[Buchgedanken] Stefan Kuhlmann: „Herr Winter taut auf“

Vor kurzem habe ich auch „Herr Winter taut auf“ von Stefan Kuhlmann gelesen. Das Buch ist 2023 im Rowohlt Taschenbuch Verlag, in der Rowohlt Verlag GmbH erschienen und als Tragikomödie einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Robert Winter hat keine Lust auf Geschwätz und keine Zeit für Unsinn. Ihm ist egal, was andere Menschen über ihn denken. Sie sollen ihn einfach nur in Ruhe lassen. Und so versteht er auch überhaupt nicht, was seine Frau Sophia an ihrem Beruf als AVON-Beraterin so liebt. Für ihn sind Beauty-Produkte so ziemlich das Letzte, womit er seine Zeit verbringen möchte. Erst als ein Unfall Sophia aus seinem Leben reißt, ändert sich alles schlagartig. Um nicht in Trauer zu ertrinken, beschließt Robert, in ihre Fußstapfen zu treten und für Sophia den Titel «AVON-Beraterin des Jahres» zu gewinnen. Nur ist das schwerer als gedacht. Deutlich schwerer …  

„Herr Winter taut auf“ ist der Debütroman des Film- und Fernsehautors Stefan Kuhlmann. Dabei ist der Roman relativ schwer zu kategorisieren. So könnte man das Buch durchaus als Schicksalsroman ansehen, auch ein Entwicklungsroman wäre denkbar. Im Blurb und den auf diversen Portalen zitierten Kritikerstimmen wird das Buch teils als Komödie, teils als Tragikomödie beschrieben – letzteres halte ich aufgrund der Mischung aus Schicksalsschlag und Humor im Endeffekt für stimmig und habe es daher übernommen.

Die Handlung ist abwechslungsreich und kurzweilig, wenn auch durchaus vorhersehbar und im Mittelteil etwas überfrachtet. Dennoch vereint Stefan Kuhlmann gut den Humor mit den durchaus tragischen Elementen, sorgt für witzige, teils abstruse Szenen, die sogar mit Ironie und Sarkasmus angereichert sind. Allerdings ist das Ende relativ offen, was mich als Leser teils unbefriedigt zurücklässt und nach einer Fortsetzung schreit.

Das Setting ist überzeugend, aber auch austauschbar. So entführt der Autor den Leser in eine nicht näher bezeichnete Stadt mit Tankshops, Krankenhaus, Friedhof, Gericht und einer zu hohen Dichte an AVON-Beratern. Dabei gelingt es Stefan Kuhlmann, den Leser in den Alltag, in die absolute Normalität hineinzuziehen, ohne das Buch langweilig werden zu lassen – lediglich die Ausführungen der Kosmetikanwendungen sind hier teils zu umfangreich geworden.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive, wenn auch aufgrund der Vielzahl an Charakteren nicht alle im Detail ausgearbeitet werden können. So bleiben Wilma als Antagonistin und auch Dolores eher blass, während vor allem Basti und Lilli als wichtige Nebencharaktere punkten können. Stefan Kuhlmanns Schreibstil ist dabei leicht und flüssig zu lesen, pointiert, humorvoll und lässt das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, der Buchdeckel ist auf dem Cover hochwertig geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Der Buchdeckel ist zudem generell sehr eintönig, das Covermotiv wird auch auf der Coverrückseite, einer farbigen Coverinnenseite und vor der Geschichte wieder aufgegriffen – etwas mehr Abwechslung hätte hier gut getan, vor allem, da das Motiv zwar humorvoll anmutet, die Handlung aber nicht wirklich abbildet.

Mein Fazit? „Herr Winter taut auf“ ist ein gelungenes und kurzweiliges Debüt, das vor allem mit seinem Humor und einem pointierten Schreibstil überzeugt, teils aber auch etwas überfrachtet ist. Für Leser des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen.

Kulturschock im Doppelpack | Lovelybooks-Buchpost

Nach den ganzen Rezensionen gibt es jetzt erstmal wieder einige Neuzugänge :). Den Anfang machen heute zwei Bücher, die mich beide als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de erreichten – vielen Dank dafür. „Herr Kuranaga“ von Günther Mayr (Carl Ueberreuter Verlag) ist dabei ein Kriminalroman zwischen Sushi und Schweinebraten, „Herr Winter taut auf“ von Stefan Kuhlmann (Rowohlt Taschenbuch Verlag in der Rowohlt Verlag GmbH) eine tragische Komödie, in der der Protagonist die Stelle als AVON-Berater von seiner verstorbenen Frau übernimmt – Kulturschock inklusive. Ich bin schon ganz auf die beiden Ausflüge in gänzlich gegensätzliche Welten gespannt.

