[Buchgedanken] Terry Brooks: „Die Erben von Shannara 1 – Heldensuche“ (Die Shannara Chroniken)

Vor einigen Tagen habe ich „Heldensuche“, den ersten Teil der „Erben von Shannara“, beendet – insgesamt mein viertes Buch aus Terry Brooks epischem Shannara-Universum. Die Rezensionen der anderen Werke könnt ihr unter folgenden Links nachlesen: „Das Schwert der Elfen„, „Elfensteine„, „Das Lied der Elfen„). Die mir vorliegende Ausgabe erschien 2017 bei Blanvalet, Verlagsgruppe Random House, die Originalausgabe 1990 unter dem Titel „The Scions of Shannara“ bei Del Rey, New York. Das Copyright der deutschsprachigen Ausgabe stammt aus dem Jahr 1991. Der Roman – und die ganze Reihe – ist dem Genre „High Fantasy“ zuzuordnen, auch wenn gewisse dystopische Elemente und Anklänge an die „Heroic Fantasy“ nicht zu verneinen sind.

512bk8uwzdklHunderte Jahre nach dem Tod Allanons, des letzten Druiden, ist die Magie fast vollständig aus den Vier Landen verschwunden, und jede Nutzung von Magie wird von den Suchern der herrschenden Förderation rigoros geahndet. Da erhält Par Ohmsford von Allanons Schatten den Auftrag, das legendäre Schwert von Shannara zu suchen. Doch auch für Wren Ohmsford und Walker Boh hält der letzte Druide Aufgaben bereit. Denn nur gemeinsam durch die Kraft des Hauses von Shannara kann es gelingen, den Schattenwesen, die die Vier Lande unterwandern, Einhalt zu gebieten.

„Heldensuche“ ist ein gelungener Auftakt in eine neue Trilogie in der Welt von Shannara, auch wenn es sich gelegentlich wie der Mittelteil einer Reihe anfühlt.  Dies liegt allerdings daran, dass, vergleichbar zu „Der Herr der Ringe: Die zwei Türme“, die Handlungsstränge und Quests der einzelnen Auserwählten auseinanderfallen, und die Geschichte dadurch nicht stringent erzählt wird, was einerseits den Lesefluss etwas hemmt und andererseits für wirklich große Cliffhanger sorgt. Schön ist es, dass durch Verweise zu den anderen Büchern, durch Erzählungen, und nicht zuletzt durch die Familienbande zu früheren Protagonisten (z. B. Padishar Weidenkorb und Morgan Leah) die Handlung gut in den Kontext der gesamten Reihe passt, und der Weltenbau und die Entwicklung einheitlich vorangetrieben werden.

Mit dem Roman legt Terry Brooks den Grundstein für weitere Bände, viele Probleme werden nur angerissen, viele Fragen sind noch offen, viele Aufgaben ungelöst. „Heldensuche“ brilliert darin, das epische Finale, den Kampf gegen das Böse vorzubereiten. Dadurch hat es einige Längen, und es fehlt gelegentlich am großen Knall. Dem Autor gelingt es jedoch, alle Protagonisten einzuführen, ihre Besonderheiten und jeweilige Motivation zu erklären, ohne den Leser zu überlasten. Der Roman überzeugt auch dadurch, dass sich die jeweiligen Personen – so unterschiedlich sie auch sein mögen – konsequent weiterentwickeln, Stärken und Schwächen zeigen.

Der Buchsatz ist gelungen, Lektorat und Korrektorat überzeugen ebenfalls. Das Cover besticht durch die hochwertig geprägte Schrift, bietet einen hohen Wiedererkennungswert und fügt sich nahtlos in das Gesamtbild der Reihe ein.

Mein Fazit? „Heldensuche“ ist ein vielversprechender Auftakt in eine neue Trilogie aus Terry Brooks Meisterwerk. Der Roman besticht durch einen tollen Weltenbau und starke Charaktere, lässt aber handlungs- und spannungstechnisch noch Luft nach oben für die Folgebände. Für Liebhaber der High-Fantasy bedenkenlos zu empfehlen.

 

Der stille Ruf des Todes: Buchverlosung bei Lovelybooks

Zum Abend noch ein Hinweis auf eine tolle Buchverlosung. Über Lovelybooks verlost Michaela – ehemalige Lektorin und Verlegerin von mir – einige Exemplare eines ihrer Romane. Wer Bücher, die auch ernste Themen behandeln, liebt – ist bei ihr genau richtig! Teilnehmen! Genaue Informationen gibt es in ihrem Beitrag.

