Signierte Buchpost im Doppelpack

In der letzten Zeit erreichten mich wieder zwei tolle Bücher, die ich Euch heute zeigen möchte. Dies ist zum einen ein signiertes Exemplar von „Her Wish So Dark“ von Jennifer Benkau (vielen Dank an die Thalia Buchhandlungen für die tolle Verlosung!), und zum anderen ein von Lena Anlauf und Vitali Konstantinov signiertes Exemplar der „Bartgeschichten“, deren Entstehungsprozess ich über Startnext im Crowdfunding unterstützt habe – deshalb gab es auch den wunderschönen Beutel dazu. Sehen sie nicht toll aus?

[Buchgedanken] Ulla Mothes: „Geteilte Träume“

In der letzten Zeit habe ich „Geteilte Träume“ von Ulla Mothes gelesen. Das Buch ist 2021 bei Lübbe, Bastei Lübbe AG erschienen und als Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag zur Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Berlin, 1992: Erst als junge Frau erfährt Ingke, dass sie als Säugling zu DDR-Zeiten adoptiert wurde. Wer sind ihre wahren Eltern? Warum haben sie sie einst weggegeben? Und was bedeutet das für ihr Leben heute? Sie macht sich auf die Suche und stößt auf die Geschichte ihrer Herkunftsfamilie, die nach einem gescheiterten Fluchtversuch ihre Tochter verlor. Auf einmal hat die junge Frau zwei Familien, die um sie ringen: Ihre leibliche Mutter, die irgendwann von der BRD freigekauft wurde und bisher nichts über Ingkes Verbleib weiß. Und ihre vermeintlichen Eltern, bei denen sie behütet und geliebt aufgewachsen ist. Doch muss sie sich tatsächlich entscheiden?

„Geteilte Träume“ ist keine leichte Kost. Es ist vielmehr eine Familiensaga, die auch vor den dunkleren Kapiteln der deutschen Teilung nicht zurückschreckt, dabei aber nie den Fokus auf die Familie verliert. Informativ, aber nie belehrend, zeigt Ulla Mothes durch ihre Figuren anschaulich, wie nah Zerrissenheit und Verbundenheit zusammenhängen, und dass man durchaus auch differenziert zum totalitären System der DDR stehen konnte – in einer Grauzone zwischen totaler Ablehnung und fanatischer Zustimmung.

Dabei erkundet die Protagonistin Ingke die Vegangenheit ihrer Familien durch Erzählungen, durch geschickt eingestreute Rückblenden, und erlebt so die Geschichte mehrererer Generationen, während die eigentliche Handlung sich nur über etwa zwei Monate erstreckt. Und so kraftvoll und atmosphärisch die Rückblicke sind, so emotional und beklemmend die Ereignisse geschildert werden, so überzeichnet wirkt – zumindest im Vergleich – die Handlung in der Gegenwart, die von multiplen Schicksalsschlägen und Katastrophen, von jahrzehntealten Zerwürfnissen und mühsam gehüteten Geheimnissen geprägt ist, die alle mir nichts dir nichts mit einem Federstrich bereinigt werden können – etwas konstruiert.

Dahingegen überzeugt das vergangene Setting vollends und zeigt anschaulich und authentisch den damaligen Alltag, gut und verständlich recherchiert und von der Autorin in einem leicht und flüssig lesbaren Schreibstil dargestellt, sodass der Leser direkt mitgenommen wird. Dabei begeistert vor allem Marens Episode vollends und sorgt für emotionale Höhepunkte.

Insgesamt sind die einzelnen Protagonisten vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Während Ingke aufgrund ihres Alters hier noch etwas blass bleibt, teils nicht nachvollziehbar handelt, sind es daher vor allem die Nebenfiguren, die das Buch tragen. Besonders gefallen haben mir hier Maren, Otto, Emma und Bernhard.

