Von kleinen und großen Helden | Lovelybooks-Buchpost

Auch diese beiden Bücher erreichten mich vor kurzem als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de – vielen Dank dafür! „Von Null auf Held oder Wer ist eigentlich Amin?“ ist dabei das Debüt von Mirjam Raymond (Fischer Sauerländer, S. Fischer Verlage) mit Illustrationen von Maja Bohn, während „Jella Lepman und ihre Bibliothek der Träume“ das neue illustrierte Kinderbuch von Katherine Paterson (NordSüd Verlag) ist – für die Übersetzung zeichnet Alexandra Rak verantwortlich, die Illustrationen stammen aus der Feder von Sally Deng. Beide Bücher erzählen dabei die fiktiven oder realen Geschichten von Held:innen, die das Leben eines oder ganz vieler Menschen ändern. Ich bin auf die Bücher schon sehr gespannt und freue mich schon darauf, in die Geschichten einzutauchen.

Mögt Ihr Illustrationen in oder zu Büchern?

Von Neulingen und alten Meistern

Heute habe ich mal wieder einige Rezensionsexemplare für Euch, die mich vor kurzem im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de erreichten – vielen Dank dafür. „Knallkrebse“ ist dabei der Debütroman von Christian Mitzenmacher aus der Frankfurter Verlagsanstalt und dreht sich um eine ungleiche Freundschaft, Verbundenheit und Verrat, während „Ein verhängnisvolles Testament“ das neue Werk des Autorenehepaars und Urgesteins des historischen Romans Iny Lorentz für die Verlagsgruppe Droemer Knaur ist – immer wieder schön, etwas von den beiden zu lesen. Iny Lorentz‘ Buch stellt dabei Anna und Elisabeth in den Vordergrund, zwei starke Frauen, die um das Erbe der Familie kämpfen. Gerechtigkeit und Freundschaft – zwei starke Themen, die hier von ganz unterschiedlichen Richtungen beleuchtet werden: Ich bin auf beide Bücher schon unglaublich gespannt.

Welches Debüt habt Ihr zuletzt gelesen?

[Buchgedanken] Martin Rost: „Der unsterbliche Zando“

Vor kurzem habe ich auch „Der unsterbliche Zando“ von Martin Rost gelesen. Das Buch ist 2025 in der ars vivendi verlag GmbH & Co. KG erschienen und als Gegenwartsliteratur einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Eigentlich sollte Fritz Fello, 23, in naher Zukunft die seit Generationen bestehende Familienbrauerei Hercules übernehmen, doch sein Vater hat mit einem Mal andere Pläne – und wirft ihn aus dem Geschäft. Aber damit nicht genug: Es folgen weitere Fehlschläge, und Fritz taumelt von einer Sackgasse zur nächsten, bis er schließlich auf den erfolgreichen Maik Zando trifft, einen alten Freund aus der Schulzeit, der gerade dabei ist, sich auf eine ominöse Reise nach Australien vorzubereiten. Auch Fritz hält nichts mehr in seiner Heimat, und er überlegt, Maik ans andere Ende der Welt zu begleiten. Doch je näher er seinem alten Freund rückt, desto mehr weisen die Umstände darauf hin, sein Vater und Maik könnten unter einer Decke stecken …

„Der unsterbliche Zando“ ist der Debütroman von Martin Rost – und überzeugt vor allem durch seine durchaus poetische Sprache. Dabei lässt sich der Roman nicht ganz einfach einem Genre zuordnen. Als Familiendrama beworben, würde ich das Buch eher als Gegenwartsliteratur einordnen, fehlt es doch für mich an dem für ein Familiendrama/eine Familiensaga notwendigen, generationenumspannenden Handlungsverlauf.

Denn die Handlung ist zwar durchaus kurzweilig und abwechslungsreich, teils aber auch etwas irrational und schwer fassbar, gelegentlich zeitlich kaum zu verorten durch die Vielzahl an eingestreuten Rückblenden – ein Delirium, genau wie das, in dem sich Fritz befindet. Insbesondere das Ende vermag allerdings zu überraschen, zwar sind Teile vorhersehbar, andere jedoch gänzlich unerwartet. Und auch wenn nicht alles dadurch erklärt wird, erklärt werden kann, bleibt trotzdem ein Gefühl der Vollendung für den Leser zurück. So ist es zwar nicht das Ende, das man sich erwünscht, aber das Ende, das die Geschichte verdient.

Das Setting kann ebenfalls überzeugen. So entführt der Autor die Leser:innen in eine austauschbare Stadt zwischen Brauerei, Kneipe und Kirmes, mit Kirche, Tageszeitung und einem großen Umschlagparkplatz. Ein Prototyp eines eher ländlichen, mittelgroßen Ortes, der gleichzeitig intensiv und nichtssagend verbleibt, ein Ort wie geschaffen, für Fritz‘ zerbrochenes Leben, für die zerbrochene Welt generell.

Der Kreis an handelnden Personen ist im Wesentlichen auf Fritz und Toni beschränkt, durch die Rückblenden erweitert sich dieser jedoch etwas. Durch den Hauch des Mysteriums, durch die ständige Suche nach Verbundenheit, lässt sich Fritz jedoch nur schwerlich greifen, eine Verbindung eher nur zum Fritz der Vergangenheit herstellen. Martin Rosts Schreibstil ist dabei – wie bereits erwähnt – unglaublich poetisch, leicht und flüssig zu lesen und lässt das Kopfkino sofort anspringen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben ordentlich gearbeitet, das Covermotiv ist sehr stilisiert und hätte durchaus etwas stärker ausgearbeitet sein können. Insgesamt ist der Buchumschlag sehr schlicht und eintönig, definitiv kein Eyecatcher. Am stärksten überzeugt hier noch die Typografie des Covers.

Mein Fazit? „Der unsterbliche Zando“ ist ein durchaus beeindruckendes Debüt, ein poetischer Roman der Gegenwartsliteratur, der mit seiner Sprache und dem Ende überzeugt, teils aber etwas zu wirr, zu schwer greifbar verbleibt. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Roddy Doyle: „Die Frauen hinter der Tür“ (Paula Spencer 3)

In den letzten Tagen habe ich auch „Die Frauen hinter der Tür“ von Roddy Doyle gelesen. Das Buch ist 2025 im GOYA Verlag in der JUMBO Neue Medien & Verlag GmbH veröffentlicht worden, die Originalausgabe erschien 2024 unter dem Titel „The Women Behind the Door“ bei Jonathan Cape, London. Das Buch ist als Gegenwartsliteratur einzuordnen, für die Übersetzung zeichnet Sabine Längsfeld verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Die 66-jährige Paula Spencer lebt endlich ihr eigenes Leben. Sie ist Mutter, Großmutter, Witwe, trockene Alkoholikerin und Überlebende. Sie hat einen Job bei der Reinigung, der ihr Spaß macht, einen Mann – Joe – mit dem sie ihre Gedanken teilen kann, Freundinnen, die sie so nehmen, wie sie ist, und vier erwachsenen Kinder, die ihre eigenen Familien haben. Sie hat sich den Geistern ihrer Vergangenheit widersetzt und blickt nach vorn. Bis alles durcheinandergebracht wird, als ihre älteste Tochter Nicola vor der Tür steht. Die unabhängige, wohlhabende und liebevolle Ehefrau und Mutter – Paulas Vorzeigetochter – ist auf einmal fest entschlossen, alles hinter sich zu lassen. In den kommenden Tagen vertraut Nicola ihrer Mutter nach und nach an, was diese Krise ausgelöst hat.

