[Buchgedanken] Ken Jaworowski: „What about the bodies“

In den letzten Tagen habe ich auch „What about the bodies“ von Ken Jaworowski gelesen. Das Buch ist 2026 im Pendragon Verlag veröffentlicht worden, die Originalausgabe erschien 2025 unter dem gleichen Titel bei Atlantic Crime. Der Roman ist dabei als Krimödie einzuordnen, für die Übersetzung aus dem Englischen zeichnet Lea Dunkel verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Ein Unglück kommt selten allein – diese Erfahrung müssen auch Carla, Reed und Liz machen. Ihr Leben in der amerikanischen Kleinstadt Locksburg verläuft in geregelten Bahnen. Verbrechen kennen sie nur aus dem Fernsehen. Doch plötzlich haben sie es mit der Polizei und mit Gangstern zu tun. Je mehr sie versuchen, alles richtig zu machen, desto mehr geht schief.

„What about the bodies“ ist mein erster Roman von Ken Jaworowski – und es war eine unglaublich überraschende Lesereise. Die Verwirrung beginnt bereits bei der Genrezuordnung, zu der ich immer noch keine zufriedenstellende Lösung präsentieren kann. Auf dem Cover betitelt als Kriminalroman, von anderen Leser:innen als Krimi Noir oder Spannungsroman gesehen, habe ich mit der Einordnung als (sehr dunkle) Krimödie versucht, der Handlung annähernd gerecht zu werden. Ein klassischer Kriminalroman ist es jedenfalls nicht!

Denn die Handlung ist mehr oder weniger ein Dreiklang, ein gleichzeitiges Ablaufen dreier Handlungsstränge, in denen sich die Protagonist:innen auf teils abstruse Weise immer tiefer in ihren Schicksalen verstricken – ohne dass hier ein klassisches Verbrechen durch Ermittlungen aufgedeckt werden soll. Vielmehr ist es – ganz im Sinne britischer dunkler Komödien – spannend, skurril und makaber, gleichzeitig aber auch berührend und überraschend emotional. Und so vermögen auch die anfangs sehr ungewöhnlichen drei Ich-Perspektiven und die am Ende stark auseinanderfallende Chronologie nichts von dem absolut fantastischen Lesevergnügen zu schmälern.

Denn auch das Setting brilliert auf ganzer Linie. So entführt der Autor die Leser:innen nach Locksburg, eine typisch-amerikanische Kleinstadt in der Nähe von Pittsburgh, Pennsylvania – mit allem, was dazugehört. Kreiert wird ein typisch amerikanisches Setting mit verlassenen Industriestandorten, eigenmächtig handelnden Polizisten, einer stereotypen High-School mit Baseball-Team und einer veritablen Gerüchteküche. Eingemischt werden Protagonist:innen mit psychischen Erkrankungen und in allen möglichen schwierigen Lebenssituationen, sodass ein fast überbordendes Gesamtkonstrukt an Problemlagen und wichtigen Themen entsteht, das aber zu keinem Zeitpunkt überfordert.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere Liz und – zum Ende hin – auch Reed, lediglich Luke, Dan und Imogen verbleiben auf der Antagonist:innen-Seite etwas eindimensional. Ken Jaworowskis Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anspringen, ist unglaublich humorvoll, auch wenn man manchmal noch stärker auf „Show, don’t tell“ hätte setzen können.

Die Buchgestaltung ist ordentlich. Lektorat und Korrektorat sind zwar einige Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss aber nicht schmälern der Buchsatz ist solide. Der Umschlag ist mit Klappen versehen, das Covermotiv wird zum Buchrücken hin krass abgegrenzt, dieser ist – zusammen mit der Coverrückseite – sehr schlicht und eintönig. Das Covermotiv vermittelt die Stimmung des Buches und das Kleinstadtflair, ist insgesamt aber auch austauschbar und kein wirklicher Eyecatcher.

Mein Fazit? „What about the bodies“ ist eine dunkle Krimödie, die trotz minimaler Schwächen unglaublich viel Spaß macht, dabei auch wichtige Themen streift und zu keiner Zeit langweilig wird. Für Leser:innen des Genres daher bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Beate Thalberg: „Die doppelte Frau: und das Rätsel Betty Steinhart“

Vor kurze habe ich auch „Die doppelte Frau: und das Rätsel Betty Steinhart“ von Beate Thalberg gelesen. Das Buch ist 2024 im Molden Verlag in der Verlagsgruppe Styria GmbH & Co. KG erscheinen und als historischer Kriminalroman einzuordnen, die Illustrationen stammen aus der Feder von Lily Ammann. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Salzburg 1946. Eine mysteriöse Frau, ein Privatdetektiv mit Vergangenheit und Fotografien, die es gar nicht geben dürfte. Doch wer hat die rätselhaften Aufnahmen gemacht? Schnell stellt sich heraus, dass diese von Betty Steinhart stammen – doch die Frau selbst bleibt ein Rätsel. Aus nächster Nähe dokumentierte ihr Salzburger Fotoatelier die Stars der frühen Festspielära, von Max Reinhardt bis Marlene Dietrich, bis sich ihre Spur verliert. Nach dem Krieg macht sich daher der Privatdetektiv Max auf die Suche nach ihr – beauftragt von der mysteriösen Eva. Doch was bezweckt diese damit?

