[Buchgedanken] Maria Grund: „Krakenkind“ (Berling & Pedersen 4)

In den letzten Tagen habe ich auch „Krakenkind“ von Maria Grund gelesen. Das Buch ist 2026 im Penguin Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH veröffentlicht worden, die Originalausgabe erschien 2024 unter dem Titel „Bläckfisken“ bei Polaris, Stockholm. Das Buch ist als Thriller einzuordnen, für die Übersetzung aus dem Schwedischen zeichnet Sabine Thiele verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Småland, Spätsommer 1996: Die Abendsonne taucht den kleinen schwedischen Ort Augu in goldenes Licht. Doch die Idylle trügt, denn in der Dunkelheit der Nacht geschieht ein brutales Verbrechen. Eigentlich wollte die junge Polizistin Sanna nach Gotland ziehen und dort ein neues Leben beginnen, doch dieser Fall hält sie davon ab, ihre Koffer zu packen. Anhaltspunkte gibt es wenige, die Ermittlungen kommen nur schleppend voran, aber bei näherem Hinsehen bekommt das friedliche Bild der Gemeinde tiefe Risse. Die Bewohner von Augu hüten dunkle Geheimnisse, und noch bevor Sanna das Geflecht aus Lügen entwirren kann, gibt es weitere Opfer. Das Grauen hat gerade erst begonnen …

„Krakenkind“ ist der vierte Band der Buchreihe um Sanna Berling und Eir Pedersen – und fungiert als Prequel zu den anderen drei Bänden, indem der Roman tief in Sannas Vergangenheit eintaucht, bevor diese Eir überhaupt kennengelernt hat. So ist es auch unschädlich, dass ich noch keinen Roman der Reihe gelesen habe – das Buch lässt sich gut als Einstieg in die Serie nutzen. Allerdings fällt mir die Genrezuordnung nicht leicht. Durch die doch präsente Ermittlungs- und Polizeiarbeit ließe sich das Buch auch gut als Kriminalroman einordnen, ich habe es aufgrund der stark atmosphärischen Spannung aber bei der – auch auf dem Cover aufgedruckten – Kategorisierung als Thriller belassen.

Denn die Handlung ist durchaus abwechslungsreich und wartet mit der ein oder anderen überraschenden Wendung auf, lebt aber vor allem durch die angesprochene Atmosphäre, wirklicher Thrill stellt sich eher selten ein. Dabei wird die Geschichte aus unzähligen Perspektiven erzählt – und bindet viele wichtige Themen ein. Insgesamt erstreckt sich die Handlung über knapp zwei Wochen im Jahr 1996 – irritierenderweise wird als Prolog ein Ereignis vorangestellt, das erst nach Abschluss der Handlung stattfindet. Allerdings kann das Ende durchaus überzeugend, auch wenn die Person des Haupttäters jetzt keine große Überraschung darstellte.

Das Setting kann auf ganzer Linie glänzen. So entführt die Autorin ihre Leser:innen in den kleinen Ort Augu ins Jahr 1996, eine Zeit, in der die Digitalisierung noch in den Babyschuhen steckte, kaum niemand Handys besaß und Polizeiarbeit noch stärker im Kontakt mit Menschen stattfand. Häusliche Gewalt, Fluchtbewegungen, Entwurzelung, sexueller Missbrauch, Armut, Depressionen und tödliche Krankheiten ziehen sich durchs Buch und sorgen für eine düstere, teils beklemmende Atmosphäre, die so typisch und dennoch immer wieder so brillant in skandinavischen Thrillern eingesetzt wird.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Neben Sanna brillieren hier vor allem wichtige Nebencharaktere wie Rebecka, Mira und Borghild – irritierend ist lediglich, dass quasi alle männlichen Figuren durchweg negativ charakterisiert werden. Maria Grunds Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind zwar Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss aber nicht erheblich schmälern, der Buchsatz ist ordentlich. Der Umschlag ist auf dem Cover, der Coverrückseite und dem Buchrücken hochwertig geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen, das Covermotiv setzt sich nahtlos auf Buchrücken und Coverrückseite fort und ist genre- und reihentypisch ansehnlich. Abgerundet wird die Handlung mit Hilfsangeboten, die im Anhang abgedruckt sind und Betroffene unterstützen sollen – stark!

