[Buchgedanken] Frida Jacobsen: „Sommerhimmel über dem Möwenhof“ (Möwenhof 1)

In der letzten Zeit habe ich auch „Sommerhimmel über dem Möwenhof“ von Frida Jacobsen gelesen. Das Buch ist 2025 als Aufbau Taschenbuch in der Aufbau Verlage GmbH & Co. KG veröffentlicht worden und als Liebesroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

Für einen Neuanfang zieht Maren mit ihren Kindern zurück an die Nordseeküste, wo ihre Familie auf dem Möwenhof ein gemütliches Bed & Breakfast betreibt. Als sich Maren Hals über Kopf in den Bootsbauer Henning verliebt, könnte ihr Glück perfekt sein. Doch gerade jetzt plant ihr Onkel, das idyllische Kleinod zu verkaufen. Die Frauen vom Möwenhof geben nicht auf und setzen alles daran, ihn umzustimmen. Marens Beziehung zu Henning wird dabei auf eine harte Probe gestellt. Kann sie auf seine Unterstützung vertrauen und ihr Zuhause retten?

„Sommerhimmel über dem Möwenhof“ ist der erste Band der Möwenhof-Reihe von Frida Jacobsen, einem Pseudonym von Frieda Bergmann, die zudem Teil des Autorinnen-Quartetts ist, das unter dem Namen Hannah Conrad veröffentlicht. Da alle Bücher sich um die Liebe drehen, ähnliche Genres bedienen, ist es hier das Setting, das die einzelnen Pseudonyme voneinander abgrenzt – in diesem Fall das Küstenflair der Nordsee, sodass das Buch von Frida selbst gern auch als Küstenroman bezeichnet wird. Der Vollständigkeit halber kategorisiere ich es dennoch mal als klassischen (Feel-Good) Liebesroman ein.

Die Handlung ist abwechslungsreich und interessant, genrebedingt aber teils durchaus vorhersehbar. Insbesondere die Liebesgeschichte zwischen Maren und Henning lässt hier nie Zweifel an dem erwartbaren Happy End aufkommen, der große Konflikt zwischen beiden entpuppt sich eher als Stolpersteinchen, sodass die Feel-Good-Atmosphäre nie gestört wird. Lediglich in der Rahmenhandlung, die die Lovestory wunderschön abrundet, kommt hier größere Spannung auf. Erzählt wird die Geschichte aus zwei Ich-Perspektiven, die in der Regel kapitelweise wechseln und dankenswerterweise mit dem jeweils handelnden Akteur überschrieben sind. Lediglich ein Wechsel fand innerhalb des Kapitels statt – mangels Überschrift irritierte dieser doch etwas.

Das Setting brilliert auf ganzer Linie. So entführt die Autorin ihre Leser:innen an die Nordseeküste nach Sankt Peter-Ording – und hier vor allem auf den Möwenhof, eine idyllisch-pittoreske und in der Zeit stehengebliebene Bed & Breakfast-Pension voller Charme und Wärme. Insgesamt ist die verschlafene Nordseegesellschaft traumhaft und bietet neben dem Dialekt tolles Lokalkolorit – und einen fast märchenhaften Kampf Gut gegen Böse – strahlender Ritter inklusive. Dabei werden durchaus gesellschaftlich relevante Themen wie die Verdrängung kleiner Höfe durch große Gesellschaften, familiäre Vernachlässigung und – generell – fast jede denkbare Familienkonstellation eingebaut – ohne dass es jedoch aufgesetzt und gewollt wirkt.

Auch die einzelnen Charaktere können größtenteils glänzen, sind vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Nele, Abena, Noah und Ole – ich freue mich über Band 2 mit ihm. Henning und Maren handeln zwar nicht immer nachvollziehbar, aber sieht man von der Überdramatisierung des Konflikts ab, machen sie ebenfalls viel Spaß. Frida Jacobsens Schreibstil lässt sich zudem leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen – man träumt sich direkt selbst an die Nordsee.

Die Buchgestaltung ist gelungen. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist ordentlich. Das Covermotiv wird toll auf Buchrücken und Coverrückseite fortgesetzt, sodass ein einheitliches Gesamtbild entsteht, das sich zudem gut in die Reihe einfügt. Der Umschlag ist ferner auf Cover, Coverrückseite und Buchrücken leicht geprägt. Generell ist das Covermotiv sehr ansehnlich und genretypisch, auch wenn mir etwas der Bezug zur Handlung fehlt.

Mein Fazit? „Sommerhimmel über dem Möwenhof“ ist ein toller Start in die Reihe mit wundervollem Setting und spannenden Figuren, die Lust auf den zweiten Band machen. Minimale Schwächen fallen dabei kaum ins Gewicht. Für Leser:innen des Genres daher bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 13 Jahren.