[Buchgedanken] Fabiola Turan: „Artemis – Abenteuer auf dem Meer der Wünsche“

In der letzten Zeit habe ich auch „Artemis – Abenteuer auf dem Meer der Wünsche“ von Fabiola Turan gelesen. Das Buch ist 2025 im cbj Kinder- und Jugendbuchverlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als fantastisches Kinderbuch einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Mit allem hätte Artemis gerechnet – nur nicht damit, sich plötzlich an Bord eines fliegenden Schiffes wiederzufinden! Die Crew der Dreamcatcher besteht aus magisch begabten Kindern, die das Meer der Wünsche vor einem machthungrigen Baron beschützen. Um ihren Teil dazu beizutragen, muss Artemis die Wolkenmagie in sich erwecken und sich auf eine gefährliche Reise begeben. Dabei wird ihr mehr abverlangt als erwartet und bald droht das Abenteuer aus dem Ruder zu laufen. Haben die Kinder gemeinsam eine Chance, gegen das Böse zu bestehen und das Meer der Wünsche zu retten?

„Artemis – Abenteuer auf dem Meer der Wünsche“ ist – sehr unüblich – ein Einzelband in diesem Genre, wobei für zukünftige Ausflüge über die Wolken durchaus noch viel Potential verbleibt. Dabei lässt sich das Buch relativ klar einem Genre zuordnen, ist ein fantastisches Kinderbuch und nicht wie auf Verkaufsportalen teils angegeben Science Fiction für Kinder. Empfohlen wird das Buch gemäß Altersangaben des Verlags (teils abweichend) für Leser:innen ab neun oder zehn Jahren, balanciert also auf der Grenze vom Kinder- zum Jugendbuch, wobei ich im Ergebnis das Werk gerade noch so als Kinderbuch einstufen würde.

Denn die Handlung mischt die fantastische Idee mit kinder- und jugendtypischen Problemen wie sozialer Abkapselung, Freundschaft, ersten zärtlichen Gefühlen und familiären Konflikten. Dabei bleibt die Handlung durchaus spannend, rasant und abwechslungsreich, ist teils natürlich auch vorhersehbar und etwas antiklimaktisch, insbesondere am Ende, das nicht komplett überzeugen kann – auch für die Zielgruppe hätte man durchaus noch etwas mehr Konfliktpotential (in der realen Welt) einbauen können.

Das Setting kann größtenteils glänzen, entführt die Autorin die Leser:innen doch nicht nur an ein Eliteferieninternat sondern auch in eine fantastische Parallelwelt voller Magie mit eigenen physikalischen Gesetzen. Dabei wird durchaus einiges zum Weltenbau und Magiekonzept erwähnt – gerade bei letzterem hätte ich mir aber noch mehr Informationen gewünscht. Auch wäre eine vorangestellte Karte des Meeres der Wünsche toll gewesen und hätte zum besseren Verständnis der fremden Welt beitragen können.

Die einzelnen Figuren sind – im Wesentlichen – vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive, obwohl aufgrund der Kürze die Figurenentwicklung natürlich nicht vollumfänglich ausgestaltet werden kann. Hierbei brillieren insbesondere Maxim, Oliver und Nika, während gerade Artemis teils nicht nachvollziehbar handelt, mit der neuen Situation viel zu mühelos umgeht. Fabiola Turans Schreibstil ist altersgerecht, lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist ebenfalls gelungen. Lektorat und Korrektorat haben ordentlich gearbeitet, der Buchsatz ist sauber. Der Umschlag ist auf dem Cover und Buchrücken leicht geprägt und mit farbigen, aber eintönigen Coverinnenseiten versehen. Das Titelmotiv zieht sich gut über Buchrücken und Coverrückseite, sodass ein tolles, einheitliches Gesamtbild entsteht und ist sehr ansprechend – sowohl von der Gestaltung als auch von der Farbgebung: ein wirkliches Highlight.

Mein Fazit? „Artemis – Abenteuer auf dem Meer der Wünsche“ ist ein fantastisches Jugendbuch, das mit einer durchaus spannenden Handlung und einem tollen Setting glänzen kann, leider zum Ende hin aber minimal abbaut. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag vorgeschlagenen Lesealter von neun oder zehn Jahren.

[Buchgedanken] Tim Julian Ruster: „Astro-Tims Sternstunden: Unsere Zukunft beginnt im All“

Vor kurzem habe ich auch „Astro-Tims Sternstunden: Unsere Zukunft beginnt im All“ von Tim Julian Ruster gelesen. Das Buch ist 2025 bei Kosmos, Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG erschienen und als spekulatives Sachbuch einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Wir waren auf dem Mond und schicken Sonden auf ferne Planeten, Monde und sogar bis an die äußersten Grenzen des Sonnensystems. Doch wie wird die Zukunft der Menschheit im Weltraum weitergehen? Welche Visionen und Konzepte gibt es derzeit? Und stehen der Menschheit vielleicht sogar neue Sternstunden ungeahnter interstellarer Durchbrüche bevor?

„Astro-Tims Sternstunden: Unsere Zukunft beginnt im All“ ist das neueste Buch des populären Youtubers Tim Julian Ruster, der als @AstroTim die sozialen Medien unsicher macht. Dabei lässt sich das Werk gar nicht so einfach einem Genre zuordnen, wie ich es anfangs dachte. Denn das Buch ist – schon irgendwie – ein Sachbuch, zumindest was die Vergangenheit und aktuellen Entwicklungen angeht. Alles, was darüber hinausgeht, ist jedoch hochspekulativ und wird auf sehr dünner, wissenschaftlicher Grundlage präsentiert. Der Einfachheit halber habe ich das Buch daher als spekulatives Sachbuch eingruppiert – ein Untergenre, das vermutlich für das Buch neu geschaffen werden müsste.