Mein Fazit? „Krakenkind“ ist ein atmosphärisch starker Thriller, der mit seinem Setting und tollen Charakteren brilliert, in der Handlung aber noch etwas mehr Spannung hätte vertragen können. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von etwa 16 Jahren.

[Buchgedanken] Heike Abidi: „Noch immer Zeit zu lieben“

In der letzten Zeit habe ich auch „Noch immer Zeit zu lieben“ von Heike Abidi gelesen. Das Buch ist 2025 im Penguin Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH veröffentlicht worden und als Liebesroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Isabel, Ende 40, hat die letzten Jahre ihre Mutter gepflegt und steht nun nach deren Tod vor einem Neuanfang. Sie will endlich wieder als Fotografin voll durchstarten. Ihr erster großer Auftrag führt sie ausgerechnet nach Stockholm – dabei hatte sie sich geschworen, nie wieder schwedischen Boden zu betreten. Der Verlust ihres Verlobten Oscar, der vor 25 Jahren bei einer dummen Wette ertrank, schmerzt noch zu sehr. Doch das lukrative Projekt in einem schicken Stockholmer Hotel kann sie nicht ablehnen. Die malerische Gamla Stan und die sommerliche Idylle der Schären verzaubern sie sofort wieder. Dass sie sich dort ausgerechnet in Hotelchef Lennart verliebt, war so nicht geplant. Isabels Gefühle für ihn sind stärker als ihr Widerstand. Doch dann erfährt sie etwas über ihn, was alles ändert und ihr neues Glück aufs Spiel stellt …

„Noch immer Zeit zu lieben“ ist nach „Hör auf dein Herz, auch wenn es stolpert“ und „Liebe M. – Du bringst mein Herz zum Überlaufen“ mein dritter Roman von Heike Abidi, von der ich auch schon mehrere, gemeinsam mit Ursi Breidenbach verfasste Sachbücher gelesen habe. Dabei lässt sich das Buch relativ leicht einem Genre zuordnen. Während es als Sommerroman beworben und auf Verkaufsportalen teils als Gegenwartsliteratur eingruppiert wird, handelt es sich bei dem Buch doch klar um einen sehr klassischen (Feel-Good-) Liebesroman.

Denn die Handlung, die aus der Ich-Perspektive von Isabel erzählt wird, stellt die Lovestory zwischen ihr und dem männlichen Love Interest Lennart sehr stark in den Fokus, der Rest der Handlung unterstützt dabei lediglich. Dennoch bleibt die Handlung durchaus abwechslungsreich, wenn auch in Teilen naturgemäß vorhersehbar – aber das bringt das Genre in der Regel ja mit sich. Auch kann mich das Ende leider nicht vollends überzeugen, wenn es auch erfrischend offen gehalten ist und Platz für die Fantasie der Leser:innen lässt.

Das Setting ist natürlich traumhaft. So entführt die Autorin ihre Leser:innen nicht nur in meinen Wohnort Heidelberg, sondern auch ins gleichsam malerische Stockholm und an andere, landschaftlich wunderschöne Ecken Schwedens. Und was wünscht man sich zudem mehr, als ein traumhaftes Luxushotel als Kulisse? Dabei mischt Heike Abidi mühelos gesellschaftlich relevante Themen wie Nachhaltigkeit und familiengeführte Unternehmen mit ein, die auch von schweren Themen wie Trauer, Demenz und Schuld begleitet werden, die aber alle eher oberflächlich verbleiben und nie wirklich von der Lovestory ablenken, sodass die Feel-Good-Atmosphäre erhalten bleibt.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei brillieren insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Emilia und Olivia, während gerade Isabel und Lennart teils nicht nachvollziehbar handeln. Heike Abidis Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist gelungen. Lektorat und Korrektorat haben ordentlich gearbeitet, der Buchsatz ist sauber und versucht zumindest, Briefe und Chatnachrichten vom regulären Text abzusetzen, hier hätte man aber vielleicht noch etwas mutiger sein können. Das Covermotiv setzt sich nahtlos auf Buchrücken und Coverrückseite fort, sodass ein tolles, einheitliches Gesamtbild entsteht, ist durchaus auch schön anzusehen und genretypisch, aber kein klassischer Eyecatcher.

Mein Fazit? „Noch immer Zeit zu lieben“ ist ein Liebesroman mit wunderbarem Setting und Feel-Good-Garantie, der vor allem in den ersten zwei Dritteln viel Spaß macht. Für Leser:innen des Genres daher bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 13 Jahren.

