[Buchgedanken] Yassin Musharbash: „Russische Botschaften“

In der letzten Zeit habe ich den Roman „Russische Botschaften“ des Investigativjournalisten Yassin Musharbash gelesen. Das Buch ist 2021 bei Kiepenheuer & Witsch veröffentlicht worden und als Politthriller einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über eine Leserunde auf Lovelybooks.de.

Mitten in Berlin-Neukölln stürzt vor den Augen von Investigativjournalistin Merle Schwalb ein Mann von einem Balkon. Wer ist der geheimnisvolle Tote? Ihre Recherchen führen ins Milieu krimineller Clans, zur Polizei und zum Verfassungsschutz. Doch dann erkennt sie: Der Mann war russischer Agent – mit einer gefährlichen Mission. Und die hatte mehr mit ihr und ihrem Job zu tun, als ihr lieb sein kann.

„Russische Botschaften“ ist ein hochinteressantes Buch, eine Mischung aus Politthriller und Spionageroman; eine Ode an den Investigativjournalismus, in der sehr ausgewogen nicht nur die Sonnen- sondern auch die Schattenseiten des Berufes beleuchtet werden.

Dabei ist die Handlung spannend, teils rasant – aber immer gut nachvollziehbar und erklärt. Yassin Musharbash mischt aktuelle Themen und Ereignisse mit Fiktion und erschafft so eine komplexe Geschichte, die den Leser – auch dank des gelungenen Settings – sofort in ihren Bann zieht. Leider ist das Ende jedoch sehr offen gestaltet, sodass für den Leser kein zufriedenstellender Abschluss der Handlung erreicht wird. Passt zum Thema – ist aber frustrierend.

Yassin Musharbashs Schreibstil lässt sich leicht und flüssig lesen. Trotz der hochpolitischen Themen verzichtet er nicht auf humorvolle Szenen – und sorgt teils sogar für Situationskomik. Feinfühlig behandelt er auch schwierige Sujets, und wird zu keiner Zeit zu belehrend – insgesamt eine Geschichte, die sich überraschend angenehm und schnell las. Lediglich die Dialoge geschehen teils zu rasant, wird doch in einigen gänzlich auf Ein-/Ausleitungsverben verzichtet – allerdings sehr inkonsequent, ein Muster oder sinnvolles Schema ist hier nicht zu entdecken.

Die einzelnen Charaktere sind im wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei überzeugen vor allem wichtige Nebencharaktere wie Maja, Josefine, Nick und Mick, während Merle doch etwas im Hintergrund bleibt – trotz gelegentlich eingestreuter, aber nicht wirklich relevanter Einblicke in ihre Vergangenheit, zum Beispiel von einem Antifa-Workshop.

Die Buchgestaltung ist größtenteils gelungen, Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet. Die simple, aber farblich ansprechende, Covergestaltung zieht sich einheitlich über den kompletten Buchumschlag, der zudem mit Klappen versehen ist. Bei einer so hochwertigen Produktion hätte ich jedoch auch farbige Coverinnenseiten erwartet, die das schöne Gesamtbild abgerundet hätten.

Mein Fazit? „Russische Botschaften“ ist ein interessanter Politthriller, der durch eine spannende Handlung und ein tolles Setting punktet, aber leider ein unbefriedigendes Ende bietet. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 16 Jahren.

[Buchgedanken] Isabel Kritzer: „365 – Wenn die Masken fallen“

Vor einiger Zeit habe ich „365 – Wenn die Masken fallen“ von Isabel Kritzer gelesen, mein drittes Buch der Autorin nach der Dilogie um „California’s next Magician“ und „America’s next Magician„. Das Buch ist als New-Adult Romance einzuordnen und in der derzeitigen Fassung 2021 im Herzsprung Verlag veröffentlicht worden, die Erstauflage erschien 2016 im Papierfresserchens MTM-Verlag. Vielen Dank an dieser Stelle auch an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen ihres Bloggerteams.

Charlotte will unbedingt etwas Außergewöhnliches erleben, vorzugsweise mit dem geheimnisvollen Traumtyp aus der Cafeteria ihrer Universität. Als sie in einem Zusatzkurs den letzten Platz ergattert – neben ihm -, stellt sie schnell fest, dass André auch zum Verlieben charmant ist. Und reich. Da kommt das überraschende Angebot ihres Vaters, sie endlich in sein Firmenimperium und die glamouröse Welt der High Society einzuführen, gerade recht. Sie ahnt dabei nicht, was für düstere Geheimnisse ihr Vater verbirgt – oder, dass André keineswegs ist, wer er zu sein vorgibt …

„365 – Wenn die Masken fallen“ ist ein ungewöhnlicher Roman, den man nur schwer klassifizieren kann. Daher habe ich die Genrezurodnung der Autorin als New-Adult [Romance] übernommen – auch wenn es dafür eigentlich am genretypischen Ende fehlt. Jedoch erfüllt die Handlung viele andere Merkmale des Genres – sei es das Alter der Protagonisten, die sporadisch eingestreuten Sexszenen oder auch das universitäre Setting.

