[Buchgedanken] Charlotte von Feyerabend: „Die Liga der sagenhaften Frauenzimmer – Der Auftakt“ (LSF 1)

In der letzten Zeit habe ich auch „Die Liga der sagenhaften Frauenzimmer – Der Auftakt“ von Charlotte von Feyerabend gelesen. Das Buch ist 2026 im Droemer Verlag in der Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG erschienen und als historischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Deutschland zu Beginn des 19. Jahrhunderts. In einer Zeit, in der die Brüder Grimm Märchen sammeln und Frauen als nette Staffage gelten, regt sich Widerstand. In funkelnden Ballsälen und geheimnisvollen Salons gründen Bettina von Arnim und Annette von Droste-Hülshoff die Liga der sagenhaften Frauenzimmer. Klug und unbeugsam kämpfen ihre Mitglieder für Gerechtigkeit und eine neue Ordnung. Ob mit Feder oder Schwert, darüber gehen die Meinungen auseinander. Als eine von ihnen unter rätselhaften Umständen stirbt, zerbricht das Bündnis beinahe. Zwischen gesellschaftlichem Glanz und tödlichen Geheimnissen steht mehr auf dem Spiel als der Erfolg der Liga. Wird es ihnen gelingen, ihre Feinde zu entlarven und den Funken einer Revolution zu entzünden?

„Die Liga der sagenhaften Frauenzimmer – Der Auftakt“ ist der erste Band der neuen Reihe von Charlotte von Feyerabend, von der ich bereits „Seid nett aufeinander“ und „Liebesrausch“ gelesen habe. Doch während sich diese noch klar genretechnisch einordnen ließen, ist es bei diesem Buch gar nicht so einfach. Auf Verkaufsportalen aufgrund des alternativhistorischen Ansatzes teils als Science-Fiction eingruppiert, habe ich es dennoch als historischen Roman kategorisiert, da er zumindest eine mögliche, wenn auch unwahrscheinliche Historie abbildet – und sich größtenteils an Rechercheergebnisse hält.

Die Handlung ist durch die Erzählung in Episoden anfangs sehr fragmentarisch, später kristallisiert sich vor allem Annette als Zentrum der Geschichte heraus, sodass das Buch etwas stringenter erzählt wird. Dennoch verbleibt die Geschichte – als klassischer Auftaktband – noch sehr antiklimaktisch, endet mit einem Cliffhanger und ist durch die notwendige Exposition aller Personen teils etwas langatmig. Gleichzeitig bietet die Handlung aber ein immenses Potential, um in den Folgebänden richtig durchstarten zu können – ich bin gespannt.

Das Setting brilliert jedenfalls auf ganzer Linie. So entführt die Autorin die Leser:innen ins Deutschland Anfang des 19. Jahrhunderts, in ein Land unter napoleonischer Besatzung, in eine Zeit der beginnenden Industrialisierung und ersten, emanzipatorischen Bestrebungen. Dabei zeichnet Charlotte von Feyerabend nicht nur ein gelungenes Porträt der damaligen Zeit und springt durch – vornehmlich – norddeutsche Adelshäuser, sondern kreiert vielmehr einen Roman über eine sehr frühe Buchbubble und greift damit einen heutigen Trend auf, den sie in die Vergangenheit versetzt.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Aufgrund der Vielzahl an Figuren sind zwar noch nicht alle wirklich greifbar, aber insbesondere Annette und Rahel können hier glänzen. Charlotte von Feyerabends Schreibstil lässt sich dabei wie üblich leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen und zeugt zudem von einer guten und ausführlichen Recherche, selbst wenn der Roman ja als alternativhistorisch beworben wird.

Die Buchgestaltung ist gelungen. Lektorat und Korrektorat sind zwar Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss aber nicht schmälern, der Buchsatz ist ordentlich aber konservativ, insbesondere eingestreute Gedichte und Textpassagen hätte man durchaus innovativer setzen können. Der Umschlag ist mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen, das Covermotiv leider zum Buchrücken hin stark abgegrenzt, der Umschlag insgesamt eher eintönig. Das Covermotiv hingegen ist durchaus genretypisch und ansehnlich, auch die Typografie und das LSF-Logo überzeugen.

Mein Fazit? „Die Liga der sagenhaften Frauenzimmer – Der Auftakt“ ist der Beginn einer alternativhistorischen Buchreihe, der mit einem brillanten Setting überzeugt, in den nächsten Bänden aber in der Handlung noch etwas mehr Drama entwickeln darf. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

[Buchgedanken] Charlotte von Feyerabend: „Liebesrausch: Anaïs Nin und Henry Miller in Paris“

Vor kurzem habe ich auch „Liebesrausch: Anaïs Nin und Henry Miller in Paris“ von Charlotte von Feyerabend gelesen. Das Buch ist 2025 im Droemer Verlag, einem Imprint der Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG erschienen und als Romanbiografie einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars nach Rezensionsangebot durch die Autorin.

