[Buchgedanken] Frauke Angel: „Neue Heimat – 1404“ (Neue Heimat 1)

Vor kurzem habe ich auch „Neue Heimat – 1404“ von Frauke Angel gelesen. Das Buch ist 2024 in der Tulipan Verlag GmbH (mittlerweile Teil der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH) erschienen und dem Genre Kinder- bzw. Jugendkrimi zuzuordnen, die Illustrationen stammen von Stephanie Brittnacher. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Enna tickt ein bisschen anders. Im Moment vor allem anders als ihre Mutter Stella, mit der sie Hals über Kopf aus dem gutbürgerlichen Stadtviertel in den 14. Stock einer Hochhaussiedlung umzieht. Während die erschöpfte Stella die neue Wohngegend als Ghetto bezeichnet, wittert Enna ihre Chance: Auf einen aufregenden Neuanfang, auf neue Freunde! Doch als gleich in der ersten Woche Ennas nagelneues Rad aus dem Fahrradraum geklaut wird, scheinen Stellas Vorurteile bestätigt und Enna sieht ihr neues Leben in Gefahr. Sie beschließt, den Dieb auf eigene Faust zu schnappen. Und sie bleibt mit ihrem Vorhaben nicht lange allein: Mit Vivien, Firuz und den Zwillingen Jack und Joy, die alle im selben Turm wohnen, gründet sie eine Bande, die sie nach der Hochhaussiedlung „Neue Heimat“ nennen – und gemeinsam machen sie sich auf die turbulente Spurensuche.

„Neue Heimat – 1404“ ist der Auftaktband einer Reihe an Kinder- bzw. Jugendbüchern für Leser:innen ab 11 Jahren. Dabei habe ich den Roman aufgrund der zentralen Bedeutung des Diebstahls für die Handlung als Kinder- bzw. Jugendkrimi eingeordnet, ob sich dies allerdings durch die Reihe durchzieht oder im weiteren Verlauf sich die Folgebände doch eher in Richtung klassisches Jugendbuch entwickeln, bleibt jedoch abzuwarten. Aufgrund der Altersempfehlung für die Leser:innen und des Alters der Protagonisten balanciert das Buch zudem direkt an der Grenze zwischen Kinder- und Jugendbuch, sodass ich hier keine genaue Festlegung getroffen habe.

Die Handlung ist im Wesentlichen spannend, humorvoll und altersgerecht. Während sie zu Beginn durchaus etwas hektisch und aufgrund der Einführung der Protagonist:innen teils unübersichtlich ist, nimmt sie im Verlauf doch an Fahrt auf. Lediglich das Ende kommt etwas komplikationslos und rasch daher, auch für die Zielgruppe hätte es hier ein paar Stolpersteine auf dem Weg zum Ziel mehr geben können.

Das Setting ist gelungen. So entführt die Autorin die Leser:innen in eine Hochhaussiedlung an der Grenze zum sozialen Brennpunkt. Dabei vermengt Frauke Angel dort Themen wie Migration, psychische Erkrankungen, Alkoholismus und die Vernachlässigung von Kindern (um nur einige zu nennen) zu einem interessanten Gesamtpaket – auch wenn einige der angelegten Probleme als etwas zu gewollt erscheinen.

Die einzelnen Figuren sind aufgrund der schieren Fülle noch etwas schematisch angelegt, können sich im Laufe der nächsten Bände aber noch entwickeln. Dabei überzeugen derzeit vor allem wichtige Nebencharaktere wie die Zwillinge Jack und Joy oder auch Cleo. Frauke Angels Schreibstil ist zudem altersgerecht, lässt sich leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anspringen.

Die Buchgestaltung ist ebenfalls im Wesentlichen gelungen. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist wunderschön anzusehen, versucht durchaus innovativ Chatnachrichten einzubauen und wird durch die tollen Illustrationen von Stephanie Brittnacher unterstützt. Das Hardcover ist mit in Graustufen gestalteten Coverinnenseiten ausgestattet, das Covermotiv bietet (auch auf der Coverrückseite) farblich tolle Akzente, ist insgesamt für mich allerdings etwas zu düster und zu abstrakt gehalten.

