[Buchgedanken] Iny Lorentz: „Ein verhängnisvolles Testament“

In der letzten Zeit habe ich auch „Ein verhängnisvolles Testament“ von Iny Lorentz gelesen. Das Buch ist 2025 im Knaur Verlag, einem Imprint der Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG erschienen und als historischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Der Südwesten Deutschlands, 1590. Elisabeth von Thannberg ist eben erst Witwe geworden, da droht der jungen Frau und ihren Töchtern auch noch der Verlust ihres ganzen Besitzes. Der Kurfürst von Trier pocht auf die Einhaltung eines alten Vertrages. Als Elisabeths Cousine Anna Aufzeichnungen in einem Kloster findet, flammt Hoffnung auf. Kann sie das Schicksal abwenden und den Kurfürsten und seine gierigen Begleiter in die Schranken weisen? Anna steht ein harter Kampf bevor, um Elisabeth die Heimat und ihr eigenes Glück zu retten.

„Ein verhängnisvolles Testament“ ist nicht mein erstes Buch des Autorenehepaars Iny Lorentz (Iny Klocke und Elmar Wohlrath), aber das erste, das ich hier rezensiere. Es handelt sich um einen Einzelband, der grundsätzlich Fortsetzungen oder weitere Geschichten um die Protagonist:innen nicht ausschließt. Dabei lässt sich das Buch – wie eigentlich alles von Iny Lorentz – klassisch als historischer Roman einordnen. Auch wenn sich durchaus Argumente für die Klassifizierung als historischer Liebesroman finden lassen, würde ich es dennoch bei der generellen Eingruppierung als historischer Roman belassen.

Denn die Handlung bildet neben der vorhandenen Liebesgeschichte fast noch einen historischen Krimi ab, wird doch unentwegt ermittelt, intrigiert und – ja – es kommt auch zu Überfällen und Gewalt; also alles, was die Vergangenheit so üblicherweise zu bieten hatte. Dabei spielt der Roman überraschenderweise nicht im Mittelalter, sondern in der Renaissance am Ende des 16. Jahrhunderts. Insbesondere in der zweiten Hälfte des Romans gibt es kleinere Längen – und auch das Ende vermag nicht vollends zu überzeugen. Abgesehen davon ist die Handlung aber durchaus spannend und kurzweilig – sieht man mal von Annas eingestreuten Spottversen ab, auf die man gut und gern hätte verzichten können (zumindest in der Häufigkeit).

Das Setting ist gelungen. So entführen die Autoren ihre Leser:innen in den deutschen Südwesten, ins Grenzgebiet zwischen den Erzbistümern Trier und Köln und nehmen sie mit auf kleinere und mittlere Adelsgüter, ins berühmte Kloster Maria Laach und auf die ein oder andere Reise. Insbesondere vom Kloster hätte ich mir hier vielleicht noch etwas stärkere Beschreibungen gewünscht, alles in allem ist das Setting aber sehr greifbar. Eine profunde Recherche lässt sich dennoch erahnen – bei der Sprache ist die Abwägung zwischen historischer Authentizität und Lesbarkeit sicherlich zu letzterem gekippt.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Mathilde oder Philippa, während Anna und Hans teils nicht nachvollziehbar handeln und die Entwicklung von Elisabeth im letzten Drittel unglaubhaft erscheint. Iny Lorentz‘ Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen, hätte aber – wie oben bereits angedeutet – teils durchaus mehr ausschmücken können.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind doch einiges durchgerutscht, der Buchsatz ist ordentlich und rundet die Geschichte durch eine hintangestellte Dramatis Personae ab, die ich viel lieber vorn gesehen hätte. Auch hätte ich mir eine Karte gewünscht. Der Umschlag ist auf dem Cover, dem Buchrücken und der Coverrückseite hochwertig geprägt sowie mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen, sodass ein edles Gesamtprodukt entstanden ist. Das Covermotiv wird auf dem Buchrücken nahtlos fortgesetzt, der leichte Bruch zur Coverrückseite irritiert dann jedoch. Insgesamt ist das Covermotiv, der Umschlag generell, sehr hübsch und durchaus ein Eyecatcher – und zeigt auch leichte Anklänge zur Handlung. Mir persönlich erscheint die Darstellung jedoch historisch für die Zeit – und die Geschichte – nicht ganz stimmig. Auch irritiert der Titel etwas, geht es doch zu keiner Zeit um ein „Testament“, sondern um einen geschlossenen Vertrag.

Mein Fazit? „Ein verhängnisvolles Testament“ ist ein kurzweiliger, abwechslungsreicher historischer Roman mit tollem Setting und bewährten Stärken, der zum Ende hin jedoch etwas abbaut und daher die Brillanz anderer Bücher von Iny Lorentz nicht erreicht. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 14 Jahren.

Vergangenheit und Zukunft | Doppelte Neuzugänge

Auch hier möchte ich Euch natürlich meine aktuellen Neuzugänge präsentieren. „Freiheitsgeld“ von Andreas Eschbach (Lübbe in der Bastei Lübbe AG) zog dabei als Weihnachtsgeschenk nunmehr auch in Taschenbuchform bei mir ein, „Romeo & Julia“ von William Shakespeare (Reclam Verlag) als Sonderausgabe zum Musical „Romeo & Julia – Liebe ist alles“ habe ich mir beim Musicalbesuch selbst gekauft. Ein dystopischer Zukunftsthriller und ein im 16. Jahrhundert spielendes Drama – Vergangenheit und Zukunft stehen hier direkt nebeneinander :).

Lest Ihr lieber Romane, die in der Vergangenheit oder solche, die in der Zukunft spielen?