Die Buchgestaltung ist im Wesentlichen gelungen, Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet und nur minimale Kleinigkeiten durchrutschen lassen. Das Cover ist hochwertig geprägt und verfügt über wunderschöne ausklappbare, farbige Coverinnenseiten. Das Titelbild, das sich in den Coverinnenseiten spiegelt wird leider durch den Buchrücken unterbrochen und zieht sich somit nicht über den gesamten Umschlag. Zudem wirken die auf dem Titel abgebildeten Menschen wie Fremdkörper, deplatziert – ohne diese hätte das Cover noch besser ausgesehen.

Mein Fazit? „Geteilte Träume“ ist eine berührende und aufwühlende Familiensaga, die vor allem durch wunderbar recherchierte und beklemmend erzählte Rückblenden punktet, in der gegenwärtigen Handlung aber kleinere Schwächen aufweist. Für Liebhaber von Familiensagen und Fans der deutsch-deutschen Geschichte bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Anne Prettin: „Die vier Gezeiten“

Vor kurzem habe ich „Die vier Gezeiten“ von Anne Prettin gelesen. Das Buch ist 2021 bei Lübbe, Bastei Lübbe AG, erschienen und dem Genre Familiensaga zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Die Kießlings gehören zu Juist wie die Gezeiten. Als Patriarch Eduard das Bundesverdienstkreuz erhält, kommen sie alle zusammen: Eduards Frau Adda, die drei Töchter, sowie Großmutter Johanne. Doch in die Generalprobe platzt Helen aus Neuseeland, die behauptet, mit der Sippe verwandt zu sein. Und tatsächlich: Sie ist Adda wie aus dem Gesicht geschnitten. Gemeinsam gehen sie dem Rätsel ihrer Herkunft nach. Denn Adda ahnt: Der Schlüssel zur Wahrheit liegt im familieneigenen Hotel de Tiden, dort, wo vor 75 Jahren alles begann.

„Die vier Gezeiten“ ist eine packende, mitreißende Geschichte, ein Buch über die Kraft der Liebe, über Geheimnisse, Verrat und Schuld. Und es ist ein Buch über Freundschaft, über Zusammenhalt und Verzeihung – ein Epos über das Innerste einer Familie. Dabei kommt der symbolträchtigen „Vier“ eine zentrale Rolle in der Geschichte zu. Vier Generationen, vier Töchter – vier Gezeiten.

Das Buch spielt im Wesentlichen auf drei Zeitebenen: der „Gegenwart“ im Jahr 2008, der Jugend Johannes um 1934 und der Jugend Addas um 1956/57. Allerdings wird über Tagebucheinträge, die ich um Spoiler zu vermeiden nicht weiter klassifizieren möchte, „überraschenderweise“ eine vierte Zeitebene eingebaut. Durch den ständigen Wechsel zwischen den Ebenen ist die Handlung sehr sprunghaft und unstet, greift aber im Wesentlichen gut ineinander, auch wenn man sich bisweilen etwas orientieren und die Namen sortieren muss.

Insgesamt packt die Handlung den Leser durchaus und sorgt dafür, dass er mit den Figuren mitfiebert, mitlacht und -trauert. Allerdings habe ich das Gefühl, dass sich Autorin und Geschichte in der Mitte des Buches etwas verlieren, bevor das Ende rasant, unerwartet plötzlich – und vor allem viel zu kurz und verdichtet daherkommt. Hier hätten einige Seiten mehr, etwas Entschleunigung durchaus gut getan – und zur Not hätten sie früher eingespart werden können.

Abgesehen davon gibt es allerdings wenig zu bemängeln. So ist die Kulisse, das Setting des idyllischen Juist über Generationen hinweg, bezaubernd, und die einzelnen Charaktere sind im Wesentlichen dreidimensional und vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Und auch wenn einige Entwicklungen vorhersehbar sind, einige Geheimnisse sich bereits vorausahnen lassen, so überrascht die Autorin doch den Leser zusammen mit den Figuren immer mal wieder auch mit unerwarteten Wendungen. Dabei lässt sich Anne Prettins Schreibstil wunderbar und flüssig lesen, er ist gefühlvoll und humorvoll und sorgt dafür, dass beim Leser das Kopfkino sofort anspringt.

