[LBM2025] Eine kleine Highlightvorschau und ein Rückblick

Morgen geht es für mich nach Leipzig – denn bereits am Donnerstag startet die diesjährige Leipziger Buchmesse. Besonders freue ich mich in diesem Jahr auf Maja Lunde, Anabelle Stehl, Sarah Sprinz, Lena Kiefer, Bianca Iosivoni, Josi Wismar, Valentina Fast und Franzi Kopka – um nur einige zu nennen. Und vielleicht gelingt es mir sogar, Veranstaltungen mit Mette Marit und Christoph Kramer zu besuchen ;). Bevor ich mich aber ab morgen ganz der aktuellen LBM widme, habe ich hier noch einige Highlights der letzten fünf Messebesuche rausgesucht :).

Welcher Messemoment ist Euch besonders in Erinnerung geblieben?

[Buchgedanken] Andreas Hüging: „Die Football-Freunde – Touchdown für die Grasdorf Rebels“ (Football-Freunde 1)

Vor kurzem habe ich auch „Die Football-Freunde – Touchdown für die Grasdorf Rebels“ von Andreas Hüging gelesen. Das von Dominik Rupp illustrierte Kinderbuch ist 2025 im cbj Kinder- und Jugendbuchverlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Die Grasdorf Rebels verbindet eins: Die Liebe zum American Football. Als die Condors aus dem Nachbarort die Jungs zu einem Feindschaftsspiel herausfordern, wollen sie allen zeigen, dass mehr als nur ein Nachwuchstrupp in ihnen steckt. Doch um ihre Gegner schlagen zu können, muss das Team zusammenhalten. Und das nicht nur auf dem Feld, sondern auch als ihrem Quarterback Jimmy wegen eines vergurkten Mathetest ein Footballverbot droht, Artem von einem wütenden Kaufhausdetektiv verfolgt wird oder ein stinkender Hund ihren allergiegeplagten Trainer verjagt.

„Die Football-Freunde – Touchdown für die Grasdorf Rebels“ ist der Auftaktband einer neuen Kinderbuchreihe, die sich um die titelgebende Jugendfootballmannschaft dreht. Dabei kann das Buch mit viel Football-Expertise aufweisen, ist es doch mit einem Vorwort von Football-Superstar Sebastian Vollmer versehen und mit der Hilfe von Personen aus dem Umkreis der Potsdam Royals erstellt worden. Empfohlen wird die Reihe vom Verlag für Leser:innen ab acht Jahren, eine Alterseinschätzung, die ich hier durchaus teilen kann.

Denn die Handlung ist altersgerecht und wartet mit kinder- bzw. jugendtypischen Problemen auf, geht es doch um Freundschaft, Zusammenhalt sowie schulische und familiäre Konflikte. Aufgrund der Kürze des Buches und der notwendigen Vorstellung aller Figuren, die am Anfang etwas als Infodump daherkommt, bleibt die Handlung allerdings noch etwas auf der Strecke und wird insbesondere zum Ende hin schnell und auffällig komplikationsarm aufgelöst. Hier kann es in den Folgebänden – auch für die Zielgruppe – etwas konflikt- und spannungsreicher werden, auch im Hinblick auf die brisante Lage von Kilian.

Das Setting kann ebenfalls größtenteils überzeugen. So entführt Andreas Hüning die Leser:innen in eine fiktive Kleinstadt – mit Dönerladen, Beautysalon und einem Football-Trainingsplatz. In das sportliche Setting, das mit durchaus unerwartet vielen Fachbegriffen einhergeht, die aber im Glossar für Neulinge erklärt werden, mischt der Autor gesellschaftlich relevante Themen wie den Angriffskrieg auf die Ukraine, Flucht, Armut und Ghettoisierung mit ein, verbleibt hier aber sehr an der Oberfläche.