„Die doppelte Frau: und das Rätsel Betty Steinhart“ lässt sich bereits schwerlich einem Genre zuordnen. Vom Verlag als Krimi Noir beworben, ist das Buch gleichermaßen Krimi und historischer Roman, ist auch ein Porträt der Nachkriegszeit in Salzburg, zwischen Besatzung, Entnazifizierung und der Suche nach vergangenem Glanz. Dabei ist das Buch in kurzen Stellen auch Graphic Novel, sind doch einige Szenen von Lily Ammann (nur) grafisch dargestellt worden. Da mir persönlich zum Krimi Noir noch etwas fehlt, habe ich das Buch schlussendlich daher als historischen Kriminalroman eingeordnet.

Die Handlung ist durchaus abwechslungsreich, wenn auch partiell mit Längen versehen und etwas wirr. Letzteres gilt insbesondere für die Nutzung dreier Ich-Perspektiven, die munter durcheinander wechseln und mit Kapitelüberschriften, aber nicht mit dem Erzähler betitelt sind, sodass man jeweils erstmal raten muss, aus wessen Sicht derzeit erzählt wird – sehr mühsam. Auch die teils eingestreuten Szenen als Graphic Novel helfen hier nicht. Zwar sind sie unzweifelhaft toll gezeichnet, hemmen jedoch den Lesefluss ebenfalls und sorgen für Verwirrung – dies wäre vermutlich anders, wenn das ganze Buch so gehalten gewesen wäre. Ein wirklicher roter Faden lässt sich daher nie finden.

Das Setting kann hingegen überzeugen. So entführt die Autorin den Leser ins Salzburg der Nachkriegszeit, zeichnet ein Porträt der damaligen Gesellschaft und – die größte Stärke des Romans – illustriert in Fotoaufnahmen die Anfänge der Salzburger Festspiele; die Fotos sind ein wahrer Schatz und die größte Hinterlassenschaft Betty Steinharts. Zudem spricht der Roman wichtige Themen an wie die Übernahme alter Strukturen nach Kriegsende und die Rückgabe von Beutekunst, die aus der Enteignung jüdischer Familien stammt.

Die einzelnen Figuren sind aufgrund des herrschenden Chaos schwierig zu beurteilen. Hierbei überzeugt am ehesten noch der historisch verbriefte Harry J. Collins, während Max rätselhaft und sprunghaft verbleibt und nicht nachvollziehbar handelt – und auch Eva sich nicht so recht greifen lässt. Beate Thalbergs Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen – unterstützt natürlich durch die tollen Fotoaufnahmen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss nicht wesentlich schmälern, der Buchsatz ist ordentlich – und die Geschichte wird mit einer Biografie, einer Bild- und Zitatlegende, einer Einordnung seitens des Verlags und einer Danksagung abgerundet. Der Buchumschlag ist mit Klappen versehen, das unter dem Umschlag befindliche Buch von außen schlicht, innen mit gestalteten Coverinnenseiten versehen. Das Covermotiv wird leider zum Buchrücken hin unterbrochen, kann aber auch in Gänze nicht wirklich überzeugen und ist kein Eyecatcher.

Mein Fazit? „Die doppelte Frau: und das Rätsel Betty Steinhart“ ist ein atmosphärisch toller Roman mit brillantem Setting, aber auch gröberen Schwächen in der Handlung. Für Liebhaber der Zeit und des Genres noch zu empfehlen, ab einem Lesealter von 16 Jahren.

Spannung im Doppelpack | Lovelybooks-Buchpost

Heute möchte ich Euch zwei hochspannende Neuzugänge zeigen, die mich vor kurzem als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de erreichten – vielen Dank dafür! „Wolfszone“ von Christian Endres aus dem Wilhelm Heyne Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH ist dabei ein Near-Future-Cyberthriller, während es sich bei „Die doppelte Frau und das Rätsel Betty Steinhart“ von Beate Thalberg (Illustrationen: Lily Ammann) aus dem Molden Verlag, Verlagsgruppe Styria GmbH & Co. KG, um einen Krimi Noir handelt, der den Leser in die frühe Nachkriegszeit nach Salzburg entführt. Vergangenheit und Zukunft liegen hier nah beieinander – ich bin schon ganz auf die aufregenden Ausflüge in die jeweiligen Geschichten gespannt!

Würdet Ihr lieber in die Vergangenheit oder in die Zukunft reisen?