Denn in dem Werk stellt der Autor neben den aktuellen Entwicklungen in Astronomie und Raumfahrt auch spekulative Behauptungen darüber aus, wie sich die Situation in 50, 100, 200, 400, 800 und 1000 Jahren gestaltet, welche Bereiche des Weltalls die Menschheit bis dahin erkundet und wie sich das Leben auf der Erde entwickelt hat. Gleichsam wird auch ein Rückblick dazu gezogen, wo die Menschheit vor 50, 100, 200, 400, 800 und 1000 Jahren stand, um den Entwicklungssprung, der in dieser Zeitspanne geschehen ist, zu verdeutlichen.

Das Buch kann dabei in den wissenschaftlichen Passagen glänzen, in der durchaus ansprechenden Darstellung des aktuellen Forschungsstandes und den Grundlagen für die Raumfahrt und Zukunftstechnologien. Doch in den Visionen verliert das Werk leider, wird – je weiter man in der Zukunft voranschreitet – zwar naturgemäß immer spekulativer, aber leider auch schwierig zu lesen und – in Teilen – auch etwas naiv, insbesondere auch, was die nähere Zukunft auf der Erde angeht.

Überzeugen können auch die eingebauten Bilder und Fotos, Grafiken und Designs. Diese helfen, den Ausführungen des Autors zu folgen, und sich die Zukunftsvisionen bildhaft vorstellen und besser verstehen zu können, insbesondere in den ersten Abschnitten. Generell kann die Buchgestaltung punkten, Lektorat/Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, der Umschlag ist mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen, das Titelmotiv wird auf dem Buchrücken fortgesetzt, zur Coverrückseite jedoch leider unterbrochen, und ist generell dominiert vom Bild des Autors – hier hätte man einen stärkeren Fokus auf den Inhalt legen können.

Mein Fazit? „Astro-Tims Sternstunden: Unsere Zukunft beginnt im All“ ist ein in Teilen überzeugendes Sachbuch über ein faszinierendes Thema, das leider irgendwann in zu spekulative Gefilde abdriftet. Für wissenschaftsbegeisterte Leser:innen, die der spekulative Charakter nicht stört, dennoch bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Persephone Haasis: „Marmeladensommer“

In den letzten Tagen habe ich auch „Marmeladensommer“ von Persephone Haasis gelesen. Das Buch ist 2025 im Penguin Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH veröffentlicht worden und als Liebesroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Glitzernd liegt der Bodensee vor ihr. Nur mit einem alten Foto von einem Obsthof ist Emmi, die in Frankfurt ein Catering-Unternehmen führt, hierhergekommen, um ihren Vater zu finden. Sie nimmt ein Zimmer in einer kleinen Pension am See, die einem netten älteren Ehepaar gehört. Auch wenn deren Sohn Oliver, der im Ort eine Segelschule betreibt, anfangs wenig angetan ist von der wasserscheuen Großstädterin, hilft er Emmi bei ihrer Suche. Tatsächlich finden sie ihren Vater, dessen idyllischer Bio-Obsthof leider wirtschaftlich vor dem Aus steht. Emmi will unbedingt helfen und beginnt aus dem Obst nach ihren Rezepten Marmeladen zu kochen. Besonders dem smarten Hotelbesitzer Tim gefallen die Marmeladen – und die hübsche Marmeladenköchin. Und so steht Emmi nun nicht nur mit jeder Menge Obst in der kleinen Küche der Pension, sondern auch zwischen zwei Männern …

„Marmeladensommer“ ist mein erster Werk der Autorin Persephone Haasis unter diesem Namen, nachdem ich sie bereits als Teil des Autorinnenquartetts Hannah Conrad kennenlernen durfte. Der Roman wird dabei als Wohlfühlroman beworben, auf Verkaufsportalen unter anderem als Gegenwartsliteratur gelistet. Meines Erachtens ist das Buch aber klar als Liebesroman zu kategorisieren, durchaus auch als Feel-Good-Liebesroman, wenn man den Wohlfühlfaktor wirklich in den Vordergrund stellen möchte.

Denn die Handlung ist sommerlich, was das Buch durchweg zur perfekten Urlaubslektüre macht. Persephone Haasis mischt familiäre Probleme (auf allen Seiten) mit einer spritzigen Liebesgeschichte und tollen Rezepten zu einer zu jeder Zeit prickelnden Mischung, die das Happy-End nie in Zweifel geraten lässt. Leicht enttäuscht bin ich lediglich von dem stark angeteaserten, aber viel zu flach gehaltenem Love Triangle – hier stand der Auserwählte doch schon direkt zu Beginn fest, wird die Geschichte doch aus zwei personalen Erzählperspektiven erzählt, sieht man mal vom Prolog und Epilog ab, die eine dritte Perspektive bekommen – auf die man auch gut hätte verzichten können.

Das Setting ist natürlich malerisch. So entführt die Autorin die Leser:innen an den Bodensee – und nimmt quasi alles mit, was die Region so zu bieten hat, von malerischen Pensionen, Luxushotels, Segeltörns und biodynamischen Bauernhöfen. Zusammen mit den Marmeladen, die in die Handlung eingeflochten sind, manchmal aber etwas zu früh leicht spoilern, wird hier eine perfekte Stimmung erzeugt, um sich wegzuträumen – ich wäre jetzt ebenfalls gern am Bodensee, vermutlich aber lieber in Tims Hotel als in Kathrins Pension.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. So können insbesondere Benno, Leika und Lea als wichtige Nebencharaktere glänzen, während vor allem Emmi oftmals nicht nachvollziehbar handelt. Persephone Haasis Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist ordentlich. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz ist solide. Das Covermotiv setzt sich nahtlos über Buchrücken und Coverrückseite fort, sodass ein einheitliches Gesamtbild entsteht, das die Stimmung des Romans gut auffängt, etwas mehr Anklang aber zur Handlung hätte haben können.

