[Buchgedanken] John Hendrix: „Die Weltenerschaffer“

In den letzten Tagen habe ich auch „Die Weltenerschaffer“ von John Hendrix gelesen. Das Buch ist in der deutschsprachigen Version 2026 in der Knesebeck GmbH & Co. Verlag KG veröffentlicht worden, die Originalausgabe erschien 2024 unter dem Titel „The Mythmakers“ bei ABRAMS, New York. Das Buch ist als Graphic Novel einzuordnen, für die Übersetzung aus dem Englischen zeichnet Anna Opel verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Die Welten von C.S. Lewis‘ „Die Chroniken von Narnia“ und J.R.R. Tolkiens „Der Herr der Ringe“ faszinieren seit Generationen Leser:innen jeden Alters. Doch bevor der Hobbit seine Reise antrat und Narnia seine Türen öffnete, führten die Lebenswege der beiden Autoren durch die Schützengräben des Ersten Weltkriegs. Später begegneten sie sich in Oxford und fanden ineinander den Mut, über literarische Konventionen hinauszugehen und jene Geschichten zu schreiben, die sie selbst lesen wollten. So prägten die beiden Autoren die Geschichte der Fantasy und veränderten das Erzählen nachhaltig.

„Die Weltenerschaffer“ oder wie der Untertitel sagt: „Von Mittelerde bis Narnia: Die fantastische Freundschaft von C.S. Lewis und J.R.R. Tolkien“ ist mein erstes Buch des hochdekorierten Autors und Illustrators John Hendrix, der in diesem Werk sowohl für die Bilder als auch für den Text verantwortlich war. Dabei ist das Buch klar als Graphic Novel einzuordnen, durch die fiktive Rahmenhandlung entfernt es sich etwas von einem Sachbuch, auch wenn sich durchaus Argumente für die Einordnung als – dann – Sachcomic finden lassen würden.

Die Handlung setzt sich – wie bereits erwähnt – aus einer fiktiven Rahmenhandlung und sachbuchartigen Ausführungen zusammen, auch wenn die Ausgestaltung als Geschichte naturgemäß dafür sorgt, dass auch in den Aufeinandertreffen von Lewis und Tolkien viel Fiktion mitschwingt, da die Dialoge größtenteils der Vorstellung des Autors entspringen. Punkten kann hierbei der Portalmodus, der ähnlich wie in Spielbüchern dem Leser die Entscheidung ermöglicht, wann er zusätzliche Passagen einbauen möchte. Generell hätte ich mir aber eine stärkere Schwerpunktsetzung auf die Freundschaft der beiden Phantasten gewünscht, eine Fokussierung auf die gemeinsame Zeit bei den Inklings; die sprach- bzw. literaturwissenschaftlichen Passagen am Anfang hätte man dahingegen etwas kürzer halten können.

Dahingegen können die Illustrationen brillieren. Sie sind teils farbenfroh, stilistisch passend und sorgen dafür, dass man nicht nur Rahmenhandlung und eigentliche Erzählung gut trennen kann, sondern auch die einzelnen Lebensabschnitte der beiden „Protagonisten“ gut auseinanderhält. Auch wird über die Zeichnungen ungleich mehr Inhalt transportiert, sodass sie die Textpassagen nicht nur illustrieren, sondern diese ergänzen und fortschreiben – hier merkt man, dass beides vom gleichen Künstler stammt, der ein Gesamtkonstrukt aus Bild und Text wie aus einem Guss erschaffen hat.

Über die Figuren zu sprechen, verbietet sich eigentlich bei einem Sachbuch – aber da wir hier ja eine fiktive Rahmenhandlung haben, sollten diese zumindest kurz Erwähnung finden – auch wenn selbst die fiktiven Figuren hier von Charakteren oder realen Persönlichkeiten inspiriert und dabei leicht überzeichnet worden sind. John Hendrix‘ Schreibstil lässt sich zudem größtenteils leicht und flüssig lesen, schwankt jedoch zwischen den sehr wissenschaftlichen Passagen und fast kindgerechter Sprache, etwas mehr Konstanz hätte hier auch nicht geschadet.

