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[Buchgedanken] Wolfram Benisch: „BENSKI – Die Jagd nach dem Artefakt“ (Benski 1)
In den letzten Tagen habe ich „BENSKI – Die Jagd nach dem Artefakt“ von Wolfram Benisch gelesen. Das Buch ist 2025 im Selfpublishing (Literatur- und Medienverlag Wolfram Benisch) veröffentlicht worden und als Mysterythriller einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Autor für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Als Privatdetektiv Jack Benski einen scheinbar harmlosen Undercover-Auftrag übernimmt, ahnt er nicht, dass er sich schon bald in einem Netz aus Verschwörungen, geheimen Forschungen und uralten Mythen wiederfindet. Siebzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erhalten die Nachfahren einer deutschen Bomberbesatzung eine rätselhafte Nachricht: Ein verschlüsselter Lageplan soll sie zum Wrack des abgestürzten Bombers führen – angeblich voll beladen mit Gold und Raubgut aus den letzten Kriegstagen. Doch was sich tatsächlich an Bord befindet, sprengt jede Vorstellung. Benski wird in die Gruppe eingeschleust und lernt dort Katharina kennen – sie weiß mehr, als sie zugibt. Schon bald geraten sie ins Visier skrupelloser Verschwörer und fanatischer Altnazis. Eine tödliche Jagd beginnt – während im Schatten ein weiterer Player einen teuflischen Plan verfolgt. Kann Benski ihn stoppen, bevor es zu spät ist?
„BENSKI – Die Jagd nach dem Artefakt“ ist der Debütroman von Wolfram Benisch und der Auftakt in eine potentielle Buchreihe um Privatdetektiv Jack Benski, der irritierenderweise online teils auch unter dem Titel „BENSKI – Der letzte Flug der Hugin“ auffindbar ist. Dabei lässt sich der Roman gar nicht so einfach einem Genre zuordnen. Während er auf dem Cover der mir vorliegenden Ausgabe noch als „Thriller“ bezeichnet wird, ist das Cover online bereits (wie oben ersichtlich) aktualisiert und konkretisiert das Buch als „Abenteuer-Mystery-Thriller“. Ich persönlich habe mich für die Eingruppierung als Mysterythriller entschieden, allerdings zeigt das Buch auch starke Anklänge an die Science-Fiction.
Die Handlung ist hierbei gerade anfangs sehr fragmentarisch durch unzählige Perspektiven, Handlungsstränge, ein Auseinanderfallen von Handlungsorten, was das Buch nur schleppend starten lässt. In der zweiten Hälfte zieht der Roman hier aber durchaus an und kann zum Ende hin sogar punkten, wenn man sich auch den Cliffhanger ganz am Schluss hätte sparen können. Auch kann die eingestreute Liebesgeschichte nicht wirklich überzeugen, und es sind auch kleinere Logikfehler/Logikbrüche vorhanden – alles in allem wird die Handlung der tollen Prämisse leider nicht vollständig gerecht, was auch an unergründlichen Zeitsprüngen liegt, die die Handlung plötzlich an einen anderen Punkt führen. Zugleich stocken Handlung und Lesefluss auch durch die oftmals unnötig detaillierten Benennungen von Waffensystemen und Kalibergrößen.
Und auch das Setting hat Stärken und Schwächen. So nimmt der Autor die Leser:innen mit auf eine Reise quer durch Deutschland und die Welt, begeben wir uns doch mit den Protagonist:innen nach Norwegen, Südamerika, Rumänien und Frankreich – und das waren sicherlich noch nicht alle Handlungsorte. Zugleich werden diverse populäre Mythen und Verschwörungstheorien in die Geschichte eingebaut – hier hätte man durchaus auf den ein oder anderen Schlenker verzichten können, um die Handlung etwas fokussierter zu halten und vertiefter auf die Themen eingehen zu können, ohne sie jeweils nur am Rande zu streifen.