Mein Fazit? „Marmeladensommer“ ist ein perfekter Urlaubsbegleiter, ein Feel-Good-Liebesroman mit tollem Setting, interessanten Rezepten und nur kleineren Schwächen in der Handlung. Für Leser:innen des Genres daher bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von 14 Jahren.

[Buchgedanken] Hera Lind: „Um jeden Preis“

In der letzten Zeit habe ich auch „Um jeden Preis“ von Hera Lind gelesen. Der Roman ist 2025 im Knaur Verlag, einem Imprint der Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG veröffentlicht worden und als (historische) Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

1944 beginnt für die 16-jährige Lydia ein Alptraum, der nicht enden will: Als die Rote Armee auf ihr kleines Dorf bei Odessa in der Ukraine vorrückt, flieht die Familie. Sie schaffen es sogar bis nach Deutschland, doch sie werden zurückgeholt. Mit Mutter und vier Geschwistern wird Lydia bei minus 50 Grad nach Sibirien verschleppt. Zwölf unbarmherzige Jahre lang kämpft sie in einem Gulag ums Überleben und wird Mutter von acht Kindern, von denen sechs überleben. Als man sie endlich aus dem Lager entlässt, ist der eiserne Vorhang dicht. Weitere zwölf Jahre irrt sie mit den Kindern durch die Sowjetunion, immer nur ein Ziel von Augen: um jeden Preis mit ihnen nach Westdeutschland gelangen, auch wenn sie da noch nie war. Denn Deutschland ist ihre Heimat!

„Um jeden Preis“ ist mein erster Roman von Hera Lind – und er lässt sich nicht so einfach einem Genre zuordnen. Beworben als Tatsachenroman, hat das Buch klare biografische Aspekte, beruht die Geschichte doch auf einer wahren Begebenheit. Da aber nicht ganz klar ist, wo hier die Trennlinie zwischen Realität und Fiktion verläuft und wie zuverlässig Erinnerungen an traumatische Erlebnisse sind, habe ich es der Einfachheit halber bei der Eingruppierung als (historische) Familiensaga belassen, wobei die Kategorisierung als Romanbiografie genauso vertretbar gewesen wäre.

In dem Roman begleitet man die Mitglieder der Familie Groß (später größtenteils Judt) in den Jahren von 1927 bis 2021, wobei die Zeit bis 1944 größtenteils ausgespart wird und auch die späten Jahrzehnte größtenteils gerafft werden – hier hätte das ein oder andere Kapitel jeweils noch gut getan, auch wenn man den Roman dann wohl auf zwei Bände hätte strecken müssen. Erzählt wird die Geschichte dabei überwiegend in einer Ich-Perspektive aus Sicht von Lydia, wobei irritierenderweise später weitere Ich-Perspektiven eingestreut werden. Und auch wenn dies im Nachwort durchaus begründet wird, reißen diese Perspektiven doch etwas aus dem Lesefluss und stören die Stringenz, endet damit doch auch die streng chronologische Erzählung der Ereignisse.

Weiterführende Aussagen zur Handlung und zu den Personen verbieten sich aufgrund des starken biografischen Charakters des Romans, auf den Einstieg, der die Entstehungsgeschichte des Romans dargestellt hat, hätte ich jedoch verzichten können – mir hätte das im Nachwort gereicht. Viel lieber wäre ich direkt in Lydias Geschichte eingetaucht, die man noch mit einem Stammbaum oder vielleicht einer Karte, die die unglaublichen Wege der Familie illustriert, hätte versehen können.

Abgesehen davon bietet das Buch anhand des persönlichen Schicksals der Familie einen guten Überblick über die Geschichte der Russlanddeutschen, über die Vertreibung, die Willkür und Grausamkeiten, denen die Kriegsvertriebenen ausgesetzt waren und illustriert an kleinen Beispielen aber auch die Momente der Menschlichkeit, die manchmal den Unterschied zwischen Tod und Leben ausmachen konnten – viel zu sehr ist das teils in Vergessenheit geraten.

Die Buchgestaltung ist gelungen. Lektorat und Korrektorat haben ordentlich gearbeitet, der Buchsatz ist konservativ und fehlerfrei. Der Buchumschlag ist auf dem Cover, der Coverrückseite und dem Buchrücken hochwertig geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen, das Titelmotiv setzt sich gut über den Buchrücken und die Coverrückseite hinweg, sodass ein einheitliches Gesamtbild entsteht, das sich von der Gestaltung auch in die Reihe der anderen Tatsachenromane von Hera Lind integriert. Insgesamt ist mir das Covermotiv aber etwas zu beliebig, auch wenn es natürlich Anklänge zur Handlung zeigt – ein Eyecatcher sieht dann doch anders aus.

