[Buchgedanken] Marie Lamballe: „Atelier Rosen: Die Frauen aus der Marktgasse“(Atelier Rosen 1)

In den letzten Tagen habe ich „Atelier Rosen: Die Frauen aus der Marktgasse“, den Auftakt der neuen Familiensaga von Marie Lamballe gelesen. Das Buch ist 2021 bei Lübbe, Bastei Lübbe AG erschienen und als Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Kassel, 1830. Die zwanzigjährige Elise Rosen betreibt zusammen mit ihrer Mutter und Großmutter ein kleines Putzmacher-Atelier. Ihre Hutkreationen sind weithin gefragt und öffnen ihnen Türen in höchste gesellschaftliche Kreise. So macht Elise eines Tages die Bekanntschaft der jungen Sybilla von Schönhoff, mit der sie schon bald eine innige Freundschaft verbindet. Als sich deren Verlobter unsterblich in Elise verliebt, gerät diese in einen schweren Konflikt, der sie auf die Spur eines lang gehüteten Geheimnisses führt …

„Atelier Rosen: Die Frauen aus der Marktgasse“ vereint viele Aspekte, die eine gute Familiensaga ausmachen – und ist daher ein vielversprechender Auftakt, der Potential für eine tolle Reihe bietet. Dabei wird der Leser in das Deutschland der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts geführt, in ein Land voller Kleinstaaterei, Unruhen und Intrigen; ein Land, das sich erst vor kurzem dem Würgegriff Napoleons entzogen hatte.

Die Handlung des Romans ist im Wesentlichen spannend, wenn auch mit einigen Längen, dafür aber auch mit unerwarteten Wendungen versehen. Dabei werden die wesentlichen Handlungsstränge aufgelöst, sodass der Roman als Standalone lesbar ist, es verbleiben aber genug offene Fragen und Punkte – und auch ein kleiner Cliffhanger am Ende -, um Interesse für die Folgebände zu schüren. Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass noch ein etwas stärkerer Fokus auf die historischen Ereignisse, auf die Stadtgeschichte Kassels gelegt wird.

Die einzelnen Charaktere sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Während Elise teils noch etwas blass, wankelmütig und naiv verbleibt, überzeugen vor allem Sybilla, die van Leuwens und Babette. Marie Lamballes Schreibstil lässt sich – trotz authentischer Beschreibungen – leicht und flüssig lesen, gegebenenfalls hätte man den Leser noch mit einem Glossar unterstützen können.

Die Buchgestaltung ist ebenfalls gelungen, Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben im großen und ganzen solide gearbeitet und nur Kleinigkeiten durchrutschen lassen. Der Buchumschlag ist auf dem Titel und dem Buchrücken hochwertig bedruckt, mit farbigen Coverinnenseiten und Klappen versehen. Cover und Coverrückseite sind ansprechend und hübsch gestaltet, leider unterbricht der Buchrücken die Bilder, setzt diese nicht nahtlos fort und stört daher etwas die Harmonie, wenn man den Buchumschlag insgesamt betrachtet.

Mein Fazit? „Atelier Rosen: Die Frauen aus der Marktgasse“ ist ein vielversprechender Auftakt in eine neue Familiensaga, der vor allem durch sein Setting und die abwechslungsreiche Handlung glänzt, auch wenn die Protagonistin noch nicht völlig überzeugen kann. Für Leser des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen, auch als Standalone lesbar.

[Buchgedanken] Kim Rabe: „Berlin Monster – Nachts sind alle Mörder grau“ (Berlin Monster 1)

In der letzten Zeit habe ich „Berlin Monster – Nachts sind alle Mörder grau“ von Kim Rabe gelesen, den ersten Teil der „Monster von Berlin“-Reihe. Das Buch ist 2021 bei Lübbe, Bastei Lübbe AG erschienen und als Urban Fantasy zu klassifizieren. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Privatdetektivin Lucy hat sich auf übernatürliche Fälle spezialisiert. Und von denen gibt es so einige in Berlin, wo es von übersinnlichen Phänomenen nur so wimmelt. Denn vor dreißig Jahren ließ die Strahlung einer Bombe den Aberglauben der Menschen lebendig werden. Heute brüten Dschinns in Kreuzberger Shisha-Cafés, Feen tanzen in Friedrichshainer Clubs, und Hipster-Kobolde sind die Herren der Kneipen von Neukölln. Während Lucy eine Fee aufspüren soll, erschüttert eine Mordserie die Stadt. Hat ihr Verschwinden etwas damit zu tun? Immer tiefer taucht Lucy in den Fall ein, und bald schwebt nicht nur sie in Gefahr, sondern auch jene, die ihr am nächsten stehen …

