[Buchgedanken] Dirk Rossmann: „Der neunte Arm des Oktopus“

In der letzten Zeit habe ich „Der neunte Arm des Oktopus“ von Dirk Rossmann gelesen. Das Buch ist 2020 in der Bastei Lübbe AG erscheinen und dem Genre Politthriller zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Der Klimawandel – eine Katastrophe ungeahnten Ausmaßes steht uns bevor. Das Fiasko scheint unaufhaltsam. Bis die drei Supermächte China, Russland und die USA einen radikalen Weg einschlagen. Die Maßnahmen der Allianz greifen gravierend in das Leben der Menschen ein, und nicht jeder will diese neue Wirklichkeit kampflos akzeptieren. Alle Mittel sind den Gegnern recht, um ihre ökonomischen und machtpolitischen Interessen zu verteidigen. Die Situation spitzt sich dramatisch zu, und plötzlich liegt das Schicksal der Erde in den Händen eines schüchternen Kochs und einer unscheinbaren Geheimagentin.

„Der neunte Arm des Oktopus“ ist ein Thriller, der in verschiedenen Zeitebenen spielt. Ob die Zukunft im Jahr 2100 dabei utopische oder dystopische Züge hat, muss jeder für sich selbst entscheiden. Auf dem Weg in diese Zukunft entspinnt sich in den Jahren 2020-2025 ein politisches Geflecht, eine weltumspannende Verschwörung – und eine undenkbare Allianz.

Neben den Protagonisten des Romans treten im Buch auch illustre Politiker wie Schröder, Putin oder auch Kamala Harris auf, die der Autor bereits zur nächsten – und ersten – Präsidentin der USA ausgerufen hat. Es bleibt abzuwarten, ob sich zumindest diese Vorhersage erfüllt.

Neben einem reinen Thriller ist „Der neunte Arm des Oktopus“ dabei vor allem auch ein Plädoyer für Klimaschutz, ein Appell zum Erhalt des Lebens auf der Erde. Und auch wenn es höchst zweifelhaft erscheint, dass die hier aufgezeigten Lösungen auch nur im Ansatz umsetzbar oder pratikabel wären, so ist es doch wichtig, dass die Dringlichkeit des Themas aufgezeigt wird – und das Spannungsfeld zwischen persönlicher Freiheit und Klimaschutz, das hier vielleicht etwas zu progressiv ausgefüllt wird.

Die Handlung ist dabei größtenteils spannend, wenn auch durch die verschiedenen Zeitebenen teilweise das Ergebnis bereits vorweggenommen wird. Ohnehin bin ich der Meinung, dass das Buch konsistenter, dichter und spannender gewesen wäre, wenn auf die Zeitebene um 2100 einfach verzichtet worden wäre – und auf den nur damit in Verbindung stehenden Handlungsstrang in Indien, der wenig zur Handlung beiträgt. Durch eine stärkere Fokussierung auf die aktuelleren Ereignisse hätte auch die im Klappentext angekündigte Protagonistin, Sofia Della Bettemcour, deutlich früher in die Geschichte eingebaut werden können.

Die Buchgestaltung ist im Wesentlichen gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover ist auffällig und zieht sich als Gesamtbild über den kompletten Buchrücken. Wunderschön sind auch die farbig gestalteten Coverinnenseiten, die sich vorn und hinten allerdings gleichen. Hier hätte man etwas kreativer sein können – und das Cover insgesamt auch etwas wertiger drucken können, wenn schon auf einen Schutzumschlag verzichtet wird.

Mein Fazit: „Der neunte Arm des Oktopus“ Ist ein spannender Politthriller, der zum Nachdenken anregt und Bewusstsein für den Klimawandel schaffen will. Die interessante Handlung wird dabei durch unzählige Zeitsprünge und Nebenhandlungen etwas ausgebremst. Für Leser des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Olivia Monti: „Sterbewohl“

In der letzten Zeit habe ich „Sterbewohl“ von Olivia Monti gelesen – mein drittes Buch der Autorin nach „Das Haus“ und „Der Regisseur“ (veröffentlicht als Olivia Kleinknecht). Der Roman ist 2020 im Selfpublishing erschienen und – entgegen der Aufschrift „Kriminalroman“ – aus meiner Sicht als Dystopie / dystopischer Thriller einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle an die Autorin für die erneute Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