Die Buchgestaltung überzeugt ebenfalls überwiegend. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover ist farblich toll und leicht geprägt, das Titelbild allerdings etwas belanglos, hier hätte etwas mehr Bezug zum Inhalt aus meiner Sicht nicht geschadet.

Mein Fazit? „Die vier Gezeiten“ ist eine gelungene Familiensaga, ein Roman über kleine und große Geheimnisse, über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, der vor allem durch ein tolles Setting und eine spannende Handlung glänzt, in der Mitte aber kleinere Längen hat. Für Leser des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag empfohlenen Lesealter von 14 Jahren.

Wunderschöne Bücher und malerische Goodies | Goodie- und Buchpost

In der letzen Zeit erreichten mich wieder einige tolle Bücher – und auch eine wunderschöne Goodiepost. Den Anfang macht „Von Flusshexen und Meerjungfrauen“, eine Märchenanthologie aus dem Drachenmond Verlag. Vielen Dank an Julia Adrian für die tolle Verlosung, die meine Sammlung der Verlagsanthologien fast komplettiert. Sehen sie zusammen nicht toll aus? Vielen Dank auch an Emily Bold für die tolle Goodiepost zu ihrem neuesten Buch „In My Enemy’s Eyes“. Vor allem die Coverpostkarte und der Kugelschreiber haben es mir besonders angetan. Welche Goodies habt Ihr bei Büchern am liebsten?

[Buchgedanken] John Garth: „Die Erfindung von Mittelerde. Was Tolkien zu Mordor, Bruchtal und Hobbingen inspirierte“

In der letzten Zeit habe ich das Sachbuch „Die Erfindung von Mittelerde. Was Tolkien zu Mordor, Bruchtal und Hobbingen inspirierte“ von John Garth gelesen. Das Buch ist 2021 bei wbg THEISS erschienen, die Originalausgabe erschien 2020 unter dem Titel „The Worlds of J.R.R. Tolkien. The Places That Inspired Midle-Earth“ bei Frances Lincoln, Quarto Publishing. Vielen Dank an dieser Stelle an wbg und die vermittelnde Agentur Literaturtest für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

Was sind die realen Vorbilder für die Schauplätze von Tolkiens Romanen? Inspiration fand der Schriftsteller in den Landschaften, Bergen und Wäldern Großbritanniens, aber auch in seiner südafrikanischen Heimat und auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs. Gestützt auf sein profundes Wissen über Leben und Werk Tolkiens identifiziert der mehrfach preisgekrönte Autor John Garth die Orte, die dem Schöpfer von Mittelerde als Anregung für das Auenland, Bruchtal oder die Höhlen von Helms Klamm dienten.

„Die Erfindung von Mittelerde“ ist ein Sachbuch, das sich mit möglichen Inspirationsansätzen für Tolkiens Welten, nicht nur aus dem „Herr der Ringe“ oder dem „Hobbit“, sondern auch mit seinen früheren Werken befasst. Dabei stellt der Autor allerdings auch klar, dass es durchaus verschiedene Ansätze zu einzelnen Inspirationsquellen gibt, kann doch nicht in jedem Fall Tolkiens Grundlage gesichert festgestellt werden. Dadurch wird „Die Erfindung von Mittelerde“ eine Sammlung von Indizien und Querverweisen, eine Mischung aus gesicherten und (plausibel) angenommenen Fakten.

Dargestellt wird die Sammlung in 11 thematischen Kapiteln, die aufgrund der Zeitsprünge munter vor und zurück verweisen, im groben aber schon so angeordnet worden sind, dass Tolkiens Schaffenswerk vom frühen Legendarium bis zum Kampf um Mordor nachvollzogen werden kann. Dabei wird jedem Leser bewusst, wie komplex und vielschichtig, aber auch wie im Wandel begriffen Tolkiens Werk war, das auch von aufgegebenen Ideen, Umbenennungen und späteren Korrekturen und Anpassungen geprägt war.

