[Buchgedanken] Marcel Huwyler: „Frau Morgenstern und die Offenbarung“ (Violetta Morgenstern 7)

Vor kurzem habe ich auch „Frau Morgenstern und die Offenbarung“ von Marcel Huwyler gelesen. Das Buch ist 2025 bei GRAFIT in der Emons Verlag GmbH erschienen und als Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Violetta Morgenstern, pensionierte Lehrerin und Auftragskillerin im Namen des Staates, hat ein neues Privatleben: Sie wohnt als Patchwork-Oma mit ihrem Kollegen Miguel Schlunegger und dessen Zwillingstöchtern zusammen. Zum Glück rettet sie ein neuer Auftrag vom Killerministerium „Tell“ aus dem Familien-Chaos. Violetta und Miguel sollen einen Archäologen eliminieren. Der hat in Ägypten einen rätselhaften Fund gemacht, der die Geschichtsschreibung verändern könnte. Doch als die beiden zur Tat schreiten wollen, kommt ihnen ein Unbekannter zuvor …

„Violetta Morgenstern und die Offenbarung“ ist mein erster Roman der bisher siebenteiligen Reihe um die pensionierte Lehrerin und Auftragskillerin Violetta Morgenstern – und es wird sicherlich nicht mein letzter bleiben. Dabei lässt sich das Buch gut als Standalone lesen, die Reihe sich jedoch gar nicht so einfach kategorisieren, zeigt sie doch parodistische Ansätze, ist eine Mischung aus Agententhriller und in einem Handlungsstrang sogar fast Cosy Crime. Ich habe es der Einfachheit halber daher bei der auf dem Cover festgehaltenen generalisierten Eingruppierung als Kriminalroman belassen.

Die Handlung ist unglaublich humorvoll, spannend und kurzweilig – ein wahrer Pageturner und Jahreshighlight. Dabei gelingt es Marcel Huwyler ernste Themen und absurde Situationen und Konstellationen aneinanderzureihen, sodass man sich als Leser:in zu jeder Zeit gut unterhalten fühlt. Auch das Ende vermag zu überzeugen, wenn es auch etwas schnell und hastig kommt – ein paar mehr Seiten zum Schluss hätten der Story sicherlich nicht geschadet. So oder so verbleibt aber viel Potential für noch viele weitere Morgenstern-Geschichten – ich denke, ich spreche für alle, wenn wir uns hier noch mehr wünschen.

Denn auch das Setting brilliert. So entführt Marcel Huwyler die Leser:innen nicht nur geografisch in die Schweiz, sondern vor allem auch sprachlich und kulturell – Dialekt, kreative Wortschöpfungen und ganz viel schweizerisches Lebensgefühl inklusive. Dabei vermengt der Autor zudem gekonnt die Thriller-/Krimihandlung mit parodistischen Elementen, die auf jeder Seite einen unglaublichen Humor durchscheinen lassen. Gleichsam werden dennoch auch wichtige Themen angesprochen wie Einsamkeit im Alter, die Situation von Alleinerziehenden und die Rebellion gegen gesellschaftliche Konventionen.

Die einzelnen Figuren sind vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei glänzen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Ida, Frida und Werner Gottlieb, aber auch Violetta Morgenstern brilliert in ihrer Rolle als pensionierte Lehrerin und Auftragskillerin, lediglich Miguel überzeugt mich nicht vollends – aber ggf. können die anderen Bände hier das Bild abrunden. Marcel Huwylers Schreibstil ist hingegen – wie bereits angedeutet – unglaublich humorvoll und lässt sich leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist gelungen. Lektorat und Korrektorat haben ordentlich gearbeitet, der Buchsatz ist solide, das Buch insgesamt eher schmucklos. Das Covermotiv und die Coverrückseite werden jeweils zum Buchrücken hin krass unterbrochen, der Buchumschlag insgesamt ist farblich durchaus ansprechend aber kein Eyecatcher. Das Covermotiv bietet zumindest abstrakte Anklänge zur Buchreihe, wenn auch nicht zur konkreten Handlung des Bandes, passt sich insgesamt aber gut in das Gesamtgefüge der Reihe ein und sorgt für Wiedererkennungswert.