„Berlin Monster – Nachts sind alle Mörder grau“ ist Urban Fantasy, die – endlich mal – in Deutschland spielt. Kim Rabe zeigt, dass sich auch Berlin nicht vor deutlich populäreren Orten wie London, amerikanischen Städten oder Prag verstecken muss. So begeistert das Setting auf ganzer Linie, die Autorin entführt den Leser an atmosphärische Orte wie das Berghain, kleine Eckkneipen, Dönerbuden und Lost Places, nimmt ihn mit in den Kiez der Protagonisten, lässt ihn ein spezielles Lebensgefühl erleben, den Mikrokosmos eines Berliner Bezirks.

Die Handlung ist spannend und abwechslungsreich, wartet immer mal wieder mit überraschenden Wendungen und humorvollen Szenen auf. Leider bleibt der Weltenbau – bzw., da es in der realen Welt spielt, das Magiekonzept / die Einführung des Übernatürlichen – noch etwas auf der Strecke, dies kann jedoch in den Folgebänden noch ausgebaut werden. Auch wird – zumindest zum Teil – das Ende offen gelassen. So ist der Roman zwar noch als Standalone lesbar, bietet aber Platz für die Folgebände, die die offenen Enden aufgreifen können.

Die einzelnen Charaktere sind im wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen. Hierbei gefallen mir neben Lucy vor allem kleinere Nebencharaktere wie Lore, zu der ich mir so viel mehr Infos wünschen würde. Kim Rabes Schreibstil lässt sich dabei flüssig und leicht lesen, ist angemessen humorvoll und authentisch, was die Berliner Dialekte angeht.

Die Buchgestaltung überzeugt im großen und ganzen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover ist leicht hochwertig geprägt, mit farbigen Coverinnenseiten und Klappen versehen und farblich schön – passend zur Stimmung im Buch. Lediglich bei den abgebildeten Fabelwesen hätte ich mir etwas mehr Bezug zur Handlung gewünscht.

Mein Fazit? „Berlin Monster – Nachts sind alle Mörder grau“ ist ein guter Auftakt in eine Urban-Fantasy-Reihe, der vor allem durch sein wunderbares Setting und eine spannende Handlung glänzt, aber noch leichten Nachholbedarf bei der Plausibilisierung des Übernatürlichen hat. Für Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen, ab dem vom Verlag vorgeschlagenen Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Sara Erb: „Chelsea Stern: Lichtmagie“ (Chelsea Stern 1)

In der letzten Zeit habe ich „Chelsea Stern: Lichtmagie“ von Sara Erb gelesen. Das Buch ist 2021 in der adakia Verlag UG erschienen und der Auftakt zu einer phantastischen Trilogie der Debütautorin. Vielen Dank an dieser Stelle auch an Verlag und Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de

Als Chelsea durch Gedankenkraft in Italien landet, stößt sie nicht nur auf ihr eigenes Geheimnis, sondern auch auf verborgene Geschehnisse in ihrer Familie. Dass sie in ihrem Universitätskurs Rick kennenlernt, der sie sofort in seinen Bann zieht, ist kein Zufall. Mit dem mysteriösen Mann an ihrer Seite lernt Chelsea eine neue Welt voller Magie kennen, die sie einerseits fasziniert, andererseits jedoch einen großen Tribut fordert: die Liebe. Während sie versucht, das Verlangen zu Rick zurückzuhalten und ihre Gabe zu beherrschen, lauern ihr immer wieder Männer in schwarzen Mänteln auf, die mehr über sie zu wissen schienen als sie selbst. Gerade, als sich das Puzzle aus Geheimnissen zusammenfügt, nimmt die Geschichte für Chelsea eine schreckliche Wendung. Dabei offenbaren sich ihr weitaus diabolischere Pläne: Sie erkennt, dass die Kugel eines Gewehrs weniger tödlich ist als ein Virus.