Die einzelnen Figuren haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive, die teils undurchschaubar bleiben – auch verschwinden Figuren sang- und klanglos. Am stärksten überzeugen hier noch Nebencharaktere wie Chris, Boris und Tanja, während Benski quasi dauerhaft fremdgesteuert ist und insbesondere die Liebesgeschichte in der Charakterentwicklung nicht wirklich deutlich wird. Wolfram Benischs Schreibstil lässt sich dabei im Wesentlichen flüssig lesen und das Kopfkino sofort anspringen.
Die Buchgestaltung ist durchwachsen. Lektorat und Korrektorat sind – soweit durchgeführt – durchaus vermehrt Fehler durchgerutscht, und auch der Buchsatz überzeugt nicht vollends, von den milde spoilernden Kapitelüberschriften und der Einbindung von Handlungsort und -Zeit in den Fließtext mal abgesehen. Allerdings kann das Cover im Wesentlichen glänzen, setzt es sich doch nahtlos auf Buchrücken und Coverrückseite fort und sorgt so für ein einheitliches Gesamtbild, das zudem auch Anklänge an die Handlung zeigt und duchaus ansehnlich ist (die leichte Abweichung vom Print zum nun online verfügbaren Cover irritiert jedoch leicht). Lediglich auf die Darstellung des Menschen hätte man hier verzichten können.
Mein Fazit? „BENSKI – Die Jagd nach dem Artefakt“ ist ein Mysterythriller mit vielversprechenden Ansätzen, der aufgrund diverser Fehler und einer teils unnötig aufgebauschten Handlung sein Potential nicht vollends ausschöpft. Für Leser:innen, die der sehr bunte Genremix nicht stört und die über so etwas hinwegsehen können, noch geeignet – ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.
Von fremden Kulturen und vergangenen Zeiten | Doppelte Buchpost
Auch diese beiden Bücher erreichten mich vor kurzem. „Das Haus in Charlottenburg“ von Beate Sauer (Heyne Verlag, Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH) kam dabei als Rezensionsexemplar im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de zu mir, während „Hidden Japan“ von Chiara Terzuolo (Knesebeck Verlag, mit Illustrationen von Justine Wong) mir versehentlich zugesandt wurde – ich werde es aber trotzdem auch bei Lovelybooks besprechen. Beide Bücher nehmen die Leser:innen dabei auf Reisen mit, einmal in das Deutsche Kaiserreich Ende des 19. Jahrhunderts, einmal nach Japan, auf eine Entdeckungstour der wundervollen Kultur fernab breitgetretener Touristenpfade. Ich bin auf beide Werke schon sehr gespannt – und freue mich auch darüber, mal wieder ein Buch von Beate zu lesen :).


Wart Ihr schon einmal in Japan?
Männer und Frauen auf gefährlicher Mission | Doppelte Buchpost
Heute habe ich mal wieder zwei Neuzugänge für Euch. Während in „Tinte und Schwert: Verwandlung“ von Matthias Soeder (Feuertanz Verlag, VA-Verlag), das mich als Rezensionsexemplar im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de erreichte, Jacob – unterstützt von Anna – einen unbarmherzigen Rachefeldzug vor dem Hintergrund des 30-jährigen Krieges unternimmt, gehen in „M VS F“ von Johannes Ulbricht (Blond Verlag) Venni und Isabella auf eine Reise nach Ruhm, bei der die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit verschwimmen. Letzteres Buch kam dabei als Rezensionsexemplar nach einem Rezensionsangebot auf Social Media zu mir – vielen Dank jeweils. Ich bin auf beide Geschichten schon sehr gespannt und freue mich darauf, die Protagonist:innen auf ihren gefährlichen, eskapistischen und sicherlich immer spannenden Reisen zu begleiten.


Wohin seid Ihr zuletzt gereist?
