[Buchgedanken] Manuela Schörghofer: „Schatten über dem Kloster“ (Isabella Falk 1)

Vor kurzem habe ich auch „Schatten über dem Kloster“ von Manuela Schörghofer gelesen. Das Buch ist 2025 bei HarperCollins in der Verlagsgruppe HarperCollins Deutschland GmbH erschienen und als historischer Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Allgäu 1376: In den rußgeschwärzten Ruinen des Klosters Weißenfels wird die Leiche des Bürgermeisters entdeckt – doch schnell stellt sich heraus, dass er bereits vor dem verheerenden Brand ermordet wurde. Der zuständige Richter von Füssen erkrankt, und kurz vor seinem Tod setzt er seine Frau Isabella Falk als Erbin ein unter der Bedingung, den Mord an seinem Freund aufzuklären. Gemeinsam mit dem charismatischen Gerichtsschreiber Leonhard folgt Isabella einer Fährte aus Verrat und dunklen Machenschaften – und gerät dabei selbst in tödliche Gefahr.

„Schatten über dem Kloster“ ist mein fünftes Buch von Manuela Schörghofer – und der erste Band der neuen Reihe um Isabella Falk, die Witwe des Stadtrichters. Dabei wird das Buch auf dem Cover als historischer Roman bezeichnet, gleichzeitig aber als historischer Krimi beworben. Insbesondere im Hinblick darauf, dass das Buch hier eine Reihe um Isabella begründen soll, kann ich mir vorstellen, dass die nächsten Bände noch stärker in Richtung Krimi driften, vor allem, wenn aus Isabella, Leo und Magnus ein noch stärker zusammengeschweißtes Trio wird.

Die Handlung ist hierbei spannend und abwechslungsreich und wird aus vielen verschiedenen (fast zu vielen) Perspektiven erzählt. Etwas krimiuntypisch werden hier die Täter schon früh sowohl den Leser:innen als auch den Protagonist:innen präsentiert, aber auch die Suche nach Beweisen sorgt für ausreichend Spannung. Leider wird am Ende als Cliffhanger noch ein Ausblick auf den nächsten Band präsentiert, auf den man gut hätte verzichten können, um das Ende runder zu gestalten. So oder so bleiben aus dem Buch ohnehin noch genug Handlungsstränge für den Folgeband offen.

Vor allem das Setting kann naturgemäß wieder überzeugen. So entführt die Autorin ihre Leser:innen ins Füssen des 14. Jahrhunderts, ins ausgehende Mittelalter zwischen ersten städtischen Bestrebungen um mehr Unabhängigkeit und der weiterhin, gerade im Alltag dominanten, Kirche. Dabei mischt Manuela Schörghofer Themen wie die Rolle der Frau und sogar ein zartes, angedeutetes Love Triangle in die Krimihandlung mit ein zu einem interessanten Gesamtpaket, das auch wieder dank einer wirklich tollen Recherche punkten kann, auch wenn zugunsten der Lesbarkeit sicherlich auf das ein oder andere historische oder lokale Detail verzichtet wurde – wie zum Beispiel den sicherlich breiten Dialekt im Allgäu.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere (wichtige) Nebencharaktere wie Bruder Gregorius, Odine, Dietbrand Högl und – aus dem Trio – am ehesten Magnus, während Isabella noch etwas wankelmütig ist und nicht immer nachvollziehbar handelt, im nächsten Band aber noch stärker geprägt werden kann. Manuela Schörghofers Schreibstil lässt sich zudem leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss nicht erheblich schmälern, der Buchsatz ist ordentlich. Der Geschichte wird eine Dramatis Personae und ein Glossar vorangestellt, bei der Karte hätte ich mir etwas mehr Detailtiefe und Bezug zur Handlung gewünscht. Das Covermotiv wird zum Buchrücken hin krass unterbrochen und lässt etwas den Bezug zur Handlung vermissen, ist dafür aber wirklich ansehnlich und ein schöner Eyecatcher – es bleibt abzuwarten, ob es mit den Folgebänden harmonisiert und sich ein einheitliches Reihenlayout mit Wiedererkennungswert einstellt.

