[Buchgedanken] Katherine Black: „May Morrigans mysteriöse Morde: Eine Buchhändlerin greift durch“ (May Morrigan 1)

Vor kurzem habe ich auch „May Morrigans mysteriöse Morde: Eine Buchhändlerin greift durch“ von Katherine Black gelesen, die Übersetzung stammt von Dr. Dietmar Schmidt. Das Buch ist 2024 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG erschienen und als Kriminalroman einzuordnen, die Originalausgabe wurde im Jahr 2023 unter dem Titel „A Most Unusual Demise“ bei Bloodhound Books veröffentlicht. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die verlagseigene Bloggerjury.

May Morrigan, Bibliothekarin a. D., trägt bevorzugt Perlenkette und Pastell, ihr Herzensort ist ihre imposante Buchhandlung. Die alte Dame lebt in einem englischen Landidyll vor den Toren Londons, gemeinsam mit ihren beiden Dackeln und ihrem alten Studienfreund Fletcher. Ein beschauliches Leben – wäre da nicht Mays Hang, unliebsame Menschen aus dem Verkehr zu ziehen. Wer die Gemeinschaft stört, wird kurzerhand eliminiert. Als ein junges Mädchen aus dem Dorf verschwindet, ist ihr krimineller Ehrgeiz geweckt: Endlich scheint May einen würdigen Gegner gefunden zu haben. Wer steckt hinter der Entführung? Gab es weitere Fälle? Und kann sie den Täter noch vor der Polizei zur Strecke bringen ..?

„May Morrigans mysteriöse Morde: Eine Buchhändlerin greift durch“ ist der erste Teil der im Original derzeit zweibändigen Buchreihe um die pensionierte Bibliothekarin May, der auch 2021 für den Yeovil Literary Prize in der Kategorie „Roman“ nominiert wurde. Dabei lässt sich das Buch – wie auch auf dem Cover angegeben – dem Genre „Kriminalroman“ zuordnen, die eigentlich sehr übliche Eingruppierung als „Cosy Crime“, wenn man an Landhaus, England und pensionierte Laienermittlerinnen denkt, scheidet hier sehr offensichtlich aus.

Denn die Handlung ist durchaus spannend und sogar actiongeladen, auch wenn bei den „Gewaltszenen“ teils ausgeblendet wird. Auch schafft Katherine Black es, gelegentlich die Leser:innen durch unerwartete Wendungen in die Irre zu führen, die letztliche Auflösung der Verbrechen überrascht jedoch nicht. Zudem irritiert der Versuch des Buches, Sympathien für May zu wecken – hier hätte man doch eine klarere moralische und auch rechtliche Einordnung ihrer Taten vorfinden müssen – ich hoffe, dass dies spätestens im Folgeband nachgeholt wird und auch sie die Konsequenzen davon zu spüren bekommt.

Das Setting ist natürlich sehr gelungen, entführt die Autorin doch die Leser:innen vor die Tore von London in ein kleinstädtisches, ländliches Idyll mit Buchhandlung, Metzger und Gemeindeveranstaltungen. Dabei mischt Katherine Black diverse Themen wie Langeweile im Alter und Queerfeindlichkeit mit der Krimihandlung zu einem spannenden Konglomerat, das gleichzeitig auch als etwas überzeichnetes Porträt von Großbritannien dienen kann.

Die einzelnen Figuren sind dabei größtenteils vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei brillieren insbesondere Nebencharaktere wie Danny Fox, Suzy und Chloe, während May teils – offensichtlich – nicht nachvollziehbar handelt. Katherine Blacks Schreibstil lässt sich hierbei flüssig und leicht lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben im Wesentlichen sauber gearbeitet, der Buchumschlag ist mit farbigen – allerdings eintönigen – Coverinnenseiten versehen. Das Covermotiv ist durchaus ansprechend und passt zur Handlung, die Farbgebung wird auf der sonst eher unspektakulären Coverrückseite und dem Buchrücken wieder aufgegriffen. Abzuwarten bleibt, ob mit einem etwaigen Folgeband hier ein einheitlicher Reihengesamteindruck entstehen kann oder das Cover dafür doch zu individuell gestaltet ist.

Mein Fazit? „May Morrigans mysteriöse Morde: Eine Buchhändlerin greift durch“ ist ein gelungener Auftakt in die Krimireihe um die titelgebende May, der vor allem mit Spannung und einem tollen Setting überzeugt, gleichzeitig aber in der Hauptprotagonistin durchaus problematisch ist. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Ralf H. Dorweiler: „Der Herzschlag der Toten“ (Rieker/Ahrens 1)

Zu den Feiertagen habe ich vor meinem Urlaub noch eine Buchbesprechung für Euch. Denn vor kurzem habe ich auch „Der Herzschlag der Toten“ von Ralf H. Dorweiler gelesen. Das Buch ist 2024 im Wilhelm Goldmann Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als historischer Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Hamburg 1887. In einem Kontor wird die Leiche einer jungen Frau entdeckt, die mit zahllosen Messerstichen getötet wurde. Der Fall wird zur Bewährungsprobe für den frisch zum Criminalcommissar beförderten Hermann Rieker. Bei seinen Ermittlungen trifft er auf Johanna Ahrens, Tochter eines Richters, die heimlich arme Frauen im Gängeviertel unterrichtet. Da Johanna in der Toten eine ihrer Schülerinnen erkennt, stellt sie auf eigene Faust Nachforschungen an. Dabei lernt sie einen Totenfotografen kennen, dessen Anatomiekenntnisse eine entscheidende Wendung für den Fall bringen. Doch als ein weiterer Mord die Hafenstadt erschüttert, wird klar: Der Täter kann jeden Moment erneut zuschlagen …

„Der Herzschlag der Toten“ ist der erste Band der Krimireihe um Criminalcommissar (Schreibweise dem Buch entnommen) Rieker und Johanna Ahrens, Tochter eines Richters und Teil der Hamburger High Society. Dabei ist der Roman als historischer Kriminalroman einzuordnen, beschränkt sich hierbei aber nicht rein auf die Krimihandlung, sondern zeigt durchaus gesellschaftskritische und emanzipatorische Züge vor dem Hintergrund des damaligen Ständesystems und Rollenverständnisses.

