[Buchgedanken] Jennifer Lynn Barnes: „The Inheritance Games“ (TIG 1)

Vor einiger Zeit habe ich „The Inheritance Games“ von Jennifer Lynn Barnes gelesen, den ersten Band der „Inheritance Games“-Reihe. Das Buch ist 2022 als cbt Taschenbuch im cbj Kinder- und Jugendbuchverlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH veröffentlicht worden, die Originalausgabe erschien 2020 unter dem Titel „The Inheritance Games“ bei Little, Brown and Company in der Verlagsgruppe Hachette. Das Buch ist als Jugendthriller einzuordnen, für die Übersetzung zeichnet Ivana Marinovic verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Avery Grambs hat einen Plan: Highschool überleben, Stipendium abgreifen und dann – nichts wie raus hier. Doch all das ist Geschichte, als der Multimilliardär Tobias Hawthorne stirbt und Avery fast sein gesamtes Vermögen hinterlässt. Der Haken daran? Avery hat keine Ahnung, wer der Mann war. Um ihr Erbe anzutreten, muss Avery in das gigantische Hawthorne House einziehen, wo jeder Raum von der Liebe des alten Mannes zu Rätseln und Geheimnissen zeugt. Ungünstigerweise beherbergt es aber auch dessen gerade frisch enterbte Familie. Allen voran die vier Hawthorne-Enkelsöhne: faszinierend, attraktiv und gefährlich. Gefangen in dieser schillernden Welt aus Reichtum und Privilegien, muss Avery sich auf ein Spiel aus Intrige und Kalkül einlassen, wenn sie überleben will.

„The Inheritance Games“ ist ein aufregender, vielversprechender Beginn in eine neue Buchreihe und – um das gleich mal vorwegzunehmen – ein absolutes Highlight des noch sehr frühen Lesejahres.

Dabei brilliert das Buch bereits durch sein atemberaubendes Setting. Der Leser wird nach Hawthorne House entführt und erkundet zusammen mit Avery ein faszinierendes Anwesen voller Geheimnisse – natürlich inklusive Bowlingbahn, Flipperraum, mehreren Bibliotheken und Waffenkammer – was sonst. Ein wahrer Traum, den ich nur zu gern verfilmt sehen würde.

Auch die Handlung überzeugt im Wesentlichen, ist hochspannend, abwechslungsreich und mit vielen, unerwarteten Wendungen versehen, auch wenn die Dreiecksgeschichte zwischen Avery, Grayson und Jameson noch etwas stiefmütterlich behandelt wird. Auch werden zum Ende hin nicht alle Handlungsstränge aufgelöst, und das Buch endet durchaus in einem milden Cliffhanger, sodass es tendentiell nicht alls Standalone lesbar ist, aber gleichsam viel Potential für den Folgeband bietet.

Die einzelnen Charaktere sind faszinierend, dreidimensional und vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, vor allem aber eigene Ziele und Motive. Neben Avery, mit der man sich aufgrund der Ich-Perspektive gut identifizieren kann und die ein spannender, smarter und interessanter Charakter ist, überzeugen hier auch Nebencharaktere wie Xander, Alisa und Rebecca.

Der Schreibstil von Jennifer Lynn Barnes lässt sich leicht und flüssig lesen, ist athmosphärisch und bildhaft, lässt das Kopfkino anspringen und sorgt dafür, dass man das Buch nicht aus der Hand legen möchte. Ein wahrer Pageturner – und das beste Buch des noch jungen Jahres.

Die Buchgestaltung ist ebenfalls überragend. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, der Umschlag ist auf dem TItel, Buchrücken und Coverrückseite hochwertig geprägt und mit Klappen ausgestattet, das Coverbild ist ein wahrer Traum, sowohl was das Motiv betrifft als auch die Farbgebung. Zwar hätten farbige Coverinnenseiten das hochwertige Gesamtpaket noch abgerundet, aber das ist Jammern auf hohem Niveau, bleibt doch eines der besten Cover seit langem.

Mein Fazit? „The Inheritance Games“ ist ein aufregender Jugendthriller mit tollen Protagonisten, einem wahnsinnigen Setting und einer spannenden Handlung – ein definitives Highlight. Für Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen, aber eher nicht als Standalone lesbar und erst ab dem vom Verlag empfohlenen Lesealter von 14 Jahren.

