[Buchgedanken] Salih Jamal: „Das perfekte Grau“

In der letzten Zeit habe ich auch „Das perfekte Grau“ von Salih Jamal gelesen. Der Roman ist der Gegenwartsliteratur zuzuordnen und in der mir vorliegenden Ausgabe 2024 im btb Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen, zuvor wurde das Buch bereits 2021 unter gleichem Titel im Septime Verlag veröffentlicht. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Eine junge Frau, eine ältere Dame, ein afrikanischer Flüchtling und ein Tagedieb treffen in einem heruntergekommenen Hotel an der Ostsee aufeinander. Sie sind wie das Hotel renovierungsbedürftig und versuchen ihre Risse zu kaschieren. Und alle sind sie auf die eine oder andere Weise auf der Flucht, vor den inneren Dämonen oder der Polizei. Als sie sich tatsächlich gemeinsam auf eine Reise ins Ungewisse begeben, offenbaren sich ihre Geheimnisse. Aus dem gegenseitigen Mitgefühl entsteht Fürsorge und letztendlich Freundschaft.

„Das perfekte Grau“ stand 2021 auf der Hotlist der besten Neuerscheinungen der unabhängigen Verlage. Dabei lässt sich der Roman eher schwierig einem Genre zuordnen, ist er doch – wie auch auf dem (neuen) Cover beworben – ein literarisches Road Movie. Gleichermaßen ist er irgendwie aber auch, trotz des fortgeschrittenen Alters, Coming of Age, ist Entwicklungs- und Schicksalsroman. Zusammenfassend würde ich das Buch daher der Gegenwartsliteratur zuschlagen, eine Eingruppierung, die sich auch auf Verkaufsportalen finden lässt.

Die Handlung ist durchaus spannend und komplex, verknüpft der Roman doch vier verschiedene, schwierige Schicksale miteinander. Allerdings kommt der Roman hier nur sehr langsam ins Rollen, ein leicht späterer Start hätte hier sicherlich gut getan. Und auch das Ende vermag nicht zu überzeugen, endet der Roman doch völlig offen und schließt keine Handlungsstränge ab, sieht man mal – mit Wohlwollen – von Mimis ab. Erzählt wird der Roman aus der Ich-Perspektive von Dante, was durchaus gelungen ist – auch wenn ich mir manchmal gewünscht hätte, auch in Novelles Kopf schauen zu können, um eine noch innigere Bindung zur stärksten Figur des Romans herstellen zu können.

Das Setting überzeugt im Wesentlichen. So nimmt der Autor die Leser:innen mit auf einen Roadtrip von der Küste bis hin nach Österreich, über Erdbeerfelder, durch Seen und Sümpfe – mit Zwischen- und Endstopps in Berlin und Altötting. Und auch wenn es Salih Jamal hier gelingt, durchaus wichtige gesellschaftliche Themen anzusprechen – egal ob Flucht, Arbeitsausbeutung in der Saisonarbeit oder die Verdrängung kleinerer landwirtschaftlicher Betriebe -, fehlt es schlussendlich jedoch an einem moralischen Kompass, an einem Korrektiv, zieht das Protagonist:innenquartett doch einem Verbrechersyndikat ähnlich durch die Lande, nur um Straftat nach Straftat zu begehen – die allesamt ungesühnt bleiben.

Die einzelnen Figuren sind dabei im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive, sind sie alle doch mit einer Hintergrundgeschichte versehen, die jeweils so problematisch ist, dass dies den Roman sogar – bei dessen Kürze – überfrachtet. Am stärksten begeistert hier noch Novelle. Salih Jamals Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und – nach kurzen Startschwierigkeiten am Anfang – das Kopfkino dann auch anlaufen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind durchaus Kleinigkeiten durchgerutscht, die das Lesevergnügen aber nicht erheblich schmälern, der Buchsatz ist einfach aber fehlerfrei – auch wenn man auf die Kapitelüberschriften hätte verzichten können, die meistens aber spoilerfrei bleiben. Das Covermotiv ist unauffällig und beliebig und wird leider zum Buchrücken hin unterbrochen, der ganze Buchumschlag ist hierbei kein Eyecatcher, allerdings dennoch eine Verbesserung zum Cover der Erstveröffentlichung.

Mein Fazit? „Das perfekte Grau“ ist ein durchaus spannendes, literarisches Roadmovie, das leider jedoch viel zu offen endet und dem etwas die moralische Einordnung fehlt. Für Leser:innen des Genres, die offene Enden tolerieren, dennoch zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Michaela Thewes: „Mein Herbst voller Küsse, Chaos und Graffiti“ (Charly und Noah 2)

In den letzten Tagen habe ich auch „Mein Herbst voller Küsse, Chaos und Graffiti“ von Michaela Thewes gelesen. Der Roman ist 2024 bei One in der Bastei Lübbe AG erschienen und als Jugendbuch einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die verlagseigene Bloggerjury.

Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie aufgeregt ich bin! Sina, eine Freundin von früher, soll für eine Weile bei uns wohnen und in meine Klasse gehen. Das wird bestimmt cool – habe ich gedacht. Aber irgendwie ist diese Sina ganz anders als in meiner Erinnerung. Sie sieht aus wie ein Rockstar und verhält sich total feindselig. Ich weiß, dass sie im Moment ’ne Menge durchmacht, also versuche ich, ihr den Neustart zu erleichtern. Mein Freund Noah hilft mir dabei. Er nimmt sogar mit Sina an einem Graffitiprojekt teil … und irgendwie verbringen sie super viel Zeit miteinander. Noah versteht nicht, warum ich das echt ätzend finde. Und auf einmal verbreitet auch noch jemand an der Schule fiese Gerüchte über mich. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Sina dahintersteckt, die mir Noah ausspannen will – oder?

„Mein Herbst voller Küsse, Chaos und Graffiti“ ist nach „Mein Sommer voller Flips und Flops“ der zweite Band der Buchreihe um Charly, Noah und deren gemeinsame Freunde. Dabei lässt sich der Roman relativ einfach als Jugendbuch einordnen, auch eine Zuordnung ins Genre Teen Romance wäre gleichsam möglich. Über die komplette Buchreihe hinweg könnte man zudem über eine Eingruppierung als Coming-of-Age nachdenken, dafür fehlt mir aber etwas der langfristige Blick, etwas die kontinuierliche Entwicklung, sodass ich es bei der allgemeinen Kategorisierung als Jugendbuch belassen habe. Empfohlen wird der Roman dabei seitens des Verlages für Leser:innen ab 12 Jahren.

Die Handlung ist durchaus abwechslungsreich und spannend, teils aber auch vorhersehbar. So reichert Michaela Thewes die Geschichte um die erste große Liebe mit anderen, jugendtypischen und altersgerechten Problemen an wie Mobbing, familiäre Streitigkeiten und mangelndes Selbstwertgefühl und mischt das ganze mit Romance-typischen Tropes, z.B. „Forced Proximity“ und „Friends to Enemies to Friends“ (ausnahmsweise mal keine Lover). Dabei erlaubt es die Handlung, das Buch als Standalone zu lesen – das habe ich auch getan, ohne allzu viel zu vermissen. Für ein runderes Gesamtbild empfiehlt es sich aber sicherlich, vor diesem Band auch den ersten Teil zu lesen.

Das Setting ist relativ austauschbar, für die Geschichte aber auch eher unwichtig. So entführt die Autorin ihre Leser:innen in eine – gefühlt – kleine bis mittelgroße Stadt, die lediglich namenlose Kulisse für das persönliche Drama der Protagonist:innen ist und dafür lediglich ein Gymnasium, ein Eiscafé, eine Pizzeria und einige weitere, versprengte Handlungsorte aufweisen muss. Etwas Lokalkolorit, eine genauere Verortung hätte zwar die Handlung nicht weiter vorangebracht, aber ihr vielleicht noch einen stärkeren, authentischen Flair verleihen können.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig ausgearbeitet, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Trotz der relativ kurzen Auftritte haben mich Emma und Anna besonders überzeugt, auch Nele und Sina können größtenteils glänzen, während insbesondere Charly nicht immer nachvollziehbar handelt – und mir gerade am Ende von nahezu allen Charakteren etwas Einsicht und Größe fehlt, sind ihre Aktionen doch durchaus problematisch. Der Schreibstil von Michaela Thewes lässt sich jedoch leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen, ist altersgerecht, teils aber zu bemüht jugendsprachlich durchsetzt.

Die Buchgestaltung ist ebenfalls solide. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist schön anzusehen und versucht sogar, die Chatnachrichten innovativ zu setzen – auch wenn hier sicherlich noch mehr rauszuholen gewesen wäre. Der Buchumschlag ist auf dem Cover, dem Buchrücken und der Coverrückseite leicht geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Das Covermotiv passt sich gut in die Reihe ein und sorgt für einen einheitlichen Gesamteindruck, ist dabei jedoch recht eintönig – und die Darstellung der Protagonistin Ton in Ton mit dem Hintergrund irritiert zudem.