Die Handlung generell ist jedoch sehr spannend und wartet durchaus mit unerwarteten Wendungen auf, auch wenn unüblich früh ein Täter präsentiert wird. Ein weiterer, kleiner Wermutstropfen ist der doppelte Cliffhanger am Ende – das hätte der Roman hier nicht (vor allem in dieser Vehemenz nicht) benötigt, ein Cliffhanger wäre schon mehr als genug gewesen. Abgesehen davon entwickelt sich das Buch jedoch, gerade in der zweiten Hälfte, zum wahren Pageturner, der einen nicht mehr loslässt.

Das Setting überzeugt auf ganzer Linie und lässt auf eine solide Recherche schließen. So entführt der Autor die Leser:innen ins Hamburg des endenden 19. Jahrhunderts, ins deutsche Kaiserreich zu Bismarcks Zeiten. Dabei gelingt es Ralf H. Dorweiler, die krassen Unterschiede zwischen Arm und Reich, Standesdünkel und damalige Gesellschaftsmodelle deutlich zu machen und zu kritisieren, ohne den Fluss der Handlung versiegen zu lassen. Insbesondere der Spagat zwischen einer selbstbestimmten Johanna und ihrem engen gesellschaftlichen Korsett ist hier gut aufgelöst.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Johanna ist hierbei die spannendste Figur, wenn sie auch nicht immer überzeugend handelt, während Rieker und vor allem Anita durchaus in ihrer Komplexität brillieren können. Ralf H. Dorweilers Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen, legt aber – trotz gelegentlich dialektischer Anwandlungen – sicher einen stärkeren Fokus auf die Lesbarkeit als auf in allen (sprachlichen) Punkten historische Authentizität.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat haben im Wesentlichen sauber gearbeitet, der Buchsatz ist einfach, aber ordentlich. Das Covermotiv setzt sich gut über Buchrücken und Coverrückseite fort, sodass ein einheitliches Gesamtbild entsteht, insgesamt ist der Umschlag aber etwas zu düster und eintönig, um wirklich ein Eyecatcher zu sein. Auch ist das Covermotiv etwas beliebig und daher austauschbar, hier fehlt mir eindeutig der Bezug zur Handlung.

Mein Fazit? „Der Herzschlag ist der Toten“ ist ein überzeugender Start in die Reihe, der vor allem mit starken Figuren und einem brillanten Setting glänzen kann, dessen hochspannende Handlung auch nur kleinere Schönheitsfehler besitzt. Für Leser:innen des Genres daher bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von etwa 16 Jahren.

[Buchgedanken] Jeehyung Lee: „Gumaa 1: Ihr Ursprung“ (Gumaa 1)

Vor kurzem habe ich auch „Gumaa 1: Ihr Ursprung“ von Jeehyung Lee gelesen. Die Graphic Novel ist 2024 im Cross Cult Verlag erschienen, die Originalausgabe wurde ebenfalls 2024 bei Titan Comics, Titan Publishing Group, Ltd. veröffentlicht. Neben Jeehyung Lee wirkte auch Nabetse Zitro als Illustrator an dem Buch mit, für die Übersetzung zeichnet Denis Martynov verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Die junge Khalida flieht vor einem Drogensyndikat und entdeckt in einem längst verlassenen Tempel eine uralte Klinge. Mit deren Macht wird sie zur Göttin der Stadt und kontrolliert die Bürger durch dunkle Magie und Schrecken. Doch die Ereignisse werden aus dem Schatten heraus gegen sie manipuliert und Khalida wird selbst zur Zielscheibe. Eine actiongeladene Konfrontation wird das Gleichgewicht der Kräfte zwischen Himmel und Hölle für immer verändern und den uralten Krieg wiedererwecken …

„Gumaa 1: Ihr Ursprung“ ist mein erstes Werk von Jeehyung Lee und/oder Nabetse Zitro – und sorgt bereits vor dem Lesen für Verwirrung, wird es doch konsequent, unter anderem auf Verkaufsportalen oder bei Lovelybooks, teils als „Gumaa 1: Der Ursprung von ihr“ betitelt – ich habe es dennoch hier mal bei dem auf dem Cover befindlichen Aufdruck belassen (auf den frühen Coverbildern – siehe oben – fehlt generell die Bezeichnung des Bandes). Das Werk lässt sich dabei relativ deutlich als Graphic Novel einordnen, wenn man es genauer kategorisieren will, bietet sich auch die Eingruppierung als Paranormal Suspense oder als dystopische Fantasy, als Fantasy Thriller Noir an. So oder so – es ist jedenfalls düster.

Die Handlung ist durchaus spannend und abwechslungsreich, sehr rasant, teils aber auch etwas verwirrend und oberflächlich. Dabei werden zudem die beiden Zeitebenen, in denen die Geschichte hier erzählt wird, nicht immer klar abgegrenzt und sofort angezeigt, was ebenfalls zu kleineren Unsicherheiten führt. Sonst bietet der Auftaktband eine Handlung, die durchaus nach mehr lechzt. Aufgrund der relativ düsteren, relativ brutalen und schonungslosen Darstellung, ist hier allerdings auch zwingend der Altersempfehlung des Verlags zu folgen, die die Graphic Novel für Leser:innen ab 16 Jahren empfiehlt.

