[Blogtour] Ein „Findelmädchen“ im Köln der 50er Jahre (inkl. Buchgewinnspiel)

Nach den Beiträgen von Silke am Montag und Michèle am Dienstag macht am heutigen Mittwoch die von der Agentur Literaturtest vermittelte Blogtour zu Lilly Bernsteins neuestem Buch bei mir halt. „Findelmädchen: Aufbruch ins Glück“ ist dabei nach „Trümmermädchen – Annas Traum vom Glück“ das zweite Buch der Autorin, das im Köln der Nachkriegszeit spielt, einer Zeit, die ich Euch heute näher bringen möchte. Und darum geht es:

Köln 1955: Die 15-jährige Helga und ihr Bruder Jürgen leben endlich wieder bei ihrem aus russischer Kriegsgefangenschaft heimgekehrten Vater. Von der Mutter fehlt seit Kriegsende jede Spur. Der Vater baut sich mit einem Büdchen eine neue Existenz auf, Jürgen beginnt bei Ford. Helga aber, die sich nichts sehnlicher wünscht, als aufs Gymnasium zu gehen, soll sich in der Haushaltungsschule auf ein Leben als Ehefrau vorbereiten. Während eines Praktikums im Waisenhaus muss sie entsetzt mitansehen, wie schlecht die Kinder dort behandelt werden. Schützend stellt sie sich vor ein sogenanntes »Besatzerkind«. Und sie verliebt sich. Doch die Schatten des Krieges bedrohen alles, was sie sich vom Leben erhofft hat …

Die 50er Jahre:

Was macht eigentlich dieses Jahrzehnt aus? Die 50er waren das Jahrzehnt des Wiederaufbaus und des beginnenden Wirtschaftswunders, die ersten Gastarbeiter erreichten die Bundesrepublik und der Kalte Krieg begann. 1954 begeisterte das Wunder von Bern die Massen, Rock ’n‘ Roll und Schlager dominierten die Musikszene, Bing Crosby, Elvis Presley, Frank Sinatra und Chuck Berry verzauberten die Menschen und Clark Gable, Marilyn Monroe, Romy Schneider, Humphrey Bogart und Audrey Hepburn sorgten für eine Hochzeit des Kinos mit Filmen wie „Manche mögens heiß“, „Quo vadis?“ oder „Bettgeflüster“. Literarisch hatte das Jahrzehnt mit Böll, Sartre, Camus und Hemingway viel zu bieten und auch sportlich und gesellschaftlich florierte die Zeit mit so illustren Persönlichkeiten wie Pélé, Coco Chanel, Eva Peron oder Juan Manuel Fangio. Die 50er waren dabei ein Jahrzehnt voller Gegensätze, zwischen Konflikten und Aufbruchstimmung, zwischen konservativen Werten und erster jugendlicher Rebellion nach dem Vorbild von James Dean (die erste Bravo erschien übrigens 1956 mit Marilyn Monroe auf dem Cover). Doch trotz der entstehenden demokratischen Strukturen, dem beginnenden Wirtschaftswunder, hatten es auch damals nicht alle leicht, entwickelten sich die Strukturen einer sozialen Industriegesellschaft doch erst nach und nach. Und wie in jeder Gesellschaft, gab es auch in den 50er Jahren Menschen, die durchs Raster fielen, die nicht im Rampenlicht standen und auf die Hilfe anderer angewiesen waren – wie es „Findelmädchen: Aufbruch ins Glück“ eindringlich zeigt.

Und damit Ihr Euch davon auch selbst einen Eindruck machen könnt, haben jetzt alle, die bis hierhin gelesen haben, die Chance, ein Exemplar von „Findelmädchen“ zu gewinnen, zur Verfügung gestellt von der Agentur Literaturtest in Zusammenarbeit mit der Ullstein Buchverlag GmbH. Kommentiert einfach hier (und gern auch auf Facebook und/oder Instagram) bis zum 14.08. und beantwortet dabei folgende Gewinnspielfrage:

Die 1950er Jahre sind ja eine Hochzeit des Kinos. Welcher Schauspieler oder welche Schauspielerin (kann, muss aber nicht aus den 50er Jahren stammen) begeistert Euch regelmäßig?

Viel Erfolg! Für alle, die leider keinen Erfolg haben – auch morgen gibt es bei Chrissi ein weiteres Gewinnspiel :). Und hier noch die obligatorischen:

~~~ Teilnahmebedingungen ~~~

1. Die Teilnahme ist möglich bis zum 14.08.2022, 23:59:59 Uhr

2. Um teilzunehmen, könnt ihr einen Kommentar unter diesen Blogpost setzen und/oder auf Facebook den originalen Gewinnspielbeitrag und/oder auf Instagram den Gewinnspielbeitrag kommentieren.