[Buchgedanken] Max Seeck: „Waiseninsel“ (Jessica Niemi 4)

In den letzten Tagen und Wochen haben sich sehr viele Rezensionen aufgestaut, die ich Euch in der nächsten Zeit präsentieren möchte. Den Anfang macht heute „Waiseninsel“ von Max Seeck. Das Buch ist 2023 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG erschienen, die Originalausgabe wurde 2022 unter dem Titel „Loukku“ bei Tammi publishers veröffentlicht. Der Roman ist dem Genre Thriller zuzuordnen, für die Übersetzung zeichnet Gabriele Schrey-Vasara verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Kommissarin Jessica Niemi gerät in eine Auseinandersetzung, wird handgreiflich und prompt von einem Passanten gefilmt. Das Video geht viral und sie wird beurlaubt. Um Abstand zu gewinnen, fährt Jessica auf die zwischen Finnland und Schweden gelegenen Åland-Inseln. Dort trifft sie auf eine Gruppe älterer Menschen, die als Kinder während des Krieges fliehen mussten und hier auf der Insel in einem Waisenhaus lebten. Nun treffen sie sich wieder. Als einer der Alten tot aufgefunden wird, beginnt Jessica zu ermitteln. Denn bereits zuvor kamen zwei Menschen auf dieselbe mysteriöse Weise ums Leben. Alle drei Opfer scheinen mit der Legende um „Das Mädchen im blauen Mantel“ im Zusammenhang zu stehen …

„Waiseninsel“ ist mein erstes Buch von Max Seeck, aber schon sein vierter Band um Kommissarin Jessica Niemi. Dabei kann das Buch zwar gut als Standalone gelesen werden, aufgrund der bewegten Vergangenheit von Jessica Niemi, ihrer Psyche und den Anspielungen auf alte Fälle empfiehlt es sich jedoch, vorher auch die anderen Teile zu lesen, da mir so sicherlich der ein oder andere interessante Moment gefehlt hat. Der Roman wird zudem als Thriller eingeordnet und beworben, was aus meiner Sicht jedoch durchaus diskutabel ist – ich finde hier fast mehr Argumente, das Buch als Kriminalroman anzusehen. Schlussendlich habe ich jedoch die Eingruppierung des Verlags übernommen.

Die Handlung ist spannend, abwechslungsreich und durchaus mit unerwarteten Wendungen versehen, durch die verschiedenen Zeitebenen aber auch nicht wirklich stringent erzählt. Auch passiert zuweilen recht wenig – der im Buch von einem Charakter angestellte Vergleich mit einem Kammerspiel drängt sich hier ebenfalls auf. Zudem fließen Realität, Einbildung und Traum teils zusammen und schaffen eine gespenstische, aber nicht immer leicht zu durchdringende Atmosphäre.

Das Setting überzeugt auf ganzer Linie. So entführt der Autor den Leser auf die Åland-Inseln, in eine abgelegene Gegend, in der die Zeit stehengeblieben zu sein scheint. Verbunden mit dem beklemmenden historischen Rückblick auf die Kriegs- bzw. frühe Nachkriegszeit, die im krassen Gegensatz zur anfangs gezeigten schnelllebigen Gesellschaft steht, in der Videoaufnahmen sofort viral gehen können, wird der Leser von einem Extrem ins andere geworfen. Dabei thematisiert Max Seeck gelungen auch schwierige Themen wie psychische Erkrankungen und Selbstmordgedanken.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei brilliert insbesondere Jessica, aber auch wichtige Nebencharaktere wie Astrid und Armas können überzeugen. Max Seecks Schreibstil ist zudem leicht und flüssig zu lesen, sehr dynamisch und lässt das Kopfkino sofort anspringen, sodass sich das Buch insbesondere in der zweiten Hälfte zum Pageturner entwickelt.

Auch die Buchgestaltung kann glänzen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, farbige Coverinnenseiten, eine leichte Prägung auf dem Cover und ein Farbschnitt veredeln das Gesamtprodukt. Das Covermotiv passt sich gut in die Reihe ein und sorgt für hohen Wiedererkennungswert, ist jedoch etwas beliebig und wird leider zum Buchrücken hin – reihentypisch – unterbrochen.