Deutschland ist nur noch eine Scheindemokratie. Der Staat veranstaltet neuerdings für ältere Menschen Sterbeseminare in Luxushotels. Ihnen soll dort schmackhaft gemacht werden, Sterbewohl, eine tödliche Pille, zu schlucken, um beizeiten die Allgemeinheit zu entlasten. Nadja, Anna, Max und Fred sind über 65 und in hellem Aufruhr. Alle vier haben vom Gesundheitsministerium eine Einladung zum Sterbeseminar ins komfortable Hotel Paradies auf Fehmarn erhalten. Offiziell ist das Einnehmen von Sterbewohl zwar freiwillig. Wie manche munkeln, kehrt aus den Hotels aber niemand mehr zurück.

„Sterbewohl“ ist bislang vielleicht das beste, zumindest aber kurzweiligste Buch der Autorin, das sich gut und flüssig lesen lässt. Dabei spielt das dystopische Szenario zwar in naher Zukunft, ist glücklicherweise aber noch ideologisch weit entfernt. Dennoch legt die Autorin mit der Prämisse den Blick auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen und auf die Fragilität von Demokratien.

Auch wenn einige Kleinigkeiten implausibel sind, ist die Handlung im Wesentlichen spannend und dynamisch und wird durch das gleichermaßen interessante wie erschreckende Setting des Hotel Paradies atmosphärisch untermalt. Als Leser wird man direkt in die Handlung geworfen, was vermutlich der Kürze des Romans geschuldet ist – hier hätte vielleicht etwas geruhsamer aufgebaut werden können.

Die einzelnen Charaktere überzeugen ebenfalls im Wesentlichen, haben Stärken und Schwächen und eigene Ziele und Motive. Insbesondere Max hat mir hier gut gefallen.

Die Buchgestaltung ist insgesamt solide, allerdings ist beim Buchsatz noch Luft nach oben. Das Cover dahingegen ist schlicht, aber auffällig und zieht sich (mit Ausnahme des obigen roten Balkens … warum?) über den kompletten Buchumschlag, der insgesamt überzeugt – lediglich die Coverrückseite ist etwas überfachtet.

Mein Fazit? „Sterbewohl“ ist eine gelungene Dystopie, eine Ode an das geruhsame Altern. Kleinere Logiklücken schmälern dabei das Lesevergnügen kaum – für Liebhaber des Genres daher bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Sandra Karin Foltin: „Pilgrims Oak: Das Jahr der verschwundenen Mädchen“

Vor einiger Zeit habe ich „Pilgrims Oak: Das Jahr der verschwundenen Mädchen“ von Sandra Karin Foltin beendet. Der Roman ist 2020 im Selfpublishing erschienen und dem Genre Historical Fantasy / Historical Mystery zuzurechnen. Vielen Dank an dieser Stelle noch einmal an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

1790 lebt die fünfzehnjährige Margaret auf Pilgrims Oak. Als auf benachbarten Plantagen Sklavenmädchen spurlos verschwinden, soll ein Gärtner verurteilt werden. Doch Maggie glaubt nicht an seine Schuld. Nachdem auch ein befreundetes Mädchen vermisst wird, versuchen sie und ihre Freundin Lizzy herauszufinden, was mit den Kindern passiert. Unterstützt werden beide von Lizzys Mutter, einer Hoodoopriesterin. Die beiden Heranwachsenden lernen fremdartige Wesen kennen, Geister, die um Hilfe bitten, und gefangene Seelen. Dass Maggie sich überdies in den Verlobten ihrer Schwester verliebt, macht die Jagd nach dem Täter nicht leichter. Die Freundinnen geraten immer tiefer in mysteriöse Geschehnisse und müssen bald um ihr eigenes Leben sowie das ihrer Lieben bangen.

„Pilgrims Oak“ ist – um das vorwegzunehmen – ein im Wesentlichen gelungenes Buch, eine Reise in die Geschichte der USA zur Zeit der Sklaverei und bietet interessante Einblicke in die Kultur und Überzeugungen der Hoodoo-Anhänger. Dabei werden insbesondere die Unterschiede innerhalb der Gesellschaft ausdrucksstark porträtiert, genau wie das damals vorherrschende Rollenmodell der Frau.

