[Buchgedanken] Veronika Lackerbauer: „Plötzlich Irland“

Vor kurzem habe ich „Plötzlich Irland“ von Veronika Lackerbauer gelesen, mittlerweile mein fünftes Buch der Autorin. Das Buch ist 2021 im Selfpublishing über BoD veröffentlicht worden und dem Genre Young-Adult-Romance zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

Weil ihre Mutter einen Job in Tokio annimmt, muss die siebzehnjährige Lena für ein Jahr zu ihrem Vater ziehen, mit dem sie bislang wenig Kontakt hatte. Auf das Leben auf seiner kleinen Schaffarm an der irischen Atlantikküste hat Lena überhaupt keinen Bock. Statt dem Partyleben mit ihren Freundinnen in Berlin gehören bald schroffe Felsen, raue See und verregnete Nachmittage zu Lenas Alltag. Und was will eigentlich dieser seltsame Kerl mit seinem stinkenden Motorrad vor ihrer Tür?

„Plötzlich Irland“ ist ganz anders als die bisherigen Liebesromane, die ich von Veronika gelesen habe („Bacchus‘ Vermächtnis“ und „Arabische Nächte“), daher fiel mir auch anfangs die Genrezuordnung nicht ganz leicht. Beworben als „Feelgood-Schicksalsroman“, in der Danksagung als Ausflug in die New-Adult-Romance verortet, bin ich schlussendlich doch zur Überzeugung gelangt, dass es wirklich ein Romance-Titel ist, er doch eher aber als Young-Adult einzugruppieren ist, wofür sowohl das Alter der Protagonistin und das Lebensumfeld sprechen, als auch die Tatsache, dass bei Sexszenen ausgeblendet wird.

Das Setting ist ungewöhnlich, aber interessant und birgt bereits erstes Konfiktpotential. So ist die ländliche irische Küste zwar idyllisch und malerisch, aber eher Urlaubsziel als Wunschlebensmittelpunkt eines hippen Großstadtteens. Dabei lernt man nach und nach nicht nur die irische Landschaft, sondern auch Bräuche und Geflogenheiten der Bevölkerung kennen – und lieben. Positiv anzumerken ist hier zudem, dass die Autorin dabei nicht nur die Sonnenseiten, sondern auch die Probleme in kleinen, dörflichen Gemeinschaften beleuchtet.

Die Handlung ist – genrebedingt – teils vorhersehbar, teils aber auch mit unerwarteten Wendungen (und Schicksalsschlägen, von denen ich der Autorin einen immer noch übel nehme) versehen. Dabei dreht sich die Handlung um typische Young-Adult-Themen wie die erste große Liebe – oder auch Probleme mit der Familie, ohne, dass der Roman dabei den Schwerpunkt verliert und zum Schicksalsroman wird – die Liebesgeschichte bleibt stets präsent, aber auch etwas brav.

Die einzelnen Charaktere sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen. Auch die Nebencharaktere glänzen – vor allem bin ich ein großer Fan von Helen und Mrs. Merriweather. Ayden, der Love Interest, erinnert mich (als Gilmore-Girls-Liebhaber) stark an Jess, ist wild aber belesen, loyal aber unbeständig, stammt aus einem problematischen Elternhaus und vermittelt den Eindruck eines Bad Boys. Für Lena als Protagonistin hätte ich mir zudem eine Ich-Perspektive gewünscht, um noch näher an ihr zu sein, um mich noch besser einfühlen zu können.

Die Buchgestaltung ist – wie üblich – solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben ordentlich gearbeitet und nur Kleinigkeiten durchrutschen lassen, das Coverbild zieht sich über den gesamten Buchumschlag und gibt so ein einheitliches Gesamtbild ab. Das Titelbild ist dabei auch typisch irisch und bietet zumindest Anklänge an die Handlung, ist aber insgesamt eher unauffällig, etwas zu harmonisch, auch durch die liebliche, aber austauschbare Gestaltung der unteren Bildhälfte.