„Chelsea Stern: Lichtmagie“ ist ein vielversprechender Auftakt in eine phantastische Trilogie – auch wenn mir die Genrezuordnung doch etwas schwerer fällt, als dem Verlag, der das ganze als „Urban Fantasy“ bewirbt. Natürlich hat das Buch ein urbanes Setting, die Bezeichnung ist daher nicht falsch. Aufgrund der doch sehr zentralen Liebesgeschichte, der expliziten Sexszene in Verbindung mit dem Alter der Protagonisten, die sich zudem im universitären Setting kennenlernen, komme ich doch relativ deutlich zu einer Einordnung als (New Adult-) Romantasy.

Die Handlung ist im Wesentlichen spannend – auch wenn der Einstieg etwas geruhsam voranschreitet. Teils ist die Handlung vorhersehbar, teils gelingt es der Autorin aber auch, unerwartete Wendungen einzubauen. Kleinere Logiklücken, ein offenes Ende und fehlende, innere Konflikte sorgen dafür, dass das Potential der Geschichte nicht vollends ausgeschöpft wird. So fehlt mir einerseits der Konflikt in der sehr harmonischen Liebesbeziehung, andererseits ist Chelseas Beherrschung und Akzeptanz der Gabe viel zu einfach; hadern, sich fremd fühlen, Fehlschläge fehlen ganz.

Das Setting hingegen überzeugt auf ganzer Linie. So entführt Sara Erb den Leser in ein London zwischen Pubs und Flagship Stores, zwischen Vorstadtidylle und unterirdischen Welten, lässt den Leser durch die Augen von Rick und Chelsea die Welt erkunden. Dabei sind die beiden Ich-Perspektiven der Protagonisten gut gewählt, die Wechsel lediglich etwas zu häufig auch innerhalb der Kapitel. Der Schreibstil der Autorin lässt sich flüssig und leicht lesen, teils wirkt er etwas zu belehrend/predigend.

Die einzelnen Charaktere sind vielschichtig angelegt, einigen fehlen allerdings Schwächen. Am besten gefallen mir hier noch Emma und Rick. Gerade Joe bleibt als Antagonist noch etwas blass, ich hoffe, in den Folgebänden wird auch seine Zerrissenheit, die Chelsea spürt, noch stärker deutlich.

Die Buchgestaltung ist durchwachsen. Während der Buchumschlag mit einem wunderschönen Cover, hochwertiger Prägung und farbigen Coverinnenseiten (Marie Graßhoff – muss man mehr sagen?) punkten kann, und auch der Satz überzeugt, haben Lektorat und Korrektorat doch einiges durchrutschen lassen – inklusive mehrfach vergessener Namensänderungen bei Chelseas Mutter (was nicht passieren darf).

Mein Fazit: „Chelsea Stern: Lichtmagie“ ist ein vielversprechender Auftakt in eine Fantasytrilogie, der vor allem mit einem grandiosen Setting überzeugt, aber noch Schwächen in der Handlung und Buchgestaltung aufweist und dank einem offenen Ende viele Fragen für die Folgebände aufwirft. Eher nicht als Standalone lesbar, für Liebhaber des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Veronika Lackerbauer: „Plötzlich Irland“

Vor kurzem habe ich „Plötzlich Irland“ von Veronika Lackerbauer gelesen, mittlerweile mein fünftes Buch der Autorin. Das Buch ist 2021 im Selfpublishing über BoD veröffentlicht worden und dem Genre Young-Adult-Romance zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

Weil ihre Mutter einen Job in Tokio annimmt, muss die siebzehnjährige Lena für ein Jahr zu ihrem Vater ziehen, mit dem sie bislang wenig Kontakt hatte. Auf das Leben auf seiner kleinen Schaffarm an der irischen Atlantikküste hat Lena überhaupt keinen Bock. Statt dem Partyleben mit ihren Freundinnen in Berlin gehören bald schroffe Felsen, raue See und verregnete Nachmittage zu Lenas Alltag. Und was will eigentlich dieser seltsame Kerl mit seinem stinkenden Motorrad vor ihrer Tür?

„Plötzlich Irland“ ist ganz anders als die bisherigen Liebesromane, die ich von Veronika gelesen habe („Bacchus‘ Vermächtnis“ und „Arabische Nächte“), daher fiel mir auch anfangs die Genrezuordnung nicht ganz leicht. Beworben als „Feelgood-Schicksalsroman“, in der Danksagung als Ausflug in die New-Adult-Romance verortet, bin ich schlussendlich doch zur Überzeugung gelangt, dass es wirklich ein Romance-Titel ist, er doch eher aber als Young-Adult einzugruppieren ist, wofür sowohl das Alter der Protagonistin und das Lebensumfeld sprechen, als auch die Tatsache, dass bei Sexszenen ausgeblendet wird.

