[Buchgedanken] Hannah Conrad: „Ein Graf auf Abwegen“ (Das Lilienpalais 2)

Vor kurzem habe ich auch „Ein Graf auf Abwegen“, den zweiten Band der Reihe „Das Lilienpalais“ von Hannah Conrad gelesen – einem Pseudonym, hinter der sich das Autorinnenquartett Frieda Bergmann, Persephone Haasis, Monika Pfundmeier und Laila El Omari verbirgt. Das Buch ist 2023 im Wilhelm Heyne Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als historische Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Maximilian von Seybach ist Arzt aus Leidenschaft. Sein größter Wunsch ist es, besonders den Ärmsten der Gesellschaft zu helfen. Das passt ganz und gar nicht zu den ehrgeizigen Plänen seiner Familie. Als er erfährt, dass seine Großmutter bereits eine Ehe mit der wohlhabenden Sophie de Neuville arrangiert hat, ist er außer sich vor Wut. Heimlich hat Maximilian schon lange ein Auge auf die schöne und kluge Louisa geworfen. Das Problem: Louisa ist Dienstmädchen im Hause von Seybach. Er will nicht riskieren, dass sie ihre Stellung verliert, aber gegen seine Gefühle ist er machtlos. Unaufhaltsam kommen sie sich immer näher. Doch für ihre Liebe gibt es keinen Platz in der Gesellschaft. Und Maximilians Heirat mit Sophie steht kurz bevor …

„Ein Graf auf Abwegen“ ist der zweite Band der historischen Familiensaga um die Familie von Seybach. Da sich jeder Band um ein anderes Paar dreht, ist der Band als Standalone lesbar, ich würde es aber nicht empfehlen. So fehlten mir als Einsteiger mit Band 2 doch etwas die Vorgeschichte und die Erlebnisse aus Band 1, die einige der Personen in diesem Buch ja nachhaltig geprägt haben. Apropos andere Pärchen: Da sich jedes Buch um ein anderes Liebespaar dreht, hätte man hier auch das Genre Historical Romance oder historischer Liebesroman annehmen können – aufgrund der familiären Bande untereinander habe ich es aber bei einer Familiensaga belassen, auch wenn diese sich üblicherweise über mehrere Generationen erstreckt und nicht wie hier – zumindest in den ersten drei Bänden – lediglich eine Generation abdeckt.

Die Handlung ist abwechslungsreich, kurzweilig und stellt sich mit dem Wechsel zwischen „Oben“ und „Unten“ als Mischung aus Downton Abbey und Aschenputtel dar. Dabei gelingt es der Autorin (oder müsste ich „den Autorinnen“) sagen, die Probleme und Geschichten gut miteinander zu verflechten, die Handlungsstränge gut zusammenzuführen – lediglich der Plot-Twist am Ende mutet hier dann doch etwas konstruiert und unglaubhaft an – ein nur minimaler Wermutstropfen in dem sonst absoluten Pageturner.

Das Setting ist – wie sollte es anders sein – brillant. München um 1830, eine Geschichte zwischen Prachtvillen, dem Königshof und den Armenvierteln. Hannah Conrad entführt den Leser in eine Zeit des Umbruchs, die trotzdem an alten gesellschaftlichen Konventionen, die wir alle so lieben, festhält. Hierbei werden die krassen Unterschiede zwischen den Ständen unter einem Dach deutlich – und die nicht sehr gleichberechtigte Gesetzeslage, wenn man nur mal an Annas Lage denkt.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei brilliert Sophie als absoluter Megastar des Buches, während mich auch Isabella, Johanna (deren Geschichte aus Band 1 mir leider fehlt), Leopold und Alexander überzeugten. Max hingegen bleibt etwas blass – hier hätte noch mehr kommen können – und Nanette schlichtweg nicht einschätzbar, ihre Geheimnisse möchte ich unbedingt aufgedeckt wissen. Der Schreibstil, in dem das Buch verfasst wurde, ist darüber hinaus leicht und flüssig lesbar und lässt das Kopfkino sofort anspringen.