Dominik Rupps Illustrationen sind ein kleines Highlight des Buches und illustrieren die Geschichte wunderbar. So gelingt es ihm, den einzelnen Charakteren Leben einzuhauchen und ihnen Wiedererkennungswert zu verschaffen – gern mehr davon! Andreas Hünings Schreibstil lässt sich zudem leicht und flüssig lesen und in Zusammenspiel mit den Illustrationen das Kopfkino sofort anlaufen. Ferner ist der Schreibstil altersgerecht, was in fast bizarr anmutenden jugendsprachlichen Eskapaden von Amon gipfelt, die vielleicht minimal drüber sind.

Die Buchgestaltung ist ebenfalls gelungen. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss nicht schmälern, der Buchsatz ist im Zusammenspiel mit den Illustrationen sehr gelungen, lediglich die Chatnachrichten hätten etwas besser gesetzt und abgegrenzt werden können. Cover und Coverrückseite sind toll gestaltet, werden aber durch den Buchrücken relativ stark unterbrochen, der Umschlag ist zudem mit wunderschönen, in Grautönen gehaltenen, Coverinnenseiten versehen. Abzuwarten bleibt, ob das Buch mit den Folgebänden für einen einheitlichen Gesamteindruck der Reihe sorgt.

Mein Fazit? „Die Football-Freunde – Touchdown für die Grasdorf Rebels“ ist ein gelungener Auftakt in die Buchreihe, der mit einem tollen Football-Setting glänzt, in der Handlung aber noch Potential für die Folgebände offen lässt. Für Leser:innen ab acht Jahren bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Kati Naumann: „Fernwehland“

In der letzten Zeit habe ich auch „Fernwehland“ von Kati Naumann gelesen. Der Roman ist 2025 bei HarperCollins in der Verlagsgruppe HarperCollins Deutschland GmbH erschienen und als Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Die Astoria ist das älteste seetüchtige Kreuzfahrtschiff der Welt. Seit über siebzig Jahren trägt es die Menschen übers Meer und hat schon unzählige Schicksale bestimmt. Nach einer Kollision mit dem Luxusschiff Andrea Doria wurde es an die DDR verkauft und fortan für Urlaubsreisen eingesetzt. Auf seinen Fahrten bis in die Karibik geraten das Schiff und seine Passagiere auch zwischen die Fronten des Kalten Krieges. Die Stewardess Simone und der Matrose Henri haben sich vor vielen Jahren auf diesem Schiff kennengelernt. Heute treten sie noch einmal eine Kreuzfahrt mit der Astoria und damit auch eine Reise in ihre Vergangenheit an. Denn sie begegnen dabei der Schwedin Frida, die als Kind die Schiffstaufe erlebt hat und deren Geschichte ebenfalls ganz eng mit der des Schiffes verbunden ist.

„Fernwehland“ ist nach „Die Sehnsucht nach Licht“ mein zweiter Roman von Kati Naumann, die beide unabhängig voneinander lesbar die Geschichte von Familien über Generationen hinweg in Deutschland beleuchten und dabei Bezug zu Ostdeutschland aufweisen. Daher ist auch „Fernwehland“ als (historische) Familiensaga einzuordnen. Die teils auch in der Bewerbung des Buches vorgenommene Kategorisierung als historischer Roman kann ich hier allerdings nur bedingt nachvollziehen, spielt doch ein elementarer Teil der Geschichte im Jahr 2019, also mehr oder weniger in der Jetztzeit, eher hätte man das Buch meines Erachtens noch zur Gegenwartsliteratur zählen können.

Denn die Handlung wird in zwei Zeitebenen erzählt, zum einen in der oben bereits angegebenen Gegenwart, zum anderen in der Vergangenheit, die hier den Zeitraum von 1938 bis in die 1980er Jahre abdeckt. Dabei ist die Handlung durchaus abwechslungsreich und spannend, wenn auch teils vorhersehbar – und dreht sich vor allem um das Schiff, das zu DDR-Zeiten unter dem Namen „Völkerfreundschaft“ fuhr. Anhand der Geschichte des Kreuzfahrtschiffes werden auch die gesellschaftlichen Umbrüche und Entwicklungen verdeutlicht – und den Einfluss, den das auf die Leben der Menschen hatte. Erzählt wird der Roman hierbei in einer auktorialen Erzählperspektive, die teils mitten im Kapitel zwischen den Personen hin- und herspringt – etwas klarere Abgrenzungen hätten hier nicht geschadet.