Mein Fazit? „Neue Heimat – 1404“ ist ein vielversprechender Auftakt in eine Buchreihe, die wichtige Themen anspricht und mit tollen Charakteren punktet, aber auch noch etwas Luft nach oben für die Folgebände lässt. Für Leser:innen ab dem vom Verlag vorgesehenen Lesealter von 11 Jahren bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Katie Henry: „Gideon Green – Das Leben ist nicht schwarz-weiß“

Vor kurzem habe ich „Gideon Green – Das Leben ist nicht schwarz-weiß“ von Katie Henry gelesen. Das Buch ist 2023 im Magellan Verlag, Magellan GmbH & Co. KG erschienen, die Originalausgabe wurde 2022 unter dem Titel „Gideon Green in Black and White“ bei Katherine Tegen Books veröffentlicht. Der Roman ist als Jugendbuch einzuordnen, für die Übersetzung zeichnet Anne Emmert verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Eigentlich hat Gideon seine Karriere als Detektiv ja längst an den Nagel gehängt. Damals, nach den Vorkommnissen auf dem Schuldach. Doch dann steht plötzlich Lily vor der Tür, die mal sowas wie seine beste Freundin war. Sie ist da einer Sache auf der Spur und dafür braucht sie Gideons Hilfe. Und weil eben niemand so ein gutes Gespür hat für Verbrechen wie Gideon, kann er quasi nicht Nein sagen. Aber mit wem haben sie sich da angelegt? Als es schließlich um einen echten Mord geht und Gideon eine Verschwörung bis in die höchsten Kreise der Stadt wittert, muss er feststellen, dass das Leben so gar nichts mit einem Film noir zu tun hat.

„Gideon Green – Das Leben ist nicht schwarz-weiß“ wird vom Verlag als Jugendkriminalroman beworben, als Coming-of-Age Geschichte für Leser ab 13 Jahren. Da der Roman zudem jugendtypische Probleme thematisiert wie Freundschaft, Mobbing, Probleme mit den Eltern und die erste Liebe, sehe ich den Roman eher als klassisches Jugendbuch, sind doch beide Handlungsstränge für mich gleichwertig. Dabei ist der Roman soweit ich es sehe als Einzelband angelegt, er hätte jedoch durchaus auch das Potential eine Reihe zu begründen – ich würde mich zumindest über weitere Titel über Gideon und seine Freunde sehr freuen.

Die Handlung ist kurzweilig und abwechslungsreich, der Spannungsfaktor eher im moderaten Bereich, nahe eines Cozy Crime Titels – alles in allem also durchaus altersgerecht. Dabei werden die einzelnen Handlungsstränge gut ausbalanciert, sodass auch Gideons persönlich Entwicklung, die man durch die intelligent gewählte Ich-Perspektive hautnah miterleben darf, nicht zu kurz kommt. Obwohl alle wesentlichen Handlungsstränge aufgelöst werden, verbleib dennoch genug Potential für Folgebände – sowohl in kriminalistischer als auch in romantischer Richtung – hoffen darf man ja mal.

Das Setting ist gelungen, aber unspektakulär und austauschbar. So entführt der Roman den Leser in eine typische kalifornische Stadt – Strand und Highschool inklusive. Dabei spielt der Roman mit seinem Setting, durch Gideons Augen erlebt man die Handlungsorte einmal real und in einer Film noir Version, die er sich vorstellt. Besonderes Highlight? Der durch Gideons Vater ermöglichte Einblick ins Gastrogewerbe.

Die einzelnen Figuren sind vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Gideon kann hier durch seine Mischung aus Intelligenz und Unsicherheit durchaus punkten und überzeugen, aber die Show wird ihm von Tess gestohlen, die auf ganzer Linie brilliert und sich vom ersten Moment an in die Herzen aller Leser gespielt hat – gern würde ich auch Spinoff-Romane von ihrer Collegezeit lesen. Katie Henrys Schreistil ist hierbei leicht und flüssig zu lesen, altersgerecht und lässt das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist ordentlich, hätte aber noch etwas mutiger, innovativer sein können. Der Buchdeckel bietet ein einheitliches Design und ist mit gestalteten Coverinnenseiten versehen, das Covermotiv kann gleichsam überzeugen, auch wenn auf Cover und Coverrückseite die Typografie ebenfalls etwas stärker ans Thema Film hätte angepasst werden können.

Mein Fazit? „Gideon Green – Das Leben ist nicht schwarz-weiß“ ist ein überzeugendes Jugendbuch, der vor allem durch faszinierende Charaktere und eine abwechslungsreiche Handlung brilliert und nach mehr davon schreit. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag vorgeschlagenen Lesealter von 13 Jahren.