„Die Frauen hinter der Tür“ ist nach „Paddy Clarke Ha Ha Ha“ mein zweiter Roman des Booker-Prize-Gewinners Roddy Doyle. Zugleich ist es auch ein Sequel der anderen Romane um Paula Spencer – was weithin unerwähnt bleibt und nur durch Zufall bei der Recherche auftauchte, ist Paula doch bereits Protagonistin zweier Romane aus den 90er- und 2000er-Jahren und tauchte sogar erstmals in einer Fernsehserie auf. Dennoch lässt sich der Roman gut als Standalone lesen, die Kenntnis der anderen Bücher hätte aber vermutlich eine noch tiefere Verbindung zur Geschichte geschaffen. Das Buch lässt sich dabei relativ einfach einem Genre zuordnen, ist aus meiner Sicht klassische Gegenwartsliteratur und nicht – wie auf Verkaufsportalen teils angegeben – eine Familiensaga.

Die Handlung wird dabei aus personaler Sicht von Paula erzählt – und in den ersten zwei Dritteln geht sie auch relativ stringent voran, wenn auch mit größeren Zeitsprüngen gespickt. Dabei erzählt Roddy Doyle die familiären Geschehnisse eingebettet in die großen gesellschaftlichen Entwicklungen der frühen 20er Jahre, nimmt stark Bezug auf die Corona-Pandemie und – zuletzt – auch auf die Auswirkungen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine. Zum Ende hin wird die Handlung jedoch etwas zähflüssig, durchbricht die Stringenz und sorgt für ein sehr antiklimaktisches Ende, das größtenteils auch schon vorweggenommen worden ist.

Das Setting kann dahingegen wieder überzeugen. So entführt der Autor die Leser:innen ins Irland der Jetztzeit, in eine Stadt, geprägt von der Pandemie, in einen Haushalt, geprägt von den vergangenen Gräueltaten. Durch die Aktualität gelingt es ihm dadurch, natürlich sofort auch bei den Leser:innen Erinnerungen und Erwartungen zu schaffen, sich mit Paula zu connecten und sofort eine Verbindung zu ihr aufzubauen. Gleichsam ist immer ein irischer Flair vorhanden, sodass der Handlungsort trotzdem prägend verbleibt.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Am stärksten kann hier Mary glänzen, aber durchaus auch Paula schafft es, zumindest phasenweise zu begeistern. Sonst ist der Personenkreis kammerspielartig stark begrenzt. Roddy Doyles Schreibstil lässt sich durchaus flüssig und gut lesen, lediglich mit den Dialogen und ihrer Darstellung werde ich auch weiterhin nicht warm.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist einfach, insbesondere die Chatnachrichten hätte man ggf. innovativer setzen können. Das Covermotiv ist eher simpel und kein Eyecatcher, farblich wird der Umschlag zur Coverrückseite krass unterbrochen und abgeändert. Insgesamt ist die Gestaltung eher eintönig, die Ausgabe generell sehr schlicht.

Mein Fazit? „Die Frauen hinter der Tür“ ist ein Roman der Gegenwartsliteratur, der mit seinem Setting und seiner Eindringlichkeit punktet, zum Ende hin aber auch etwas abbaut. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Fabiola Turan: „Artemis – Abenteuer auf dem Meer der Wünsche“

In der letzten Zeit habe ich auch „Artemis – Abenteuer auf dem Meer der Wünsche“ von Fabiola Turan gelesen. Das Buch ist 2025 im cbj Kinder- und Jugendbuchverlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als fantastisches Kinderbuch einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Mit allem hätte Artemis gerechnet – nur nicht damit, sich plötzlich an Bord eines fliegenden Schiffes wiederzufinden! Die Crew der Dreamcatcher besteht aus magisch begabten Kindern, die das Meer der Wünsche vor einem machthungrigen Baron beschützen. Um ihren Teil dazu beizutragen, muss Artemis die Wolkenmagie in sich erwecken und sich auf eine gefährliche Reise begeben. Dabei wird ihr mehr abverlangt als erwartet und bald droht das Abenteuer aus dem Ruder zu laufen. Haben die Kinder gemeinsam eine Chance, gegen das Böse zu bestehen und das Meer der Wünsche zu retten?