Mein Fazit? „Waiseninsel“ ist ein starker Thriller/Kriminalroman, der vor allem dank seines Settings und einer brillanten Protagonistin glänzen kann. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von etwa 16 Jahren.

[Buchgedanken] Gustaf Skördeman: „Wagner“ (Sara Nowak 3)

Vor kurzem habe ich „Wagner“ von Gustaf Skördeman gelesen. Das Buch ist 2023 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG erschienen, die Originalausgabe wurde 2022 unter dem gleichen Titel im Bokförlaget Polaris veröffentlicht. Der Roman ist als Spionagethriller einzuordnen, für die Übersetzung aus dem Schwedischen zeichnet Thorsten Alms verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Trotz höchster Sicherheitsvorkehrungen gelingt es Doppelagentin Agneta Broman, einen russischen Oligarchen in London zu ermorden. Zur gleichen Zeit wird in Stockholm der frühere Außenminister von einem bekannten Firmenchef enthauptet. Dieser unfassbar brutale Mord wird gefilmt – und das Video der Polizei zugespielt. Kommissarin Sara Nowak übernimmt die Ermittlungen und ahnt zu dem Zeitpunkt noch nichts von dessen internationaler Dimension. Als weitere hochrangige Personen sich gegenseitig umbringen, taucht eine erste Spur auf. Sie führt zu einer Ölförderfirma und einem russischen Oligarchen. Bald erkennt Sara, dass sie sich mit ihren Ermittlungen jemanden zum tödlichen Feind macht …

„Wagner“ ist nach „Geiger“ und „Faust“ der abschließende Teil der Bestsellertrilogie von Gustaf Skördeman um die Polizistin Sara Nowak und internationale Spionagenetzwerke aus dem kalten Krieg. Dabei setzt die Handlung zeitnah nach dem Ende des zweiten Bandes ein. Aufgrund der vielen Querverbindungen zu den früheren Büchern ist es jedoch sehr ratsam, diese bereits gelesen zu haben, da einige Handlungsstränge sich durch alle Bücher ziehen.

Die Handlung ist – erneut – hochspannend und kurzweilig. Gustaf Skördeman mischt dabei ein buntes Konglomerat aus internationalem Spionagethriller, Politthriller und Terrorismus, aus familiären Konflikten, Rache, jugendlichem Aktivismus und Fanatismus zu einem fesselnden Pageturner, der lediglich am Ende etwas schwächelt und leider etwas zu offen endet, sodass man als Leser nach mehr verlangt – etwas unbefriedigend für das komplette Ende einer mehrbändigen Handlung.

Das Setting ist gelungen, aber bereits bekannt aus den letzten Büchern, auch wenn der Autor den Leser auch aus Stockholm heraus nach Berlin, Leipzig, Eisenach und in den arabischen Raum führt – immerhin etwas Abwechslung. Mittlerweile irritiert aber – nach drei Bänden – die weiterhin konsequente Bezeichnung aller Straßennamen bei Autofahrten – dieses Mal sogar in Berlin. Für nicht-schwedische Leser sind die Namen aus Stockholm dabei weiterhin schwierig, auch wenn man sich im Laufe der Zeit etwas daran gewöhnt hat.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei wurden die bekannten Figuren teils konsequent weiterentwickelt, insbesondere Ebba zeigt sich hier stark verbessert und als Leserliebling in diesem Teil. Neben ihr können aber auch Sara und Koslow brillieren. Gustaf Skördemans Schreibstil ist dabei leicht und flüssig zu lesen, temporeich und lässt das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung kann ebenfalls glänzen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, der Buchdeckel ist auf Cover, Coverrückseite und Buchrücken hochwertig geprägt und mit farbigen Coverinnenseiten versehen. Das Titelmotiv zieht sich gut über den kompletten Umschlag und bildet ein tolles Gesamtbild. Dabei wird das Design durch eine tolle typographische Gestaltung des Titels und den Farbschnitt abgerundet, insgesamt entsteht so auch ein guter, einheitlicher Gesamteindruck der Reihe mit Wiedererkennungswert.

Mein Fazit? „Wagner“ ist ein im Wesentlichen gelungener Abschluss der Trilogie, der zwar zum Ende hin etwas schwächelt, dennoch weiterhin hochspannend ist und mit tollen Charakteren glänzt. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag vorgeschlagenen Lesealter von 16 Jahren – und nicht als Standalone.