[Buchgedanken] Nadja Raiser: „Die Weltenseglerin“

Vor kurzem habe ich auch „Die Weltenseglerin“ von Nadja Raiser gelesen. Das Buch ist 2023 im Knaur Verlag, einem Imprint der Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG erschienen und als historischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Portugal, 1519: Um der Ehe mit einem gewalttätigen Trinker zu entgehen, flüchtet sich die junge Mariella Alvaro als Mann verkleidet auf die Concepción – eines der fünf Schiffe, mit denen ihr Onkel Fernando Magellan den westlichen Seeweg von Spanien zu den Gewürzinseln Indonesiens erkunden will. Als Mariellas Tarnung schließlich auffliegt, muss sie sich nicht nur gegen zermürbende Flauten und lebensbedrohliche Stürme behaupten: Die Matrosen begegnen ihr entweder mit offener Feindseligkeit, weil sie überzeugt sind, eine Frau an Bord würde Unglück bringen; oder sie werfen ihr Blicke zu, die Mariella als mindestens ebenso gefährlich empfindet. In die größte Gefahr bringt Mariella jedoch ihr eigenes Herz, das sie ausgerechnet an den ehemaligen Kapitän Juan Sebastián de Elcano verliert …

„Die Weltenseglerin“ ist ein klassischer historischer Roman, der ein prägendes Ereignis der Weltgeschichte, die erste Weltumsegelung durch Ferdinand Magellan (im Roman wird die im Deutschen auch gebräuchliche, aber unüblichere und an das Spanische angelehnte Version Fernando Magellan genutzt) bzw. dessen Expedition, ins Zentrum der Handlung rückt und erlebbar macht. Dabei werden die bekannten Schicksale historischer Persönlichkeiten mit denen fiktiver Protagonistinnen verknüpft und zu einem größtenteils authentischen historischen Roman gesponnen.

Die Handlung ist spannend und abwechslungsreich, teils aber anfangs mit Längen versehen, später dafür mit größeren Zeitsprüngen und Aussparungen an interessanten Stellen – hier hätte die Schwerpunktsetzung etwas feinjustiert werden können. Auch ist der Beginn sehr konstruiert, spätestens aber nach dem ersten Drittel ist dies vergessen und die Handlung, eine Mischung aus Abenteuerroman und sehr abenteuerlicher (und sehr präsenter) Liebesgeschichte, zieht einen vollends in seinen Bann.

Das Setting vermag naturgemäß zu überzeugen. So entführt die Autorin den Leser nicht nur ins beginnende 16. Jahrhundert, sondern nimmt ihn noch mit auf eine Reise um die Welt, unter anderem mit Stationen in Brasilien oder auf den Philippinen. Dabei zeugt der Roman von guter Recherche, historische Ungenauigkeiten werden im Nachwort (größtenteils) angesprochen, lediglich der Lebenswandel von Juan Sebastián de Elcano wird hier ausgespart, lässt sich dieser doch auch nicht zwingend mit dem Bild eines lebenslang treuen Ehemannes in Einklang bringen.

Die einzelnen Figuren sind – zumindest, was die größeren Rollen angeht – im Wesentlichen vielschichtig angelegt, unwichtigere Charaktere verbleiben aufgrund der schieren Masse an Figuren teils holzschnittartig und eindimensional. Hierbei können vor allem prominente Nebencharaktere wie Simon und Hernando überzeugen, während Juan teils wenig nachvollziehbar handelt. Nadja Raisers Schreibstil lässt sich leicht und flüssig lesen, balanciert dabei Authentizität und Lesbarkeit gut aus und lässt das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung brilliert auf ganzer Linie. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben ordentlich gearbeitet, der Buchumschlag ist mit Klappen und toll gestalteten, farbigen Coverinnenseiten versehen. Titelbild, Buchrücken und Coverrückseite sind zudem wunderschön gestaltet, ein wahres Gesamtkunstwerk und ein wirklicher Eyecatcher. Lediglich in die, der Handlung vorangestellte, Dramatis Personae hätte man noch etwas Ordnung bringen können.

Mein Fazit? „Die Weltenseglerin“ ist ein im Großen und Ganzen toller historischer Roman mit einem unglaublich spannenden Thema, einem brillanten Setting und nur kleineren Schwächen in der Schwerpunktsetzung. Für Liebhaber des Genres daher bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.

Von starken Frauen und vergangenen Zeiten | Doppelte Buchpost

Vor kurzem erreichten mich auch diese beiden Bücher als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de – vielen Dank dafür! Sowohl „Blumental – Leeres Land“ von Viktoria Bolle aus dem Kampenwand Verlag als auch „Die Weltenseglerin“ von Nadja Raiser (Knaur) entführt den Leser dabei in die Vergangenheit und lässt ihn jeweils am schweren Schicksal einer starken Protagonistin teilhaben. Ich bin schon ganz auf die Reisen ins 16. und 20. Jahrhundert gespannt.

Welches Buch ist zuletzt bei Euch eingezogen?

Bücherreigen zur Adventszeit 2 | Doppelte Buchpost

Und auch heute möchte ich Euch wieder zwei tolle Bücher zeigen, die mich kurz vor Weihnachten erreichten. Dabei handelt es sich um zwei Rezensionsexemplare: „Sterbewohl“ von Olivia Monti und „Krone der Welt“ von Sabine Weiß. Vielen Dank an die Autorinnen, an Bastei Lübbe und an die Bloggerjury für die Bereitstellung der Rezensionsexemplare. Ich bin schon sehr gespannt darauf, ins 16. Jahrhundert und in eine dystopische Zukunftsvision einzutauchen.

Kennt jemand die Bücher bereits? In welche Zeit würdet Ihr gern einmal reisen?