Die Faszination des Autors für das Werk Tolkiens und dessen Leben wird dabei mit jeder Seite deutlich – man kann sich ihr nur schwerlich entziehen. Doch auch wenn man unglaublich viel lernt und immer auf neue Ansätze und Erklärungen stößt und Fakten entdeckt, fällt es zuweilen doch schwer, dem Autor zu folgen. Zumindest geht es mir so, der zwar mit Tolkiens wichtigsten Werken vertraut ist, darüber hinaus aber wenig von ihm gelesen hat. Persönlich hätte ich mir auch mehr Informationen zum literarischen Weltenbau gewünscht – dies hätte auch das Verständnis erhöhen können. So erklärt der Autor zwar die jeweiligen (gedanklichen) Ursprünge der Elfen, von Sauron und Saruman, den Orks oder Hobbits, Informationen zu der glaubhaften Erstellung eines Gleichgewischts zwischen diesen, zu Magiekonzepten oder zur Schaffung plausibler Zeitlinien sind aber rar gesät.

Nichtsdestotrotz bleibt „Die Erschaffung von Mittelerde“ ein faszinierendes Kompendium, ist es doch gleichzeitig Ideensammlung und Nachschlagewerk, liefert Informationen über die Zeit Tolkiens und besticht durch unglaublich viele und tolle Abbildungen, seien es Illustrationen, teils von Tolkien selbst, oder auch zeitgenössische Fotografien oder Karten. Dabei ist das Verhältnis von Text und Bild ausgewogen, die Sprache an und für sich verständlich.

Die Buchgestaltung überzeugt im Wesentlichen. Lektorat und Korrektorat sind kleinere Fehler durchgerutscht, die sich aber noch im Rahmen halten, der Buchsatz ist sauber und wirklich gelungen. Das Cover ist wunderschön, der Buchrücken eher unscheinbar und die Druckqualität bestechend.

Mein Fazit? „Die Erfindung von Mittelerde“ ist ein informatives und ungemein spannendes Nachschlagewerk für Tolkien- und Mittelerde-Fans, das vor allem durch die schiere Informationsmenge und bestechende Abbildungen glänzt. Aufgrund der vielen Details und des hohen Anspruchs nichts für Tolkien-Anfänger – aber Liebhaber werden es zu schätzen wissen!

[Buchgedanken] Rena Rosenthal: „Die Hofgärtnerin – Frühlingsträume“ (Hofgärtnerinnen 1)

In der letzten Zeit habe ich im Rahmen einer Leserunde „Die Hofgärtnerin – Frühlingsträume“, den ersten Band der Hofgärtnerinnen-Saga von Rena Rosenthal gelesen. Das Buch ist 2021 im Penguin Verlag, Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH veröffentlicht worden und als historischer Roman beziehungsweise als Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag und Lovelybooks.de für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

Oldenburg, 1891. Als Gärtnerin in der Natur zu arbeiten und die schönsten Blumen dieser Welt zu züchten, davon träumt Marleene schon ihr ganzes Leben. Doch ihr Wunsch scheint unerreichbar, denn eine Gärtnerlehre ist allein Männern vorbehalten. Aber Marleene gibt nicht auf: Kurzerhand schneidet sie sich die Haare ab und verkleidet sich als Junge – und bekommt eine Anstellung in der angesehenen Hofgärtnerei. Marleene ist überglücklich! Doch die anderen Arbeiter machen ihr den Einstieg alles andere als leicht, und es wird zunehmend komplizierter, ihre Tarnung aufrechtzuerhalten. Als sie dann auch noch die beiden charmanten Söhne der Hofgärtnerei kennenlernt, werden ihre Gefühle vollends durcheinandergewirbelt. Marleene muss sich entscheiden – folgt sie ihrem Traum oder ihrem Herzen …

Mit „Die Hofgärtnerin – Frühlingsträume“ legt Rena Rosenthal einen gelungenen Auftakt in die Reihe um die Hofgärtnerinnen vor. Dabei ist der Roman nicht nur Familiensaga, sondern auch ein Spiegelbild der damaligen gesellschaftlichen Entwicklungen, porträtiert er doch, ohne allzu belehrend zu werden, den beginnenden Kampf um bessere Arbeitsbedingungen und die Rolle der Frau sowie die zarte Auflehnung gegen die immer noch herrschende Unterdrückung.