Die Buchgestaltung ist ebenfalls größtenteils gelungen. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz überzeugt und wartet mit kleinen Verzierungen zu Kapitelbeginn auf. Der Buchdeckel ist auf dem Cover hochwertig geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Lediglich das Titelbild und die harten Brüche zwischen Cover, Buchrücken und Coverrückseite (die allerdings toll gestaltet ist), vermögen hier nicht zu überzeugen. So hätte ich mir beim Cover etwas mehr Liebe zum Detail gewünscht – wenn schon die Kleidung (durchaus gut) dem Ball der guten Seelen nachempfunden worden ist, hätte hier etwas mehr Sorgfalt in das Kleid gelegt werden können, das zwar farblich passt, aber dann doch leicht anders beschrieben wird. Abgesehen davon wird die Geschichte von einer Dramatis Personae und einem historischen Abriss umrahmt und abgerundet.

Mein Fazit? „Ein Graf auf Abwegen“ ist ein toller Roman aus der Reihe „Das Lilienpalais“, der vor allem mit seinem Setting und einer wundervollen Handlung punkten kann. Für Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 16 Jahren.

[LBM2023] Messeneuzugänge Teil 1

Heute möchte ich die Gelegenheit nutzen, Euch die ersten beiden Bücher, die im Rahmen der diesjährigen Leipziger Buchmesse bei mir eingezogen sind, etwas genauer vorzustellen. Dabei handelt es sich um „Die sechs Kraniche“ von Elizabeth Lim (Carlsen Verlag) und „Pufpaff mit drei F“ von Sebastian Pufpaff (Banijay Books). Okay, letzteres ist so zwar dem Buchumschlag zu entnehmen, aber entspricht nicht der Wahrheit, denn auf der Messe verkündete der Kabarettist und TV-Total-Moderator, dass das Buch weder von ihm verfasst noch über einen Verlag veröffentlicht worden ist. Vielmehr ist das Buch von ChatGPT geschrieben worden – ein interessanter Feldversuch, auf dessen Ergebnis ich schon sehr gespannt bin. „Die sechs Kraniche“ hingegen ist ein klassischer Roman, der in der letzten Zeit aber nicht minder für Aufsehen gesorgt hat, handelt es sich doch um den ersten Teil der fantastischen Dilogie um Prinzessin Shiori der NYT- und Spiegelbestsellerautorin Elizabeth Lim. Vielen Dank an dieser Stelle an Carlsen für die Bereitstellung eines Leseexemplars – und an Sebastian Pufpaff und sein Team für ein signiertes Exemplar des nicht im Handel befindlichen Buches – ein absolutes Highlight in meinem Bücherregal.

Die anderen beiden Neuzugänge der LBM2023 habe ich – im Gegensatz zu diesen beiden Werken – auf der Messe selbst gekauft. Welche das sind, lässt sich in meinen Messeposts natürlich schon finden. Für alle, die es überlesen haben, folgt allerdings in naher Zukunft auch die Auflösung :).

[Buchgedanken] Gabriel Herlich: „Freischwimmer“

Und auch dieses Buch habe ich vor kurzem gelesen, nachdem ich den Autor auch auf der Leipziger Buchmesse getroffen habe. „Freischwimmer“ von Gabriel Herlich ist 2023 im Pendragon Verlag erschienen und als Gegenwartsliteratur einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Es gibt Zeiten im Leben, auf die man zurückblickt und begreift, dass sie alles verändert haben – für Donnie Frey ist diese Zeit sein 21. Sommer. Eine einzige schicksalhafte Begegnung reicht aus, um Donnie völlig aus der Bahn zu werfen. Plötzlich sieht er sich mit Fragen konfrontiert, denen er bislang erfolgreich ausgewichen ist. Was bedeutet es, eigene Entscheidungen zu treffen und mit den Konsequenzen zu leben? Wie weit würde er gehen, um für seine Überzeugungen einzustehen? Antworten auf diese Fragen findet er dort, wo er sie am wenigsten erwartet hätte: in Zimmer 311 eines Altenheimes, auf dem Fahrersitz eines Buchanka und in einem malerischen Hotel in Südfrankreich.

