[Buchgedanken] Judith Mohr: „Stadt, Land, Mist“

In den letzten Tagen habe ich auch „Stadt, Land, Mist“ von Judith Mohr gelesen. Das Buch ist 2026 in der Verlag Freies Geistesleben & Urachhaus GmbH veröffentlicht worden und als Jugendbuch einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Keine Kletterhalle, keine Skaterbahn, keine Freunde mehr, stattdessen viel zu viel Grün, langweilige Pferdeweiden und ein endloser Schulweg. Dies ist kurz, knapp und gnadenlos das, was Fabian nach dem Umzug aus der Großstadt aufs Land erwartet. Er kann Kleinwönne wirklich gar nichts abgewinnen – wäre nicht Lotta, die vor ihm in seinem Zimmer gewohnt hat und die genau den umgekehrten Weg nehmen muss: vom Land in die Stadt. Doch während Fabian nichts mit sich anzufangen weiß, blickt Lotta hoffnungsvoll auf die Möglichkeiten der Stadt und sieht zudem die Chance, sich in der neuen Klasse nicht mehr so ausgeschlossen zu fühlen wie in ihrer alten Schule. Die beiden Neuankömmlinge schließen einen Pakt: Stadtnachhilfe für Lotta. Dorfnachhilfe für Fabian. Was als kleine Selbsthilfegruppe beginnt, entwickelt sich allmählich zu einer tiefen Freundschaft, die allerdings ganz schön auf die Probe gestellt wird, als sich Mitschüler Oskar für Lotta interessiert, aber ihre Grenzen nicht akzeptiert …

„Stadt, Land, Mist“ ist mein erster Roman der Jugendbuchautorin Judith Mohr – und daher passenderweise auch ganz klar als Jugendbuch/Jugendroman zu kategorisieren. Empfohlen wird das Buch für Leser:innen ab 14 Jahren, eine grundsätzlich zutreffende Einschätzung, die auch mit dem Alter der Protagonist:innen korreliert, auch wenn man das Buch im Zweifel bei genügender Reife auch ein Jahr oder so früher lesen kann – die hier vermittelten Botschaften können nicht früh genug diskutiert werden.

Die Handlung ist abwechslungsreich und spannend, in Teilen natürlich aber auch vorhersehbar. Sie wird aus zwei verschiedenen Ich-Perspektiven erzählt – kapitelweise wechselnd und mit mit der jeweiligen Perspektive überschrieben. Dabei werden jugendtypische Probleme und wichtige Themen altersgerecht aufgearbeitet, auch wenn teils die Konsequenzen ausbleiben und daher durchaus nicht immer die besten Signale ausgesandt werden – hier hätte man noch etwas nachsteuern und die Botschaft schärfen können.

Das Setting vermag hingegen zu brillieren. So entführt die Autorin ihre Leser:innen in eine Welt der Gegensätze, nimmt sie mit in eine pulsierende Großstadt und ein dörfliches Setting im Speckgürtel der Stadt, dessen ÖPNV-Anbindung allerdings fast zu gut daherkommt, um die übliche Realität abzubilden. Abgesehen davon werden hier zwar durchaus Klischees bedient, diese aber unaufgeregt eingeführt und durchaus hinterfragt, um abschließend zum wenig überraschenden Konsens zu kommen, dass beide Lebenswelten ihre Vor- und Nachteile haben.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Neben Lotta überzeugen hier vor allem wichtige Nebencharaktere wie Ole, Sophia oder Herr Wirsing, während Fabian nicht immer nachvollziehbar handelt und straflos doch recht krass über die Stränge schlägt. Judith Mohrs Schreibstil ist altersgerecht, lässt sich leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz sind ordentlich, der Buchumschlag ist mit Klappen versehen. Das Covermotiv wird nahtlos auf dem Buchrücken fortgesetzt, dann aber zur Coverrückseite hin krass unterbrochen, die auch etwas überfrachtet ist, bildlich aber zumindest Anklang zur Handlung bietet. Das Covermotiv ist zwar nett anzusehen, aber sehr beliebig und austauschbar und entspricht auch nicht zwingend dem Bild von Lotta, das sich beim Lesen aufbaut. Im Nachgang zur Geschichte werden vereinzelt Hilfsangebote aufgelistet, dies hätte man auch noch ausbauen und durch explizite Hilfsorganisationen für Oper sexuellen Missbrauchs ergänzen können.

Mein Fazit? „Stadt, Land, Mist“ ist ein abwechslungsreiches Jugendbuch, das mit guten Charakteren und wichtigen Themen punktet, in der Botschaft aber durchaus noch etwas nachgeschärft hätte werden können. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren, vielleicht auch leicht früher.

Von Neuanfängen an fremden Orten | Doppelte Buchpost

Heute möchte ich Euch mal wieder zwei Neuzugänge zeigen, die mich in der letzten Zeit als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de erreicht haben – vielen Dank dafür. „Stadt, Land, Mist“ von Judith Mohr aus dem Verlag Freies Geistesleben wird dabei als Jugendroman für Leser:innen ab 14 Jahren empfohlen, während „Voll verspukt! Monsterferien in Moderberg“ von Judith-Ariane Kleinschmidt und Florian Schwebel (Rotfuchs, Fischer Sauerländer GmbH) Leser:innen ab neun Jahren ans Herz gelegt wird. Beide Bücher thematisieren dabei Neuanfänge an fremden Orten, egal ob in der Stadt, auf dem Land oder im gruseligen Moderberg – das nur auf den ersten Blick kein adäquater Ersatz für Rom zu sein scheint. Ich bin gespannt!