Das Setting ist ungewöhnlich, aber interessant und birgt bereits erstes Konfiktpotential. So ist die ländliche irische Küste zwar idyllisch und malerisch, aber eher Urlaubsziel als Wunschlebensmittelpunkt eines hippen Großstadtteens. Dabei lernt man nach und nach nicht nur die irische Landschaft, sondern auch Bräuche und Geflogenheiten der Bevölkerung kennen – und lieben. Positiv anzumerken ist hier zudem, dass die Autorin dabei nicht nur die Sonnenseiten, sondern auch die Probleme in kleinen, dörflichen Gemeinschaften beleuchtet.

Die Handlung ist – genrebedingt – teils vorhersehbar, teils aber auch mit unerwarteten Wendungen (und Schicksalsschlägen, von denen ich der Autorin einen immer noch übel nehme) versehen. Dabei dreht sich die Handlung um typische Young-Adult-Themen wie die erste große Liebe – oder auch Probleme mit der Familie, ohne, dass der Roman dabei den Schwerpunkt verliert und zum Schicksalsroman wird – die Liebesgeschichte bleibt stets präsent, aber auch etwas brav.

Die einzelnen Charaktere sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen. Auch die Nebencharaktere glänzen – vor allem bin ich ein großer Fan von Helen und Mrs. Merriweather. Ayden, der Love Interest, erinnert mich (als Gilmore-Girls-Liebhaber) stark an Jess, ist wild aber belesen, loyal aber unbeständig, stammt aus einem problematischen Elternhaus und vermittelt den Eindruck eines Bad Boys. Für Lena als Protagonistin hätte ich mir zudem eine Ich-Perspektive gewünscht, um noch näher an ihr zu sein, um mich noch besser einfühlen zu können.

Die Buchgestaltung ist – wie üblich – solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben ordentlich gearbeitet und nur Kleinigkeiten durchrutschen lassen, das Coverbild zieht sich über den gesamten Buchumschlag und gibt so ein einheitliches Gesamtbild ab. Das Titelbild ist dabei auch typisch irisch und bietet zumindest Anklänge an die Handlung, ist aber insgesamt eher unauffällig, etwas zu harmonisch, auch durch die liebliche, aber austauschbare Gestaltung der unteren Bildhälfte.

Mein Fazit? „Plötzlich Irland“ ist eine im Wesentlichen gelungener Young-Adult-Romance, die vor allem mit einem tollen Setting und interessanten Nebencharakteren punkten kann, der aber auch etwas an Feuer fehlt. Für Leser des Genres, die gern auch ungewohnten Settings eine Chance geben, bedenkenlos zu empfehlen – ich würde lediglich das empfohlene Lesealter je nach Reife ein oder zwei Jahre hochsetzen und das Buch nicht ab 12, sondern eher ab 13/14 empfehlen.

Phantastik im Doppelpack | Doppelte Buchpost

In der letzten Woche erreichten mich über eine Leserunde und eine Buchverlosung auf Lovelybooks zwei phantastische Bücher – vielen Dank dafür an die Autoren und Verlage. „Chelsea Stern – Lichtmagie“ von Sara Erb, erschienen im Adakia Verlag, ist dabei der Beginn einer Urban Fantasy Trilogie, während es sich bei „Cillarion – Windgeflüster“ von Emilia Cedwig um die Adaption eines anderen Romanes handelt. Da die Fantasy bei mir in den letzten Wochen und Monaten etwas zu kurz kam, freue ich mich schon auf die Ausflüge in die phantastischen Welten – und halte Euch natürlich auch hier über die Bücher auf dem Laufenden =).

Welchen Fantasy-Roman habt Ihr zuletzt gelesen?