Mein Fazit? „Um jeden Preis“ ist eine Familiensaga nach einer wahren Begebenheit, die mit aufrüttelnden und berührenden Schicksalen punktet und dabei nur kleinere Schwächen hat. Für Leser:innen ab 16 Jahren bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Sigrid Zeevaert: „Nuria“

In den letzten Tagen habe ich auch „Nuria“ von Sigrid Zeevaert gelesen. Das von Eleanor Sommer illustrierte Buch ist 2025 im Tulipan Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als illustriertes Kinderbuch einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Im hektischen Alltag der Eltern ist kaum Platz für die achtjährige Nuria. Sie bemüht sich, nicht anzuecken, auch wenn immer wieder was schief läuft. Und so stimmt sie zu, die Ferien bei ihrer eigensinnigen Oma zu verbringen, die sie seit langem nicht gesehen hat, während ihre Eltern mit einem Urlaub zu zweit ihre Ehe retten wollen. Völlig überraschend nimmt Oma Ella Nuria mit auf ihren alten Lastenkahn, um einen Auftrag zu erledigen. Und so beginnt eine abenteuerliche Reise den Fluss entlang. Auch wenn alles fremd für Nuria ist, ist sie entschlossen, sich zu bewähren. Und ihrer Oma, die ihr nichts zutraut, die Stirn zu bieten. Als ein Unwetter den Kahn in Not bringt, ist Nurias Gelegenheit gekommen, zu beweisen, wozu sie fähig ist.

„Nuria“ ist ein mit sporadischen Illustrationen versehenes Kinderbuch, das seitens des Verlags für Leser:innen ab acht Jahren empfohlen wird, eine durchaus altersgerechte Einschätzung. Es ist mein erstes Buch der Kinderbuchautorin Sigrid Zeevaert, die schon dutzende Titel für junge Leser:innen geschrieben hat. Beworben wird das Werk dabei als Buch „über Mut und Selbstbestimmung, die Begegnung mit der Natur und das Miteinander der Generationen“.

Und während diese Themen durchaus angesprochen werden, ist die Handlung grundsätzlich vorhersehbar aber altersgerecht. Allerdings hätten einige Probleme durchaus noch vertieft, einige Konflikte genauer aufgearbeitet werden können – selbst für eine so junge Leserschaft. Und während auch das Ende nicht völlig überzeugt, gelingt es dem Buch – trotz der kleineren Schwächen – dennoch, gerade in der Fahrt mit dem Kahn das Gefühl eines Roadmovies aufkommen zu lassen – und die Liebe zur Natur zu feiern.

Das Setting kann daher vollends überzeugen und gleiches gilt für die schwarz-weißen Bilder von Eleanor Sommer, die sporadisch eingestreut sind und die Handlung wundervoll illustrieren – davon hätten es durchaus noch ein oder zwei mehr sein können. Dabei bilden die Illustrationen und der Text eine wundervolle Einheit, die auch durch den toll gestalteten Buchsatz ergänzt und vervollständigt wird.

Die einzelnen Figuren sind natürlich sehr schematisch gezeichnet, für wirkliche Detailtiefe fehlt allerdings auch der Platz. Während Ella dabei wenig nachvollziehbar handelt und für Irritationen sorgt, können wichtige Nebencharaktere wie Peter und Charly (ja, der Hund) überzeugen. Sigrid Zeevaerts Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen, ist altersgerecht und lässt das Kopfkino sofort anlaufen, auch im Zusammenspiel mit den Illustrationen.

Die Buchgestaltung ist ordentlich. Lektorat und Korrektorat haben solide gearbeitet, der Buchsatz ist – wie oben schon beschrieben – wunderschön, auf die teils spoilernden Kapitelüberschriften hätte aber verzichtet werden können. Das Covermotiv ist wunderschön, greift den Buchsatz und die Handlung auf, wird aber zum Buchrücken hin krass unterbrochen – genau wie zur Coverrückseite, die sonst ebenfalls toll gestaltet ist.

Mein Fazit? „Nuria“ ist ein illustriertes Kinderbuch für Leser:innen ab acht, das wichtige Themen anspricht, aber etwas an der Oberfläche verbleibt, dafür mit seinen Illustrationen glänzen kann. Für Leser:innen ab dem vom Verlag vorgeschlagenen Alter dennoch bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Daniel Handler: „43 Gründe, warum es aus ist“

Vor kurzem habe ich auch „43 Gründe, warum es aus ist“ von Daniel Handler gelesen. Das von Maira Kalman illustrierte und von Birgitt Kollmann übersetzte Jugendbuch ist in der vorliegenden Ausgabe 2025 in der Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG erschienen, die Originalausgabe erschien 2011 unter dem Titel „Why we broke up“ bei Little Brown & Co., New York, eine erste deutsche Übersetzung 2013, ebenfalls bei Hanser. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de

Der gutaussehende Ed ist der Star der Basketballmannschaft, die 16-jährige Min eine sensible, künstlerisch begabte Filmnärrin, die kein Blatt vor den Mund nimmt. Als sich beide auf einer Party begegnen, funkt es gewaltig. Doch beim näheren Kennenlernen zeigt sich, wie grundverschieden sie sind. Ihre Beziehung ist kurz, aber heftig – voller Überraschungen und Entdeckungen, voll Bemühen und Enttäuschung. In einem glühenden Brief erklärt Min Ed, warum es aus ist – und gibt ihm all die Dinge zurück, die in ihrer Beziehung eine Rolle gespielt haben.

„43 Gründe, warum es aus ist“ ist mein erster Roman des weltbekannten Autors, aus dessen Feder auch die Megabestseller-Reihe „A Series of Unfortunate Events“ entstammt, die unter dem Pseudonym Lemony Snicket veröffentlicht wurde. Da auch Illustratorin und Übersetzerin hochdekoriert sind, waren meine Erwartungen dementsprechend hoch – und konnten nicht in Gänze erfüllt werden, doch dazu später mehr. Denn die Genrezuordnung fiel in jedem Fall noch leicht, handelt es sich bei dem Werk doch klar um ein Jugendbuch, das vom Verlag für Leser:innen ab zwölf Jahren empfohlen wird, eine durchaus realistische Alterseinschätzung, die allerdings wirklich die untere Grenze darstellen sollte. Eine geplante Verfilmung des Buches wurde eingestellt.