Insgesamt ist das Setting eines der Glanzlichter des Romanes. Sei es das luxuriöse Hotel in St. Moritz, das abgelegene Parkhaus der Tunerszene oder der imposante Firmensitz der Clark Group: Isabel Kritzer führt die Leser mit den Protagonisten an aufsehenerregende Orte, erweckt diese für die Leser zum Leben, sodass das Kopfkino sofort anspringt.

Auch die Handlung vermag – mal abgesehen vom Ende – im Wesentlichen zu überzeugen. Zwar ist die Handlung teils vorhersehbar, gelegentlich werden aber auch unerwartete Wendungen eingestreut, sodass man als Leser nie das Interesse an dem High-Society-Jetset-Leben der Protagonisten verliert – wenn auch das Verhalten von Charly nicht immer nachvollziehbar ist. Dahingegen gelingt es der Autorin gut, schwere Themen wie häusliche Gewalt oder Fehlgeburten so einzubauen, dass der Schwerpunkt des Buches nicht Richtung Schicksalsroman abgleitet.

Die Protagonisten sind im großen und ganzen vielschichtig aufgebaut, haben Stärken und Schwächen, Ziele und Motive. Dabei überzeugen vor allem Nebencharaktere wie Sarah oder auch zum Schluss Ben, während Charly etwas blass bleibt. Eventuell hätte man hier über die Erzählung aus Charlys Ich-Perspektive noch eine stärkere Bindung des Lesers zur Protagonisten erreichen können.

Die Buchgestaltung ist solide, hat aber Luft nach oben. Lektorat und Korrektorat sind sicherlich ausbaufähig, der Buchsatz ist ordentlich und wird durch die gelungene Illustration zu Beginn unterstützt – wenn auch die Kapitelüberschriften leicht spoilernd sind. Das Cover ist farblich ausducksstark und wunderschön – mir fehlt aber etwas der Bezug zur Handlung.

Mein Fazit? „365 – Wenn die Masken fallen“ ist ein New-Adult-Roman mit tollem Setting und einer interessanten Handlung, die aber zum Ende hin auch einige Schwächen aufweist. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag vorgeschlagenen Lesealter von 16 Jahren.

Wunderschöne Buchpost – mit Liebe verpackt!

Vor einigen Tagen erreichte mich im Rahmen einer Buchverlosung auf Lovelybooks.de ein wundervoller Jugendthriller, der von der Autorin mit viel Liebe verpackt worden ist. „Das Tagebuch der Jenna Blue“ von Julia Adrian ist ein Roman, den ich schon seit langem erwartet habe, da ich mich seit „Die Dreizehnte Fee – Erwachen“ in den Schreibstil von Julia verliebt habe. Kennt Ihr die Bücher der Autorin?

Von Drachen und Draufgängern | Doppelte Buchpost

In den nächsten Tagen möchte ich Euch wieder einige Neuzugänge und Rezensionen präsentieren. Den Anfang machen heute zwei Rezensionsexemplare, die mich von den Verlagen FISCHER Scherz, S. Fischer Verlage, und Baumhaus, Bastei Lübbe AG, über eine Leserunde bei Lovelybooks bzw. die Bloggerjury erreichten – vielen Dank dafür! „Pirlo – Gegen alle Regeln“ von Ingo Bott, ein Justizroman über einen grenzwertigen Strafverteidiger, und „Der kleine Drache, der kein Feuer spucken konnte“ von Gemma Merino, ein illustriertes Bilderbuch für Kinder, könnten dabei unterschiedlicher nicht sein. Umso mehr freue ich mich auf die Ablenkung – und die Ausflüge in die Welt der Fantasie und die Welt der Justiz – die mir als Jurist und ehrenamtlicher Richter nicht fremd ist. Lest Ihr gern Romane, die mit Eurer Ausbildung korrelieren?