Mein Fazit? „Mein Herbst voller Küsse, Chaos und Graffiti“ ist ein durchaus abwechslungsreiches und berührendes, teils humorvolles Jugendbuch, das – wie das Leben selbst – aber auch nicht perfekt ist und kleinere Schwächen aufweist. Für Leser:innen ab dem vom Verlag vorgeschlagenen Lesealter von 12 Jahren bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Elif Shafak: „Am Himmel die Flüsse“

In der letzten Zeit habe ich auch „Am Himmel die Flüsse“ von Elif Shafak gelesen. Der Roman ist 2024 in der Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG erschienen, die Originalausgabe wurde 2024 unter dem Titel „There are Rivers in the Sky“ bei Viking, Penguin UK veröffentlicht. Das Buch ist der Gegenwartsliteratur zuzuordnen, für die Übersetzung zeichnet Michaela Grabinger verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Narin ist neun, als in dem yezidischen Dorf am Tigris Planierraupen auftauchen. Ihre Heimat soll einem Dammbauprojekt der türkischen Regierung weichen. Die Großmutter, fest entschlossen, die Enkelin an einem ungestörten Ort taufen zu lassen, bereitet alles für die Reise ins heilige Lalisch-Tal vor. Kurz vor Aufbruch stößt Narin auf das Grab eines gewissen Arthur – direkt neben dem ihrer Ururgroßmutter Leila. Wer war dieser „König der Abwasserkanäle und Elendsquartiere“, der Junge aus dem viktorianischen London, von den Ufern der verschmutzten Themse? Und was hat er mit Narins eigener Vertreibung zu tun?

„Am Himmel die Flüsse“ ist mein erster Roman von der weltweit gefeierten Autorin Elif Shafak – und zeigt mir beeindruckend, warum sie mit Preisen überhäuft wird. Etwas irritierend auf Verkaufsplattformen teils als Coming-of-Age eingruppiert, würde ich den Roman vielmehr der Gegenwartsliteratur zuordnen, spricht er doch – trotz der auch historischen Aspekte – wichtige gesellschaftliche Themen und Problemkreise an und zeigt Parallelen zur Vergangenheit auf – alles vor dem Hintergrund der Klimakrise und der Geschichte des Wassers.

Die Handlung ist durchaus spannend und abwechslungsreich, wenn auch teils mit kleineren Längen versehen. Dabei wird die Geschichte im Wesentlichen in drei verschiedenen Handlungssträngen erzählt – den vierten, prologartigen, kann man hierbei vernachlässigen. Auch spielt die Handlung im Wesentlichen in zwei Zeitebenen, im viktorianischen England und – mehr oder weniger – in der Gegenwart 2014 bzw. 2018 und bildet nicht nur vergangene Ereignisse sondern auch wesentliche Entwicklungen der Jetztzeit ab. Elif Shafak mischt dabei gesellschaftlich wichtige Themen wie Organhandel, moderne Sklaverei, religiöse und ethnische Verfolgung und psychische Erkrankungen mit der Geschichte des Wassers und der Klimakrise zu einem gelungenen, monumentalen Gesamtkonstrukt.

Und auch das Setting kann dabei glänzen. So entführt die Autorin ihre Leser:innen in das heutige und das viktorianische London und in das gegenwärtige und vergangene Mesopotamien, genauer gesagt ins irakische Ninive und in die türkischen Gebiete am Tigris – inklusive eines kurzen Ausflugs ins Königreich von Assurbanipal. Dabei zeugen die Beschreibungen der Orte von einer ausführlichen Recherche, auch wenn Arthurs Reise fast noch präsenter, fast noch detaillierter hätte dargestellt werden können, um seine Eindrücke als Leser:in noch intensiver fühlen zu können.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei brillieren insbesondere Zaleekhah, Besma und Nen, während Arthur teils etwas blass verbleibt. Elif Shafaks Schreibstil ist hierbei unglaublich poetisch (ein Lob auch an die Übersetzung von Michaela Grabinger), lässt sich leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Auch die Buchgestaltung überzeugt größtenteils. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, die das Lesevergnügen kaum schmälern, der Buchsatz ist gelungen und wartet teils mit kleineren Abbildungen/Illustrationen auf. Eine Übersicht über die Reise eines Wassertropfens und umfangreiche Anmerkungen der Autorin runden die Geschichte ab – gern hätte ich mir hier auch noch eine Karte von Mesopotamien gewünscht. Das Covermotiv zieht sich gut über den kompletten Buchumschlag, der darüber hinaus auch noch mit farbigen, aber eintönigen Coverinnenseiten versehen ist. Allerdings ist das Covermotiv insgesamt zwar farblich stark, aber etwas zu simpel, um ein richtiger Eyecatcher zu sein.

