In den letzten Tagen habe ich auch „Die Weltenerschaffer“ von John Hendrix gelesen. Das Buch ist in der deutschsprachigen Version 2026 in der Knesebeck GmbH & Co. Verlag KG veröffentlicht worden, die Originalausgabe erschien 2024 unter dem Titel „The Mythmakers“ bei ABRAMS, New York. Das Buch ist als Graphic Novel einzuordnen, für die Übersetzung aus dem Englischen zeichnet Anna Opel verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Die Welten von C.S. Lewis‘ „Die Chroniken von Narnia“ und J.R.R. Tolkiens „Der Herr der Ringe“ faszinieren seit Generationen Leser:innen jeden Alters. Doch bevor der Hobbit seine Reise antrat und Narnia seine Türen öffnete, führten die Lebenswege der beiden Autoren durch die Schützengräben des Ersten Weltkriegs. Später begegneten sie sich in Oxford und fanden ineinander den Mut, über literarische Konventionen hinauszugehen und jene Geschichten zu schreiben, die sie selbst lesen wollten. So prägten die beiden Autoren die Geschichte der Fantasy und veränderten das Erzählen nachhaltig.
„Die Weltenerschaffer“ oder wie der Untertitel sagt: „Von Mittelerde bis Narnia: Die fantastische Freundschaft von C.S. Lewis und J.R.R. Tolkien“ ist mein erstes Buch des hochdekorierten Autors und Illustrators John Hendrix, der in diesem Werk sowohl für die Bilder als auch für den Text verantwortlich war. Dabei ist das Buch klar als Graphic Novel einzuordnen, durch die fiktive Rahmenhandlung entfernt es sich etwas von einem Sachbuch, auch wenn sich durchaus Argumente für die Einordnung als – dann – Sachcomic finden lassen würden.
Die Handlung setzt sich – wie bereits erwähnt – aus einer fiktiven Rahmenhandlung und sachbuchartigen Ausführungen zusammen, auch wenn die Ausgestaltung als Geschichte naturgemäß dafür sorgt, dass auch in den Aufeinandertreffen von Lewis und Tolkien viel Fiktion mitschwingt, da die Dialoge größtenteils der Vorstellung des Autors entspringen. Punkten kann hierbei der Portalmodus, der ähnlich wie in Spielbüchern dem Leser die Entscheidung ermöglicht, wann er zusätzliche Passagen einbauen möchte. Generell hätte ich mir aber eine stärkere Schwerpunktsetzung auf die Freundschaft der beiden Phantasten gewünscht, eine Fokussierung auf die gemeinsame Zeit bei den Inklings; die sprach- bzw. literaturwissenschaftlichen Passagen am Anfang hätte man dahingegen etwas kürzer halten können.
Dahingegen können die Illustrationen brillieren. Sie sind teils farbenfroh, stilistisch passend und sorgen dafür, dass man nicht nur Rahmenhandlung und eigentliche Erzählung gut trennen kann, sondern auch die einzelnen Lebensabschnitte der beiden „Protagonisten“ gut auseinanderhält. Auch wird über die Zeichnungen ungleich mehr Inhalt transportiert, sodass sie die Textpassagen nicht nur illustrieren, sondern diese ergänzen und fortschreiben – hier merkt man, dass beides vom gleichen Künstler stammt, der ein Gesamtkonstrukt aus Bild und Text wie aus einem Guss erschaffen hat.
Über die Figuren zu sprechen, verbietet sich eigentlich bei einem Sachbuch – aber da wir hier ja eine fiktive Rahmenhandlung haben, sollten diese zumindest kurz Erwähnung finden – auch wenn selbst die fiktiven Figuren hier von Charakteren oder realen Persönlichkeiten inspiriert und dabei leicht überzeichnet worden sind. John Hendrix‘ Schreibstil lässt sich zudem größtenteils leicht und flüssig lesen, schwankt jedoch zwischen den sehr wissenschaftlichen Passagen und fast kindgerechter Sprache, etwas mehr Konstanz hätte hier auch nicht geschadet.
Auch die Buchgestaltung kann größtenteils glänzen. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz setzt Text und Bild zu einem wunderschönen Gesamtprodukt. Der Umschlag ist auf dem Cover leicht geprägt und mit farbigen Coverinnenseiten versehen, die Geschichte wird mit einem umfangreichen Nachwort inklusive Literaturverzeichnis abgerundet. Auch das Covermotiv, das sich nahtlos auf Buchrücken und Coverrückseite fortsetzt, vermag zu überzeugen, nimmt Bezug zur Handlung und ist toll gestaltet – ein wahrer Eyecatcher.
Mein Fazit? „Die Weltenerschaffer“ ist eine visuell beeindruckende Graphic Novel über die Freundschaft von Lewis und Tolkien, bei der ich mir aber teils eine etwas andere Schwerpunktsetzung gewünscht hätte. Für Phantastikliebhaber dennoch bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 13 Jahren.