Auch die Buchgestaltung kann größtenteils glänzen. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz setzt Text und Bild zu einem wunderschönen Gesamtprodukt. Der Umschlag ist auf dem Cover leicht geprägt und mit farbigen Coverinnenseiten versehen, die Geschichte wird mit einem umfangreichen Nachwort inklusive Literaturverzeichnis abgerundet. Auch das Covermotiv, das sich nahtlos auf Buchrücken und Coverrückseite fortsetzt, vermag zu überzeugen, nimmt Bezug zur Handlung und ist toll gestaltet – ein wahrer Eyecatcher.

Mein Fazit? „Die Weltenerschaffer“ ist eine visuell beeindruckende Graphic Novel über die Freundschaft von Lewis und Tolkien, bei der ich mir aber teils eine etwas andere Schwerpunktsetzung gewünscht hätte. Für Phantastikliebhaber dennoch bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 13 Jahren.

[Buchgedanken] Judith Mohr: „Stadt, Land, Mist“

In den letzten Tagen habe ich auch „Stadt, Land, Mist“ von Judith Mohr gelesen. Das Buch ist 2026 in der Verlag Freies Geistesleben & Urachhaus GmbH veröffentlicht worden und als Jugendbuch einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Keine Kletterhalle, keine Skaterbahn, keine Freunde mehr, stattdessen viel zu viel Grün, langweilige Pferdeweiden und ein endloser Schulweg. Dies ist kurz, knapp und gnadenlos das, was Fabian nach dem Umzug aus der Großstadt aufs Land erwartet. Er kann Kleinwönne wirklich gar nichts abgewinnen – wäre nicht Lotta, die vor ihm in seinem Zimmer gewohnt hat und die genau den umgekehrten Weg nehmen muss: vom Land in die Stadt. Doch während Fabian nichts mit sich anzufangen weiß, blickt Lotta hoffnungsvoll auf die Möglichkeiten der Stadt und sieht zudem die Chance, sich in der neuen Klasse nicht mehr so ausgeschlossen zu fühlen wie in ihrer alten Schule. Die beiden Neuankömmlinge schließen einen Pakt: Stadtnachhilfe für Lotta. Dorfnachhilfe für Fabian. Was als kleine Selbsthilfegruppe beginnt, entwickelt sich allmählich zu einer tiefen Freundschaft, die allerdings ganz schön auf die Probe gestellt wird, als sich Mitschüler Oskar für Lotta interessiert, aber ihre Grenzen nicht akzeptiert …

„Stadt, Land, Mist“ ist mein erster Roman der Jugendbuchautorin Judith Mohr – und daher passenderweise auch ganz klar als Jugendbuch/Jugendroman zu kategorisieren. Empfohlen wird das Buch für Leser:innen ab 14 Jahren, eine grundsätzlich zutreffende Einschätzung, die auch mit dem Alter der Protagonist:innen korreliert, auch wenn man das Buch im Zweifel bei genügender Reife auch ein Jahr oder so früher lesen kann – die hier vermittelten Botschaften können nicht früh genug diskutiert werden.

Die Handlung ist abwechslungsreich und spannend, in Teilen natürlich aber auch vorhersehbar. Sie wird aus zwei verschiedenen Ich-Perspektiven erzählt – kapitelweise wechselnd und mit mit der jeweiligen Perspektive überschrieben. Dabei werden jugendtypische Probleme und wichtige Themen altersgerecht aufgearbeitet, auch wenn teils die Konsequenzen ausbleiben und daher durchaus nicht immer die besten Signale ausgesandt werden – hier hätte man noch etwas nachsteuern und die Botschaft schärfen können.