Die in zwei Zeitebenen spielende Handlung ist in aller Regel spannend und bietet auch die ein oder andere unerwartete Wendung. Trotz der durchaus auch überraschenden Geschehnisse am Ende der Handlung, hätte auf die zweite, aktuellere, Zeitebene aus meiner Sicht aber verzichtet werden können – der kleine Handlungstwist am Ende kompensiert die Spoiler des ersten Kapitel für die spätere Handlung nicht. Und auch der Ausgang der Love Story vermag mich nicht endgültig zu überzeugen – zwar historisch sicherlich korrekt, hätte man hier durchaus auch andere Lösungen finden können.

Das Setting hingegen brilliert auf ganzer Ebene. Eine alte Baumwollplantage in den Sümpfen, eine geschichtsträchtige Eiche – die Autorin setzt dem Leser dank ihres flüssigen Schreibstils Bilder in den Kopf, lässt ihn sich nach Louisiana träumen und dem Alltag entfliehen.

Auch die Charaktere sind im Wesenlichen dreidimensional angelegt, haben Stärken und Schwächen, Ziele und Motive. Dabei überzeugen mich vor allem Lizzy und Graham sowie Mr. Avery und Heddi.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind nur kleinere Dinge durchgerutscht, die sich noch im Rahmen halten und den Lesefluss nicht mindern. Der Buchsatz bietet allerdings mangels fehlender Silbentrennung kein einheitliches Gesamtbild – und auch der Sinn hinter drei verschiedener Trennern (*, ** und ***) erklärt sich mir nicht und verwirrt. Auch das Cover bietet Stärken und Schwächen. So ist positiv zu bewerten, dass ein klarer Bezug zur Handlung da ist und sich das Grundbild über den kompletten Buchumschlag zieht. Allerdings ist das Motiv insgesamt etwas zu düster und die fehlenden Kontraste machen es schwer erkennbar

Mein Fazit: „Pilgrims Oak: Das Jahr der verschwundenen Mädchen“ ist ein im Wesentlichen überzeugender historischer Roman mit sehr ausgeprägten Fantasy-/Mystery-Aspekten, der vor allem durch sein tolles Setting brilliert und nur kleinere Schwächen bietet, die das Lesevergnügen kaum schmälern. Für Liebhaber von Mysteryromanen bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16.

[Jahresrückblick] 2020 als Autor

Nachdem ich bereits auf 2020 als Blogger und als Leser zurückgeblickt habe, möchte ich heute noch kurz das vergangene Jahr als Autor Revue passieren lassen, bevor ich mich dann ab morgen 2021 zuwende und in Kürze wieder einige Rezensionen für Euch habe.

Auch im vergangenen Jahr erschienen zwei Anthologien, an denen ich mich beteiligt habe: „Tod des Verlegers“ (Amrun Verlag) und „Fast Menschlich“ (Eridanus Verlag). Dabei freute mich insbesondere die Veröffentlichung bei Amrun, da die Anthologie jahrelang – auch bei anderen Verlagen – in Warteschleife hing, bevor dieses tolle Projekt endlich zum Abschluss gebracht werden konnte.

Abgesehen von den Veröffentlichungen habe ich 2020 aber weniger geschrieben in diesem doch sehr konfusen Jahr, und daher liegt zumindest derzeit keine Veröffentlichung mehr in der Pipeline, einige Ausschreibungen stehen aber noch aus. Für 2021 habe ich mir vorgenommen, wieder regelmäßiger zu schreiben, und vielleicht das Rohmanuskript eines Romans zu beenden.

Wie sind Eure Vorsätze? Was habt Ihr 2020 erreicht?

[Jahresrückblick] Blogstatistik 2020

space grey ipad air with graph on brown wooden table
Photo by Burak K on Pexels.com

Bevor ich Euch in den nächsten Tagen die Bücher zeige, die mich um den Jahreswechsel erreichten, und auf 2020 als Autor und Leser zurückblicken möchte, gibt es heute erst einmal das schnöde Zahlenwerk: meine Blogstatistiken für 2020.

2020 war ein Jahr, das ganz anders war, und das mich als Blogger auch vor Herausforderungen stellte. So fielen die ganzen Messen aus (oder wurden durch Online-Varianten ersetzt), wodurch die immens populären Messeberichte entfielen. Dies hatte aber auch zur Folge, dass ich immer öfters aktiv von Autoren, Verlagen oder Agenturen angesprochen wurde – wofür ich mich hier nochmal aufs herzlichste bedanken möchte. Mir macht die Zusammenarbeit mit Euch sehr viel Spaß – und Absagen meinerseits erfolgen in aller Regel nur aus Kapazitätsgründen.

Doch nun zu den Zahlen:

  • Aufrufe: 4.642 (Vorjahr: 4.587) – Steigerung um 1,2%
  • Besucher: 2.824 (Vorjahr: 2.565) – Steigerung um 10,1%
  • Gefällt-mir-Klicks (WordPress): 305 (Vorjahr: 624) – Rückgang um 51,1%
  • Kommentare (WordPress): 129 (Vorjahr: 72) – Steigerung um 79,2%
  • WordPress-Follower: 132 (Vorjahr: 122) – Steigerung um 8,2%
  • Facebook-Follower: 479 (Vorjahr: 388) – Steigerung um 23,5%
  • Instagram-Follower: 225 (Vorjahr: 135) – Steigerung um 66,7%

Erfolgreichster Blogbeitrag war ein Gewinnspiel mit 129 Aufrufen, die erfolgreichste Rezension die zu Erya Vegers: „Die vier ewigen Reiche: Verschwörung“. Vielen Dank an alle Leser und Besucher! Die für mich unglaublichen und tollen Zahlen in diesem schwierigen Jahr sind nur durch Euch möglich geworden. Zwar ist mir klar, dass ich damit immer noch zu den ganz kleinen Blogs gehöre, aber der seit Jahren kontinuierliche Anstieg – mit Ausnahme der Gefällt-mir-Angaben, deren Rückgang erklärbar ist und mit der DSGVO zusammenhängt – erstaunt mich immer wieder aufs Neue, vor allem unter Berücksichtigung der fehlenden Messeberichte.

Und jetzt seid ihr gefragt. Was gefällt Euch? Was fehlt Euch? Wovon wollt Ihr mehr? Rein damit in die Kommentare :).

[Buchgedanken] Emily Bold: „Ein neuer Morgen in Laguna Beach“ (Laguna Beach 2)

Pünktlich zum Weihnachtsfest möchte ich Euch heute einen tollen Liebesroman vorstellen. In den letzten Tagen habe ich im Rahmen einer Leserunde „Ein neuer Morgen in Laguna Beach“ von Emily Bold gelesen. Das Buch ist 2020 bei Montlake, Amazon Media EU S.à r.l. erschienen und dem Genre Liebesroman zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle an die Autorin, den Verlag und Lovelybooks.de für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars in einer tollen Buchbox.

Alison Page ist schwindelfrei und kann mit einem Schweißgerät umgehen – und sie leitet das Bauunternehmen der Familie. Womit sie weniger gut umgehen kann, ist der Auftrag für den Bau eines Wellnesstempels, den sie für den arroganten Hotelier Ian St. James übernehmen muss, um die Krankenhausrechnungen ihres Vaters bezahlen zu können. Ian hat sie vor Jahren tief verletzt, aber dennoch bekommt sie bei jeder Begegnung mit ihm weiche Knie …

„Ein neuer Morgen in Laguna Beach“ ist der zweite Teil der Laguna-Beach-Reihe und kann problemlos eigenständig als Standalone gelesen werden. Sofern man aber vorhat, alle Teile der Reihe zu lesen, empfiehlt es sich, zwingend die Reihenfolge einzuhalten, da man sonst bzgl. des Vorgängers gespoilert wird.

Dabei glänzt das Buch mit einem bezaubernden Setting. Ein malerischer Strand, ein tolles Anwesen, ein Luxusresort, eine Werkstatt und ein Schrottplatz, der eine bilderbuchreife Aussicht bietet – Emily Bold entführt den Leser in die USA, lässt ihn sich in eine Welt fernab des nasskalten Winters träumen.

Die Handlung ist – wenn auch teils vorhersehbar – amüsant und unterhaltsam und wartet mit einigen unerwarteten Wendungen auf. Auch wenn einige ernste Themen kurz gestreift werden, werden diese nicht detailliert behandelt, sodass das Buch größtenteils gute Laune versprüht, ein idealer Feel-Good-Roman ist, aber auch etwas Tiefe vermissen lässt.

