[Buchgedanken] Lou Sandberg: „Branderbe“ (Buck und Lange 3)

Und noch eine weitere Rezension habe ich frisch von der Leipziger Buchmesse für Euch. Denn in den letzten Tagen habe ich auch „Branderbe“ von Lou Sandberg gelesen. Das Buch ist 2025 im Selfpublishing über Books on Demand (BoD) erschienen und als Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Bei einem Wohnungsbrand im Frankfurter Nordend kommt ein alter Mann ums Leben. War es ein tragischer Unfall oder steckt mehr dahinter? Für Kriminalhauptkommissar Sebastian Buck und seine Kollegin Maike Lange scheint der Fall schnell klar. Sie ahnen nicht, dass ein weiterer Mensch in Lebensgefahr schwebt.

„Branderbe“ ist nach „Mainblüte“ mein zweiter, und insgesamt der dritte Roman um das Ermittelnden-Duo Maike Lange und Sebastian Buck. Dabei lässt sich der Roman gut als Standalone lesen. Zwar ist das Vorwissen aus dem Vorgängerband sicherlich hilfreich, zentrale Wendepunkte in den Leben der Ermittler:innen werden aber von der Autorin auch in diesem Band wieder ausgeführt, um deren Handeln nachvollziehbarer zu gestalten. Und auch die Genrezuordnung verbleibt relativ klar, wird das Buch doch auf dem Cover – zutreffend – bereits als Kriminalroman gelabelt.

Die Handlung ist durchaus kurzweilig und spannend, wenn auch atypisch, sind doch alle Täter bereits relativ früh bekannt. Apropos alle Täter: Irritierend ist auch, dass der eigentliche Kriminalfall relativ schnell von einem viel größeren, spannenderen und brenzligeren Fall überlagert wird, der die Handlung dominiert und viel mehr Raum einnimmt. Dabei werden auch in diesem Roman wieder eine Bandbreite an gesellschaftlichen Themen angerissen, im Gegensatz zu Band zwei fehlt es hier aber leider an der Auflistung entsprechender Hilfsangebote für Betroffene. Auch über Content Notes hätte man wieder nachdenken können.

Das Setting bleibt unverändert. So entführt die Autorin die Leser:innen erneut nach Frankfurt, auch wenn dieses Mal durchaus andere Seiten der Stadt gezeigt werden und – wie oben bereits angerissen – andere Themen besprochen werden, geht es doch dieses Mal um Mietwucher, Demenz, häusliche Gewalt und Pflege. Dabei kommen die Ermittelnden fast etwas zu kurz, ihre im Vorband noch präsenteren eigenen Lebenskrisen und -Probleme treten dieses Mal gänzlich in den Hintergrund – zumindest bis zum Epilog, der einen milden, aber durchaus interessanten Cliffhanger präsentiert.

So entwickeln sich auch die Figuren – zumindest bei den Ermittler:innen – nur bedingt weiter, am ehesten kann hier dieses Mal Maike überzeugen, sodass das Buch insgesamt einmal mehr im Nebencast glänzt, der mit Alma und Dr. Bruckner zwei durchaus tolle Charaktere vorzuweisen hat. Lou Sandbergs Schreibstil lässt sich – erneut – leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss nicht erheblich schmälern, der Buchsatz ist ordentlich. Das Covermotiv setzt sich nahtlos auf Buchrücken und Coverrückseite fort, ist zwar kein Eyecatcher, aber durchaus genretypisch und bildet mit den Covern der vorherigen Bände ein einheitliches Erscheinungsbild für die komplette Reihe.

Mein Fazit? „Branderbe“ ist eine gelungene Fortsetzung, die als Standalone funktioniert und wichtige Themen anspricht, dabei aber atypisch zu einem anderen Fall switcht und die Ermittler:innen etwas vernachlässigt. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 16 Jahren.

[Buchgedanken] Lou Sandberg: „Mainblüte“ (Buck & Lange 2)

Vor kurzem habe ich auch „Mainblüte“ von Lou Sandberg gelesen. Das Buch ist 2024 im Selfpublishing über BoD (Books on Demand GmbH) veröffentlicht worden und als Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Im Licht- und Luftbad am Frankfurter Mainufer liegt die Leiche eines Kindes. Der Junge trägt ein weißes Kleid und ruht in einem Meer aus Blütenblättern. Alle Anzeichen deuten auf einen selbst gewählten Tod – und eine selbst gewählte Identität: Tyra. Aber wer ist Tyra? Sebastian Buck, Frankfurter wider Willen, und seine Kollegin Maike Lange machen sich auf die Suche nach Antworten. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, denn Tyra hat eine Schwester, die nur eines will: Rache.