Es geht wieder los | Vorfreude auf die FBM2021

Endlich hat die lange Zeit ohne Buchmessen ein Ende, endlich steht die erste, große Buchmesse wieder auf dem Plan. Im nächsten Monat findet (aller Voraussicht nach) die Frankfurter Buchmesse 2021 statt, nachdem sie letztes Jahr nur unzulänglich durch ein Digitalformat ersetzt werden konnte. Und natürlich bin ich wieder an allen Tagen mit dabei und werde als akkreditierter Blogger – vielen Dank dafür an die Buchmesseleitung – wieder ausführlich berichten. Ich kann es kaum erwarten! Wen von Euch sehe ich dort?

Hochspannung in allen Zeiten | Doppelte Buchpost

In den letzten Tagen erreichten mich erneut einige wundervolle Bücher, von denen ich Euch heute die ersten beiden zeigen möchte. „Des Kummers Nacht“ von Ralph Knobelsdorf ist ein historischer Kriminalroman, der im Preußen des 19. Jahrhunderts spielt und mich als Rezensionsexemplar über die Bloggerjury erreichte. „Russische Botschaften“ von Yassin Musharbash ist hingegen ein hochaktueller Politthriller im Spannungsfeld zwischen Politik, Spionage und Investigativjournalismus – und erreichte mich als Rezensionsexemplar im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks. Vielen Dank an die Verlage Bastei Lübbe und Kiepenheuer & Witsch. Da stehen mir einige, spannende Lesestunden ins Haus!

[Buchgedanken] Hanno Millesi: „Der Charme der langen Wege“

Vor einiger Zeit habe ich „Der Charme der langen Wege“ von Hanno Millesi gelesen. Das Buch ist 2021 bei Edition Atelier, Wien, erschienen, und dem Genre des Romans / der Gegenwartsliteratur zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag und die vermittelnde Agentur Literaturtest für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

Geräusche sind seine Welt. Früher war Lambert ein Virtuose auf dem Gebiet des Sound-Designs, bekannt für seine Inszenierung von Schritten der verschiedensten Spielarten. Dann tritt das für ihn Undenkbare ein: Sein Gehör lässt im Stich! Wann, fragt er sich, gab es in seinem Leben schon ähnliche Situationen? Und wer konnte ihm dereinst helfen? Also macht er sich auf in seine Vergangenheit. Über die langen Wege der Erinnerung kehrt er schließlich in die letzte Häuslichkeit ein – bei sich selbst.

„Der Charme der langen Wege“ ist ein ungewöhnliches Buch – obwohl ich das Buch schon vor einiger Zeit beendet habe, bin ich mir immer noch nicht ganz sicher, was ich davon halten soll. Gespickt mit kleinen, eingestreuten Illustrationen des Autors selbst, schildert Hanno Millesi die Geschichte von Lambert/Bert größtenteils in Rückblicken bzw. Erinnerungen, die sich ins Gedächtnis des Protagonisten schleichen, während dieser seiner letzten Reise entgegengeht.

Die grundsätzliche Handlung ist dabei so simpel wie ereignislos, der Protagonist begibt sich nach einem Hörverlust auf eine beschwerliche Reise in die Stadt, um seinen alten Tontechniker zu suchen, mit dem er im Streit auseinandergegangen ist – eine alte Aufnahmemaschine im Gepäck, um die Wogen zu glätten. Mit jedem Schritt erinnert er sich stärker an sein altes Leben, geht gedanklich zurück in die gute alte Zeit, in der er als Teil von „Sindy & Bert“ (netter Wortwitz) Maßstäbe bei der klanglichen Untermalung von Filmen setzte.

„Der Charme der langen Wege“ ist daher mehr als ein Roman eine Hommage an alte Zeiten und vergessene Künste, eine Ode an die Vorreiter der Tontechnik, die Geräuschemacher der alten Schule – als noch Menschen die Arbeit verrichteten, die heute eine Sounddatenbank am Computer übernimmt. Und so ist das Buch – so einfach in der Handlung – doch so gewaltig in Sprache und Inhalt. Hanno Millesi spielt mit dem Leser, lässt ihn durch die Beschreibungen von Lambert die Geräusche nachfühlen und nachspüren, die dieser in seiner Küche oder mit einem alten Kinderwagen erzeugt.

Die Buchgestaltung überzeugt im Wesentlichen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, die eingestreuten Illustrationen des Autors sind gelungen und untermalen die Handlung, hätten durchaus aber noch intensiver eingesetzt werden können. Das Covermotiv zieht sich gut über den gesamten Buchumschlag, ist zwar unscheinbar, spiegelt jedoch gut die Verworrenheit der Wege des Protagonisten wieder – und wird, überraschend, auch nochmal auf dem Buch unterhalb des Umschlags aufgegriffen.