[Buchgedanken] Alisha Rai: „Wenn deine Hand mich hält“ (Forbidden Hearts 2)

In der letzten Zeit habe ich „Wenn deine Hand mich hält“ von Alisha Rai gelesen, den zweiten Teil der „Forbidden Hearts“-Reihe. Das Buch ist 2021 bei Lübbe, Bastei Lübbe AG, erschienen, die Originalausgabe wurde 2017 unter dem Titel „Wrong to Need You“ bei Avon Books, einem Imprint von HarperCollins Publishers veröffentlicht. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Vor zehn Jahren wurde Jackson Kane eines Verbrechens bezichtigt, das er nicht begangen hatte. Nun ist er zurück: älter, weiser und reicher. Und er trifft auf die Frau, die er nie aufgehört hat zu lieben, selbst als sie seinen Bruder heiratete. Auch Sadia fühlt sich zu ihm hingezogen. Allerdings wehrt sie sich mit aller Macht gegen die Gefühle, die ihr geheimnisvoller Ex-Schwager in ihr weckt. Eine gemeinsame Zukunft ist eigentlich unmöglich, aber die gegenseitige Anziehung ist übermächtig. Sadia und Jackson müssen entscheiden: Sind sie stark genug, sich der Vergangenheit zu stellen?

Ungeachtet der Reihe kann „Wenn deine Hand mich hält“ als Standalone gelesen werden – auch mir fehlt der erste Teil, was dem Verständnis der Handlung keinen allzugroßen Abbruch tut, da die dort geschilderte Beziehung von Nicholas und Livvy zwar vorkommt, allerdings nur am Rande auftaucht. Jedoch fiel es mir schwer, die komplizierten Familien- und Verwandtschaftsverhältnisse immer präsent zu haben – ich hätte mir hier einen Stammbaum der Familien gewünscht. Sicherlich wäre mir dies bei einer mehrbändigen Beschäftigung mit den Figuren leichter gefallen.

Eine Genrezuordnung habe ich – wie vielleicht dem ein oder anderen aufgefallen ist – oben unterlassen, denn „Wenn deine Hand mich hält“ balanciert auf der Grenze zwischen Liebesroman und Erotik, die Protagonisten sind leicht zu alt für New Adult, die Beziehung trotz erotischer Dominanz nicht dunkel genug für Dark Romance, sodass wohl ein erotischer Liebesroman vorliegt, der im erstern Teil mehr Liebes-, im zweitel Teil mehr Erotikroman ist.

Das Setting brilliert erwartbar auf ganzer Linie. Amerikanisches Kleinstadtflair trifft auf familiäre Intrigen, High Society trifft auf gesellschaftliche Aussteiger, sexuelle Selbstbstimmung auf Panikattacken und Minderwertigkeitskomplexe – Alisha Rai nimmt den Leser auf eine Reise mit, die quer durch die Gesellschaft tief ins Innere der einzelnen Protagonisten führt – hochspannend und hochemotional.

Die Handlung überzeugt im Wesentlichen, ist spannend und abwechslungsreich, teils aber auch vorhersehbar. Die eingebauten erotischen Szenen dominieren zwar im zweiten Teil, unterstützen jedoch die Handlung, sind emotional und gut geschrieben, ohne ins pornografische abzugleiten. Dabei gelingt es Alisha Rai, die Anziehung zwischen den Protagonisten greifbar, das Knistern durch die Buchseiten spürbar zu machen. Meine Lieblingsszene? Die hocherotische Situation vor der Bar auf den Seiten 226-233.

Die einzelnen Charaktere sind vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei überzeugen vor allem die Nebencharaktere wie Jia, John und Kareem, dessen kindliche Freude und Unbedarftheit alle begeistert. Alisha Rais Schreibstil ist dabei leicht und flüssig zu lesen.

Die Buchgestaltung glänzt auf ganzer Linie. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover ist wunderschön gestaltet – ein wahrer Eyecatcher. Eine hochwertige Prägung auf Titel, Buchrücken und der Coverrückseite sowie Klappen und tolle, farbige Coverinnenseiten runden den wunderbaren Gesamteindruck ab.

Mein Fazit? „Wenn deine Hand mich hält“ ist ein erotischer Liebesroman, der durch sein wundervolles Setting und starke Gefühle punkten kann, wenn auch die Handlung teils vorhersehbar ist und die familiären Verwicklungen teils verwirrend sind. Für Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 17 Jahren.