Mein Fazit? „Am Himmel die Flüsse“ ist ein poetisch und atmosphärisch starker Roman der Gegenwartsliteratur, der wichtige Themen anspricht, dabei nur minimale Längen hat und somit Elif Shafaks Platz im Literaturolymp zementiert. Für Leser:innen ab 16 Jahren bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Kevin Panetta: „Bloom“ (Bloom 1)

Vor kurzem habe ich auch „Bloom“ von Kevin Panetta gelesen. Die Graphic Novel ist 2024 im One Verlag in der Bastei Lübbe AG veröffentlicht worden, die Originalausgabe erschien unter gleichem Titel 2019 bei First Second Books. Die Illustrationen stammen aus der Feder von Savanna Ganucheau, für die Übersetzung zeichnet Linde Müller-Siepen verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die verlagseigene Bloggerjury.

Die Highschool neigt sich dem Ende zu, und Ari kann es kaum erwarten, mit seiner Band in die Großstadt zu ziehen und durchzustarten – falls er seinen Dad davon überzeugen kann, dass er nicht länger in der Bäckerei der Familie gebraucht wird. Als Kind liebte Ari es, dort auszuhelfen – doch ein Leben lang zwischen Hefeteig und Spritzgebäck verbringen? Das ist nichts für ihn. Auf der Suche nach einem würdigen Ersatz trifft Ari auf Hector. Der ist ein gutmütiger Typ, für den Backen eine echte Leidenschaft ist. Nach und nach kommen sich die beiden näher, und es knistert gewaltig zwischen ihnen. Doch dann passiert etwas, dass die zarten Knospen ihrer Liebe zu zerstören droht …

„Bloom“ ist der erste Band der Buchreihe um Ari und Hector – und lässt sich natürlich als Graphic Novel relativ schnell zuordnen. „Bloom“ ist aber auch als Roman über die erste Liebe definitiv ein (queeres) Jugendbuch für Leser:innen ab 12, ist Coming-of-Age und Teen Romance gleichermaßen. Dennoch habe ich es der Einfachheit halber bei der reinen Kategorisierung als Graphic Novel belassen.

Die Handlung ist durchaus spannend und abwechslungsreich, teils aber genrebedingt auch vorhersehbar. Kevin Panetta mischt hierbei in die Liebesgeschichte jugendtypische Themen wie die Abkapselung von der Familie, Gruppenzwang, (toxische) Freundschaft und Zukunftsängste mit ein und sorgt so für ein Gesamtkonstrukt, in dem sich viele Leser:innen mit ihren Problemen auch wiederfinden können. Dabei endet der Roman durchaus offen, aber mit einem insgesamt runden Ende, das eine gute Grundlage für einen Folgeband bildet.

Savanna Ganucheaus Illustrationen sind in Türkis-/Blautönen gehalten und unterstützen die Handlung nicht nur, sondern „schreiben“ sie weiter. Dabei sind insbesondere die ganzseitigen Backszenen wunderschön und liebevoll gezeichnet und sorgen zusammen mit den anderen, ganzseitigen Illustrationen für optische Glanzlichter. Interessant und schön sind auch die am Ende gezeigten Entwürfe und Probeseiten, die einen Eindruck in die Entwicklung des Zeichenstils ermöglichen.

Insgesamt wirken die Illustrationen und der Text gut zusammen und schaffen eine altersgerechte Erzählung über die erste Liebe, auch Kevin Panettas Schreibstil lässt sich hierbei leicht und flüssig lesen und passt sich authentisch der Zielgruppe an. Die einzelnen Figuren sind dabei durchaus vielschichtig angelegt und haben Stärken und Schwächen. Hierbei brilliert insbesondere Hanna, während Hector noch etwas blass verbleibt und in einem Folgeband mit etwas mehr Hintergrund unterfüttert werden könnte.

Die Buchgestaltung überzeugt natürlich auf ganzer Linie. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz setzt Texte und Bilder zu einem tollen Gesamtprodukt. Der Buchumschlag ist auf dem Cover, der Coverrückseite und dem Buchrücken hochwertig geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen, das Covermotiv setzt sich auf dem Buchrücken fort, wird dort aber irritierenderweise zur Coverrückseite hin unterbrochen – schade. Dabei kann das Covermotiv durchaus überzeugen und greift in der Farbgebung schon den späteren Zeichenstil innerhalb des Buches auf.

