Bevor ich mit meinen Berichten aus Leipzig weitermache, möchte ich Euch heute erst einmal „Geschichte einer großen Liebe“ von Susanna Tamaro vorstellen, das ich als Rezensionsexemplar im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks gelesen habe – vielen Dank dafür an HarperCollins, Verlagsgruppe HarperCollins Deutschland GmbH, wo das Buch 2022 erschienen ist. Die Originalausgabe wurde 2020 unter dem Titel „Una grande storia d’amore“ bei Solferino veröffentlicht, für die Übersetzung zeichnet Barbara Kleiner verantwortlich. Das Buch ist der Gegenwartsliteratur zuzuordnen.

1978: Auf einer Überfahrt von Venedig nach Piräus begegnen sich Edith und Andrea; sie, die gerade Abitur gemacht hat, er, Kapitän des Schiffes. Andrea ist von Ediths rebellischer Art fasziniert. Er löst seine Verlobung. Doch Edith gibt ihm keinerlei Sicherheit, und als Andrea ihr einen Heiratsantrag macht, weist sie ihn schroff zurück. Ihre Wege trennen sich. Doch das unsichtbare Band des Lebens führt sie wieder zusammen. Jahre später begegnen sie sich erneut, zunächst verbunden durch eine innige Freundschaft, die bald in eine tiefe Liebe mündet. Eine Liebe, die unerwartetes Glück schenkt und ebenso einen traumatischen Schicksalsschlag verkraften muss.
„Geschichte einer großen Liebe“ ist mein erstes Buch von Susanna Tamaro. Es ist ein Roman, der zwischen Liebes- und Schicksalsroman pendelt, aufgrund des literarischen Anspruchs aber durchaus der Gegenwartsliteratur zugerechnet werden kann. Dabei besticht der Roman vor allem durch seine poetische Sprache.
Die Handlung ist sehr gefühlvoll und emotional, durch die Vorwegnahme des Endes jedoch auch sehr antiklimaktisch und vorhersehbar, kommt ohne größere Überraschungen aus. Zudem fällt auch der Einstieg in die Handlung schwer, ist am Anfang doch für einige Seiten unklar, wer die Geschichte erzählt.
Das Setting vermag hingegen auf ganzer Linie zu überzeugen. So entführt Susanna Tamaro den Leser in ein Italien zwischen 1950 und der Moderne, in ein Land zwischen Konservatismus und Hippie-Bewegung – und auf die hohe See zwischen Fährhäfen und Kreuzfahrten nach Bali.
Da die Geschichte ja aus Andreas Sicht in Rückblenden erzählt wird, ist es schwer, die Charaktere zu beurteilen, sind die Erinnerungen an diese doch durch die Sicht von Andrea verfälscht. Er hingegen ist emotional, handelt aber nicht immer nachvollziehbar – und ist daher perfekt in seiner Fehlerhaftigkeit. Susanna Tamaros Schreibstil lässt sich darüber hinaus einfach und flüssig lesen, lediglich die vielen Zeitsprünge sorgen gelegentlich für Verwirrung.
Die Buchgestaltung ist solide, Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet. Das Cover ist schön, aber eher belanglos und austauschbar, der Buchumschlag insgesamt eher schlicht, genau wie das Buch unter dem Umschlag.
Mein Fazit? „Geschichte einer großen Liebe“ ist ein unglaublich poetischer und gefühlvoller aber auch antiklimaktischer Roman der Gegenwartsliteratur, der den Leser in das Italien der Moderne entführt. Für Liebhaber der Gegenwartsliteratur bedenkenlos zu empfehlen.







Timo Seidel ist 28 Jahre alt und führt ein Leben ohne jegliche Ambitionen. Anstatt wie seine Freunde Karriere zu machen, ist er in seinem Studentenjob hängengeblieben. Dementsprechend uninspiriert führt er seine Arbeit aus, so dass er fristlos entlassen wird. Zu allem Überfluss hat seine Freundin Cleo beschlossen, sich von ihm zu trennen. Nun steht er also da: Ohne Freundin, ohne Job, ohne Geld und ohne Perspektive. Aus heiterem Himmel bietet sich ihm jedoch eine außergewöhnliche Offerte: Er bekommt einen befristeten Arbeitsvertrag als Lehrer. Nun ist es also offiziell: Für die kommenden sechs Monate darf Timo staatlich beauftragter Klugscheißer sein. Im öffentlichen Dienst! Vom Staat angeheuert wie James Bond! Quasi 007 Klugscheißer Royale! Schnell muss er allerdings feststellen, dass der Lehrerberuf doch ein wenig schwieriger ist als ursprünglich gedacht…
Für sein Umfeld war Otto, der pensionierte Ingenieur, schon immer eine Heimsuchung. Aber als er aus dem Krankenhaus zurückkehrt, ist alles noch viel schlimmer. Nach wie vor ist er aufbrausend, manipulativ, distanzlos und von wahnwitzigen Einfällen beseelt – aber jetzt ist er auch noch pflegebedürftig. Seinen erwachsenen Töchtern macht er unmissverständlich klar: Ich verlange, dass ihr für mich da seid. Und zwar immer! Für Timna und Babi beginnt ein Jahr voller unerwarteter Herausforderungen, aber auch der Begegnung mit der eigenen Vergangenheit und Familiengeschichte.