Das Setting ist – erwartbar – düster. So entführt Jeehyung Lee die Leser:innen nach Melanfield, eine nicht näher lokalisierte Metropole in den Jahren 1984 und 1999, die wechselseitig von einem Drogenclan und einer religiösen Heilsgemeinschaft beherrscht und unterdrückt wird. Gerade beim Weltenbau, beim Magiekonzept, bei der zugrundeliegenden Mythologie besteht hier aus meiner Sicht aber noch großer Nachholbedarf – das muss sich in den nächsten Bänden noch bessern. Auch sind die Figuren relativ schematisch, fast holzschnittartig angelegt – auch hier kann diesen in den nächsten Folgen noch mehr Tiefe verliehen werden.

Die Illustrationen, die Zeichnungen von Jeehyung Lee und Nabetse Zitro hauchen der Geschichte hier Leben ein, sorgen für eindrucksvolle Impressionen und wirken nach, sind teils aber auch – gerade in Zusammenhang mit der Geschichte – hektisch und verwaschen. Etwas irritierend sind auch die hier gesetzten Soundeffekte/Lautmalereien/Onomatopoesien, die fast zu vielseitig, fast zu kreativ einfach wild in rauer Menge gebildet werden und dadurch fast etwas vom Rest ablenken.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist teils etwas hektisch, insgesamt ist die Kombination aus Bild und Text aber wunderschön. Der Umschlag ist mit farbigen Coverinnenseiten versehen, der Kontrast zwischen dem Cover und der Coverrückseite, die sich auch krass vom Buchrücken absetzt, allerdings sehr ungewöhnlich. Auch ist das Cover sehr düster und eher kein Eyecatcher, einige der hinten gezeigten Cover(-entwürfe?) sind da deutlich aufsehenerregender. Toll jedoch, dass im Nachgang zur Geschichte noch weitere Entwürfe und Skizzen gezeigt werden, die die Leser:innen am Entstehungsprozess der Graphic Novel teilhaben lassen.

Mein Fazit? „Gumaa 1: Ihr Ursprung“ ist eine ambitionierte, sehr düstere Graphic Novel, die mit tollen Zeichnungen und einer spannenden Handlung glänzen kann, teils dabei aber etwas den Faden und die Übersicht verliert und noch Nachholbedarfe beim Weltenbau und bei den Figuren besitzt. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag vorgeschlagenen Lesealter von nicht unter 16 Jahren.

[Buchgedanken] Kai Bliesener: „Hotel Silber – neue Zeit, alte Schuld“ (Hotel Silber 1)

In der letzten Zeit habe ich auch „Hotel Silber – neue Zeit, alte Schuld“ von Kai Bliesener gelesen. Das Buch ist 2024 in der Emons Verlag GmbH erschienen und als historischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Stuttgart 1945. Der Polizeibeamte Paul Kramer muss mithelfen, im berüchtigten Hotel Silber die neue Kriminalpolizei aufzubauen – genau an jenem Ort, an dem er wenige Tage vor Kriegsende noch von der Gestapo gefoltert wurde. Doch Hass und Ideologie sind mit der Kapitulation nicht verschwunden. Als die ersten Verbrechen aufgeklärt werden müssen, zeigt sich schnell, wer auf welcher Seite steht – und Pauls Ermittlungen werden für ihn selbst zur Gefahr.

„Hotel Silber – neue Zeit, alte Schuld“ ist – potentiell – der Auftakt einer Buchreihe um den Aufbau der Kriminalpolizei im Stuttgart der Nachkriegszeit. Dabei wird das Buch als historischer Kriminalroman beworben – und das Genre auch auf dem Cover angegeben. Meines Erachtens ist zumindest dieser Band jedoch eher als historischer Roman zu bewerten, porträtiert er doch die Epoche, führt die Figuren – auch mit komplexen Hintergrundgeschichten – ein und verschiebt so den Fokus weg von den beiden Kriminalfällen, die auch nicht in Gänze zu Ende erzählt werden. Es bleibt jedoch durchaus möglich, es erscheint sogar wahrscheinlich, dass durch die potentiellen Folgebände die Reihe sich insgesamt mehr in Richtung historischer Kriminalromane entwickelt – und dieser Band dann in seiner Funktion als Auftaktband, als Exposition vor allem Figuren, Atmosphäre und Setting für die Leser:innen greifbar und sichtbar macht.

Generell ist die Handlung jedoch durchaus abwechslungsreich und spannend – und natürlich aufgrund der Themen durchaus schonungslos brutal, beklemmend und bedrückend. Natürlich sollte es jedem klar sein, worauf man sich bei Büchern über diese Epoche einlässt – es hätte dennoch nicht geschadet, dem Roman vielleicht Content Notes hintenanzustellen. Etwas schade finde ich es zudem, dass der Roman etwas unbefriedigend offen endet, auch wenn das natürlich wieder die Probleme der Zeit verdeutlicht, umfassend und konsequent die Täter des Nationalsozialismus zu verfolgen.

Das Setting ist – erwartbar – brillant. So entführt der Autor die Leser:innen ins Stuttgart der letzten Kriegstage und in die unmittelbare Nachkriegszeit zwischen Hunger, Wiederaufbau und zarten, ersten Bestrebungen der Demokratisierung. Dabei gelingt es Kai Bliesener, die bedrückende Atmosphäre, die Hoffnungslosigkeit der Insassen im Hotel Silber für die Leser spürbar zu machen – auch durch die eingestreuten Perspektivwechsel in die Tätersicht. Gern hätte ich hier noch etwas mehr über den täglichen Überlebenskampf in der Nachkriegszeit gelesen – aufgrund der sehr privilegierten Lage von Hilde und Paul wird hier das Bild etwas verzerrt, durch die Szenen im Lager der Displaced Persons aber etwas relativiert.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive, sind aber aufgrund der Kürze des Romans auch durchaus noch mit Entwicklungspotentialen für die Folgebände versehen. Hierbei überzeugen insbesondere Hilde und wichtige Nebenfiguren wie Lemke und Thiele, während gerade den Antagonisten aus meiner Sicht noch etwas die Tiefe und Komplexität fehlt, um diese nicht nur zu dämonisieren. Kai Blieseners Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen, das Kopfkino sofort anlaufen und zeugt von guter Recherche.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind zwar Kleinigkeiten durchgerutscht, diese schmälern aber das Lesevergnügen kaum, der Buchsatz ist ordentlich. Der Buchumschlag ist relativ düster und eintönig, das passt aber gut zur Stimmung und Atmosphäre des Buches, die typographische Gestaltung brilliert. Das Covermotiv passt gut zur Handlung, wird jedoch leider zum Buchrücken hin abrupt unterbrochen. Auf die eindeutige Positionierung des Autors im Nachwort hätte ich zudem verzichten können – sie ist m.E. auch unnötig, steht das Buch doch mit seinem Grauen bereits für sich als Mahnmal und macht weitere Erklärungen überflüssig.