3. Jeder, der die obigen Teilnahmebedingungen erfüllt, erhält ein Los pro Plattform, auf der er den Originalbeitrag kommentiert. Es wird maximal ein Kommentar auf jeder Plattform gewertet. Von mehreren Kommentaren einer Person auf der gleichen Plattform wird nur der erste in die Verlosung genommen. Pro Teilnehmer können so maximal drei Lose erworben werden. Es werden nur Kommentare unter den Originalbeiträgen auf Facebook, Instagram und WordPress in die Verlosung genommen.

4. Es ist keine Pflicht und es gibt auch keine Zusatzlose für Beitragslikes, für das Rebloggen des Beitrages auf WordPress oder das Teilen und Freunde markieren auf Facebook sowie das Speichern des Beitrages auf Instagram, freuen würde ich mich natürlich dennoch drüber. Gleiches gilt für das Folgen hier auf WordPress und/oder Seitenlikes/-Abonnements auf Facebook/Instagram :).

5. Nach Ablauf der Zeit wird das Gewinnspiel zeitnah ausgelost und der Gewinner wird sowohl hier als auch auf den Social-Media-Profilen in den Kommentaren veröffentlicht. Meldet sich der Gewinner dann nicht binnen einer Woche, wird der Gewinn neu vergeben.

6. Das Gewinnspiel steht in keinerlei Zusammenhang mit facebook, Instagram oder WordPress.

7. Eine Barauszahlung des Gewinnes ist nicht möglich, kurzfristige Änderungen zu den benannten Gewinnen können sich ergeben.

8. Es wird keine Haftung für auf dem Postweg entstandene Schäden oder Verluste übernommen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

9. Der Verlosende behält sich vor, Kommentare, die ehrverletzend sind, gegen die guten Sitten verstoßen oder pornografische, gewaltverherrlichende oder rechts-/linksradikale Inhalte besitzen, zu löschen und von der Verlosung auszuschließen.

10. Die in diesem Zusammenhang erhobenen Daten, insbesondere die Adresse des Gewinners, werden ausschließlich für die ordnungsgemäße Durchführung des Gewinnspiels verwendet. Der Versand des Gewinnes erfolgt über die Agentur Literaturtest. Mit der Teilnahme erklärt man sein Einverständnis mit der Weitergabe der Daten an diese zur Ausführung des Versands. Eine weitergehende Nutzung der Daten erfolgt nicht, nach Gewinnversand werden diese gelöscht.

[Buchgedanken] Anne Perry: „Der Würger von der Cater Street“ (Thomas & Charlotte Pitt 1)

Vor kurzem habe ich „Der Würger von der Cater Street“ von Anne Perry gelesen, den ersten Band ihrer „Thomas & Charlotte Pitt“-Reihe. Das Buch ist in der vorliegenden deutschsprachigen Ausgabe 2022 im Label Adrian Crime des Adrian Verlags, Adrian & Wimmelbuchverlag GmbH, neu erschienen und als viktorianischer Kriminalroman einzuordnen, die Originalausgabe erschien 1979 bei Robert Hale unter dem Titel „The Cater Street Hangman“. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die vermittelnde Agentur Buchcontact. Für die Übersetzung zeichnet Michael Tondorf verantwortlich, der auch bereits die früheren deutschen Ausgaben 2002 bei DuMont betreute, das Nachwort wurde von Volker Neuhaus verfasst.

Ein Mörder erwürgt junge Frauen in der Cater Street und lässt ihre geschwollenen Gesichter in den dunklen Schatten des vornehmen Viertels zurück. Als das Dienstmädchen der Familie Ellison das dritte Opfer des Mörders wird, übernimmt der junge Inspektor Thomas Pitt den Fall. Er muss die Fassade der Oberschicht durchbrechen, um sich der Wahrheit zu nähren. Die freimütige Charlotte Ellison, bemüht sich redlich, die Einschränkungen der viktorianischen Manieren zu erfüllen. Doch dem irritierten Polizisten gegenüber verhält sie sich etwas zu offen. Während sich ihre Beziehung zu etwas Kompliziertem entwickelt, müssen Thomas und Charlotte zusammen das Rätsel lösen, bevor „Der Würger der Cater Street“ erneut zuschlägt.

