[Buchgedanken] Gabi Thieme: „Wie ich Thomas Gottschalk rumkriegte“

Vor kurzem habe ich auch „Wie ich Thomas Gottschalk rumkriegte“ von Gabi Thieme gelesen. Das Buch ist 2024 bei Paperento, einem Imprint der EDITION WANNENBUCH erschienen und als anekdotische Erzählung einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Sie war Schwerverbrechern auf der Spur, sprach mit einem verurteilten Mörder im Knast, kämpfte sich durch Jahrhundertfluten und entkam einem der schwersten Zugunglücke der DDR. Immer mit dabei: Stift und Notizblock. Gabi Thieme hat viele Jahre als „Provinzjournalistin“ das Geschehen in ihrer ostdeutschen Heimat beobachtet – mit aufmerksamem Blick und stets auf der Suche nach den kleinen und großen Geschichten des Alltags.

„Wie ich Thomas Gottschalk rumkriegte“ oder – wie der Untertitel sagt – „Von Marx bis Madam: Abenteuer aus dem Leben einer rasenden Reporterin“ ist eine Sammlung an 25 autobiografischen Anekdoten aus dem privaten und beruflichen Leben von Gabi Thieme, die von 1976 bis 2018 als Reporterin in Chemnitz arbeitete. Dabei changieren die Erzählungen von familiären Einblicken mit Rückgriffen auch auf die Kindheit der Autorin, bis hin zu Treffen mit verurteilten Mördern und Thomas Gottschalk.

Die einzelnen Anekdoten sind dabei durchaus abwechslungsreich und zuweilen überraschend, insgesamt aber doch weniger explosiv, spannungsgeladen oder weltbewegend als es insbesondere der Klappentext suggeriert, sodass ich die im Vorwort geäußerten Zweifel der Autorin, für diese Geschichten Leser zu finden, im Nachhinein nachvollziehen kann. Denn auch wenn die einzelnen Anekdoten jeweils an und für sich gut unterhalten, hätte ich mir hier einen größeren Bogen – und insgesamt mehr Wow-Effekte gewünscht.

Eingeleitet werden die Erzählungen dabei jeweils von einer Fotografie, die zu Beginn eines jeden Kapitels steht und größtenteils vom Mann der Autorin geschossen wurde. Die Bilder dienen hierbei durchaus als Eyecatcher, unterstützen und illustrieren die spätere Anekdote, sorgen für einen noch persönlicheren Eindruck – auch wenn ich die Bilder gern in Farbe gesehen hätte, was jedoch schwierig ist, da diese nicht gebündelt auftreten, sondern weit übers Buch gestreut sind.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist gelungen und startet – zumindest textlich gesehen – jede Erzählung auf einer ungeraden Seite. Allerdings irritieren die großen, abgesetzten und kursiven Textpassagen, die magazinähnlich jeweils ein prägnantes Zitat aus der Anekdote wiederholen – das hätte ich hier nicht gebraucht. Der Buchumschlag ist mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen, das Cover und der komplette Buchumschlag generell sind jedoch auch sehr eintönig und unauffällig.

Mein Fazit? „Wie ich Thomas Gottschalk rumkriegte“ ist eine Sammlung sehr persönlicher und durchaus unterhaltsamer biografischer Anekdoten, der jedoch etwas der Nachrichtenwert, der Sensationscharakter fehlt. Für Leser:innen dennoch zu empfehlen, insbesondere, wenn man Chemnitz und die ehemalige DDR etwas näher kennenlernen möchte.