Mein Fazit? „Schatten über dem Kloster“ ist ein sehr solider Einstieg in die Reihe, der vor allem mit seinem Setting und einer tollen Recherche punktet, aber auch noch Luft nach oben für den Folgeband lässt. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren..

Von Intrigen und Verschwörungen in allen Zeiten | Doppelte Buchpost

Heute habe ich wieder zwei Neuzugänge für Euch, die mich vor kurzem als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de erreicht haben – vielen Dank dafür. „BENSKI – Die Jagd nach dem Artefakt“ ist dabei ein im Selfpublishing veröffentlichter Roman von Wolfram Benisch, der Auftaktband in die Reihe um den Privatdetektiv Jack Benski, während in „Schatten über dem Kloster“ von Manuela Schörghofer (Verlagsgruppe HarperCollins) die Richtergattin Isabella Falk in einem historischen Kriminalfall ermittelt. Beide Bücher versprechen dabei Spannung – und vor allem Intrigen und Verschwörungen bis in die höchsten Machtzentralen der jeweiligen Zeit. Ich bin schon ganz gespannt!

Mögt Ihr Thriller im Stil von Dan Brown?

[Buchgedanken] Karen Finch: „Was früher blüht, ist länger tot“ (Helen & Ben 1)

In den letzten Tagen habe ich auch „Was früher blüht, ist länger tot“ von Karen Finch gelesen. Das Buch ist 2025 bei HarperCollins in der Verlagsgruppe HarperCollins Deutschland GmbH veröffentlicht worden und als Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

„Humbleham soll schöner werden!“ Der Ort im Herzen von Rutland will unbedingt den begehrten Preis „Rutland in Bloom“ für das schönste Dorf im County gewinnen. Doch unmittelbar vor dem Besuch der Jury kommt der Wirt des örtlichen Pubs bei einem schrecklichen Unfall ums Leben. Während Dorfpolizistin Helen Franklin noch klärt, wie es dazu kommen konnte, wird ein Jurymitglied auf offener Straße erschossen. Das ruft Scotland Yard auf den Plan: Ausgerechnet Ben Baxter, mit dem Helen einmal liiert war, soll den Mord an dem Politiker aufklären. Und es ist nicht der letzte Todesfall inmitten der blühenden Pracht – offenbar will jemand den Sieg Humblehams um jeden Preis verhindern. Erst als sich Helen und Ben zusammenraufen, kommen sie einer perfiden Verschwörung auf die Spur, die sie zurück in die Vergangenheit führt …

„Was früher blüht ist länger tot“ ist der neue Roman von Karen Finch, einem Pseudonym der Autorin Karin Uhlig, die auch als Carine Bernard und als Karina Ewald Bücher veröffentlicht hat. Es handelt sich potentiell um den Beginn einer Buchreihe um Helen Franklin und Ben Baxter – ein Fortsetzungsband ist meines Wissens nach bereits geplant. Dabei lässt sich der Roman klar als Kriminalroman einordnen, zeigt zugleich aber auch Elemente von Cosy Crime, allerdings lassen die Ermittelnden und die Anzahl der Opfer eher auf einen klassisch angelegten Krimi schließen.

Die Handlung ist durchaus spannend und abwechslungsreich, wenn sich auch die Auflösung in Teilen durchaus relativ früh absehen lässt. Nichtsdestotrotz gelingt es der Autorin dennoch, die Leser:innen die ganze Zeit bei der Stange zu halten, auch durch den durchaus fein eingestreuten Humor, der gerade zu Anfang des Buches überzeugt. Zwar verbleiben im Hinblick auf die Arbeit der Polizei einige Fragen offen – aber insgesamt sorgt die Handlung doch für viel Spaß und angenehme Lesestunden. Gleichzeitig bietet die Geschichte auch viel Potential für Folgebände, insbesondere, was die persönliche Beziehung zwischen Helen und Ben angeht.