[Buchgedanken] Malin Persson Giolito: „Mit zitternden Händen“

Vor kurzem habe ich „Mit zitternden Händen“ von Malin Persson Giolito gelesen. Der Roman ist 2023 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG erschienen, die Originalausgabe wurde 2022 unter dem Originaltitel „I dina händer“ bei Wahlström & Widstrand veröffentlicht. Das Buch ist hierbei als Kriminalroman einzuordnen, für die Übersetzung aus dem Schwedischen zeichnet Thorsten Alms verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Billy und Dogge sind seit Kindesbeinen eng befreundet. Dass sie aus sehr unterschiedlichen Eltern­häusern kommen, hat sie nie gestört. Während Dogge meist von seinen wohlhabenden Eltern allein gelassen wurde, ist Billy, aus einer Einwandererfamilie stammend, umgeben von einer Bastion der Liebe aufgewachsen. Als kriminelle Banden Billys Wohnviertel mehr und mehr beherrschen, werden sowohl Dogge als auch Billy rekrutiert. Allzu gerne schließen sich die beiden an – angelockt durch schnelles Geld und leichten Zugang zu Drogen. Doch dann will Billy mit Hilfe seiner Mutter aussteigen …

„Mit zitternden Händen“ ist der neue Roman der Autorin, die mit „Im Traum kannst du nicht lügen“ einen Welterfolg landete, der auch von Netflix unter dem Titel „Quicksand“ verfilmt wurde. Und so ist es keine Überraschung, dass auch „Mit zitternden Händen“ für den Streaminggiganten als Serie adaptiert wird. Dabei ist der Roman zwar als Kriminalroman bezeichnet, er zeigt aber auch Aspekte eines (Jugend-) Thrillers – die Übergänge sind hier ohnehin fließend – und ist im allerweitesten Sinne auch Gegenwartsliteratur, ist der Roman doch durchaus auch ein teils gesellschaftskritisches Porträt verschiedener Milieus der schwedischen Gesellschaft und der organisierten Kriminalität.

Die Handlung ist hierbei hochspannend und kurzweilig – und immer mal wieder mit unerwarteten Wendungen versehen. Dabei wird sie in zwei verschiedenen Zeitebenen erzählt. So wechseln sich Abschnitte der aktuellen Handlung mit Blicken in die Vergangenheit von Billy und Dogge ab. So wichtig und gleichberechtigt beide Zeitabschnitte sind, hätte ich mir hier jedoch gewünscht, dass die einzelnen Passagen länger, die Wechsel daher etwas reduzierter sind, da es durch die nun doch sehr häufigen Wechsel der Handlung etwas an Stringenz fehlt.

Das Setting brilliert auf ganzer Linie. So zeigt Malin Persson Giolito die Gegensätze der schwedischen Gesellschaft am Beispiel zweier benachbarter Vororte, beschreibt anschaulich den Klammergriff der organisierten Kriminalität in strukturschwachen Regionen und Gesellschaftsschichten – mit einer bestürzenden und beklemmenden Perspektive für die Jugend. Und auch bei der Polizeiarbeit werden hier interessante Aspekte näher beleuchtet, sei es das Thema Opferschutz oder auch Strafmündigkeit und Jugendkriminalität.

Die Charaktere sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen vor allem wichtige Nebencharaktere wie Nadja, Leila und Tusane, während Dogge in manchen Situationen etwas blass verbleibt – und auch Farid nicht immer nachvollziehbar handelt. Malin Persson Giolitos Schreibstil ist dabei leicht und flüssig zu lesen, atmosphärisch unglaublich stark und lässt das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung kann ebenfalls größtenteils glänzen. Lektorat und Korrektorat haben größtenteils sauber gearbeitet und nur Kleinigkeiten übersehen, der Buchsatz ist solide. Der Buchumschlag ist genretypisch gestaltet, das Cover ansehnlich, die Coverrückseite jedoch ein wahrer Eyecatcher – sehr innovativ gestaltet. Das unter dem Umschlag befindliche Buch ist hingegen eher schlicht.

Mein Fazit? „Mit zitternden Händen“ ist ein atmosphärisch unglaublich starker Kriminalroman, der vor allem mit seinem tollen Setting und einer hochspannenden Handlung punktet, durch die ständigen Wechsel der Erzählzeit aber etwas an Stringenz verliert. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.