An welchem Ort habt Ihr schon einmal neu angefangen?

[Buchgedanken] Annette Mierswa: „Der Scherbenpalast“

In der letzten Zeit habe ich auch „Der Scherbenpalast“ von Annette Mierswa gelesen. Das Buch ist 2025 im Verlag Freies Geistesleben (Verlag Freies Geistesleben & Urachhaus GmbH) veröffentlicht worden und als Jugendbuch einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Lou ist wütend, sehr wütend, denn die Familie zieht von Hamburg nach Mannheim. Doch where the hell is Mannheim? Ohnmächtig taumelt Lou in ein neues Leben, ohne ihre beste Freundin Nel und ohne Damian, mit dem so viel möglich schien … Also provoziert und wütet sie, bis sich Dinge ereignen, die ihre Sicht verändern – und sie vor allem merkt, dass sie selbst für ihr Glück verantwortlich ist.

„Der Scherbenpalast“ ist mein erster Roman der hochdekorierten und produktiven Kinder- und Jugendbuchautorin Annette Mierswa. Empfohlen wird das Buch für Leser:innen ab 14 Jahren, eine Alterseinschätzung, die ich im Wesentlichen teilen kann. Daher lässt sich der Roman auch problemlos als Jugendbuch einordnen – darüber hinaus ließen sich auch Argumente für die Eingruppierung als Coming of Age finden oder, wenn man Lous Argumentation zu Beginn des Romans folgt, für eine solche als Schicksalsroman.

Denn die Handlung wird von dem als dramatisch empfundenen Umzug nach Mannheim dominiert, der Lou, aus deren Sicht die Geschichte in einer Ich-Perspektive erzählt wird, aus ihrem altbekannten Leben reißt. Dabei ist die Handlung durchaus kurzweilig und interessant, jedoch ohne größere Spannungsspitzen. Zudem kommt das Ende etwas abrupt, hier hätte man noch die ein oder andere Seite hinzufügen können. Zugleich bleibt das Ende, zumindest in einigen Punkten, sehr offen gestaltet, was Möglichkeiten für eine Fortsetzung lässt, für die Leser:innen jedoch durchaus Frustrationspotential bereithält.

Das Setting ist im Wesentlichen gelungen. So entführt die Autorin ihre Leser:innen in die Quadratestadt Mannheim, in eine Stadt zwischen renommiertem Nationaltheater, wunderschönem Barockschloss und – ja – der Eisdiele, in der das Spaghettieis erfunden wurde. Dennoch vermisse ich hier, da der Ortswechsel ja handlungstreibend ist, noch mehr Lokalkolorit, noch mehr Mannheimer Spezialitäten, genauere Beschreibungen – und stärkere Dialekte. Annette Mierswa mischt dabei ein Potpourri an jugendtypischen Problemen und Themen zu einem sehr dichtem Gefühlschaos für Lou und garniert dies mit einem Plädoyer für den Einsatz gegen den Klimawandel, auch wenn die hier beschriebenen Methoden durchaus auch kritisch betrachtet werden können oder sogar sollen.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere Nebencharaktere wie Romy und Nel, von denen ich jeweils gern mehr lesen würde. Dahingegen handelt Lou oftmals nicht nachvollziehbar, und Tikey verbleibt etwas eindimensional, könnte sich aber, wenn seine Handlung weitererzählt wird, durchaus noch entwickeln. Anette Mierswas Schreibstil ist altersgerecht und lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anspringen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind hierbei nur Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss nicht wesentlich schmälern, der Buchsatz ist ordentlich. Der Buchumschlag ist auf dem Cover und der Coverrückseite leicht geprägt und mit Klappen und farbigen, aber eintönigen Coverinnenseiten versehen. Cover und Coverrückseite werden leider zum Buchrücken krass unterbrochen, was einen Bruch in der Farbgestaltung mit sich zieht. Zudem zeigt das Covermotiv zwar Anklänge an die Handlung, ist aber etwas zu sehr stilisiert und farblich sehr eigen. Gleichsam irritiert auch die Typografie des Titels.

Mein Fazit? „Der Scherbenpalast“ ist ein Jugendbuch für Leser:innen ab 14 Jahren, das vor allem mit seinem Setting und einer durchaus ungewöhnlichen Handlung punkten kann, dabei aber auch kleinere Schwächen aufweist. Für Leser:innen des Genres dennoch zu empfehlen, ab dem vom Verlag vorgeschlagenen Lesealter.

Von Neuanfängen im Großen und Kleinen | Doppelte Buchpost

Heute habe ich zwei Neuzugänge für Euch, die mich vor kurzem als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de erreicht haben – vielen Dank dafür. Im Jugendbuch „Der Scherbenpalast“ von Annette Mierswa (Verlag Freies Geistesleben) geht es darum, wie Lou fernab von ihren Freunden einen Neuanfang in Mannheim starten muss, während in „Wo die Zukunft der Raumfahrt beginnt“ (Knesebeck Verlag) Dr. Anika Mehlis von ihren Einsätzen als Analog-Astronautin berichtet, die den kompletten Neuanfang der Menschheit auf dem Mars simulieren. Ich bin auf beide Bücher schon sehr gespannt, auf die Neuanfänge im Großen und Kleinen.

Wann habt Ihr zuletzt einen Neuanfang gewagt?