Paris, 1931. Als Anaïs Nin den zwölf Jahre älteren Henry Miller trifft, wird ein Feuer entfacht: Beide inspirieren sich nicht nur literarisch, zwischen ihnen brennt auch eine ungezügelte Leidenschaft. Das Leben mit allen Sinnen zu fassen, alle Schranken zu sprengen und dafür die perfekten Worte zu finden, das streben beide an – koste, was es wolle. Sie tanzen auf den rauschendsten Festen und lassen ihrer Fantasie freien Lauf. Doch während sich Henry voll und ganz den Exzessen hingibt, führt Anaïs auch eine konventionelle Ehe mit Hugo, der sie über alles liebt und finanziell für sie und ihre Künstlerfreunde sorgt. Den emotionalen Spagat zwischen Hemmungslosigkeit und Konventionen kann Anaïs nur in ihren berühmt-berüchtigten Tagebüchern verarbeiten: Gehören Erotik und Sinnlichkeit in den Mittelpunkt des Lebens? Und darf man dafür die Menschen belügen, die einen lieben?

„Liebesrausch: Anaïs Nin und Henry Miller in Paris“ ist nach „Seid nett aufeinander“ meine zweite Romanbiografie von Charlotte von Feyerabend, die sich um Frauen der Geschichte dreht – in beiden Romanen jeweils um prägnante Figuren des 20. Jahrhunderts. In „Liebesrausch“ steht aber nicht nur Anaïs Nin im Mittelpunkt, sondern auch Henry Miller, sodass wir keine klassische Romanbiografie, sondern fast sogar einen historischen Liebesroman haben – was auch die beiden Erzählperspektiven verdeutlichen. Da allerdings nur Anaïs eine Ich-Perspektive erhalten hat – Henrys Sicht wird aus personaler Perspektive erzählt – kann man Anaïs schon als Hauptfigur des Buches sehen.

Die Geschichte begleitet Anaïs und Henry im Wesentlichen in der Zeit von 1931 bis 1936 – kleine Rückblenden in Anaïs‘ Vergangenheit ausgenommen. Leider wird das Buch zum Ende hin etwas hastig, endet relativ plötzlich und unerwartet. Dabei spielt die Handlung vor allem in Paris, auch bei Abwesenheiten einer der Protagonisten verbleibt die Perspektive oftmals bei der in Paris verbliebenen Person. Dadurch gelingt es Charlotte von Feyerabend, den Fokus auf die Künstler:innen-Szene im Paris der 1930er Jahre zu legen, eine Szene, die insbesondere bei Autor:innen so fernab vom heutigen Berufsbild ist, dass das teils abstrus anmutet.

Generell ist das Leben von Anaïs und Henry geprägt von toxischen Beziehungen – auch die Affäre untereinander ist hier keine Ausnahme. Wie man im Nachwort erfährt, wird Anaïs Zeit ihres Lebens nicht aus diesem Schema ausbrechen können. Genau wie Henry Miller geht Charlotte von Feyerabend schonungslos mit der Sprache um, passt sich der Zeit und den handelnden Personen an – insgesamt zeugt das Buch nicht nur hier von einer gelungenen Recherche. So verbleibt das Buch spannend und abwechslungsreich und macht nicht nur Lust auf die Zeit, sondern vor allem auch darauf, vielleicht mal etwas von Anaïs oder Henry zu lesen.

Die Buchgestaltung ist überzeugend. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist ordentlich. Der Buchumschlag ist mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen, die Geschichte wird durch ein Quellenverzeichnis, diverse Anmerkungen und ein Nachwort abgerundet. Das Covermotiv passt zur Handlung und ist durchaus ansehnlich und genretypisch, insbesondere die Farbkombination überzeugt. Leider wird es zum Buchrücken hin krass unterbrochen – und die Coverrückseite wirkt durch den langen Klappentext auch etwas überladen.

Mein Fazit? „Liebesrausch: Anaïs Nin und Henry Miller in Paris“ ist eine in weiten Teilen überzeugende Romanbiografie über zwei faszinierende Persönlichkeiten im Paris der 1930er, die vor allem durch das Setting, durch gelungene Recherche und die damit verbundene schonungslose Sprache punkten kann und dabei nur kleinere Schwächen aufweist. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.