Mein Fazit? „Hotel Silber – neue Zeit, alte Schuld“ ist ein bedrückender historischer Roman, der vor allem mit seinem Setting und einer durchaus spannenden Handlung glänzt, dabei aber auch kleinere Schwächen aufweist und genug Entwicklungspotential für Folgebände bietet. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Markus Heitz: „Die Legenden der Albae – Dunkles Erbe“ (Albae 6)

In der letzten Zeit habe ich auch „Die Legenden der Albae – Dunkles Erbe“ von Markus Heitz gelesen. Das Buch ist 2024 im Knaur Verlag in der Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG erschienen und als High Fantasy einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

In den Ruinen des untergegangenen Dsôn Khamateion will Künstler Amânoras die toten Albae heimlich mit Denkmälern ehren und deren rastlose Geister beruhigen. Als Zwerge ihn entdecken, steht plötzlich nicht nur sein eigenes Leben auf dem Spiel. Bald muss er entscheiden: Was ist der Preis für Kunst? In Brandenwall leben Albae, die uralten Traditionen folgen, heimlich unter den Menschen und hegen eigene Pläne zur Zukunft des Geborgenen Landes. Als ein Zwerg aufkreuzt, der sich zum Ziel gesetzt hat, die Dunkelelben aufzuspüren, müssen die Häuser der Albae gemeinsam eine Lösung finden. Doch sie sind in ihre Machtspiele verstrickt, und mittendrin steckt die junge Albin Sajùtoria. Gegen ihren Willen. Was vermag sie auszurichten? Dann gibt es noch den intriganten Elb Telìnâs, der seine eigenen Ziele verfolgt. Er scheint genau zu wissen, wie er das Erbe der Albae lenken kann. Aber dann laufen die Dinge überraschend aus dem Ruder. Wie kann er sich retten?

„Die Legenden der Albae – Dunkles Erbe“ ist der sechste Band der Reihe um die kunstsinnigen und tödlichen Albae aus der Feder von Markus Heitz, der in der gleichen Welt auch die Reihe über die Zwerge, Erzfeinde der Albae, geschrieben hat – und man fühlt sich sehr schnell wieder in der gewohnten Welt zuhause. Dabei ist der Roman, bzw. die ganze Reihe (beide sogar) dem Genre High Fantasy zuzuordnen, bewegen wir uns doch in einer eigens kreierten Welt mit umfassendem Weltenbau und Magiekonzept, auch wenn sich aufgrund der Charakterzüge der Albae auch die teils auf Verkaufsplattformen getroffene Einordnung als Dark Fantasy vertreten lassen könnte.

Die Handlung ist hochspannend und abwechslungsreich und kann auch mit der ein oder anderen unerwarteten Wendung überraschen. Dabei ist sie jedoch sehr fragmentarisch, die drei einzelnen Geschichten stehen kaum in Zusammenhang, insbesondere der erste Haupthandlungsstrang spielt für die fortschreitende Erzählung quasi keine Rolle mehr – ich hoffe, er wird in einem späteren Buch gegebenenfalls wieder aufgegriffen, sodass insgesamt leider relativ viele offene Enden verbleiben, die gleichermaßen aber genug Potential auch für Folgebände bieten.

Das Setting ist hingegen brillant. So entführt Markus Heitz die Leser:innen erneut in das Geborgene Land, in die Ruinen der alten Albae-Stadt, nach Brandenwall und an der Seite von Telinas kreuz und quer durch fast alle Reiche. Dabei überzeugt der immens aufwendige (und mittlerweile ja durch unzählige Bücher verfeinerte) Weltenbau, der auch durch wunderschöne Karten in den Coverinnenseiten und ein Glossar unterstützt wird. Auch das Magiekonzept ist gelungen, man merkt einfach, wie viel Arbeit und Liebe in dieser Welt steckt.

Die einzelnen Figuren sind durchaus vielschichtig, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei brillieren insbesondere Saju, Varai und Elawuen, man ertappt sich als Leser:in sogar kurzzeitig dabei, Sympathien für sie zu entwickeln, obwohl das eigentlich nicht möglich sein dürfte, bei den abgrundtief bösen Wesenszügen der Albae. Markus Heitz Schreibstil lässt sich zudem leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen – anfänglich kleinere Stolperer aufgrund der teils ungewohnten Namen nehmen mit fortlaufender Zeit rapide ab.

Auch die Buchgestaltung kann glänzen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben im Wesentlichen ordentlich gearbeitet, der Buchumschlag ist auf dem Cover, dem Buchrücken und der Coverrückseite hochwertig geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Das Covermotiv fungiert hier als wahrer Eyecatcher, der auf dem Buchrücken auch nochmal aufgegriffen wird, und sich zudem gut in die Reihe einpasst und so für einen hohen Wiedererkennungswert sorgt.