„Der Würger von der Cater Street“ ist der Beginn einer historischen Kriminalromanreihe von Anne Perry, die im viktorianischen London spielt und aus mittlerweile 32 Bänden besteht. Im Gegensatz zu ihrer Reihe um William Monk ist die „Charlotte & Thomas Pitt“-Reihe dabei im letzten Drittel des viktorianischen Zeitalters angesiedelt, beginnt die Handlung doch im Frühjahr 1881.

Der Roman besticht hierbei durch sein tolles Setting. So entführt Anne Perry den Leser wie schon erwähnt ins viktorianische London, in eine hochspannende Epoche, geprägt von Klassenunterschieden und Standesdünkel. Da die Familie Ellison zur oberen Mittelschicht gehört, steht sie zwischen der Welt des Adels und der Dienerschaft, ist in alle Richtungen durchlässig und ermöglicht so einen guten Einblick in die komplette Gesellschaft.

DIe Handlung ist grundsätzlich spannend, teils aber etwas vorhersehbar und startet etwas langsam, müssen doch erst die ganzen Charaktere eingeführt werden. Auch wird unschönerweise ein zentrales Handlungselement bereits durch den Titel der Reihe vorweggenommen, sodass hier einiges an Spannung verlorengeht – schade.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, wenn auch aufgrund der Vielzahl an Figuren hier noch Entwicklungsbedarf besteht, der hoffentlich in den Folgebänden konsequent umgesetzt wird. So überzeugt neben Charlotte vor allem Emily, während gerade Edward und Dominic noch etwas blass bleiben.

Anne Perrys Schreibstil lässt sich leicht und flüssig lesen, ist authentisch und bildhaft. Teils sind die Perspektivwechsel allerdings etwas sprunghaft und nicht voneinander abgesetzt, sodass man kurzzeitig als Leser verwirrt zurückbleibt.

DIe Buchgestaltung ist gelungen. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz und die grafische Gestaltung der ersten und letzten Seiten ist wunderschön. Zwar überzeugt das Covermotiv nicht (dies wird allerdings im Folgeband besser), dafür ist der Buchumschlag mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen.

Mein Fazit? „Der Würger von der Cater Street“ ist ein gelungener Auftakt in die Krimireihe, der vor allem durch sein Setting glänzen kann, eine zentrale Auflösung aber bereits vorwegnimmt, in jedem Fall jedoch Potential für Folgebände bietet. Für Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

Spannungsgeladene Fortsetzungen | Doppelte Buchpost

In den letzten Tagen erreichten mich diese beiden Fortsetzungen von spannungsgeladenen Buchreihen: „Pirlo – Falsche Zeugen“ von Ingo Bott (Fischer SCHERZ), nach „Pirlo – Gegen alle Regeln“ der zweite Teil um die Anwälte Pirlo/Mahler und „Ein Fremder hier zu Lande“ von Ralph Knobelsdorf (Lübbe), nach „Des Kummers Nacht“ der zweite Fall für den preußischen Polizisten Wilhelm von der Heyden. Ersteres wurde mir dabei als Rezensionsexemplar im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de zur Verfügung gestellt, letzteres erreichte mich als Rezensionsexemplar über die Bloggerjury – vielen Dank jeweils dafür. Justizroman und historischer Krimi – da stehen mir spannende Lesestunden bevor. Da ich jeweils die ersten Bücher mochte – wird hier schon nichts schief gehen ;).

Von welchem Buch habt Ihr Euch zuletzt die Fortsetzung gegönnt?

Lasst die Spiele beginnen | Doppelte Buchpost

Nachdem so langsam wieder erträgliche Temperaturen angebrochen sind, möchte ich Euch Heute Abend diese beiden selbstgekauften Bücher zeigen, die mich vor kurzem als wunderschöne Exklusivausgaben der Bücherbüchse erreicht haben. „The Inheritance Games“ von Jennifer Lynn Barnes aus dem cbt Verlag war ein absolutes Highlight der letzten Zeit, selbstverständlich, dass es daher als Schmuckausgabe zusammen mit dem Nachfolger nochmal zu mir kommen durfte. Jetzt bin ich schon ganz gespannt darauf, wie das Spiel weiter geht – und welche Entscheidungen Avery treffen wird.

Mögt Ihr Schmuckausgaben von Büchern? Welche ist zuletzt bei Euch eingezogen?