Die (altersgerechte) Handlung schildert dabei die Geschichte einer gescheiterten Beziehung in 43 Objekten. Und während die Idee durchaus innovativ ist und in Zusammenarbeit mit den Illustrationen von Maira Kalman toll umgesetzt wird, taucht hier bereits das erste Problem auf. Denn durch das vorweggenommene Ende fehlt es an Spannung, die Geschichte wird antiklimaktisch und entwickelt dadurch auch Längen. Hierbei mischt Daniel Handler die atypische Lovestory mit jugendtypischen Themen wie Peer Pressure und familiären Problemen.

Das Setting vermag hingegen zu überzeugen. Eingebettet in ein übliches klein-/mittelstädtisches amerikanisches Setting, spielt sich die Geschichte einmal quer durch die Stadt und macht unter anderen an der High School, in den Kinos und einem teuren Spezialitätenrestaurant halt – um nur einige der Schauplätze zu nennen. Dabei wird durch Mins Liebe zu dem Kino früherer Jahrzehnte nahezu jede Szene mit (fiktiven) filmischen Szenen illustriert, mit Zitaten bestückt, mit Schauspieler:innen und Handlungssträngen abgeglichen – eine tolle Hommage an die alten Zeiten.

Maira Kalmans Bilder illustrieren die titelgebenden 43 Objekte und hauchen ihnen Leben ein, etwas, das den Figuren durchaus teilweise fehlt. So haben Ed und Min tolle Momente, sie handeln aber gelegentlich auch nicht nachvollziehbar, sind – wie auch einige der Nebencharaktere – teils noch etwas schematisch dargestellt. Daniel Handlers Schreibstil lässt dabei in Zusammenarbeit mit den Bildern das Kopfkino durchaus anlaufen und sich größtenteils leicht und flüssig lesen, die Dialoge lassen hierbei aufgrund unklarer Sprecher:innen-Zuordnung den Lesefluss dann aber doch etwas stocken.

Die Buchgestaltung kann größtenteils glänzen. Lektorat und Korrektorat haben solide gearbeitet, der Buchsatz überrascht durchaus. Der Umschlag ist mit Klappen und farbigen, aber eintönigen Coverinnenseiten versehen, Cover, Coverrückseite, Buchrücken und Farbschnitt mit den Gegenständen illustriert, die eine Verbindung zur Story herstellen. Insgesamt ist der Umschlag dennoch etwas eintönig und trotz der tollen Aufmachung das Cover eher kein Eyecatcher.

Mein Fazit? „43 Gründe, warum es aus ist“ ist ein ambitioniertes Jugendbuch mit toller Idee und schönem Setting, das aber etwas in der Umsetzung verliert und in den Dialogen nicht gänzlich überzeugt. Für Leser:innen und Filmliebhaber:innen ab zwölf Jahren dennoch noch zu empfehlen.

[Buchgedanken] Alexandra Kui: „Was hast du nur getan?“

Vor kurzem habe ich auch „Was hast du nur getan?“ von Alexandra Kui gelesen. Das Buch ist 2025 als cbt Taschenbuch im cbj Kinder- und Jugendbuchverlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als Jugendthriller einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Arthur Otto Falkenberg ist tot. Tot liegt er auf dem Schulhof unter einer Decke, damit man das Blut nicht sieht. Während die Polizei von einem Selbstmord ausgeht, werden Cassidy und ihre Clique von der Schulleiterin gebeten, sich um die anderen Schüler zu kümmern und die Ohren offen zu halten, um einen Skandal an ihrer Schule zu vermeiden. Doch bald häufen sich die Hinweise, dass mehr hinter Arthurs Tod steckt. Wie passen Drogenkäufe in das Image des Musterschülers? Wie viele Tränen der Schüler sind eigentlich Freudentränen? Während Cassidy selbst die Ermittlungen aufnimmt, geraten sie und ihre Clique ins Visier der Polizei. Denn eine von ihnen kannte den Toten besser, als sie zugibt.

„Was hast du nur getan?“ ist mein erster Roman der Krimi- und Thrillerautorin Alexandra Kui. Dabei lässt sich der Roman relativ leicht einem Genre zuordnen. Während das Buch teils als Schulthriller beworben wird – wohl ein noch tieferes Subgenre – würde ich das Buch als Jugendthriller einordnen. Zudem zeigt das Buch ganz leichte Elemente eines Entwicklungsromans und von Coming of Age, da die Protagonist:innen doch starke Wandlungen durchleben. Der Fokus liegt jedoch klar auf der Krimi- bzw. Thrillerhandlung, sodass jegliche andere Kategorisierung aus meiner Sicht ausgeschlossen sein sollte.

Denn die Handlung ist durchaus spannend und abwechslungsreich – und altersgerecht, wird der Roman doch seitens des Verlags für Leser:innen ab 14 Jahren empfohlen, ein relativ hohes (Mindest-)Alter für einen Jugendthriller. Und so spart der Roman auch nicht an körperlicher und psychischer Gewalt sowie einer Vielzahl an dysfunktionalen Beziehungen – sowohl zwischen Gleichaltrigen als auch innerhalb der Familien. Allerdings kann das Ende dann doch nicht ganz mithalten, löst zwar den Todesfall auf, lässt aber sonst vieles vermissen und wirft neue Fragen und Probleme auf, sodass ein leicht schaler Beigeschmack verbleibt.