Das Setting vermag hingegen zu brillieren. So entführt die Autorin ihre Leser:innen in eine Welt der Gegensätze, nimmt sie mit in eine pulsierende Großstadt und ein dörfliches Setting im Speckgürtel der Stadt, dessen ÖPNV-Anbindung allerdings fast zu gut daherkommt, um die übliche Realität abzubilden. Abgesehen davon werden hier zwar durchaus Klischees bedient, diese aber unaufgeregt eingeführt und durchaus hinterfragt, um abschließend zum wenig überraschenden Konsens zu kommen, dass beide Lebenswelten ihre Vor- und Nachteile haben.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Neben Lotta überzeugen hier vor allem wichtige Nebencharaktere wie Ole, Sophia oder Herr Wirsing, während Fabian nicht immer nachvollziehbar handelt und straflos doch recht krass über die Stränge schlägt. Judith Mohrs Schreibstil ist altersgerecht, lässt sich leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz sind ordentlich, der Buchumschlag ist mit Klappen versehen. Das Covermotiv wird nahtlos auf dem Buchrücken fortgesetzt, dann aber zur Coverrückseite hin krass unterbrochen, die auch etwas überfrachtet ist, bildlich aber zumindest Anklang zur Handlung bietet. Das Covermotiv ist zwar nett anzusehen, aber sehr beliebig und austauschbar und entspricht auch nicht zwingend dem Bild von Lotta, das sich beim Lesen aufbaut. Im Nachgang zur Geschichte werden vereinzelt Hilfsangebote aufgelistet, dies hätte man auch noch ausbauen und durch explizite Hilfsorganisationen für Oper sexuellen Missbrauchs ergänzen können.

Mein Fazit? „Stadt, Land, Mist“ ist ein abwechslungsreiches Jugendbuch, das mit guten Charakteren und wichtigen Themen punktet, in der Botschaft aber durchaus noch etwas nachgeschärft hätte werden können. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren, vielleicht auch leicht früher.

Von Altlasten und Neuanfängen | Lovelybooks-Buchpost

Auch heute habe ich noch einmal zwei Neuzugänge für Euch, die mich vor kurzem als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de erreicht haben – vielen Dank dafür. „Den Geist aufgeben ist auch keine Lösung“ von Laura Noth ist im eigenen Label veröffentlicht worden und wird über Nova MD vertrieben, während „Die sanfte Wucht der Papierflieger“ von Gerhard Kummer bei Ueberreuter erschienen ist. Beide Romane thematisieren dabei Neuanfänge und die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit – einmal eher im familiären, einmal eher im Beziehungsumfeld. Beide Bücher sprechen dabei die großen Fragen des Lebens an – und ich bin gespannt, zu welchen Schlüssen die Protagonist:innen jeweils gelangen.

Welcher Roman hat Euch zuletzt zum Nachdenken angeregt?

Achtsam leben und achtsam sterben | Doppelte Buchpost

Auch heute habe ich noch einmal zwei Neuzugänge für Euch. „Ein Mord für ein Miau“ von Uli Aechtner (Schöffling & Co.) kam dabei als Leseexemplar von der Autorin zu mir, während mich „Achtsam faulenzen“ von Heike Abidi und Daniela Nagel (Goldegg Verlag) als Rezensionsexemplar im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de erreichte – vielen Dank dafür. Heike Abidis humorvolle Ratgeber gehören ja schon lange zu meinen Leselieblingen – dies ist nun mein zweites Buch von ihr, das sie zusammen mit Daniela Nagel geschrieben hat. Die Prämisse des „Achtsamen Faulenzens“ haben Katzen ja ohnehin perfekt verinnerlicht, würde es in Uli Aechtners Buch – mein drittes von ihr – nicht sogar um Leben und Tod gehen! Ich bin auf den Katzenkrimi daher schon sehr gespannt – vermutlich brauche ich danach Heikes und Danielas Buch, um meinen Puls wieder in geordnete Bahnen zu lenken :).

Könnt Ihr einfach so abschalten? Nichts tun? Oder seid ihr immer in Bewegung?