Das Setting ist naturgemäß gelungen. So entführt die Autorin die Leser:innen ins fiktive Örtchen Humbleham und andere Orte der Grafschaft Rutland, die idyllisch in den East Midlands liegt. Mit ganz viel Lokalkolorit und fast klischeehaften Vorstellungen wird der Leser ins englische Landleben geworfen, das von Dartturnieren, Reitausflügen, Teestunden und einem unglaublichen Zusammenhalt der Dorfbevölkerung geprägt ist. Nur am Rande werden hier weitere Themen wie die Situation von Flüchtlingen oder auch die von LGBTIQ+-Personen eingemengt, diese verbleiben aber sehr niederschwellig und treten fast vollends hinter der eigentlichen Handlung zurück.

Die einzelnen Figuren sind vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive – auch wenn aufgrund der schieren Fülle an Personen nicht alle in Gänze ausgearbeitet werden konnten – da kann im Folgeband dann noch nachgelegt werden. Begeistert haben vor allem Nebencharaktere wie Marian, Janet, Jill und Jeremy, während Helen teils nicht nachvollziehbar handelt und insbesondere in der Beziehung zu Ben noch sehr blockiert ist. Karen Finchs Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben im Wesentlichen ordentlich gearbeitet, das Covermotiv ist genretypisch – wenn man das Buch als Cosy Crime sieht. Nichtsdestotrotz fehlt dem Cover dann doch der Bezug zur Handlung und es ist – wie der ganze Umschlag – eher etwas eintönig und kein Eyecatcher. Es bleibt abzuwarten, ob es mit einem etwaigen Folgeband harmonisiert und für einen Wiedererkennungswert der Reihe als ganzes sorgen kann.

Mein Fazit? „Was früher blüht, ist länger tot“ ist ein vielversprechender Auftakt in die leicht cosy angelegte Krimireihe um Helen und Ben, der mit seinem Humor und dem tollen Setting punkten kann, die Auflösung aber bereits etwas zu früh andeutet. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von etwa 13 Jahren.

Spannung im Doppelpack | Lovelybooks-Buchpost

In den letzten Tagen erreichten mich auch diese beiden Bücher als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de – vielen Dank dafür! „Lost in the Wild“ von Antje Leser (Thienemann in der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH) ist dabei ein Survivalthriller für Leser:innen ab 14 Jahren, während „Was früher blüht, ist länger tot“ von Karen Finch (ein Pseudonym von Karin Uhlig – wie auch bereits Karina Ewald und Carine Bernard) aus der Verlagsgruppe HarperCollins Deutschland GmbH ein typisch britischer Krimi ist, der mit skurrilen Situationen und humorvollen Figuren aufwarten soll. Ich bin auf beide Romane jedenfalls schon unglaublich gespannt!

Mögt Ihr eher Cosy Crime oder sollte es für Euch schon richtig blutig zugehen?

[Buchgedanken] Kati Naumann: „Fernwehland“

In der letzten Zeit habe ich auch „Fernwehland“ von Kati Naumann gelesen. Der Roman ist 2025 bei HarperCollins in der Verlagsgruppe HarperCollins Deutschland GmbH erschienen und als Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Die Astoria ist das älteste seetüchtige Kreuzfahrtschiff der Welt. Seit über siebzig Jahren trägt es die Menschen übers Meer und hat schon unzählige Schicksale bestimmt. Nach einer Kollision mit dem Luxusschiff Andrea Doria wurde es an die DDR verkauft und fortan für Urlaubsreisen eingesetzt. Auf seinen Fahrten bis in die Karibik geraten das Schiff und seine Passagiere auch zwischen die Fronten des Kalten Krieges. Die Stewardess Simone und der Matrose Henri haben sich vor vielen Jahren auf diesem Schiff kennengelernt. Heute treten sie noch einmal eine Kreuzfahrt mit der Astoria und damit auch eine Reise in ihre Vergangenheit an. Denn sie begegnen dabei der Schwedin Frida, die als Kind die Schiffstaufe erlebt hat und deren Geschichte ebenfalls ganz eng mit der des Schiffes verbunden ist.

