Heute habe ich wieder einmal zwei tolle Neuzugänge für Euch, die mich in den letzten Tagen erreichten. „Hinters Licht“ von Asa Avdic (Arche Verlag in der Atrium Verlag AG) erreichte mich dabei als Rezensionsexemplar im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de, „Sommerhimmel über dem Möwenhof“ von Frida Jacobsen (Aufbau Taschenbuch, Aufbau Verlage GmbH & Co. KG) als Leseexemplar direkt von der Autorin mit einem wundervollen Beutel – vielen Dank jeweils dafür. „Hinters Licht“, ein von Stefanie Werner aus dem Schwedischen übersetzter Roman, spielt hierbei im Grenzbereich zwischen Wissenschaft und Spiritualität und versucht, die gegensätzlichen Pole zu verbinden, während „Sommerhimmel über dem Möwenhof“ der erste Roman von Frieda Bergmann unter dem neuen Pseudonym bei den Aufbau Verlagen ist und die Leser:innen nach Sankt Peter-Ording entführt. Ich bin auf beide Romane gleichermaßen gespannt und freue mich schon auf die gedanklichen Lesereisen.
Wohin würdet Ihr gern – gedanklich oder in echt – reisen?
Vor kurzem habe ich auch „Eddas Aufbruch“ von Beate Rösler gelesen. Das Buch ist 2024 bei Aufbau Taschenbuch in der Aufbau Verlage GmbH & Co. KG erschienen und als historische Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.
Um der Enge ihres autoritären Elternhauses zu entkommen, geht die 19-jährige Edda als Au-pair nach Paris. In einer politisch aufgeheizten Zeit verliebt sie sich in den Studenten Marcel, der neue Fragen in ihr weckt: Auf welcher Seite standen ihre Eltern in den Jahren des Nationalsozialismus? Zurück in Frankfurt am Main konfrontiert sie ihren Vater, doch dieser hüllt sich in Schweigen. Erst als Edda alte Feldpost im Schlafzimmer ihrer Mutter entdeckt, kommt sie den Ereignissen der Vergangenheit auf die Spur. Was sie herausfindet, stellt nicht nur ihre Beziehung zu Marcel auf die Probe. Edda muss sich zudem entscheiden, wie weit sie für Gerechtigkeit gehen will …
„Eddas Aufbruch“ ist eine sehr lose Fortsetzung des Vorgängerromans der Autorin („Helenes Versprechen“) – zumindest trifft man hier teils auf bekannte Charaktere. Dabei sind die Romane jedoch jeweils als Standalone lesbar und angedacht, die Hinweise auf die Verbindungen ergaben sich für mich überhaupt nur durch den Austausch mit der Autorin. „Eddas Aufbruch“ lässt sich zudem nicht ganz einfach einem Genre zuordnen. Auf Verkaufsportalen teils eingruppiert als „Coming of Age“ habe ich mich aufgrund der Erforschung der familiären Vergangenheit dennoch für die Kategorisierung als Familiensaga entschieden – als „historische Familiensaga“ um genau zu sein, da die Handlung zudem mehr als 50 Jahre in der Vergangenheit spielt.
Apropos Handlung: Diese ist durchaus spannend und abwechslungsreich und wartet immer mal wieder mit der ein oder anderen unerwarteten Wendung auf. Gleichsam ist sie auch Produkt der erzählten Zeit, dennoch hätte ich mir trotz des jugendlichen Leichtsinns von Edda durchaus einen reflektierteren Blick auf die Verbrechen und Anfänge der RAF gewünscht – oder zumindest eine historische Einordnung in einem Nachwort. Auch sind mir die Handlungsübergänge zwischen den Sinnabschnitten teils etwas drastisch. So werden hier gelegentlich Probleme aufgeworfen und sind im nächsten Abschnitt bereits gelöst – dabei ist durchaus manchmal auch der Weg das Ziel, hier hätte man noch eine rundere Geschichte und Charakterentwicklung schaffen können.
Das Setting kann dahingegen völlig begeistern. So entführt die Autorin den Leser in die ausgehenden 60er Jahre zum Besuch des Schahs nach Berlin, in ein Paris der Studentenproteste und ein gutbürgerliches Frankfurter Elternhaus – kurz: in eine Welt im Umbruch mit krassen Gegensätzen, die hier durchaus deutlich werden. Dabei gelingt es Beate Rösler den schmalen Grat zwischen antiautoritärer Opposition und Radikalisierung greifbar zu machen – sie lässt ihre Figuren diesen nämlich regelmäßig überschreiten, sodass man ihnen teils auch kein Happy End mehr gönnt.
Diese Figuren sind somit durchaus auch komplex und vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei überzeugen vor allem wichtige Nebenrollen wie Ariane und Florence, während gerade Marcel etwas blass verbleibt und nicht nachvollziehbar handelt – aber vermutlich ist für viele Leser heute die damalige Radikalität nicht mehr wirklich verständlich. Beate Röslers Schreibstil hingegen lässt sich gut und flüssig lesen, das Kopfkino sofort anspringen und balanciert gut zwischen historischer Authentizität und der Lesbarkeit.
Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz ist ebenfalls ordentlich. Das Covermotiv zieht sich gut über Buchrücken und Coverrückseite, sodass ein tolles Gesamtbild entsteht, ist dabei durchaus auch ansehnlich, aber austauschbar beliebig. Gern hätte ich mir – wie oben angedeutet – auch ein ausführlicheres Nachwort gewünscht, das das Zeitgeschehen in den größeren historischen Kontext einordnet.
Mein Fazit? „Eddas Aufbruch“ ist eine im Wesentlichen überzeugende historische Familiensaga, die wichtige Themen und Fragen anspricht und aufwirft, aber auch kleinere Schwächen hat. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.
Vor kurzem trudelten zwei historische Romane als Rezensionsexemplare bei mir ein. „Der Traum der Lady Flower“ von Kristin MacIver kam dabei nach Rezensionsanfrage über den Knaur Verlag, Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG zu mir, während mich „Eddas Aufbruch“ von Beate Rösler (Aufbau Taschenbuch, Aufbau Verlage GmbH & Co. KG) im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de erreichte. Beide Romane entführen den Leser dabei in frühere Zeiten – einmal in die nahe (1960er), einmal in die ferne (1485) Vergangenheit. Ich bin schon ganz auf die Reisen in die vergangenen Epochen gespannt!
In welche Zeit würdet Ihr gern einmal (gedanklich) reisen?
Vor kurzem habe ich „Beethovens Geliebte“ von Claudia Romes gelesen, den elften Band der von verschiedenen AutorInnen verfassten, unzusammenhängenden Reihe über außergewöhnliche Frauen der jüngeren Geschichte. Das Buch ist 2022 bei aufbau taschenbuch, Aufbau Verlage GmbH & Co. KG erschienen und als historische Romanbiografie einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.
Bonn, 1790: Im Zehrgarten am Marktplatz dreht sich alles um die Kunst – und mittendrin: die neunzehnjährige Tochter der Wirtin, die in ihren Salons die wichtigsten Männer der Stadt um sich versammelt. Wenn es nach ihrer Mutter ginge, würde Babette Koch am besten einen Fürsten heiraten, aber seitdem der junge Ludwig van Beethoven aus Wien zurück ist, fühlt sich Babette immer mehr zu ihrem Kindheitsfreund hingezogen. Doch ein schlechter Ruf eilt dem Musiker voraus, so gilt er nicht nur als talentiert, sondern auch als äußerst flatterhaft.
„Beethovens Geliebte“ ist ein historischer Roman, eine Romanbiografie über Babette Koch, auch wenn die Quellenlage über ihre Jugendjahre doch relativ dünn ist, sodass hier viel Fiktion auf wenige, gesicherte Fakten trifft, insbesondere, was die Beziehung Babettes zu Ludwig betrifft – ein Verhältnis, was die Autorin höchstspekulativ aber doch im Rahmen des Möglichen ausgestaltet.
Die Handlung ist durchaus abwechslungsreich, wenn auch teils vorhersehbar und mit einigen, kleineren Längen versehen. Claudia Romes mischt dabei den historischen Beginn der Aufklärung durch die französische Revolution mit Bonner Stadtgeschichte und dem Wirken des jungen Beethovens und macht die Ereignisse anhand der Auswirkungen auf die Familie Koch für die Leser erlebbar. Hierbei ist der Schreibstil der Autorin gut und flüssig lesbar, authentisch und zeugt von einer im Rahmen der Möglichkeiten hinreichend guten Recherche.
Das Setting vermag hingegen zu überzeugen. So zeichnet Claudia Romes das Porträt einer zwar monarchistischen, aber doch fortschrittlichen Stadt Bonn, einem Mekka für Kunst, Aufklärung und Freiheit, das den Spagat zwischen fortschrittlichen Ideen und alten Traditionen wagt und in dem Standesunterschiede überwunden werden.
Die einzelnen Figuren sind dabei im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben teils Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei glänzen vor allem Nebenfiguren wie Marianne, Malchus oder Eleonore, während gerade Ludwig etwas eindimensional und blass verbleibt. Gern hätte ich hier zudem noch mehr über Babettes letzte Jahre gelernt, die dann im Rahmen des Romans doch nur stark verkürzzt dargestellt worden sind, da der Fokus ja auf ihrer Beziehung zu dem Komponisten lag.
Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat haben größtenteils sauber gearbeitet, der Buchsatz ist fehlerfrei und schön anzusehen. Der Buchumschlag ist auf dem Titel, dem Buchrücken und der Coverrückseite leicht geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Das Titelbild ist farblich ansprechend und hübsch gestaltet, wenn auch etwas der Bezug zur Handlung fehlt. Jedoch fügt es sich gut in die Reihe ein und sorgt für einen einheitlichen Gesamteindruck.