Ausflüge in die Vergangenheit | Lovelybooks-Buchpost

Auch heute habe ich noch einmal zwei Neuzugänge für Euch, die mich vor kurzem als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de erreicht haben – vielen Dank dafür! „Das verfluchte Gold von Hell Gate“ von Davide Morosinotto erschien in der deutschen Ausgabe bei Thienemann, „Die Herrin vom See – Schatten über Avalon“ von Sabrina Qunaj als Aufbau Taschenbuch in der Aufbau Verlage GmbH & Co. KG. Von beiden Autor:innen ist es nicht mein erstes Buch, von Sabrina habe ich in den letzten 10 Jahren durchaus einige Bücher in verschiedenen Genres zusammengesammelt. Beide Romane entführen dieses Mal die Leser:innen in die Vergangenheit. So stehen Reisen ins Britannien des 6. Jahrhunderts und nach New York zur Zeit der Prohibition an. Ein Abenteuerthriller für junge Leser:innen – und eine Adaption des weltbekannten und – auch von mir – geliebten Artus-Mythos: das wird jeweils unglaublich toll! 🙂

In welche Epoche würdet Ihr gern einmal reisen?

[Buchgedanken] Andreas Suchanek: „Das tödliche Artefakt: Der Siegelwahrer von London“ (Magische Museen 2)

In der letzten Zeit habe ich auch „Das tödliche Artefakt: Der Siegelwahrer von London“ von Andreas Suchanek gelesen. Das Buch ist 2026 in der dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG veröffentlicht worden und als Urban Fantasy einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Liams Tage als Fahrradkurier sind längst Geschichte – seit er als Siegelwahrer das magische Museum in London hütet und mächtige Artefakte vor den Falschen schützt. Doch ein riskanter Einsatz reißt ihn aus seinem neuen Alltag: Im Louvre liegt vor einem Gemälde zur Französischen Revolution ein Toter. Nur der Torso. Der Kopf fehlt. Alles deutet auf Artefaktmagie hin – und auf einen gefährlichen Gegner. Gemeinsam mit seiner Kollegin Julia macht sich Liam auf die Jagd nach dem Mörder und gerät dabei tief in die Pariser Unterwelt. Doch je mehr Liam aufdeckt, desto klarer wird: Die Wahrheit über die Vergangenheit setzt auch seine eigene Zukunft aufs Spiel.

„Das tödliche Artefakt: Der Siegelwahrer von London“ ist nach „Das vergessene Museum: Der Siegelwahrer von London“ der zweite Band der mindestens dreiteiligen Reihe um die magischen Museen von Andreas Suchanek, von dem ich auch noch „Der Tod wischt mit: Tilly Blych ermittelt“ gelesen habe. Genau wie der erste Band lässt sich auch dieser Roman mühelos als Urban Fantasy kategorisieren, aufgrund der komplexen, über die Einzelbände hinausgehenden Zusammenhänge und Rahmenhandlungen würde ich ihn jedoch nicht als Standalone lesen, sondern immer vorher die Lektüre des ersten Teils empfehlen.

Die Handlung knüpft direkt an das Geschehen des Vorgängers an und setzt dieses nahtlos fort – erzählt wird das Buch erneut aus der Ich-Perspektive des Protagonisten Liam. Die Handlung ist abwechslungsreich, spannend und wartet wieder mit unerwarteten Wendungen auf, allerdings auch mit kleineren Logikbrüchen oder Unwägbarkeiten, die für Knoten in den Gehirnen der Leser:innen sorgen. Am Ende begegnet man erneut einem relativ heftigen Cliffhanger, der das sonst sehr runde Ende etwas stört – hier hätte man gegebenenfalls das Buch ein Kapitel früher abschließen können.