Das Setting ist naturgemäß gelungen. Denn die Autorin entführt uns nicht nur nach Radebeul, sondern mit dem Schiff auch rund um die Welt – zum Beispiel nach Kuba, Marokko oder Norwegen. Dabei werden auch historische Ereignisse wie der Zusammenstoß mit der Andrea Doria nicht ausgespart. So verwebt Kati Naumann geschickt die Geschichte der Familien von Henri, Simone und Frida mit der Geschichte des Schiffes – und sorgt dafür, dass man sich auf die Astoria träumt, idealerweise zu frühen schwedischen Luxuszeiten. Auch die eingeschworene Gemeinschaft unter den Besatzungsmitgliedern wird hier gut dargestellt und schafft eine Atmosphäre, die man selbst gern erlebt hätte.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei überzeugen insbesondere Elli und Dora als wichtige Nebencharaktere, während gerade Henri teils nicht nachvollziehbar handelt und zum Ende hin etwas zu schnell seine Einstellungen über Bord wirft. Kati Naumanns Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen – wie auch bereits schon in ihrem letzten Roman, der gleichsam begeistern konnte.

Die Buchgestaltung ist gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, die Kapitel sind dankenswerterweise mit der Handlungszeit überschrieben, die sonstigen Kapitelüberschriften hätte man sich aber schenken können – sie sind jedoch nur mild spoilernd. Das Covermotiv setzt sich über den Buchrücken und die Coverrückseite fort, sodass ein tolles Gesamtbild entsteht, insgesamt ist das Motiv auch ansehnlich, es fehlt jedoch etwas am Bezug zur Handlung. Das unter dem Umschlag befindliche Buch ist schlicht und mit farbigen, aber eintönigen Coverinnenseiten versehen.

Mein Fazit? „Fernwehland“ ist eine überzeugende Familiensaga, die durch das Setting und die spannende und abwechslungsreiche Handlung brilliert. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen.

Jugendbuchliebe | Doppelte Buchpost

Auch heute habe ich noch einmal zwei Neuzugänge für Euch, die mich als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de erreicht haben – vielen Dank dafür. „Was hast du nur getan?“ von Alexandra Kui aus dem cbj Kinder- und Jugendbuchverlag (Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH) ist dabei als Jugendthriller einzuordnen, während „43 Gründe, warum es aus ist“ von Daniel Handler (Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG) ein von Maira Kalman illustriertes und von Birgitt Kollmann übersetztes Jugendbuch ist, das anhand von 43 Objekten eine schnelle, intensive Liebesbeziehung nachzeichnet. Als riesengroßer Jugendbuchfan bin ich auf beide Romane daher schon sehr gespannt – und kann es kaum erwarten, in die Geschichten der Protagonist:innen einzutauchen.

Welches Jugendbuch hat Euch durch Eure Kindheit begleitet?

Neuzugänge im Doppelpack | Lovelybooks-Buchpost

Heute habe ich mal wieder zwei Neuzugänge für Euch, die mich in der letzten Zeit als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de erreicht haben – vielen Dank dafür. „Brennendes Watt“ von Fynn Jacob (einem Pseudonym von Christian Kuhn) aus dem Wilhelm Heyne Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH ist dabei der dritte Band einer deutsch-niederländischen Krimireihe, während Dr. Andreas Mäckler für den Verlag des Biographiezentrums mit „Hans Zimmer. Werkbiografische Betrachtungen“ eine Werkbiografie des bedeutenden Filmmusikkomponisten vorlegt. Ich bin auf beide Bücher schon ganz gespannt!

Wessen Biografie würdet Ihr gern einmal lesen?