Mein Fazit? „Beethovens Geliebte“ ist eine gelungene Romanbiografie, die vor allem durch ihr tolles Setting punktet, aber auch kleinere Längen hat. Für Liebhaber des Genres – und der Reihe – bedenkenlos zu empfehlen.
Auch diese beiden Bücher erreichten mich vor kurzem als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de – vielen Dank dafür. Sowohl „Beethovens Geliebte“ von Claudia Romes (atb) als auch „Verbrechen sind mein Job“ von Karlotta Stahl (Eden Books) stellen dabei starke Frauen in den Mittelpunkt, einmal in Form eines historischen Romans über Babette Koch und einmal in Form eines True Crime Buches, in dem eine von Deutschlands jüngsten Staatsanwältinnen Einblicke in Strafverfahren und Justiz gibt.
Vor einigen Tagen habe ich im Rahmen einer Leserunde „Verfehlt: Ein Spreewald-Krimi“ von Christiane Dieckerhoff gelesen. Das Buch ist 2021 in der Aufbau Verlag GmbH und Co. KG erschienen und als Regionalkrimi einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an die Autorin, den Verlag und Lovelybooks.de für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
Tod auf dem Spreewaldfest. Kommissarin Klaudia Wagner und ihr Team sind auf dem Spreewaldfest darauf eingestellt, Betrunkene aus dem Verkehr zu ziehen und Streitigkeiten zu schlichten, doch dann fällt der Schützenkönig ermordet ins Hafenbecken. Während die Rettungskräfte noch damit beschäftigt sind, die Leiche zu bergen, verfehlt ein Wurfmesser den alten Schiebschick, Klaudias väterlichen Freund. Es gibt sogar eine Beschreibung des Täters: eine Gestalt in einem Gurkenkostüm. Als Klaudia Wagner mit ihrem Freund reden will, findet sie ihn mit einem Messer im Rücken lebensgefährlich verletzt. Ganz Lübbenau ist in Aufruhr. Ist das der Beginn einer Mordserie?
„Verfehlt“ ist nach „Vermisst“ der zweite Teil der Spreewald-Krimi-Reihe von Christiane Dieckerhoff um die sympathische Ermittlerin Klaudia Wagner. Trotz einiger Anspielungen auf den ersten Band ist dabei „Verfehlt“ durchaus als Standalone lesbar, ohne dass die einzelnen Figuren und Entwicklungen nicht nachvollzogen werden können, wobei ich natürlich, wenn man die Wahl hat, empfehlen würde, mit dem ersten Band einzusteigen.
Dabei überzeugt der Roman vor allem durch ein gelungenes und authentisches Setting mit viel Lokalkolorit. Als gebürtiger Brandenburger – wenn auch nicht aus dem Spreewald – fühlte ich mich sofort im Buch heimisch. Zudem verhehlt die Autorin auch die Probleme ländlicher bzw. kleinstädtischer Regionen nicht, seien es Integrationsmängel in den letzten Jahrzehnten, wenig durchlässige Gesellschaften oder auch die Diskrepanz zwischen Stadt und Land.
Auch die Handlung vermag im Großen und Ganzen zu überzeugen, wenn man auch aufgrund der Vielzahl an Figuren einen relativ schweren Einstieg in die Geschichte hat. Nach einigen Seiten wird man dann jedoch mit einer spannenden Handlung belohnt, die leider in der Mitte einige Längen hat und in einem eher unnötigen Cliffhanger endet. Abgesehen davon gelingt es der Autorin jedoch, mit der ein oder anderen unerwarteten Wendung beim Leser für Spannung zu sorgen.
Christiane Dieckerhoffs Schreibstil lässt sich leicht und flüssig lesen. Auch die Protagonisten sind im Wesentlichen dreidimensional angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen vor allem die Nebencharaktere um Demel, Meinert und Jones, während Klaudias Überfordertheit zwar durchaus nachvollziehbar ist, dennoch beim Lesen manchmal nervt.
Die Buchgestaltung ist ebenfalls gelungen, Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sehr sauber gearbeitet. Das Cover vermittelt gut die Grundstimmung des Romanes, wobei sich das Titelbild über den gesamten Buchumschlag zieht und einen tollen Gesamteindruck erweckt. Lediglich die vorangestellte Dramatis Personae ist – inhaltlich – zu ausführlich und gibt dem Leser bereits Bilder der handelnden Personen vor, die er so nicht selbst entdecken kann.
Mein Fazit: „Verfehlt: Ein Spreewald-Krimi“ ist ein im Wesentlichen überzeugender Regionalkrimi, der vor allem mit einem tollen Setting und einem locker-leichten Schreibstil glänzt, aber auch kleinere Schwächen in der Handlung aufweist. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen.