[Buchgedanken] Lea Gerstenberger: „Der Gesang des Falken“

In der letzten Zeit habe ich auch „Der Gesang des Falken“ von Lea Gerstenberger gelesen. Das Buch ist 2026 im Knaur Verlag, einem Imprint der Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG erschienen und als historischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Paris, 1514. Der königliche Hof glänzt vor Pracht und Reichtum, doch hinter den Kulissen herrschen Missgunst und Intrigen. Marcelle, die Tochter des Großstallmeisters, verabscheut dieses Theater. Wirklich glücklich ist sie nur fernab des Hofes beim Zeichnen und mit ihrem einzigen Freund Jean, dem Sohn des Großfalkners. Als Marcelle von ihrem Vater gezwungen wird, sich als Hofdame der englischen Braut des Königs zu beweisen, wird ihr ein junges Mädchen zur Seite gestellt – Anne Boleyn. Sie scheint alle höfischen Tugenden zu verkörpern: elegant, gebildet, unnahbar. Deshalb darf sie auch in Frankreich bleiben, als ein neuer König den Thron besteigt. Doch Marcelle blickt bald hinter die Fassade der Engländerin und entdeckt in Anne eine Verbündete, deren Scharfsinn und verborgener Freiheitsdrang ihr imponieren. Kann ihre Freundschaft den beiden helfen, sich zwischen höfischen Intrigen und großen Träumen zu behaupten und ihren eigenen Weg zu finden?

„Der Gesang des Falken“ ist der Debütroman von Lea Gerstenberger, der sich klar als historischer Roman einordnen lässt, auch wenn er dafür – den Prolog rausgerechnet – eine eher unüblich kurze Zeitspanne von 3,5 Jahren (1514-1518) abdeckt. Was der Roman – entgegen der prominenten Bewerbung – jedoch nicht ist: ein Buch über Anne Boleyn, spielt diese doch nur eine Randfigur. Sobald man darüber hinwegsieht, entwickelt sich jedoch ein in weiten Teilen überzeugendes, durchaus gelungenes Debüt, das viel Spaß macht.

Denn die Handlung ist grundsätzlich spannend und abwechslungsreich, auch wenn der Prolog leider das Ende des Haupthandlungsstrangs bereits vorwegnimmt. Zudem kommt es nie zu einer wirklichen Verknüpfung dieses mit dem zweiten Haupthandlungsstrang um Francoise, der deswegen etwas im luftleeren Raum verbleibt – und auch das Ende hätte ich mir generell etwas anders gewünscht.

Dahingegen vermag das Setting vollends zu brillieren. So entführt die Autorin die Leser:innen ins frühe 16. Jahrhundert, in eine Zeit, geprägt von höfischem Eskapismus und der aufkommenden Reformation. Lea Gerstenberger gelingt es dabei, ein vielschichtiges und bildgewaltiges Porträt des französischen Hofes zu zeichnen, ohne hierbei den Fokus auf die intime Liebesgeschichte zwischen Jean und Marcelle zu verlieren, die sich zwischenzeitlich als historisches Love Triangle entpuppt.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Mary Tudor und Claude, aber auch Marcelle kann glänzen, während Jean teils wenig nachvollziehbar handelt. Lea Gerstenbergers Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen und zeugt von gelungener Recherche, auch wenn im Zweifel bei der Abwägung sicherlich die Lesbarkeit der historischen Authentizität vorgezogen wurde.

Die Buchgestaltung ist gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben im Wesentlichen sauber gearbeitet, der Buchsatz ist mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Der Geschichte ist eine Dramatis Personae voran- und ein einordnendes Nachwort und eine Literaturliste hintangestellt – gern hätte ich mir hier noch eine Karte Frankreichs oder einen Stammbaum des Königshauses gewünscht. Das Covermotiv setzt sich nahtlos auf Buchrücken und Coverrückseite fort, ist genretypisch und ansehnlich, aber kein Eyecatcher.