Das Setting ist naturgemäß gelungen, aber austauschbar. So entführt uns die Autorin in ein urbanes norddeutsches Idyll, in eine Stadt mit Villenviertel, Schule, Freibad, Skaterpark und Tennisplätzen in der Nähe von Hamburg – die Geschichte hätte aber genau so gut an nahezu jedem anderen Ort funktioniert. Zentraler Ort des Geschehens ist hier die (ebenfalls sehr dysfunktionale) Schule. Jugendtypische Probleme wie Freundschaft, erste Liebe, Mobbing, Statusdenken, Cliquenbildung und familiäre Vernachlässigung werden hier mit der Thrillerhandlung zu einem Gesamtkonstrukt verflochten, das doch etwas überladen ist – und da sind die beiläufig eingestreuten Themen wie Fluchterfahrung, aufenthaltsrechtliche Probleme, Drogenkonsum und latenter Rassismus noch gar nicht mit eingerechnet.

Die einzelnen Figuren sind teils doch sehr schematisch angelegt, und handeln – vor allem, was die erwachsenen Charaktere betrifft – gelegentlich sehr abstrus und wenig nachvollziehbar. Frau Sturm, Herr Nowak, Monas Vater und Nadja sorgen für permanentes Kopfschütteln, lediglich einige der „jüngeren“ Protagonist:innen können hier punkten – vor allem Leo und Mona überzeugen. Alexandra Kuis Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen, ist altersgerecht, aber nicht aufdringlich jugendsprachlich, und lässt das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist ordentlich. Lektorat und Korrektorat haben solide gearbeitet, der Buchsatz ist gelungen und startet die größeren Sinnabschnitte auf ungeraden Seiten. Der Buchumschlag ist genretypisch gestaltet, das Covermotiv setzt sich mit den Blutspritzern nahtlos auf Buchrücken und Coverrückseite fort, sodass ein einheitliches Gesamtbild entsteht. Das Covermotiv ist jedoch austauschbar und eher belanglos, es fehlt hier der konkrete Bezug zur Handlung.

Mein Fazit? „Was hast du nur getan?“ ist ein solider Jugendthriller, der vor allem mit seiner Spannung und Kurzweil punktet, aber auch in den Charakteren und zum Ende hin etwas schwächelt. Für Leser:innen ab dem vom Verlag vorgegebenen Alter von 14 Jahren dennoch zu empfehlen.

[Buchgedanken] Fynn Jacob: „Brennendes Watt“ (Jaspari/van Loon 3)

In den letzten Tagen habe ich auch „Brennendes Watt“ von Fynn Jacob (Christian Kuhn) gelesen. Der Roman ist 2025 im Wilhelm Heyne Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Iska van Loon, erfahrene Beamtin der Nationale Politie, und der ehrgeizige Kriminalhauptkommissar Marten Jaspari stehen vor einem brisanten Fall. Luuk Raand, Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma, die das LNG-Terminal bei Eemshaven schützt, wird tot am Strand von Borkum angespült. Eine Spur führt zu radikalen Umweltschützern, die Missstände bei der Erdgasverarbeitung aufdecken wollen, eine andere in das undurchsichtige private Umfeld des Opfers. Als schließlich im Hamburger Hafen der Kapitän eines Containerschiffes verschwindet, erreicht der Fall ungeahnte Dimensionen. Iska und Marten müssen alles riskieren, um zu verhindern, dass an der Nordsee ein flammendes Inferno ausbricht …

„Brennendes Watt“ ist der dritte Teil der Krimireihe um das internationale Ermittlerduo Marten Jaspari und Iska van Loon, der von Christian Kuhn unter dem Pseudonym Fynn Jacob veröffentlicht wurde. Dabei lässt sich der Roman gut als Standalone lesen, werden doch wichtige Stationen in der Vergangenheit der Protagonist:innen wieder aufgegriffen und erläutert. Die Genrezuordnung ist jedoch nicht so einfach, wie der Aufdruck „Kriminalroman“ auf dem Cover vermuten lässt. Denn phasenweise mutet das Buch mehr wie ein Thriller an, ließe sich sogar den Untergenres Agententhriller oder Spionagethriller zuordnen. Der Einfachheit halber habe ich es aber bei der Kategorisierung des Verlags belassen, auch um den Sinnzusammenhang der Reihe beizubehalten.

Die Handlung ist hochspannend, kurzweilig und hält gelegentlich auch eine unerwartete Wendung parat, auch wenn sie durchaus das ein oder andere Rollenklischee bedient. Zudem ist sie teils etwas überfrachtet, da die Protagonist:innen noch mit persönlichen Dramen belastet werden – den ein oder anderen Nebenhandlungsstrang hätte man für die Klarheit und Stringenz durchaus auch weglassen können. Auch das Ende bleibt relativ offen – sowohl, was die Identität der Täter:innen als auch was die Zukunft von Jaspari/van Loon betrifft. Ich bin daher mal gespannt, ob die Reihe hiermit beendet ist oder, falls nicht, wie die Folgebände die Handlung wieder aufgreifen.

