[Buchgedanken] Bernd Hünermann: „Neugeburt 2.0 – Cyberdorf“ (Neugeburt 2.0 Band 1)

In der letzten Zeit habe ich auch „Neugeburt 2.0 – Cyberdorf“ von Bernd Hünermann gelesen. Das Buch ist 2024 im Selfpublishing veröffentlicht worden und als dystopischer Thriller einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Autor für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

2033. Der Dritte Weltkrieg wird im Cyberspace ausgetragen. Durch Entdigitalisierung ist der Gegner wehrlos. Unter der Führung des narzisstischen Psychopathen Gabriel greift ein internationales Industriekonsortium in den Krieg der politischen Mächte ein. In Deutschland formiert sich Widerstand gegen Gabriel und sein Kartell. Im Kraken, einem unterirdischen Cyberabwehrzentrum, kämpft Gerald von Greifen mit weiteren IT-Wissenschaftlern um nichts Geringeres als die Freiheit. Zur Tarnung betreiben sie auf dem Gelände ein Permakulturprojekt. Sie müssen sich nicht nur gegen den äußeren Feind behaupten, sondern auch gegen Spione in den eigenen Reihen. Am Schluss muss sich entscheiden, ob Gabriel den Krieg gewinnt und die politische Herrschaft über alle Nationen übernimmt.

„Neugeburt 2.0 – Cyberdorf“ ist der erste Band der sechsteiligen, im Selfpublishing erscheinenden Reihe Neugeburt 2.0 von Bernd Hünermann – einem Professor der Nuklearmedizin. Dabei lässt sich das Buch schwerlich einem Genre zuordnet, denn aufgrund der Datierung der Handlung spielt es nah an der Jetztzeit, beinhaltet aber durchaus auch dystopische Elemente und hat Anklänge zur Science Fiction. Vom Autor als Thriller kategorisiert, habe ich mich daher schlussendlich für die Einordnung als dystopischen Thriller entschieden, aber auch andere Unterarten des Genres wie Politthriller oder Spionagethriller wären sicherlich vertretbar.

Der Gesamthandlung der Reihe liegt dabei die Überzeugung des Autors als Prämisse zugrunde, dass die menschliche Intelligenz genetisch nicht in der Lage ist, sich auf Dauer der Herrschaft einer künstlichen Intelligenz zu widersetzen – ein hoch problematischer Ansatz, der nicht nur philosophische Grundsatzfragen aufwirft. In diesem Band wird jedoch erstmal ein vorgelagerter dritter Weltkrieg im Cyberspace thematisiert, der durchaus spannend, aber auch sehr fragmentarisch, mit großen Zeitsprüngen, vielen Handlungsorten und handelnden Charakteren beschrieben wird.

Dabei kann das Setting in Teilen durchaus glänzen. So nimmt der Autor die Leser:innen nicht nur mit in ein als Permakulturprojekt getarntes, unterirdisches Cyberdorf sondern auch in diverse Schaltstellen der Macht, insgesamt hätte durchaus aber auch noch mehr beschrieben werden können – hier wurde sich oftmals aufs nötigste beschränkt. Eine Konzentrierung auf weniger Handlungsorte hätte hier sicher für eine stringentere Erzählung mit weniger Lücken sorgen und so auch die politischen Entwicklungen besser abbilden können.

Gleiches gilt auch für die für die Kürze des Buches unglaubliche Anzahl an handelnden Figuren, die dadurch größtenteils sehr schematisch angelegt sind und bei denen kaum Raum für Emotionen verbleibt, was die Identifikation mit und die Bindung zu den Figuren für die Leser:innen erschwert. Durch eine konsequente Weiterentwicklung der Charaktere in den nächsten Bänden kann dies aber noch gerettet werden. Bernd Hünermanns Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anspringen, kommt aber ebenfalls ohne größere Emotionen aus.

Die Buchgestaltung ist noch solide. Lektorat und Korrektorat sind durchaus einige Sachen durchgerutscht, der Buchsatz ist ordentlich, aufgrund der unglaublich kurzen Kapitel finden sich jedoch durchaus viele Leerstellen, was das ohnehin kurze Buch noch weiter verkürzt. Das Covermotiv ist unauffällig und ohne großen Bezug zur Handlung, der Buchumschlag generell sehr eintönig und schlicht.

Mein Fazit? „Neugeburt 2.0 – Cyberdorf“ ist ein dystopisch angehauchter Thriller, der mit einer tollen Idee und durchaus mit Spannung punktet, dabei aber unglaublich fragmentarisch ist, kaum Bindung zu den Protagonist:innen zulässt und daher nicht als Standalone lesbar ist. Für Leser:innen, die der Reihe insgesamt eine Chance geben wollen, noch zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Fynn Jacob: „Brennendes Watt“ (Jaspari/van Loon 3)