„Artemis – Abenteuer auf dem Meer der Wünsche“ ist – sehr unüblich – ein Einzelband in diesem Genre, wobei für zukünftige Ausflüge über die Wolken durchaus noch viel Potential verbleibt. Dabei lässt sich das Buch relativ klar einem Genre zuordnen, ist ein fantastisches Kinderbuch und nicht wie auf Verkaufsportalen teils angegeben Science Fiction für Kinder. Empfohlen wird das Buch gemäß Altersangaben des Verlags (teils abweichend) für Leser:innen ab neun oder zehn Jahren, balanciert also auf der Grenze vom Kinder- zum Jugendbuch, wobei ich im Ergebnis das Werk gerade noch so als Kinderbuch einstufen würde.

Denn die Handlung mischt die fantastische Idee mit kinder- und jugendtypischen Problemen wie sozialer Abkapselung, Freundschaft, ersten zärtlichen Gefühlen und familiären Konflikten. Dabei bleibt die Handlung durchaus spannend, rasant und abwechslungsreich, ist teils natürlich auch vorhersehbar und etwas antiklimaktisch, insbesondere am Ende, das nicht komplett überzeugen kann – auch für die Zielgruppe hätte man durchaus noch etwas mehr Konfliktpotential (in der realen Welt) einbauen können.

Das Setting kann größtenteils glänzen, entführt die Autorin die Leser:innen doch nicht nur an ein Eliteferieninternat sondern auch in eine fantastische Parallelwelt voller Magie mit eigenen physikalischen Gesetzen. Dabei wird durchaus einiges zum Weltenbau und Magiekonzept erwähnt – gerade bei letzterem hätte ich mir aber noch mehr Informationen gewünscht. Auch wäre eine vorangestellte Karte des Meeres der Wünsche toll gewesen und hätte zum besseren Verständnis der fremden Welt beitragen können.

Die einzelnen Figuren sind – im Wesentlichen – vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive, obwohl aufgrund der Kürze die Figurenentwicklung natürlich nicht vollumfänglich ausgestaltet werden kann. Hierbei brillieren insbesondere Maxim, Oliver und Nika, während gerade Artemis teils nicht nachvollziehbar handelt, mit der neuen Situation viel zu mühelos umgeht. Fabiola Turans Schreibstil ist altersgerecht, lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist ebenfalls gelungen. Lektorat und Korrektorat haben ordentlich gearbeitet, der Buchsatz ist sauber. Der Umschlag ist auf dem Cover und Buchrücken leicht geprägt und mit farbigen, aber eintönigen Coverinnenseiten versehen. Das Titelmotiv zieht sich gut über Buchrücken und Coverrückseite, sodass ein tolles, einheitliches Gesamtbild entsteht und ist sehr ansprechend – sowohl von der Gestaltung als auch von der Farbgebung: ein wirkliches Highlight.

Mein Fazit? „Artemis – Abenteuer auf dem Meer der Wünsche“ ist ein fantastisches Jugendbuch, das mit einer durchaus spannenden Handlung und einem tollen Setting glänzen kann, leider zum Ende hin aber minimal abbaut. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag vorgeschlagenen Lesealter von neun oder zehn Jahren.

Eine Reise quer durch Europa | Lovelybooks-Buchpost

In den nächsten Tagen habe ich wieder einige Neuzugänge und Rezensionen für Euch. Den Anfang machen heute zwei Romane, die mich als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de erreichten – vielen Dank dafür. Während „Heute alles und morgen vielleicht“ von Suza Summer (Kampenwand Verlag) die Leser:innen dabei in ein Chalet in den Schweizer Alpen entführt, reist man in „Die Frauen hinter der Tür“ von Roddy Dole (GOYA Verlag, JUMBO Neue Medien & Verlag GmbH) erneut mit dem renommierten Booker Prize Gewinner nach Irland. Ich bin mal gespannt, welche Reise mich mehr begeistert.