„Freischwimmer“ wird im Blurb von Takis Würger als Roadmovie, als Liebesgeschichte und Entwicklungsroman beschrieben – und ist unzweifelhaft auch all das. Gleichsam ist es auch ein Coming-of-Age Roman, fast eine Familiensaga, aber vor allem auch ein Roman der Gegenwartsliteratur. Letzteres habe ich auch als Einordnung, als Symbolbild für die Gesamtheit, die Komplexität übernommen – eine Kategorisierung, die durchaus auch auf wichtigen Verkaufsportalen zu finden ist.

Die Handlung ist abwechslungsreich und kurzweilig – auch wenn die einzelnen Zufälle, die die Handlung vorantreiben, in der Gesamtheit doch etwas konstruiert erscheinen. Das Ende hingegen verdient sein Lob dafür, nicht klischeehaft ein Happy-End zu installieren, sondern eine Auflösung, die zur Story passt und sich echt und organisch anfühlt. Dabei mischt Gabriel Herlich schwere Themen wie Rassismus, Antisemitismus, Beutekunst und physische und sexuelle Gewalt mit der zarten Liebesgeschichte – und einer Mission der Wiedergutmachung.

Das Setting ist gelungen. So entführt der Autor den Leser nach Hamburg, in eine Welt voller Gegensätze zwischen High-Society Villa und schäbiger Gartenlaube, die in der Figur von Donatus kumulieren, der zu Beginn des Buches in beiden Welten – und doch irgendwie in keiner – so richtig zuhause ist. Zudem nimmt Gabriel Herlich den Leser auch mit auf eine Reise, nicht nur nach Frankreich sondern auch in die Vergangenheit zweier Familien voller Geheimnisse und Erinnerungen.

Die einzelnen Figuren sind vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei brilliert vor allem Meggie, und auch Laura und Vincent können als wichtige Nebencharaktere überzeugen. Donatus hingegen bleibt etwas blass, handelt nicht immer nachvollziehbar und lässt teils eine Lernkurve vermissen. Gabriel Herlichs Schreibstil ist hingegen leicht und flüssig lesbar und lässt das Kopfkino sofort anspringen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, wobei letzterer sich ein Zusatzlob dafür verdient, jedes Kapitel auf einer ungeraden Seite zu starten. Der Buchumschlag ist relativ simpel und eintönig, das Covermotiv, das ebenfalls nicht in Gänze überzeugt, abrupt zum Buchrücken unterbrochen. Auch das unter dem Umschlag befindliche Buch ist sehr einfach gestaltet – lediglich die Haptik vermag hier wirklich zu überzeugen.

Mein Fazit? „Freischwimmer“ ist ein Roman der Gegenwartsliteratur, der mit einer abwechslungsreichen und gut ausbalancierten Handlung punktet, die allerdings in Teilen auch etwas konstruiert erscheint. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 14 oder 15 Jahren.

[Buchgedanken] Hannah Lechner: „Sehnsucht am Tegernsee“

Vor kurzem habe ich „Sehnsucht am Tegernsee“ von Hannah Lechner gelesen. Das Buch ist 2023 in der Emons Verlag GmbH erschienen und als Liebesroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Eine junge Frau zwischen Liebe und Loyalität. Eine berührende Liebesgeschichte aus dem Herzen Bayerns. Nach einer gescheiterten Beziehung verliebt sich Kira Wagner in Felix, der seit einem Unfall im Rollstuhl sitzt, und ihr Leben gerät in Turbulenzen. Zur selben Zeit erbt sie von ihrem Onkel ein Hotel am Tegernsee. Der sympathische Noah bietet ihr viel Geld für das Anwesen – Geld, mit dem Kira Felix eine wichtige Operation ermöglichen könnte. Doch ihr Onkel hat ihr zu Lebzeiten das Versprechen abgenommen, das Hotel niemals zu verkaufen. Kira muss eine folgenschwere Entscheidung treffen.

„Sehnsucht am Tegernsee“ lässt sich bereits nicht so ganz einfach einem Genre zuordnen. So ist das Buch durchaus ein Liebesroman – auch wenn das Ende dafür eher unüblich ist und die Love Interests nicht ganz klar sind. Darüber hinaus ist das Buch aber auch Familiensaga, wird doch die Geschichte der Familie Wagner/Sollinger über mehrere Generationen hinweg beleuchtet. Und nicht zuletzt ist das Buch auch Entwicklungsroman, sowohl hinsichtlich Kira als auch bezüglich Felix und – teils – sogar Schicksalsroman.