Mein Fazit? „Plötzlich Irland“ ist eine im Wesentlichen gelungener Young-Adult-Romance, die vor allem mit einem tollen Setting und interessanten Nebencharakteren punkten kann, der aber auch etwas an Feuer fehlt. Für Leser des Genres, die gern auch ungewohnten Settings eine Chance geben, bedenkenlos zu empfehlen – ich würde lediglich das empfohlene Lesealter je nach Reife ein oder zwei Jahre hochsetzen und das Buch nicht ab 12, sondern eher ab 13/14 empfehlen.

Lovelybooks Leserpreis 2021 | Mein Voting Sheet

Bevor ich in den nächsten Tagen wieder einige Rezensionen, den Lit.Love-Bericht und dann auch eine Verlosung für Euch habe, möchte ich heute erstmal traditionell mein Voting Sheet zum Lovelybooks-Leserpreis posten – mit u.a. Ava Reed, Valentina Fast, Nina MacKay, Stefanie Hasse, Bianca Iosivoni, Laura Kneidl, Anne Freytag, Meike Werkmeister und Anne Prettin. Die Stimmabgabe ist noch bis morgen offen – also haltet Euch ran.

Wie üblich habe ich versucht, meine Stimmen etwas zu streuen, um möglichst viele, tolle Bücher abzudecken. Dennoch blieb viel auf der Strecke, da ja leider nur noch eine Stimme pro Kategorie möglich ist – und nicht drei, wie vor einigen Jahren. Am härtesten war dabei die Wahl im Bereich Jugendbuch Fantasy, wo ich blind aus 10 Büchern hätte wählen können, so stark ist die Kategorie besetzt. Als Bild lasse ich gern auch mal meine Wahl zum besten Cover da.

Und hier die Votes im Einzelnen:

  • Literatur: Anne Prettin: „Die vier Gezeiten“
  • Unterhaltung: Meike Werkmeister: „Der Wind singt unser Lied“
  • Liebesromane: Ava Reed: „Deeply“
  • Fantasy & Science-Fiction: Bianca Iosivoni/Laura Kneidl: „Midnight Chronicles – Blutmagie“
  • Krimi & Thriller: Anne Freytag: „Reality Show“
  • Historischer Roman: Katherine Webb: „Besuch aus ferner Zeit“
  • Jugendbuch Belletristik: Stefanie Hasse: „Matching Night 1: Küsst du den Feind?“
  • Jugendbuch Fantasy: Valentina Fast: „Secret Academy – Gefährliche Liebe“
  • Kinderbuch: J. K. Rowling/Jim Field: „Jacks wundersame Reise mit dem Weihnachtsschwein“
  • Bilderbuch: Sam McBratney/Anita Jeram: „Weißt du eigentlich, wie wichtig Freunde sind?“
  • Sachbuch & Ratgeber: Hape Kerkeling: „Pfoten vom Tisch“
  • Bestes Hörbuch: Nina MacKay: „Black Forest High 1: Ghostseer“
  • Bester Buchtitel: John Green: „Wie hat Ihnen das Anthropozän bis jetzt gefallen?“
  • Bestes Buchcover: Lily S. Morgan: „City of Burning Wings. Die Aschekriegerin“

Welches Buch hat Euch im letzten Jahr besonders begeistert? Habt Ihr auch bereits abgestimmt?

Phantastik im Doppelpack | Doppelte Buchpost

In der letzten Woche erreichten mich über eine Leserunde und eine Buchverlosung auf Lovelybooks zwei phantastische Bücher – vielen Dank dafür an die Autoren und Verlage. „Chelsea Stern – Lichtmagie“ von Sara Erb, erschienen im Adakia Verlag, ist dabei der Beginn einer Urban Fantasy Trilogie, während es sich bei „Cillarion – Windgeflüster“ von Emilia Cedwig um die Adaption eines anderen Romanes handelt. Da die Fantasy bei mir in den letzten Wochen und Monaten etwas zu kurz kam, freue ich mich schon auf die Ausflüge in die phantastischen Welten – und halte Euch natürlich auch hier über die Bücher auf dem Laufenden =).