[Buchgedanken] Nataša Dragnić: „Affenliebe“
Vor kurzem habe ich auch „Affenliebe“ von Nataša Dragnić gelesen. Das Buch ist 2025 im Selfpublishing über tredition im Label MORE books veröffentlicht worden und der Gegenwartsliteratur zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Als Maximilian Kaiser, ein 64-jähriger Berliner Literaturprofessor, eines Tages Post von einer Monika Wimmer erhält, beginnt eine obsessive, phantasiegeladene E-Mail-Korrespondenz. Ihr erstes Treffen ist stürmisch, verstörend und voller unausgesprochener Sehnsüchte und verwirrender Gespräche. Doch so leidenschaftlich alles beginnt, so abrupt und unerklärlich endet es. Auf der Suche nach Antworten reist Maximilian samt seiner katzentötenden Neugierde in die eigene Vergangenheit und begibt sich auf Spurensuche: zu seinem Vater, zu seiner Kindheit, zu den Geheimnissen seiner Mutter – und zu Monika nach Bremen, wo alles begonnen hat. Um eine Wahrheit zu entdecken, die er nie erwartet hätte.
„Affenliebe“ ist mein erster Roman von Nataša Dragnić – und mit Sicherheit das speziellste Buch, das ich bislang in diesem Jahr gelesen habe. Dabei lässt sich der Roman bereits nicht so einfach kategorisieren, wird er doch als literarischer Liebesroman beworben – und teils skurril auf Verkaufsplattformen eingruppiert. Ich habe das Buch jedoch – obwohl die Liebe ein zentrales Thema ist – der Gegenwartsliteratur zugerechnet, da mir persönlich viele Eigenschaften klassischer Liebesromane fehlen.
Die Handlung dreht sich nämlich zwar – wie bereits festgestellt – durchaus um Liebe, um Verlangen, zugleich aber auch um Obsession, Selbstaufgabe und Wahn. Denn der Professor steigert sich eskapistisch in einen Fiebertraum, der zuweilen Realität und Fiktion durchmischt und immer und immer wieder auf das übergeordnete Thema „Affe“ zurückgeht, das sich durch Generationen der Familie des Professors zieht, für die Leser:innen aber nicht immer greifbar und teils verwirrend bleibt. Dennoch kann vor allem das Ende mit einem positiven Ausblick glänzen.
Auch das Setting überzeugt größtenteils. Zwar sind Berlin und Bremen als Handlungsorte (und die Wege dazwischen) mehr oder weniger austauschbar, jedoch schafft die Autorin mit der Komparatistikprofessur des Protagonisten eine faszinierende Grundlage, um immer wieder Stendhal-Zitate in den Roman einzubringen und Vergleiche zu anderen großartigen Autor:innen zu ziehen (die Porträts an den Bürowänden lassen grüßen). Gleichsam wird durch den Mail-Wechsel hier innovativ über einen längeren Zeitraum ein virtuelles Kennenlernen dargestellt – als absolutes Neuland für den analog lebenden Professor.
Aufgrund der geringen Anzahl an handelnden Charakteren – eigentlich tritt fast nur der Professor wirklich regelmäßig auf -, lässt sich sehr wenig zu den Figuren im Roman sagen. Die marginal eingestreuten Nebencharaktere wie Hamdi und Fiona können zwar überzeugen, sind aber jeweils nur Stütze für den Professor, der sich in Gegenwart und Vergangenheit verliert und irgendwie nicht so richtig greifbar für die Leser:innen verbleibt – vermutlich sind oftmals die Lebenswelten einfach zu verschieden. Nataša Dragnićs Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anspringen.
Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss nicht erheblich schmälern, der Buchsatz ist ordentlich und verdient ein Lob für den Start der Kapitel auf ungeraden Buchseiten, hätte aber auch die Mail-Verläufe innovativer setzen können. Das Cover und die Coverrückseite werden zum Buchrücken hin stark unterbrochen, sind durchaus aber ansehnlich und ungewöhnlich, wenn auch kein klassischer Eyecatcher aufgrund der eher eintönigen Farbgebung.
Mein Fazit? „Affenliebe“ ist ein durchaus ungewöhnliches Buch, das vor allem durch seine innovative Idee und deren Umsetzung punktet, aber auch kleinere Schwächen hat. Für Leser:innen von Romanen der Gegenwartsliteratur bedenkenlos zu empfehlen.