Die Handlung ist abwechslungsreich, kurzweilig und mit unerwarteten Wendungen versehen. Dabei mischt Hannah Lechner die romantischen Storylines gut mit den schweren Themen, die den Roman durchziehen und durchaus Schwerpunkte setzen, aber nie die schönen Szenen gänzlich überlagern. Allerdings ist das Finale dann doch sehr unbefriedigend, werden doch viele zentrale Fragen nicht beantwortet – und viele Handlungsstränge schlichtweg offen gelassen und nicht aufgelöst.

Das Setting ist wunderschön. So entführt die Autorin den Leser nach Bayern, in die Vielfalt des Landes zwischen Stadtleben (Bayreuth) und bezaubernder ländlicher Idylle (Rottach-Egern am Tegernsee). Dabei sind es vor allem die Szenen in den Bergen, die Wanderungen zu Wallfahrtskapellen und Hütten, die den Leser hier zum Träumen bringen, die für wunderschöne Bilder vor dem inneren Auge sorgen.

Die einzelnen Charaktere sind, zumindest größtenteils, vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen vor allem Noah, Rudi (:D) und Georg, während Leonie etwas eindimensional verbleibt. Kira und Felix sind zusammen wirklich toll, haben aber auch unverständliche, nicht nachvollziehbare Momente, die etwas irritieren. Hannah Lechners Schreibstil ist im Übrigen leicht und flüssig lesbar, und lässt das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, der Buchdeckel ist auf dem Cover, der Coverrückseite und dem Buchrücken hochwertig geprägt. Das Covermotiv ist wunderschön, wird leider aber zum Buchrücken hin unterbrochen. Insgesamt macht das Buch einen wertigen Eindruck, Klappen und/oder farbige Coverinnenseiten hätten hier die Gestaltung jedoch noch abrunden können.

Mein Fazit? „Sehnsucht am Tegernsee“ ist ein in vielen Punkten überzeugender Roman, der vor allem durch sein Setting und die abwechslungsreiche und ausbalancierte Handlung brilliert, leider jedoch ein zu offenes Ende hat. Dennoch bedenkenlos zu empfehlen.

[LBM2023] Messeausbeute

Bevor es in den nächsten Tagen mit Buchvorstellungen und Rezensionen weitergeht, möchte ich Euch heute noch gesammelt meine Messeausbeute der diesjährigen Leipziger Buchmesse zeigen – die einzelnen Neuzugänge werde ich Euch natürlich ebenfalls in den nächsten Tagen noch präsentieren. Doch jetzt erstmal zu den Fotos im Einzelnen. Rechts seht ihr die gesammelten Bücher der Messe, die bis auf „Die sechs Kraniche“ – ein vom Carlsen Verlag bereit gestelltes Leseexemplar alle signiert sind.

In der weiteren Galerie findet ihr die Sammlung an Postkarten, Leseproben und Lesezeichen (Bild 1), weitere Goodies (Bild 2), signierte Postkarten (Bild 3) und eine Auswahl an bei Künstlern der MCC gekauften Artworks (Bild 4). Auf Bild 5 befinden sich die Messeneuzugänge, auf Bild 6-9 die jeweils am Donnerstag, Freitag, Samstag und Sonntag signierten Bücher.

Mittlerweile sind es nur noch etwa fünf Monate bis zur Frankfurter Buchmesse. Habt Ihr Euren Messebesuch schon geplant?

Neuzugänge aus der Bloggerjury | Doppelte Buchpost

Vor kurzem erreichten mich diese beiden Bücher als Rezensionsexemplare über die Bloggerjury von Bastei Lübbe – vielen Dank dafür! „Spuren einer fernen Zeit – Die Senckenberg-Saga“ von Birgit Borchert (Lübbe) ist dabei eine historische Familiensaga, die sich um die Paläontologie und die Schwierigkeiten der Frauen in der Wissenschaft dreht, während „Mit zitternden Händen“ von Malin Persson Giolito (ebenfalls Lübbe), der Autorin der Buchvorlage für „Quicksand“, atemlose Spannung verspricht. Das scheinen unglaublich unterhaltsame Lesestunden zu werden!

