[Buchgedanken] Darius A. Harwardt: „Die Flamme der Rache“ (Weltenspiegel-Chronik 1)

In der letzten Zeit habe ich auch „Die Flamme der Rache“ von Darius A. Harwardt gelesen. Das Buch ist 2026 im Selfpublishing veröffentlicht worden und als High Fantasy einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Autor für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Vor vierzig Jahren errichtete Erzmagier Lazar gewaltsam das Magistrat von Elysis, um die jahrhundertelange Verfolgung von Magiern durch Adel und Kirche zu beenden und die Quelle der Magie zum Wohle aller zu erforschen. Doch das fragile Gleichgewicht des Kontinents ist bedroht. Der neue Hohepriester des benachbarten Königreiches Caldonia schürt erneut den Hass auf die Magie, die Gerüchte eines bevorstehenden Krieges verdichten sich. Revan, talentierter Absolvent des Arkaneums, ist entschlossen, das Magistrat vor seinen zahlreichen Feinden zu schützen. Gereon, Erstgeborener eines caldonischen Adelshauses, folgt hingegen nur zögerlich den Ambitionen seines Vaters. Währenddessen begibt sich die Söldnerin Shani auf eine zweifelhafte Mission. Doch die Entdeckung des Archäologen Rodrick droht, all diese Pläne zunichtezumachen.

„Die Flamme der Rache“ ist der Debütroman von Darius A. Harwardt und der Auftaktband in die „Weltenspiegel-Chronik“. Dabei lässt sich der Roman klar als High-Fantasy einordnen. Zwar fehlt es noch etwas an dem epischen Konflikt zwischen Gut und Böse, aber an der Einstufung führt schlussendlich doch kein Weg vorbei, auch wenn man einzelne Handlungsstränge isoliert für sich gesehen sicherlich auch als „Sword and Sorcery“ kategorisieren könnte. Als Auftaktband endet das Buch zudem sehr offen und schließt quasi keine Handlungsstränge ab, daher kann man das Buch eher nicht als Standalone lesen.

Generell ist die Handlung zwar spannend und abwechslungsreich, aber auch sehr fragmentarisch, tauchen doch immer neue personale Erzählperspektiven auf, die zwar lose schon im Zusammenhang stehen, aber noch nicht zusammengelaufen sind. Insgesamt wird man – gerade anfangs – mit vielen Charakteren und Orten geflutet, erst im Verlauf der Handlung stellt sich dann der Lesefluss ein. Dabei werden allein in diesem Auftaktband schon so viele Themen angeschnitten, die auch Zerrbild unserer Gesellschaft sind wie totalitäre Überwachungsstaaten, religiöser Fanatismus, Fremdenhass, Krieg und Vertreibung – um nur einige zu nennen.

Das Setting ist gelungen. Der Weltenbau glänzt hier durch einen sehr umfassenden Ansatz, auch wenn in der Kürze des Buches sicherlich noch einige Themen etwas knapp gehalten worden sind und in den Folgebänden noch ausgebaut werden müssen – gerade das Magiekonzept. Die politischen und gesellschaftlichen Verwerfungen sind jedoch schon gut dargestellt, auch wenn Caldonias Situation irgendwie etwas an Game of Thrones erinnert. Durch eine Kartenflut soll die Welt hier auch visualisiert werden, die schiere Masse an vorangestellten Karten erschlägt jedoch eher. Lediglich an wenigen Stellen ist der Weltenbau etwas inkonsequent und verfällt doch wieder in Muster aus der realen Welt.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive – auch wenn aufgrund der schieren Masse an Charakteren einige in den Folgebänden noch stärker ausgearbeitet werden müssen. Hierbei überzeugen von den Protagonisten insbesondere Revan und Visaya, aber auch einige Nebencharaktere wie Khalia und Erin können glänzen. Darius A. Harwardts Schreibstil lässt sich größtenteils leicht und flüssig lesen, der Autor verfällt lediglich manchmal in einen kleinen Infodump, der nicht immer an den Stellen notwendig ist.

Die Buchgestaltung ist noch solide. Lektorat und Korrektorat sind zwar Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss aber nicht erheblich schmälern. Gleiches gilt für den Buchsatz, der ebenfalls nicht fehlerfrei ist, sich aber noch im Rahmen hält. Neben den vorangestellten Karten runden auch eine nachgestellte Dramatis Personae sowie ein umfangreiches Glossar die Geschichte ab. Das Covermotiv setzt sich nahtlos auf Buchrücken und Coverrückseite fort, sodass ein Gesamtbild entsteht – es bleibt abzuwarten, wie die anderen Teile der Reihe dazu passen. Generell ist das Covermotiv durchaus ansehnlich und genretypisch, die Coverrückseite eher eintönig und schlicht.