Spannung im Doppelpack | Lovelybooks-Buchpost
Heute habe ich zwei Fortsetzungen von Krimireihen für Euch, die mich vor kurzem als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de erreichten – vielen Dank dafür. „Branderbe“ ist hierbei schon der dritte, im Selfpublishing veröffentliche, Band um das Frankfurter Duo Sebastian Buck und Maike Lange von Lou Sandberg („Mainblüte“ kenne ich bereits), während „Der Tod wischt mit“ (Wilhelm Heyne Verlag, Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH) die Reihe um Tilly Blich von Andreas Suchanek als zweiter Band fortsetzt. Ich bin schon ganz gespannt darauf zu erfahren, wie sich die Charaktere in Lous Buch weiterentwickelt haben – und freue mich schon darauf, mit Tilly – Inhaberin einer Reinigungsfirma – eine mal ganz andere Ermittlerin kennenzulernen.


Was mögt Ihr an Krimis?
[Buchgedanken] Manuela Schörghofer: „Schatten über dem Kloster“ (Isabella Falk 1)
Vor kurzem habe ich auch „Schatten über dem Kloster“ von Manuela Schörghofer gelesen. Das Buch ist 2025 bei HarperCollins in der Verlagsgruppe HarperCollins Deutschland GmbH erschienen und als historischer Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Allgäu 1376: In den rußgeschwärzten Ruinen des Klosters Weißenfels wird die Leiche des Bürgermeisters entdeckt – doch schnell stellt sich heraus, dass er bereits vor dem verheerenden Brand ermordet wurde. Der zuständige Richter von Füssen erkrankt, und kurz vor seinem Tod setzt er seine Frau Isabella Falk als Erbin ein unter der Bedingung, den Mord an seinem Freund aufzuklären. Gemeinsam mit dem charismatischen Gerichtsschreiber Leonhard folgt Isabella einer Fährte aus Verrat und dunklen Machenschaften – und gerät dabei selbst in tödliche Gefahr.
„Schatten über dem Kloster“ ist mein fünftes Buch von Manuela Schörghofer – und der erste Band der neuen Reihe um Isabella Falk, die Witwe des Stadtrichters. Dabei wird das Buch auf dem Cover als historischer Roman bezeichnet, gleichzeitig aber als historischer Krimi beworben. Insbesondere im Hinblick darauf, dass das Buch hier eine Reihe um Isabella begründen soll, kann ich mir vorstellen, dass die nächsten Bände noch stärker in Richtung Krimi driften, vor allem, wenn aus Isabella, Leo und Magnus ein noch stärker zusammengeschweißtes Trio wird.
Die Handlung ist hierbei spannend und abwechslungsreich und wird aus vielen verschiedenen (fast zu vielen) Perspektiven erzählt. Etwas krimiuntypisch werden hier die Täter schon früh sowohl den Leser:innen als auch den Protagonist:innen präsentiert, aber auch die Suche nach Beweisen sorgt für ausreichend Spannung. Leider wird am Ende als Cliffhanger noch ein Ausblick auf den nächsten Band präsentiert, auf den man gut hätte verzichten können, um das Ende runder zu gestalten. So oder so bleiben aus dem Buch ohnehin noch genug Handlungsstränge für den Folgeband offen.
Vor allem das Setting kann naturgemäß wieder überzeugen. So entführt die Autorin ihre Leser:innen ins Füssen des 14. Jahrhunderts, ins ausgehende Mittelalter zwischen ersten städtischen Bestrebungen um mehr Unabhängigkeit und der weiterhin, gerade im Alltag dominanten, Kirche. Dabei mischt Manuela Schörghofer Themen wie die Rolle der Frau und sogar ein zartes, angedeutetes Love Triangle in die Krimihandlung mit ein zu einem interessanten Gesamtpaket, das auch wieder dank einer wirklich tollen Recherche punkten kann, auch wenn zugunsten der Lesbarkeit sicherlich auf das ein oder andere historische oder lokale Detail verzichtet wurde – wie zum Beispiel den sicherlich breiten Dialekt im Allgäu.
Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere (wichtige) Nebencharaktere wie Bruder Gregorius, Odine, Dietbrand Högl und – aus dem Trio – am ehesten Magnus, während Isabella noch etwas wankelmütig ist und nicht immer nachvollziehbar handelt, im nächsten Band aber noch stärker geprägt werden kann. Manuela Schörghofers Schreibstil lässt sich zudem leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.
Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss nicht erheblich schmälern, der Buchsatz ist ordentlich. Der Geschichte wird eine Dramatis Personae und ein Glossar vorangestellt, bei der Karte hätte ich mir etwas mehr Detailtiefe und Bezug zur Handlung gewünscht. Das Covermotiv wird zum Buchrücken hin krass unterbrochen und lässt etwas den Bezug zur Handlung vermissen, ist dafür aber wirklich ansehnlich und ein schöner Eyecatcher – es bleibt abzuwarten, ob es mit den Folgebänden harmonisiert und sich ein einheitliches Reihenlayout mit Wiedererkennungswert einstellt.
Mein Fazit? „Schatten über dem Kloster“ ist ein sehr solider Einstieg in die Reihe, der vor allem mit seinem Setting und einer tollen Recherche punktet, aber auch noch Luft nach oben für den Folgeband lässt. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren..
[Buchgedanken] Rüdiger Bertram: „Robin the Hood – Wie klaut man eine Stadt?“ (Robin the Hood 1)
In der letzten Zeit habe ich auch „Robin the Hood – Wie klaut man eine Stadt?“ von Rüdiger Bertram gelesen. Das Buch ist 2025 im cbj Kinder- und Jugendbuchverlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH veröffentlicht worden und als illustriertes Jugendbuch einzuordnen, bei dem Horst Hellmeier für die Illustrationen verantwortlich ist. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Als Robin halb absichtlich in die Falle eines internationalen Geheimdiensts tappt, landet er mittendrin in einer surrealen Mission. Zusammen mit Agentin Mary soll er eine Stadt klauen! Genauer: eine Schneekugel mit einem Stadtmodell, in der ein tödlicher Virus versteckt ist. Und diese Kugel befindet sich den Händen der Schurkin Madame Schenial, die droht, die Menschheit zu vernichten. Eine ausweglose Situation? Nicht für die beiden cleversten Kinder, die das Action-Universum zu bieten hat!
„Robin the Hood – Wie klaut man eine Stadt?“ ist der erste Band der neuen Buchreihe um den gleichnamigen Titelhelden, der mittlerweile eingedeutscht Robin Kappe heißt, und mein zweites Buch von Rüdiger Bertram nach „Nur 300 km„. Der Roman wird seitens des Verlags für Leser:innen ab 10 Jahren empfohlen und balanciert daher auf der Grenze zwischen Kinder- und Jugendbuch – aufgrund des Alters des Protagonisten (13 Jahre) habe ich den Roman jedoch eher als Jugendbuch eingeordnet.
Die Handlung ist durchaus kurzweilig, abwechslungsreich und altersgerecht, dabei aber auch leicht antiklimaktisch und eher ereignisarm. Auch sind kleinere Logikfehler vorhanden und einige etwas fragwürdige Handlungsstränge – insgesamt hätte man hier auch für die Zielgruppe etwas mehr Komplikationen einbauen können. Immerhin kann das Ende mit einigen schönen Momenten überzeugen und lässt noch Potential und ungelöste Handlungsstränge für die Folgebände offen.
Ergänzt wird der Text durch die Illustrationen von Horst Hellmeier, die sich sogar als komplette Comic-Elemente entpuppen, die die Handlung nahtlos fortführen und daher integraler Bestandteil des Buches sind. Und auch wenn diese teils etwas überzeichnet wirken, ist es doch eine wirklich gelungene und innovative Abwechslung, die für viel Spaß bei den Leser:innen sorgt und durchaus auch den markanten Humor der Geschichte mitbestimmt.