Mein Fazit? „Frau Morgenstern und die Offenbarung“ ist ein fast perfekter, parodistischer Kriminalroman, der vor allem mit seinem unglaublichen Humor und viel Lokalkolorit überzeugen kann. Für Leser:innen des Genres – auch als Neueinstieg in die Reihe – bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

[Buchgedanken] Stefan Kuhlmann: „Herr Winter taut auf“

Vor kurzem habe ich auch „Herr Winter taut auf“ von Stefan Kuhlmann gelesen. Das Buch ist 2023 im Rowohlt Taschenbuch Verlag, in der Rowohlt Verlag GmbH erschienen und als Tragikomödie einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Robert Winter hat keine Lust auf Geschwätz und keine Zeit für Unsinn. Ihm ist egal, was andere Menschen über ihn denken. Sie sollen ihn einfach nur in Ruhe lassen. Und so versteht er auch überhaupt nicht, was seine Frau Sophia an ihrem Beruf als AVON-Beraterin so liebt. Für ihn sind Beauty-Produkte so ziemlich das Letzte, womit er seine Zeit verbringen möchte. Erst als ein Unfall Sophia aus seinem Leben reißt, ändert sich alles schlagartig. Um nicht in Trauer zu ertrinken, beschließt Robert, in ihre Fußstapfen zu treten und für Sophia den Titel «AVON-Beraterin des Jahres» zu gewinnen. Nur ist das schwerer als gedacht. Deutlich schwerer …  

„Herr Winter taut auf“ ist der Debütroman des Film- und Fernsehautors Stefan Kuhlmann. Dabei ist der Roman relativ schwer zu kategorisieren. So könnte man das Buch durchaus als Schicksalsroman ansehen, auch ein Entwicklungsroman wäre denkbar. Im Blurb und den auf diversen Portalen zitierten Kritikerstimmen wird das Buch teils als Komödie, teils als Tragikomödie beschrieben – letzteres halte ich aufgrund der Mischung aus Schicksalsschlag und Humor im Endeffekt für stimmig und habe es daher übernommen.

Die Handlung ist abwechslungsreich und kurzweilig, wenn auch durchaus vorhersehbar und im Mittelteil etwas überfrachtet. Dennoch vereint Stefan Kuhlmann gut den Humor mit den durchaus tragischen Elementen, sorgt für witzige, teils abstruse Szenen, die sogar mit Ironie und Sarkasmus angereichert sind. Allerdings ist das Ende relativ offen, was mich als Leser teils unbefriedigt zurücklässt und nach einer Fortsetzung schreit.

Das Setting ist überzeugend, aber auch austauschbar. So entführt der Autor den Leser in eine nicht näher bezeichnete Stadt mit Tankshops, Krankenhaus, Friedhof, Gericht und einer zu hohen Dichte an AVON-Beratern. Dabei gelingt es Stefan Kuhlmann, den Leser in den Alltag, in die absolute Normalität hineinzuziehen, ohne das Buch langweilig werden zu lassen – lediglich die Ausführungen der Kosmetikanwendungen sind hier teils zu umfangreich geworden.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive, wenn auch aufgrund der Vielzahl an Charakteren nicht alle im Detail ausgearbeitet werden können. So bleiben Wilma als Antagonistin und auch Dolores eher blass, während vor allem Basti und Lilli als wichtige Nebencharaktere punkten können. Stefan Kuhlmanns Schreibstil ist dabei leicht und flüssig zu lesen, pointiert, humorvoll und lässt das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, der Buchdeckel ist auf dem Cover hochwertig geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Der Buchdeckel ist zudem generell sehr eintönig, das Covermotiv wird auch auf der Coverrückseite, einer farbigen Coverinnenseite und vor der Geschichte wieder aufgegriffen – etwas mehr Abwechslung hätte hier gut getan, vor allem, da das Motiv zwar humorvoll anmutet, die Handlung aber nicht wirklich abbildet.

