[Buchgedanken] Andreas Suchanek: „Das tödliche Artefakt: Der Siegelwahrer von London“ (Magische Museen 2)

In der letzten Zeit habe ich auch „Das tödliche Artefakt: Der Siegelwahrer von London“ von Andreas Suchanek gelesen. Das Buch ist 2026 in der dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG veröffentlicht worden und als Urban Fantasy einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Liams Tage als Fahrradkurier sind längst Geschichte – seit er als Siegelwahrer das magische Museum in London hütet und mächtige Artefakte vor den Falschen schützt. Doch ein riskanter Einsatz reißt ihn aus seinem neuen Alltag: Im Louvre liegt vor einem Gemälde zur Französischen Revolution ein Toter. Nur der Torso. Der Kopf fehlt. Alles deutet auf Artefaktmagie hin – und auf einen gefährlichen Gegner. Gemeinsam mit seiner Kollegin Julia macht sich Liam auf die Jagd nach dem Mörder und gerät dabei tief in die Pariser Unterwelt. Doch je mehr Liam aufdeckt, desto klarer wird: Die Wahrheit über die Vergangenheit setzt auch seine eigene Zukunft aufs Spiel.

„Das tödliche Artefakt: Der Siegelwahrer von London“ ist nach „Das vergessene Museum: Der Siegelwahrer von London“ der zweite Band der mindestens dreiteiligen Reihe um die magischen Museen von Andreas Suchanek, von dem ich auch noch „Der Tod wischt mit: Tilly Blych ermittelt“ gelesen habe. Genau wie der erste Band lässt sich auch dieser Roman mühelos als Urban Fantasy kategorisieren, aufgrund der komplexen, über die Einzelbände hinausgehenden Zusammenhänge und Rahmenhandlungen würde ich ihn jedoch nicht als Standalone lesen, sondern immer vorher die Lektüre des ersten Teils empfehlen.

Die Handlung knüpft direkt an das Geschehen des Vorgängers an und setzt dieses nahtlos fort – erzählt wird das Buch erneut aus der Ich-Perspektive des Protagonisten Liam. Die Handlung ist abwechslungsreich, spannend und wartet wieder mit unerwarteten Wendungen auf, allerdings auch mit kleineren Logikbrüchen oder Unwägbarkeiten, die für Knoten in den Gehirnen der Leser:innen sorgen. Am Ende begegnet man erneut einem relativ heftigen Cliffhanger, der das sonst sehr runde Ende etwas stört – hier hätte man gegebenenfalls das Buch ein Kapitel früher abschließen können.

Das Setting ist gewohnt traumhaft. Das vom Autor geschaffene und in die reale Welt eingebettete Museumsnetzwerk wird ausgebaut – und dieses Mal geht es vor allem nach Paris in eine Stadt voller Kunst, Nationalstolz und gutem Essen. Dabei werden erneut – ganz am Rand – auch gesellschaftlich-wichtige Themen gestreift und – sinnigerweise – wird das Magiekonzept weiter ausgebaut, da würde ich mir noch mehr wünschen. Da die Leser:innen das ganze aber zusammen mit dem unausgebildeten Liam kennenlernen, geht das halt nur Schritt für Schritt.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive – und werden konsequent aus Teil 1 weiterentwickelt. Hierbei überzeugen vor allem Eva, Shakespeare, Rupert und Ava – und auch Liam wächst mir mit jedem Band irgendwie mehr ans Herz. Andreas Suchaneks Schreibstil ist weiterhin humorvoll und lässt sich leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist ordentlich. Lektorat und Korrektorat sind noch im Rahmen, der Buchsatz ist gelungen. Der Umschlag ist mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten ausgestattet und auf Cover, Coverrückseite und Buchrücken leicht geprägt. Das Covermotiv, der Buchumschlag insgesamt ist genretypisch, aber sehr ansehnlich und passt sich gut ins Konzept der Reihe ein, sodass ein einheitlicher Eindruck mit Wiedererkennungswert entsteht.