Die einzelnen Figuren sind – bei der Kürze des Buches nicht unerwartet – etwas schematisch angelegt, hier können die Folgebände aber durchaus noch liefern und die Figuren plastischer werden lassen. Am stärksten überzeugt bislang noch Mary – und Sam ist (so konfus sein Handlungsstrang auch ist) ein wirklich willkommener Sidekick. Rüdiger Bertrams Schreibstil ist dabei altersgerecht und lässt sich leicht und flüssig lesen und im Zusammenspiel mit den Illustrationen das Kopfkino sofort anlaufen.
Die Buchgestaltung überzeugt größtenteils. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben ordentlich gearbeitet, der Umschlag ist auf dem Cover und dem Buchrücken leicht geprägt und mit in Grautönen gestalteten Coverinnenseiten versehen. Cover und Coverrückseite werden leider zum Buchrücken hin klar abgetrennt, das Covermotiv lässt etwas den Bezug zur Handlung vermissen, hat aber durchaus spannende Elemente. Es bleibt abzuwarten, ob sich hier zusammen mit dem Folgeband ein Wiedererkennungswert für die gesamte Buchreihe erzeugen lässt.
Mein Fazit? „Robin the Hood – Wie klaut man eine Stadt?“ ist ein sehr innovatives Jugendbuch mit interessanter Handlung und tollen Illustrationen, aber auch mit kleineren Schwächen und etwas ereignisarm. Für Leser:innen ab dem vom Verlag angegebenen Alter bedenkenlos zu empfehlen.
Von verborgenen Welten und verschleierten Realitäten
Heute habe ich mal wieder zwei Neuzugänge für Euch, die mich vor kurzem über Lovelybooks.de erreichten – vielen Dank dafür. „Castle MacLyal: Der Pfad“ von Petra Felsner (Kampenwand Verlag) kam dabei als Rezensionsexemplar im Rahmen einer Leserunde zu mir, „Stürmische Gefahr: Special Agents of Justice“ von Alia Cruz (Kuneli Verlag) als Gewinn einer Buchverlosung. Petras Buch entführt dabei die 15-jährige Mia in eine geheimnisvolle Welt voller Magie, während in Alias Romantic Suspense Scarlett und Aidan nur langsam hinter die Schleier blicken, die die Realität bislang vor ihnen verborgen hat. Ich bin auf beide Bücher schon sehr gespannt, sprechen sie doch auch ganz unterschiedliche Zielgruppen an.


Fantasy oder Romantic Thrill? Was würdet Ihr wählen?
[Buchgedanken] Dorrit Bartel: „Der Äthiopier“
In den letzten Tagen habe ich auch „Der Äthiopier“ von Dorrit Bartel gelesen. Das Buch ist erstmals 2024 im Selfpublishing über epubli veröffentlicht worden, die mir vorliegende Ausgabe entstammt der Neuveröffentlichung in der RavenPort Verlag GmbH aus dem Jahr 2025. Das Buch ist dabei als biografischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle dabei auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Früh wird Adane seiner Familie in der äthiopischen Savanne entrissen und erfährt, dass er selbst nicht über sein Leben bestimmen kann. Er passt sich wechselnden Umständen an: An einer Missionsschule wird er zum Christen, als Solidaritätsstudent in der DDR zum Kommunisten. Als Politiker kehrt er nach Äthiopien zurück, doch mit dem Zusammenbruch des Sozialismus landet er im Gefängnis. Bedroht von der Todesstrafe schwört er sich, zukünftig eigene Entscheidungen zu treffen, wenn er überlebt. Wider Erwarten kommt er frei und entsagt den Ideologien. Zurück in Deutschland arbeitet er fortan mehr mit den Händen als mit dem Kopf. Seine wahre Bestimmung findet er zuletzt wieder in der Heimat. Er sorgt für die Bildung von Kindern und gibt ihnen damit und das Werkzeug zur Selbsthilfe: Den freien Willen.