Textflash - Michaela Stadelmanns Autorenseite

Zwischen Körperkult und Todessehnsucht: Zwei Mädchen werden als Höhepunkt der gleichen Fashion Show gebucht, ohne voneinander zu wissen.

Ich habe das Buch geschrieben, weil mir die Erkrankung „Magersucht“ immer wieder in verschiedenen Ausprägungen begegnet, u.a. in der eigenen Familie. Nun verlose ich 5 Print-Exemplare, um einen Einblick in das Leben von Betroffenen und Angehörigen zu ermöglichen. Wer weiß, vielleicht ergibt sich daraus sogar eine Diskussion?

Wie kannst du mitmachen? Diese Verlosung läuft bis zum 19.04.2018 über Lovelybooks:
http://www.lovelybooks.de/autor/Michaela-Stadelmann/Der-stille-Ruf-des-Todes-1504888230-w/buchverlosung/1550312804/
Schreibe dort in die Kommentare, warum du dich für dieses Buch interessierst. Kommentare bei WordPress können leider nicht berücksichtigt werden.
Achtung, dieser Roman hat kein richtiges Happy-End und ist für Leser ab 16 geeignet!

Weitere Infos über den Text findest du unter diesem Link auf meinem Blog:
http://textflash.wordpress.com/category/der-stille-ruf-des-todes/

Und hier der Klappentext, auch einsehbar unter
http://textflash.wordpress.com/der-stille-ruf-des-todes/

Zwei Mädchen werden als Höhepunkt der gleichen Fashion Show gebucht, ohne voneinander zu wissen: Um die…

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Ava Reed in Worms: Ein ganz besonderer Leseabend

Gestern Abend besuchte ich eine Lesung von Ava Reed, die im Wormser Thalia ihr neuestes Jugendbuch „Die Stille meiner Worte“ (Ueberreuter Verlag) präsentierte. Natürlich nutzte ich zusammen mit anderen Bücherverrückten die Gelegenheit, vorher ausgiebig in der Buchhandlung zu stöbern, und viel zu viel zu kaufen (#avaistschuld)! 20180414_195732Nicht nur die drei fehlenden Titel meiner Ava-Reed-Buchsammlung, sondern auch der zweite Teil von Stefanie Hasses Reihe „BookElements“ und „Animant Crumbs Staubchronik“ von Lin Rina hüpften, fast ganz ohne mein Zutun, in die Beutel. Apropos Beutel! Auch davon gingen gleich drei verschiedene mit zu mir, unter anderem der heißbegehrte „Bücher verwandeln Muggel in Zauberer“-Beutel. Zuguterletzt konnte ich natürlich nicht durch den verdammt gut sortierten Thalia gehen, ohne auch noch eine Funko-Pop-Figur von Chewie mit zu mir zu nehmen.

20180414_185643_001Dann ging aber auch bereits schon die Lesung los. Ava startete mit einer munteren Fragerunde zum Thema „Autor werden“, besprach unter anderem die Vorteile der einzelnen Veröffentlichungswege übers Selfpublishing und über Verlage, und redete auch über ihr eigenes Schreiben, ihren Werdegang und ihre Schreibroutinen (Deadlines :D). Besonders an der Lesung war, dass Avas Eltern zum ersten Mal als Gäste an einer ihrer Lesungen teilnahmen. Die Atmosphäre war entspannt, gelassen, fröhlich – einfach besonders und magisch. Ich glaube, ich habe noch nie eine Lesung erlebt, in der im Vorfeld so viel gelacht wurde. Ich durfte Ava ja bereits in Leipzig im Rahmen einer Lesung und Signierstunde kennenlernen. Sie ist genau so, wie man sie sich durch ihre Videos, Blog- und Facebookbeiträge vorstellt. Supersympathisch, locker – und sie nimmt sich viel Zeit für jeden ihrer Leser.

20180414_195453Als Ava begann, aus „Die Stille meiner Worte“ zu lesen, kehrte wahrlich Stille ein. Gefühlvoll, eindringlich las sie verschiedene Passagen aus dem Buch und verschaffte einen Überblick über die Figuren und ihre Motive. Dankenswerterweise las sie auch einige andere Passagen als in Leipzig, sodass es auch für mich neue Facetten zu entdecken gab – und ich lernte endlich Levi kennen, auf den ich mich im Buch besonders freue (dass nun sicherlich nicht mehr lange subbt). Im Anschluss an die Lesung nahm Ava sich viel Zeit um alle mitgebrachten und gekauften Bücher zu signieren, beantwortete geduldig Fragen und schoss mit jedem Erinnerungsfotos. Ein wirklich gelungener Abend – für jeden Beteiligten (und sicherlich auch für Thalia). Sollte unbedingt wiederholt werden!