Dabei begeistert der Roman vor allem durch sein tolles Setting. Das Oldenburg im jungen Kaiserreich, die Hofgärtnerei, die Reise nach Holland – Rena Rosenthal beschreibt anschaulich und zeittypisch die Handlungsorte des Romanes. Die historischen Ungenauigkeiten, auf die die Autorin im Nachwort hinweist, halten sich dabei noch im akzeptablen Rahmen.

Die Handlung ist an und für sich spannend und abwechslungsreich und bietet immer mal wieder ungewohnte Wendungen, die teils aber etwas konstruiert anmuten. Leider werden zum Ende hin aber nur ein Bruchteil der Handlungsstränge aufgelöst, was natürlich viel Potential für die Folgeteile verspricht, allerdings auch dafür sorgt, dass „Frühlingsträume“ nicht als Standalone gelesen werden kann.

Die einzelnen Figuren sind größtenteils vielschichtig angelegt, haben Stärken, Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei überzeugen insbesondere auch die Nebencharaktere wie Bruno, Frieda oder Rosalie, über die ich gern in den Folgebänden noch mehr erfahren wollen würde.

Die Buchgestaltung überzeugt auf ganzer Linie. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet und der gesamte Buchumschlag ist hochwertig (auch auf den Klappen!) geprägt, wunderschön anzuschauen und mit tollen farbigen Coverinnenseiten versehen. Das traumhafte Titelbild ist ein wahrer Eyecatcher, auch wenn mir etwas der Bezug zur Handlung abgeht, ist Marleene doch ein sehr junges Mädchen mit hellblonden Haaren. Zudem ist im Nachgang zur Geschichte der informative Part mit 25 Seiten meines Erachtens nach etwas zu lang geraten. Zumindest die Fliederfakten und -rezepte hätte man sicherlich auslagern können.

Mein Fazit? „Die Hofgärtnerin – Frühlingsträume“ ist ein gelungener Auftakt in die Buchreihe um die Hofgärtnerinnen, der vor allem durch ein wunderschönes Setting und tolle Charaktere besticht. Kleinere Schwächen in der Handlung sind dabei zu verschmerzen – ich freue mich schon sehr auf Teil 2. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Odine Raven: „Resurrexit – Ein Templer fürs Leben“

Vor kurzem habe ich im Rahmen einer Leserunde „Resurrexit – Ein Templer fürs Leben“ von Odine Raven gelesen. Das Buch ist 2021 in der Green Eyes Books GbR erschienen. Vielen Dank an dieser Stelle an die Autorin, den Verlag und Lovelybooks.de für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

Vicky ist angehende Archäologin und gerade von einer Ausgrabung an einer Kreuzfahrerfestung in Israel nach Hause zurückgekehrt. Plötzlich geschehen an ihrem Institut seltsame Dinge, und dann taucht auch noch der rätselhafte Leonhard auf und behauptet, er sei ein leibhaftiger Tempelritter! Sie kann sich seiner mysteriösen Art nicht entziehen und verliebt sich unweigerlich in ihn. Doch er hat einen Auftrag zu erfüllen!

„Resurrexit – Ein Templer fürs Leben“ lässt sich schwierig in ein Genrekorsett pressen, daher habe ich die Zuordnung auch – dem aufmerksamen Leser mag es aufgefallen sein – oben unterlassen. Denn der Roman wird vom Verlag auf dem Cover als „Urban Fantasy“ beworben, was ganz technisch stimmen mag, ist aus meiner Sicht aber doch mehr der Romantasy zuzuordnen, da im Mittelpunkt der Handlung klar die Liebesgeschichte zwischen den Protagonisten steht. So taucht der eigentliche, im Klappentext geteaserte, Auftrag des Ritters erst zum Ende hin auf, und wird relativ komplikationslos, teils unlogisch und schnell abgearbeitet – mir fehlt es hier an Stolpersteinen, an – gerade für Urban Fantasy wichtigen – Handlungselementen, die den Erfolg der Mission infrage stellen.