„Fernwehland“ ist nach „Die Sehnsucht nach Licht“ mein zweiter Roman von Kati Naumann, die beide unabhängig voneinander lesbar die Geschichte von Familien über Generationen hinweg in Deutschland beleuchten und dabei Bezug zu Ostdeutschland aufweisen. Daher ist auch „Fernwehland“ als (historische) Familiensaga einzuordnen. Die teils auch in der Bewerbung des Buches vorgenommene Kategorisierung als historischer Roman kann ich hier allerdings nur bedingt nachvollziehen, spielt doch ein elementarer Teil der Geschichte im Jahr 2019, also mehr oder weniger in der Jetztzeit, eher hätte man das Buch meines Erachtens noch zur Gegenwartsliteratur zählen können.

Denn die Handlung wird in zwei Zeitebenen erzählt, zum einen in der oben bereits angegebenen Gegenwart, zum anderen in der Vergangenheit, die hier den Zeitraum von 1938 bis in die 1980er Jahre abdeckt. Dabei ist die Handlung durchaus abwechslungsreich und spannend, wenn auch teils vorhersehbar – und dreht sich vor allem um das Schiff, das zu DDR-Zeiten unter dem Namen „Völkerfreundschaft“ fuhr. Anhand der Geschichte des Kreuzfahrtschiffes werden auch die gesellschaftlichen Umbrüche und Entwicklungen verdeutlicht – und den Einfluss, den das auf die Leben der Menschen hatte. Erzählt wird der Roman hierbei in einer auktorialen Erzählperspektive, die teils mitten im Kapitel zwischen den Personen hin- und herspringt – etwas klarere Abgrenzungen hätten hier nicht geschadet.

Das Setting ist naturgemäß gelungen. Denn die Autorin entführt uns nicht nur nach Radebeul, sondern mit dem Schiff auch rund um die Welt – zum Beispiel nach Kuba, Marokko oder Norwegen. Dabei werden auch historische Ereignisse wie der Zusammenstoß mit der Andrea Doria nicht ausgespart. So verwebt Kati Naumann geschickt die Geschichte der Familien von Henri, Simone und Frida mit der Geschichte des Schiffes – und sorgt dafür, dass man sich auf die Astoria träumt, idealerweise zu frühen schwedischen Luxuszeiten. Auch die eingeschworene Gemeinschaft unter den Besatzungsmitgliedern wird hier gut dargestellt und schafft eine Atmosphäre, die man selbst gern erlebt hätte.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei überzeugen insbesondere Elli und Dora als wichtige Nebencharaktere, während gerade Henri teils nicht nachvollziehbar handelt und zum Ende hin etwas zu schnell seine Einstellungen über Bord wirft. Kati Naumanns Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen – wie auch bereits schon in ihrem letzten Roman, der gleichsam begeistern konnte.

Die Buchgestaltung ist gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, die Kapitel sind dankenswerterweise mit der Handlungszeit überschrieben, die sonstigen Kapitelüberschriften hätte man sich aber schenken können – sie sind jedoch nur mild spoilernd. Das Covermotiv setzt sich über den Buchrücken und die Coverrückseite fort, sodass ein tolles Gesamtbild entsteht, insgesamt ist das Motiv auch ansehnlich, es fehlt jedoch etwas am Bezug zur Handlung. Das unter dem Umschlag befindliche Buch ist schlicht und mit farbigen, aber eintönigen Coverinnenseiten versehen.