In den letzten Tagen habe ich auch „Brennendes Watt“ von Fynn Jacob (Christian Kuhn) gelesen. Der Roman ist 2025 im Wilhelm Heyne Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Iska van Loon, erfahrene Beamtin der Nationale Politie, und der ehrgeizige Kriminalhauptkommissar Marten Jaspari stehen vor einem brisanten Fall. Luuk Raand, Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma, die das LNG-Terminal bei Eemshaven schützt, wird tot am Strand von Borkum angespült. Eine Spur führt zu radikalen Umweltschützern, die Missstände bei der Erdgasverarbeitung aufdecken wollen, eine andere in das undurchsichtige private Umfeld des Opfers. Als schließlich im Hamburger Hafen der Kapitän eines Containerschiffes verschwindet, erreicht der Fall ungeahnte Dimensionen. Iska und Marten müssen alles riskieren, um zu verhindern, dass an der Nordsee ein flammendes Inferno ausbricht …

„Brennendes Watt“ ist der dritte Teil der Krimireihe um das internationale Ermittlerduo Marten Jaspari und Iska van Loon, der von Christian Kuhn unter dem Pseudonym Fynn Jacob veröffentlicht wurde. Dabei lässt sich der Roman gut als Standalone lesen, werden doch wichtige Stationen in der Vergangenheit der Protagonist:innen wieder aufgegriffen und erläutert. Die Genrezuordnung ist jedoch nicht so einfach, wie der Aufdruck „Kriminalroman“ auf dem Cover vermuten lässt. Denn phasenweise mutet das Buch mehr wie ein Thriller an, ließe sich sogar den Untergenres Agententhriller oder Spionagethriller zuordnen. Der Einfachheit halber habe ich es aber bei der Kategorisierung des Verlags belassen, auch um den Sinnzusammenhang der Reihe beizubehalten.

Die Handlung ist hochspannend, kurzweilig und hält gelegentlich auch eine unerwartete Wendung parat, auch wenn sie durchaus das ein oder andere Rollenklischee bedient. Zudem ist sie teils etwas überfrachtet, da die Protagonist:innen noch mit persönlichen Dramen belastet werden – den ein oder anderen Nebenhandlungsstrang hätte man für die Klarheit und Stringenz durchaus auch weglassen können. Auch das Ende bleibt relativ offen – sowohl, was die Identität der Täter:innen als auch was die Zukunft von Jaspari/van Loon betrifft. Ich bin daher mal gespannt, ob die Reihe hiermit beendet ist oder, falls nicht, wie die Folgebände die Handlung wieder aufgreifen.

Das Setting kann naturgemäß glänzen. So nimmt der Autor die Leser:innen mit auf eine Reise durch einen Großteil des deutsch-niederländischen Nordseeraums und greift dabei gesellschaftlich relevante Themen wie Umweltschutz, den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine und die damit verbundene Energieunsicherheit sowie den teils fließenden Übergang zwischen zivilgesellschaftlichem Engagement und militantem Aktivismus auf. Erzählt wird dieses bunte Potpourri in multiplen personalen Erzählperspektiven, die teils nacheinander parallel stattfindende Ereignisse wiedergeben, was die Stringenz der Handlung etwas bricht.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei brillieren insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Karin und Banisch, aber auch die beiden Protagonist:innen können mit Abstrichen durchaus überzeugen – sicherlich wäre das Bild hier nochmal etwas anders, wenn ich die Charakterentwicklung über die komplette Reihe hinweg mitbekommen hätte. Fynn Jacobs Schreibstil lässt sich darüber hinaus flüssig und leicht lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz sind zwar Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss aber nicht erheblich schmälern. Der Umschlag ist mit Klappen versehen, die Gesamtgestaltung passt sich gut in die Reihe ein. Das Covermotiv ist dennoch eher austauschbar und beliebig und wird zum Buchrücken hin unterbrochen, der – genau wie die Coverrückseite – zudem eher eintönig und schlicht daherkommt.

Mein Fazit? „Brennendes Watt“ ist ein spannender und hochaktueller Kriminalroman mit tollem Setting, aber auch mit kleineren Schwächen. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Christine Grän / Marianne von Waldenfels: „Das Fräulein muss sterben“ (Clara Frings 1)

In der letzten Zeit habe ich auch „Das Fräulein muss sterben“ von dem Autorinnen-Duo Christine Grän und Marianne von Waldenfels gelesen. Der Roman ist 2024 im Droemer Verlag in der Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG erschienen und als historischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Bonn, 1972: In ihrem Penthouse feiert die niederländische Journalistin Nelie Hendriks, dass Willy Brandt das Misstrauensvotum überstanden hat. Zu ihrer illustren Gästeschar gehören neben einigen Damen der Nacht vor allem Spione und Politiker. Hat einer von ihnen die Finger im Spiel, als Nelie in den Tod stürzt? Kommissarin Clara Frings darf untergeordnet ermitteln, stößt in der Männerwelt der kleinen Hauptstadt am Rhein jedoch schnell an ihre Grenzen. Clara macht Fehler und muss dafür bezahlen. Die Emanzipation der Frauen hat gerade erst begonnen, und das gesellschaftliche Leben wird bestimmt vom Paragraph 218, Studentenprotesten, RAF-Bomben und Radikalenerlass. Erst am Tag von Willy Brandts Rücktritt wird Clara endlich Antworten finden …

„Das Fräulein muss sterben“ ist der erste Band in der historischen Kriminalromanreihe um – mittlerweile – Polizeihauptkommissarin Clara Frings, die in der Bonner Republik als eine der ersten Frauen in der Kriminalpolizei ermittelt – eine Buchidee, die auch die Reihe „Die Kriminalistinnen“ bereits aufgegriffen hat. Dabei deckt der Roman den Zeitraum von April 1972 bis Oktober 1974 ab. Aufgrund der starken Fokussierung auf die politischen Ereignisse hätte man den Roman auch als (historischen) Polit- oder Spionagethriller einordnen können. Ich hab es dennoch bei der – auch auf dem Cover abgedruckten – Eingruppierung als (historischen) Kriminalroman belassen, da ein Kriminalfall den Rahmen für die Darstellung der politischen Affären bildet.