Mein Fazit? „Die Legenden der Albae – Dunkles Erbe“ ist eine gelungene Fortsetzung, die vor allem mit der Spannung, tollen Charakteren und dem atemberaubenden Setting brilliert, dabei aber etwas fragmentarisch und offen verbleibt. Für Leser:innen des Genres daher bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Elif Shafak: „Am Himmel die Flüsse“

In der letzten Zeit habe ich auch „Am Himmel die Flüsse“ von Elif Shafak gelesen. Der Roman ist 2024 in der Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG erschienen, die Originalausgabe wurde 2024 unter dem Titel „There are Rivers in the Sky“ bei Viking, Penguin UK veröffentlicht. Das Buch ist der Gegenwartsliteratur zuzuordnen, für die Übersetzung zeichnet Michaela Grabinger verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Narin ist neun, als in dem yezidischen Dorf am Tigris Planierraupen auftauchen. Ihre Heimat soll einem Dammbauprojekt der türkischen Regierung weichen. Die Großmutter, fest entschlossen, die Enkelin an einem ungestörten Ort taufen zu lassen, bereitet alles für die Reise ins heilige Lalisch-Tal vor. Kurz vor Aufbruch stößt Narin auf das Grab eines gewissen Arthur – direkt neben dem ihrer Ururgroßmutter Leila. Wer war dieser „König der Abwasserkanäle und Elendsquartiere“, der Junge aus dem viktorianischen London, von den Ufern der verschmutzten Themse? Und was hat er mit Narins eigener Vertreibung zu tun?

„Am Himmel die Flüsse“ ist mein erster Roman von der weltweit gefeierten Autorin Elif Shafak – und zeigt mir beeindruckend, warum sie mit Preisen überhäuft wird. Etwas irritierend auf Verkaufsplattformen teils als Coming-of-Age eingruppiert, würde ich den Roman vielmehr der Gegenwartsliteratur zuordnen, spricht er doch – trotz der auch historischen Aspekte – wichtige gesellschaftliche Themen und Problemkreise an und zeigt Parallelen zur Vergangenheit auf – alles vor dem Hintergrund der Klimakrise und der Geschichte des Wassers.

Die Handlung ist durchaus spannend und abwechslungsreich, wenn auch teils mit kleineren Längen versehen. Dabei wird die Geschichte im Wesentlichen in drei verschiedenen Handlungssträngen erzählt – den vierten, prologartigen, kann man hierbei vernachlässigen. Auch spielt die Handlung im Wesentlichen in zwei Zeitebenen, im viktorianischen England und – mehr oder weniger – in der Gegenwart 2014 bzw. 2018 und bildet nicht nur vergangene Ereignisse sondern auch wesentliche Entwicklungen der Jetztzeit ab. Elif Shafak mischt dabei gesellschaftlich wichtige Themen wie Organhandel, moderne Sklaverei, religiöse und ethnische Verfolgung und psychische Erkrankungen mit der Geschichte des Wassers und der Klimakrise zu einem gelungenen, monumentalen Gesamtkonstrukt.

Und auch das Setting kann dabei glänzen. So entführt die Autorin ihre Leser:innen in das heutige und das viktorianische London und in das gegenwärtige und vergangene Mesopotamien, genauer gesagt ins irakische Ninive und in die türkischen Gebiete am Tigris – inklusive eines kurzen Ausflugs ins Königreich von Assurbanipal. Dabei zeugen die Beschreibungen der Orte von einer ausführlichen Recherche, auch wenn Arthurs Reise fast noch präsenter, fast noch detaillierter hätte dargestellt werden können, um seine Eindrücke als Leser:in noch intensiver fühlen zu können.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei brillieren insbesondere Zaleekhah, Besma und Nen, während Arthur teils etwas blass verbleibt. Elif Shafaks Schreibstil ist hierbei unglaublich poetisch (ein Lob auch an die Übersetzung von Michaela Grabinger), lässt sich leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Auch die Buchgestaltung überzeugt größtenteils. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, die das Lesevergnügen kaum schmälern, der Buchsatz ist gelungen und wartet teils mit kleineren Abbildungen/Illustrationen auf. Eine Übersicht über die Reise eines Wassertropfens und umfangreiche Anmerkungen der Autorin runden die Geschichte ab – gern hätte ich mir hier auch noch eine Karte von Mesopotamien gewünscht. Das Covermotiv zieht sich gut über den kompletten Buchumschlag, der darüber hinaus auch noch mit farbigen, aber eintönigen Coverinnenseiten versehen ist. Allerdings ist das Covermotiv insgesamt zwar farblich stark, aber etwas zu simpel, um ein richtiger Eyecatcher zu sein.

Mein Fazit? „Am Himmel die Flüsse“ ist ein poetisch und atmosphärisch starker Roman der Gegenwartsliteratur, der wichtige Themen anspricht, dabei nur minimale Längen hat und somit Elif Shafaks Platz im Literaturolymp zementiert. Für Leser:innen ab 16 Jahren bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Ruben Laurin: „Die Löwin von Jerusalem“

Vor kurzem habe ich auch „Die Löwin von Jerusalem“ von Ruben Laurin, einem Pseudonym des Autors Thomas Ziebula gelesen. Der Roman ist 2024 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG erschienen und als historischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Israel, 1000 v. Chr. – Bathseba ist knapp sechzehn, als sie dem Menschen begegnet, der zu ihrem Schicksal werden soll: dem Hirtenjungen David. Vor den Toren Hebrons rettet sie ihm das Leben, und beide verlieben sich sofort ineinander. Doch Bathsebas Vater hat andere Pläne und zwingt seine Tochter, den groben Uriah zu heiraten, einen Offizier des Königs Saul. Voller Verzweiflung zieht David in den Krieg und steigt nach seinem Kampf gegen Goliath selbst zum König auf. Bathseba, gefangen in einer unglücklichen Ehe, kann jedoch ihren Traum von einem gemeinsamen Leben mit David nie vergessen – und fasst einen verzweifelten Plan, der sowohl ihren Tod als auch ihre Freiheit bedeuten könnte …

„Die Löwin von Jerusalem“ oder auch „Bathseba – die Freiheit war ihr Traum, König David ihr Schicksal“ ist ein historischer Roman, den der Autor Thomas Ziebula unter seinem Pseudonym Ruben Laurin veröffentlicht hat. Dabei hätte man das Buch auch als historische Romanbiografie einordnen können, aufgrund der aber doch auch teils von Bathsebas Leben entfernten Handlung, der unklaren Quellenlage und der auch teils geänderten, zentralen Aspekte ihres Lebens habe ich es bei der Eingruppierung als historischer Roman belassen.