In welches Land würdet Ihr – real oder literarisch – gern einmal reisen?

Musikalische Genies im Doppelpack | Buchgewinne von Lovelybooks

In der letzten Zeit erreichten mich auch diese beiden Neuzugänge als Gewinne von Buchverlosungen auf Lovelybooks.de – vielen Dank dafür. „Bach bewegt“ von Knut Elstermann (BeBra Verlag GmbH) ist dabei ein Werk über die Rezeption des großen Komponisten im Film, während „Harry Styles: Hero der Pop-Moderne“ von Annie Zaleski (Verlag Delius Klasing GmbH) einen Superstar der aktuellen Musikszene in einem monumentalen Bildband porträtiert. Moderne gegen Klassik – ich bin auf beide Werke schon unglaublich gespannt.

Welche musikalische Stilrichtung dominiert Eure Playlisten?

[Buchgedanken] Sigrid Zeevaert: „Nuria“

In den letzten Tagen habe ich auch „Nuria“ von Sigrid Zeevaert gelesen. Das von Eleanor Sommer illustrierte Buch ist 2025 im Tulipan Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als illustriertes Kinderbuch einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Im hektischen Alltag der Eltern ist kaum Platz für die achtjährige Nuria. Sie bemüht sich, nicht anzuecken, auch wenn immer wieder was schief läuft. Und so stimmt sie zu, die Ferien bei ihrer eigensinnigen Oma zu verbringen, die sie seit langem nicht gesehen hat, während ihre Eltern mit einem Urlaub zu zweit ihre Ehe retten wollen. Völlig überraschend nimmt Oma Ella Nuria mit auf ihren alten Lastenkahn, um einen Auftrag zu erledigen. Und so beginnt eine abenteuerliche Reise den Fluss entlang. Auch wenn alles fremd für Nuria ist, ist sie entschlossen, sich zu bewähren. Und ihrer Oma, die ihr nichts zutraut, die Stirn zu bieten. Als ein Unwetter den Kahn in Not bringt, ist Nurias Gelegenheit gekommen, zu beweisen, wozu sie fähig ist.

„Nuria“ ist ein mit sporadischen Illustrationen versehenes Kinderbuch, das seitens des Verlags für Leser:innen ab acht Jahren empfohlen wird, eine durchaus altersgerechte Einschätzung. Es ist mein erstes Buch der Kinderbuchautorin Sigrid Zeevaert, die schon dutzende Titel für junge Leser:innen geschrieben hat. Beworben wird das Werk dabei als Buch „über Mut und Selbstbestimmung, die Begegnung mit der Natur und das Miteinander der Generationen“.

Und während diese Themen durchaus angesprochen werden, ist die Handlung grundsätzlich vorhersehbar aber altersgerecht. Allerdings hätten einige Probleme durchaus noch vertieft, einige Konflikte genauer aufgearbeitet werden können – selbst für eine so junge Leserschaft. Und während auch das Ende nicht völlig überzeugt, gelingt es dem Buch – trotz der kleineren Schwächen – dennoch, gerade in der Fahrt mit dem Kahn das Gefühl eines Roadmovies aufkommen zu lassen – und die Liebe zur Natur zu feiern.

Das Setting kann daher vollends überzeugen und gleiches gilt für die schwarz-weißen Bilder von Eleanor Sommer, die sporadisch eingestreut sind und die Handlung wundervoll illustrieren – davon hätten es durchaus noch ein oder zwei mehr sein können. Dabei bilden die Illustrationen und der Text eine wundervolle Einheit, die auch durch den toll gestalteten Buchsatz ergänzt und vervollständigt wird.

Die einzelnen Figuren sind natürlich sehr schematisch gezeichnet, für wirkliche Detailtiefe fehlt allerdings auch der Platz. Während Ella dabei wenig nachvollziehbar handelt und für Irritationen sorgt, können wichtige Nebencharaktere wie Peter und Charly (ja, der Hund) überzeugen. Sigrid Zeevaerts Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen, ist altersgerecht und lässt das Kopfkino sofort anlaufen, auch im Zusammenspiel mit den Illustrationen.

Die Buchgestaltung ist ordentlich. Lektorat und Korrektorat haben solide gearbeitet, der Buchsatz ist – wie oben schon beschrieben – wunderschön, auf die teils spoilernden Kapitelüberschriften hätte aber verzichtet werden können. Das Covermotiv ist wunderschön, greift den Buchsatz und die Handlung auf, wird aber zum Buchrücken hin krass unterbrochen – genau wie zur Coverrückseite, die sonst ebenfalls toll gestaltet ist.

Mein Fazit? „Nuria“ ist ein illustriertes Kinderbuch für Leser:innen ab acht, das wichtige Themen anspricht, aber etwas an der Oberfläche verbleibt, dafür mit seinen Illustrationen glänzen kann. Für Leser:innen ab dem vom Verlag vorgeschlagenen Alter dennoch bedenkenlos zu empfehlen.

Von Lastenkähnen und fliegenden Schiffen | Jugendbücher im Doppelpack

Bevor es in den nächsten Tagen wieder einige Rezensionen von mir gibt, möchte ich Euch heute noch zwei Kinder-/Jugendbücher vorstellen, die mich vor kurzem als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de erreichten – vielen Dank dafür. „Nuria“ von Sigrid Zeevaert (Tulipan Verlag) ist dabei ein von Eleanor Sommer illustriertes Buch für Leser:innen ab acht Jahren, während „Artemis – Abenteuer auf dem Meer der Wünsche“ von Fabiola Turan (cbj Kinder- und Jugendbuchverlag) ab 10 Jahren empfohlen wird. Beide Verlage sind Teil der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH – und entführen mit den Büchern die Protagonist:innen auf ungewöhnliche Verkehrsmittel. So wird Nuria von ihrer Oma auf einen Lastenkahn mitgenommen, während Artemis sich auf der „Dreamcatcher“, einem fliegenden Schiff, wiederfindet.

Mit welchem Verkehrsmittel würdet Ihr gern einmal reisen?

[Buchgedanken] Asa Avdic: „Hinters Licht“

In der letzten Zeit habe ich auch „Hinters Licht“ von Asa Avdic gelesen. Das Buch ist 2025 im Arche Literatur Verlag, einem Imprint der Atrium Verlag AG erschienen, die Originalausgabe wurde 2023 unter dem Titel „Ett Liv Till“ im Albert Bonniers Förlag, Stockholm veröffentlicht. Das Werk ist als historischer Roman einzuordnen, für die Übersetzung aus dem Schwedischen zeichnet Stefanie Werner verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

„Assistent für spiritistisches Forschungsprojekt gesucht“. Als Ruth Doran im Frühsommer 1919 auf diese ungewöhnliche Anzeige stößt, hat sie ihren Traum von einer wissenschaftlichen Karriere bereits aufgegeben. Ihre glänzende Zukunft als Mathematikerin musste nach ihrer Heirat ein jähes Ende finden. Doch nun, als Witze mit drei Kindern, braucht sie dringend einen Job, und außerdem reizt sie die Zusammenarbeit mit dem schillernden Thomas Bradford, in den sie sich Hals über Kopf verliebt. Gemeinsam forschen die beiden an Möglichkeiten, Botschaften Verstorbener aus dem Jenseits zu empfangen – mit fatalen Folgen.