Die Handlung ist generell durchaus spannend und abwechslungsreich und wartet mit der ein oder anderen unerwarteten Wendung auf. Dabei gelingt es den Autorinnen ein hochbrisantes Gesamtkonstrukt aus politischen und gesellschaftlichen Themen in Verbindung mit der Polizeiarbeit zu stricken, das allerdings in der Schwerpunktsetzung manchmal doch etwas scheitert. Auch hat die Handlung zuweilen doch kleinere Längen – und wird zum Ende hin durch die vielen und immer größer werdenden Zeitsprünge auch etwas fragmentarisch.

Das Setting hingegen kann auf ganzer Linie überzeugen, entführen die Autorinnen doch die Leser:innen in die Bonner Republik, in eine Zeit, geprägt von RAF-Terror und dem Kalten Krieg. Und auch wenn hier teils etwas zu holzhammerartig Kritik an den damaligen gesellschaftlichen und politischen Verhältnissen geübt und sehr einseitig geschildert wird, ist es doch wichtig, dass mit dem Roman auch Themen wie Emanzipation und die damalige Diskriminierung queerer Beziehungen in den Fokus gerückt wird – nur so erkennt man, wie weit wir doch heute eigentlich als Gesellschaft schon sind.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei können insbesondere Elisabeth und Fritz von Eschweg als wichtige Nebencharaktere punkten, während Clara teils nicht nachvollziehbar handelt und – etwas enttäuschend – als Polizistin ihre Pflichten mehrfach gröblichst verletzt. Der Schreibstil der Autorinnen lässt sich hierbei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen – auch merkt man keinen Bruch, sollten die Autorinnen hier kapitelweise vorgegangen sein.

Die Buchgestaltung ist gelungen. Lektorat und Korrektorat haben im Wesentlichen sauber gearbeitet, der Buchsatz ist ordentlich aber unauffällig. Der Buchumschlag ist mit Klappen versehen, die Geschichte wird durch eine ungewöhnliche Dramatis Personae und einen Abriss der historischen Ereignisse abgerundet. Cover, Buchrücken und Coverrückseite sind sehr einheitlich aber gleichsam sehr anschaulich gestaltet – hoffentlich zieht sich das Design durch die Reihe. Auch die Typografie auf dem Cover begeistert, das Covermotiv hingegen ist eher belanglos und austauschbar, hier fehlt mir der Bezug zur Handlung.

Mein Fazit? „Das Fräulein muss sterben“ ist ein spannender Auftakt in die Reihe um Clara Frings, der vor allem mit seinem Setting und einem explosiven Gesamtpaket glänzt, dabei aber auch kleinere Schwächen und Längen hat. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Kathrin Lange / Susanne Thiele: “ Toxin“ (Nina Falkenberg 2)

Vor kurzem habe ich auch „Toxin“ von Kathrin Lange und Susanne Thiele gelesen. Das Buch ist 2023 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG erschienen und als Wissenschaftsthriller einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury und die vermittelnde Agentur Buchcontact.

Als in Berlin Obdachlose an Milzbrand sterben, ist Wissenschaftsjournalistin Nina Falkenberg alarmiert. Die Fälle erinnern an ein Ereignis in Alaska vor 10 Jahren, als das Auftauen des Permafrostbodens einen tödlichen Erreger freisetzte. Ebenfalls in Alaska verschwindet Ninas Freund, der Milzbrand-Forscher Gereon Kirchner. Nina bittet ihren Bekannten Tom Morell, dorthin zu reisen und herauszufinden, was passiert ist. Schon kurz nach Toms Ankunft taucht in einem Eistunnel eine Frauenleiche auf. Ist Gereon schuld an ihrem Tod? Hat er gar mit dem qualvollen Tod der Obdachlosen in Berlin zu tun? Während Tom und Nina versuchen, Licht ins Dunkel zu bringen, müssen sie begreifen, dass sie gegen einen sehr viel mächtigeren Gegner kämpfen, als sie dachten …

„Toxin“ ist nach „Probe 12“ der zweite Roman des Autorenduos Kathrin Lange und Susanne Thiele um die Wissenschaftsjournalistin Nina Falkenberg und den Food- und Reiseblogger Tom Morell und knüpft zeitlich relativ nah an den Vorgänger an, kann aber als Standalone gelesen werden (auch wenn ich es nicht empfehlen würde). Während „Probe 12“ noch klassisch ein Wissenschaftsthriller war, habe ich dies für „Toxin“ auch angenommen. Genauso gut hätte man das Buch aber auch als Umwelt- oder Politthriller bezeichnen können, es zeigt theoretisch sogar Aspekte eines Spionagethrillers.