Wann seid Ihr zuletzt in einem naturhistorischen Museum gewesen?

Andreas Eschbach in Mannheim | Lesung

Nachdem ich am Dienstag ja bereits bei Bianca Iosivoni war, stand relativ spontan am Donnerstag eine weitere Lesung für mich an. Im Thalia Mannheim am Paradeplatz las Andreas Eschbach – exklusiv und als Premiere – aus seinem neuesten Werk „Der schlauste Mann der Welt“ – unglaublich humorvoll und überraschend. Vielen Dank an dieser Stelle auch an Bastei Lübbe für die Gästelistenplätze als Gewinn aus einer Verlosung.

Im Anschluss beantwortete Andreas Eschbach noch unzählige Fragen zu seinen Büchern, Verfilmungen und Schreibroutinen, und signierte seine Werke. Nachdem ich mir 2014 bereits „Der Jesus-Deal“ signieren lassen habe, stand Vorgestern noch „Freiheitsgeld“ aus, das mich im letzten Jahr so überzeugt hat. Insgesamt also ein wirklich gelungener Abend.

Welche Lesung habt Ihr zuletzt besucht?

[Buchgedanken] Florian Gräfe: „Glorious Heritage – Das Vermächtnis der Erde“ (Glorious Heritage 1)

Vor kurzem habe ich „Glorious Heritage – Das Vermächtnis der Erde“ von Florian Gräfe gelesen. Das Buch ist 2017 im Knaur Verlag, einem Imprint der Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG erschienen, die Erstveröffentlichung erfolgte 2014 als Knaur eBook. Das Buch ist dem Genre Science-Fiction zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Nachdem die Menschheit den Weg zurück zur Erde verloren hatte, brachte das Denebianische Reich Ordnung ins Chaos der Kolonien und vereinte sie. Aber nach fast einem Jahrhundert friedlichen Zusammenlebens sieht sich Kanzler Henri Rousseau nun mit einem Putsch konfrontiert. Er schickt Captain Logan Masters auf eine Mission tief ins All, um jenes außerirdische Artefakt zu bergen, dessen unermessliche Energie die einzige Hoffnung des Reichs darstellt. Aber die Flotte der Putschisten ist bereits im Anflug, und die Zeit drängt. Unterdessen geraten Frachterpilotin Lexa Monroe und ihr Partner Said Aziz an eine Geheimorganisation, die uralte außerirdische Technologien beschützen will. Und auch ihr Weg führt geradewegs zum geheimnisvollen Artefakt, um das ein mörderischer Kampf entbrennt.

„Glorious Heritage – Das Vermächtnis der Erde“ ist der Beginn einer Buchreihe – und kann nur bedingt als Standalone gelesen werden, werden doch sehr zentrale Handlungsstränge nicht aufgelöst. Dabei wird das Buch als Space Opera beworben, ist aus meiner Sicht aber eher klassische Science-Fiction aufgrund der starken Bezüge zur Technik und des Weltenbaus, der sich als Fortsetzung der Erdgeschichte darstellt. Darüber hinaus sind auch – etwas irritierend – Elemente vorhanden, die in einigen Szenen an Steampunk erinnern.

Die Handlung ist durchaus spannend und abwechslungsreich, durch die vielen Erzählstränge aber auch etwas fragmentarisch. Dabei mischt der Autor klassische Motive wie ein autoritäres Regime, eine freiheitliche Rebellion, außerirdische Artefakte (der Begriff Tesserakt ist sicherlich jedem Marvel-Fan ein Begriff) oder das Spannungsfeld zwischen KI und Menschen zu einer Mischung aus Kriegsroman und Schatzjagd. Hierbei ist sich der Autor auch nicht zu schade, die Präastronautik eines Erich von Däniken als Romanelement wieder aufzuwärmen.

Das Setting ist gelungen, aber gerade im Hinblick auf den Weltenbau noch ausbaufähig – das Buch ist für das Genre ja auch untypisch kurz. So kommt gerade die Entwicklung von der Erde hin zum Denebianischen Reich viel zu kurz – und auch die aktuelle Situation wird nur kurz angerissen. Dennoch schafft es der Auto, den Leser in ein faszinierendes Geflecht an Galaxien zu werfen, und zumindest einige technische Gegebenheiten und Phänomene wie den Hyperraum gut und greifbar darzustellen.