Die Handlung ist durchaus spannend und abwechslungsreich, in Grundzügen bekannt, aber dennoch überraschend. Ruben Laurins Nacherzählung der berühmten Geschichte um David und Goliath, um die aus Leonard Cohens Hallelujah bekannte Bathseba, mischt dabei Fakt und viel Fiktion, ist (richtigerweise) schonungslos brutal, hat aber auch – gerade zu Anfang – kleinere Längen. Zudem irritieren die – nicht genau datierten – Zeitsprünge und vor allem die Ansprache des Lesers durch eine Art gottgleichen Erzähler, der als Vielzahl himmlischer Wesen (Engel?) in Erscheinung tritt.

Das Setting vermag hingegen vollends zu überzeugen. So entführt der Autor die Leser:innen in die Vergangenheit vor 3.000 Jahren, mitten hinein in die Kämpfe der israelischen Stämme gegen die Philister – und gegen sich selbst. Dabei bringt Ruben Laurin dem Leser eine Kultur näher, die zwar durch den Krieg geschaffen, durch das Schwert beherrscht wird, in der aber gerade die Propheten und Lehrer eine übergeordnete Stellung besitzen, die selbst Könige stürzt oder um den Verstand bringt – so wird (Bibel-)Geschichte lebendig gemacht.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere Rahel, Bathseba und Ahitofel, während gerade David etwas wankelmütig verbleibt und insbesondere Uriah etwas einseitig gestaltet worden ist. Ruben Laurins Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen, hat aber sicherlich auch in der Abwägung die Lesbarkeit der historisch authentischen Sprache vorgezogen (was nicht heißen soll, dass der Roman schlecht recherchiert ist).

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz sind nur Kleinigkeiten (insbesondere im letzten Drittel) durchgerutscht, die das Lesevergnügen nicht erheblich schmälern, auf die Kapitelüberschriften hätte man aber aus meiner Sicht durchaus verzichten oder sie durch Zeit- und oder Ortsangaben ersetzen können. Der Buchumschlag ist mit farbigen Coverinnenseiten versehen, die eine wunderschön gezeichnete Karte enthalten, die Geschichte wird zudem mit einer Dramatis Personae, einer Zeittafel und einem Glossar abgerundet, wobei man die Zeittafel auch eher ans Ende hätte setzen können. Das Covermotiv wird leider zum Buchrücken hin unterbrochen, insgesamt ist der Buchumschlag eher etwas eintönig und wird von dem großen, aber typographisch uneinheitlichen Titel beherrscht – unüblich fürs Genre, auch wenn das Covermotiv insgesamt durchaus zu überzeugen weiß, obwohl etwas der Bezug zur Handlung fehlt.

Mein Fazit? „Die Löwin von Jerusalem“ ist ein atmosphärischer historischer Roman, der Bathsebas Geschichte neu erzählt und dabei mit einem tollen Setting und einer durchaus spannenden Handlung glänzt, aber auch einige Schwächen hat. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen – allerdings nicht unter einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Kristin MacIver: „Der Mut der Lady Leaf“ (Celtic Dreams 3)

Vor kurzem habe ich auch „Der Mut der Lady Leaf“ von Kristin MacIver gelesen. Das Buch ist 2024 im Knaur Verlag in der Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG erschienen und als historischer Liebesroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Schottland 1487: Leaf MacKay vertraut sich selbst und sonst niemandem. Nun soll ausgerechnet sie ihren erbitterten Feind Lennox heiraten, um die jahrelange Fehde mit Clan Ross zu beenden. Der drohende Verlust ihrer Unabhängigkeit treibt sie immer stärker in die Nähe des düsteren Schmieds Grey, der ihr im Kampf gegen Lennox zur Seite steht. Und dann ist da noch Leafs bester Freund und Adoptivbruder Artair, der nicht nur mit seiner unbekannten Herkunft, sondern vor allem mit seinen Gefühlen für Leaf ringt. Doch die Wunden der Vergangenheit sind tief, und Leaf muss eine Entscheidung treffen: Glaubt sie an die wahre Liebe? Oder nur an sich selbst? Hin und her gerissen zwischen ihrem Bedürfnis nach Schutz und ihrer Sehnsucht nach Liebe droht sie alles zu verlieren.

„Der Mut der Lady Leaf“ ist der dritte Band der Celtic-Dreams-Reihe, von der ich bislang den ersten Teil „Der Traum der Lady Flower“ gelesen habe. Während ersteres für mich noch klarer ein historischer Liebesroman war, verschiebt sich in diesem Buch das Genre stärker zur Historical Romance – und so wird das Buch vom Verlag auch als Kombination von beidem als „historischer New-Adult-Liebesroman“ beworben, da uns durchaus einige pikante Sexszenen erwarten. Zur Harmonisierung mit den restlichen Büchern der Reihe habe ich es dennoch hier auch bei der Eingruppierung als historischer Liebesroman belassen – kleinere Argumente fänden sich auch für eine historische Familiensaga oder generell für einen historischen Roman. Das Buch lässt sich zudem gut als Standalone lesen (mir fehlen ja auch die Ereignisse des zweiten Bandes), insgesamt würde ich aber aufgrund der Kontinuität der Geschehnisse und der Hintergrundgeschichten der Figuren dafür plädieren, alle Bände in der vorgegebenen Reihenfolge zu lesen, um das Lesevergnügen vollends auszuschöpfen.