Mögt Ihr lieber Sushi oder Schweinebraten? =)

[Buchgedanken] Hendrik Lambertus: „Der Zorn der Flut“

Vor Weihnachten habe ich auch „Der Zorn der Flut“ von Hendrik Lambertus gelesen. Das Buch ist 2022 im Rowohlt Taschenbuch Verlag, Rowohlt Verlag GmbH erschienen und als historischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Im Winter des Jahres 1361 ist die Natur besonders unbarmherzig, Wind und Wellen peitschen gegen das Land. Deichbauer Folkert sieht mit Sorge, wie verwundbar der vernachlässigte Flutschutz seine Heimat macht. Doch seine Warnungen verhallen ungehört. Auch sein Bruder Auke sorgt sich mehr um die Herrschaftsansprüche der dänischen Krone. Er kämpft mit allen Mitteln für die friesische Freiheit – und für seine große Liebe Griet. Von der wird als Tochter des dänischen Statthalters erwartet, zum Vorteil der Familie zu heiraten. Soll sie sich fügen? Oder rebellieren? Dann kommt der 16. Januar 1362. Die Deiche brechen. Und nach der Flut ist nichts mehr, wie es vorher war …

„Der Zorn der Flut“ ist ein Roman, über eine der größten Naturkatastrophen Deutschlands, die Marcellusflut 1362. Dabei beschränkt sich der Roman nicht nur auf die Schilderung der Flut und deren Folgen, sondern bettet diese in ein Gesamtkonstrukt aus politischer Lage und persönlichen Schicksalen ein. Als Leser erhält man so die Chance, in Romanform doch einiges über eher unbekannte, und dennoch umwälzende Ereignisse in der deutschen Geschichte zu lernen, die sonst etwas unter dem Radar verbleiben.

Die Handlung ist dabei durchaus spannend, wenn auch teils – zumindest in der ersten Hälfte – mit Längen versehen. Aufgrund der Vielzahl an Personen und Handlungsstränge, die angelegt werden müssen, ist auch der Start in die Geschichte schwierig, die Geschwindigkeit steigert sich aber mit dem Zusammenlaufen der Handlungsstränge.

Das Setting ist gelungen. So entführt Hendrik Lambertus den Leser nach Norddeutschland, hinein ins Spannungsfeld zwischen Hanse, Dänemark und Friesland, in eine Zeit voller Handel und Seeräuberei. Zum besseren Verständnis hätte ich mir an dieser Stelle allerdings noch eine Karte der wesentlichen Handlungsorte gewünscht – der Geschichte voran- oder nachgestellt.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei gelingt dem Autor das ungewöhnliche Kunststück, einen der ersten Protagonisten konsequent unsympathischer werden zu lassen, bis man Auke weder Happy-End noch sonstiges Glück mehr wünscht. Janne und Griet überzeugen hingegen auf ganzer Linie, während Lentje so etwas wie die heimliche Sympathieträgerin des Romans ist.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz ist unauffällig und schlicht. Das Covermotiv zieht sich über den ganzen Buchumschlag und bildet mit Buchrücken und Coverrückseite ein einheitliches Gesamtbild, ist zudem atmosphärisch und passt gut zur Geschichte. Die einzelnen Teile des Buches werden dabei jeweils erneut mit einer ganzseitigen Abbildung des Covermotivs eingeläutet – hier hätte man durchaus auch auf abweichende Motive zurückgreifen können, um die Thematik der Abschnitte besser aufzugreifen. Wie oben bereits erwähnt, hätte auch eine Karte zur Abrundung der Handlung und der Buchgestaltung beigetragen.

Mein Fazit? „Der Zorn der Flut“ ist ein historischer – und sehr informativer – Roman mit spannendem Setting und interessanten Protagonisten, der allerdings im ersten Teil auch einige Längen hat. Für Leser des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen.

An der (Nordsee-)Küste | Doppelte Buchpost

Vor kurzem erreichten mich auch diese beiden Bücher als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de – vielen Dank dafür! Während „Feather & Rose – Ein Sturm zieht auf“ von Claudia Siegmann (Ravensburger Buchverlag) den Leser dabei an die Wingdale Akademie, eine Schule für Elementmagie an der beschaulichen Atlantikküste Cornwalls entführt, entfesselt Hendrik Lambertus in „Der Zorn der Flut“ (Rowohlt Verlag) die Gewalten der Nordsee im Rahmen eines historischen Romans über die Marcellusflut 1362. Ein abwechslungsreiches Leseprogramm – auch wenn es mich in beiden Romanen an die Küste verschlägt :).

Mögt Ihr Küstenregionen? Wenn ja, würde es Euch eher nach Cornwall oder zur Nordsee ziehen?

Zuckersüß und zauberhaft | Doppelte Buchpost

Vor kurzem erreichten mich auch diese beiden tollen Bücher: „Covet“ von Tracy Wolff (dtv Verlag) kam dabei als selbstgekaufte Exklusivausgabe der Bücherbüchse mit zauberhaft-schönem Farbschnitt zu mir, während mich „Lake Paradise – Ein Zuhause für das Glück“ von Manuela Inusa (Rowohlt Verlag) als wunderschön-zuckersüßes Päcken mit tollen Goodies und handsigniertem Exemplar als Gewinn einer Verlosung erreichte – vielen Dank dafür! Das verspricht spannende und gefühlvolle Lesestunden – Nervennahrung inklusive <3.