Die einzelnen Charaktere sind – aufgrund des Missverhältnisses zwischen der Anzahl der Figuren und der Buchlänge – meist noch sehr schematisch dargestellt, können aber genau wie der Weltenbau im Folgeband noch weiterentwickelt werden. Naru und Quentin überzeugen hier noch am Meisten, während unter anderem Irina Wolkow blass verbleibt. Florian Gräfes Schreibstil ist hingegen gut und flüssig lesbar und lässt das Kopfkino sofort anspringen.

Die Buchgestaltung ist durchwachsen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz sind einige Dinge durchgerutscht, insbesondere ist die Silbentrennung am Zeilenende mehrfach fehlerhaft. Buchrücken und Coverrückseite sind sehr schlicht und monoton, das Covermotiv hingegen ist schön anzusehen, auch wenn mir etwas die Verbindung zur Handlung fehlt. Gegebenenfalls hätte man hier auch noch mit einem Glossar für mehr Verständnis sorgen und die Geschichte insgesamt abrunden können.

Mein Fazit? „Glorious Heritage – Das Vermächtnis der Erde“ ist ein solider Auftaktband in eine Science-Fiction-Reihe, der vor allem mit einer spannenden Handlung und interessanten Ansätzen glänzen kann, aber auch noch einige Schwächen besitzt, die hoffentlich in den Folgebänden ausgeglichen werden können. Für Leser des Genres durchaus zu empfehlen – allerdings eher nicht als Standalone.

Ein magischer Abend in Speyer

Gestern konnte ich den Messeblues etwas hinter mir lassen, denn es verschlug mich am Abend nach Speyer in die Osiander Buchhandlung. Dort stellte Bianca Iosivoni ihren neuesten Roman „Twisted Fate – Wenn Magie erwacht“ (Ravensburger Buchverlag) vor und las einige Szenen aus dem Auftaktband der in Schottland spielenden Dilogie. Danach und dazwischen beantwortete sie noch viele Fragen – und stand im Anschluss geduldig für Fotos und Signaturen zur Verfügung – ein rundum gelungener Abend voller Spannung, Humor und mit einer unglaublich sympathischen Autorin. Nicht, dass es noch eine Bekräftigung gebraucht hätte, da Bianca ohnehin eine meiner Lieblingsautorinnen ist – schließlich besitze ich eine zweistellige Anzahl an signierten Büchern von ihr ;). Hier noch einige Fotos des tollen Events, bei dem auch die Leser Biancas Buch signieren durften :).

Morgen geht es für mich übrigens direkt zur nächsten Lesung. Dieses Mal liest Andreas Eschbach in Mannheim. Ich freue mich schon!

[Buchgedanken] Berni Mayer: „Das vorläufige Ende der Zeit“

Vor kurzem habe ich „Das vorläufige Ende der Zeit“ von Berni Mayer gelesen. Das Buch ist 2023 im DuMont Buchverlag erschienen und als Gegenwartsliteratur einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Buchverlosung auf Lovelybooks.de.

Der verlassene jüdische Friedhof Słubice gehört zu Frankfurt an der Oder, liegt aber auf polnischem Staatsgebiet. An diesem besonderen Ort begegnet die Archäologin Mi-Ra zum einen dem Friedhofswärter Artur, zum anderen Horatio Beeltz, einem seltsamen, aus der Zeit gefallenen Verleger, der nicht nur alles über den Friedhof weiß – sondern sich auch sehr für Mi-Ra und Artur und ihre Geschichte interessiert. Mi-Ra hat ihre traumatische Kindheit und eine brutale Beziehung bloß halb überwunden; Artur lebt nach dem Tod seiner kleinen Tochter wie betäubt in einer nahezu wortlosen Ehe. Dann eröffnet ihnen Horatio Beeltz Ungeheuerliches: Er habe auf dem Friedhof in Słubice einen Zeitriss entdeckt, über den es möglich sei, in die eigene Vergangenheit zu reisen. Falls sich Mi-Ra und Artur dazu entschlössen, könnten sie an bestimmten Stellen in ihrem früheren Leben eine andere, vielleicht bessere Entscheidung treffen und den Dingen eine neue Wendung geben.