Die Qual der Wahl: Die richtige Erzählperspektive

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(c) Pexels, kostenlose Fotodatenbank

Aus der Laune des Schicksals heraus – ich weiß auch nicht, wie es mich überkommen hat – habe ich beschlossen, mich mal wieder um eines meiner (Kurz-)Romanprojekte zu kümmern. Und schnell fiel die Wahl auf mein Lieblingsprojekt mit dem Arbeitstitel „Hinter der Maske“, eine realistisch-gehaltene Märchenadaption, die im London der Gegenwart spielt. Ein Plot für den ersten Teil (etwa die ersten 80 Seiten) steht, geschrieben waren auch bereits mal schon über 30. Doch damals bereits – und auch heute – kann ich mich irgendwie nicht zwischen den Erzählperspektiven entscheiden. Hauptfigur – und aufgrund des Märchens ganz zentraler Fixpunkt der Geschichte – ist die 17-jährige Sahar. Da es jedoch ganz vereinzelt Kapitel geben wird, in denen sie nicht vorkommt, stehen die folgenden Möglichkeiten zur Auswahl:

  • Ich-Perspektive von Sahar mit personalen Erzählperspektiven der jeweiligen anderen Charaktere in deren Kapiteln (Vorbild: Diana Gabaldons Highlandsaga)
  • Komplett personale Erzählperspektive des jeweils dominierenden Charakters, also auch in den 90%-Kapiteln, die Sahar betreffen.

Was denkt Ihr? Was lest Ihr gern? Was könnt Ihr in Büchern gar nicht ab? Ich bin auf Eure Meinungen gespannt … und habe bereits jetzt Angst davor, das Projekt irgendwann Testlesern zu geben, die mir sagen, dass ich doch die falsche Perspektive gewählt habe :D.

[Buchgedanken] Mira Valentin: „Der Mitreiser und die Überfliegerin“

In den letzten Tagen habe ich (endlich!) „Der Mitreiser und die Überfliegerin“ von Mira Valentin gelesen. Vielen Dank an dieser Stelle an Amazon und Kindle Direct Publishing für das kostenlose Lese-/Rezensionsexemplar. Der Roman ist 2017 im Selfpublishing erschienen und wurde mit dem prestigeträchtigen Kindle Storyteller Award prämiert. Es fällt mir unglaublich schwer, das Buch in ein Genre zu packen. Es ist gleichzeitig Jugendbuch und Schicksalsroman; ist Fantasy und modernes Märchen zugleich. Vor allem ist es jedoch: magisch.

61fvayoxjcl-_sx319_bo1204203200_Nach dem Tod seiner besten Freundin Jo gerät Milans Welt komplett aus den Fugen, und alle Farbe, alle Freude verschwindet aus seinem Leben. Bis zu dem Tag, als ein weißer Wellensittich ihn zum Zirkus Salto lockt. Dort lernt er die schöne und verrückte Trapezkünstlerin Julie kennen, die ihn überzeugt, mit dem Zirkus zu reisen. In der Welt hinter dem Zaun lernt Milan alles über Seelentiere, Vertreter und magische Menschen. Doch es erfordert Mut, sich den Herausforderungen des Lebens auf ein neues zu stellen. Oder Magie.

„Der Mitreiser und die Überfliegerin“ ist ein zauberhaftes, magisches Buch voller Überraschungen. Es war ganz anders, als ich es erwartet hätte. Die Geschichten von Milan und Jo, von Milan und Julie sind ausdrucksstark und fragil, berühren und begeistern auf eine so intensive Weise, wie es selten geschieht. Die Sprache der Autorin ist kraftvoll und gefühlsstark, und vor allem bildhaft. Durch die Fokussierung auf Milan, mit dem man sich gut identifizieren kann, leidet der Leser immens. Dies führt aber gerade dazu, dass man sich in der Stimmung befindet, sich wegzuträumen. In eine Welt, in der die Magie zum Leben gehört. In eine Welt, die frei, wild und ungezwungen ist. In eine Welt ohne Vertreter, die das letzte bisschen Eigenständigkeit aus einem saugen. In eine Welt, wo man so sein kann, wie man es selbst möchte. Gerade das ist der wichtigste Aspekt – und der größte Erfolg des Romans: Er feiert die Kreativität, die Unangepasstheit, den freien Willen. „Der Mitreiser und die Überfliegerin“ ist ein Plädoyer dafür, seinen Gefühlen und seinem Herzen zu folgen, egal, wohin es einen führt.