Mein Fazit?“ Der Charme der langen Wege“ ist ein ungewöhnlicher Roman, der trotz der Einfachheit der Handlung mit einer klangvollen Sprache punktet – und den Lesern eine längst vergessene Kunst wieder ins Bewusstsein ruft. Für Leser des Genres, insbesondere aber auch für Liebhaber alter Filme, bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Mel Wallis de Vries: „Himmel oder Hölle?“

Vor kurzem habe ich „Himmel oder Hölle?“ von Mel Wallis de Vries gelesen. Das Buch ist 2021 im ONE Verlag in der Bastei Lübbe AG veröffentlicht worden, die Originalausgabe erschien 2013 unter dem TItel „Wreed“ bei Uitgeverij de Fontein. Der Roman ist als Jugendhriller einzuordnen – vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares über die Bloggerjury.

Danielle lernt im Skiurlaub mit ihren Freundinnen den gut aussehenden Dante kennen. Der Student spielt ihrer Meinung nach in einer ganz anderen Liga, und dennoch scheint er sich für sie zu interessieren. Zurück in Amsterdam kann Danielle ihr Glück kaum fassen, als ihr Dante zufällig wieder über den Weg läuft. Doch gerade als die beiden sich näherkommen, entdeckt sie Dantes dunkles Geheimnis: Seine letzte Freundin Florine wurde ermordet, und ausgerechnet Dante war der Hauptverdächtige. Kann Danielle ihm wirklich vertrauen?

„Himmel oder Hölle?“ ist ein Jugendthriller ab 14, der unter anderem die Themen Stalking und toxische Beziehungen in den Mittelpunkt rückt – um (spoilerfrei) nur einige der Problemkreise zu nennen, auf die das Buch auch mit einer Triggerwarnung reagiert, die sich allerdings – ebenfalls spoilerfrei – erst am Buchende befindet und auf die anfangs nur hingewiesen wird. Gewünscht hätte ich mir in dem Zusammenhang jedoch, dass dann im Rahmen der Triggerwarnung auch Hilfsangebote, Kontaktadressen für Betroffene verlinkt bzw. benannt werden.

Die Handlung ist spannend, kurzweilig und abwechslungsreich, dabei teils vorhersehbar, teils aber auch mit unerwarteten Wendungen versehen. Insgesamt bleibt sie jedoch etwas an der Oberfläche, durch das insgesamt sehr kurze Buch und die Zweiteilung in das aktuelle und vergangene Geschehen bleibt kaum Zeit und Platz, um den Leser intensiv mit den Figuren vertraut zu machen. So hätte ich mir viel mehr von Madelief – der absoluten Sympathieträgerin – oder auch von Robin gewünscht.

Durch die Fokussierung auf die – wie auch immer geartete – Beziehung zwischen Danielle und Dante werden die Charaktere darüber hinaus auch nur oberflächlich entwickelt, die Probleme zwischen Dany und ihren Eltern hätten zum Beispiel noch präsenter eingebaut werden können, um gerade auch ihre Entwicklung für den Leser nachvollziehbarer zu gestalten. Dennoch gelingt es Mel Wallis de Vries, durch die Wahl der Erzählperspektiven – zwei Ich-Perspektiven – den Leser nah an die handelnden Figuren zu bringen, ihre Stimmung aufzufangen, sodass man trotzdem das Buch nicht aus der Hand legen möchte.

Der Schreibstil der Autorin lässt sich dabei leicht und flüssig lesen, ist relativ einfach und wird von kurzen Sätzen dominiert – voller Tempo aber mit wenig Abwechslung. Die Dialoge sind altersgerecht und authentisch, sodass das Kopfkino gut anspringt, insbesondere am Beginn des Buches während des Skiurlaubes von Danielle und ihren Freundinnen.

Die Buchgestaltung ist solide, Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben im Wesentlichen gut gearbeitet, wenn auch Kleinigkeiten, insbesondere im Satz, durchgerutscht sind – oder ich verstehe die Mittel einfach nicht. Das Cover ist gelungen, vermittelt gut die Grundstimmung und zieht sich farblich über den gesamten, sehr ansehnlichen Buchumschlag.

Mein Fazit? „Himmel oder Hölle?“ ist ein gelungener Jugendthriller mit spannender Handlung, den man kaum aus der Hand legen kann, der aber auch etwas an der Oberfläche verbleibt. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag vorgeschlagenen Lesealter von 14.