Die Charaktere sind im Wesentlichen gut ausgearbeitet, wenn auch einige der Nebenfiguren teils etwas blass bleiben. So hätte ich mir insbesondere von Luke mehr versprochen, und auch die Wendung von Dallas am Ende bleibt wenig nachvollziehbar. Alison und Ian überzeugen hingegen auf ganzer Linie, sind dreidimensional angelegt und haben Stärken, Schwächen, Ziele und Motive. Der rasante Wechsel der Erzählperspektiven, sogar innerhalb der schon kurzen Kapitel, macht es jedoch schwer, eine tiefe Bindung zu beiden aufzubauen – hier hätte ich mir eine klarere Struktur gewünscht.

Emily Bolds Schreibstil ist – wie immer – sehr gefühlvoll und lässt sich leicht und flüssig lesen. Durch sorgfältig eingestreute, humoristische Szenen und Elemente, wird dem Leser oftmals ein Lächeln auf die Lippen gezaubert – man möchte das Buch kaum aus der Hand legen.

Die Buchgestaltung überzeugt im Wesentlichen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber und unauffällig gearbeitet, das Covermotiv ist schön, farblich ansprechend und zieht sich als Bild über den gesamten Buchumschlag.

Mein Fazit: „Ein neuer Morgen in Laguna Beach“ ist ein im Wesentlichen überzeugender Liebesroman, der vor allem durch sein malerisches Setting punktet. Trotz der etwas zu häufigen Perspektivwechsel ein Buch mit Feel-Good-Garantie – ein idealer Urlaubsbegleiter. Für Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von 17 Jahren.

Frohe Weihnachten

Ich wünsche Euch frohe Weihnachten! Genießt die besinnlichen Tage – wenn auch in kleinem Kreise -, feiert, esst und beschenkt Euch reichlich, vielleicht sogar mit Büchern :D. Und, trotz des schwierigen Jahres, seid auch dankbar für das, was Ihr habt und vor allem füreinander. Und – zuguterletzt – habt Hoffnung auf ein besseres 2021, auf dass wir im nächsten Jahr wieder ein normales Weihnachtsfest feiern können!

Frohe Weihnachten! Feliz Navidad! Merry Christmas! Joyeux Noel!

[Buchgedanken] Luca Di Fulvio: „Es war einmal in Italien“

In den letzten Tagen habe ich „Es war einmal in Italien“ von Luca Di Fulvio gelesen. Das Buch ist 2020 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG erschienen und dem Genre historischer Roman zuzurechnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Ein Waisenjunge, der mit seiner Kamera den Blick auf die Welt verändern will. Ein Zirkusmädchen, das für die Politik brennt. Eine Gräfin, die anderen die Freiheit schenkt. Drei Menschen, die das Schicksal im Jahr 1870 nach Rom führt, das pulsierende Herzstück Italiens auf dem Weg zum Nationalstaat. Inmitten dieser Stadt der Verheißungen kreuzen sich ihre Wege, und ihre Träume scheinen wie durch ein magisches Band miteinander verwoben. Doch das schillernde Rom stellt die drei vor ungeahnte Herausforderungen. Als eines Tages ein dramatisches Ereignis die Ewige Stadt erschüttert, drohen sie alles zu verlieren, was ihnen kostbar ist …

„Es war einmal in Italien“ ist ein sehr detailverliebtes Porträt einer jungen Nation. Dabei illustriert Luca Di Fulvio gekonnt die Gegensätze zwischen arm und reich, Macht und Ohnmacht, Liebe und Hass, und entführt den Leser in das malerische Setting der heiligen Stadt Rom im Jahr der Eroberung 1870.

Hierbei überzeugt der Roman vor allem durch brillante Charaktere. Diese sind – auch in den Nebenrollen – dreidimensional und plastisch angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Besonders überzeugt haben mich hier Nella, Albanese und Mamma Lucia, aber auch Melo und Ludovico glänzen auf ganzer Linie.

Die Handlung, die eine in Deutschland eher unterrepräsentierte Epoche beleuchtet, ist spannend, abwechslungsreich und wartet immer mal wieder mit unerwarteten Wendungen auf. Dabei gelingt es dem Autor, die Balance zwischen der historischen Entwicklung und den Einzelschicksalen zu wahren und den Leser an die Seiten zu fesseln.