„Hinters Licht“ ist mein erstes Buch der Journalistin Asa Avdic – und bereits die Genrezuordnung fällt schwer. Eine Kategorisierung als Gegenwartsliteratur – wie durchaus auf Verkaufsportalen zu finden – scheidet aufgrund der doch mehr als hundert Jahre in der Vergangenheit spielenden Handlung eher aus, deckt das Buch doch im Wesentlichen die Zeitspanne von 1919 bis 1921 ab, mit kleineren Ausflügen in einen noch früheren Zeitraum ab 1903. Auch ist das Buch keine Romanbiografie, da sich die Autorin zwar realer Persönlichkeiten bedient, aber doch laut eigenen Aussagen massiv von deren bekannten Lebensgeschichten abweicht, sodass ich es schlussendlich aufgrund der Handlungszeit schlicht als historischen Roman betitelt habe, der aber ebenfalls erheblich von den künstlerischen Freiheiten Gebrauch macht.

Die Handlung wird dabei in multiplen Zeitebenen erzählt, im Wesentlichen bewegen wir uns einerseits in der „Gegenwart“ 1921, die vor allem über Tagebucheinträge dargestellt wird, sowie in den Jahren 1919 und 1920, zwischen denen munter hin- und hergesprungen wird. Dabei ist der Erzähler durchaus allwissend und spricht teils die Leser direkt an, sorgt für Hintergrundinformationen oder lässt mild spoilernd Schlimmes erahnen – eine aus meiner Sicht eher unglücklich gewählte Perspektive, hätte man doch über einen personalisierten (oder sogar einen Ich-Erzähler) eine stärkere Bindung zu Ruth aufbauen, ihre Obsession vielleicht sogar besser verstehen können.

Das Setting vermag hingegen auf ganzer Linie zu überzeugen. So entführt Asa Avdic die Leser:innen ins Amerika der unmittelbaren Nachkriegszeit, in ein Land zwischen Prohibition, bahnbrechenden Erfindungen und Rassentrennung, ein Land, das so widersprüchlich in sich ist/war, dass es damals sicherlich den idealen Nährboden für den Spiritismus geboten hat. Dessen Ideen und abstruse Experimente bringt die Autorin den Leser:innen dabei nah, ohne selbst allzu sehr Partei zu ergreifen im „ewigen“ Kampf zwischen Wissenschaft und Esoterik/Okkultismus. Asa Avdic mischt hierbei eine (toxische) Liebesgeschichte mit der sehr freien historischen Handlung, sodass ein unglaublich gefühlsintensives Gesamtkonstrukt entsteht.

Der Kreis an handelnden Figuren ist aufgrund der starken Konzentration auf Ruth und Thomas doch sehr beschränkt. Im Wesentlichen können hier vor allem Nebenfiguren wie Bradley und Evelyn glänzen und überzeugen, während insbesondere Ruth nicht wirklich nachvollziehbar handelt und gerade am Schluss auch etwas an Glaubhaftigkeit einbüßt, ist ihre Entwicklung doch nicht wirklich plausibel. Asa Avdics Schreibstil lässt sich hingegen leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen – in diesem Metier eine wirklich spannende Erfahrung.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben im Wesentlichen sauber gearbeitet, der Buchsatz beginnt die größeren Sinnabschnitte auch auf ungeraden Seiten, die Geschichte wird durch ein einordnendes Nachwort abgerundet. Der Buchumschlag punktet mit fließenden Übergängen vom Cover nicht nur zum Buchrücken sondern auch zur Coverrückseite und den Klappen, sodass ein tolles Gesamtbild entsteht, das Covermotiv ist jedoch belanglos und austauschbar, das Buch unter dem Umschlag schlicht.

Mein Fazit? „Hinters Licht“ ist ein ambitionierter historischer Roman, der mit einem spannenden Thema und einem tollen Setting punkten kann, deren Charaktere und Erzählweise aber nicht in Gänze überzeugen. Für Leser:innen des Genres, die Interesse an dem Thema haben, dennoch zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.