Das Setting ist gewohnt traumhaft. Das vom Autor geschaffene und in die reale Welt eingebettete Museumsnetzwerk wird ausgebaut – und dieses Mal geht es vor allem nach Paris in eine Stadt voller Kunst, Nationalstolz und gutem Essen. Dabei werden erneut – ganz am Rand – auch gesellschaftlich-wichtige Themen gestreift und – sinnigerweise – wird das Magiekonzept weiter ausgebaut, da würde ich mir noch mehr wünschen. Da die Leser:innen das ganze aber zusammen mit dem unausgebildeten Liam kennenlernen, geht das halt nur Schritt für Schritt.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive – und werden konsequent aus Teil 1 weiterentwickelt. Hierbei überzeugen vor allem Eva, Shakespeare, Rupert und Ava – und auch Liam wächst mir mit jedem Band irgendwie mehr ans Herz. Andreas Suchaneks Schreibstil ist weiterhin humorvoll und lässt sich leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist ordentlich. Lektorat und Korrektorat sind noch im Rahmen, der Buchsatz ist gelungen. Der Umschlag ist mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten ausgestattet und auf Cover, Coverrückseite und Buchrücken leicht geprägt. Das Covermotiv, der Buchumschlag insgesamt ist genretypisch, aber sehr ansehnlich und passt sich gut ins Konzept der Reihe ein, sodass ein einheitlicher Eindruck mit Wiedererkennungswert entsteht.

Mein Fazit? „Das tödliche Artefakt: Der Siegelwahrer von London“ ist eine gelungene Fortsetzung, die vor allem mit tollen Charakteren, einem wundervollen Setting und viel Spannung punkten kann, manchmal dabei aber die Logik etwas biegt. Für Leser:innen des Genres (nach Lektüre des ersten Bandes) bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

Auftaktbände im Doppelpack | Lovelybooks-Buchpost

Kurz vor der Frankfurter Buchmesse möchte ich Euch auch noch diese Neuzugänge vorstellen, die mich vor kurzem als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de erreicht haben – vielen Dank dafür! „Break Even“ (FISCHER) ist der Auftaktband in die „Student-Palace“-Reihe von Kristin Haven, die sonst als Kristin MacIver romantische Liebesromane schreibt, während „Vier Hexen und ein Zufallszauber“(Penguin Junior) von Marie Braner eine fantastische Kinderbuchreihe für Leser:innen ab neun Jahren begründet. Kristin treffe ich ebenfalls in Frankfurt wieder – eine mittlerweile liebgewonnene Tradition :).

Welche Reihe konnte Euch zuletzt überzeugen?

[Buchgedanken] Frida Jacobsen: „Herbstleuchten über dem Möwenhof“ (Möwenhof 2)

In der letzten Zeit habe ich auch „Herbstleuchten über dem Möwenhof“ von Frida Jacobsen gelesen. Das Buch ist 2026 als Aufbau Taschenbuch in der Aufbau Verlage GmbH & Co. KG erschienen und als Liebesroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Ole Paulsen weiß nicht mehr weiter: Sein Pfahlrestaurant in St. Peter-Ording steht kurz vor dem Aus, und privat läuft ebenfalls alles schief. Als Ole wider Willen bei einer Fernsehkochshow antritt, gerät seine Welt vollends ins Wanken – und sein Herz gleich mit. Während die Kameras laufen und der Herbstwind über den Möwenhof fegt, muss Ole sich fragen, was im Leben und in der Liebe wirklich zählt.

„Herbstleuchten über dem Möwenhof“ ist nach „Sommerhimmel über dem Möwenhof“ der zweite Band der Möwenhof-Reihe aus der Feder von Frida Jacobsen, einem Pseudonym von Frieda Bergmann, die auch Teil des Autorinnen-Quartetts Hannah Conrad ist. Wie beim ersten Teil lässt sich der Roman klar als klassischer Liebesroman einordnen, auch Kategorisierungen wie Küsten- oder Nordseeroman sind möglich, entfernt erinnert die Serie auch an eine Familiensaga, auch wenn man Ole dann mehr oder weniger in diesem Fall als „adoptiertes“ Familienmitglied sehen müsste. Der Roman lässt sich gut als Standalone lesen, zur Figurenentwicklung empfehle ich vorher aber die Lektüre des ersten Bandes.

