänger „Die Flüsse von London“ und „Schwarzer Mond über Soho“ zu lesen.