[Buchgedanken] Ralph Knobelsdorf: „Des Kummers Nacht: Von der Heydens erster Fall“ (Heyden 1)

Bevor ich Euch in der nächsten Woche meine Messeausbeute zeige, möchte ich noch einige Rezensionen präsentieren. Den Anfang macht dabei „Des Kummers Nacht: Von der Heydens erster Fall“ von Ralph Knobelsdorf, das ich während der FBM gelesen habe und das 2021 im Lübbe Verlag, Bastei Lübbe AG erschienen ist. Das Buch ist als historischer Kriminalroman einzuordnen – vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Berlin, 1855: Wilhelm von der Heyden steht kurz vor dem Abschluss seines Studiums, als er Zeuge einer Explosion wird. Die Fenster der gegenüberliegenden Wohnung sind zerstört, eine Frau hängt leblos im Zaun. Um ihr zu helfen, eilt er an den Unglücksort – und gerät selbst in Verdacht. Der Wachtmeister hat sein Urteil schon gefällt, der Chef der Kriminalpolizei ist jedoch von Wilhelms Beobachtungsgabe begeistert und stellt ihn ein. Talentierte neue Mitarbeiter werden in der noch jungen preußischen Ermittlungsbehörde dringend benötigt. Doch Fingerspitzengefühl ist gefragt, denn bald schon führen die Ermittlungen Wilhelm und seine Kollegen in die höchsten Kreise …

„Des Kummers Nacht“ ist ein bemerkenswerter Auftakt in eine hoffentlich mehrbändige Reihe um die Berliner Kriminalpolizei Mitte des 19. Jahrhunderts, der gekonnt Fakt und Fiktion vermischt und den Leser auf eine spannende Reise mitnimmt, die dafür sorgt, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen möchte.

Dabei brilliert der Roman zum einen durch sein tolles Setting, das den Leser ins historische Berlin entführt und besonderen Wert auf Authentizität legt, wobei Abweichungen zur Historie im Nachwort des Autors angesprochen und erklärt werden, zum anderen durch eine überwiegend sehr gut Lesbarkeit, die – mit ein, zwei Ausnahmen – auf allzu fachliche und unendliche Ausführungen verzichtet.

Die Handlung ist spannend und abwechslungsreich und wartet immer mal wieder auch mit unerwarteten Wendungen auf. Leider werden nicht alle relevanten Handlungsstränge aufgelöst – und das Ende kommt mir auch etwas plötzlich und unspektakulär daher, hier hätte durchaus der ein oder andere Twist, die ein oder andere Spannungsspitze noch für einen runderen Abschluss sorgen können.

Die einzelnen Charaktere sind im wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei überzeugen neben Wilhelm insbesondere Anna und Vorweg, während Johann etwas blass bleibt. Insgesamt bleibt noch einiges auch hinsichtlich der Charaktere im Dunklen, sodass ich mir Vorgeschichten wünschen würde, gern auch des Opfers.

Die Buchgestaltung übrzeugt im großen und ganzen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben größtenteils sauber gearbeitet, wenn auch kleinere Fehler durchgerutscht sind – und ein größerer, wenn auf den wunderschön-farbigen Coverinnenseiten die Geburtsjahre der Geschwister mit 1835 (Wilhelm), 1833 (Max), 1838 (Anna) und 1812? (Ernst) angegeben werden, was unter Berücksichtigung der Geburt der Mutter 1799 unwahrscheinlich erscheint – oder zumindest weiterer Erklärung bedarf (frühere Frau?). Das Cover ist unscheinbar, aber detailverliebt und hochwrtig geprägt, der Buchschnitt farbig.

Mein Fazit? „Des Kummers Nacht: Von der Heydens erster Fall“ ist ein gutes Debüt für eine hoffentlich fortgesetzte historische Krimireihe, das vor allem mit einem tollen Setting und interessanten Charakteren punktet, aber noch kleinere Schwächen in der Handlung aufweist, die Folgebände aber korrigieren können. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag empfohlenen Lesealter von 16 Jahren, für historisch-interessierte vielleicht auch knapp früher.

[Buchgedanken] Ulrich Maske (Hrsg.) / Franziska Harvey (Ill.): „Es war, als hätt der Himmel die Erde still geküsst“

In der letzten Zeit habe ich die von Ulrich Maske herausgegebene Lyriksammlung „Es war, als hätt der Himmel die Erde still geküsst“ gelesen, die von Franziska Harvey illustriert worden ist. Die Anthologie erschien 2021 im Verlag GOYA, JUMBO Neue Medien & Verlag GmbH. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die vermittelnde Agentur Buchcontact.