Auch wenn handlungstechnisch gar nicht viel passiert, wird doch dauerhaft der Spannungsbogen gehalten, und der Autorin gelingt es, durch die ein oder andere eingebaute unerwartete Wendung oder Spannungsspitze den Leser zu überraschen. Überzeugend ist auch, wie die Autorin nach und nach die Nebenfiguren, ihre Motive und Probleme in die Handlung integriert, ohne dabei den Fokus zu verlieren. Ein kleines Lob an dieser Stelle auch für die Verknüpfungen zu anderen Werken (Tarzan, Spirit) und für das toll beschriebene Setting vom kleinen Dorf bis hin zur Polizeizelle.

„Der Mitreiser und die Überfliegerin“ begeistert – und ist definitiv ein verdienter Gewinner für den Storyteller Award, auch wenn ich andere Shortlist-Teilnehmer in diesem Jahr noch nicht gelesen habe. Im Vergleich zum letztjährigen Sieger „Aschenkindel“ von Halo Summer (eines meiner absoluten Jahreshighlights) fehlt Miras Roman jedoch ein kleines Quäntchen, das ich nicht genau beschreiben kann. Um nicht falsch verstanden zu werden. „Der Mitreiser und die Überfliegerin“ ist rundum gelungen, überzeugend und inspierend zugleich und wird sicher nicht das letzte Buch sein, das ich von der Autorin gelesen habe. Aber im Gesamtbild fehlt mir irgendwie der letzte Funke, der das lodernde Feuer zur Explosion bringt.

Das Cover ist wunderschön und von der talentierten Rica Aitzetmüller entworfen worden, Lektorat, Satz und Korrektorat haben solide gearbeitet.

Mein Fazit? „Der Mitreiser und die Überfliegerin“ ist ein gelungener, inspirierender und verzaubernder Jugendroman, der vor allem durch tolle Charaktere und einen intensiv-gefühlvollen Schreibstil punktet und auch die dunklen Seiten des Lebens nicht ausblendet. Bedenkenlos zu empfehlen.

Ran an den SuB mit Ava 2018 – April

Nachdem ich im März gut aufholen konnte, und fast in Reihe mit dem geplanten SuB-Abbau bin, hat Ava für den April eine relativ schwierige Challenge ausgepackt, die mich im Zweifel wieder ein Stück zurückwirft, da ich viele meiner Bücher, die ich eigentlich auch lesen muss, dort nicht unterbringen konnte.

Thema des Monats war es, aus drei verschiedenen Kategorien jeweils zu wählen, und sich eine Kombination zusammenzustellen.

Meine Wahl fiel dabei auf Taschenbücher im Genre Romance mit weniger als 450 Seiten. In diesem engen Rahmen habe ich mir die folgenden drei SuB-Bücher ausgesucht – und freue mich schon darauf, sie zu lesen.

  1. Emily Bold: „Wenn Liebe Cowboystiefel trägt“
    -> Das Buch subbt schon viel zu lange bei mir vor sich hin. Und da ich von Emilys Büchern grundsätzlich meist begeistert bin, freue ich mich schon darauf. Noch mehr allerdings auf ihre „Silberschwingen“, die ich als Fantasy-Hardcover leider nicht in die Challenge bekommen habe, aber trotzdem bis zur LLC noch lesen möchte.
  2. Johanna Danninger / Greta Milàn: „The Wedding Project“
    -> Hier bin ich insbesondere darauf gespannt, wie gut es den Autorinnen gelungen ist, als Duo zu schreiben. Auch wenn jeder eine Erzählperspektive übernommen hat, ist es mir doch wichtig, keine allzugroßen Stilbrüche zu finden – ich bin gespannt. Von der Story her hat es mir jedenfalls in der Buchpräsentation auf der LBM gut gefallen.
  3. J. Vellguth: „Auf der Suche nach Glück“
    -> Nachdem „Das Päckchen“ eines meiner Jahreshighlights 2017 war, freue ich mich schon lange auf die nächsten Bücher von der Autorin. Neben dem Challengebuch habe ich auch noch eine kurze Märchenadaption der Autorin auf dem SuB, die ich ebenfalls bis Mitte Mai zur LLC noch lesen möchte.

Ich bin gespannt, wie sehr mir der April als Lesemonat hold sein wird – wenn man das Camp berücksichtigt, was auch ansteht. Drückt mir die Daumen!