[Buchgedanken] Petra Schier: „Die Wächterin von Köln“

In den letzten Tagen habe ich auch „Die Wächterin von Köln“ von Petra Schier gelesen. Das Buch ist 2024 bei HarperCollins in der Verlagsgruppe HarperCollins Deutschland GmbH erschienen und als historischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Köln 1396/97: Elsbeth ist naiv und liebreizend, als sie mit sechzehn Jahren beginnt, im Bordell „Zur schönen Frau“ zu arbeiten. Bald darauf wird einer ihrer Freier, der Ratsherr van Kneyart, vergiftet aufgefunden, und sie gerät ins Visier der Obrigkeit. Auch ihr Halbbruder wird auf sie aufmerksam und bewahrt sie vor dem Galgen. Die beiden werden Vertraute, und mit der Hilfe von Elsbeth, die für ihn im Dirnenhaus Informationen sammelt, wird er zum mächtigsten Mann Kölns und Elsbeth zur geschickten Drahtzieherin der Unterwelt. Der junge Henker Johannes ist zunächst nicht begeistert von ihren mutigen Forderungen und ihrer fehlenden Demut. Schon bald aber entflammen unerwartet Gefühle zwischen den beiden. Als ein grausamer Mord geschieht, müssen die beiden gemeinsam verhindern, dass es zu einer falschen Verurteilung kommt.

„Die Wächterin von Köln“ ist nicht mein erster historischer Roman von Petra Schier, aber der erste aus der – von mir vereinfacht so benannten – „Köln-Saga“, zu der auch „Mord im Dirnenhaus“ und die „Lombarden“-Trilogie gehören, gibt es doch vielfach Überschneidungen zwischen den Romanen. Dabei lässt sich dieser Roman durchaus als Standalone lesen, die vielen Querverbindungen würden aber mit der Lektüre der anderen Bände vorab ein noch intensiveres Leseerlebnis ermöglichen. Relativ einfach lässt sich der Roman zudem als historischer Roman einordnen, auch wenn zuweilen auch das Gefühl eines historischen Kriminalromans oder -Thrillers aufkommt.

Denn die Handlung ist durchaus spannend und abwechslungsreich und wartet auch mit der ein oder anderen unerwarteten Wendung auf. Dabei wird diese in zwei Erzählebenen erzählt, der erzählerischen Gegenwart sowie der Vergangenheit von Elsbeth, die in Rückblenden aufgearbeitet wird, die sich immer stärker der eigentlichen Handlung annähern. Leider treten anfangs die Rückblenden gehäuft auf, sodass die Stringenz der Geschichte doch stark unterbrochen wird und sie nur langsam ins Rollen kommt – zulasten auch späterer, größerer Zeitsprünge in der eigentlichen Erzählung. Aber abgesehen davon entwickelt sich der Roman gerade in der zweiten Hälfte durchaus zum Pageturner.

Das – ungewohnte – Setting kann hier vor allem brillieren. So entführt die Autorin ihre Leser:innen ins Köln des (größtenteils) 15. Jahrhunderts. Die Schauplätze reichen dabei vom mittelalterlichen Dirnenhaus als zentralem Anlaufpunkt des Romans bis hin zu verwunschenen Mausoleen und ungenutzten Kapellen. Petra Schier zeigt hierbei in aller Deutlichkeit die Arbeit der Hübschlerinnen, ihre Arbeitsbedingungen und die Probleme, mit denen sie sich – wie alle anderen unehrlichen Berufe – im Alltag herumschlagen mussten, die Recherche scheint allumfassend. Erstaunlicherweise (also im Hinblick auf das Genre, nicht auf das Setting) ist das Buch daher auch mit unzähligen Sexszenen durchzogen, insbesondere in den Rückblenden.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Aufgrund der Fokussierung der Erzählperspektive auf Elsbeth kommen andere Charaktere teils etwas kurz – sehr gern hätte ich auch mehr von Aleydis erfahren, die durchaus einen unglaublich spannenden Eindruck macht, während Elsbeth teils doch übertrieben agiert, im Allgemeinen aber durchaus Sympathien erweckt. Petra Schiers Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen, die Waage hat hier sicherlich zugunsten der Lesbarkeit im Vergleich zur sprachlich-historischen Authentizität ausgeschlagen, auch das Mundartliche ist nur sehr selten eingestreut.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat haben im Wesentlichen sauber gearbeitet, der Buchsatz ist gelungen, die Geschichte wird mit einer Karte, einer fast zu umfangreichen Dramatis Personae und einem ebenfalls sehr umfangreichen Nachwort abgerundet. Das Covermotiv zieht sich über Buchrücken und Coverrückseite und erzeugt so einen tollen Gesamteindruck, insgesamt ist der Umschlag aber genretypisch und kein wirklicher Eyecatcher.