Luca Di Fulvios Schreibstil ist leicht und flüssig zu lesen, anschaulich, unterhaltsam, und wirft sofort das Kopfkino an. Da man sich zudem gut mit den Protagonisten identifizieren kann, möchte man das Buch am besten gar nicht mehr aus der Hand legen und immer tiefer in der Geschichte versinken.

Die Buchgestaltung ist in allen Aspekten gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover ist wunderschön und ein wahrer Eyecatcher. Der Buchumschlag ist auf dem Cover und Buchrücken hochwertig geprägt und wartet mit farbigen, ausklappbaren Coverinnenseiten auf.

Mein Fazit? „Es war einmal in Italien“ ist ein rundum überzeugender historischer Roman, der vor allem mit seinem tollen Setting und wunderbaren Charakteren punkten kann. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – und ein potentielles Jahreshighlight.

[Buchgedanken] Amy Harmon: „Making Faces“

In den letzten Tagen habe ich „Making Faces“ von Amy Harmon gelesen. Das Buch ist 2020 bei LYX in der Bastei Lübbe AG erschienen, die Erstveröffentlichung in Deutschland erfolgte 2013 unter dem Titel „Vor uns das Leben“ bei INK. Die englischsprachige Originalausgabe wurde 2013 unter dem Titel „Making Faces“ im Selfpublishing veröffentlicht. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Seit sie denken kann, ist Fern Taylor in Ambrose Young verliebt. Ambrose, der überall beliebt ist und so schön, dass ein unscheinbares Mädchen wie Fern niemals auch nur auf die Idee gekommen wäre, bei ihm eine Chance zu haben. Ihre Freizeit verbringt sie mit ihrem besten Freund Bailey, der an den Rollstuhl gefesselt ist, aber dennoch das Leben mit jeder Faser aufsaugen will. Eigentlich schien es ganz klar, was die Zukunft für sie bereithält. Bis zu dem Moment, als Ambrose Fern endlich »sieht«, aber so zerbrochen ist, dass sie nicht weiß, ob ihre Liebe genug sein wird …

„Making Faces“ ist … eine emotionale Urgewalt, ein Buch über Schönheit, Liebe und Trauer. Ein Buch zwischen Optimismus und Verzweiflung, ein Plädoyer für den unerschütterlichen Glauben an das Leben. Ich kann mich Colleen Hoover nur anschließen, die mit den Worten zitiert wird: „Ich liebe, liebe, liebe dieses Buch!“ – es hat mich, genau wie die Protagonisten, emotional gebrochen und zusammengekittet.

Eingebettet in das wunderschöne und idyllische Setting einer ländlichen Kleinstadt, erzählt Amy Harmon mehr als die Geschichte von Fern und Ambrose, sondern die Erlebnisse des ganzen Ortes, fängt kollektive Trauer und Freude, Stolz und Leid ein. Dabei balanciert der Roman – wenn man denn eine kritische Nadel im Heuhaufen der großen Gefühle finden will – ziemlich genau zwischen den Genres Young- und New Adult, was aber auch durch die für einen solchen Titel sehr ungewohnte Zeitspanne bedingt ist, über die sich die Geschichte erstreckt.

Die Handlung ist spannend, genrebedingt aber teils auch vorhersehbar. Mit schonungsloser Brutalität und Konsequenz lässt die Autorin den Leser zusammen mit den Figuren in eine Welt des Schmerzes eintauchen, und zaubert doch auch imer das ein oder andere Lächeln zwischen die Tränen.

Dabei sind die Charaktere, mit denen man sich problemlos identifizieren kann, mit denen man leidet, lacht und weint, dreidimensional angelegt, haben alle Stärken, Schwächen – und vor allem eigene Probleme. Neben den Protagonisten Ambrose und Fern, die mir ausnahmsweise beide echt gut gefallen, überzeugen hier vor allem Rita, Joshua Taylor und Mike Sheen.

Die Buchgestaltung ist im Wesentlichen gelungen. Der Buchsatz ist sauber, dem Lektorat und Korrektorat sind nur kleine Fehler durchgerutscht, sieht man mal von dem einen riesigen Fauxpas ab, auf der Coverrückseite den Titel der alten Ausgabe falsch geschrieben zu haben („Vor und das Leben“ anstelle von „Vor uns das Leben“) – das darf nicht passieren! Abgesehen davon ist der Buchumschlag wunderschön und hochwertig geprägt und bietet farbige, ausklappbare Coverinnenseiten.