Die Liebesgeschichte überzeugt jedoch im Wesentlichen, wenn auch die Protagonistin Vicky sich dezent übergriffig verhält (einem Mann würde man dieses Verhalten sicherlich nicht durchgehen lassen). Darüber hinaus sind die Gefühle gut dargestellt, insbesondere Leonhards Zerrissenheit, die ihn charmanterweise immer mal wieder ins interessante Mittelhochdeutsch abgleiten lässt, wird für den Leser gut spürbar.

Angenehm aufgefallen ist auch, dass die Schauplätze in Heidelberg authentisch ausgesucht und recherchiert worden sind. Als Heidelberger erkennt man die Orte wieder, kann die Bewegungen der Protagonisten in der Stadt somit gut nachvollziehen, egal ob Marstall, Jesuitenkirche oder archäologisches Institut. Auch das jeweilige Setting im Odenwald, in Israel und in Rom überzeugt, wenn auch die Reisen dorthin etwas unlogisch verlaufen.

Odine Ravens Schreibstil lässt sich gut und flüssig lesen. Die lateinischen und mittelhochdeutscchen Passagen sind gut eingebaut, lediglich die Darstellung des Dialekts des Abbé und die teils sehr flapsige Umgangssprache fallen hier etwas ab.

Die Buchgestaltung zeigt hingegen einige Schwächen. Zwar sind dem Lektorat/Korrektorat generell nur vereinzelt Dinge durchgerutscht, die sich noch im Rahmen halten, aber es ist ein absolutes No-Go, dass sich auf S. 122 eine markierte Textstelle befindet. Wie so etwas eine finale Kontrolle überstehen kann, ist mir absolut schleierhaft. Auch der Buchsatz vermag im Ergebnis nicht zu überzeugen. Mangels Siltentrennung am Zeilenende entsteht ein sehr uneinheitliches Schriftbild, das in dem auch für die letzten Zeilen eines jeden Kapitels genutzten Blocksatz gipfelt, der teils nur 2 Wörter auf die komplette Zeile erstreckt. Positiv anzumerken ist jedoch, dass das Coverbild Bezug zur Handlung nimmt, Augenfarbe des Mannes und Frisur der Frau mit den im Buch beschriebenen Protagonisten übereinstimmen.

Mein Fazit: „Resurrexit – Ein Templer fürs Leben“ ist ein Fantasy-Roman, der vor allem durch eine tolle Liebesgeschichte punktet, in der restlichen Handlung und der Buchgestaltung aber auch einige Schwächen aufweist. Für Liebhaber von Romantasy daher zu empfehlen.

Historie im Doppelpack! | Doppelte Buchpost

Bevor es mit den Rezensionen weitergeht, möchte ich Euch heute noch einmal zwei Bücher zeigen, die vor kurzem bei mir eingezogen sind. „Die Stärke der Töchter“ ist nach „Das Unrecht der Väter“ der zweite Teil der Falkenbach-Saga von Ellin Carsta und erreichte mich aus einer Verlosung über Lovelybooks, „Die Himmelskugel“ von Olli Jalonen kam zu mir als Rezensionsexemplar über die vermittelnde Agentur Literaturtest. Vielen Dank an dieser Stelle daher an die Verlage Tinte & Feder und Mare, sowie Lovelybooks und die Agentur Literaturtest für die Bereitstellung der Lese-/Rezensionsexemplare. Ich bin schon ganz gespannt darauf, in die verschiedenen historischen Epochen einzutauchen!