Die Handlung ist durchaus kurzweilig und mit einigen tollen Twists versehen, in Teilen aber auch vorhersehbar. Gerade am Anfang kommt die Handlung zudem relativ schwer in Schuss, einige angelegte Handlungsstränge machen bislang in ihrer Präsenz auch noch wenig Sinn – ob dies durch einen Nachfolgeband aufgefangen wird, ist mir zumindest noch nicht bekannt. Abgesehen davon mischt der Roman – ein bekanntes Rezept des Vorgängers – hochaktuelle und wichtige Themen mit einer spannenden Thrillerhandlung zu einem tollen Gesamtprodukt – ein wahrer Pageturner.

Auch das Setting vermag zu überzeugen. So entführen die Autorinnen den Leser nicht nur erneut nach Berlin, sondern vor allem auch nach Alaska, in die endlosen Weiten des Permafrostgebietes mit Forschungsstationen, Kleinstädten und indigenen Siedlungen. Dabei zeugt vor allem der wissenschaftliche Part wieder von enormem Fachwissen und gelungener Recherche, während die Polizeiarbeit teils etwas stiefmütterlich behandelt wird – die Fehler dort aber auch im Nachwort zugegeben werden.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen vor allem Sylvie und auch mit leichten Abstrichen Nina, während Tom mir im ersten Band noch besser gefallen hat. Der Schreibstil der Autorinnen ist dabei leicht und flüssig zu lesen und lässt das Kopfkino sofort anspringen.

Die Buchgestaltung ist ebenfalls gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, der Buchumschlag ist mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Das Titelmotiv passt farblich gut zum ersten Band und sorgt so für einen halbwegs einheitlichen Gesamteindruck der Reihe.

Mein Fazit? „Toxin“ ist ein spannender und überzeugender Wissenschaftsthriller, der allerdings etwas langsam beginnt und nicht ganz an die Brillanz des ersten Buches heranreicht. Dennoch für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag empfohlenen Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Matthias Wittekindt: „Spur des Verrats“ (Craemer und Vogel 2)

Vor kurzem habe ich auch „Spur des Verrats“ von Matthias Wittekindt gelesen. Das Buch ist 2023 im Wilhelm Heyne Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als historischer Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Kopenhagen, 1910: Der 8. Internationale Sozialistenkongress ist ein Sammelbecken für Schwärmer, Umstürzler und Utopisten jeglicher Couleur. Mitten unter ihnen: Der preußische Geheimagent Albert Craemer. Getarnt als Genosse, hofft er, etwas über die Hintergründe eines Attentats zu erfahren, das sich kurz zuvor im Berliner Tiergarten ereignete. Seine Mission ist heikel: Nicht nur, weil Craemer fürchten muss, enttarnt zu werden – sondern auch, weil er den Mördern bereits viel näher ist, als er selbst es ahnt.

„Spur des Verrats“ ist der zweite Band der Reihe um Craemer und Vogel, wobei gerade Lena Vogel in diesem Band eine eher untergeordnete Rolle spielt. Das Buch ist hierbei als historischer Kriminalroman einzuordnen, auch wenn aufgrund der starken internationalen Verwicklungen auch ein (historischer) Spionagethriller hätte angenommen werden können. Dabei kann der Roman gut als Standalone gelesen werden, Vorwissen ist nicht erforderlich, zumindest habe ich beim Lesen nicht allzu viel vermisst, wurden doch die relevanten Beziehungen zwischen den Protagonisten auch in diesem Buch aufgegriffen und vorgestellt.

Die Handlung ist durchaus spannend, kommt aber relativ langsam in Schwung, da unglaublich viele Protagonisten und Handlungsstränge angelegt werden. Auch später entschleunigt diese immer mal wieder, zu einem richtigen Pageturner entwickelt sich der Roman somit nie. Dennoch vereint er eine tolle Kombination aus Kriminalroman, Spionagethriller, historischem Roman und durchaus humorvollen Szenen und Figuren zu einem tollen Gesamtpaket.

Das Setting ist naturgemäß brillant. So entführt der Autor den Leser ins frühe 20. Jahrhundert, nimmt ihn mit auf eine Reise durch Europa bis hin auf eine abgelegene, dänische Insel in ein Camp der Lebensreformer. Dabei hätte ich mir allerdings für einen Kriminalroman noch etwas mehr Einblicke in den damaligen Polizei- und Geheimpolizeiapparat gewünscht, etwas mehr interne Verstrickungen und Verwicklungen.

Die einzelnen Figuren sind aufgrund ihrer Vielzahl teils etwas eindimensional angelegt, können aber im weiteren Verlauf der Reihe durchaus noch entwickelt werden. Hierbei überzeugt vor allem Adler, während sein Kompagnon Habert etwas undurchsichtig verbleibt. Matthias Wittekindts Schreibstil ist dabei definitiv ungewöhnlich und etwas berichtartig – mir persönlich hat hier etwas Emotionalität gefehlt, ich hätte mir etwas mehr „Show, don’t tell“ gewünscht.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat haben im Wesentlichen sauber gearbeitet, der Buchsatz ist unspektakulär aber ordentlich, allerdings hätten die Protokolle etwas innovativer gesetzt werden können. Auch auf die spoilernden Kapitelüberschriften hätte hier durchaus verzichtet werden können, die vorangestellte Karte unterstützt hingegen die Handlung gut. Das Titelbild ist ebenfalls schön anzusehen, wenn auch etwas beliebig und ohne Bezug zur Handlung. Zudem wird es zum Buchrücken hin unterbrochen.