Von großen Gefühlen und gefährlichen Stürmen | Doppelte Buchpost

Während ich mich langsam von der heutigen Hitzewelle mit 38° erhole, möchte ich Euch noch zwei Bücher zeigen, die mich vor kurzem erreicht haben: „Das St. Alex – Nachtleuchten“ von Anne Lück (Knaur) und „Die Tote im Sturm“ von Kristina Ohlsson (Limes). Letzteres erreichte mich dabei als Rezensionsexemplar über die vermittelnde Agentur Buchcontact, ersteres aufgrund einer Rezensionsanfrage des Verlags – vielen Dank jeweils! Ich bin schon ganz auf die Ausflüge in ein Berliner Krankenhaus und an die schwedische Westküste gespannt.

Welches Buch ist zuletzt bei Euch eingezogen?

[Buchgedanken] Lea Korte: „Morgen werden wir glücklich sein“

Vor kurzem habe ich „Morgen werden wir glücklich sein“ von Lea Korte gelesen. Das Buch ist 2022 in der Piper Verlag GmbH veröffentlicht worden und dem Genre historischer Roman zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die vermittelnde Agentur Buchcontact.

Marie, Amiel und Geneviève sind seit Kindertagen miteinander befreundet. Als 1940 die Deutschen in Paris einmarschieren, wird ihre Freundschaft jedoch auf eine harte Probe gestellt. Lehrerin Marie geht zur Résistance, um ihre jüdischen Schüler vor den Nazis zu retten. Ärztin Amiel unterstützt sie, obwohl sie selbst Jüdin ist. Die Sängerin Geneviève wiederum lässt sich mit den Deutschen ein, um weiter auf der Bühne stehen zu können. Für Marie ist dies ein verheerender Verrat und sie wendet sich von der Freundin ab, die bisher ›alles‹ für sie war. Als Geneviève sie am meisten braucht, verweigert Marie ihr die Hilfe und löst damit eine Katastrophe aus …

„Morgen werden wir glücklich sein“ ist eine Mischung aus historischer Roman und Familiensage, spielt das Buch doch in zwei Zeitebenen, da als Rahmenhandlung in der heutigen Zeit (unter anderem) die Nachfahren der Protagonistinnen aufeinander treffen. Durch die dadurch entstehenden vielen Zeitsprünge wird die Handlung regelmäßig unterbrochen, wirkt etwas fahrig und lässt etwas an Stringenz vermissen – schade. Vielleicht hätte man hier wirklich nur zu Beginn und am Ende, zumindest aber selektiver, die zweite Zeitebene einbauen können.

Denn die Handlung an und für sich – zumindest die vergangene – ist spannend, abwechslungsreich und dramatisch. Lea Korte gelingt es, die Verzweiflung der Protagonistinnen, die Hoffnung, Trauer und ja, auch die Liebe in diesen schweren Zeiten, greifbar zu machen, den Leser mit den Protagonisten mitfühlen zu lassen.

Dies wird auch durch das tolle Setting unterstützt. Die Autorin beschreibt das Paris zur Besatzungszeit anschaulich, eindrücklich und nicht beschönigend, lässt das Grauen der Zeit wiederauferstehen, aber auch die Menschlichkeit, Hilfsbereitschaft, den Kraft und den Mut der Franzosen damals. Dabei lässt sich Lea Kortes Schreibstil leicht und flüssig lesen, ist authentisch und kraftvoll.

Die einzelnen Potagonisten sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei überzeugt vor allem Amiel – aus meiner Sicht der stärkste Charakter im Roman und eine unglaubliche Frau, während auch Nebenrollen wie Maciej und Charlotte glänzen können.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover vermag hingegen nicht so recht zu überzeugen, lässt es zum einen doch etwas den Bezug zur Handlung vermissen und ist generell etwas unscheinbar sowie mit einem harten Bruch zum Buchrücken versehen.

Mein Fazit? „Morgen werden wir glücklich sein“ ist ein toller historischer Roman, der vor allem durch sein atmosphärisches Setting und eine spannende Handlung punktet, wenn auch die Rahmenhandlung vielleicht etwas weniger Platz hätte einnehmen können. Für Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Fabienne Sita: „Asche und Eden“

Vor kurzem habe ich „Asche und Eden“ von Fabienne Sita gelesen. Das Buch ist 2022 bei Gerth Medien in der SCM Verlagsgruppe GmbH erschienen und als spirituelles, autofiktionales Buch einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Wir wünschen uns das Paradies auf Erden: Friede, Freude, Sonnenschein. Doch was, wenn ein Gewittersturm aufzieht? Wenn das Leben aus den Fugen gerät und man daran zu zerbrechen droht? Einer dieser großen Stürme trifft Fabienne Sita und wirft sie zu Boden. Ein Blitz schlägt mitten in ihre Träume und Hoffnungen ein und lässt einen Haufen Asche zurück. Doch ein Satz, ein Blick, eine Begegnung verändert alles. Tiefster Schmerz trifft auf wahre Schönheit. Eine innere Reise beginnt, die gleichermaßen eindrucksvoll wie heilsam ist.