[Buchgedanken] Laini Taylor: „Muse of Nightmares – Das Geheimnis des Träumers“ (Muse 1, Strange 3)

In der letzten Zeit habe ich „Muse of Nightmares – Das Geheimnis des Träumers“ gelesen. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag und die Bloggerjury für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares. Der Roman ist 2020 im One Verlag in der Bastei Lübbe AG erschienen und dem Genre High-Fantasy zuzuordnen. Die Originalausgabe erschien 2018 unter dem Titel „Muse of Nightmares“ bei Little, Brown and Company, Hachette Book Group. Er bildet den Auftakt der „Muse of Nightmares“-Dilogie, stellt gleichzeitig aber auch eine Fortsetzung der „Strange the Dreamer“-Dilogie dar, sodass er insgesamt auch als dritter Teil dieser Reihe gelten kann.

51YWG8WThzL._SX327_BO1204203200_Sarai ist die Muse der Albträume. Seit sie denken kann, quält sie die Bewohner von Weep mit ihren schlimmsten Ängsten. Sie ist sich sicher, dass sie jede noch so furchtbare Grausamkeit gesehen hat. Doch damit liegt sie falsch. Unendlich falsch. Denn plötzlich findet sich Sarai selbst in einem Albtraum wieder, aus dem sie nicht aufwachen kann. Ihre Liebe, ihr Leben und das aller Bewohner von Weep stehen auf dem Spiel …

„Muse of Nightmares – Das Geheimnis des Träumers“ ist ein klassischer Auftaktband – und kann definitiv nicht als Standalone gelesen werden, da keine der Handlungslinien zum Ende hin wirklich aufgelöst wird, was viel Potential für den nachfolgenden Teil eröffnet, für den Leser bisweilen aber etwas unbefriedigend sein kann. Auch empfiehlt es sich – was ich nicht getan habe – vorher in jedem Fall „Strange the Dreamer“ zu lesen, da es den Anschein macht, dass Welt und Vorgeschichte vorausgesetzt werden und nur noch wenig erklärt wird. Ich würde das Buch daher auch als dritten Teil dieser Reihe sehen, und nicht als eigenständige Dilogie. Dadurch fiel es mir teils schwer, der Handlung flüssig zu folgen, dies kann dem Buch aber nicht angelastet werden.

Die Handlung insgesamt überzeugt im Wesentlichen, hat aber Längen, da relativ wenig passiert. Auch kann es bisweilen anstrengend sein, dass permanent zwischen den einzelnen Handlungssträngen hin- und hergewechselt wird. Brillant hingegen ist das Setting. Die Welt, die Laini Taylor erschafft, ist fantastisch und bildgewaltig, und doch sehr fragil und ausgewogen. Erinnerungen und Träume, Götterwesen und Götterschlächter, die Autorin beschreibt anschaulich und mit einem leicht lesbaren Schreibstil und erlaubt es dem Leser so, sich nach Weep und in die Zitadelle zu träumen.

Trotz der Vielzahl an Charakteren entwickelt Laini Taylor diese gut und legt sie dreidimensional, mit eigenen Stärken, Schwächen und Motiven an. Insbesondere Minya überzeugt hier auf ganzer Linie – und erhält durch die Reise in ihre Träume eine ganz andere Tiefe. Ich bin gespannt, ob diese Entwicklung im Folgeband konsequent weitergeführt wird.

Die Buchgestaltung überzeugt ebenfalls. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet. Das Cover ist wunderschön, ein wahrer Eyecatcher, und passt sich gut in das Gesamtbild der Reihe ein. Allerdings hätte es noch etwas hochwertiger ausgearbeitet und geprägt sein können, sodass das Buch sich insgesamt etwas edler anfühlen würde. Dabei ist allerdings zu beachten, dass im Gegenzug der Preis für ein Hardcover auch deutlich am unteren Ende angesetzt ist.

Mein Fazit? „Muse of Nightmares – Das Geheimnis des Träumers“ ist ein vielversprechender Auftakt, der zwar Schwächen in der Handlung hat, aber durch tolle Charaktere und ein brillantes Setting punkten kann. Da er viele Fragen für den nächsten Teil offen lässt allerdings nicht als Standalone lesbar – und idealerweise nach „Strange the Dreamer“. Für Liebhaber des Phantastischen bedenkenlos zu empfehlen.