Welchen Fantasy-Roman habt Ihr zuletzt gelesen?

[Buchgedanken] John Grisham: „Forderung“

In der letzten Zeit habe ich den Justizthriller „Forderung“ von John Grisham gelesen. Das Buch ist in der mir vorliegenden Taschenbuchausgabe 2019 im Wilhelm Heyne Verlag, Verlagsgruppe Random House GmbH, veröffentlicht worden, die deutschsprachige Erstausgabe erschien 2018, ebenfalls bei Heyne, die Originalausgabe 2017 unter dem Titel „The Rooster Bar“ bei Doubleday, New York. Für die Übersetzung zeigen sich Kristiana Dorn-Ruhl, Bea Reiter und Imke Walsh-Araya verantwortlich.

Sie wollten die Welt verändern, als sie ihr Jurastudium aufnahmen. Doch jetzt stehen Zola, Todd und Mark kurz vor dem Examen und müssen sich eingestehen, dass sie einem Betrug aufgesessen sind. Die private Hochschule, an der sie studieren, bietet eine derart mittelmäßige Ausbildung, dass die drei das Examen nicht schaffen werden. Doch ohne Abschluss wird es schwierig sein, einen gut bezahlten Job zu finden. Und ohne Job werden sie die Schulden, die sich für die Zahlung der horrenden Studiengebühren angehäuft haben, nicht begleichen können. Aber vielleicht gibt es einen Ausweg. Vielleicht gibt es eine Möglichkeit, nicht nur dem Schuldenberg zu entkommen, sondern auch die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Ein geniales Katz- und Mausspiel nimmt seinen Lauf.

„Forderung“ ist mein erstes Grisham-Buch nach einigen Jahren Pause – und trägt die Faszination, die ich schon immer mit dem Autor und seinen Geschichten verbunden habe, nur bedingt, ist fast mehr Thriller als Justizthriller und heroisiert und belohnt – ich glaube, das kann man ohne zu spoilern voraussagen – die falschen. Schließlich gibt es in „Forderung“ niemanden, mit dem man als Leser wirklich sympathisieren kann, außer vielleicht Zola, die mehr in die Kriminalität gedrängt wird, dort nie ihren Platz findet.

Todd und Mark hingegen lassen sich nicht nur von hehren Motiven leiten, verbinden Rache und Eigennutz, verlieren jedweden Halt oder moralischen Kompass, was zwar der Spannung keinen Abbruch tut, gleichsam aber dafür sorgt, dass das Ende nicht überzeugt, fast irrelevant wird, fiebert man doch keinem bestimmten Ausgang entgegen. Abgesehen davon ist John Grishams Schreibstil wie immer hochspannend und lässt sich – trotz der juristischen Sachverhalte – schnell und flüssig lesen.

Dabei überzeugt neben der dramatischen Handlung auch das gelungene Setting, die Verstrickung in einen internationalen Finanzskandal vor dem Hintergrund von Scheinfirmen und Verflechtungen – so gelingt es John Grisham auch, gesellschaftlich relevante Themen geschickt in die Handlung einzuflechten – lediglich die Reaktion der Protagonisten darauf vermag nicht zu überzeugen und sollte nicht als Vorbild dienen.

Die Buchgestaltung ist ebenfalls gelungen, Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover ist auf dem Titel hochwertig geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Auch das Titelbild passt zur Geschichte, farblich abgestimmte Buchrücken und Coverrückseite runden den tollen Gesamteindruck ab, der lediglich durch die kurze Vorstellung jedes! Grisham-Buches nach der Handlung geschmälert wird – länger als das letzte Kapitel…

Mein Fazit? „Forderung“ von John Grisham ist ein hochspannender und gesellschaftlich relevanter (Justiz-)Thriller, der vor allem durch seine abwechslungsreiche Handlung glänzt, aber auch Identifikationsfiguren und ein passendes Ende vermissen lässt. Für Leser des Genres und Fans des Autors bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 16 Jahren.