Mein Fazit? „Der Gesang des Falken“ ist ein gelungener, historischer Debütroman, der zwar kleine Schwächen in der Handlung hat, diese durch sein brillantes Setting aber ausgleichen kann. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

Starke Frauen | buchige Neuzugänge

Mit Erschrecken habe ich festgestellt, dass ich Euch diese beiden Neuzugänge noch gar nicht gezeigt hatte. „Der Gesang des Falken“ von Lea Gerstenberger (Knaur Verlag, Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG) kam dabei als Rezensionsexemplar im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de zu mir, „Falling Slowly“, der erste Band der „Wyford College“-Dilogie von Isabel Kritzer (Everlove, Piper Verlag GmbH), als Leseexemplar, nachdem ich die Entstehung des Buches als Testleser bereits begleiten durfte. Beide Romane haben dabei starke weibliche Protagonistinnen – und ich freue mich schon darauf, beide noch vertiefter kennenzulernen.

Welchen Roman habt Ihr zuletzt beendet?

[Buchgedanken] Kristin MacIver: „Limerick Love. Win Your Heart“ (Limerick Love 2)

In den letzten Tagen habe ich auch „Limerick Love. Win Your Heart“ von Kristin MacIver gelesen. Das Buch ist 2026 im Knaur Verlag in der Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG erschienen und als historische New Adult Romance einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Irland, 1462. Im Dorf ihrer Großmutter sucht Sláine Ó Meadhra nach einem Neuanfang. Stattdessen findet sie ihn: Callum. Doch ihr Freund aus Kindheitstagen hat eine mysteriöse Vergangenheit: Manche nennen ihn einen Piraten, andere einen Mörder. Er hält Sláine auf Abstand, so sehr sie auch seine Nähe sucht. Enttäuscht wendet sie sich dem charismatischen Rian zu und entdeckt an seiner Seite ihre Liebe zum Rudern. Doch ihr Herz schlägt bereits für Callum … Ein großes Ruderturnier wird schließlich zu Callums letzter Chance, seinen Namen reinzuwaschen. Aber skrupellose Gegner lassen ihm und Sláine nur eine Wahl: gemeinsam kämpfen – oder untergehen.

„Limerick Love. Win Your Heart“ ist der zweite Teil der „Limerick Love“-Dilogie, kann aber unabhängig vom ersten Band als Standalone gelesen werden, die Verknüpfungen sind eher gering, auch wenn die Protagonistin bereits im ersten Band die Leser:innen begeisterte – in „Limerick Love. Break the Rules“ war Sláine meine Lieblingsfigur. Allerdings sehe ich diesen Band – im Gegensatz zum ersten Teil – nicht mehr wirklich als Sports Romance, spielt doch der Sport eher eine untergeordnete Rolle, ist mehr Mittel zum Zweck und keiner der Love Interests ist wirklich zentral involviert.

Dies ist allerdings der einzige wirkliche Wermutstropfen, denn die Handlung ist sonst hochspannend und abwechslungsreich und sorgt so dafür, dass das Buch sich zu einem absoluten Pageturner entwickelt, der selbst am Ende überzeugt, das zwar genretypisch happy, aber nicht kitschig rosarot ist. Zugleich werden – trotz des historischen Settings – auch gesellschaftlich relevante Themen eingebaut, die doch zeigen, dass wir uns in einigen Bereichen gar nicht so weit entwickelt haben, wie wir es gern glauben würden. Erzählt wird das Buch hierbei aus Sláines Ich-Perspektive.

Das Setting überzeugt naturgemäß auf ganzer Linie. So entführt die Autorin ihre Leser:innen ins Irland des 15. Jahrhunderts. Und auch wenn dieses Mal nicht der Konflikt zwischen den Gaelic Irish und den Anglo-Irish im Zentrum der Handlung steht, finden sich doch genug Themenfelder, auf denen sich Kristin MacIver mit ihren Figuren tummeln kann – erneut glänzt hier auch die Recherche, auch wenn sicherlich zugunsten der Lesbarkeit auf das ein oder andere historische Detail verzichtet wurde.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei brillieren neben Sláine insbesondere wichtige Nebenfiguren wie Maeve und Oisín, während lediglich Callum fast etwas zu gebrochen für den „broken hero“ ist. Kristin MacIvers Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung kann ebenfalls glänzen. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz ist gelungen und stellt den Kapiteln jeweils kurze Zitate/Gedanken von Callum vorweg. Unterstützt wird die Handlung hierbei durch eine großformatige Illustration der Protagonist:innen in den Coverinnenseiten sowie ein Glossar und eine Aussprachehilfe. Der Umschlag ist mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen, das Covermotiv passt gut zum ersten Teil und bildet einen einheitlichen Gesamteindruck der Reihe mit Wiedererkennungswert.

