[Buchgedanken] Antje Leser: „Lost in the Wild“

Und auch dieses Buch habe ich vor kurzem gelesen. „Lost in the Wild“ von Antje Leser ist 2025 bei Thienemann in der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH erschienen und als Survivalthriller einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Endlich Abi! Mit einem Trip in die Berge wollt ihr das feiern. Doch schon am ersten Tag geratet ihr in einen Bergrutsch. Einer von euch verletzt sich schwer. Ohne Ausrüstung und ohne Kontakt zur Außenwelt kämpft ihr ums Überleben. Als ihr auf Prepper beim Survivaltraining trefft, scheint plötzlich Rettung in Sicht. Ihr denkt, das Schlimmste sei vorbei, aber ist es das wirklich?

„Lost in the Wild“ ist mein erster Roman der Kinder- und Jugendbuchautorin Antje Leser. Und während die Vita der Autorin – und auch der genretypische Verlag – hier eine klare Kategorisierung des Buches suggerieren, lässt es sich gar nicht so leicht einordnen. Denn der Survivalthriller balanciert auf der Grenze zwischen Jugendbuch und Werken für – zumindest – junge Erwachsene. Um mich hier nicht genau festzulegen, habe ich es bei der allgemeinen Kategorisierung als Survivalthriller belassen, von der Altersempfehlung des Verlags (ab 14 Jahren) sollte aber definitiv nicht nach unten abgewichen werden.

Denn die Handlung ist nicht nur spannend und abwechslungsreich, sondern auch schonungslos brutal – die Content-Warnung kann hier durchaus ernst genommen werden. Dabei kommt die Handlung relativ langsam in Schwung – auch die sehr häufigen Perspektivwechsel irritieren hier und sorgen für Startschwierigkeiten. Und auch das Ende vermag nicht vollends zu überzeugen, dazwischen entspannt sich aber ein durchaus rasanter und intensiver Thriller, der für einiges entschädigt.

Das Setting ist – größtenteils – gelungen. So nimmt die Autorin die Leser:innen mit auf eine einsame Bergwanderung – und in ein eskalierendes und teils abstruses Survivalseminar. Und wenn auch kleinere Fragen bezüglich des Berges, der Ortschaften etc. offen bleiben, ist es vor allem die schiere Fülle an sonstigen Themen, die mit in den Roman gepackt werden und diesen etwas überfrachten – von dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine bis hin zur Corona-Pandemie, der Ahrtal-Flutkatastrophe, Veganismus, Klimawandel, Queerfeindlichkeit, Reichsbürgertum – und das ist sicherlich keine abschließende Aufzählung. Eine stärkere Konzentration auf einige handlungstreibende Motive wäre hier sicherlich förderlich gewesen.

Die Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive – auch wenn aufgrund der Vielzahl an Personen einige nicht vollends ausgearbeitet sind. Hierbei überzeugen insbesondere Fabio, Daria und Sascha, während Timo, Ilona und Ragnar nicht immer nachvollziehbar handeln. Antje Lesers Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen, teils wirkt die gelegentlich eingestreute Jugendsprache aber etwas gezwungen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist ordentlich. Der Umschlag ist auf dem Cover und Buchrücken hochwertig geprägt und mit Klappen und farbigen, aber eintönigen, Coverinnenseiten versehen. Das Covermotiv ist genretypisch und setzt sich nahtlos auf Buchrücken und Coverrückseite fort, sodass ein einheitliches Gesamtbild entsteht, die Typografie des Titels ist allerdings gewöhnungsbedürftig, genau wie der Klappentext, der die Leser direkt anspricht und zum Teil der Handlung macht – etwas, das das Buch allerdings nicht fortsetzt.

Mein Fazit? „Lost in the Wild“ ist ein durchaus spannender und abwechslungsreicher Survivalthriller, der allerdings etwas überlastet ist und durchaus kleinere Schwächen aufweist, dennoch aber viel Spaß macht. Für Leser:innen des Genres daher bedenkenlos zu empfehlen – allerdings definitiv nicht unter der Alterseinschätzung des Verlags von mindestens 14 Jahren.

[Buchgedanken] Livia Pipes: „Endzeit – Die Todesinsel“ (Endzeit 1)

Vor einiger Zeit habe ich auch „Endzeit – Die Todesinsel“ von Livia Pipes gelesen. Das Buch ist in der vorliegenden Ausgabe 2023 im Selfpublishing veröffentlicht worden, eine frühere Ausgabe erschien ebenfalls 2023 im Selfpublishing unter dem Titel „The Quest – Die Insel“. Vielen Dank an dieser Stelle auch an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Im Jahr 2035 stürzt Fitnesstrainer Jay Carter in eine finanzielle Krise. Sein Ausweg: Das Casting für die extremste Survival-Live-Show weltweit. Auf einem verlassenen Fabrikgelände in New York kreuzt sein Weg den von Zoe – gefangen in einer explosiven Beziehung, mit einem Traum von einer besseren Zukunft. Gemeinsam erfahren sie, um was es in der Show geht: Überleben auf einer karibischen Insel, ein halbes Jahr lang, umgeben von Gefahren wie giftigen Pflanzen, wilden Tieren und unberechenbarem Wetter. Challenges bieten die Chance auf bessere Bedingungen, doch eine düstere Regel durchzieht das Spiel: Keine ärztliche Versorgung, keine Fluchtmöglichkeit. Wer bleibt, unterwirft sich dem Dschungel und dem eigenen inneren Kampf. Unwissend, dass sie lediglich Marionetten in einem perfiden Plan sind, unterschreiben die sechs auserwählten Gewinner den Vertrag. Als sich die Ereignisse überschlagen, wird ihnen klar: Sie sind gefangen, in einem brutalen Spiel, in dem das Überleben zum ultimativen Preis wird.