„Asche und Eden“ ist ein sehr spezielles Buch, das sich bereits kaum kategorisieren lässt (die obige Einordnung ist lediglich ein unzureichender Versuch). Autofiktional und/oder autobiographisch, religiös und/oder spirituell, Gleichnis und/oder Märchen – um nur einige Optionen zu nennen. Dabei ist das Buch reich bebildert und graphisch hochwertig gestaltet, ein Gesamtkunstwerk aus Text und Bild.

Eine richtige Handlung gibt es nicht – vielmehr begleitet man die Protagonistin, also die Autorin, auf einem inneren Weg zu einem besseren Ich im Kampf gegen u.a. Angst, Neid und Kontrollverlust. Auf ihrem Weg wird sie bei Schwierigkeiten unterstützt von einem weißgekleideten Mann, der Jesus darstellen soll, und einem Mann mit silbernen Haaren, der die Rolle Gottes einnimmt.

Dabei „bekämpft“ die Protagonistin ihre inneren Dämonen in ausführlichen Tagträumen, die stark märchenhaft und klischeebehaftet daherkommen. Zwar wird nicht verkannt, dass – ungeachtet der religiösen Färbung – die Mantren und Lebensweisheiten teils durchaus wertvoll und allgemeingültig sind, dennoch verblasst dies teils hinter der doch etwas holzhammerartig plakatierten Religiösität, die hier fast missionarisch daherkommt.

Die Buchgestaltung ist größtenteils gelungen. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz ist, gerade im graphischen Bereich, der dem Handlettering ähnlich ist, sehr gelungen. Das Covermotiv ist ansehnlich und zieht sich als Gesamtbild einheitlich über Buchrücken und Coverrückseite, sodass ein toller Gesamteindruck entsteht.

Mein Fazit? „Asche und Eden“ ist ein spirituelles Buch voller Lebensweisheiten, das durch sein künstlerisches Gesamtkonzept glänzt, aber auch etwas märchenhaft und plakativ missionarisch daherkommt. Für Liebhaber christlicher Literatur zu empfehlen – und nicht unter einem Lesealter von 14 Jahren.

Von Köln nach Stockholm | Doppelte Buchpost

In der letzten Zeit trudelten unter anderem auch diese beiden Bücher bei mir ein. „Findelmädchen“ von Lilly Bernstein aus dem Ullstein Verlag erreichte mich dabei als Rezensionsexemplar über die vermittelnde Agentur Literaturtest, während „Geiger“ von Gustaf Skördeman aus dem Lübbe Verlag (Bastei Lübbe AG) selbstgekauft ist – es sprang auf die Wunschliste, da der Nachfolger „Faust“ auch als Rezensionsexemplar zu mir kam. In den Büchern erwartet mich dabei eine Reise zwischen Raum und Zeit, vom Köln der 50er-Jahre bis hin zum Stockholm der Jetztzeit. Ich bin schon gespannt, welche Epoche und Geschichte mich mehr faszinieren wird.

Lest Ihr lieber Thriller oder historische Romane?

[Buchgedanken] Ellin Carsta: „Schritt ins Licht“ (Kinder der Hansens 1)

Vor kurzem habe ich im Rahmen eines Lesewochenendes auf Lovelybooks.de „Schritt ins Licht“ von Ellin Carsta gelesen, den ersten Band der Reihe um die Kinder der Hansens. Das Buch ist 2022 bei Tinte & Feder, Amazon Media EU S.à r.l. veröffentlicht worden und als Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

Hamburg 1924: Amala Hansen, die Tochter von Luise und Hamza, will endlich ihre Familie in Deutschland kennenlernen. Georg Hansen ist dankbar für den frischen Wind, den die ehrgeizige junge Frau aus den USA in die alte Villa bringt. Amala möchte Schauspielerin werden, doch sie trifft auf eine Welt voller Vorurteile. Genau wie ihre Mutter denkt sie jedoch nicht daran, aufzugeben, und arbeitet stattdessen nur umso härter an ihrer Karriere. Kann sie alle Widerstände überwinden? Franz Loising hat das Kaffeehaus seiner Mutter in Wien übernommen, kann seine Aufgaben aber kaum ausführen. Der einst so frohe junge Mann hat mit seinen Erfahrungen aus dem Ersten Weltkrieg zu kämpfen. Gelingt es ihm, sein Trauma aufzuarbeiten und in sein normales Leben zurückzukehren?