Mein Fazit? „Limerick Love. Win Your Heart“ ist ein toller Abschluss der Dilogie, der sich zwar genremäßig durchaus vom ersten Band entfernt, dabei gleichsam aber ein Pageturner mit einer unglaublich spannenden Protagonistin verbleibt. Für Leser:innen des Genres daher bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von etwa 16 Jahren.

Liebe liegt in der Luft | Lovelybooks-Buchpost

Auch heute habe ich noch einmal zwei Neuzugänge für Euch, die mich vor kurzem als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de erreichten – vielen Dank dafür! „Sommerwind in der Toskana“ ist dabei ein Liebesroman von Karin Seemayer (Aufbau Taschenbuch, Aufbau Verlage), während „Limerick Love. Win Your Heart“ eine in Irland spielende, historische Sports Romance von Kristin MacIver ist (Knaur Verlag, Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG). Beide Romane drehen sich trotz der unterschiedlichen Zeiten und Settings um das selbe Thema – die Liebe. Könnte es schöneres geben?

Habt Ihr bereits ein Buch der Autorinnen gelesen? Von Kristin ist das – wie man dem Bild entnehmen kann – ja nicht mein erstes Werk :).

[Buchgedanken] Kristin MacIver: „Limerick Love. Break the Rules“ (Limerick Love 1)

Vor kurzem habe ich auch „Limerick Love. Break the Rules“ von Kristin MacIver gelesen. Das Buch ist 2025 im Knaur Verlag in der Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG erschienen und als Historical Romance einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Die rebellische Lady Vivienne FitzGerald, genannt Viv, langweilt sich tödlich auf Limerick Castle, wo sie nicht mehr tun darf, als den Tag mit Sticken und Singen zu vertrödeln. Als Viv dann auch noch erfährt, dass sie in wenigen Wochen heiraten soll – den ebenso besitzergreifenden wie hochnäsigen Sir Liam – trifft sie eine verzweifelte Entscheidung: Wenigstens einmal im Leben will sie tun, wonach ihr Herz sich sehnt! Verkleidet als Junge schließt Viv sich dem Hurling-Team an. Trotz einiger Rückschläge beim Training entdeckt sie nicht nur ihre Begabung für den leidenschaftlichen Sport. Da ist auch ein verbotenes Kribbeln in ihrem Bauch, jedes Mal, wenn sie mit dem besten Hurling-Spieler Ruairí zusammen ist. Doch Ruairí und sie kommen aus verschiedenen Welten und ihre Familien spaltet eine Vergangenheit, die alles zerstören könnte …

„Limerick Love. Break the Rules“ ist der Auftaktband in die historische Sports Romance-Dilogie von Kristin MacIver, von der ich bislang auch die Celtic-Dreams-Trilogie kenne. Angesiedelt ist die Geschichte im Irland des 15. Jahrhunderts und wird aus der Ich-Perspektive von Viv erzählt. Dabei lässt sich die Geschichte relativ leicht kategorisieren, ist kein klassischer historischer Roman, auch kein historischer Liebesroman, sondern Historical Romance – mit allem, was das Genre so mit sich bringt, zum Beispiel spicy Szenen und eine Happy-End-Garantie. Darüber hinaus hätte man es auch noch als „Historical Sports Romance“ bezeichnen können, ich habe es aber bei der etwas allgemeinen Kategorisierung belassen, um das Genre nicht zu eng zu fassen.