„Der Äthiopier“ ist mein erstes Buch von Dorrit Bartel, das – lose – das Leben des leider bereits verstorbenen Äthiopiers Fayissa/Adane beschreibt. Dorrit Bartel füllt dabei in künstlerischer Freiheit Erinnerungslücken, eine genauere Einordnung was Wahrheit und Fiktion entspricht, erfolgt nicht, auch, da selbst Adanes Erzählungen unzuverlässig sein könnten. Empfohlen wird das Buch in den unterschiedlichen Ausgaben für Leser:innen ab 16 oder 18 Jahren, aus meiner Sicht kann man das Buch durchaus auch minimal früher lesen.
Die Handlung ist spannend und abwechslungsreich – so wie Adanes Leben, das ihn in viele Länder, Systeme, Berufe und Gefahren gebracht hat. Und auch wenn das Buch dabei einige erzählerische Längen hat und insgesamt eher antiklimaktisch ist, macht es dennoch viel Spaß und ist informativ, lernt man doch durchaus das ein oder andere, insbesondere über die Kultur des Vielvölkerstaates Äthiopien. Leider lässt das Buch dabei manchmal eine Einordnung, ein Unrechtsbewusstsein auch bei Fehlern Adanes vermissen und zeichnet daher ein eher einseitiges Porträt.
Das Setting ist natürlich gelungen. So entführt uns Adanes Leben – von einem richtigen Setting kann man hier ja gar nicht sprechen – von Äthiopien über die DDR ins vereinte Deutschland, nach Moskau, in die Mongolei und immer wieder zurück nach Äthiopien, in die Savanne, die Hauptstadt und entfernte Regionen des Landes. Dabei wird insbesondere das Leben nomadischer Stämme in der Savanne genau beschrieben, gern hätte ich mir insgesamt noch mehr Informationen über die äthiopische Kultur gewünscht.
Insgesamt spricht das Buch durch die Geschichte von Adane wichtige Themen an wie Entwicklungshilfe, Unterdrückung und die Unzulänglichkeit des Sozialismus und des Kommunismus, von deren Ideen sich Adane leider Zeit seines Lebens nicht hinreichend lösen konnte. Auch erschließt sich im Nachhinein nicht, warum in den frühen 1990er Jahren der Aufenthalt in Deutschland durch eine rechtswidrige Scheinehe gesichert werden musste und nicht versucht wurde, den Aufenthalt zu legalisieren. Insgesamt hätte hier noch viel Potential für ein einordnendes Nachwort bestanden.
Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind zwar Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss aber nicht unglaublich schmälern. Der Buchsatz ist ausbaufähig, mein Exemplar hat – wie angekündigt – als Mängelexemplar auch keine Seitenzahlen. Das Covermotiv ist gelungen, aber kein Eyecatcher. Insgesamt ist das Buch sehr schlicht und eintönig gestaltet, die Coverrückseite mit viel zu viel Text überfrachtet, das Verlagslogo mit dunkelblauer Schrift auf schwarzem Hintergrund kaum zu entziffern.
Mein Fazit? „Der Äthiopier“ zeichnet auf informative Weise das sehr ereignisreiche Leben von Adane nach und spricht dabei wichtige Themen an, weist dabei aber auch kleinere Schwächen auf. Für Leser:innen ab etwa 15 Jahren mit Interesse an dem Genre bedenkenlos zu empfehlen.
Weltbestseller auf dem Gabentisch | Buchneuzugänge
Heute möchte ich Euch zwei Neuzugänge zeigen, die ich im letzten Jahr zu Weihnachten und zum Nikolaus auf dem Gabentisch fand. „The Secrets of Secrets“ ist dabei der neue Robert-Langdon-Thriller von Dan Brown (Bastei Lübbe), während „Alchemised“ von SenLinYu nun auch in der englischsprachigen Edition (Forever Verlag, Ullstein Buchverlage GmbH) bei mir einziehen durfte – handsigniert, vielen Dank an den Verlag für die tolle Aktion! Beide Romane prägten die Bestsellerlisten der letzten Monate und sorgten weltweit für enorme Verkaufszahlen. Ich bin schon ganz gespannt, ob die Bücher dem Hype gerecht werden, habe da aber wenig Zweifel.


Befand sich bei Euch ebenfalls ein Buch unterm Weihnachtsbaum?