Mein Fazit? „Die Wächterin von Köln“ ist ein spannender und thematisch ungewöhnlicher, historischer Roman mit nur kleineren Schwächen. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von nicht unter 16 Jahren.

Schmetterlinge im Doppelpack | Buchpost

Bevor es morgen wohl mit einer Rezension weitergeht, möchte ich Euch heute diese beiden Neuzugänge zeigen, die mich vor kurzem von der Bücherbüchse erreichten. „Red Umbrella Society – Der Kuss des Schmetterlings“ (cbj Kinder- und Jugendbuchverlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH) und „Der Kampf um Tokito – Aufstieg des Schmetterlings“ (Leaf Verlag) entstammen beide der Feder von Caroline Brinkmann – und haben lustigerweise beide das possierliche Wort „Schmetterling“ im Untertitel :). Bei ersterem handelt es sich um den Auftakt in eine Urban-Fantasy-Dilogie, letzteres ist die langerwartete Fortsetzung von „Die Clans von Tokito“. Sehen sie nicht wundervoll aus?

Welche Tiere sind Euch schon in Buchtiteln begegnet?

[Buchgedanken] Lars Sommer: „Die innere Führung“

Vor kurzem habe ich auch „Die innere Führung“ von Lars Sommer (Lucas Fassnacht) gelesen. Das Buch ist 2024 in der ars vivendi verlag GmbH & Co. KG erschienen und als Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Nachdem auf der Hochzeit eines Elitesoldaten der Bundeswehr eine tödliche Bombe hochgeht, beginnt Kriminalhauptkommissar Erich Kleinrädl zu ermitteln. Während er und sein Team die Hochzeitsgäste vernehmen, stellt die Boulevardpresse ihre eigenen Vermutungen an: Hat Inka Minden, die Ex-Freundin des Bräutigams, etwas mit der Sache zu tun? Welche Rolle spielt der ehemalige Scharfschütze Jonathan von Holl, der über dem Gesetz zu stehen scheint? Das LKA beurteilt die Bombe als ein Werk von Fachleuten. Ein zweiter Anschlag erhöht den Druck auf Kleinrädl. War die Bundeswehr das eigentliche Ziel des Attentats? Die Lage wird immer unklarer. Steckt der Feind gar in den eigenen Reihen?

„Die innere Führung“ ist ein Roman von Lars Sommer, einem Pseudonym des Thriller-Autors Lucas Fassnacht. Dabei wird das Buch vom Verlag – wie der Abdruck auf dem Cover verrät – als Kriminalroman eingeordnet, eine Eingruppierung, die ich daher auch übernommen habe. Es hätten sich aber auch gute Argumente dafür gefunden, das Buch als (Polit-)Thriller zu kategorisieren, auch andere Untergenres bei Thrillern wären hier denkbar gewesen. Zudem ist der Roman derzeit als Standalone angelegt, Potential für Fortsetzungen existiert jedoch – und wird auch durch das letzte Kapitel nochmal befeuert.