Mein Fazit? „Fernwehland“ ist eine überzeugende Familiensaga, die durch das Setting und die spannende und abwechslungsreiche Handlung brilliert. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Petra Schier: „Die Wächterin von Köln“

In den letzten Tagen habe ich auch „Die Wächterin von Köln“ von Petra Schier gelesen. Das Buch ist 2024 bei HarperCollins in der Verlagsgruppe HarperCollins Deutschland GmbH erschienen und als historischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Köln 1396/97: Elsbeth ist naiv und liebreizend, als sie mit sechzehn Jahren beginnt, im Bordell „Zur schönen Frau“ zu arbeiten. Bald darauf wird einer ihrer Freier, der Ratsherr van Kneyart, vergiftet aufgefunden, und sie gerät ins Visier der Obrigkeit. Auch ihr Halbbruder wird auf sie aufmerksam und bewahrt sie vor dem Galgen. Die beiden werden Vertraute, und mit der Hilfe von Elsbeth, die für ihn im Dirnenhaus Informationen sammelt, wird er zum mächtigsten Mann Kölns und Elsbeth zur geschickten Drahtzieherin der Unterwelt. Der junge Henker Johannes ist zunächst nicht begeistert von ihren mutigen Forderungen und ihrer fehlenden Demut. Schon bald aber entflammen unerwartet Gefühle zwischen den beiden. Als ein grausamer Mord geschieht, müssen die beiden gemeinsam verhindern, dass es zu einer falschen Verurteilung kommt.

„Die Wächterin von Köln“ ist nicht mein erster historischer Roman von Petra Schier, aber der erste aus der – von mir vereinfacht so benannten – „Köln-Saga“, zu der auch „Mord im Dirnenhaus“ und die „Lombarden“-Trilogie gehören, gibt es doch vielfach Überschneidungen zwischen den Romanen. Dabei lässt sich dieser Roman durchaus als Standalone lesen, die vielen Querverbindungen würden aber mit der Lektüre der anderen Bände vorab ein noch intensiveres Leseerlebnis ermöglichen. Relativ einfach lässt sich der Roman zudem als historischer Roman einordnen, auch wenn zuweilen auch das Gefühl eines historischen Kriminalromans oder -Thrillers aufkommt.

Denn die Handlung ist durchaus spannend und abwechslungsreich und wartet auch mit der ein oder anderen unerwarteten Wendung auf. Dabei wird diese in zwei Erzählebenen erzählt, der erzählerischen Gegenwart sowie der Vergangenheit von Elsbeth, die in Rückblenden aufgearbeitet wird, die sich immer stärker der eigentlichen Handlung annähern. Leider treten anfangs die Rückblenden gehäuft auf, sodass die Stringenz der Geschichte doch stark unterbrochen wird und sie nur langsam ins Rollen kommt – zulasten auch späterer, größerer Zeitsprünge in der eigentlichen Erzählung. Aber abgesehen davon entwickelt sich der Roman gerade in der zweiten Hälfte durchaus zum Pageturner.

Das – ungewohnte – Setting kann hier vor allem brillieren. So entführt die Autorin ihre Leser:innen ins Köln des (größtenteils) 15. Jahrhunderts. Die Schauplätze reichen dabei vom mittelalterlichen Dirnenhaus als zentralem Anlaufpunkt des Romans bis hin zu verwunschenen Mausoleen und ungenutzten Kapellen. Petra Schier zeigt hierbei in aller Deutlichkeit die Arbeit der Hübschlerinnen, ihre Arbeitsbedingungen und die Probleme, mit denen sie sich – wie alle anderen unehrlichen Berufe – im Alltag herumschlagen mussten, die Recherche scheint allumfassend. Erstaunlicherweise (also im Hinblick auf das Genre, nicht auf das Setting) ist das Buch daher auch mit unzähligen Sexszenen durchzogen, insbesondere in den Rückblenden.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Aufgrund der Fokussierung der Erzählperspektive auf Elsbeth kommen andere Charaktere teils etwas kurz – sehr gern hätte ich auch mehr von Aleydis erfahren, die durchaus einen unglaublich spannenden Eindruck macht, während Elsbeth teils doch übertrieben agiert, im Allgemeinen aber durchaus Sympathien erweckt. Petra Schiers Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen, die Waage hat hier sicherlich zugunsten der Lesbarkeit im Vergleich zur sprachlich-historischen Authentizität ausgeschlagen, auch das Mundartliche ist nur sehr selten eingestreut.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat haben im Wesentlichen sauber gearbeitet, der Buchsatz ist gelungen, die Geschichte wird mit einer Karte, einer fast zu umfangreichen Dramatis Personae und einem ebenfalls sehr umfangreichen Nachwort abgerundet. Das Covermotiv zieht sich über Buchrücken und Coverrückseite und erzeugt so einen tollen Gesamteindruck, insgesamt ist der Umschlag aber genretypisch und kein wirklicher Eyecatcher.