Dabei beinhaltet der Gedichtband 113 Gedichte zum Thema „Mond“ aus fünf Jahrhunderten – von bekannten Autoren wie Fontane, Brecht und Goethe oder unbekannteren Verfassern. Das gemeinsame Thema wird hierbei teils stärker, teils weniger stark getroffen, einige, wenige Gedichte drehen sich auch nicht direkt um den Mond, sondern erwähnen ihn nur am Rande – vielleicht hätte man hier die Sammlung etwas verkleinern, etwas stärker konzentrieren können, um die Verbindung noch dichter, noch atmosphärischer zu machen.

Die Illustrationen sind im Wesentlichen hochwertig und abwechslungsreich – und unterstützen die Gedichte in ihrer Aussage, sodass sich in der Regel ein stimmiges Gesamtbild ergibt. Dabei gefallen mir – in Kombination von Gedicht und Bild – die folgenden vier Werke am besten:

  • Theodor Storm: „In Bulemanns Haus“,
  • Joseph von Eichendorff: „Lockung“,
  • Heinrich Heine: „Altes Kaminstück“ und
  • Theodor Fontane: „Herbstmorgen“.

Während die hier erwähnten Gedichte von Storm und Heine von spielerischen, abwechslungsreichen Zeichnungen begleitet werden, bei denen es viel zu entdecken gibt, sind die Werke von Fontane und von von Eichendorff mit dichten, athmosphärisch starken Illustrationen versehen, die die Stimmung des Gedichts gut transportieren.

Die Buchgestaltung ist im Großen und Ganzen gelungen, Satz und Lektorat haben ordentlich gearbeitet, dem Korrektorat sind bei den Autorenvitae einige Fehler durchgerutscht, die sich aber noch im Rahmen halten. Das Titelbild ist hübsch, im Druck aber deutlich blasser als oben ersichtlich, sodass es – auch mit der hellblauen Schrift – etwas eintönig wirkt.

Mein Fazit? „Es war, als hätt der Himmel die Erde still geküsst“ ist Lyriksammlung und Kunstbuch zugleich, das vor allem durch die gute Verbindung zwischen Bild und Text punkten kann, vielleicht aber etwas reduzierter noch besser gewirkt hätte. Für Lyrikliebhaber – und als Geschenk – dennoch bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Kathrin Lange / Susanne Thiele: „Probe 12“

In der letzten Zeit habe ich „Probe 12“ von Kathrin Lange und Susanne Thiele gelesen. Das Buch ist 2021 bei Lübbe, Bastei Lübbe AG, erschienen und als Wissenschaftsthriller einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die vermittelnde Agentur Buchcontact.

Als die Wissenschaftsjournalistin Nina Falkenberg ihren ehemaligen Mentor Anasias in Georgien besucht, gerät sie mitten in einen tödlichen Angriff auf ihn. Zuvor kann er Nina jedoch verraten, dass es ihm gelungen ist, ein Medikament gegen die gefährlichsten multiresistenten Keime der Welt zu finden. Musste er deswegen sterben? Zusammen mit dem Foodhunter Tom Morell, dessen Tochter an einem dieser Keime erkrankt ist, versucht Nina, die Forschungsergebnisse nachzuvollziehen. Aber Nina und Tom sind nicht die Einzigen, die hinter Anasias‘ Forschung her sind, und ihre Gegner schrecken weder vor Entführung und Erpressung noch vor Mord zurück.

„Probe 12“ reiht sich in die durchaus nicht allzukurze Liste an Thrillern ein, die ich in den letzten 1-2 Jahren gelesen habe – obwohl das Genre für mich doch eher unüblich ist. Und – ohne die restliche Rezension im Detail vorweg zu nehmen: egal ob Wissenschafts-, Spionage- oder Politthriller, „Probe 12“ ist der beste seit „Origin“ von Dan Brown.

Dabei haben Susanne Thiele und Kathrin Lange nicht nur den Nerv der Zeit getroffen, vielmehr ist es ihnen gelungen, aktuelle Themen und Fiktion zu einem spannenden, aber denkbaren Gesamtgeschehen zu verknüpfen, das den Leser in seinen Bann zieht, sodass man das Buch gar nicht aus der Hand legen möchte.

Der Roman brilliert zum einen durch sein Setting, das den Leser nach Tiflis und Berlin entführt, in hochmoderne Labore und verlassene Gewerbegebiete, zum anderen durch die überraschend gute Lesbarkeit. So ist es den Autorinnen gelungen, trotz des sehr spezifischen Themas und den daher notwendigen, wissenschaftlichen Ausführungen, diese in einem verträglichen Rahmen zu halten, das Buch nicht zu technisch werden zu lassen.