Mein Fazit? „Bloom“ ist eine berührende Graphic Novel über die erste Liebe, die vor allem mit ihren Illustrationen glänzen kann, teils aber auch etwas vorhersehbar verbleibt und in der Charakterentwicklung noch Potential für die Folgebände bietet. Für Leser:innen ab 12 Jahren dennoch bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Beate Rösler: „Eddas Aufbruch“

Vor kurzem habe ich auch „Eddas Aufbruch“ von Beate Rösler gelesen. Das Buch ist 2024 bei Aufbau Taschenbuch in der Aufbau Verlage GmbH & Co. KG erschienen und als historische Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Um der Enge ihres autoritären Elternhauses zu entkommen, geht die 19-jährige Edda als Au-pair nach Paris. In einer politisch aufgeheizten Zeit verliebt sie sich in den Studenten Marcel, der neue Fragen in ihr weckt: Auf welcher Seite standen ihre Eltern in den Jahren des Nationalsozialismus? Zurück in Frankfurt am Main konfrontiert sie ihren Vater, doch dieser hüllt sich in Schweigen. Erst als Edda alte Feldpost im Schlafzimmer ihrer Mutter entdeckt, kommt sie den Ereignissen der Vergangenheit auf die Spur. Was sie herausfindet, stellt nicht nur ihre Beziehung zu Marcel auf die Probe. Edda muss sich zudem entscheiden, wie weit sie für Gerechtigkeit gehen will … 

„Eddas Aufbruch“ ist eine sehr lose Fortsetzung des Vorgängerromans der Autorin („Helenes Versprechen“) – zumindest trifft man hier teils auf bekannte Charaktere. Dabei sind die Romane jedoch jeweils als Standalone lesbar und angedacht, die Hinweise auf die Verbindungen ergaben sich für mich überhaupt nur durch den Austausch mit der Autorin. „Eddas Aufbruch“ lässt sich zudem nicht ganz einfach einem Genre zuordnen. Auf Verkaufsportalen teils eingruppiert als „Coming of Age“ habe ich mich aufgrund der Erforschung der familiären Vergangenheit dennoch für die Kategorisierung als Familiensaga entschieden – als „historische Familiensaga“ um genau zu sein, da die Handlung zudem mehr als 50 Jahre in der Vergangenheit spielt.

Apropos Handlung: Diese ist durchaus spannend und abwechslungsreich und wartet immer mal wieder mit der ein oder anderen unerwarteten Wendung auf. Gleichsam ist sie auch Produkt der erzählten Zeit, dennoch hätte ich mir trotz des jugendlichen Leichtsinns von Edda durchaus einen reflektierteren Blick auf die Verbrechen und Anfänge der RAF gewünscht – oder zumindest eine historische Einordnung in einem Nachwort. Auch sind mir die Handlungsübergänge zwischen den Sinnabschnitten teils etwas drastisch. So werden hier gelegentlich Probleme aufgeworfen und sind im nächsten Abschnitt bereits gelöst – dabei ist durchaus manchmal auch der Weg das Ziel, hier hätte man noch eine rundere Geschichte und Charakterentwicklung schaffen können.

Das Setting kann dahingegen völlig begeistern. So entführt die Autorin den Leser in die ausgehenden 60er Jahre zum Besuch des Schahs nach Berlin, in ein Paris der Studentenproteste und ein gutbürgerliches Frankfurter Elternhaus – kurz: in eine Welt im Umbruch mit krassen Gegensätzen, die hier durchaus deutlich werden. Dabei gelingt es Beate Rösler den schmalen Grat zwischen antiautoritärer Opposition und Radikalisierung greifbar zu machen – sie lässt ihre Figuren diesen nämlich regelmäßig überschreiten, sodass man ihnen teils auch kein Happy End mehr gönnt.

Diese Figuren sind somit durchaus auch komplex und vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei überzeugen vor allem wichtige Nebenrollen wie Ariane und Florence, während gerade Marcel etwas blass verbleibt und nicht nachvollziehbar handelt – aber vermutlich ist für viele Leser heute die damalige Radikalität nicht mehr wirklich verständlich. Beate Röslers Schreibstil hingegen lässt sich gut und flüssig lesen, das Kopfkino sofort anspringen und balanciert gut zwischen historischer Authentizität und der Lesbarkeit.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz ist ebenfalls ordentlich. Das Covermotiv zieht sich gut über Buchrücken und Coverrückseite, sodass ein tolles Gesamtbild entsteht, ist dabei durchaus auch ansehnlich, aber austauschbar beliebig. Gern hätte ich mir – wie oben angedeutet – auch ein ausführlicheres Nachwort gewünscht, das das Zeitgeschehen in den größeren historischen Kontext einordnet.

Mein Fazit? „Eddas Aufbruch“ ist eine im Wesentlichen überzeugende historische Familiensaga, die wichtige Themen und Fragen anspricht und aufwirft, aber auch kleinere Schwächen hat. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.