Mein Fazit? „Spur des Verrats“ ist ein solider historischer Kriminalroman mit einem tollen Setting und einer spannenden Handlung, dabei leider aber auch etwas langatmig und mit einem ungewöhnlichen Schreibstil. Für Leser, die sich damit anfreunden können, dennoch bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Gustaf Skördeman: „Wagner“ (Sara Nowak 3)

Vor kurzem habe ich „Wagner“ von Gustaf Skördeman gelesen. Das Buch ist 2023 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG erschienen, die Originalausgabe wurde 2022 unter dem gleichen Titel im Bokförlaget Polaris veröffentlicht. Der Roman ist als Spionagethriller einzuordnen, für die Übersetzung aus dem Schwedischen zeichnet Thorsten Alms verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Trotz höchster Sicherheitsvorkehrungen gelingt es Doppelagentin Agneta Broman, einen russischen Oligarchen in London zu ermorden. Zur gleichen Zeit wird in Stockholm der frühere Außenminister von einem bekannten Firmenchef enthauptet. Dieser unfassbar brutale Mord wird gefilmt – und das Video der Polizei zugespielt. Kommissarin Sara Nowak übernimmt die Ermittlungen und ahnt zu dem Zeitpunkt noch nichts von dessen internationaler Dimension. Als weitere hochrangige Personen sich gegenseitig umbringen, taucht eine erste Spur auf. Sie führt zu einer Ölförderfirma und einem russischen Oligarchen. Bald erkennt Sara, dass sie sich mit ihren Ermittlungen jemanden zum tödlichen Feind macht …

„Wagner“ ist nach „Geiger“ und „Faust“ der abschließende Teil der Bestsellertrilogie von Gustaf Skördeman um die Polizistin Sara Nowak und internationale Spionagenetzwerke aus dem kalten Krieg. Dabei setzt die Handlung zeitnah nach dem Ende des zweiten Bandes ein. Aufgrund der vielen Querverbindungen zu den früheren Büchern ist es jedoch sehr ratsam, diese bereits gelesen zu haben, da einige Handlungsstränge sich durch alle Bücher ziehen.

Die Handlung ist – erneut – hochspannend und kurzweilig. Gustaf Skördeman mischt dabei ein buntes Konglomerat aus internationalem Spionagethriller, Politthriller und Terrorismus, aus familiären Konflikten, Rache, jugendlichem Aktivismus und Fanatismus zu einem fesselnden Pageturner, der lediglich am Ende etwas schwächelt und leider etwas zu offen endet, sodass man als Leser nach mehr verlangt – etwas unbefriedigend für das komplette Ende einer mehrbändigen Handlung.

Das Setting ist gelungen, aber bereits bekannt aus den letzten Büchern, auch wenn der Autor den Leser auch aus Stockholm heraus nach Berlin, Leipzig, Eisenach und in den arabischen Raum führt – immerhin etwas Abwechslung. Mittlerweile irritiert aber – nach drei Bänden – die weiterhin konsequente Bezeichnung aller Straßennamen bei Autofahrten – dieses Mal sogar in Berlin. Für nicht-schwedische Leser sind die Namen aus Stockholm dabei weiterhin schwierig, auch wenn man sich im Laufe der Zeit etwas daran gewöhnt hat.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei wurden die bekannten Figuren teils konsequent weiterentwickelt, insbesondere Ebba zeigt sich hier stark verbessert und als Leserliebling in diesem Teil. Neben ihr können aber auch Sara und Koslow brillieren. Gustaf Skördemans Schreibstil ist dabei leicht und flüssig zu lesen, temporeich und lässt das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung kann ebenfalls glänzen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, der Buchdeckel ist auf Cover, Coverrückseite und Buchrücken hochwertig geprägt und mit farbigen Coverinnenseiten versehen. Das Titelmotiv zieht sich gut über den kompletten Umschlag und bildet ein tolles Gesamtbild. Dabei wird das Design durch eine tolle typographische Gestaltung des Titels und den Farbschnitt abgerundet, insgesamt entsteht so auch ein guter, einheitlicher Gesamteindruck der Reihe mit Wiedererkennungswert.

Mein Fazit? „Wagner“ ist ein im Wesentlichen gelungener Abschluss der Trilogie, der zwar zum Ende hin etwas schwächelt, dennoch weiterhin hochspannend ist und mit tollen Charakteren glänzt. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag vorgeschlagenen Lesealter von 16 Jahren – und nicht als Standalone.