Die Handlung ist durchaus spannend und abwechslungsreich, teils vorhersehbar, teils aber auch mit unerwarteten Wendungen versehen. Gerade im ersten Drittel hat das Buch jedoch auch kleinere Längen – und auch das Ende vermochte mich nicht vollends zu überzeugen und war etwas antiklimaktisch. Insgesamt fokussiert sich die Handlung viel deutlicher als im ersten Band auf das Love Triangle, hier konnten die Stärken des ersten Bandes nicht so umgesetzt werden. Gut gefallen hat mir jedoch, dass mit fortschreitender Handlung auch Artair eine Hintergrundgeschichte verpasst bekam.

Das Setting ist weiterhin brillant. So entführt die Autorin die Leser:innen – wenig überraschend – erneut ins Schottland am Ende des 15. Jahrhunderts, mitten hinein in eine blutige Fehde, die das Clansystem der damaligen Zeit mehr als verdeutlicht. Dabei spielen in diesem Band dynastische Politik, Ränkespiele und familiäre Verflechtungen eine noch stärkere Rolle, während der historische Hintergrund mehr zur wirklichen Kulisse verkommt – was der Spannung aber keinen Abbruch tut.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei überzeugt Leaf – meine Lieblingsschwester aus dem ersten Band – weiterhin, aber auch Lennox und Skye, von der ich gern noch mehr lesen würde, können brillieren, lediglich Gregor verbleibt etwas eindimensional. Kristin MacIvers Schreibstil ist dabei leicht und flüssig zu lesen, stellt Lesbarkeit im Zweifel über historische Authentizität und lässt das Kopfkino sofort anlaufen.

Auch die Buchgestaltung kann größtenteils glänzen. Lektorat und Korrektorat sind zwar Kleinigkeiten durchgerutscht, die das Lesevergnügen aber nicht schmälern, der Buchsatz ist solide. Der Umschlag ist mit Klappen und toll gestalteten, farbigen Coverinnenseiten versehen, das Covermotiv ist ein Eyecatcher, dem leider etwas der Bezug zur Handlung fehlt – und leider wird das Cover auch wieder zum Buchrücken hin krass unterbrochen. Insgesamt passt sich das Buch aber gut ins einheitliche Erscheinungsbild der Reihe ein.

Mein Fazit? „Der Mut der Lady Leaf“ ist eine größtenteils gelungene Fortsetzung der Reihe um die MacKay-Schwestern, die vor allem mit tollen Charakteren und einem brillanten Setting punkten kann, aber auch kleinere Schwächen in der Handlung hat. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Lucia Jay von Seldeneck: „Komm tanzen!“

Vor kurzem habe ich auch „Komm tanzen!“ von Lucia Jay von Seldeneck gelesen. Der Roman ist 2024 im GOYA Verlag in der JUMBO Neue Medien & Verlag GmbH erschienen und als Gegenwartsliteratur einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Die langen Tische auf der Wiese, die Luft voller Flieder und der Wannsee in der Abendsonne. Alles ist perfekt. Cora und Robbie haben eingeladen, und alle sind gekommen: die Schwester Lotte und der alte WG-Freund Tom, die beste Freundin Marta und natürlich Bulle. Und Claire, die neu in Berlin ist. Doch als die Freunde hinausfahren, hinaus auf den nachtschwarzen Wannsee, kommt alles anders. Was da über sie hereinbricht, reißt ihnen allen den für so felsenfest gehaltenen Boden unter den Füßen weg. Es ist ein Atemstocken mitten in der Nacht. Nur um am Ende feststellen zu müssen: Ihre Katastrophe war nur der Nebenschauplatz.

„Komm tanzen!“ ist ein Roman, der sich nicht ganz leicht einem Genre zuordnen lässt. Es ist durch den abgeschotteten Schauplatz und den begrenzten Personenkreis eine Art Kammerspiel, ist ein Panorama eines Abends unter Freunden, der in einer Katastrophe endet. Auf Verkaufsportalen als Gesellschaftsroman, als Coming-of-Age eingeordnet, würde ich das Buch jedoch eher der Gegenwartsliteratur zuordnen, da es für mich den Bogen spannt zwischen den Personen hin zu wichtigen gesellschaftspolitischen Fragestellungen.

Die Handlung ist durchaus abwechslungsreich und spannend und wird aus der Ich-Perspektive von Charlotte erzählt, wodurch das Ende relativ abrupt – und dann letztendlich auch sehr offen gestaltet wird, was der Erzählung aber keinen Abbruch tut. Jedoch fehlt der Geschichte etwas die Stringenz, verliert sich die Protagonistin doch oft in Erinnerungen und Rückblenden und unterbricht somit die Erzählung des Abends. Auch wird das Ende teils durch den Prolog (hier als 0. Kapitel bezeichnet) vorweggenommen, was die Spannung etwas trübt – und insgesamt ist der Roman etwas vorhersehbar.

Das Setting ist gelungen. So entführt uns die Autorin an das Ufer des Berliner Wannsees in den Garten einer Villa, zu einer eskapistischen Party unter Freunden – und zuletzt auch auf den See hinauf. Der Roman, dessen Handlung im Wesentlichen nur eine Nacht andauert, spricht dabei auch Themen wie Klimawandel, Hochsensibilität, Freundschaft und Familienbande an, feiert das Leben und regt doch zum Nachdenken an.