„Endzeit – Die Todesinsel“ ist der erste Band der neuen Reihe von Livia Pipes. Dabei lässt sich das Buch, das auf dem Cover vereinfacht als „Thriller“ beworben wird, etwas genauer als (dystopischen) Survival-Thriller eingruppieren. Anhand der Geschehnisse im Buch ist jedoch davon auszugehen, dass sich die weiteren Bände – passend zum Titel – mehr in Richtung (post-)apokalyptischer Thriller entwickeln. Ob und inwieweit das kammerspielartige Inselsetting dabei beibehalten wird, bleibt bis dahin abzuwarten.

Die Handlung ist durchaus spannend, hat zu Beginn jedoch auch kleinere Längen, später dafür dahingegen größere Zeitsprünge, hier hätte man etwas stärker balancieren können. Auch ist durch die zwischenzeitliche Erzählung aus mehreren Perspektiven die Handlung teils wenig stringent und geht etwas zäh voran und auch der drastische Cliffhanger am Ende ist nicht gerade leserfreundlich – auch wenn sich die Charaktere nicht sehr viel Mühe geben, die letzten Ereignisse zu durchdenken. So oder so verbleibt es dadurch schwierig, das Buch als Standalone zu lesen.

Das Setting ist größtenteils gelungen. So entführt die Autorin den Leser ins Amerika der nahen Zukunft, das trotzdem sehr dystopisch anmutet. Der zweite Part der Geschichte spielt dann größtenteils auf einer karibischen Insel, die austauschbar, aber unglaublich spannend ist, auch wenn das Konzept hier etwas an „Stranded – Die Insel“ erinnert. Insgesamt verwebt Livia Pipes gut persönliche Schicksale und gesamtgesellschaftliche Themen zu einem Gesamtkonstrukt, das in den nächsten Bänden aber noch mit etwas mehr Input zur politischen Situation unterfüttert werden darf.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere Zoe, Pearl und Qiuba, während Jay noch etwas eindimensional verbleibt, sich aber in den Folgebänden noch gut entwickeln kann. Der Schreibstil von Livia Pipes lässt sich darüber hinaus gut und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist solide. Kleinere Fehler mindern den Lesefluss kaum, der Buchsatz ist in Ordnung, aber etwas uninspiriert. Das Covermotiv zieht sich gut über Buchrücken und Coverrückseite und erzeugt so ein tolles Gesamtbild, ist aber gleichsam austauschbar und lässt etwas den Bezug zur Handlung vermissen.

Mein Fazit? „Endzeit – Die Todesinsel“ ist ein vielversprechender Auftakt in eine neue Buchreihe, der vor allem durch ein spannendes Setting und interessante Themen glänzt, aber auch noch kleinere Schwächen hat. Für Leser des Genres dennoch zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Ulla Scheler: „Acht Wölfe“

In den letzten Tagen habe ich auch „Acht Wölfe“ von Ulla Scheler gelesen. Das Buch ist vor einigen Tagen – um genau zu sein, am 13.09.2023 – im Wilhelm Heyne Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als Survivalthriller einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an die Autorin und den Verlag für die Bereitstellung eines Leseexemplars mit Rezensionsangebot.

Acht junge Menschen schließen sich einer geführten Wanderung im größten Nationalpark Kanadas an. Sie wollen für drei Wochen ungezähmte Natur erleben und Nordlichter sehen. Aber sogar in der tiefsten Wildnis kann man zur falschen Zeit am falschen Ort sein. Als sie Zeugen eines Verbrechens werden, bleibt ihnen keine andere Wahl, als Hals über Kopf ins Dickicht zu fliehen. Sie haben keine Orientierung, kaum Ausrüstung und können einander nicht leiden. Aber sie haben nur eine Chance, es lebendig nach Hause zu schaffen: wenn sie zusammenhalten

Was für ein wilder Ritt! „Acht Wölfe“ ist nach „Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen“ und „Und wenn die Welt verbrennt“ mein drittes Buch von Ulla Scheler – und nach ihren traumhaften Jugendbüchern ihr erster All-Age Roman, der sich gar nicht so einfach kategorisieren lässt. Gegenwartsliteratur? Survivalroman oder -thriller? Psychothriller? Der Einfachheit halber habe ich es oben als Survivalthriller bezeichnet, denn das Genre ist eigentlich egal – die einzige Einordnung die zählt, ist folgende: „Acht Wölfe“ ist ein Jahreshighlight! Vielleicht sogar mehr. Und Ulla Scheler hat erneut ein Buch geschrieben, das mich hellauf begeistert, und das ihren Platz im Olymp meiner Lieblingsautor:innen verteidigt – nicht, dass er je in Gefahr gewesen wäre.