Mein Fazit? „Herr Winter taut auf“ ist ein gelungenes und kurzweiliges Debüt, das vor allem mit seinem Humor und einem pointierten Schreibstil überzeugt, teils aber auch etwas überfrachtet ist. Für Leser des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Günther Mayr: „Herr Kuranaga“

Vor kurzem habe ich auch „Herr Kuranaga“ von Günther Mayr gelesen. Das Buch ist 2022 im Carl Ueberreuter Verlag, Wien, veröffentlicht worden und als Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Mysteriöse Erkrankungen nach Corona-Impfungen lassen einen Philosophie-Professor zum Detektiv werden: In Tateo Kuranaga vereinen sich die traditionsreichen Tugenden eines Samurai mit österreichischer Lebensart. Ein Vogel im Orchestergraben, eine japanische Kommissarin auf einem Wanderfalken und menschliche Originale aus beiden Kulturkreisen kreuzen seinen Weg. Ein außergewöhnlicher Kriminalfall, der mit Kreativität und viel Witz gelöst wird.

„Herr Kuranaga“ oder „Ein Samurai zwischen Sushi und Schweinebraten“ – so der Untertitel – ist ein Roman, der sich entgegen der oben so leicht getroffenen Einordnung wirklich schwer kategorisieren lässt. Zwar ist das Buch als Kriminalroman beworben (so auch auf dem Cover, daher habe ich das übernommen), man könnte aber genau so gut einen Thriller daraus machen, ist der hier behandelte „Kriminalfall“ doch hochpolitisch und kein klassisches Verbrechen. Gleichsam wäre es auch möglich, den Roman zur Gegenwartsliteratur zu zählen, liegt ein starker Fokus doch auf den kulturellen Unterschieden und den daraus resultierenden, witzigen Szenen.

Die Handlung ist durchaus spannend, wenn auch durch die allumfassenden Perspektiven nur teilweise überraschend. Zudem kommt sie nur relativ langsam in Schuss und ist insgesamt sehr ereignisarm. Wie oben bereits angedeutet, lebt die Handlung daher vor allem von den humorvollen Szenen, von den Abstrusitäten, den Eigenheiten der Figuren und den starken Überzeichnungen.

Das Setting hingegen kann natürlich punkten. So entführt der Autor den Leser nicht nur nach Wien sondern auch nach London und Japan, zeigt die Gegensätze der globalisierten Welt und einer einsamen japanischen Insel und spielt mit den unterschiedlichen Kulturen und kulturellen Verhaltensweisen – sehr amüsant. Der Lieblingsort hier ist klar: die „Eiserne Hand“, eine Wiener Wirtschaft am Naschmarkt, so skurril und eigen wie die Geschichte.

Die einzelnen Figuren sind aufgrund der Vielzahl an handelnden Personen und der gebotenen Kürze des Buches teils nur schematisch angelegt, können aber zum Teil dennoch punkten und haben durchaus Stärken und Schwächen. Hierbei überzeugen Sakura Kurosawa und Helmut Freisinger als wichtige Nebencharaktere am stärksten, während Tateo Kuranaga doch etwas blass verbleibt. Günther Mayrs Schreibstil ist dabei pointiert und gut lesbar und lässt das Kopfkino sofort anspringen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz ist konservativ und etwas uninspiriert, aber fehlerfrei. Der Buchdeckel ist zwar auf dem Cover hochwertig geprägt und mit farbigen Coverinnenseiten versehen, insgesamt aber jedoch relativ eintönig und einfach gestaltet, sodass das Cover nicht wirklich überzeugen kann.

Mein Fazit? „Herr Kuranaga“ ist ein Kriminalroman, der vor allem durch seinen Humor und ein tolles Setting punkten kann, allerdings etwas ereignisarm und durchaus vorhersehbar daherkommt. Für Leser des Genres dennoch zu empfehlen – ab einem Lesealter von 14 Jahren.

[Buchgedanken] Caroline Schmitt: „Liebewesen“

Vor kurzem habe ich das Debüt „Liebewesen“ von Caroline Schmitt gelesen. Das Buch ist 2023 im Eichborn Verlag in der Bastei Lübbe AG veröffentlicht worden und dem Genre Liebesroman zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Lios Körper ist ihr Albtraum, daran ändert auch ihr Freund Max nichts. Als sie ungeplant schwanger wird, starrt sie nicht nur fassungslos auf den positiven Test, weil jemand wie sie doch gar nicht schwanger werden kann, sondern auch auf das Ende einer mühsam erarbeiteten Normalität. Sie ist unfähig, Max von der Schwangerschaft zu erzählen, und genauso unfähig, diese zu beenden. Während das Kind in Lios Bauch wächst, prasseln Erinnerungen auf sie ein: an ihre kalte Mutter, ihren hilflosen Vater und an all das andere, das sie für immer vergessen wollte. Zum ersten Mal stellt sie sich ihrer Vergangenheit – und riskiert damit, dass alles zusammenbricht.

