[Buchgedanken] Kai Bliesener: „Hotel Silber – neue Zeit, alte Schuld“ (Hotel Silber 1)

In der letzten Zeit habe ich auch „Hotel Silber – neue Zeit, alte Schuld“ von Kai Bliesener gelesen. Das Buch ist 2024 in der Emons Verlag GmbH erschienen und als historischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Stuttgart 1945. Der Polizeibeamte Paul Kramer muss mithelfen, im berüchtigten Hotel Silber die neue Kriminalpolizei aufzubauen – genau an jenem Ort, an dem er wenige Tage vor Kriegsende noch von der Gestapo gefoltert wurde. Doch Hass und Ideologie sind mit der Kapitulation nicht verschwunden. Als die ersten Verbrechen aufgeklärt werden müssen, zeigt sich schnell, wer auf welcher Seite steht – und Pauls Ermittlungen werden für ihn selbst zur Gefahr.

„Hotel Silber – neue Zeit, alte Schuld“ ist – potentiell – der Auftakt einer Buchreihe um den Aufbau der Kriminalpolizei im Stuttgart der Nachkriegszeit. Dabei wird das Buch als historischer Kriminalroman beworben – und das Genre auch auf dem Cover angegeben. Meines Erachtens ist zumindest dieser Band jedoch eher als historischer Roman zu bewerten, porträtiert er doch die Epoche, führt die Figuren – auch mit komplexen Hintergrundgeschichten – ein und verschiebt so den Fokus weg von den beiden Kriminalfällen, die auch nicht in Gänze zu Ende erzählt werden. Es bleibt jedoch durchaus möglich, es erscheint sogar wahrscheinlich, dass durch die potentiellen Folgebände die Reihe sich insgesamt mehr in Richtung historischer Kriminalromane entwickelt – und dieser Band dann in seiner Funktion als Auftaktband, als Exposition vor allem Figuren, Atmosphäre und Setting für die Leser:innen greifbar und sichtbar macht.

Generell ist die Handlung jedoch durchaus abwechslungsreich und spannend – und natürlich aufgrund der Themen durchaus schonungslos brutal, beklemmend und bedrückend. Natürlich sollte es jedem klar sein, worauf man sich bei Büchern über diese Epoche einlässt – es hätte dennoch nicht geschadet, dem Roman vielleicht Content Notes hintenanzustellen. Etwas schade finde ich es zudem, dass der Roman etwas unbefriedigend offen endet, auch wenn das natürlich wieder die Probleme der Zeit verdeutlicht, umfassend und konsequent die Täter des Nationalsozialismus zu verfolgen.

Das Setting ist – erwartbar – brillant. So entführt der Autor die Leser:innen ins Stuttgart der letzten Kriegstage und in die unmittelbare Nachkriegszeit zwischen Hunger, Wiederaufbau und zarten, ersten Bestrebungen der Demokratisierung. Dabei gelingt es Kai Bliesener, die bedrückende Atmosphäre, die Hoffnungslosigkeit der Insassen im Hotel Silber für die Leser spürbar zu machen – auch durch die eingestreuten Perspektivwechsel in die Tätersicht. Gern hätte ich hier noch etwas mehr über den täglichen Überlebenskampf in der Nachkriegszeit gelesen – aufgrund der sehr privilegierten Lage von Hilde und Paul wird hier das Bild etwas verzerrt, durch die Szenen im Lager der Displaced Persons aber etwas relativiert.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive, sind aber aufgrund der Kürze des Romans auch durchaus noch mit Entwicklungspotentialen für die Folgebände versehen. Hierbei überzeugen insbesondere Hilde und wichtige Nebenfiguren wie Lemke und Thiele, während gerade den Antagonisten aus meiner Sicht noch etwas die Tiefe und Komplexität fehlt, um diese nicht nur zu dämonisieren. Kai Blieseners Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen, das Kopfkino sofort anlaufen und zeugt von guter Recherche.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind zwar Kleinigkeiten durchgerutscht, diese schmälern aber das Lesevergnügen kaum, der Buchsatz ist ordentlich. Der Buchumschlag ist relativ düster und eintönig, das passt aber gut zur Stimmung und Atmosphäre des Buches, die typographische Gestaltung brilliert. Das Covermotiv passt gut zur Handlung, wird jedoch leider zum Buchrücken hin abrupt unterbrochen. Auf die eindeutige Positionierung des Autors im Nachwort hätte ich zudem verzichten können – sie ist m.E. auch unnötig, steht das Buch doch mit seinem Grauen bereits für sich als Mahnmal und macht weitere Erklärungen überflüssig.