[FBM2021] Gesammelte Messeausbeute

Bevor ich morgen noch eine Rezension hochlade und die nächste Woche einen kreativen Schreibkurs und die Lit.Love besuche, möchte ich Euch heute noch meine Messeausbeute zeigen. Signierte Bücher, Leseexemplare, Postkarten, Poster und Goodies, Beutel, Presseinformationen, ein T-Shirt und die wundervollen Autogramme der Immenhof-Stars, allen voran Leia Holtwick <3. Einige der Leseproben und Karten werden zusammen mit tollen Goodies – und vielleicht auch dem ein oder anderen Buch – nach der Lit.Love dann auch in einer großen Verlosung landen. Also bleibt wachsam – aber vor allem: bleibt gesund!

[Buchgedanken] Alisha Rai: „Wenn deine Hand mich hält“ (Forbidden Hearts 2)

In der letzten Zeit habe ich „Wenn deine Hand mich hält“ von Alisha Rai gelesen, den zweiten Teil der „Forbidden Hearts“-Reihe. Das Buch ist 2021 bei Lübbe, Bastei Lübbe AG, erschienen, die Originalausgabe wurde 2017 unter dem Titel „Wrong to Need You“ bei Avon Books, einem Imprint von HarperCollins Publishers veröffentlicht. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Vor zehn Jahren wurde Jackson Kane eines Verbrechens bezichtigt, das er nicht begangen hatte. Nun ist er zurück: älter, weiser und reicher. Und er trifft auf die Frau, die er nie aufgehört hat zu lieben, selbst als sie seinen Bruder heiratete. Auch Sadia fühlt sich zu ihm hingezogen. Allerdings wehrt sie sich mit aller Macht gegen die Gefühle, die ihr geheimnisvoller Ex-Schwager in ihr weckt. Eine gemeinsame Zukunft ist eigentlich unmöglich, aber die gegenseitige Anziehung ist übermächtig. Sadia und Jackson müssen entscheiden: Sind sie stark genug, sich der Vergangenheit zu stellen?

Ungeachtet der Reihe kann „Wenn deine Hand mich hält“ als Standalone gelesen werden – auch mir fehlt der erste Teil, was dem Verständnis der Handlung keinen allzugroßen Abbruch tut, da die dort geschilderte Beziehung von Nicholas und Livvy zwar vorkommt, allerdings nur am Rande auftaucht. Jedoch fiel es mir schwer, die komplizierten Familien- und Verwandtschaftsverhältnisse immer präsent zu haben – ich hätte mir hier einen Stammbaum der Familien gewünscht. Sicherlich wäre mir dies bei einer mehrbändigen Beschäftigung mit den Figuren leichter gefallen.

Eine Genrezuordnung habe ich – wie vielleicht dem ein oder anderen aufgefallen ist – oben unterlassen, denn „Wenn deine Hand mich hält“ balanciert auf der Grenze zwischen Liebesroman und Erotik, die Protagonisten sind leicht zu alt für New Adult, die Beziehung trotz erotischer Dominanz nicht dunkel genug für Dark Romance, sodass wohl ein erotischer Liebesroman vorliegt, der im erstern Teil mehr Liebes-, im zweitel Teil mehr Erotikroman ist.

Das Setting brilliert erwartbar auf ganzer Linie. Amerikanisches Kleinstadtflair trifft auf familiäre Intrigen, High Society trifft auf gesellschaftliche Aussteiger, sexuelle Selbstbstimmung auf Panikattacken und Minderwertigkeitskomplexe – Alisha Rai nimmt den Leser auf eine Reise mit, die quer durch die Gesellschaft tief ins Innere der einzelnen Protagonisten führt – hochspannend und hochemotional.

Die Handlung überzeugt im Wesentlichen, ist spannend und abwechslungsreich, teils aber auch vorhersehbar. Die eingebauten erotischen Szenen dominieren zwar im zweiten Teil, unterstützen jedoch die Handlung, sind emotional und gut geschrieben, ohne ins pornografische abzugleiten. Dabei gelingt es Alisha Rai, die Anziehung zwischen den Protagonisten greifbar, das Knistern durch die Buchseiten spürbar zu machen. Meine Lieblingsszene? Die hocherotische Situation vor der Bar auf den Seiten 226-233.