Selfpublishing im Doppelpack | Adventliche Buchpost

Vor einigen Tagen erreichte mich eine tolle, adventliche Überraschung – ein Selfpublishing-Buchpaket aus dem Adventskalendergewinnspiel der Autoren-WG – vielen Dank dafür <3. Darin enthalten unter anderem: „Wie Schwimmen im Meer“ von Matti Laaksonen (B.o.D) und „Abby – Mit Butch Cassidy auf dem Outlaw Trail“ von Claudia Fischer (ebenfalls Books on Demand). Ersteres ist dabei ein queerer Young-Adult und Coming-of-Age Roman, während Claudias Buch der Auftakt in eine vierbändige historische Westernreihe ist und vormals bereits bei Bogner Media & Packaging veröffentlicht worden ist – ich bin gespannt! Im weiteren Verlauf der Woche zeige ich Euch dann noch die beiden weiteren, im Paket enthaltenen Bücher (und Teile der Goodies).

Welches Selfpublishing-Buch habt Ihr zuletzt gelesen?

[Buchgedanken] Katie Henry: „Gideon Green – Das Leben ist nicht schwarz-weiß“

Vor kurzem habe ich „Gideon Green – Das Leben ist nicht schwarz-weiß“ von Katie Henry gelesen. Das Buch ist 2023 im Magellan Verlag, Magellan GmbH & Co. KG erschienen, die Originalausgabe wurde 2022 unter dem Titel „Gideon Green in Black and White“ bei Katherine Tegen Books veröffentlicht. Der Roman ist als Jugendbuch einzuordnen, für die Übersetzung zeichnet Anne Emmert verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Eigentlich hat Gideon seine Karriere als Detektiv ja längst an den Nagel gehängt. Damals, nach den Vorkommnissen auf dem Schuldach. Doch dann steht plötzlich Lily vor der Tür, die mal sowas wie seine beste Freundin war. Sie ist da einer Sache auf der Spur und dafür braucht sie Gideons Hilfe. Und weil eben niemand so ein gutes Gespür hat für Verbrechen wie Gideon, kann er quasi nicht Nein sagen. Aber mit wem haben sie sich da angelegt? Als es schließlich um einen echten Mord geht und Gideon eine Verschwörung bis in die höchsten Kreise der Stadt wittert, muss er feststellen, dass das Leben so gar nichts mit einem Film noir zu tun hat.

„Gideon Green – Das Leben ist nicht schwarz-weiß“ wird vom Verlag als Jugendkriminalroman beworben, als Coming-of-Age Geschichte für Leser ab 13 Jahren. Da der Roman zudem jugendtypische Probleme thematisiert wie Freundschaft, Mobbing, Probleme mit den Eltern und die erste Liebe, sehe ich den Roman eher als klassisches Jugendbuch, sind doch beide Handlungsstränge für mich gleichwertig. Dabei ist der Roman soweit ich es sehe als Einzelband angelegt, er hätte jedoch durchaus auch das Potential eine Reihe zu begründen – ich würde mich zumindest über weitere Titel über Gideon und seine Freunde sehr freuen.

Die Handlung ist kurzweilig und abwechslungsreich, der Spannungsfaktor eher im moderaten Bereich, nahe eines Cozy Crime Titels – alles in allem also durchaus altersgerecht. Dabei werden die einzelnen Handlungsstränge gut ausbalanciert, sodass auch Gideons persönlich Entwicklung, die man durch die intelligent gewählte Ich-Perspektive hautnah miterleben darf, nicht zu kurz kommt. Obwohl alle wesentlichen Handlungsstränge aufgelöst werden, verbleib dennoch genug Potential für Folgebände – sowohl in kriminalistischer als auch in romantischer Richtung – hoffen darf man ja mal.

Das Setting ist gelungen, aber unspektakulär und austauschbar. So entführt der Roman den Leser in eine typische kalifornische Stadt – Strand und Highschool inklusive. Dabei spielt der Roman mit seinem Setting, durch Gideons Augen erlebt man die Handlungsorte einmal real und in einer Film noir Version, die er sich vorstellt. Besonderes Highlight? Der durch Gideons Vater ermöglichte Einblick ins Gastrogewerbe.

Die einzelnen Figuren sind vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Gideon kann hier durch seine Mischung aus Intelligenz und Unsicherheit durchaus punkten und überzeugen, aber die Show wird ihm von Tess gestohlen, die auf ganzer Linie brilliert und sich vom ersten Moment an in die Herzen aller Leser gespielt hat – gern würde ich auch Spinoff-Romane von ihrer Collegezeit lesen. Katie Henrys Schreistil ist hierbei leicht und flüssig zu lesen, altersgerecht und lässt das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist ordentlich, hätte aber noch etwas mutiger, innovativer sein können. Der Buchdeckel bietet ein einheitliches Design und ist mit gestalteten Coverinnenseiten versehen, das Covermotiv kann gleichsam überzeugen, auch wenn auf Cover und Coverrückseite die Typografie ebenfalls etwas stärker ans Thema Film hätte angepasst werden können.