„Mainblüte“ ist nach „Strohtod“ der zweite Band der Reihe um Kriminalhauptkommissar Sebastian Buck und Kriminaloberkommissarin Maike Lange – mittlerweile existiert mit „Branderbe“ auch ein dritter Teil. „Mainblüte“ lässt sich dabei gut als Standalone lesen, werden doch relevante Stationen der Vergangenheit von beiden Protagonist:innen erklärt und eingebunden, sodass man nicht das Gefühl hat, den ersten Teil zu vermissen. Die Genrezuordnung ist jedoch nicht ganz leicht, ich habe es der Einfachheit halber bei der Einordnung der Autorin als „Kriminalroman“ belassen.

Denn die Handlung entspricht durchaus nicht einem klassischen Krimi, liegt doch weder ein Verbrechen vor, noch muss groß ermittelt werden. Vielmehr zeigt das Buch Anklänge an einen Jugendthriller, an einen Schicksalsroman und an Gegenwartsliteratur – halt mit Polizist:innen. Insbesondere in der ersten Hälfte ist das Buch daher eher ereignisarm, aber nichtsdestotrotz sehr interessant und abwechslungsreich, auch wenn die Vielzahl an behandelnden Themen von (u.a.) Transidentität, Cybermobbing, sexuellem Missbrauch Schutzbefohlener, Integrationsmängeln, Queerfeindlichkeit, Patchworkfamilien, Gewaltausbrüchen und Suizid dafür sorgt, dass man hier eher an der Oberfläche verbleibt.

Dennoch kann das Setting überzeugen. So entführt die Autorin ihre Leser:innen nach Frankfurt am Main, aber nicht in die schillernde Bankmetropole sondern eher in die verschiedenen Milieus zwischen Eckkneipen und verlassenen Freibädern, auch wenn hier manchmal durchaus Klischees bedient werden – auch bei der etwas zu offensiv eingesetzten Jugendsprache, die sogar per Glossar noch erklärt wird. Zudem endet das Buch leider etwas offen – die Konsequenzen der Handlungen der Figuren werden zumindest in diesem Band leider nicht mehr beleuchtet, sondern nur teils angedeutet, und auch die Perspektive wechselt sehr regelmäßig, teils auch mitten in den Kapiteln.

Die einzelnen Figuren sind vielschichtig, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive und entwickeln sich – zumindest was das Ermittelnden-Duo angeht – sicherlich auch von Band zu Band weiter. In diesem Roman überzeugen vor allem wichtige Nebencharaktere w.ie Shirin und OB, während auch Maike glänzen kann, Buck aber noch etwas farblos verbleibt. Lou Sandbergs Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen. Dabei hilft es sicherlich, dass die Nachstellung der Ophelia-Szene momentan in aller Munde ist – wenn auch eher durch ein Bild im Museum Wiesbaden und nicht durch das Werk im Tate Britain.

Die Buchgestaltung ist solide. Sofern durchgeführt sind Lektorat und Korrektorat zwar Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss aber nicht erheblich schmälern, der Buchsatz ist ordentlich. Die Geschichte wird mit dem bereits erwähnten Glossar und einer Liste von Hilfsangeboten für diverse Themen abgerundet (unglaublich wichtig!), aufgrund der brisanten Themen hätten sich zudem Content Notes angeboten. Das Cover bzw. der Buchumschlag generell ist farblich toll und zeigt Anklänge zur Handlung, ist insgesamt aber eher unauffällig und schlicht. Ob es gelingt, über alle Bände hinweg ein einheitliches Gesamtbild mit Wiedererkennungswert zu schaffen, bleibt zudem abzuwarten.

Mein Fazit? „Mainblüte“ ist ein ungewöhnlicher Kriminalroman, der wichtige Themen anspricht und abwechslungsreich ist, aber auch etwas an der Oberfläche verbleibt und kleinere Schwächen hat. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – aber nicht unter einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Julian Niedermeier: „Exzess & Vernunft“

In der letzten Zeit habe ich auch „Exzess & Vernunft“ von Julian Niedermeier gelesen. Das Buch ist 2024 im Selfpublishing über Books on Demand veröffentlicht worden und als dystopischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Autor für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars nach Rezensionsangebot durch den Autor.

Die Welt ist gespalten. Exzess und Vernunft. Party, Orgien und Pillen auf der einen Seite, Selbstgeißelung, Gesetze und Monotonie auf der anderen. Zumindest sieht es so der Mittzwanziger Bac, der im Exzess aufgewachsen ist. Für ihn gibt es nur noch einen Weg, die Menschen aus der Vernunft von der einzig wahren Freiheit des Exzesses zu überzeugen: Sich dem seit Jahrzehnten tobenden Krieg anschließen. Über Umwege gelangen ausgerechnet er und seine große, toxische Liebe, Rahel, als Gefangene in der Vernunft. Wohl oder übel müssen sie sich den dortigen Konventionen anpassen. Dabei bemerken beide auf ihre eigene Art und Weise, dass die Vernunft durchaus auch gute Seiten hat. Manche Dinge laufen sogar besser als im Exzess. Zum ersten Mal seit Jahren wieder ohne chemische Substanzen im Blut, sehen sie die Welt, in der sie aufgewachsen sind, mit ganz anderen Augen. Schon bald stellt sich für beide also die entscheidende Frage: Was will ich wirklich? Exzess oder Vernunft?

„Exzess oder Vernunft“ ist mein erstes Buch von Julian Niedermeier – und lässt sich meines Erachtens entgegen der Angaben im Nachwort doch sehr klar als dystopischer Roman eingruppieren, auch eine Kategorisierung als Science Fiction wäre wohl möglich. Dabei wird der Roman in verschiedenen Zeitformen erzählt – was zumindest anfangs irritiert, aber durchaus im Kontext Sinn macht, sodass man etwas braucht, um in einen wirklichen Lesefluss zu kommen.

Die Handlung ist hierbei spannend und abwechslungsreich und wartet mit der ein oder anderen unerwarteten Wendung auf. Dabei ist sie schonungslos brutal und explizit, insbesondere der Exzess bietet hier auch Szenen, die durchaus verstörend sind – genau wie die unbestechliche Rationalität der Vernunft auch für das ein oder andere Stirnrunzeln sorgen kann. So wie die Grenzen zuletzt verschwimmen, baut jedoch auch die Handlung im letzten Teil etwas ab und gipfelt in einem Ende, das leider nicht gänzlich überzeugen kann.

Das Setting ist gelungen. So entführt der Autor die Leser:innen in den Exzess und die Vernunft, in eine chaotische Stadt, die den Eskapismus feiert, und in eine Planstadt, die nach festen Regeln spielt. Dabei zeigt Julian Niedermeier souverän auf, dass sowohl Exzess als auch Vernunft in der Realität Berechtigung haben, beides jedoch in Maßen dosiert werden muss – und führ den Leser:innen auch die Sinnlosigkeit von Kriegen vor Augen, insbesondere, wenn diese schlicht von Generation zu Generation weitergereicht werden. Lediglich der irritierende Widerspruch der fast archaischen Kriegsführung in der doch hochtechnologisierten Welt irritiert – hier hätte ich mir einen konsequenteren Weltenbau gewünscht.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei überzeugen insbesondere Maya und Franz als wichtige Nebencharaktere, während gerade Bacchus zwischenzeitlich etwas blass verbleibt. Julian Niedermeiers Schreibstil lässt sich hierbei leicht und flüssig lesen – auch wenn die Dialoge durch die starke Verwendung der Umgangssprache im Exzess durchaus schwere Kost sind und etwas den Lesefluss verringern.

Die Buchgestaltung ist jedoch durchwachsen. Lektorat und Korrektorat sind insbesondere in der zweiten Hälfte durchaus einige gröbere Fehler durchgerutscht, der Buchsatz ist aufgrund der fehlenden automatischen Silbentrennung sehr unruhig und unbeständig. Immerhin kann der Umschlag durch eine einheitliche Gestaltung von Cover, Coverrückseite und Buchrücken punkten, das Yin-Yang-Schema, der Gegensatz von Exzess und Vernunft wird hier gut aufgegriffen und klar dargestellt. Gern hätte man die Handlung im Anhang oder vorangestellt aber noch mit einer Karte oder einem Glossar abrunden können, um ein noch besseres Leseerlebnis für die Leser:innen zu erschaffen.

Mein Fazit? „Exzess & Vernunft“ ist ein dystopischer Roman mit einer starken Prämisse und einem gelungenen Setting, der mit seiner schonungslosen Brutalität punktet, gerade am Ende aber und auch handwerklich jedoch kleinere Schwächen aufweist. Für Leser:innen des Genres dennoch zu empfehlen – allerdings erst ab einem Lesealter von 18 Jahren.

Von dystopischen Settings und fantastischen Twists | Doppelte Buchpost

Bevor es ab Morgen wieder mit einigen Buchbesprechungen weitergeht, habe ich heute noch einmal zwei Rezensionsexemplare für Euch, die mich jeweils nach Rezensionsangeboten seitens der Autoren erreichten – vielen Dank dafür! „Exzess & Vernunft“ von Julian Niedermeier (Selfpublishing, Books on Demand) ist hierbei ein dystopischer Science-Fiction-Roman, während sich „Der Fall der Fantasie“ von Markus Grundtner (edition keiper) als Justizroman mit fantastischem Twist präsentiert – insbesondere auf das Rollenspielelement bin ich hier schon ganz gespannt!

Lest Ihr gern Romane, die Realität und Fantasie miteinander vermischen?

It’s getting hot | Romantisch-erotische Reihenauftakte

Und auch diese beiden tollen Bücher waren in dem wundervollen Adventskalenderpäckchen der Autoren-WG enthalten, zusammen mit den Postkarten, Lesezeichen und noch vielen anderen Goodies. Dabei sind sowohl „Kiss me! Athan“ als auch „Tjara – Erwählte des Schattens“ von Faye Bilgett im Selfpublishing über Books on Demand veröffentlicht worden und begründen jeweils eine Buchreihe. Basierend auf den Klappentexten und Covern und nach einer – wenig zielführenden – Kurzrecherche würde ich vermuten, dass mich hier Erotik oder Dark Romance und Romantasy erwarten – ich lasse mich aber gern auch überraschen. Klar sollte in jedem Fall aber sein: It’s getting hot!

Mögt Ihr Bücher mit Sexszenen?

Selfpublishing im Doppelpack | Adventliche Buchpost

Vor einigen Tagen erreichte mich eine tolle, adventliche Überraschung – ein Selfpublishing-Buchpaket aus dem Adventskalendergewinnspiel der Autoren-WG – vielen Dank dafür <3. Darin enthalten unter anderem: „Wie Schwimmen im Meer“ von Matti Laaksonen (B.o.D) und „Abby – Mit Butch Cassidy auf dem Outlaw Trail“ von Claudia Fischer (ebenfalls Books on Demand). Ersteres ist dabei ein queerer Young-Adult und Coming-of-Age Roman, während Claudias Buch der Auftakt in eine vierbändige historische Westernreihe ist und vormals bereits bei Bogner Media & Packaging veröffentlicht worden ist – ich bin gespannt! Im weiteren Verlauf der Woche zeige ich Euch dann noch die beiden weiteren, im Paket enthaltenen Bücher (und Teile der Goodies).

Welches Selfpublishing-Buch habt Ihr zuletzt gelesen?

Von neuen Wegen und alten Erinnerungen | Lovelybooks-Buchpost

Vor kurzem erreichten mich auch diese beiden Bücher über Lovelybooks.de – vielen Dank dafür. „Erinnerung und Lüge“ von Anne-Marie Garat (Goya Verlag, JUMBO Neue Medien & Verlag GmbH) kam dabei als Rezensionsexemplar im Rahmen einer Leserunde zu mir, „Neue Wege der Lust“ von Alisha Schmidt (Selfpublishing, Books on Demand) als Gewinn einer Buchverlosung. Ein Sachbuch und Ratgeber, eine Familiensaga und Generationenroman: so unterschiedlich waren meine Neuzugänge wohl noch nie. Ich bin auf beide Bücher jedenfalls schon sehr gespannt!

Welches Buch ist zuletzt bei Euch eingezogen?