Die einzelnen Charaktere sind vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei überzeugen vor allem die Nebencharaktere wie Jia, John und Kareem, dessen kindliche Freude und Unbedarftheit alle begeistert. Alisha Rais Schreibstil ist dabei leicht und flüssig zu lesen.

Die Buchgestaltung glänzt auf ganzer Linie. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover ist wunderschön gestaltet – ein wahrer Eyecatcher. Eine hochwertige Prägung auf Titel, Buchrücken und der Coverrückseite sowie Klappen und tolle, farbige Coverinnenseiten runden den wunderbaren Gesamteindruck ab.

Mein Fazit? „Wenn deine Hand mich hält“ ist ein erotischer Liebesroman, der durch sein wundervolles Setting und starke Gefühle punkten kann, wenn auch die Handlung teils vorhersehbar ist und die familiären Verwicklungen teils verwirrend sind. Für Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 17 Jahren.

[Buchgedanken] Ralph Knobelsdorf: „Des Kummers Nacht: Von der Heydens erster Fall“ (Heyden 1)

Bevor ich Euch in der nächsten Woche meine Messeausbeute zeige, möchte ich noch einige Rezensionen präsentieren. Den Anfang macht dabei „Des Kummers Nacht: Von der Heydens erster Fall“ von Ralph Knobelsdorf, das ich während der FBM gelesen habe und das 2021 im Lübbe Verlag, Bastei Lübbe AG erschienen ist. Das Buch ist als historischer Kriminalroman einzuordnen – vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Berlin, 1855: Wilhelm von der Heyden steht kurz vor dem Abschluss seines Studiums, als er Zeuge einer Explosion wird. Die Fenster der gegenüberliegenden Wohnung sind zerstört, eine Frau hängt leblos im Zaun. Um ihr zu helfen, eilt er an den Unglücksort – und gerät selbst in Verdacht. Der Wachtmeister hat sein Urteil schon gefällt, der Chef der Kriminalpolizei ist jedoch von Wilhelms Beobachtungsgabe begeistert und stellt ihn ein. Talentierte neue Mitarbeiter werden in der noch jungen preußischen Ermittlungsbehörde dringend benötigt. Doch Fingerspitzengefühl ist gefragt, denn bald schon führen die Ermittlungen Wilhelm und seine Kollegen in die höchsten Kreise …

„Des Kummers Nacht“ ist ein bemerkenswerter Auftakt in eine hoffentlich mehrbändige Reihe um die Berliner Kriminalpolizei Mitte des 19. Jahrhunderts, der gekonnt Fakt und Fiktion vermischt und den Leser auf eine spannende Reise mitnimmt, die dafür sorgt, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen möchte.

Dabei brilliert der Roman zum einen durch sein tolles Setting, das den Leser ins historische Berlin entführt und besonderen Wert auf Authentizität legt, wobei Abweichungen zur Historie im Nachwort des Autors angesprochen und erklärt werden, zum anderen durch eine überwiegend sehr gut Lesbarkeit, die – mit ein, zwei Ausnahmen – auf allzu fachliche und unendliche Ausführungen verzichtet.

Die Handlung ist spannend und abwechslungsreich und wartet immer mal wieder auch mit unerwarteten Wendungen auf. Leider werden nicht alle relevanten Handlungsstränge aufgelöst – und das Ende kommt mir auch etwas plötzlich und unspektakulär daher, hier hätte durchaus der ein oder andere Twist, die ein oder andere Spannungsspitze noch für einen runderen Abschluss sorgen können.

Die einzelnen Charaktere sind im wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei überzeugen neben Wilhelm insbesondere Anna und Vorweg, während Johann etwas blass bleibt. Insgesamt bleibt noch einiges auch hinsichtlich der Charaktere im Dunklen, sodass ich mir Vorgeschichten wünschen würde, gern auch des Opfers.