Die Handlung ist hochspannend, abwechslungsreich, schonungslos und voller Plottwists, die das Buch zum absoluten Nailbiter und Pageturner werden lassen. Dabei scheut sich Ulla auch nicht, unpopuläre Entscheidungen zugunsten des Plots zu treffen (auch wenn ich ihr eine sehr übel nehme :D), anders hätte der Roman jedoch sicherlich nicht diese nachhallende Wucht entfesselt. Zugleich füllt die Autorin den Roman mit Hintergrund, räumt Liebesgeschichten Raum ein, lässt diese aber nicht dominant werden, und sorgt für ein richtiges Maß an Infodump zu den Figuren, ohne den Lese- und Handlungsfluss zu stören.

Das Setting ist natürlich atemberaubend. Ulla Scheler nimmt den Leser mit auf einen – im wahrsten Sinne des Wortes – Trip in den größten Nationalpark Kanadas, in die absolute Wildnis, zu einem Kampf auf Leben und Tod. Dabei gelingt es der Autorin, die Natur eindringlich zu beschreiben, die Beklemmung, Angst und Hoffnungslosigkeit aber auch die Gemeinschaft und kurzen Momente der Freude fühlbar zu machen – und ja, mir zumindest an einer Stelle auch die Tränen in die Augen zu treiben.

Die einzelnen Figuren sind vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen eigentlich alle, am stärksten ins Herz geschlossen habe ich aber Bombe, die wirklich eine Bombe ist (man verzeihe mir das Wortspiel :D) und einfach brilliert. Aber auch Valentina und Jakob können glänzen. Genau wie Ulla Schelers Schreibstil, der präzise, gefühlvoll und unglaublich berührend ist, der die Figuren zum Leben erweckt und das Kopfkino sofort anspringen lässt – wie Katja Brandis im Blurb bereits festgestellt hat: Es handelt sich um die Sprache „einer meisterhaften Autorin“.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben ordentlich gearbeitet, der Buchumschlag ist mit Klappen versehen, gegebenenfalls hätte man hier noch mit einer Prägung oder farbigen Coverinnenseiten das Produkt etwas veredeln können. Das Titelbild ist hingegen atmosphärisch toll und setzt sich auf Buchrücken und Coverrückseite fort, sodass ein tolles Gesamtbild entsteht.

Mein Fazit? „Acht Wölfe“ ist das neue Meisterwerk von Ulla Scheler, die den Wechsel vom Jugendbuch zum All-Age mühelos meistert. Dabei kann der Roman vor allem durch seine atemberaubende Handlung und seine gefühlvolle Sprache brillieren, und wartet zudem mit tollen Charakteren auf. Für Leser aller Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.

Das Warten hat ein Ende | Lesestoff-Nachschub von einer Lieblingsautorin

Endlich, endlich ist es so weit, und ich kann Euch das heute erschienene Buch zeigen, das mich vor einigen Tagen erreichte: „Acht Wölfe“ von Ulla Scheler aus dem Wilhelm Heyne Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

Ulla Schelers Bücher haben mich vor vielen Jahren begeistert, verzweifeln und hoffen lassen; mein Leserherz im Sturm erobert und gehören seitdem zu meinen absoluten Lieblingsbüchern, die ich immer und immer wieder empfehle. Und nach langen Jahren der Wartezeit erscheint nun heute endlich ihr neuestes Buch – diesmal kein Jugendbuch, sondern ein All-Age Roman, ein Survivalroman aus dem größten Nationalpark Kanadas. Ich kann es kaum erwarten, in den Seiten zu versinken, und Ullas Geschichte zu inhalieren – das Buch ist sicherlich wieder ein absoluter Pageturner, den ich verschlingen werde und der Ullas Stern an meinem Autorenolymp der Lieblingsautor:innen für lange Zeit sichern wird – nicht, dass er ernsthaft in Gefahr wäre, zu verblassen.

Umso mehr habe ich mich gefreut, als ich erfahren habe, dass Ulla das Buch auch auf der diesjährigen FBM vorstellt – ich habe mir den Termin mal direkt als Fixpunkt in den Messeplan geschrieben und hoffe, dass nichts dazwischen kommt. Aber was sollte schon passieren – ich meine, Ladies and Gentlemen, Ulla Scheler is in the house! Und bis dahin werde ich mal ab morgen in die Geschichte eintauchen – und ganz bald davon berichten. Lange wird es ja sicherlich nicht dauern :).

Habt Ihr schon ein Buch von Ulla gelesen? Seid Ihr dieses Jahr auch auf der FBM?