Die Handlung ist abwechslungsreich und interessant, genrebedingt natürlich auch vorhersehbar. Sie setzt nahtlos die Geschichte aus Band 1 fort und wird erneut aus den beiden Ich-Perspektiven der Love Interests erzählt – der Wechsel erfolgt kapitelweise und ist durch die Kapitelüberschrift angekündigt. Dabei trifft man liebgewonnene Charaktere wieder – der Möwenhof ist über die beiden Bände fast schon wie ein Zuhause auch für die Leser:innen geworden, sodass auch für weitere Folgebände noch genug Charaktere übrig bleiben würden, die auch noch eine Geschichte verdienen.

Das Setting brilliert erneut. Wieder geht es für die Leser:innen nach Sankt Peter-Ording, aber dieses Mal auch nach Schottland und Hamburg – Ole hat sich einen kosmopolitischen Love Interest verdient. Der Lokalkolorit kommt erneut durch den Dialekt durch – auch wenn er anteilig etwas hinter Band 1 zurücksteht. Wieder werden zudem niederschwellig wichtige Themen eingebaut wie Existenzängste, Scham oder die Verdrängung kleinerer Betriebe durch Ketten (eine Hommage an Band 1), die Feel-Good-Atmosphäre wird aber nie beeinträchtigt, das Happy End gerät nie wirklich in Gefahr.

Die einzelnen Charaktere sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive – und werden konsequent aus dem Vorgängerband weiterentwickelt. Dabei überzeugt erneut allen voran Nele, aber auch andere wichtige Nebencharaktere wie Levke oder Esther können glänzen – genau wie in diesem Band auch die Protagonist:innen Allegra und Ole, der ja im ersten Band schon einer meiner Favoriten war. Frida Jacobsens Schreibstil lässt sich erneut leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Auch die Buchgestaltung ist wieder ordentlich. Lektorat und Korrektorat sind zwar Kleinigkeiten durchgerutscht, die sich aber noch im vertretbaren Rahmen halten, der Buchsatz ist solide. Der Umschlag ist auf Cover, Coverrückseite und Buchrücken leicht geprägt, das Covermotiv setzt sich auf Buchrücken und Coverrückseite nahtlos fort und erzeugt so ein tolles Gesamtbild, das sich zudem gut ins Gefüge der Reihe einpasst. Generell ist das Covermotiv auch ansehnlich, auch wenn mir erneut der Bezug zur Handlung fehlt. Abgerundet wird die Geschichte zudem mit einer kurzen Playlist, die unüblich hintangestellt ist.

Mein Fazit? „Herbstleuchten über dem Möwenhof“ ist eine tolle Fortsetzung, die altbekannte Charaktere weiterentwickelt und in eine erneut tolle Story packt, die wirklich viel Spaß macht. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 13 Jahren.

[Buchgedanken] Frida Jacobsen: „Sommerhimmel über dem Möwenhof“ (Möwenhof 1)

In der letzten Zeit habe ich auch „Sommerhimmel über dem Möwenhof“ von Frida Jacobsen gelesen. Das Buch ist 2025 als Aufbau Taschenbuch in der Aufbau Verlage GmbH & Co. KG veröffentlicht worden und als Liebesroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

Für einen Neuanfang zieht Maren mit ihren Kindern zurück an die Nordseeküste, wo ihre Familie auf dem Möwenhof ein gemütliches Bed & Breakfast betreibt. Als sich Maren Hals über Kopf in den Bootsbauer Henning verliebt, könnte ihr Glück perfekt sein. Doch gerade jetzt plant ihr Onkel, das idyllische Kleinod zu verkaufen. Die Frauen vom Möwenhof geben nicht auf und setzen alles daran, ihn umzustimmen. Marens Beziehung zu Henning wird dabei auf eine harte Probe gestellt. Kann sie auf seine Unterstützung vertrauen und ihr Zuhause retten?

„Sommerhimmel über dem Möwenhof“ ist der erste Band der Möwenhof-Reihe von Frida Jacobsen, einem Pseudonym von Frieda Bergmann, die zudem Teil des Autorinnen-Quartetts ist, das unter dem Namen Hannah Conrad veröffentlicht. Da alle Bücher sich um die Liebe drehen, ähnliche Genres bedienen, ist es hier das Setting, das die einzelnen Pseudonyme voneinander abgrenzt – in diesem Fall das Küstenflair der Nordsee, sodass das Buch von Frida selbst gern auch als Küstenroman bezeichnet wird. Der Vollständigkeit halber kategorisiere ich es dennoch mal als klassischen (Feel-Good) Liebesroman ein.