[Buchgedanken] Arnaldur Indridason: „Gletschergrab“

Vor kurzem habe ich „Gletschergrab“ von Arnaldur Indridason gelesen. Das Buch zum gleichnamigen Kinofilm ist in der vorliegenden Ausgabe 2023 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG erschienen, die Originalausgabe wurde 1999 unter dem Titel „Napóleonsskjölin“ bei Forlagið veröffentlicht, die deutsche Erstausgabe 2005 ebenfalls bei Bastei Lübbe. Der Roman ist dabei als Thriller einzuordnen, für die Übersetzung zeichnen Coletta Bürling und Kerstin Bürling verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Die Eiskappe des Vatnajökull auf Island schmilzt. Die Streitkräfte der US-Basis Keflavík sind in Alarmbereitschaft, denn der Gletscher hütet ein Geheimnis: ein abgestürztes Flugzeug aus dem Zweiten Weltkrieg mit brisanter Fracht. Vor der grandiosen Kulisse des ewigen Eises gerät eine junge Isländerin in Lebensgefahr. Sie weiß nur wenig, aber das ist schon zu viel für die Drahtzieher der „Operation Napoleon“ …

„Gletschergrab“ entstammt der Feder des erfolgreichsten isländischen Krimiautors und ist sein erster Roman außerhalb der Reihe um den bekannten Kommissar Erlendur. Dabei handelt es sich jedoch bei „Gletschergrab“ nicht um einen Kriminalroman, sondern – wie oben beschrieben – um einen Thriller, genauer gesagt einen waschechten Spionagethriller mit Bezügen zum zweiten Weltkrieg und dem Kalten Krieg und einer durchscheinenden Kritik an der Stationierung amerikanischer Truppen in Island, die 2006, einige Jahre nach Erscheinen des Buches, auch endete.

Die Handlung ist spannend und abwechslungsreich und mit einigen, unerwarteten Wendungen versehen, teils aber fast auch schon zu abstrus – und nicht in allen Punkten zwingend logisch. Erschreckend auch die Schilderung politischer Abläufe in den USA, die – selbst wenn damals vielleicht möglich – mittlerweile zumindest überwunden sein sollten, auch wenn es erfrischend ist, einmal einen Roman zu lesen, in dem die Antagonisten dem US-Militär entspringen – was gleichermaßen aber erneut die anscheinend starke Abneigung einiger Isländer und vermutlich auch des Autors hinsichtlich der amerikanischen Militärpräsenz zeigt.

Das Setting ist bestechend, führt es den Leser doch nicht nur auf den Vatnajökull sondern auch auf eine amerikanische Militärbasis und hinein in die höchsten Schaltzentralen amerikanischer Militärpolitik. Gerade auf dem Gletscher hätte ich mir hier jedoch noch etwas mehr Beklemmung, etwas stärkere Schwierigkeiten, einen etwas größeren Kampf mit den Naturgewalten gewünscht – das spielte nahezu keine Rolle, mit Ausnahme dessen, dass das Flugzeug im Schnee versunken war.

Aufgrund der sehr zentralen Verfolgungsjagd ist das Personal an Protagonisten doch relativ beschränkt, nur wenige Charaktere haben wirklich relevante Anteile an der Handlung. Hier überzeugen Miller, Jon und Julius am stärksten, während Steve doch relativ blass, Ratoff relativ eindimensional verbleiben. Auch Kristin kann nur eingeschränkt glänzen, bleiben ihre Handlungen doch nicht immer nachvollziehbar, ihre Entwicklung zur Superspionin teils unglaubhaft. Arnaldur Indridasons Schreibstil hingegen ist rasant und dynamisch, lässt sich leicht und flüssig lesen und sorgt dafür, dass das Kopfkino sofort anspringt.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz sind ordentlich, das Covermotiv zieht sich als einheitliches Gesamtbild über den kompletten Buchdeckel. Das Titelbild spickt sich dabei aus Motiven des Films mit den Darstellern und ist ein wahrer Eyecatcher, lediglich die Filminformationen auf der Coverrückseite sind etwas zu raumfüllend, sind sie doch fast genau so lang wie der eigentliche Klappentext.

Mein Fazit? „Gletschergrab“ ist ein spannender und kurzweiliger Thriller mit tollem Setting, der teils aber auch etwas ins Abstruse und Unlogische abgleitet. Für Leser des Genres – nicht nur für Liebhaber des Films – bedenkenlos zu empfehlen; ab dem vom Verlag angegebenen Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Jens Henrik Jensen: „EAST. Welt ohne Seele“ (Kazanski 1)

Vor kurzem habe ich „EAST. Welt ohne Seele“ von Jens Henrik Jensen gelesen. Das Buch ist 2022 im dtv Verlag erschienen, die Originalausgabe wurde unter dem Titel „Kællingen i Kraków“ veröffentlicht. Das Buch ist dabei als Agententhriller einzuordnen, für die Übersetzung aus dem Dänischen zeichnet Ulrich Sonnenberg verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Buchpremiere auf Lovelybooks.de.

Nach einem gewaltsamen Verlust hört CIA-Agent Jan Jordi Kazanski nicht mehr auf zu trinken. Gegen seinen Willen ist er kaltgestellt, wird aber überraschend in den Dienst zurückberufen und gen Osten entsandt: Er soll „Die Witwe“ aufspüren. Sie führt die größte Verbrecherorganisation Krakaus an, niemand kennt ihre wahre Identität. Kaum angekommen, entgeht Kazanski nur knapp einem Mordanschlag. Seine Suche führt ihn immer tiefer in eine trügerische und korrupte Welt. Wer will seinen Tod?