Das Setting kann naturgemäß glänzen. So nimmt der Autor die Leser:innen mit auf eine Reise durch einen Großteil des deutsch-niederländischen Nordseeraums und greift dabei gesellschaftlich relevante Themen wie Umweltschutz, den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine und die damit verbundene Energieunsicherheit sowie den teils fließenden Übergang zwischen zivilgesellschaftlichem Engagement und militantem Aktivismus auf. Erzählt wird dieses bunte Potpourri in multiplen personalen Erzählperspektiven, die teils nacheinander parallel stattfindende Ereignisse wiedergeben, was die Stringenz der Handlung etwas bricht.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei brillieren insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Karin und Banisch, aber auch die beiden Protagonist:innen können mit Abstrichen durchaus überzeugen – sicherlich wäre das Bild hier nochmal etwas anders, wenn ich die Charakterentwicklung über die komplette Reihe hinweg mitbekommen hätte. Fynn Jacobs Schreibstil lässt sich darüber hinaus flüssig und leicht lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz sind zwar Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss aber nicht erheblich schmälern. Der Umschlag ist mit Klappen versehen, die Gesamtgestaltung passt sich gut in die Reihe ein. Das Covermotiv ist dennoch eher austauschbar und beliebig und wird zum Buchrücken hin unterbrochen, der – genau wie die Coverrückseite – zudem eher eintönig und schlicht daherkommt.

Mein Fazit? „Brennendes Watt“ ist ein spannender und hochaktueller Kriminalroman mit tollem Setting, aber auch mit kleineren Schwächen. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Asa Avdic: „Hinters Licht“

In der letzten Zeit habe ich auch „Hinters Licht“ von Asa Avdic gelesen. Das Buch ist 2025 im Arche Literatur Verlag, einem Imprint der Atrium Verlag AG erschienen, die Originalausgabe wurde 2023 unter dem Titel „Ett Liv Till“ im Albert Bonniers Förlag, Stockholm veröffentlicht. Das Werk ist als historischer Roman einzuordnen, für die Übersetzung aus dem Schwedischen zeichnet Stefanie Werner verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

„Assistent für spiritistisches Forschungsprojekt gesucht“. Als Ruth Doran im Frühsommer 1919 auf diese ungewöhnliche Anzeige stößt, hat sie ihren Traum von einer wissenschaftlichen Karriere bereits aufgegeben. Ihre glänzende Zukunft als Mathematikerin musste nach ihrer Heirat ein jähes Ende finden. Doch nun, als Witze mit drei Kindern, braucht sie dringend einen Job, und außerdem reizt sie die Zusammenarbeit mit dem schillernden Thomas Bradford, in den sie sich Hals über Kopf verliebt. Gemeinsam forschen die beiden an Möglichkeiten, Botschaften Verstorbener aus dem Jenseits zu empfangen – mit fatalen Folgen.

„Hinters Licht“ ist mein erstes Buch der Journalistin Asa Avdic – und bereits die Genrezuordnung fällt schwer. Eine Kategorisierung als Gegenwartsliteratur – wie durchaus auf Verkaufsportalen zu finden – scheidet aufgrund der doch mehr als hundert Jahre in der Vergangenheit spielenden Handlung eher aus, deckt das Buch doch im Wesentlichen die Zeitspanne von 1919 bis 1921 ab, mit kleineren Ausflügen in einen noch früheren Zeitraum ab 1903. Auch ist das Buch keine Romanbiografie, da sich die Autorin zwar realer Persönlichkeiten bedient, aber doch laut eigenen Aussagen massiv von deren bekannten Lebensgeschichten abweicht, sodass ich es schlussendlich aufgrund der Handlungszeit schlicht als historischen Roman betitelt habe, der aber ebenfalls erheblich von den künstlerischen Freiheiten Gebrauch macht.

Die Handlung wird dabei in multiplen Zeitebenen erzählt, im Wesentlichen bewegen wir uns einerseits in der „Gegenwart“ 1921, die vor allem über Tagebucheinträge dargestellt wird, sowie in den Jahren 1919 und 1920, zwischen denen munter hin- und hergesprungen wird. Dabei ist der Erzähler durchaus allwissend und spricht teils die Leser direkt an, sorgt für Hintergrundinformationen oder lässt mild spoilernd Schlimmes erahnen – eine aus meiner Sicht eher unglücklich gewählte Perspektive, hätte man doch über einen personalisierten (oder sogar einen Ich-Erzähler) eine stärkere Bindung zu Ruth aufbauen, ihre Obsession vielleicht sogar besser verstehen können.

Das Setting vermag hingegen auf ganzer Linie zu überzeugen. So entführt Asa Avdic die Leser:innen ins Amerika der unmittelbaren Nachkriegszeit, in ein Land zwischen Prohibition, bahnbrechenden Erfindungen und Rassentrennung, ein Land, das so widersprüchlich in sich ist/war, dass es damals sicherlich den idealen Nährboden für den Spiritismus geboten hat. Dessen Ideen und abstruse Experimente bringt die Autorin den Leser:innen dabei nah, ohne selbst allzu sehr Partei zu ergreifen im „ewigen“ Kampf zwischen Wissenschaft und Esoterik/Okkultismus. Asa Avdic mischt hierbei eine (toxische) Liebesgeschichte mit der sehr freien historischen Handlung, sodass ein unglaublich gefühlsintensives Gesamtkonstrukt entsteht.

Der Kreis an handelnden Figuren ist aufgrund der starken Konzentration auf Ruth und Thomas doch sehr beschränkt. Im Wesentlichen können hier vor allem Nebenfiguren wie Bradley und Evelyn glänzen und überzeugen, während insbesondere Ruth nicht wirklich nachvollziehbar handelt und gerade am Schluss auch etwas an Glaubhaftigkeit einbüßt, ist ihre Entwicklung doch nicht wirklich plausibel. Asa Avdics Schreibstil lässt sich hingegen leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen – in diesem Metier eine wirklich spannende Erfahrung.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben im Wesentlichen sauber gearbeitet, der Buchsatz beginnt die größeren Sinnabschnitte auch auf ungeraden Seiten, die Geschichte wird durch ein einordnendes Nachwort abgerundet. Der Buchumschlag punktet mit fließenden Übergängen vom Cover nicht nur zum Buchrücken sondern auch zur Coverrückseite und den Klappen, sodass ein tolles Gesamtbild entsteht, das Covermotiv ist jedoch belanglos und austauschbar, das Buch unter dem Umschlag schlicht.