Mein Fazit? „Making Faces“ ist ein in allen Facetten überzeugender Roman an der Grenze zwischen New- und Young Adult, der mit großen Gefühlen und einer sehr berührenden, intensiven Handlung punkten kann. Für Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen – und ein potentieller Kandidat für die Jahreshighlights.

[Buchgedanken] Lilly Bernstein: „Trümmermädchen – Annas Traum vom Glück“

In den letzten Tagen habe ich „Trümmermädchen – Annas Traum vom Glück“ von Lilly Bernstein, einem offenen Pseudonym der Autorin Lioba Werrelmann gelesen. Der Roman ist 2020 als Ullstein Taschenbuch der Ullstein Buchverlage GmbH erschienen und als historischer Roman / historische Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag und die vermittelnde Agentur Literaturtest für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

Köln, 1941. Anna wächst bei ihrer Tante Marie und ihrem Onkel Matthias auf, einem Bäckerehepaar. Das Mädchen liebt die Backstube über alles, besonders den großen Ofen aus Vulkanstein. Doch mit dem Krieg kommt das Unglück: Matthias wird eingezogen und die Bäckerei bei Luftangriffen zerstört. Während Köln in Trümmern liegt und vom kältesten Winter des Jahrhunderts heimgesucht wird, schließt Anna sich in ihrer Not einer Schwarzmarktbande an und steigt zur gewieftesten Kohlediebin der Stadt auf. Als sie am wenigsten damit rechnet, verliebt sie sich – eine verbotene Liebe mit gefährlichen Folgen. Von Kälte, Hunger und Neidern bedroht, halten Anna und ihre Tante verzweifelt an dem Traum fest, die Bäckerei wiederaufzubauen. Und an der Hoffnung, dass die Männer, die sie lieben, irgendwann zu ihnen zurückkehren.

Mit „Trümmermädchen“ legt Lilly Bernstein einen sehr atmosphärischen Roman vor, der in einem beklemmenden, aber sehr guten Setting das Köln zur Kriegs- und Nachkriegszeit porträtiert. Dabei gelingt es der Autorin, die Entbehrungen, die Verzweiflung und Ohnmacht der Bevölkerung greifbar, glaubhaft zu machen.

Die Handlung ist dabei über weite Strecken spannend, teils aber auch vorhersehbar und wirkt zuweilen konstruiert, was dem Mitfiebern mit den Protagonisten allerdings keinen Abbruch tut. Dabei gelingt es der Autorin, sich geschickt durch die Genres zu navigieren und einen historischen Roman vorzulegen, der aufgrund der kurzen erzählten Zeit nicht ganz Familiensaga, nicht ganz Schicksalsroman ist.

Die Protagonisten überzeugen im Wesentlichen, sind dreidimensional angelegt, haben Stärken, Schwächen, eigene Ziele und Motive. Insbesondere die Nebenrollen wie Hilde und Agnes glänzen hier, aber auch Anna gelingt es, den Roman auf eigenen Schultern zu tragen, während Marie etwas blass bleibt.

Lilly Bernsteins Schreibstil ist unaufgeregt und lässt sich leicht und flüssig lesen. Sie beschreibt nüchtern und präzise und ermöglicht es dem Leser, direkt ein Bild vor Augen zu haben, das das Kopfkino anlaufen lässt – auch wenn die auktoriale Erzählperspektive etwas Distanz zu den Charakteren schafft. Hier hätte man durchaus vielleicht noch etwas nachsteuern können.

Die Buchgestaltung ist sehr gut gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover ist wunderschön und zieht sich als Gesamtbild über den kompletten Buchumschlag, der zudem auf dem Titelbild, dem Buchrücken und der Coverrückseite hochwertig geprägt ist. Lediglich die Coverinnenseiten hätte man, wenn man sie schon farbig gestaltet, besser nutzen können.

Mein Fazit? „Trümmermädchen – Annas Traum vom Glück“ ist ein sehr starker historischer Roman, der vor allem durch ein tolles Setting und eine atmosphärische Geschichte punktet. Leichte Schwächen in der Handlung schmälern dabei das Lesevergnügen in keinster Weise. Für Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen!