[Buchgedanken] Karen Finch: „Wenn stille Wasser tödlich sind“ (Helen & Ben 2)

In der letzten Zeit habe ich auch „Wenn stille Wasser tödlich sind“ von Karen Finch gelesen. Das Buch ist 2026 bei HarperCollins in der Verlagsgruppe HarperCollins Deutschland GmbH erschienen und als Cosy Crime einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Versunken in den Fluten von Rutland Water liegt Grishton Hall, der Stammsitz der Earls of Welbeck. Als der letzte Earl kinderlos stirbt, hinterlässt er einen herrlichen Rosengarten am Ufer des Stausees, doch nur wenig Vermögen. Kurz darauf taucht Charlie Hobbs, ein Schulkamerad der Dorfpolizistin Helen Franklin, mit einer Tauchausrüstung im nahe gelegenen Humbleham auf, und im Dorf verbreitet sich das Gerücht von einem Schatz, der im Keller des gefluteten Herrenhauses verborgen sein soll. Doch dann wird am Ufer des Stausees eine Leiche angespült, und Helen muss nicht nur gegen ihren Freund Charlie ermitteln, sondern auch noch erneut mit ihrem früheren Partner und Ex-Freund Ben Baxter von New Scotland Yard zusammenarbeiten …

„Wenn stille Wasser tödlich sind“ ist der zweite Band der in Rutland spielenden Reihe um Helen Franklin und Ben Baxter von Karen Finch, einem Pseudonym von Karin Uhlig, die auch unter den weiteren Pseudonymen Karina Ewald und Carine Bernard veröffentlicht. Als Kriminalroman auf dem Cover betitelt und als Cosy Crime beworben, kann ich der Eingruppierung durchaus zustimmen, auch wenn dieser Band fast schon zu actionreich ist, um wirklich cosy zu sein. In der Gesamtwirkung der Reihe, auch im Hinblick auf das Setting und die skurrilen Begebenheiten, lässt sich das jedoch vertreten. Hierbei kann das Buch auch als Standalone gelesen werden, auch wenn ich im Hinblick auf die Situation im Dorf und der Figuren dennoch die vorherige Lektüre des ersten Bandes, „Was früher blüht, ist länger tot„, empfehlen würde.

Denn die Handlung lebt auch durch den dahinterstehenden Humor, ist generell spannend und abwechslungsreich, auch wenn sich die Auflösung in groben Teilen schon relativ früh abzeichnet. Dabei setzt die Handlung relativ zeitnah an den Vorgängerband an und schreibt die Geschichte von Helen nahtlos fort – inklusive der tollen Begegnungen mit den anderen Bewohner:innen von Humbleham, die man bereits im ersten Teil kennen und lieben gelernt hat. Lediglich das Ende vermag nicht komplett zu überzeugen, ist in Teilen etwas unlogisch und holprig.

Das Setting glänzt dahingegen erneut auf ganzer Linie. So nimmt die Autorin ihre Leser:innen wieder mit nach Rutland ins fiktive Humbleham und dessen Umgebung, in eine dörfliche Idylle voller Klatsch, Tratsch und allem, was dazugehört – alter Adel und Angehörige des Königshauses inklusive. Dabei mischt Karen Finch in die Fälle auch spannende, gesellschaftlich relevante Themen wie altersgerechtes Wohnen und Demenz mit ein, auch wenn diese eher an der Oberfläche verbleiben und nie den humorvoll-leichten Charakter des Romans trüben.

Das Buch brilliert nämlich vor allem durch seine Figuren, die im Wesentlichen vielschichtig gestaltet sind und Stärken, Schwächen, eigene Ziele und Motive aufweisen. Hierbei überzeugen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Lydia, Violet, Hillary und Enyd, aber auch Ben sammelt eifrig Karmapunkte und rehabilitiert sich aus Leser:innensicht, während Helen manchmal nicht ganz nachvollziehbar handelt. Karen Finchs Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen – und glänzt, wie schon dargestellt, vor allem auch durch den inhärenten Humor.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben im Großen und Ganzen sauber gearbeitet, das Covermotiv setzt sich nahtlos auf Buchrücken und Coverrückseite fort und sorgt somit für ein tolles Gesamtbild, das zudem leichte Anklänge zur Handlung zeigt und sich gut in die Reihe einfügt und so für Wiedererkennungswert sorgt. Insgesamt ist das Cover aber kein Eyecatcher und etwas düster und eintönig gehalten, der cosy Charakter hätte da noch deutlicher herausgearbeitet werden können.

Mein Fazit? „Wenn stille Wasser tödlich sind“ ist eine wirklich gelungene Fortsetzung, die nur kleinere Schwächen hat und erneut durch Humor, ein wirklich tolles Setting und brillante Charaktere punkten kann. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

Wohlfühl-Bücher im Doppelpack | Lovelybooks-Buchpost

Heute habe ich mal wieder zwei Neuzugänge für Euch, die mich vor kurzem als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de erreicht haben – vielen Dank dafür. „Wenn stille Wasser tödlich sind“ ist dabei der zweite Band um Dorfpolizistin Helen Franklin von Karen Finch (Karin Uhlig), während „Pfötchen, Strand und Liebesglück“ bereits der neunte Teil der „Lichterhaven“-Reihe von Petra Schier ist (beide Bücher: Verlagsgruppe HarperCollins Deutschland GmbH). Feel-Good-Urlaubs- und Liebesroman sowie Cosy Crime mit britischem Humor – bei beiden Werken ist hier eine Wohlfühlatmosphäre garantiert. Ich kann es daher kaum erwarten, die Bücher zu lesen!

Welches Buch liegt bei Euch ganz oben auf dem SuB?

[Buchgedanken] Andreas Suchanek: „Der Tod wischt mit: Tilly Blich ermittelt“ (Tilly Blich 2)

In den letzten Tagen habe ich auch „Der Tod wischt mit: Tilly Blich ermittelt“ von Andreas Suchanek gelesen. Das Buch ist 2025 im Wilhelm Heyne Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als Cosy Crime einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Tilly Blich könnte eine Pause gebrauchen. Doch als Eigentümerin der Reinigungsfirma „Plitz und Blank“ bleibt ihr kaum eine ruhige Minute – und jetzt droht auch noch die Steuerprüfung. Dass ihr Vorgänger so urplötzlich verschwunden ist, macht die Sache nicht einfacher. Tillys nächster Auftrag führt sie zur Schule von Untertannbach. Doch gegen den ermordeten Direktor in der Sporthalle kommt auch das stärkste Putzmittel nicht an. Kriminalhauptkommissar Stubs sieht seine Chance, es Tilly zu zeigen, und ein Wettrennen um Ermittlungsergebnisse beginnt. Schnell wird klar, dass es hinter den Kulissen der Schule gewaltig brodelt: Geheimnisvolle Affären, übermotivierte Eltern und unterbezahlte Lehrer halten Tilly und ihre Helfer Gerdy, Leon und Antonia auf Trab. Werden sie es schaffen, den Täter zu entlarven, bevor er erneut zuschlägt?

„Der Tod wischt mit: Tilly Blich ermittelt“ ist der zweite Band der Reihe um die namensgebende Inhaberin einer Reinigungsfirma – und nach „Das vergessene Museum: Der Siegelwahrer von London“ mein zweites Buch von Andreas Suchanek. Dabei lässt sich der Roman gar nicht so einfach einem Genre zuordnen, balanciert er doch auf der Grenze vom Cosy Crime zur Krimödie. Da das Buch zwar humorvoll ist, der Fokus aber nicht auf den parodistischen Elementen liegt, habe ich es schlussendlich bei der Einordnung als Cosy Crime belassen.

Denn die Handlung ist – trotz multipler Todesfälle und einem epischen Showdown – durchaus noch als cosy zu bewerten und auch das Ermittelnden-Team aus Reinigungskraft, Kosmetikerin, Schüler und Basset ist sehr genretypisch. Dabei ist die Handlung sonst sehr abwechslungsreich und kann vor allem mit Witz und Situationskomik punkten – und auch das Ende überzeugt, kommt es doch ohne allzu großen Cliffhanger aus. Allerdings lässt sich das Buch eher suboptimal als Standalone lesen. Zwar ist der „Fall“ in sich abgeschlossen, ich hatte aber durchaus öfters das Gefühl, dass mir Vorwissen aus dem ersten Band fehlt.

Das Setting ist gelungen. So entführt der Autor die Leser:innen ins fiktive Untertannbach, einen Modellentwurf eines verschlafenen, mittelgroßen schwäbischen Städtchens mit Polizeirevier, Gymnasium und einer Hunderanch – natürlich mit moderater Zucht als Gegenentwurf zur Qualzucht. So austauschbar das Setting aufgrund des fiktiven Ortes auch ist, wandern doch die ein oder andere schwäbische Eigenart in die Handlung mit ein als Gegenentwurf zu Tilly, die ja aus Köln stammt.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Herr Höffler, Tony, Elif und Muffin, während einige Figuren auch eindimensional verbleiben, hier kann aber in den nächsten Bänden noch nachgebessert werden. Andreas Suchaneks Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen und funktioniert am besten in den humorvollen Passagen.

Die Buchgestaltung ist durchwachsen. Lektorat und Korrektorat ist doch einiges durchgerutscht, sodass der Lesefluss etwas geschmälert wird, der Buchsatz ist ordentlich und punktet mit grafischen Elementen, auch wenn man den Zeitungsartikel noch innovativer hätte setzen können. Cover, Buchrücken und Coverrückseite sind jeweils voneinander abgesetzt, genretypisch gestaltet und fügen sich in die Buchreihe ein. Trotz des Bassets auf dem Cover hätte ich mir hier jedoch etwas mehr Bezug zur Handlung gewünscht.

Mein Fazit? „Der Tod wischt mit: Tilly Blich ermittelt“ ist cosy und punktet vor allem mit seinem starken Humor und einer abwechslungsreichen Handlung, ist aber auch fehlerbehaftet und lässt sich nur eingeschränkt als Standalone lesen. Für Liebhaber von Cosy Crime – und von Bassets – dennoch bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von 12 Jahren.