„Das vorläufige Ende der Zeit“ lässt mich auch etwas nach Beenden der Lektüre weiterhin ratlos zurück. Und das beginnt bereits beim Genre. Ist das Buch ein Roman der Gegenwartsliteratur? Wohl schon. Aber geht es nicht auch um Zeitreisen? Ja, sodass man wohl auch zu Science-Fiction tendieren könne, wenn auch das Konzept der Zeitreisen im Buch hier eher untechnisch als ideologisch ist. Und schließlich ist auch die Selbsterkenntnis der Protagonisten zentral für das Buch, sodass auch Aspekte eines Entwicklungsromans vorhanden sind – ein bunter Genremix also, den ich der Einfachheit halber der Gegenwartsliteratur zugeordnet habe.

Die Handlung ist im Wesentlichen aufgeteilt auf vier Handlungsstränge: den gegenwärtigen, sowie die vergangenen von Mi-Ra, Artur und Horatio – die eher nebensächlichen und vernachlässigbaren Informationen zu Hubert Freund mal weggelassen, dessen einzig relevanter Anteil am Buch die Wortspiele mit seinem Namen sind. Dabei taucht die Handlung tief in die menschliche Psyche ein, spielt mit den Erinnerungen und dem Zeitreise-Paradoxon, ist im Wesentlichen eine Ausgestaltung der Multiversumstheorie. Wer sich hier klare Antworten wünscht, ist eher fehl am Platz, ist das Buch doch auf Dauer interpretationsbedürftig und auslegbar – wie auch das Leben selbst, auch wenn es einen als Leser dennoch bedingt unbefriedigt zurücklässt, insbesondere das Ende.

Das Setting ist hingegen toll gewählt. Der jüdische Friedhof in Slubice verbindet wie kaum ein anderer Ort Vergangenheit und Zukunft, verschiedene Länder, Menschen und Religionen. Darüber hinaus entführt uns Berni Mayer durch die Zeitreisen/Erinnerungen ins Polen der Jahrtausendwende, nach Essen, in den Alltag koreanischer Einwanderer, und nach Whitley Bay im frühen 20. Jahrhundert und verknüpft dabei die Handlungsorte aufgrund der (psychedelischen?) Reisen stark mit Gerüchen – ein interessanter Ansatz.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, beschränken sich aber auch auf einen kleinen Kreis wirklicher Protagonisten, sind ihre Familienmitglieder doch mehr oder weniger zu Statisten degradiert. Mi-Ra überzeugt hier auf ganzer Linie mit ihrem scharfen Blick – aber vor allem auch ihrer Kompromisslosigkeit und Direktheit, während Artur übers ganze Buch hinweg etwas blass verbleibt und Horatio sich als skurrile, nicht einschätzbare Mischung zwischen P. T. Barnum und Werther herausstellt. Berni Mayers Schreibstil ist dabei gut und flüssig lesbar und lässt das Kopfkino sofort anspringen.

Die Buchgestaltung ist durchwachsen. Lektorat und Korrektorat haben ordentlich gearbeitet, der Buchsatz verdient sich bereits ein Lob dafür, jedes Kapitel auf einer ungeraden Seite zu starten und ist sonst auch konservativ-solide. Der Buchumschlag ist relativ monoton, das darunterliegende Buch sehr schlicht, der Blurb auf der Coverrückseite kaum lesbar (ocker auf mintgrün?). Auch das Cover vermag nicht ganz zu überzeugen – eigentlich gibt es auch kein Covermotiv, sondern nur den typografisch ungewöhnlich gesetzten Titel.

Mein Fazit? „Das vorläufige Ende der Zeit“ ist ein atmosphärischer und eindringlicher Roman, der vor allem dank seiner Prämisse und dem tollen Setting brilliert, aber auch im Unklaren verbleibt und sich so zum Ende hin etwas verliert. Für Leser von Gegenwartsliteratur dennoch bedenkenlos zu empfehlen – allerdings nicht unbedingt für den klassischen Sci-Fi-Leser.