„Liebewesen“ ist der Debütroman der Journalistin Caroline Schmitt – und was für einer. Dabei lässt er sich bereits nur schwerlich einem Genre zuordnen. Als Modernisierung fürs Liebesroman-Genre beworben, lässt er sich zwar unzweifelhaft dort einordnen, changiert aber auch zwischen Entwicklungs- und Schicksalsroman, ist Gegenwartsliteratur und ließe sich sogar im Bereich LGBTQIA+ einordnen – ein bunter Genremix also.

Die Handlung ist zentriert auf die Liebesgeschichte – bzw. die Beziehung – zwischen Max und Lio und wird aus der Ich-Perspektive von Lio erzählt, was es dem Leser ermöglicht, mit ihr im Speziellen mitzufiebern, zu weinen, zu lachen und zu leiden. Dabei verliert die Geschichte – trotz der schweren Themen – nie ihren Humor, der den Roman prägt und viel zum – sprachlichen – Erfolg des Debüts beiträgt. So unglaublich stark sie anfängt, baut sie allerdings auch leicht in der zweiten Hälfte ab – und gerade das Ende vermag hier nicht zu überzeugen.

Das Setting ist so austauschbar wie das Leben, belanglos – und daher gerade gut und realistisch. Eine chaotische WG, eine Wohnung mit Goethe-Gesamtausgabe – und ein Palettenbett in der gemeinsamen Wohnung. Caroline Schmitt führt den Leser in den banalen Alltag zwischen Bootstouren nach Frankreich und Jahrgangspartys im Garten der Mutter – schonungslos und ehrlich zeigt sie die Klischees von ihrer wahren Seite: weder romantisch verklärt, noch glamourös leuchtend.

Dies schlägt sich auch in den Figuren durch, die perfekt unperfekt sind – vom depressiven Radiomoderator bis hin zur – nicht näher definierten – asexuellen Biologin, die schwanger wird. Die Autorin schafft hier Figuren, die nachvollziehbar sind, die auch problemlos im Nachbarhaus leben könnten. Dabei ist ihr Schreibstil gut und flüssig lesbar, pointiert und prägnant – lediglich am Ende verlieren sich Autorin und Geschichte etwas.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz ist konservativ, aber fehlerfrei – auch wenn man auf die den späteren Kapiteln vorgestellten Erklärungen zu den einzelnen Schwangerschaftswochen hätte verzichten können. Der Buchumschlag ist einfach, die Coverrückseite überladen, das Buch unter dem Umschlag immerhin mit farbigen, allerdings eintönigen Coverinnenseiten versehen. Das Covermotiv ist experimentell und gewöhnungsbedürftig – schon ein Eyecatcher, allerdings ein fragwürdiger, fehlt mir doch jeder Sinn hinter dem Motiv.

Mein Fazit? „Liebewesen“ ist ein spannendes Debüt, das vor allem dank der pointierten Sprache, dem Humor und seiner schonungslosem Realismus punktet, aber auch kleinere Schwächen gerade am Ende hat. Für Leser von Gegenwartsliteratur bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 16 Jahren.

Von Frauen mit Visionen | Doppelte Buchpost

Und auch diese beiden Bücher erreichten mich vor kurzem als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de – vielen Dank dafür! „Die nächste Depperte“ von Susanne Kristek (Gmeiner-Verlag) ist dabei ein schwarzhumoriges Buch über den steinigen Weg zur Autorin, „Die Frauen vom Lindenhof – Ein Neuanfang für uns“ vom Autorinnenduo Katharina Oswald (FISCHER Taschenbuch, S. Fischer Verlage) der Beginn einer neuen Familiensaga über Frauen, die ihren Platz im Nachkriegsdeutschland der 50er-Jahre behaupten.