Mögt Ihr Schokolade zum Buch?

Von „echten“ Göttern und Göttern in Weiß | Doppelte Buchpost

In der letzten Zeit erreichten mich wieder einige tolle Bücher, von denen ich Euch heute noch zwei zeigen möchte. „Die Götter müssen sterben“ von Nora Bendzko, heute bei Droemer Knaur erschienen, ist ein mythologischer Fantasyroman, auf den ich mich schon seit langem gefreut habe und der mich heute als Rezensionsexemplar erreichte – vielen Dank dafür an den Verlag! „Das Inselkrankenhaus: Sommerstürme“ von Liv Helland, bei Rowohlt veröffentlicht, kam dank einer Buchverlosung auf Lovelybooks zu mir – auch dafür vielen Dank. Sehen sie nicht beide toll aus?

[Buchgedanken] Lyssa Kay Adams: „The Secret Book Club – Ein fast perfekter Liebesroman“ (Secret Book Club 1)

In den letzten Tagen habe ich im Rahmen einer Leserunde „The Secret Book Club – Ein fast perfekter Liebesroman“ von Lyssa Kay Adams gelesen, den Auftakt einer mindestens dreiteiligen Reihe über den „Secret Book Club“. Das Buch ist 2020 im Label „endlich Kyss“ der Rowohlt Verlag GmbH erschienen und dem Genre New-Adult zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag und Lovelybooks.de für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen der Leserunde.

41daP9GtHuL._SX319_BO1204203200_Die Ehe von Profisportler Gavin Scott steckt in der Krise. Genau genommen ist sie sogar vorbei, wenn es nach seiner Frau Thea geht. Und das darf nicht sein. Thea ist die Liebe seines Lebens! Und er versteht, verdammt noch mal, nicht, was überhaupt passiert ist. Eigentlich müsste SIE sich bei IHM entschuldigen! Gavin ist ratlos und verzweifelt – bis einer seiner Freunde ihn mit zu einem Treffen nimmt. Einem Treffen des Secret Book Club. Hier lesen und diskutieren Männer heimlich Liebesromane, um ihre Frauen besser zu verstehen. Gavin hält das für Schwachsinn. Wie sollen Liebesschnulzen ihm helfen, seine Ehe zu retten? Doch die Lektüre überrascht ihn. Und Thea steht eine noch viel größere Überraschung bevor!

„The Secret Book Club – Ein fast perfekter Liebesroman“ war … fast perfekt. Eine gelungene Mischung aus ernsten Themen und humorvollen Einschüben, aus starken Gefühlen und knisternder Erotik sorgte für ein abwechslungsreiches Lesevergnügen, auch wenn zum Ende hin die Schwerpunktsetzung etwas kippte.

Dabei kann der Roman mit einem gelungenen Setting punkten. Eine idyllische Wohnumgebung in Nashville vor dem Hintergrund des Lebensgefühls der Upperclass zwischen Parties und Sportevents: Umso weniger Probleme den Charakteren hier von außen entgegenschlagen, umso stärker kann der Fokus auf die Beziehung zwischen den Protagonisten gelegt werden.

Dabei entwickeln sich diese durchaus im Verlauf des Romanes weiter, sind plastisch, vielschichtig und dreidimensional angelegt, haben eigene Stärken und Schwächen. Auch die Nebencharaktere, insbesondere Nessa und Braden Mack überzeugen auf ganzer Linie, umso gespannter bin ich auf den Folgeband, der Braden und die, bisweilen noch unsympatische, Liv ins Zentrum setzt.

Die Handlung ist spannend und abwechslungsreich, wenn auch genrebedingt teils vorhersehbar. Dabei werden – parallel zur Handlung der Geschichte – Passagen eines Liebesromanes mit eingeflochten, die den Text auflockern. Aus meiner Sicht wird, gerade zum Ende des Romanes, das Potential der Handlung allerdings nicht vollends ausgeschöpft, und auch in der Ausgestaltung des Buchclubs besteht noch Luft nach oben, aber vielleicht gibt sich das noch in den nächsten Bänden. Den – durchweg sympathischen – Mitgliedern würde ich es jedenfalls wünschen.

Die Buchgestaltung überzeugt auf ganzer Linie. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, auch der Buchsatz ist im Wesentlichen gelungen. Das Cover ist wunderschön, hochwertig geprägt und die farbigen, ausklappbaren Coverinnenseiten runden den wirklich tollen Gesamteindruck ab.

Mein Fazit? „The Secret Book Club – Ein fast perfekter Liebesroman“ ist ein gelungener Auftakt in die „Secret Book Club“-Reihe. Dabei kann der Roman mit tollen Charakteren und einem spannenden Setting punkten. Obwohl die Handlung ihr Potential nicht gänzlich ausnutzt, definitiv ein potentielles Jahreshighlight. Für Leser des Genres daher bedenkenlos zu empfehlen – ab etwa 17 Jahren.