Die Handlung ist durchweg spannend und abwechslungsreich, wenn auch zuletzt zumindest in Teilen auch vorhersehbar. Dabei entwickelt sich der Roman schnell von einem reinen Kriminalfall hin zu einem gesellschaftspolitisch interessanten Thriller, der an Aktualität kaum zu überbieten ist, obwohl handlungsauslösende Ereignisse doch schon drei, vier Jahre in der Vergangenheit liegen. Lediglich das Ende vermag hier nicht in Gänze zu überzeugen.

Das Setting kann hingegen glänzen, entführt der Autor die Leser:innen doch nach München und ins bayerische Umland, in ein Spannungsfeld zwischen zivilgesellschaftlichen Kriegsgegnern und Veteranen von Spezialtruppen, die in Afghanistan gedient haben. Dabei kumuliert diese Zerrissenheit in der Figur von Inka, die als Sportsoldatin zwar Angehörige des Militärs, aber selbst nie im Einsatz gewesen war. Hierbei scheut der Roman auch nicht davor zurück, das schwierige Thema der Posttraumatischen Belastungsstörungen aus Militäreinsätzen anzusprechen, verpasst aber die Chance, im gleichen Zuge in einem möglichen Nachwort zum Roman auf Hilfsangebote und Kontaktadressen hinzuweisen, damit es in der realen Welt hoffentlich nicht so eskaliert wie in Lars Sommers Geschichte.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive, wenn auch aufgrund der doch Vielzahl an handelnden Personen einige noch stärker ausgearbeitet hätten werden können. Dabei überzeugen insbesondere Schlanghain, von Holl und in einer Nebenrolle Polizeipräsident Brandner, während Kleinrädl noch etwas blass verbleibt. Lars Sommer Schreibstil ist teils rasant, lässt sich hierbei aber leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anspringen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat haben größtenteils sauber gearbeitet, der Buchsatz ist ordentlich, auch wenn man zumindest die größeren Sinnabschnitte jeweils auf ungeraden Seiten hätte starten können. Der Buchumschlag ist mit Klappen versehen, das Covermotiv wird leider zum Buchrücken hin krass unterbrochen, letzterer und die Coverrückseite sind eher eintönig und schlicht. Das Titelmotiv schafft es hierbei zwar, eine kleine Verbindung zur Handlung herzustellen, bleibt dennoch aber austauschbar und kein wirklicher Eyecatcher.

Mein Fazit? „Die innere Führung“ ist ein spannender und abwechslungsreicher, gesellschaftlich relevanter Kriminalroman an der Grenze zum Thriller mit nur kleineren Schwächen. Für Leser:innen des Genres daher bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.

Die Messe naht | Neuzugänge im Doppelpack

Diesen Monat steht ja bereits die Leipziger Buchmesse an – und in diesem Zusammenhang habe ich heute zwei selbstgekaufte Neuzugänge für Euch. „Bad Vibes. Deine Geheimnisse sterben nie“ von Bianca Iosivoni (Penguin Verlag, Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH) zog dabei pünktlich zum Release bei mir ein, „Die Elite von Ashriver – Hidden Secrets“ von Valentina Fast (One Verlag in der Bastei Lübbe AG) bereits vor einigen Monaten. Beide Bücher stammen aus den Federn absoluter Lieblingsautorinnen – und daher freue ich mich auch sehr, beide auf der LBM bei Signierstunden und Blogger:innentreffen wiederzusehen und mir die Bücher signieren zu lassen. Sehen sie nicht toll aus?

Welches Buch ist zuletzt bei Euch eingezogen?