„EAST. Welt ohne Seele“ ist der erste Teil der Trilogie um den CIA-Agenten Jan Jordi Kazanski und spielt wenige Jahre nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Dabei balanciert der Roman auf der Grenze zwischen Agenten-, Polit- und normalem Thriller – wobei ich es der Einfachheit halber hier bei der Bezeichnung als Agententhriller belassen habe.

Denn die Handlung ist durchaus ambitioniert. CIA, Europol, FSB, russische Mafiastrukturen und die organisierte Kriminalität Krakaus – Jens Henrik Jensen lässt hier einen bunten Strauß an machtvollen Akteuren agieren, deren Beziehungen zueinander mal klar, mal verworren sind. Dabei gelingt es dem Autor jedoch nicht immer, den Leser bei der Stange zu halten, gelegentlich verliert er ihn in den Details, denn was aus Sicht des Autors vermutlich auf dem Reißbrett noch Sinn machte, funktioniert hier im Buch nur bedingt, zum Beispiel der sehr extensive Alkoholkonsum von Kazanski.

Das Setting hingegen vermag durchweg zu glänzen. Der Autor entführt den Leser ins Krakau um die Jahrtausendwende, in eine Stadt zwischen Ost und West, zwischen Tradition und Moderne. Dabei ist Jens Henrik Jensens Schreibstil durchaus flüssig und gut lesbar, sodass das Kopfkino sofort anspringt und den Leser mit auf die Reise in die durch internationale Verwicklungen geprägte Unterwelt Krakaus nimmt.

Die einzelnen Charaktere sind dabei teils vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugt vor allem Xenia als Agentin im Loyalitätszwist, während Kazanski doch etwas eindimensional verbleibt – ein Fakt, den hoffentlich die nächsten beiden Bände der Reihe etwas beleben können.

Die Buchgestaltung ist in Ordnung. Dem Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss nicht erheblich stören, der Buchsatz ist fehlerfrei. Der Buchumschlag ist auf dem Titel und Buchrücken leicht geprägt und wartet mit farbigen Coverinnenseiten auf, das Cover vermittelt gut die Grundstimmung des Thrillers, lässt aber etwas Bezug zur Handlung vermissen. Zusammen mit den weiteren Bänden der Reihe bildet es jedoch einen guten Gesamteindruck mit Wiedererkennungswert und klarem Farbkonzept.

Mein Fazit? „EAST. Welt ohne Seele“ ist ein ordentlicher Start in die Reihe um CIA-Agent Kazanski, der vor allem mit einem gelungenen Setting und tollen Nebencharakteren punktet, aber auch etwas ambitioniert und teils zu überladen ist. Für Leser des Genres dennoch zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Gustaf Skördeman: „Faust“ (Sara Nowak 2)

Vor kurzem habe ich „Faust“ von Gustaf Skördeman gelesen, den zweiten Band um Kommissarin Sara Nowak. Das Buch ist 2022 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG erschienen, die Originalausgabe wurde 2021 unter gleichem Titel im Bokförlaget Polaris veröffentlicht. Das Buch ist dem Genre Thriller zuzuordnen, für die Übersetzung aus dem Schwedischen zeichnet Thorsten Alms verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Nachdem Sara Nowak das Netzwerk der Stasi-Mitarbeiter in Schweden auffliegen ließ und einen Bombenschlag in Deutschland verhindert hat, werden die Ereignisse von den schwedischen Geheimdiensten unter den Teppich gekehrt. Sara will sich an das Schweigegebot halten, doch dann wird ein Ex-Spion ermordet, der sie wenige Tage zuvor vergeblich um Rückruf gebeten hatte. Obwohl sie an ihrer neuen Stelle in der Kriminalpolizei bereits genug mit einer Mordserie in der Unterwelt zu tun hat, lässt ihr schlechtes Gewissen sie erneut in der Spionagewelt herumstochern. Dabei scheint sie einen Agenten namens Faust mit einer Vergangenheit in der RAF gegen sich aufzubringen …

„Faust“ setzt die Ereignisse von Geiger relativ nahtlos fort, kann aber grundsätzlich als Standalone gelesen werden, auch wenn ich dies nicht empfehlen würde. Zwar werden die relevanten Querverbindungen größtenteils erklärt, man spoilert sich aber zum einen für den Vorgängerband und nimmt sich andererseits noch viel mehr Details, die hier aufgegriffen werden.

Die Handlung ist dabei – wie im Vorgänger – hochspannend und abwechslungsreich. Gustaf Skördeman webt dabei Elemente des Menschenhandels, von Clankriminalität, religiösem Fanatismus und von sexueller Gewalt in den Spionagethriller mit ein und schafft so einen hochkomplexen Roman, dessen Handlungsstränge trotzdem gut zusammenlaufen. Leider endet der Roman nach Abschluss der Kernhandlung mit einem Cliffhanger, der gänzlich unnötig ist und etwas den Charakter als Standalone zerstört.

Das Setting ist naturgemäß gelungen, entführt den Leser in ein Stockholm zwischen Clanstrukturen und High Society – unglaublich vielfältig, auch wenn einzelne Aspekte wie die rechtliche Situation am Freihafen beim ersten Lesen etwas unlogisch erscheinen. Gustaf Skördemans Schreibstil ist dabei leicht und flüssig lesbar.