Die einzelnen Figuren sind – aufgrund der Kürze des Romans – teils nur schematisch ausgestaltet, haben dennoch durchaus Stärken und Schwächen. Dabei überzeugt mich Claire am meisten, während auch Cora und Bulle glänzen können. Charlotte bleibt teils jedoch etwas blass, auch der Wandel am Ende ging mir etwas zu abrupt, etwas zu schnell. Lucia Jay von Seldenecks Schreibstil lässt sich hierbei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben unauffällig gearbeitet, der Buchumschlag ist simpel, aber immerhin werden Cover und Coverrückseite zum Buchrücken nicht unterbrochen, sondern nur leicht farblich abgeschwächt. Insgesamt ist aber auch das Covermotiv eher eintönig und kein Eyecatcher, stilisiert wird jedoch durchaus der Bezug zur Handlung durch den Verweis auf das Wasser deutlich sichtbar.

Mein Fazit? „Komm tanzen!“ ist ein durchaus atmosphärischer Roman der Gegenwartsliteratur, der mit seinem Setting und dem Eskapismus glänzt, aber auch leichte Schwächen in der Handlung hat. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Isabel Kritzer: „London Royals. Der Kronprinz“

In den letzten Tagen habe ich auch „London Royals. Der Kronprinz“ von Isabel Kritzer gelesen. Der Roman ist 2024 bei Impress in der Carlsen Verlag GmbH erschienen und dem Genre New Adult Romance zuzuordnen, das mir vorliegende Exemplar entstammt der Schmuckausgabe von Buchmädchen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an Isabel für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars als Teil ihres Bloggerteams.

Als die Tänzerin Solace River in einem Londoner Nachtclub auf den mysteriösen DJ KiNG trifft, ahnt sie nicht, wie sehr sein Name Programm ist. Eingeengt von seinen royalen Pflichten und den damit verbundenen Erwartungen, führt der charmante Kronprinz nachts ein wildes Doppelleben, welches unter keinen Umständen auffliegen darf, wenn er seinen bereits dürftigen Ruf nicht völlig ruinieren möchte. Ausgerechnet Solace führt den bekanntesten Social-Media-Account der Stadt und könnte Kings Identität mit nur einem Post offenlegen. Als sich ihre Wege immer wieder kreuzen, wird aus anfänglicher Faszination bald mehr. Doch schafft es Solace, ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen und kann King sein Misstrauen überwinden? 

„London Royals. Der Kronprinz“ ist der neue Roman von Isabel Kritzer, den ich vorab testlesen und dessen Release ich im Bloggerteam von Isabel unterstützen durfte – die Rezension erfolgt natürlich unvoreingenommen und im Hinblick auf das nunmehr final vorliegende Buch. Dabei handelt es sich um einen in sich abgeschlossenen Einzelband, der allerdings durchaus Potential für weitere Teile bieten würde, und um einen Roman, der sich relativ leicht dem Genre „New Adult Romance“ zuordnen lässt, erfüllt er doch alle Genrevorgaben und bietet spannende Tropes wie „Forbidden Love“.

Die Handlung ist durchaus spannend und abwechslungsreich, teils natürlich genrebedingt vorhersehbar, aber insgesamt sehr unterhaltsam und – in einigen Szenen – sehr heiß, sodass man einfach nur so durch die Seiten fliegt, ein wahrer Pageturner. Und auch wenn der zum Schluss noch eingefügte Epilog das Ende fast etwas zu kitschig aussehen lässt (gegebenenfalls hätte man einfach nach dem letzten Kapitel aufhören können), trübt dies das Lesevergnügen doch in keiner Weise, freut man sich doch mit Sol und Liron, auch wenn ich viel lieber Poppy und Rosie noch ein Happy-End spendiert hätte.

Das Setting ist naturgemäß traumhaft. So entführt die Autorin die Leser:innen nach London, in eine Stadt, die geprägt ist von Kunst und royaler Tradition, nimmt sie mit ins Royal Opera House und in städtische Hotspots, die danach schreien, selbst erkundet zu werden – die Liebe zu London scheint hier durch jede Seite durch. Dabei vermischt Isabel Kritzer wichtige Themen wie Selbstbestimmung, Freundschaft und – natürlich – Kunst zu einem tollen Gesamtpaket, wobei ich mir hier noch mehr zu der Zeit auf der Guildhall gewünscht hätte, gern noch mehr mit den Drama Queens die schönen Künste erkundet hätte.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Neben den durchaus tollen Hauptcharakteren überzeugen mich hier vor allem Poppy und Rosie – selten passiert es, dass ich mich in mehrere (Neben-)Charaktere quasi schockverliebe. Daher würde es mich unglaublich freuen, irgendwann noch mehr von ihnen zu lesen, vor allem Poppy hat einen ganz speziellen Platz in meinem Leserherzen erobert. Isabel Kritzers Schreibstil lässt sich zudem leicht und flüssig lesen und das (spicy) Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung überzeugt größtenteils. Lektorat und Korrektorat sind zwar einige (kleinere) Fehler durchgerutscht, der Buchsatz hingegen ist wirklich schön, der Einbau von Chatnachrichten mit Emojis durchaus innovativ. Das Cover ist genretypisch gestaltet, kann aber mit der Farbgebung glänzen und wirkt sehr edel, auch wenn Prägungen und/oder farbige Coverinnenseiten das bereits hochwertige Gesamtprodukt sicherlich noch abgerundet hätten. Der (dreiseitige) Farbschnitt der Exklusivausgabe greift das Thema des Buches und die Farbgebung des Covers auf und setzt diese toll um.

Mein Fazit? „London Royals. Der Kronprinz“ ist ein New Adult Pageturner, der mit einer abwechslungsreichen Handlung und einem unglaublichen Setting brilliert – und durchaus heiße Sexszenen liefert. Für Leser:innen des Genres daher bedenkenlos zu empfehlen – allerdings erst ab dem vom Verlag vorgeschriebenen Lesealter von 16 Jahren.