Mein Fazit? „Gideon Green – Das Leben ist nicht schwarz-weiß“ ist ein überzeugendes Jugendbuch, der vor allem durch faszinierende Charaktere und eine abwechslungsreiche Handlung brilliert und nach mehr davon schreit. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag vorgeschlagenen Lesealter von 13 Jahren.

[Buchgedanken] Sebastian Beck: „Vinz Solo“

Vor kurzem habe ich „Vinz Solo“ von Sebastian Beck gelesen. Das Buch ist 2023 in der Langen Müller Verlag GmbH erschienen und als Entwicklungsroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Die niederbayerische Provinz in den Achtzigern: In Artlhofen tobt der Kulturkampf zwischen Kirche, CSU und der Anti-Atombewegung. Mittendrin der 18-jährige Oberministrant Vinzenz Bachmaier, der endlich auch einmal cool sein möchte. Aber statt zur Demo nach Wackersdorf muss er zur Wallfahrt nach Altötting mitfahren. So wird das nichts mit seiner Ricarda und der Karriere als Rockgitarrist. Als er schließlich mit seiner Band aus der katholischen Enge ausbricht und das Glück greifbar nah scheint, nimmt sein Leben eine tragische Wendung. Vinzenz ist plötzlich ganz auf sich und seinen kauzigen Freund Kowalczyk gestellt – und auf seinen trotzigen Lebenswillen.

„Vinz Solo“ ist der neueste Roman des bayrischen Journalisten Sebastian Beck – und mehr oder weniger ein Porträt, eine Skizze über das Leben im ländlichen Bayern der 80er Jahre. Darüber hinaus ist das Buch – wie oben benannt – ein Entwicklungsroman, ist Coming-of-Age und Gegenwartsliteratur. Und es ist durchaus auch Gesellschaftskritik – im Großen wie im Kleinen. Dabei lassen sich zumindest einige der angesprochenen Themen auch gut in die heutige Zeit transportieren und sorgen so für eine gewisse Aktualität.

Die Handlung ist hierbei durchaus abwechslungsreich, teils aber auch vorhersehbar und überzeugt vor allem im ersten Abschnitt, der vor Humor und Leichtigkeit strotzt, während der zweite und dritte Teil des Buches doch etwas abbaut. Zwar wird das Buch zum Ende hin wieder etwas stärker, dies wird aber durch das in Gänze offene Ende konterkariert, das den Leser doch etwas unbefriedigt zurücklässt – insgesamt fehlt hier etwas der rote Faden, der sich sinnstiftend durch die komplette Handlung zieht.

Das Setting ist naturgemäß ein Traum. Der Autor entführt den Leser in die bayrische Provinz der 80er Jahre, in eine Welt zwischen Tradition und ersten, zarten modernen Anwandlungen – zwischen Punk und Kirchenchor, zwischen Anti-Atomkraft und Konservatismus. Eine Reise, die für die meisten Leser, die die 80er Jahre nur am Rande oder gar nicht miterlebt haben, in vielen Punkten abenteuerlich, teils sogar gar nicht vorstellbar ist.

Die einzelnen Figuren sind vielschichtig angelegt, einige zentrale Nebenfiguren wie Dilara und Simmerl können hier auch überzeugen. Vinz hingegen hängt irgendwie in der Luft, handelt teils nicht nachvollziehbar, zeigt keine Lernkurve und macht es dem Leser somit trotz der Ich-Perspektive schwer, eine Bindung zu ihm zu entwickeln. Sebastian Becks Schreibstil ist leicht und flüssig lesbar und überzeugt gerade im ersten Teil mit bestechendem Humor, der leider im Verlauf der Handlung immer weiter abnimmt.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz ist fehlerfrei und lässt (immerhin) wenigstens die drei Buchabschnitte auf ungeraden Seiten beginnen, was bei der Masse an Kapiteln sonst nicht geschieht. Der Buchumschlag ist mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen, das Titelbild zieht sich gut über den gesamten Umschlag und sorgt für einen tollen Gesamteindruck, der auch durch die unglaublich gelungene Haptik des Buches verstärkt wird. Allerdings vermag das Titelbild in seiner Komposition nicht zu überzeugen. Zwar ist es farblich toll, die Zusammenstellung des gezeichneten Motivs mit dem hineingesetzten Menschen irritiert jedoch.