Rezensionsexemplare im Doppelpack | Buchpost

In den letzten Tagen erreichten mich wieder zwei Rezensionsexemplare, die ich Euch nicht vorenthalten möchte: der Werwolf-Romance-Titel „Skinborn“ von Joy Styx aus dem Feuertanz Verlag und „Mama“ von Jessica Lind aus dem Verlag Kremayr & Scheriau, das mir von der Agentur Buchcontact vermittelt wurde. Vielen Dank an die beiden Verlage und die Agentur für die Bereitstellung der Rezensionsexemplare, die unterschiedlicher kaum sein könnten. So kommt Abwechslung in die Leseliste!

[Buchgedanken] Emma Stonex: „Die Leuchtturmwärter“

In den letzten Tagen habe ich „Die Leuchtturmwärter“ von Emma Stonex gelesen. Der Debütroman der Autorin erscheint am 25.08.2021 in der S. Fischer Verlag GmbH, die Originalausgabe wurde 2021 unter dem Titel „The Lamplighters“ bei Picador, einem Imprint von Pan Macmillan veröffentlicht. Das Buch ist als Gegenwartsliteratur anzusehen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an die S. Fischer Verlage für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.

In der Silvesternacht verschwinden vor der Küste Cornwalls drei Männer spurlos von einem Leuchtturm. Die Tür ist von innen verschlossen. Der zum Abendessen gedeckte Tisch unberührt. Die Uhren sind stehen geblieben. Zurück bleiben drei Frauen, die auch zwei Jahrzehnte später von dem rätselhaften Geschehen verfolgt werden. Die Tragödie hätte Helen, Jenny und Michelle zusammenbringen sollen, hat sie aber auseinandergerissen. Als sie zum ersten Mal ihre Seite der Geschichte erzählen, kommt ein Leben voller Entbehrungen zutage – des monatelangen Getrenntseins, des Sehnens und Hoffens. Und je tiefer sie hinabtauchen, desto dichter wird das Geflecht aus Geheimnissen und Lügen, Realität und Einbildung.

„Die Leuchtturmwärter“ ist ein sehr ambitionierter Debütroman, der im großen und ganzen überzeugt, sich teils aber etwas übernimmt. So fällt bereits die Genrezuordnung schwer. vereint die Geschichte doch mystische, historische und schicksalshafte Elemente mit Thrillerkomponenten, sodass ich es der Einfachheit selber – auch aufgrund des literarischen Anspruchs – als Gegenwartsliteratur eingruppiert habe.

Der Roman brilliert dabei vor allem durch sein unglaublich atmosphärisches Setting. So werden die Naturgewalt des Meeres, die Diskrepanz der Einsamkeit und Gemeinschaft auf dem Leuchtturm und das Leben in den Cottages an der Küste gut beschrieben, sodass man sich als Leser gut nach Cornwall träumen kann. Dahingegen bietet die Handlung jedoch einige Schwächen, verschwimmen die Grenzen zwischen Realem und Irrealem doch, werden mystische Effekte nicht aufgeklärt – und der Leser mit einem etwas kitschbehafteten und wenig nachvollziehbaren Ende überrascht.

Die einzelnen Charaktere bekommen dabei jeweils genug Kapitel, um sich als Leser ein gutes Bild von den Personen zu machen, wenn auch die Identifizierung mit den Protagonisten dem Leser sicherlich in aller Regel schwerfällt – am stärksten überzeugen hier noch Arthur und Michelle. Der Schreibstil von Emma Stonex ist – wie bereits erwähnt – ambitionirt, aber teils zu gewollt literarisch. So gelingt es ihr zwar, die Rauheit des Meeres gut einzufangen, interessante Psychogramme der Charaktere zu präsentieren und die Handlung voranzutreiben, gleichsam irritieren aber vor allem die Gespräche der Frauen mit dem Autor Dan Sharp, bei denen Emma Stonex gänzlich auf Dialoge verzichtet, was zulasten der Lesbarkeit geht, und vor allem dessen Sinn sich nicht erschließt.

Die Buchgestaltung ist im Wesentlichen gelungen, Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover ist farblich stark, aber doch etwas unauffällig, wartet dafür aber mit einem auch unter dem Schutzumschlag schönen Buch mit illustrierten Coverinnenseiten auf.

Mein Fazit? „Die Leuchtturmwärter“ ist ein solider Debütroman, der durch ein brillantes Setting punktet, aber auch Schwächen in der Handlung aufweist und teils zu ambitioniert ist – auch sprachlich. Für Liebhaber literarischer Werke dennoch bedenkenlos zu empfehlen.