Die Buchgestaltung übrzeugt im großen und ganzen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben größtenteils sauber gearbeitet, wenn auch kleinere Fehler durchgerutscht sind – und ein größerer, wenn auf den wunderschön-farbigen Coverinnenseiten die Geburtsjahre der Geschwister mit 1835 (Wilhelm), 1833 (Max), 1838 (Anna) und 1812? (Ernst) angegeben werden, was unter Berücksichtigung der Geburt der Mutter 1799 unwahrscheinlich erscheint – oder zumindest weiterer Erklärung bedarf (frühere Frau?). Das Cover ist unscheinbar, aber detailverliebt und hochwrtig geprägt, der Buchschnitt farbig.

Mein Fazit? „Des Kummers Nacht: Von der Heydens erster Fall“ ist ein gutes Debüt für eine hoffentlich fortgesetzte historische Krimireihe, das vor allem mit einem tollen Setting und interessanten Charakteren punktet, aber noch kleinere Schwächen in der Handlung aufweist, die Folgebände aber korrigieren können. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag empfohlenen Lesealter von 16 Jahren, für historisch-interessierte vielleicht auch knapp früher.

[Buchgedanken] Ulrich Maske (Hrsg.) / Franziska Harvey (Ill.): „Es war, als hätt der Himmel die Erde still geküsst“

In der letzten Zeit habe ich die von Ulrich Maske herausgegebene Lyriksammlung „Es war, als hätt der Himmel die Erde still geküsst“ gelesen, die von Franziska Harvey illustriert worden ist. Die Anthologie erschien 2021 im Verlag GOYA, JUMBO Neue Medien & Verlag GmbH. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die vermittelnde Agentur Buchcontact.

Dabei beinhaltet der Gedichtband 113 Gedichte zum Thema „Mond“ aus fünf Jahrhunderten – von bekannten Autoren wie Fontane, Brecht und Goethe oder unbekannteren Verfassern. Das gemeinsame Thema wird hierbei teils stärker, teils weniger stark getroffen, einige, wenige Gedichte drehen sich auch nicht direkt um den Mond, sondern erwähnen ihn nur am Rande – vielleicht hätte man hier die Sammlung etwas verkleinern, etwas stärker konzentrieren können, um die Verbindung noch dichter, noch atmosphärischer zu machen.

Die Illustrationen sind im Wesentlichen hochwertig und abwechslungsreich – und unterstützen die Gedichte in ihrer Aussage, sodass sich in der Regel ein stimmiges Gesamtbild ergibt. Dabei gefallen mir – in Kombination von Gedicht und Bild – die folgenden vier Werke am besten:

  • Theodor Storm: „In Bulemanns Haus“,
  • Joseph von Eichendorff: „Lockung“,
  • Heinrich Heine: „Altes Kaminstück“ und
  • Theodor Fontane: „Herbstmorgen“.

Während die hier erwähnten Gedichte von Storm und Heine von spielerischen, abwechslungsreichen Zeichnungen begleitet werden, bei denen es viel zu entdecken gibt, sind die Werke von Fontane und von von Eichendorff mit dichten, athmosphärisch starken Illustrationen versehen, die die Stimmung des Gedichts gut transportieren.

Die Buchgestaltung ist im Großen und Ganzen gelungen, Satz und Lektorat haben ordentlich gearbeitet, dem Korrektorat sind bei den Autorenvitae einige Fehler durchgerutscht, die sich aber noch im Rahmen halten. Das Titelbild ist hübsch, im Druck aber deutlich blasser als oben ersichtlich, sodass es – auch mit der hellblauen Schrift – etwas eintönig wirkt.

Mein Fazit? „Es war, als hätt der Himmel die Erde still geküsst“ ist Lyriksammlung und Kunstbuch zugleich, das vor allem durch die gute Verbindung zwischen Bild und Text punkten kann, vielleicht aber etwas reduzierter noch besser gewirkt hätte. Für Lyrikliebhaber – und als Geschenk – dennoch bedenkenlos zu empfehlen.