Mein Fazit? „Vinz Solo“ ist ein interessantes Porträt über das ländliche Bayern der 80er Jahre, das mit seinem Setting brilliert und stark und humorvoll beginnt, aber leider mit Verlauf der Handlung etwas nachlässt, den roten Faden vermissen lässt und viel zu offen endet. Für Leser mit Interesse am Thema dennoch zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Gabriel Herlich: „Freischwimmer“

Und auch dieses Buch habe ich vor kurzem gelesen, nachdem ich den Autor auch auf der Leipziger Buchmesse getroffen habe. „Freischwimmer“ von Gabriel Herlich ist 2023 im Pendragon Verlag erschienen und als Gegenwartsliteratur einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Es gibt Zeiten im Leben, auf die man zurückblickt und begreift, dass sie alles verändert haben – für Donnie Frey ist diese Zeit sein 21. Sommer. Eine einzige schicksalhafte Begegnung reicht aus, um Donnie völlig aus der Bahn zu werfen. Plötzlich sieht er sich mit Fragen konfrontiert, denen er bislang erfolgreich ausgewichen ist. Was bedeutet es, eigene Entscheidungen zu treffen und mit den Konsequenzen zu leben? Wie weit würde er gehen, um für seine Überzeugungen einzustehen? Antworten auf diese Fragen findet er dort, wo er sie am wenigsten erwartet hätte: in Zimmer 311 eines Altenheimes, auf dem Fahrersitz eines Buchanka und in einem malerischen Hotel in Südfrankreich.

„Freischwimmer“ wird im Blurb von Takis Würger als Roadmovie, als Liebesgeschichte und Entwicklungsroman beschrieben – und ist unzweifelhaft auch all das. Gleichsam ist es auch ein Coming-of-Age Roman, fast eine Familiensaga, aber vor allem auch ein Roman der Gegenwartsliteratur. Letzteres habe ich auch als Einordnung, als Symbolbild für die Gesamtheit, die Komplexität übernommen – eine Kategorisierung, die durchaus auch auf wichtigen Verkaufsportalen zu finden ist.

Die Handlung ist abwechslungsreich und kurzweilig – auch wenn die einzelnen Zufälle, die die Handlung vorantreiben, in der Gesamtheit doch etwas konstruiert erscheinen. Das Ende hingegen verdient sein Lob dafür, nicht klischeehaft ein Happy-End zu installieren, sondern eine Auflösung, die zur Story passt und sich echt und organisch anfühlt. Dabei mischt Gabriel Herlich schwere Themen wie Rassismus, Antisemitismus, Beutekunst und physische und sexuelle Gewalt mit der zarten Liebesgeschichte – und einer Mission der Wiedergutmachung.

Das Setting ist gelungen. So entführt der Autor den Leser nach Hamburg, in eine Welt voller Gegensätze zwischen High-Society Villa und schäbiger Gartenlaube, die in der Figur von Donatus kumulieren, der zu Beginn des Buches in beiden Welten – und doch irgendwie in keiner – so richtig zuhause ist. Zudem nimmt Gabriel Herlich den Leser auch mit auf eine Reise, nicht nur nach Frankreich sondern auch in die Vergangenheit zweier Familien voller Geheimnisse und Erinnerungen.

Die einzelnen Figuren sind vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei brilliert vor allem Meggie, und auch Laura und Vincent können als wichtige Nebencharaktere überzeugen. Donatus hingegen bleibt etwas blass, handelt nicht immer nachvollziehbar und lässt teils eine Lernkurve vermissen. Gabriel Herlichs Schreibstil ist hingegen leicht und flüssig lesbar und lässt das Kopfkino sofort anspringen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, wobei letzterer sich ein Zusatzlob dafür verdient, jedes Kapitel auf einer ungeraden Seite zu starten. Der Buchumschlag ist relativ simpel und eintönig, das Covermotiv, das ebenfalls nicht in Gänze überzeugt, abrupt zum Buchrücken unterbrochen. Auch das unter dem Umschlag befindliche Buch ist sehr einfach gestaltet – lediglich die Haptik vermag hier wirklich zu überzeugen.

Mein Fazit? „Freischwimmer“ ist ein Roman der Gegenwartsliteratur, der mit einer abwechslungsreichen und gut ausbalancierten Handlung punktet, die allerdings in Teilen auch etwas konstruiert erscheint. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 14 oder 15 Jahren.

Von Roadtrips und epischen Quests | Doppelte Buchpost

Auch diese beiden Bücher erreichten mich in den letzten Tagen als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de – vielen Dank dafür. „Henny & Ponger“ von Nils Mohl (Mixtvision Verlag) ist dabei ein Coming of Age Roman, ein Jugenduch mit Roadtrip, während „Telamon – Aufbruch nach Unoria“ von Edda Bork (Xoxo Verlag, Eisermann Media) klassische High Fantasy mit einem epischen Quest ist – sieht die Karte dazu nicht wunderbar aus? Ich bin schon gespannt darauf, welche Reise mir besser gefällt.

Welches Jugendbuch hat Euch zuletzt nachhaltig beeindruckt?