„Schritt ins Licht“ führt als Beginn einer neuen Reihe die erfolgreiche Familiensaga um die Hansens fort. Dabei wird die Reihe als eigenständig beworben, sodass man sie auch ohne Vorwissen über die Hansens lesen können soll – was ich bedingt bestätigen kann, da die Autorin oftmals Informationen über die Vergangenheit der Figuren und Familien einstreut, um den Leser zu informieren. Gleichsam ist man dennoch als Neueinsteiger gerade zu Anfang völlig überfordert von der Masse an Figuren und Handlungssträngen, von den familiären Verpflechtungen und Verbindungen. Auch der vorab eingefügt Stammbaum hilft hier nur bedingt, erschlägt er den Leser doch eher, als hilreiche Informationen zu liefern.

Während man die Reihe aber dennoch durchaus als eigenständig bezeichnen kann, ist das Buch nicht als Standalone lesbar, da durch die Vielzahl an Handlungssträngen diese zum Ende hin kaum aufgelöst werden und offen verbleiben, selbst die einzige richtige Auflösung durch einen Cliffhanger konterkariert wird – etwas schade. Hier wäre eine etwas stärkere Fokussierung auf einige, wenige Handlungsstränge und die stärkere Ausgestaltung dieser (zum Beispiel zulasten des Prologs, der wenig beiträgt), sicherlich mehr gewesen.

Denn die Handlung an und für sich ist spannend, authentisch und abwechslungsreich. Gerade der Haupthandlungsstrang um Amala vermag hier zu überzeugen, genau wie der um Franz und Therese, der zudem ein wichtiges Thema, PTBS bei Kriegsrückkehrern, anspricht. Dahingegen hängen die Handlungsstränge um Helene und Elsa völlig in der Luft und vermögen – zumindest derzeit – nichts wirklich zum Buch beizutragen.

Das Setting ist ebenfalls abwechslungsreich, denn die Autorin entführt den Leser in drei aufblühende Metropolen, die unterschiedlicher nicht sein könnten: vom aufbrausenden Berlin, übers industrielle Hamburg bis hin zum beschaulichen Wien. Dabei ist Ellin Carstas Schreibstil authentisch und lässt sich leicht und flüssig lesen.

Die einzelnen Charaktere sind im Wesentlichen schon vielschichtig ausgearbeitet, aufgrund der Fülle an Protagonisten können diese bislang jedoch noch nicht weit entwickelt werden – dies bleibt hoffentlich dem/den Nachfolger/n vorbehalten. Am ehesten überzeugen hier noch Franz, Amala, Georg und als Nebencharakter Anna Simon.

Die Buchgestaltung ist ingesamt solide. Dem Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss nicht schmälern, der Buchsatz ist – mit Ausnahme des etwas zu kleinen und gedrängten Stambaumes – ebenfalls gelungen. Das Covermotiv ist unauffällig, aber schön – auch wenn etwas der Bezug zu Handlung fehlt, Amala wird hier ja eher nicht dargestellt sein.

Mein Fazit? „Schritt ins Licht“ ist ein im Wesentlichen gelungener Auftakt in eine neue Buchreihe, der vor allem durch sein Setting und die grundsätzlich spannende Handlung punktet, sich aber mit der Vielzahl an Handlungssträngen etwas übernimmt. Für Liebhaber von Familiensagen grundsätzlich zu empfehlen – wenn auch idealerweise mit Vorwissen zur Vorgängerreihe – und nicht als Standalone.

Schritte ins Licht | Doppelte Buchpost

Auch diese beiden Bücher erreichten mich vor kurzem als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de – vielen Dank dafür! „Asche und Eden“ von Fabienne Sita (Gerth Medien) und „Schritt ins Licht“ von Ellin Carsta (Tinte & Feder) thematisieren dabei beiderseits den (in letzterem Fall titelgebenden) Schritt ins Licht – einerseits einer neuen Generation, andererseits einer Frau aus der schmerzhaften Trauer.

Kennt Ihr eine der Autorinnen bereits?