[Buchgedanken] Gunnar Kunz: „Lagunenrauner“

In der letzten Zeit habe ich „Lagunenrauner“ von Gunnar Kunz gelesen. Das Buch wurde in der jetzigen Form 2021 im Verlag Monika Fuchs veröffentlicht, die Erstveröffentlichung erschien 2013 unter dem gleichen Titel im Thienemann Verlag (nunmehr Thienemann-Esslinger Verlag GmbH). Der Roman ist als historische Urban Fantasy für Jugendliche einzuordnen, bzw. als fantastisches Jugendbuch. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag Monika Fuchs für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

Venedig 1500. Schwarzer Nebel kriecht auf die Stadt zu, schlängelt sich durch die Lagune, füllt die Kanäle mit etwas Finsterem. Und bringt Krankheit und Tod. Marco, Sohn eines Glasbläsers, und seine Freundin Chiara, die Maskenmacherin, scheinen als Einzige in der Lage zu sein, Venedig zu retten. Doch dabei müssen sie nicht nur gegen uralte Magie kämpfen, gegen Intrigen und Verrat, sondern sich auch dem Flüstern der Lagune ausliefern – und den Fischmenschen, die der Legende nach tief unter der Stadt hausen.

„Lagunenrauner“ ist historische Urban Fantasy für Jugendliche – eher noch für die „Young Adult“-Zielgruppe. Dabei verknüpft der Autor die fantastischen Motive gut mit jugendtypischen Themen wie der ersten, zarten Liebe, einem Wissensdrang und -durst sowie der Rebellion gegen die Eltern (in diesem Fall die erziehungsberechtigten Onkel und Tante) ohne den Schwerpunkt zu stark ins fantastische oder Jugendbuchgenre abgleiten zu lassen.

Auch wenn Urban Fantasy in vielen Definitionen mit Contemporary Fantasy gleichgesetzt wird und damit als Gegenstück der historischen Fantasy gilt, verbleibe ich hier bei der Eingruppierung des Verlages, um klarzustellen, dass es sich um eine historische Geschichte handelt, die in der realen Welt spielt, die lediglich um fantastische Elemente ergänzt wird. Als – somit – historische Urban Fantasy fehlt es dem Roman allerdings – wie der Autor im Nachwort auch zugibt – an historischer Korrektheit, da sowohl das Stadtbild als auch das politische System, die Lebensdaten historischer Persönlichkeiten und auch die Sinkgeschwindigkeit Venedigs angepasst wurden. Egal wie man das Genre nun bezeichnet, sprengt diese massive Abweichung jedoch aus meiner Sicht die Genregrenzen, da die Gesetze der realen Welt geändert, die Geschichte umgeschrieben wird. Hier hätte ich mir mehr Korrektheit gewünscht – die man ohne Zweifel auch den Lesern hätte zutrauen können. Dass der Autor die Möglichkeit dazu gehabt hätte, zeigt auch die unzweifelhaft gute Recherche.

Abgesehen davon ist die Handlung spannend und abwechslungsreich. Der Autor beschreibt das Setting der Stadt Venedig um 1500 bildhaft und anschaulich und verleiht dem Wasser durch Marco eine Stimme, die die Natur des Wassers als – weder gute, noch schlechte – Urgewalt gut einfängt. Dabei lässt sich der Schreibstil des Autors gut und flüssig lesen.

Die einzelnen Charaktere sind größtenteils vielschichtig und dreidimensional angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Insbesondere Chiara und Alessandro begeistern mich hier, während Leonardo zwar lustig, aber überzeichnet wirkt.

Die Buchgestaltung überzeugt hingegen auf ganzer Linie. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover ist gelungen, zieht sich als Bild über den kompletten Buchumschlag und wirkt insgesamt zielgruppengerechter und erwachsener als das Coverbild der Vorauflage. Die mitgelieferte Karte ist zudem wunderschön anzusehen, wenn auch leicht spoilernd, wenn man sie zu früh studiert.

Mein Fazit? „Lagunenrauner“ ist ein im Wesentlichen überzeugender historischer Fantasyroman, der vor allem durch eine abwechslungsreiche Handlung und ein gelungenes Setting punktet, es aber leider an historischer Genauigkeit vermissen lässt. Für Liebhaber fantastischer Romane dennoch bedenkenlos zu empfehlen – allerdings nicht unter dem bei Amazon gelisteten Lesealter von 14 Jahren.