[FBM2021] Tag 5 – Ein entspannter Abschluss

Viel zu schnell endete leider die Frankfurter Buchmesse. Doch auch wenn der gestrige Sonntag relativ entspannt war, streute ich trotzdem einige, letzte Veranstaltungen ein – mit Rebecca Gablé, Volker Klüpfel, Michael Kobr, Stephan Askani und Jeannette Bauroth vom Second Chances Verlag.

Nachdem ich morgens durch die Hallen schlenderte, begann mein Programm am späten Vormittag mit einem Gespräch bei der FAZ unter dem Titel „Neues aus Mittelerde“. Der bei Klett-Cotta im Label „Hobbit Presse“ tätige Lektor Stephan Askani stellte das neueste Werk aus dem Tolkien-Nachlass, „Natur und Wesen von Mittelerde – Späte Schriften zu den Ländern, Völkern und Geschöpfen und zur Metaphysik von Mittelerde“, vor und sprach über Tolkiens Gesamtwerk, deren Zusammenhänge und die Faszination, die es bis heute ausübt.

Im Anschluss besuchte ich eine Lesung des Second Chances Verlags. Die Verlegerin Jeannette Bauroth las aus „Kein Paradies für Connor Major“ von Adam Sass und – eine Premiere – aus „Iskari – Die Himmelsweberin“ von Kristen Ciccarelli, dem dritten Buch der Iskari-Reihe, das leider nicht mehr bei Heyne übersetzt und verlegt wird. Ob sich der dritte Teil nahtlos einfügt, bleibt abzuwarten, da die Übersetzerin leider vom Verlag ausgetauscht worden ist. Da jedoch die Lektorin beibehalten wurde, stehen die Chancen gar nicht schlecht.

Am Nachmittag verschlug es mich, neben gelegentlichen Ausflügen in die Hallen, aufgrund des schönen Wetters in den Innenhof. Dort lauschte ich zwei Gesprächen, die für das Frankfurt Studio Festival aufgezeichnet und auf einer großen Leinwand übertragen wurden. Den Anfang machte Rebecca Gablé, die über die Entstehung der Waringham-Saga und über ihren Roman „Die fremde Königin“ sprach, sowie für 2022 einen neuen Waringham-Roman ankündigte, der wieder im Mittelalter spielt.

Danach stellte das erfolgreiche Autorenduo Volker Klüpfer und Michael Kobr das Weihnachtsspecial zur erfolgreichen Krimiserie um den Kommissar Kluftinger vor. „Morgen, Klufti, wird’s was geben: Eine Weihnachtsgeschichte“ ist ein humoristisches Buch mit 24 ganz persönlichen Weihnachtskatastrophen des Kultkommissars. Dabei war die Vorstellung mindestens genau so launig, wie es das Buch sein wird – die beiden Autoren sind in Kombination halt immer eine Wucht.

Und damit endete mein Programm. Gemütlich schlenderte ich zum Abschluss erneut durch die Hallen, holte mir noch ein Leseexemplar vom Stand von Bastei Lübbe ab und versuchte, noch so viele Eindrücke wie möglich aufzunehmen, damit der Messeblues nicht direkt zuschlägt. Immerhin steht ja in weniger als drei Wochen bereits das Lit.Love-Lesefestival in München an :). Bis dahin folgt in den nächsten Tagen noch der ein oder andere Messebericht mit Highlights, mit meiner Messeausbeute und vielleicht auch mit einer Verlosung (oder sie folgt nach der Lit.Love). Zum Abschluss hier noch liebe Grüße von einem großen Vorbild – Diana Gabaldon! „Slàinte mhath!“ Bleibt gesund!

[FBM2021] Tag 4 – Die Massen sind zurück

Gestern war bereits der vorletzte Tag der Buchmesse, den ich mit Sönke Wortmann, Nina MacKay, Valentina Fast, Christine Brand, Udo Muras und Stephan Klemm verbrachte. Die Erkenntnis des Tages: die Massen sind zurück – aber in Maßen. Obwohl die Messe ausverkauft war, konnte man sich dennoch – bis auf ein, zwei Stände und Signierstunden – gut und frei bewegen.