Die Handlung ist spannend, kurzweilig und mit der ein oder anderen überraschenden Wendung versehen. Dabei mischt Kristin MacIver in altbekannter (und bewährter) Manier aus der Celtic Dreams Reihe eine freiheitsliebende Protagonistin mit einer spannenden Leidenschaft (hier das Hurling) und einer undenkbaren Liebesgeschichte zu einer wirklich toll lesbaren Geschichte, die viel Spaß macht und vor allem am Ende überzeugt – auch wenn das Konzept nicht allzu innovativ ist. Hierbei ist durchaus toll recherchiert worden – auch wenn sicherlich nicht alles historisch korrekt ist und sich sogar die ein oder andere moderne popkulturelle Anspielung findet.

Das Setting ist gelungen. So entführt die Autorin ihre Leser:innen ins Irland in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, nach Limerick, in eine Stadt voller Konflikte zwischen den englischen Besatzern und der irischen Bevölkerung. Dabei werden vor allem die gesellschaftlichen Unterschiede in aller Deutlichkeit herausgearbeitet – und der Fokus auf Hurling als historischer Sportart gelegt (prägend für die Reihe, in Band 2 wird sich dann einem anderen historischen Sport gewidmet). Gern hätte ich mir noch zur Unterstützung des Settings eine Karte gewünscht – aber die großflächige Illustration in den Coverinnenseiten ist natürlich auch wunderschön anzusehen.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Sláine (als heimlicher Leser:innenliebling – und wundervollerweise die Protagonistin des Folgebandes), Martha und Hugh, während sich Sir Liam und Darragh etwas eindimensional verbleiben und Viv nicht immer nachvollziehbar handelt. Toll ist zudem, welche Wandlung Adeline hinlegt und sich ebenfalls zu einer Favoritin entwickelt. Kristin MacIvers Schreibstil lässt sich leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen – die Waage ist hier sicherlich zugunsten der Lesbarkeit in Abwägung zur historischen Authentizität gekippt.

Die Buchgestaltung überzeugt ebenfalls im Wesentlichen. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist ordentlich, die Geschichte wird mit einer vorangestellten wundervollen Playlist abgerundet. der Umschlag ist mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Cover und gleich gestaltete Coverrückseite werden leider zum Buchrücken hin krass abgegrenzt, insgesamt sehen sie aber toll aus und bilden hoffentlich mit dem Folgeband ein tolles, einheitliches Reihenbild mit Wiedererkennungswert.

Mein Fazit? „Limerick Love. Break the Rules“ ist eine wundervolle Historical Romance mit spannender Handlung, interessanten Themen und nur minimalen Schwächen, die hier kaum ins Gewicht fallen und Lust auf Band zwei machen. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem genreüblichen Lesealter von 16 Jahren.

Rezensionsexemplare im Doppelpack | Lovelybooks-Buchpost

Bevor es in Kürze mit weiteren Buchbesprechungen weitergeht, habe ich heute erst einmal zwei Neuzugänge für Euch, die mich vor kurzem im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de erreicht haben – vielen Dank dafür. „Limerick Love. Break the Rules“ ist der Auftaktband der historischen Sports Romance von Kristin MacIver aus dem Knaur Verlag (Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG), während Volker Gerling mit „Die Todesfalle“ (SAGA Egmont) in eine neue Reihe um die Investigativjournalistin Rachel Skalla und den Fallanalytiker Daniel Krampe startet. Hochspannung und ganz große Gefühle – ich freue mich schon darauf, beide Romane zu lesen.

Mögt Ihr historische Liebesromane?

[Buchgedanken] Iny Lorentz: „Ein verhängnisvolles Testament“

In der letzten Zeit habe ich auch „Ein verhängnisvolles Testament“ von Iny Lorentz gelesen. Das Buch ist 2025 im Knaur Verlag, einem Imprint der Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG erschienen und als historischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Der Südwesten Deutschlands, 1590. Elisabeth von Thannberg ist eben erst Witwe geworden, da droht der jungen Frau und ihren Töchtern auch noch der Verlust ihres ganzen Besitzes. Der Kurfürst von Trier pocht auf die Einhaltung eines alten Vertrages. Als Elisabeths Cousine Anna Aufzeichnungen in einem Kloster findet, flammt Hoffnung auf. Kann sie das Schicksal abwenden und den Kurfürsten und seine gierigen Begleiter in die Schranken weisen? Anna steht ein harter Kampf bevor, um Elisabeth die Heimat und ihr eigenes Glück zu retten.