DIe einzelnen Charaktere entwickeln sich im Verlauf des Romanes weiter, auch wenn die Entwicklung von Sara und Martin etwas erschreckend daherkommt. Am stärksten überzeugen mich in diesem Band hingegen Ebba, Nadja und Thörnell.

DIe Buchgestaltung ist auf ganzer Linie gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover ist atmosphärisch, sorgt für einen hohen Wiedererkennungswert, fügt sich gut in die Reihe ein und zieht sich über den gesamten Buchumschlag, sodass ein einheitlicher Gesamteindruck entsteht, wenn auch etwas der Bezug zur Handlung fehlt. Zudem ist das Cover auf dem Titel, dem Buchrücken und der Coverrückseite hochwertig geprägt und das Buch mit farbigen Coverinnenseiten und einem farbigen Buchschnitt versehen.

Mein Fazit? „Faust“ ist eine gelungene Fortsetzung der Spionagethriller, die vor allem durch die spannende Handlung und die teils krasse Charakterentwicklung brilliert, es aber gerade mit dem Cliffhanger am Ende auch etwas übertreibt. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag empfohlenen Lesealter von mindestens 16 Jahren.

[Buchgedanken] Gustaf Skördeman: „Geiger“ (Sara Nowak 1)

Vor kurzem habe ich „Geiger“ von Gustaf Skördeman gelesen, den ersten Band um Kommissarin Sara Nowak. Das Buch ist 2021 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG erschienen, die Originalausgabe wurde 2020 unter dem gleichen Titel bei Bokförlaget Polaris veröffentlicht. Der Roman ist dabei als Thriller / Agententhriller einzuordnen, für die Übersetzung aus dem Schwedischen zeichnet Thorsten Alms verantwortlich.

Das Festnetz-Telefon klingelt, als sie am Fenster steht und ihren Enkelkindern zum Abschied winkt. Agneta hebt den Hörer ab. „Geiger“, sagt jemand und legt auf. Agneta weiß, was das bedeutet. Sie geht zu dem Versteck, entnimmt eine Waffe mit Schalldämpfer und tritt an ihren Mann heran, der im Wohnzimmer sitzt und Musik hört. Sie setzt den Lauf an seine Schläfe – und drückt ab. Als Kommissarin Sara Nowak von diesem kaltblütigen Mord hört, ist sie alarmiert. Sie kennt die Familie seit ihrer Kindheit …

„Geiger“ ist eine Mischung aus Thriller und Schwedenkrimi, Agenten- und Spionageroman. Dabei ist „Geiger“ der Beginn einer Trilogie um die Kommissarin Sara Nowak, der zweite Band „Faust“ ist ebenfalls bereits erschienen und wird in Kürze hier auch vorgestellt, da er mir als Rezensionsexemplar vom Verlag zur Verfgung gestellt worden ist.

Die Handlung in „Geiger“ ist dabei hochspannend und abwechslungsreich, eskaliert immer mehr und zieht Kreise bis in die hohe Weltpolitik, was dem ganzen etwas Glaubhaftigkeit nimmt, die Spannung aber nicht mindert. Hierbei werden neben der Spionage auch Themen wie Kindesmissbrauch, Einwanderung, familiäre Konflikte oder Prostitution behandelt, wobei der Handlungsstrang hinsichtlich der Prostitution aufgrund des in Schweden angewandten Nordischen Modells für hiesige Leser sehr ungewohnt anmutet. Leider endet das Buch für mich zudem ein, zwei Kapitel zu früh, da doch einige Punkte nicht aufgeklärt und so mutmaßlich in die Folgebände verlagert werden.

Das Setting begeistert durch die dargestellten Gegensätze zwischen High-Society und Rotlichtmilieu, zwischen ideologischem Fanatismus und fanatischem Ehrgeiz, zwischen Wahrheitssuche und Vergangenheitsbewältigung. Dabei ist Gustaf Skördemans Schreibstil trotz der schweren Themen leicht und flüssig lesbar.

Die einzelnen Charaktere sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei begeistern neben Sara vor allem Breuer und Agneta, während Saras Partner David noch sehr blass bleibt, wird für ihn doch ein großer, innerer Konflikt angelegt, der aber nichts zur Handlung beiträgt – eventuell wird ja auch darauf in einem der Folgebände noch zurückgegriffen.

Die Buchgestaltung ist gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover ist atmosphärisch, das Titelmotiv zieht sich dabei über den gesamten Buchumschlag. Dabei ist das Buch mit einem farbigen Buchschnitt und einer leichten Prägung auf Titel, Buchrücken und Coverrückseite hochwertig ausgestattet und bietet zusammen mit Band zwei einen guten Gesamteindruck der Reihe mit hohem Wiedererkennungswert.

Mein Fazit? „Geiger“ ist ein sehr gutes Romandebüt, ein hochspannender Thriller, der mit einem tollen Setting und einer abwechslungsreichen Handlung glänzen kann, dabei aber auch etwas eskaliert und minimal zu früh endet. Für Liebhaber des Genres in jedem Fall bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag vorgeschlagenen Lesealter von 16 Jahren.