Mein Tag begann ganz entspannt mit einer Veranstaltung in dem Kulturstadion. Stephan Klemm stellte im Gespräch mit Udo Muras sein Buch „Die Nacht von Sevilla ’82 – Ein deutsch-französisches Fußballdrama“ vor, ein Sachbuch, das sich auf vielen, vielen Seiten einem einzigen Fußballspiel widmet, dem WM-Halbfinale 1982. Dabei sprach Stephan Klemm nicht nur über das Spiel, sondern auch über seine Recherche, seine Gespräche mit den Beteiligten und darüber, wie dieses Spiel noch jahrzehntelang die Menschen und Länder geprägt hat.

Im Anschluss stand die erste von zwei Signierstunden des Tages für mich an – glücklicherweise spielte das Wetter mit, da sie im Innenhof angedacht war. Die Autorin Nina MacKay, die ich am Donnerstag noch verpasst hatte, signierte alles, was ihr unter die Nase gehalten wurde, verteilte fleißig tolle Goodiebags und nahm sich jeweils Zeit für kurze Gespräche und Fotos. Diese Gelegenheit ließ ich mir natürlich nicht entgehen, den finalen Teil der „Black Forest High“-Trilogie noch signieren zu lassen (den ersten Teil habe ich bereits *hier* besprochen). Jetzt kann ich endlich Teil zwei und drei lesen :).

Die Mittagszeit begann mit einer Buchvorstellung des berühmten Regisseurs Sönke Wortmann (u.a. „Das Wunder von Bern“, „Der Vorname“ und „Charité“ (Staffel 1)). Auf der ARD-Bühne präsentierte er seinen Debüt-Roman „Es gilt das gesprochene Wort“ und sprach über die Unterschiede zwischen Autor und Regisseur, über seinen neuen Film „Contra“ und darüber, ob er seinen Roman ebenfalls verfilmen würde (Anwort: Nein.). Immer wieder spannend zu erleben, wie Menschen aus anderen Branchen als Quereinsteiger in die Buchwelt wechseln. Ich gehe davon aus, dass das nicht sein letzter Roman war.

Danach stand auch schon die zweite Signierstunde auf dem Plan. Und auch ich stand. Und stand. Denn es war voll geworden. Etwas unglücklich gelegt von Carlsen signierten nacheinander Julia Dippel ab 13 Uhr, Dana Müller-Braun und Valentina Fast ab 14 Uhr und Lana Rotaru und Lily S. Morgan ab 15 Uhr in der gleichen Signierbox. Dies führte dazu, dass die Schlangen ineinander übergingen, man teilweise nicht mehr wusste, wer für was ansteht. Irgendwann wurden dann Schilder in die Menge gestellt, die die Schlangen voneinander abtrennten. Dummerweise stand ich dann kurz hinter dem Schild, das das Ende der 14 Uhr Schlange anzeigte – aber glücklicherweise klappte es dennoch, da vor mir bereits einige Leute standen, die erst zum 15 Uhr Termin wollten – sodass ich nach mehr als einer Stunde Wartezeit um kurz vor drei doch noch vor Valentina stand und mir „Kronenkampf – Geschmiedetes Schicksal“ und „Royal – Eine Hochzeit aus Samt“ signieren lassen konnte. Dadurch verpasste ich zwar meinen Anschlusstermin – ein Gespräch im Kulturstadion mit dem Schiedsrichter Patrick Ittrich – aber das war es mir wert :).

Dann war es auch schon an der Zeit für die letzte Veranstaltung des Tages. Christine Brand, langjährige Gerichtsreporterin und Krimiautorin stellte auf der ARD Bühne ihr Werk „Wahre Verbrechen: Die dramatischsten Fälle einer Gerichtsreporterin“ vor und erzählte über ihre Erfahrungen in Gerichtssälen und im Umgang mit Opfern und Tätern. Ein sehr interessanter Einblick in ein spannendes Thema.

Damit endete der vorletzte Messetag. Für heute steht auch gar nicht mehr viel auf dem Programm, ich werde es daher eher ruhig angehen lassen =).