Die Handlung ist spannend und abwechslungsreich und hält auch immer mal wieder unerwartete Wendungen für den Leser bereit, auch wenn einige Dinge natürlich auch vorhersehbar sind. Die einzelnen Charaktere sind vielschichtig angelegt und haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei brillieren insbesondere Tina Voss und Sylvie – oder auch der nur am Rande erwähnte Bo, über dessen Leben man unbedingt mehr erfahren möchte.

Die Buchgestaltung überzeugt ebenfalls auf ganzer Linie. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, der Buchumschlag ist auf dem Cover und dem Buchrücken leicht hochwertig geprägt, mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Das Titelbild ist farblich auffällig und nimmt Bezug auf die Geschichte – ein rundum gelungenes Gesamtpaket.

Mein Fazit? „Probe 12“ ist ein überzeugender Wissenschaftsthriller, der vor allem mit seiner Aktualität und einer spannenden Handlung punkten kann – ein potentielles Jahreshighlight. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen, ab dem vom Verlag empfohlenen Alter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Gemma Merino: „Der kleine Drache, der kein Feuer spucken konnte“

In der letzten Zeit habe ich „Der kleine Drache, der kein Feuer spucken konnte“ gelesen. Das Bilderbuch für Kinder ist 2021 im Baumhaus Verlag, Bastei Lübbe AG, erschienen, die Originalausgabe wurde 2021 unter dem Titel „The Dragon Who Didn’t Like Fire“ bei Macmillan Children’s Books, einem Imprint von Pan Macmillan veröffentlicht. Text und Illustrationen in der Originalausgabe stammen von Gemma Merino, für die Übersetzung aus dem Englischen ins Deutsche ist Jennifer Gomber verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Alle Drachen können Feuer spucken. Nur das kleine Drachenmädchen nicht. Und Flügel wachsen ihr auch keine. Dabei würde sie so gerne fliegen und mit ihren Geschwistern durch die Lüfte sausen! Doch das kleine Drachenmädchen ist erfinderisch und lässt sich so einiges einfallen, um ihren großen Traum wahr werden zu lassen. Und schließlich findet sie Erstaunliches über sich heraus …

„Der kleine Drache, der kein Feuer spucken konnte“ ist – ich kann es nicht anders sagen – wirklich zuckersüß. Die einzelnen Illustrationen sind mit so viel Liebe zum Detail, mit Witz und vor allem Charme erstellt worden, dass man sich nicht nur in das kleine Drachenmädchen, sondern einfach in alle Figuren direkt verliebt. Dabei gibt es auch außerhalb der Geschichte, auf den Coverinnenseiten, dem Impressum oder dem Buchumschlag soviel zu entdecken.

Die eigentliche Handlung ist einfach und altersgerecht, gleichsam aber sehr gefühlvoll und bestärkend. Sie behandelt das Thema des Andersseins und betont dabei die große Bedeutung einer liebevollen Familie, die Zugehörigkeit und Halt vermittelt – egal, wie anders man ist oder man sich fühlt.

Das Zusammenspiel von Text und Illustration ist sehr harmonisch gelungen, da die einzelnen Textabschnitte gut in die Bilder eingebaut, teils innovativ und überraschend gesetzt worden sind. Dabei ist auch das Verhältnis von Text und Bild ausgewogen und altersgerecht und lädt zum Vorlesen oder selbst entdecken ein.

Neben dem tollen Buchsatz überzeugt auch die restliche Buchgestaltung auf ganzer Linie. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchumschlag ist auf Cover und Coverrückseite hochwertig geprägt und – wie oben bereits angemerkt – mit farbigen Coverinnenseiten versehen. Dabei sind Cover und -Rückseite auch wunderschön anzusehen, detailverliebt und wecken Lust auf die Geschichte – ein rundum gelungenes Gesamtpaket.

Mein Fazit: „Der kleine Drache, der kein Feuer spucken konnte“ ist ein wundervolles Bilderbuch für Kinder, das mit viel Liebe zum Detail gestaltet wurde und eine wichtige Botschaft vermittelt – untermalt von wunderschönen Illustrationen. Für Leser (und Vorleser) des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag empfohlenen Alter von vier Jahren.