Die Handlung ist abwechslungsreich und interessant, genrebedingt aber teils durchaus vorhersehbar. Insbesondere die Liebesgeschichte zwischen Maren und Henning lässt hier nie Zweifel an dem erwartbaren Happy End aufkommen, der große Konflikt zwischen beiden entpuppt sich eher als Stolpersteinchen, sodass die Feel-Good-Atmosphäre nie gestört wird. Lediglich in der Rahmenhandlung, die die Lovestory wunderschön abrundet, kommt hier größere Spannung auf. Erzählt wird die Geschichte aus zwei Ich-Perspektiven, die in der Regel kapitelweise wechseln und dankenswerterweise mit dem jeweils handelnden Akteur überschrieben sind. Lediglich ein Wechsel fand innerhalb des Kapitels statt – mangels Überschrift irritierte dieser doch etwas.

Das Setting brilliert auf ganzer Linie. So entführt die Autorin ihre Leser:innen an die Nordseeküste nach Sankt Peter-Ording – und hier vor allem auf den Möwenhof, eine idyllisch-pittoreske und in der Zeit stehengebliebene Bed & Breakfast-Pension voller Charme und Wärme. Insgesamt ist die verschlafene Nordseegesellschaft traumhaft und bietet neben dem Dialekt tolles Lokalkolorit – und einen fast märchenhaften Kampf Gut gegen Böse – strahlender Ritter inklusive. Dabei werden durchaus gesellschaftlich relevante Themen wie die Verdrängung kleiner Höfe durch große Gesellschaften, familiäre Vernachlässigung und – generell – fast jede denkbare Familienkonstellation eingebaut – ohne dass es jedoch aufgesetzt und gewollt wirkt.

Auch die einzelnen Charaktere können größtenteils glänzen, sind vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Nele, Abena, Noah und Ole – ich freue mich über Band 2 mit ihm. Henning und Maren handeln zwar nicht immer nachvollziehbar, aber sieht man von der Überdramatisierung des Konflikts ab, machen sie ebenfalls viel Spaß. Frida Jacobsens Schreibstil lässt sich zudem leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen – man träumt sich direkt selbst an die Nordsee.

Die Buchgestaltung ist gelungen. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist ordentlich. Das Covermotiv wird toll auf Buchrücken und Coverrückseite fortgesetzt, sodass ein einheitliches Gesamtbild entsteht, das sich zudem gut in die Reihe einfügt. Der Umschlag ist ferner auf Cover, Coverrückseite und Buchrücken leicht geprägt. Generell ist das Covermotiv sehr ansehnlich und genretypisch, auch wenn mir etwas der Bezug zur Handlung fehlt.

Mein Fazit? „Sommerhimmel über dem Möwenhof“ ist ein toller Start in die Reihe mit wundervollem Setting und spannenden Figuren, die Lust auf den zweiten Band machen. Minimale Schwächen fallen dabei kaum ins Gewicht. Für Leser:innen des Genres daher bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 13 Jahren.

[Buchgedanken] Yngra Wieland: „Jagdfieber“ (Salome Liebeskind 2)

In der letzten Zeit habe ich auch „Jagdfieber“ von Yngra Wieland gelesen. Das Buch ist 2026 in der Edition M, Amazon Media EU S.à r.l. erschienen und als Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Als Salome Liebeskinds Patientin Serena nach einer Therapiesitzung absichtlich vor ein Auto läuft, ahnt die Münchner Psychotherapeutin nicht, dass sie damit in ein unheilvolles Geschehen hineingezogen wird. Serenas Vater – ein bekannter Schönheitschirurg – wurde kurz zuvor während einer Jagd erschossen. Angeblich ein Unfall. Doch Salome glaubt das nicht. Auf eigene Faust beginnt sie zu ermitteln und gerät in ein gefährliches Geflecht aus Erpressung, Familiengeheimnissen und verborgenem Hass. Als auch ein Investigativjournalist tot aufgefunden wird, ist klar: Der Täter hat viel zu verlieren. Aber wie weit ist er bereit zu gehen?

„Jagdfieber“ ist nach „Die weiße Dame“ der zweite Band von Yngra Wielands Buchreihe um die Psychotherapeutin Salome Liebeskind. Weiterhin eingeordnet im Label „Edition M“ von Amazon Publishing, ist das Buch somit klar als Kriminalroman zu kategorisieren, auch wenn hier erneut parallel polizeilich und privat ermittelt wird – im Vergleich zum ersten Band sind die Überschneidungen, ist die „Zusammenarbeit“ aber doch präsenter. Dabei lässt sich der Roman durchaus als Standalone lesen, wichtige Details des Vorgängers werden in den Text eingeflochten, insgesamt rundet die vorherige Lektüre des ersten Bandes aber das Leseerlebnis ab.

Die Handlung ist spannend und abwechslungsreich und wartet, gerade zum Ende hin, auch noch mit der ein oder anderen überraschenden Wendung auf, Teile sind natürlich auch vorhersehbar. Die Handlung knüpft dabei zeitlich und thematisch nahtlos an „Die weiße Dame“ an und setzt Salomes Geschichte fort, die weiter sowohl aus ihrer Sicht als auch aus multiplen anderen personalen Erzählperspektiven dargestellt wird – die ein oder andere hätte man hier sicherlich noch streichen können. Gleiches gilt für den zusätzlichen Handlungsstrang um Cybermobbing/Hassposts, der zwar ein unglaublich wichtiges Thema anspricht, nie aber wirklich Einfluss auf die Haupthandlung hat und so etwas isoliert im luftleeren Raum schwebt. Generell tauchen zwischendurch eine unglaubliche Vielzahl an Personen auf, sodass es nicht immer ganz leicht ist, den Überblick zu behalten.

Das Setting vermag weiterhin zu überzeugen. So entführt die Autorin ihre Leser:innen auch in diesem Band nach München – diesmal zur Wiesn-Zeit in eine Welt der Reichen und Schönen zwischen Lokalpolitik, Schönheitsoperationen und Jagdgesellschaften. Dabei baut Yngra Wieland durch die Mischung aus originärer Polizeiarbeit und Psychotherapie Themen wie Selbstzweifel, Unsicherheit, Suizidgedanken, Burn-Out und das bereits erwähnte Cybermobbing organisch in den Roman ein und sorgt so für ein komplexes Gesamtkonstrukt, das weiterhin so viel Spaß macht wie im ersten Band.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive – und der bekannte Cast aus dem ersten Band wird konsequent weiterentwickelt. Dennoch überzeugen vor allem wichtige Nebenfiguren wie Waltraud, Ciggy und Kimberley, während Salome nicht immer nachvollziehbar, teils sehr naiv handelt und Serenas rasche Wandlung etwas unglaubwürdig daherkommt. Yngra Wielands Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist noch solide. Lektorat und Korrektorat sind Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss aber nicht erheblich schmälern, der Buchsatz ist ausbaufähig. Das Covermotiv wird nahtlos auf Coverrückseite und Buchrücken fortgesetzt, sodass ein einheitliches Gesamtbild entsteht, das zudem gut zum ersten Band passt. Insgesamt ist das Covermotiv, der Umschlag generell aber eher eintönig und kein klassischer Eyecatcher. Gewünscht hätte ich mir im Nachwort noch die Auflistung von Ansprechstellen bei Cybermobbing und hate speech im Netz, nachdem das so prominent im Roman gefeatured wurde.

Mein Fazit? „Jagdfieber“ ist eine gelungene Fortsetzung der Reihe um Salome Liebeskind, die vor allem durch eine abwechslungsreiche Handlung und tolle Charaktere punktet und dabei nur kleinere Schwächen aufweist. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 16 Jahren.