Mein Fazit? „Das tödliche Artefakt: Der Siegelwahrer von London“ ist eine gelungene Fortsetzung, die vor allem mit tollen Charakteren, einem wundervollen Setting und viel Spannung punkten kann, manchmal dabei aber die Logik etwas biegt. Für Leser:innen des Genres (nach Lektüre des ersten Bandes) bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

[Buchgedanken] Andreas Suchanek: „Der Tod wischt mit: Tilly Blich ermittelt“ (Tilly Blich 2)

In den letzten Tagen habe ich auch „Der Tod wischt mit: Tilly Blich ermittelt“ von Andreas Suchanek gelesen. Das Buch ist 2025 im Wilhelm Heyne Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als Cosy Crime einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Tilly Blich könnte eine Pause gebrauchen. Doch als Eigentümerin der Reinigungsfirma „Plitz und Blank“ bleibt ihr kaum eine ruhige Minute – und jetzt droht auch noch die Steuerprüfung. Dass ihr Vorgänger so urplötzlich verschwunden ist, macht die Sache nicht einfacher. Tillys nächster Auftrag führt sie zur Schule von Untertannbach. Doch gegen den ermordeten Direktor in der Sporthalle kommt auch das stärkste Putzmittel nicht an. Kriminalhauptkommissar Stubs sieht seine Chance, es Tilly zu zeigen, und ein Wettrennen um Ermittlungsergebnisse beginnt. Schnell wird klar, dass es hinter den Kulissen der Schule gewaltig brodelt: Geheimnisvolle Affären, übermotivierte Eltern und unterbezahlte Lehrer halten Tilly und ihre Helfer Gerdy, Leon und Antonia auf Trab. Werden sie es schaffen, den Täter zu entlarven, bevor er erneut zuschlägt?

„Der Tod wischt mit: Tilly Blich ermittelt“ ist der zweite Band der Reihe um die namensgebende Inhaberin einer Reinigungsfirma – und nach „Das vergessene Museum: Der Siegelwahrer von London“ mein zweites Buch von Andreas Suchanek. Dabei lässt sich der Roman gar nicht so einfach einem Genre zuordnen, balanciert er doch auf der Grenze vom Cosy Crime zur Krimödie. Da das Buch zwar humorvoll ist, der Fokus aber nicht auf den parodistischen Elementen liegt, habe ich es schlussendlich bei der Einordnung als Cosy Crime belassen.

Denn die Handlung ist – trotz multipler Todesfälle und einem epischen Showdown – durchaus noch als cosy zu bewerten und auch das Ermittelnden-Team aus Reinigungskraft, Kosmetikerin, Schüler und Basset ist sehr genretypisch. Dabei ist die Handlung sonst sehr abwechslungsreich und kann vor allem mit Witz und Situationskomik punkten – und auch das Ende überzeugt, kommt es doch ohne allzu großen Cliffhanger aus. Allerdings lässt sich das Buch eher suboptimal als Standalone lesen. Zwar ist der „Fall“ in sich abgeschlossen, ich hatte aber durchaus öfters das Gefühl, dass mir Vorwissen aus dem ersten Band fehlt.

Das Setting ist gelungen. So entführt der Autor die Leser:innen ins fiktive Untertannbach, einen Modellentwurf eines verschlafenen, mittelgroßen schwäbischen Städtchens mit Polizeirevier, Gymnasium und einer Hunderanch – natürlich mit moderater Zucht als Gegenentwurf zur Qualzucht. So austauschbar das Setting aufgrund des fiktiven Ortes auch ist, wandern doch die ein oder andere schwäbische Eigenart in die Handlung mit ein als Gegenentwurf zu Tilly, die ja aus Köln stammt.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Herr Höffler, Tony, Elif und Muffin, während einige Figuren auch eindimensional verbleiben, hier kann aber in den nächsten Bänden noch nachgebessert werden. Andreas Suchaneks Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen und funktioniert am besten in den humorvollen Passagen.

Die Buchgestaltung ist durchwachsen. Lektorat und Korrektorat ist doch einiges durchgerutscht, sodass der Lesefluss etwas geschmälert wird, der Buchsatz ist ordentlich und punktet mit grafischen Elementen, auch wenn man den Zeitungsartikel noch innovativer hätte setzen können. Cover, Buchrücken und Coverrückseite sind jeweils voneinander abgesetzt, genretypisch gestaltet und fügen sich in die Buchreihe ein. Trotz des Bassets auf dem Cover hätte ich mir hier jedoch etwas mehr Bezug zur Handlung gewünscht.

Mein Fazit? „Der Tod wischt mit: Tilly Blich ermittelt“ ist cosy und punktet vor allem mit seinem starken Humor und einer abwechslungsreichen Handlung, ist aber auch fehlerbehaftet und lässt sich nur eingeschränkt als Standalone lesen. Für Liebhaber von Cosy Crime – und von Bassets – dennoch bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von 12 Jahren.