Mein Fazit? „Hinters Licht“ ist ein ambitionierter historischer Roman, der mit einem spannenden Thema und einem tollen Setting punkten kann, deren Charaktere und Erzählweise aber nicht in Gänze überzeugen. Für Leser:innen des Genres, die Interesse an dem Thema haben, dennoch zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Carolin Otto: „Berchtesgaden“

Bevor es Morgen mit den Messeberichten weitergeht, habe ich heute noch eine Rezension für Euch. Denn in der letzten Zeit – auch während der Messe – habe ich „Berchtesgaden“ von Carolin Otto gelesen. Das Buch ist 2025 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG erschienen und als historischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die verlagseigene Bloggerjury.

Berchtesgaden im Mai 1945. Die Lieblingsstadt des Führers kapituliert, die US-Amerikaner übernehmen die Regierung. Trotz ihres bescheidenen Englischs tritt die 19-jährige Sophie eine Stelle beim Military Government an, wo sie zum ersten Mal mit der ganzen Wahrheit über die deutschen Verbrechen konfrontiert wird. Sie trifft dort Menschen, die den Blick auf ihre eigene Familie verändern. Da ist ihr Chef, der jüdische Emigrant Frank, der mit den GIs in seine Heimat zurückkehrt, in der plötzlich alle »von nichts gewusst« haben wollen. Und seine Freundin, die glamouröse Kriegsreporterin Meg, die den Siegeszug der Alliierten mit ihrer Kamera begleitet. Der einst zum Tode verurteilte Rudolf Kriss, der nun Bürgermeister ist. Und der schwarze GI Sam, in den Sophie sich verliebt. Im Schatten des Obersalzbergs kreuzen sich ihre Wege auf schicksalhafte Weise …

„Berchtesgaden“ ist der Debütroman von Carolin Otto, die als Drehbuchautorin tätig ist und seit 2019 der FES, der Vereinigung der europäischen Drehbuchautor:innen, vorsteht. Und so war – eigenen Angaben zufolge – „Berchtesgaden“ auch als Serienvorlage konzipiert, bevor es in Romanform gegossen worden ist. Dabei lässt sich das Buch aufgrund der doch viele Jahrzehnte zurückliegenden Handlung gut als historischer Roman einordnen, die teils auf Verkaufsplattformen vorgenommene Eingruppierung als Gegenwartsliteratur greift hier eher nicht mehr. Auch andere Kategorisierungen – sei es die als Schicksalsroman oder als Familiensaga – scheiden vorliegend eher aus.

Denn die Handlung deckt nur einen relativ kurzen Zeitraum von knapp vier Monaten ab (Ende April 1945 bis etwa Ende August 1945), ist also mehr Momentaufnahme der damaligen Zeit. Dabei ist die Handlung unweigerlich spannend, abwechslungsreich und hochinteressant, zeigt sie doch auch Entwicklungen und präsentiert, durchaus gut recherchierte, Fakten, die vielleicht nicht allgemein bekannt sind. Jedoch endet der Roman für die Leser:innen leider auch unerwartet offen, werden doch kaum Handlungsstränge zufriedenstellend aufgelöst.

Das Setting kann hingegen auf ganzer Linie glänzen. So entführt die Autorin die Leser:innen ins Berchtesgaden des Kriegsendes und der unmittelbaren Nachkriegszeit, in eine Stadt zwischen nationalsozialistischem Stolz, amerikanischer Besatzung und ersten Demokratiebestrebungen. Dabei gelingt es der Autorin gut, ein Porträt der zerrissenen Gesellschaft zwischen Ohnmacht, Hoffnung und Wut zu zeichnen – und dies aus multiplen Perspektiven zu erzählen – obwohl Sophie sicherlich als Hauptprotagonistin des Romans fungiert.

Sie und die anderen Charaktere sind dabei vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Und während Sophie und auch Meg und Frank hier brillieren, verbleiben Magda und Sam doch etwas eindimensionaler und handeln nicht zwingend nachvollziehbar. Carolin Ottos Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen – hat aber auch, wie das Nachwort selbst zugibt, zugunsten der Lesbarkeit sowohl auf historisch authentische Sprache als auch aufs Dialektische weitgehend verzichtet.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss nicht erheblich schmälern, der Buchsatz ist gelungen und lässt zumindest die fünf großen Sinnabschnitte jeweils auf ungeraden Buchseiten starten, auch wenn man die Briefe etwas stärker hätte vom Rest absetzen können. Die Geschichte wird hierbei durch ein einordnendes Nachwort sowie ein Literatur- und Zitatverzeichnis abgerundet, gern hätte ich mir hier noch einen Zeitstrahl der relevanten historischen Egeignisse gewünscht. Das Cover vermag mich jedoch nicht vollends zu überzeugen, wirkt etwas beliebig und austauschbar und ist kein Eyecatcher, das Hardcover unter dem Umschlag ist erwartbar schlicht.

Mein Fazit? „Berchtesgaden“ ist ein überzeugendes Debüt, das wichtige Themen anspricht und mit seinem Setting und einer starken Protagonistin glänzen kann, leider jedoch etwas offen endet. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag vorgeschlagenen Lesealter von 16 Jahren.