Mein Fazit? „Hotel Silber – neue Zeit, alte Schuld“ ist ein bedrückender historischer Roman, der vor allem mit seinem Setting und einer durchaus spannenden Handlung glänzt, dabei aber auch kleinere Schwächen aufweist und genug Entwicklungspotential für Folgebände bietet. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.

[FBM2024] Tag 4 – Zwischen Meet & Greet und Mia San Mia

Am letzten Samstag stand bereits der vorletzte Tag der Frankfurter Buchmesse an – und für mich war dieser Tag gefüllt mit wundervollen Begegnungen und tollen Erlebnissen, die mich überwältigt (eine schlechte Übersetzung von „starstruck“) zurückgelassen haben, mit: Lena Oberdorf, Julia Quinn, Franzi Kopka, Caroline Brinkmann, Sabine Schoder, Julia Kuhn, Viktoria Etzel, Manuela Inusa, Kai Bliesener und Robert Preis.

Wie die Überschrift schon vermuten lässt, war auch mein Samstag gefüllt mit einigen Begegnungen und nur wenig Veranstaltungen. So konnte ich am Morgen nicht nur vor ihrer Lesung Viktoria Etzel kennenlernen, sondern auch später bei einem Meet & Greet Franzi Kopka (rechts abgebildet), Caroline Brinkmann und Sabine Schoder treffen. Insbesondere auf Franzi habe ich mich hier besonders gefreut, habe ich doch „Gameshow – Der Preis der Gier“ von ihr geliebt und auf den ersten Platz meines Seraph-Juryvotings gesetzt, eines meiner absoluten Lesehighlights der letzten Zeit. Natürlich ließ ich mir daher auch die ersten beiden Bände ihrer neuen Trilogie signieren, jeweils in der wunderschönen Exklusivausgabe der Bücherbüchse – ich bin schon ganz auf „Honesty“ gespannt!

Mittags ging es dann zu einer absoluten Traumveranstaltung für mich, denn am Stand der „Zeit“ nahm Julia Quinn auf der Bühne Platz, Weltbestseller-Autorin und Schöpferin der legendären „Bridgerton“-Reihe, die durch die Verfilmung als Serie auf Netflix unzählige Herzen erreicht, gebrochen und erobert hat. Julia Quinn war unglaublich sympathisch, nahbar und plauderte im Talk über ihre Schreibroutine, ihr Leben und die Grundlagen ihrer Bücher. Bitte, bitte mehr davon! Auf dem Weg durch die Hallen zum nächsten Meet & Greet traf ich dann zudem noch zufällig Manuela Inusa, die ich auch schon viel zu lange nicht mehr gesehen hatte – es ist immer wieder toll!

Mein Nachmittag begann im Anschluss mit einem Termin, der mein Fanherz höher schlagen ließ. Denn Lena Oberdorf, Spielerin des FC Bayern München und der Deutschen Fußballnationalmannschaft stand für Autogramme zur Verfügung – leider ließ die Beleuchtung des Standes kaum vernünftige Fotos zu – dennoch ein unvergesslicher Moment! Über den ganzen Tag verteilt besuchte ich zudem noch die Signierstunde von Julia Kuhn sowie Meet & Greets beim Emons Verlag, bei denen ich Robert Preis und Kai Bliesener traf und mir jeweils von ihnen Bücher signieren ließ – ein wirklich gelungener Tag.

Am Sonntag sollte dann alles wieder entspannter werden – obwohl ich mir einiges an Programm vorgenommen hatte. Doch dazu in Kürze mehr!

Von neuen Gefühlen und alten Ideologien | Rezensionsexemplare im Doppelpack

In der letzten Zeit erreichten mich auch diese beiden Bücher als Rezensionsexemplare – vielen Dank dafür! „Hotel Silber – neue Zeit, alte Schuld“ von Kai Bliesener (Emons Verlag GmbH) kam dabei im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de zu mir, „Mein Herbst voller Küsse, Chaos und Graffiti“ von Michaela Thewes (One Verlag in der Bastei Lübbe AG) über die verlagseigene Bloggerjury. Dabei könnten die Romane kaum unterschiedlicher sein. Während Kai Blieseners historischer Kriminalroman ein wenig beleuchtetes Kapitel Stuttgarter Nachkriegsgeschichte ins Rampenlicht rückt, setzt Michaela Thewes‘ Jugendbuch die Geschichte um Charly und Noah fort – Liebeswirbel und Herzflattern inklusive. Ich bin auf beide gleichermaßen gespannt!

Zu welchem Genre greift Ihr am häufigsten, wenn Ihr nach neuen Büchern sucht?