[Buchgedanken] Jörg Kohn: „1799 – Die Schatten von Oldenburg“ (von Marburg 1)

Vor einiger Zeit habe ich den historischen Kriminalroman „1799 – Die Schatten von Oldenburg“ von Jörg Kohn gelesen. Das Buch ist 2022 in der Gmeiner-Verlag GmbH veröffentlicht worden, die Erstausgabe erschien 2021 unter dem Titel „1799 – Oldenburger Morde“ und Autorennamen „Jörg Hartmut Kohn“ bei BoD. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Oldenburg, Juni 1799. Die Nachricht vom Tod seiner Eltern reißt den jungen Studenten Johannes Friedrich von Marburg aus seiner feuchtfröhlichen Abschlussfeier. Zusammen mit drei Hausangestellten fielen Carl Ludwig Freiherr von Marburg und seine Frau einem äußerst ungewöhnlichen Verbrechen zum Opfer. Da die Untersuchungen der herzoglichen Polizeidragoner nicht vorankommen, beginnt Johannes auf eigene Faust zu ermitteln. Als er herausfindet, dass seine Eltern unmittelbar vor ihrem Tod eine Reisebekanntschaft aus Frankreich beherbergten, begibt er sich auf die gefährliche Suche nach der Unbekannten …

„1799 – Die Schatten von Oldenburg“ ist ein Roman, der sich stark der Historie widmet, den historischen Ereignissen viel Platz einräumt, diese erklärt und in den Mittelpunkt der Handlung stellt. Aufgrund der Prämisse des Romans, dem doch immer mitschwingenden Kriminalfall, würde ich das Buch dennoch als historischen Kriminalroman einordnen – und schlussendlich wird das Buch auch als solcher beworben.

Die Handlung ist durchaus spannend, hat teils aber auch ihre Längen und einige unnötige Wendungen. Zwar wird der zugrundeliegende Kriminalfall abschließend gelöst, dennoch endet der Roman ärgerlicherweise in einem unnötigen und heftigen Cliffhanger, der einer Fortsetzung verlangt, wofür die Geschichte auch genug Potential liefert.

Das Setting überzeugt im Wesentlichen. Jörg Kohn nimmt den Leser mit auf eine Reise in ein Norddeutschland, das nach der französischen Revolution an der Schwelle zum 19. Jahrhundert steht. Dabei ist der Schreibstil des Autors authentisch und zeugt von guter Recherche, wenn auch teils die Lesbarkeit der Authentizität geopfert wurde – hier hätte man durchaus auch etwas bedachter vorgehen können.

Die einzelnen Figuren sind dabei vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen vor allem Lürssen, Sartorius und Klara, während Johannes als Protagonist doch teils sehr naiv und unlogisch agiert und so insgesamt blass verbleibt. Auch hier könnte aber in einem Folgeband durchaus noch nachgebessert, die Entwicklung des Charakters vorangetrieben werden.

Die Buchgestaltung ist insgesamt solide. Lektorat und Korrektorat haben ordentlich gearbeitet, der Buchsatz ist gelungen und verdient sich ein Lob allein schon dafür, die Kapitel auf ungeraden Seiten zu starten. Dabei werden den Kapiteln umfangreiche literarische Zitate vorangestellt, die zumindest in der Häufigkeit den Lesefluss doch leicht mindern. Der Buchumschlag ist mit einfarbigen Coverinnenseiten versehen – hier hätte ich mir durchaus auch eine Karte der norddeutschen Lande vorstellen können. Das Covermotiv ist zwar ansehnlich, wird aber zum Buchrücken hin unterbrochen und dort, zusammen mit der Coverrückseite einfach nochmal dargestellt – etwas skurril und ungewöhnlich.

Mein Fazit? „1799 – Die Schatten von Oldenburg“ ist ein historischer Kriminalroman mit einer spannenden Handlung und tollen Nebenfiguren, aber auch kleineren Längen und einem ärgerlichen Cliffhanger am Ende. Für Leser des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

[Buchgedanken] Veronika Lackerbauer: „Plötzlich Irland“

Vor kurzem habe ich „Plötzlich Irland“ von Veronika Lackerbauer gelesen, mittlerweile mein fünftes Buch der Autorin. Das Buch ist 2021 im Selfpublishing über BoD veröffentlicht worden und dem Genre Young-Adult-Romance zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

Weil ihre Mutter einen Job in Tokio annimmt, muss die siebzehnjährige Lena für ein Jahr zu ihrem Vater ziehen, mit dem sie bislang wenig Kontakt hatte. Auf das Leben auf seiner kleinen Schaffarm an der irischen Atlantikküste hat Lena überhaupt keinen Bock. Statt dem Partyleben mit ihren Freundinnen in Berlin gehören bald schroffe Felsen, raue See und verregnete Nachmittage zu Lenas Alltag. Und was will eigentlich dieser seltsame Kerl mit seinem stinkenden Motorrad vor ihrer Tür?