„Ein verhängnisvolles Testament“ ist nicht mein erstes Buch des Autorenehepaars Iny Lorentz (Iny Klocke und Elmar Wohlrath), aber das erste, das ich hier rezensiere. Es handelt sich um einen Einzelband, der grundsätzlich Fortsetzungen oder weitere Geschichten um die Protagonist:innen nicht ausschließt. Dabei lässt sich das Buch – wie eigentlich alles von Iny Lorentz – klassisch als historischer Roman einordnen. Auch wenn sich durchaus Argumente für die Klassifizierung als historischer Liebesroman finden lassen, würde ich es dennoch bei der generellen Eingruppierung als historischer Roman belassen.

Denn die Handlung bildet neben der vorhandenen Liebesgeschichte fast noch einen historischen Krimi ab, wird doch unentwegt ermittelt, intrigiert und – ja – es kommt auch zu Überfällen und Gewalt; also alles, was die Vergangenheit so üblicherweise zu bieten hatte. Dabei spielt der Roman überraschenderweise nicht im Mittelalter, sondern in der Renaissance am Ende des 16. Jahrhunderts. Insbesondere in der zweiten Hälfte des Romans gibt es kleinere Längen – und auch das Ende vermag nicht vollends zu überzeugen. Abgesehen davon ist die Handlung aber durchaus spannend und kurzweilig – sieht man mal von Annas eingestreuten Spottversen ab, auf die man gut und gern hätte verzichten können (zumindest in der Häufigkeit).

Das Setting ist gelungen. So entführen die Autoren ihre Leser:innen in den deutschen Südwesten, ins Grenzgebiet zwischen den Erzbistümern Trier und Köln und nehmen sie mit auf kleinere und mittlere Adelsgüter, ins berühmte Kloster Maria Laach und auf die ein oder andere Reise. Insbesondere vom Kloster hätte ich mir hier vielleicht noch etwas stärkere Beschreibungen gewünscht, alles in allem ist das Setting aber sehr greifbar. Eine profunde Recherche lässt sich dennoch erahnen – bei der Sprache ist die Abwägung zwischen historischer Authentizität und Lesbarkeit sicherlich zu letzterem gekippt.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Mathilde oder Philippa, während Anna und Hans teils nicht nachvollziehbar handeln und die Entwicklung von Elisabeth im letzten Drittel unglaubhaft erscheint. Iny Lorentz‘ Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen, hätte aber – wie oben bereits angedeutet – teils durchaus mehr ausschmücken können.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind doch einiges durchgerutscht, der Buchsatz ist ordentlich und rundet die Geschichte durch eine hintangestellte Dramatis Personae ab, die ich viel lieber vorn gesehen hätte. Auch hätte ich mir eine Karte gewünscht. Der Umschlag ist auf dem Cover, dem Buchrücken und der Coverrückseite hochwertig geprägt sowie mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen, sodass ein edles Gesamtprodukt entstanden ist. Das Covermotiv wird auf dem Buchrücken nahtlos fortgesetzt, der leichte Bruch zur Coverrückseite irritiert dann jedoch. Insgesamt ist das Covermotiv, der Umschlag generell, sehr hübsch und durchaus ein Eyecatcher – und zeigt auch leichte Anklänge zur Handlung. Mir persönlich erscheint die Darstellung jedoch historisch für die Zeit – und die Geschichte – nicht ganz stimmig. Auch irritiert der Titel etwas, geht es doch zu keiner Zeit um ein „Testament“, sondern um einen geschlossenen Vertrag.

Mein Fazit? „Ein verhängnisvolles Testament“ ist ein kurzweiliger, abwechslungsreicher historischer Roman mit tollem Setting und bewährten Stärken, der zum Ende hin jedoch etwas abbaut und daher die Brillanz anderer Bücher von Iny Lorentz nicht erreicht. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 14 Jahren.