Mögt Ihr humoristische Bücher?

[Buchgedanken] Thorsten Steffens: „Klugscheißer Royale“

Zu Beginn des neuen Jahres habe ich „Klugscheißer Royale“ von Thorsten Steffens gelesen – vielen Dank an den Autor für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars. Der Roman ist 2018 bei Piper Humorvoll in der Piper Verlag GmbH, München, veröffentlicht worden und am ehesten dem Genre humorvolle Literatur / Gegenwartsliteratur zuzuordnen. Der Nachfolgeband, „Klugscheißer Deluxe“, ist im letzten Monat als e-Book erschienen.

41fj5UJdx4L._SX314_BO1204203200_Timo Seidel ist 28 Jahre alt und führt ein Leben ohne jegliche Ambitionen. Anstatt wie seine Freunde Karriere zu machen, ist er in seinem Studentenjob hängengeblieben. Dement­sprechend uninspiriert führt er seine Arbeit aus, so dass er fristlos entlassen wird. Zu allem Überfluss hat seine Freundin Cleo beschlossen, sich von ihm zu trennen. Nun steht er also da: Ohne Freundin, ohne Job, ohne Geld und ohne Perspektive. Aus heiterem Himmel bietet sich ihm jedoch eine außergewöhnliche Offerte: Er bekommt einen befristeten Arbeitsvertrag als Lehrer. Nun ist es also offiziell: Für die kommenden sechs Monate darf Timo staatlich beauftragter Klugscheißer sein. Im öffentlichen Dienst! Vom Staat angeheuert wie James Bond! Quasi 007 Klugscheißer Royale! Schnell muss er allerdings feststellen, dass der Lehrerberuf doch ein wenig schwieriger ist als ursprünglich gedacht…

„Klugscheißer Royale“ ist nicht mehr – aber auch nicht weniger – als kurzweilige Unterhaltung für zwischendurch. Locker und humorvoll, und dabei leicht und flüssig zu lesen, zeichnet der Autor ein Porträt eines Mannes, der sich pleite, verlassen und arbeitlos zurück ins Leben zu kämpfen versucht.

Die Handlung kommt dabei etwas kurz, ist teils übertrieben, unrealistisch und bietet kaum große Höhepunkte. Darauf kommt es aber auch nicht an, denn vielmehr als mit einem durchgezogenen Spannungsbogen punktet der Roman mit der Aneinanderreihung von Alltagssituationen, die Timo auf humorvolle Weise mal besser, mal schlechter meistert.

Dabei entwickelt sich der Hauptprotagonist im Verlauf der Handlung durchaus weiter, ist generell dreidimensional und vielschichtig angelegt – mit Stärken und Schwächen. Durch die gewählte Erzählperspektive (Ich-Erzählung aus der Sicht von Timo) und die durchaus etwas tiefergehenden, selbstreflektierenden Momente, kann man sich gut mit dem Protagonisten identifizieren.

Die Buchgestaltung überzeugt im Wesentlichen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, insbesondere die Einbindung der Neologismen lockert den Text zusätzlich auf. Das Cover hingegen, vor allem auch die sehr eintönige Coverrückseite sind farblich ein Eyecatcher, mir aber fast zu kindlich und spiegeln die Handlung des Buches nicht wirklich wieder.

Mein Fazit? „Klugscheißer Royale“ ist kurzweilige Unterhaltung für zwischendurch – sehr humorvoll, nie langweilig, aber auch ohne große Höhepunkte. Für Liebhaber humoristischer Literatur bedenkenlos zu empfehlen, auch ideal als Urlaubslektüre.

[Buchgedanken] Nina MacKay: „Rotkäppchen und der Hipster-Wolf“

Bereits vor einiger Zeit habe ich das dritte Buch in meinem fantastischen Lesefrühling gelesen: „Rotkäppchen und der Hipster-Wolf“, geschrieben von der für den DELIA-Literaturpreis nominierten Autorin Nina MacKay. Es ist 2016 beim Drachenmond Verlag erschienen und ist … gar nicht so leicht zu kategorisieren :). Ich ordne es jetzt mal ohne Gewähr als humoristisch-phantastische Young-Adult-Märchenadaption ein.