Mein Fazit? „Die Flamme der Rache“ ist ein Auftaktband, der gerade im Weltenbau viel Potential offenbart, gleichzeitig aber sehr offen endet und somit nicht als Standalone lesbar ist. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

[Buchgedanken] Carolin Emrich: „Elfenwächter 1: Weg des Ordens“

In der letzten Zeit habe ich Carolin Emrichs Debütroman „Elfenwächter 1: Weg des Ordens“ gelesen. Das Buch ist 2017 beim Sternensand Verlag erschienen und dem Genre Fantasy zuzuordnen, wobei eine Einordnung in ein Subgenre isoliert für den Einzelband schwierig ist. Zwar legt der Roman durchaus die Ansätze für eine epische High-Fantasy-Reihe, erfüllt als Einzelband die Genre-Voraussetzungen jedoch noch nicht vollständig. Auch eine Verschiebung des Genres in Richtung Romantasy ist für die Folgebände durchaus möglich. Um verknappt auf den Punkt zu kommen: Isoliert betrachtet ist „Weg des Ordens“ aus meiner Sicht dem „Sword & Sorcery“-Genre (auch: „heroic fantasy“) zuzuordnen.

Seitdem sie sich erinnern kann, lebt Tris in einem Kloster, um dort, abgeschottet von der61xycbvc9ql-_sx326_bo1204203200_ Gesellschaft, den Umgang mit ihren magischen Kräften zu lernen. Die einzige Chance, den Klostermauern zu entfliehen, ist, sich dem Orden der Wächter anzuschließen. Als Tris von diesem für die Aufgabe ausgewählt wird, das Volk der Elfen auszukundschaften, trifft sie auf den Elfen Avathandal. Als sie sich in ihn verliebt, verschwimmen die Grenzen zwischen Freund und Feind. Doch wem kann Tris wirklich trauen?

Mit „Weg des Ordens“ legt die Autorin einen gelungenen Debütroman vor, der allerdings klar als Reihe konzipiert ist. Für einen Einzelband passiert isoliert etwas wenig, und die Handlung endet in einem sehr, sehr starken Cliffhanger (ich persönlich hätte mir das Ende einfach ein paar Seiten früher gewünscht). Abgesehen davon, schafft Carolin Emrich eine zauberhafte Welt, die mit einem gelungenen Weltenbau und einem ausgewogenen Magiekonzept punktet. Gut gefallen hat mir, dass die Geschichte der Welt nicht en bloc vorangestellt wurde, sondern in die Handlung des Romans eingebaut wurde. Hier zeigt sich auch klar, wie durch Propaganda oder eine allgemeine Deutungshoheit die Meinung eines Einzelnen gesteuert und manipuliert werden kann – ein vielleicht nur unbewusstes, aber vorhandenes gesellschaftskritisches Element.

Der Schreibstil der Autorin lässt sich gut und leicht lesen. Durch die Ich-Perspektive gelingt es zudem, den Leser nah an Tris heranzulassen. So wird die Identifikation mit der Hauptfigur unterstützt. Ohnehin sind die Protagonisten plastisch und vielschichtig angelegt, auch in den Nebenfiguren, sei es Lilly, die Freundin von Tris, oder Avathandals Schwester. Ich fand es schade, dass – trotz Tris‘ Vorsatz – sie Lilly nicht geschrieben hat, und diese, seitdem Tris das Kloster verlassen hat, keine Rolle mehr in der Handlung spielte. Ich würde mir wünschen, dass sich dies in den Folgebänden ändert – sonst wäre es unnötig gewesen, die starke Bindung zwischen den beiden Freundinnen am Anfang der Handlung aufzubauen.

Das Cover ist sehr gelungen und von der talentierten Juliane Schneeweiss entworfen worden, Lektorat und Korrektorat (Martina König) haben ebenfalls ordentlich gearbeitet, auch wenn kleinere Fehler durchgerutscht sind, die den Lesefluss und das Lesevergnügen aber nicht mindern. Auch der Buchsatz kann mit wunderschön gestalteten Kapitelanfängen punkten. Was mich hier leicht gewundert hat, ist die Benennung eines Prologes. Die Handlung dort spielt kurz vor Kapitel 1 und es wird inhaltlich nahtlos aneinander angeknüpft. Ich hätte von einem Prolog etwas anderes erwartet und hätte es als sinnvoller gefunden, dies einfach als reguläres Kapitel in die Struktur einzubauen.

Mein Fazit? „Elfenwächter 1: Weg des Ordens“ ist ein gelungener Debütroman und vielversprechender Auftakt für eine phantastische Buchreihe, der für die Folgebände auch noch etwas Luft nach oben lässt. Für Liebhaber und Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen. Ich freue mich bereits jetzt auf die Folgebände. Band 2, „Weg des Krieges“, erschien übrigens vor wenigen Tagen und ist als e-Book und Taschenbuch in allen gängigen Portalen und im Buchhandel erhältlich.