[Buchgedanken] Roddy Doyle: „Paddy Clarke Ha Ha Ha“

In der letzten Zeit habe ich auch „Paddy Clarke Ha Ha Ha“ von Roddy Doyle gelesen. Der Roman ist 2024 im GOYA Verlag in der Jumbo Neue Medien & Verlag GmbH erschienen, die Originalausgabe wurde unter gleichem Titel 1993 bei Secker & Warburg veröffentlicht. Der Roman ist der Gegenwartsliteratur zuzuordnen, für die Übersetzung zeichnet Alexandra Rak verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Irland, 1968. Paddy Clarke ist zehn Jahre alt und tut das, was so ziemlich alle Zehnjährigen tun: Er langweilt sich in der Schule, zieht mit einen Freunden durch die Straßen, ärgert seinen kleinen Bruder und treibt Unfug. Er liebt den Geruch seiner Wärmflasche und am liebsten liest er mit einer Taschenlampe unter der Bettdecke. Doch Paddys Welt beginnt sich zu verändern. Die Felder, auf denen er gestern noch herumgestreift ist, werden bebaut, Barrytown bekommt neue Straßen und vergrößert sich. Gleichzeitig wird Paddys Reich immer kleiner und die Stimmung zu Hause immer angespannter. Je mehr Paddy von der Welt mitbekommt, desto weniger versteht er.

„Paddy Clarke Ha Ha Ha“ ist der „neue“ Roman von Roddy Doyle – allerdings nur als neuübersetzte Version. Denn – wie oben bereits erwähnt – stammt die Originalausgabe bereits aus dem Jahr 1993 und wurde damals mit dem Booker Prize ausgezeichnet. Im Kontext dessen ist der Roman als Gegenwartsliteratur einzuordnen – wenn er heute neu herauskäme, könnte man ihn fast als historischen Roman eingruppieren, schildert er doch die Realität der späten 1960er Jahre in Irland, eine Zeit, die 1993 allerdings noch fast präsent war und gerade eine Generation zurücklag.

Die Handlung ist dabei durchaus abwechslungsreich und spannend, allerdings auch antiklimaktisch und ohne erkennbaren roten Faden. So wird episodenhaft und nicht zwingend chronologisch aus der Sicht des zehnjährigen Paddy als Ich-Erzähler nicht mehr und nicht weniger als der Alltag der damaligen Zeit dargestellt, eine Zeit mit klaren Rollenbildern, die geprägt war von Gewalt – in den Familien, auf den Straßen, in den Schulen – und von klaren Hierarchien und einem einfachen, aber ehrlichen Leben.

Das Setting kann hier brillieren. So entführt Roddy Doyle die Leser:innen nach Barrytown, in einen fiktiven Vorort Dublins, in dem bereits andere Romane Doyles und deren filmische Adaptionen spielen. Dabei gelingt es dem Autor, ein beeindruckendes, eindringliches Porträt der damaligen Zeit und Gesellschaft zu erschaffen, mit all ihren Problemen aber auch dem ganz eigenen Charme und der – im Vergleich zur heutigen Moderne – doch Einfachheit der Lebensentwürfe und Tagesabläufe.

Die einzelnen Figuren sind dabei teils doch sehr schematisch dargestellt, werden sie doch aus der Sicht von Paddy beleuchtet – einem Zehnjährigen, der zwar teils älter erscheint, dennoch aber einen kindlichen Blick auf die Welt hat. Robby Doyles Schreibstil ist dabei sehr gewöhnungsbedürftig, insbesondere die Dialoge können mich nicht überzeugen – und auch der fehlende rote Faden sorgt für ein doch eher anstrengendes Leseabenteuer.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind doch einige Fehler durchgerutscht, die den Lesefluss aber nicht erheblich schmälern, der Buchsatz ist unauffällig – Sinnabschnitte hätten dem Buch jedoch gut getan. Das Covermotiv ist wirklich gelungen, ein Glossar irischer Begriffe und Ausdrücke wird der Geschichte vorangestellt. Leider wird das Cover zum Buchrücken krass unterbrochen, dieser und die Coverrückseite sind eher unauffällig und schlicht.

Mein Fazit? „Paddy Clarke Ha Ha Ha“ ist ein interessantes Porträt der irischen Gesellschaft aus Sicht eines Zehnjährigen, das mit seinem Setting brilliert, aber sehr ungewöhnlich und ohne roten Faden erzählt wird. Für Leser:innen des Genres und sprachlich eigenwilliger Texte durchaus zu empfehlen, ab einem Lesealter, das deutlich über dem der Protagonisten liegt.