[Buchgedanken] Trudi Canavan: „Die Novizin (Die Gilde der Schwarzen Magier 2)“

Nachdem ich bereits vor einigen Wochen den ersten Teil der Trilogie (erneut) gelesen habe, war nun endlich Teil 2 an der Reihe. Die Besprechung zum Vorgänger, „Die Rebellin“, kann *hier* abgerufen werden. *Hier* findet ihr zudem die Besprechung zum Prequel-Band „Magie“

~~~ Hinweis: Die folgende Besprechung kann Spoiler zum Vorgängerband beinhalten ~~~

„Die Novizin“ erschien in Deutschland erstmals 2006 bei Blanvalet, im Original wurde der Roman unter dem Titel „The Novice. The Black Magician Trilogy Book Two“ 2002 bei Voyager / Harper Collins Australia veröffentlicht. Das mir vorliegende Taschenbuch entstannt mittlerweile der 20. Auflage, und ist – wenn auch sehr schwer – am ehesten dem Genre High Fantasy zuzuordnen.

41ln9dncn9l-_sx339_bo1204203200_Nachdem Sonea in die Gilde der Magier aufgenommen wurde, beginnt ihre Ausbildung als Novizin. Schnell stellt sich heraus, dass sie weitaus stärker als ihre Mitschüler ist. Dies – und ihre niedere Herkunft – machen sie sofort zum Ziel des Gespötts ihrer Kameraden. Doch ihre eigenen Probleme sind nichts im Vergleich zu dem Geheimnis, das sie, ihr Mentor, und der Administrator der Gilde hüten. Wissen, das so gefährlich ist, dass niemand davon erfahren darf.  Und alles scheint perfekt. Bis zu dem Tag, als der Hohe Lord Akkarin Sonea in seine Obhut nimmt.

„Die Novizin“ schließt direkt an den Vorgänger an und setzt die Handlung nahtlos fort. Man ist sofort mitten im Geschehen und trifft die liebgewonnen Charaktere aus dem ersten Teil wieder. Mir persönlich kommt in „Die Novizin“ Lord Rothen etwas zu kurz, das hat aber mit der Handlung zu tun. Abgesehen davon entwickeln sich die Charaktere konsequent weiter, man erfährt neues über sie und lernt dadurch, die alten Verhaltensweisen aus dem Vorgänger noch besser zu deuten und zu verstehen. Gut gelungen ist auch, dass durch die Reisen des Botschafters Dannyl die einzelnen Völker der magischen Welt stärker vorgestellt werden, was den Weltenbau immens unterstützt und für eine homogene Darstellung der verschiedenen Gesellschaftssysteme sorgt. Gleiches gilt für das immer besser und detaillierter ausgearbeitete Magiesystem.

Der Autorin gelingt es, durch einen flüssigen und leicht lesbaren Schreibstil und durch den nahezu konsequent gehaltenen Spannungsbogen, den Leser stark am Text zu halten. Durch das Auseinanderfallen der verschiedenen Handlungsstränge und -Orte ist verständlich, dass von einer Ich-Perspektive abgesehen wurde. Hätte man das Buch aber aus der Sicht von Sonea erzählt und mit mehreren personalen Erzählperspektiven verknüpft, hätte der Leser eine noch stärkere Bindung zur Protagonistin haben können.

Im Vergleich zum ersten Teil fällt das Buch aus meiner Sicht marginal ab. Durch die vielen Wechsel der Handlungsorte und -Stränge, durch die dadurch entstehenden Cliffhanger, fehlt mir etwas der innere rote Faden und das Buch hat einige Längen. Nichtsdestotrotz ist es trotzdem ein insgesamt gelungener Mittelteil der Trilogie, der das hoffentlich gigantische Finale einläutet.

Die Buchgestaltung ist gelungen, insbesondere haben Lektorat, Korrektorat und Buchsatz ordentlich gearbeitet. Das Cover ist ebenfalls gut, hochwertig geprägt, fügt sich in die Reihe ein und schafft einen hohen Wiedererkennungswert. Nur inhaltlich verstehe ich es nicht ganz. Der eindeutig kriegerische Eindruck der Magierin steht im Widerspruch zu dem Grün der Robe, die den Heilern vorenthalten ist. Daher kann es sich auch nicht um Sonea handeln, deren Robe zudem mit Incals verziert ist.

Mein Fazit: „Die Novizin“ ist ein insgesamt gelungener Mittelteil der Trilogie „Die Gilde der Schwarzen Magier“. Das Buch kann vor allem mit einem gelungenen Weltenbau und tollen Charakteren punkten, die über leichte Längen bei der Handlung hinwegsehen lassen. Für Fantasy-Liebhaber bedenkenlos zu empfehlen.