„Plötzlich Irland“ ist ganz anders als die bisherigen Liebesromane, die ich von Veronika gelesen habe („Bacchus‘ Vermächtnis“ und „Arabische Nächte“), daher fiel mir auch anfangs die Genrezuordnung nicht ganz leicht. Beworben als „Feelgood-Schicksalsroman“, in der Danksagung als Ausflug in die New-Adult-Romance verortet, bin ich schlussendlich doch zur Überzeugung gelangt, dass es wirklich ein Romance-Titel ist, er doch eher aber als Young-Adult einzugruppieren ist, wofür sowohl das Alter der Protagonistin und das Lebensumfeld sprechen, als auch die Tatsache, dass bei Sexszenen ausgeblendet wird.

Das Setting ist ungewöhnlich, aber interessant und birgt bereits erstes Konfiktpotential. So ist die ländliche irische Küste zwar idyllisch und malerisch, aber eher Urlaubsziel als Wunschlebensmittelpunkt eines hippen Großstadtteens. Dabei lernt man nach und nach nicht nur die irische Landschaft, sondern auch Bräuche und Geflogenheiten der Bevölkerung kennen – und lieben. Positiv anzumerken ist hier zudem, dass die Autorin dabei nicht nur die Sonnenseiten, sondern auch die Probleme in kleinen, dörflichen Gemeinschaften beleuchtet.

Die Handlung ist – genrebedingt – teils vorhersehbar, teils aber auch mit unerwarteten Wendungen (und Schicksalsschlägen, von denen ich der Autorin einen immer noch übel nehme) versehen. Dabei dreht sich die Handlung um typische Young-Adult-Themen wie die erste große Liebe – oder auch Probleme mit der Familie, ohne, dass der Roman dabei den Schwerpunkt verliert und zum Schicksalsroman wird – die Liebesgeschichte bleibt stets präsent, aber auch etwas brav.

Die einzelnen Charaktere sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen. Auch die Nebencharaktere glänzen – vor allem bin ich ein großer Fan von Helen und Mrs. Merriweather. Ayden, der Love Interest, erinnert mich (als Gilmore-Girls-Liebhaber) stark an Jess, ist wild aber belesen, loyal aber unbeständig, stammt aus einem problematischen Elternhaus und vermittelt den Eindruck eines Bad Boys. Für Lena als Protagonistin hätte ich mir zudem eine Ich-Perspektive gewünscht, um noch näher an ihr zu sein, um mich noch besser einfühlen zu können.

Die Buchgestaltung ist – wie üblich – solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben ordentlich gearbeitet und nur Kleinigkeiten durchrutschen lassen, das Coverbild zieht sich über den gesamten Buchumschlag und gibt so ein einheitliches Gesamtbild ab. Das Titelbild ist dabei auch typisch irisch und bietet zumindest Anklänge an die Handlung, ist aber insgesamt eher unauffällig, etwas zu harmonisch, auch durch die liebliche, aber austauschbare Gestaltung der unteren Bildhälfte.

Mein Fazit? „Plötzlich Irland“ ist eine im Wesentlichen gelungener Young-Adult-Romance, die vor allem mit einem tollen Setting und interessanten Nebencharakteren punkten kann, der aber auch etwas an Feuer fehlt. Für Leser des Genres, die gern auch ungewohnten Settings eine Chance geben, bedenkenlos zu empfehlen – ich würde lediglich das empfohlene Lesealter je nach Reife ein oder zwei Jahre hochsetzen und das Buch nicht ab 12, sondern eher ab 13/14 empfehlen.

Veronika, das Buch ist da | Doppelte Buchpost

Bevor ich in den nächsten Tagen wieder einige Rezensionen für Euch habe und wir auch auf die Buchmessesaison zusteuern, möchte ich Euch heute noch zwei Bücher zeigen, die mich vor kurzem erreichten: „Göttergarn“, eine Kurzgeschichtenanthologie, die von Veronika Lackerbauer für den Leseratten Verlag herausgegeben wurde, und „Plötzlich Irland“, ein Roman von Veronika Lackerbauer im Selfpublishing – vielen lieben Dank Veronika für das tolle Paket mit den liebevollen Goodies. Ich freue mich schon auf die damit verbundenen Reisen nach Irland und in die göttlichen Gefilde der Funtastic.