Mein Fazit? „Die Wächterin von Köln“ ist ein spannender und thematisch ungewöhnlicher, historischer Roman mit nur kleineren Schwächen. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von nicht unter 16 Jahren.

Noch mehr Geschichte | Buchpost im Doppelpack

Auch heute habe ich noch einmal zwei Neuzugänge für Euch, die mich jeweils als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de erreicht haben – vielen Dank dafür! „Fernwehland“ von Kati Naumann (HarperCollins in der Verlagsgruppe HarperCollins Deutschland GmbH) nimmt die Leser dabei auf die „Astoria“ mit, auf eine Reise durch die letzten Jahrzehnte der deutschen Geschichte, während „Das Fräulein muss sterben“ von Christine Grän und Marianne von Waldenfels (Droemer Verlag, Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG) ein historischer Krimi ist, der zur Zeit der Bonner Republik spielt – und den Auftaktband der Reihe um die Kommissarin Clara Frings darstellt.

Welche Epoche der deutschen Geschichte würde Euch auch noch interessieren?

Deutsche Geschichte im Doppelpack | Lovelybooks-Buchpost

In den nächsten Tagen habe ich wieder Rezensionen, Buchneuzugänge und weitere Neuigkeiten für Euch – den Anfang machen heute zwei Rezensionsexemplare. „Berchtesgaden“ von Carolin Otto (Lübbe in der Bastei Lübbe AG) erreichte mich dabei über die verlagseigene Bloggerjury, während „Die Wächterin von Köln“ von Petra Schier (HarperCollins in der Verlagsgruppe HarperCollins Deutschland GmbH) im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de zu mir kam – vielen Dank jeweils dafür. Beide Bücher entführen die Leser:innen dabei in die deutsche Geschichte. Und so freue ich mich schon auf die Ausflüge in die Nachkriegszeit und ins spätmittelalterliche Köln.

In welche Epoche würdet Ihr gern einmal literarisch reisen?

[Buchgedanken] Megan Clawson: „Love at First Knight“

Zum Start ins neue Jahr habe ich eine Buchbesprechung für Euch. Denn vor kurzem habe ich „Love at First Knight“ von Megan Clawson beendet. Das Buch ist 2024 bei HarperCollins in der Verlagsgruppe HarperCollins Deutschland GmbH erschienen, die gleichnamige Originalausgabe wurde 2024 bei AVON, einem Imprint von HarperCollins Publishers, veröffentlicht. Das Buch ist als humorvoller Liebesroman einzuordnen, für die Übersetzung zeichnet Ira Panic verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Die 23-jährige Daisy Hastings ist schüchtern, hat Angst vor der Welt und gibt sich gern ihren Träumen hin. Daher nimmt sie nur zögerlich die Stelle im Tower of London an, wo sie Kindern das Ritterleben näherbringen soll. Ihr arroganter Kollegen Theodore macht ihr außerdem das Leben schwer. Teddy hat nichts anderes im Sinn, als Unruhe zu stiften, weshalb Daisy immer wieder durch ihn in Schwierigkeiten gerät. Doch schon bald merken sowohl Daisy als auch Teddy, dass sie auf die Hilfe des anderen angewiesen sind. Und wenn aus Feinden möglicherweise Freunde und noch mehr werden könnte – dann hat Daisy am Ende womöglich ihren Prinz fürs Leben gefunden.

„Love at First Knight“ ist – wie der Untertitel sagt – „eine königliche Liebeskomödie“, also mehr oder weniger eine RomCom in Romanform, wobei der Fokus schon klar auf der Liebesgeschichte liegt, sogar ein Love Triangle beinhaltet. Dabei handelt es sich um den zweiten Roman der Autorin, die mit „Falling Hard for the Royal Guard“ bereits das gleiche Genre bedient hat, und dessen Protagonist:innen aus dem ersten Buch in diesem Band ebenfalls kurz auftauchen – aufgrund der doch starken Trennung der Geschichten würde ich hier aber nicht von einer Fortsetzung sprechen, „Love at First Knight“ lässt sich jedenfalls perfekt als Standalone lesen.

Die Handlung ist durchaus abwechslungsreich und interessant, genrebedingt aber auch vorhersehbar. Hierbei brilliert die Autorin vor allem dann, wenn die Figuren ins Nerd-Universum abtauchen – und auch der Tower kommt natürlich nicht zu kurz, der Humor hingegen schon etwas. Und auch das Ende kann mich nicht restlos überzeugen, so wird das Happy-End auf sehr altmodisch konservative Weise erzeugt – in der modernen Welt hätte man hier vielleicht doch den ein oder anderen Weg zum Ziel wählen können.

Das Setting hingegen brilliert auf ganzer Linie. So entführt die Autorin ihre Leser:innen nicht nur nach London in den Tower und nach Windsor, sondern auch in ein kleines Örtchen in Lincolnshire – und auf ein großes LARP-Festival. Zudem thematisiert Megan Clawson unterschwellig psychische Erkrankungen, legt viel Liebe in nerdige Details und mischt das ganze mit einer filmreifen Liebesgeschichte zu einem tollen Gesamtpaket, das die Leser:innen bestens unterhält. Zur bildlichen Unterstützung hätte man aber durchaus der Geschichte noch einen Grundriss des Towers voranstellen können – gern auch auf den etwas lieblosen Coverinnenseiten.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Neben Daisy kann hier vor allem Marigold glänzen, von der ich gern noch viel mehr erfahren hätte – und auch Bobbles, Erin und Daisys Vater überzeugen, während Teddy teils etwas blass verbleibt. Megan Clawsons Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen, ist humor- und gefühlvoll.

Die Buchgestaltung ist ordentlich. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss nicht wesentlich schmälern, der Buchsatz ist einfach, aber fehlerfrei. Der Buchumschlag ist farblich auffällig, aber eher eintönig, das Covermotiv ist comichaft stilisiert und kein wirklicher Eyecatcher – etwas mehr Bezug zur Handlung hätte hier durchaus gut getan.

Mein Fazit? „Love at First Knight“ ist ein humorvoller Liebesroman, der vor allem durch sein Setting und seine spannenden Themen und Figuren punkten kann, gerade zum Ende hin aber leicht schwächelt. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von etwa 13 Jahren.

London Calling | Doppelte Buchpost

In den nächsten Tagen habe ich wieder einige Rezensionen und Buchneuzugänge für Euch. Den Anfang machen heute „Love at First Knight“ von Megan Clawson (Verlagsgruppe HarperCollins Deutschland GmbH), das mich als Rezensionsexemplar im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de erreichte, und „May Morrigans mysteriöse Morde“ von Katherine Black (Lübbe in der Bastei Lübbe AG), das als Rezensionsexemplar über die verlagseigene Bloggerjury zu mir kam – vielen Dank jeweils dafür! Beide Romane entführen die Leser dabei nach bzw. in die Nähe von London und spielen mit urbritischen Themen. Ich kann es daher kaum erwarten, mit Spannung und Liebe in eines meiner absoluten Lieblingssettings zurückzukehren, denn: London is calling!

Wart Ihr schon einmal in London?