Im Märchenwald herrscht Chaos. Die vier Ehemänner von Snow, Cinder, Rose und61jcbd-vigl-_sx353_bo1204203200_ Rapunzel sind verschwunden. Zusammen mit Red machen sich die Prinzessinnen auf die Suche nach ihren Happy-Ends. Schnell sind auch die Hauptverdächtigen klar und werden auf einer „Verhöre-und-Töte“-Liste erfasst. Wölfe, Hexen, böse Feen und Stiefmütter – mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg führt die selbsternannte Schneewittchen-Gang ihre Ermittlungen durch. Und als wäre das noch nicht kompliziert genug, trifft Red auf ihren Streifzügen auch noch auf Ever, einen gutaussehenden Hipster, der als Werwolf nicht nur ganz oben auf der Verdächtigenliste steht, sondern auch Red mit ihrer Wolfphobie konfrontiert … und ganz neue Gefühle in ihr weckt. Doch welche Ziele verfolgt Ever? Und was haben Hook, Peter Pan, Alice und Prinzessin Jasemin mit der ganzen Geschichte zu tun?

Dass „Rotkäppchen und der Hipster-Wolf“ schlussendlich durch den phantastischen Lesefrühling zu mir gefunden hat, ist wie ein kleines Happy-End. Als Liebhaber humoristischer Fantasy bin ich immer froh, wenn sich zur Auflockerung zwischen die bedeutungsschwangeren High-Fantasy-Epen ein kleiner, humoristischer Lichtblick verirrt. Und diesen Sinn erfüllt Nina MacKays Werk perfekt. Es unterhält und zaubert jedem Leser (auch bereits mit dem gelungenen Vorwort) ständig ein Lächeln ins Gesicht. Witzige und liebenswerte Charaktere, skurille und außergewöhnliche Begebenheiten und die brilliante Kombination aus Märchen-Setting mit der modernen, technologisierten Social-Media-Welt sorgen für ein märchenhaftes Lesevergnügen.

Mit ihrem locker-leichtem Schreibstil gelingt es der Autorin, den Leser in die Geschichte zu ziehen und nicht mehr loszulassen. Trotz der ständigen Sprünge zwischen den verschiedenen Handlungsorten, wird der Leser stets an die Hand genommen und an die Geschichte herangeführt. Dabei kann man sich gut mit den Charakteren identifizieren, die sich auch im Laufe der Handlung weiterentwickeln. Dabei ist ebenfalls auf die Gestaltung der Nebenfiguren Wert gelegt worden (mir gefallen Cinder, Rose und Rapunzel sogar fast noch besser, als Red und Ever) :). Vor kurzem ist Nina MacKay zudem für ihr Werk „Plötzlich Banshee“ (ivi) für den DELIA-Literaturpreis in der Kategorie „Bester deutschsprachiger Jugendliebesroman“ nominiert worden. Nun weiß ich auch warum – und „Rotkäppchen und der Hipster-Wolf“ wird definitiv nicht mein letztes Buch der Autorin gewesen sein.

Was ich mir noch gewünscht hätte (was aber absolut kein Kritikpunkt sein soll), ist eine Karte am Anfang. Bei der großen Rolle, die die Reisen zwischen den einzelnen Ländern im Buch einnehmen, hätte ich mir eine kleine Übersicht über die Handlungsorte gewünscht :).

Das Cover ist wunderschön und von der talentierten Designerin (und bekannten Autorin) Marie Graßhoff gestaltet worden, der Buchsatz ein erneutes Highlight – wie üblich bei Büchern aus dem Verlag. Die fein eingestreuten Illustrationen von Andrea Grautstück und Mirjam H. Hüberli, das Lektorat von Isabell Schmitt-Egner und das Korrektorat von Lillith Korn überzeugen ebenfalls – Fehler sind in diesem Buch absolute Mangelware.

Mein Fazit? „Rotkäppchen und der Hipster-Wolf“ ist ein tolles, humoristisches Buch. Es sorgt für gute Laune und zaubert dem Leser ein Lächeln aufs Gesicht. Ich freue mich in jedem Fall auf weitere Geschichten aus dem Märchenwald und kann das Buch bedenkenlos jedem Liebhaber fantastischer Literatur ans Herz legen.