Vor kurzem habe ich auch „Seid nett aufeinander“ von Charlotte von Feyerabend gelesen. Das Buch ist 2024 im Droemer Verlag in der Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG erschienen und als Romanbiografie einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Schon als Kind träumt Beate vom Fliegen – und lernt von ihrem Vater, dass sie alles erreichen kann, wenn sie es nur wirklich will. Mit achtzehn macht sie ihren Pilotenschein und trifft ihre große Liebe. Doch die Idylle währt nur kurz, denn ihr Mann, ebenfalls Pilot, wird im 2. Weltkrieg abgeschossen. Im Deutschland der Nachkriegszeit steht Beate Uhse mit ihrem kleinen Sohn ohne alles da und muss als Handelsreisende durch das ganze Land tingeln, um zu überleben. Dabei wird sie auf die Sorgen der Frauen aufmerksam, die in dieser elenden Zeit nicht schwanger werden wollen. Als Tochter einer der ersten Ärztinnen Deutschlands beschließt Beate, ihnen zu helfen. Für ein paar Pfennige verkauft sie eine Aufklärungsschrift, die sie bald mit Artikeln für die „Ehehygiene“ ergänzt. Denn Beate Uhse hat einen Traum: Jede Frau soll das Recht auf einen Orgasmus haben!
„Seid nett aufeinander“ ist eine Romanbiografie über das abenteuerliche Leben von Beate Uhse – oder zumindest über den ersten Teil davon bis ins Jahr 1972, was ich durchaus schade finde – gerade die letzten Jahre hätten hier durchaus noch einmal für etwas Abwechslung gesorgt. Garniert wird die Geschichte mit (etwas zu umfangreichen) Zusatzinformationen; also mit Fußnoten, Literaturtipps, einem Dialektglossar, Rezepten, einer Danksagung, einer Einordnung der Autorin und der Bewerbung weiterer Romane von ihr – im Vergleich zur Länge der Geschichte schlicht etwas überdimensioniert.
Die Handlung ist generell spannend und abwechslungsreich, beleuchtet bekannte und unbekannte Episoden aus Beates Leben, wobei ich mir teils an einigen Stellen eine andere Schwerpunktsetzung gewünscht hätte. Dabei spart der Roman auch schwierige Episoden nicht aus und erzählt erfrischenderweise sehr stringent und chronologisch, sodass man zu jeder Zeit dem roten Faden folgen kann. Die einzelnen Kapitel werden hierbei mit Zitaten berühmter Persönlichkeiten eingeleitet, um das Flair des folgenden Abschnitts zu charakterisieren – noch spannender hätte ich mir zum Beispiel Bilder oder Textdokumente von oder über Beate als historische Zeitzeugen vorstellen können.
Das Setting ist – naturgemäß – gelungen, entspricht es doch bei biografischen Romanen genau der realen Welt. Dabei entführt die Autorin ihre Leser:innen nicht nur nach Flensburg, sondern auch nach Rangsdorf, in Beates ostpreußische Heimat, oder auch nach Juist an die Schule am Meer. Dadurch werden nebenbei noch spannende Themen wie z.B. die Reformpädagogik angerissen – was durch die Verlagerung von Zusatzinformationen auf die Fußnoten dennoch gut lesbar verbleibt und somit nicht allzu sehr ins Sachbuchhafte abrutscht.
Viel zu den Figuren zu sagen, verbietet sich eigentlich bei biografischen Romanen. Daher nur so viel, dass ich Hanna durchaus ins Herz geschlossen habe und gern noch mehr über sie erfahren hätte – auch Elfriede hat ein tolles Standing im Buch. Und auch Beate überzeugt – natürlich -, auch wenn durch die letzten, hier ausgesparten Jahre noch ein runderes Bild hätte geschaffen werden können. Charlotte von Feyerabends Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen, hält dabei gut die Waage zwischen Lesbarkeit und historischer und sprachlicher Authentizität.
Die Buchgestaltung ist im Wesentlichen gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben solide gearbeitet, der Buchdeckel ist mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen, wobei die Klappen farblich krass zur sonstigen Gestaltung des Buches kontrastieren. Das Covermotiv ist sehr stilisiert und lässt jedoch eher auf eine Liebeskomödie als auf einen autobiografischen Roman schließen – insgesamt ist der gesamte Umschlag eher schlicht gehalten und kein Eyecatcher.
Mein Fazit? „Seid nett aufeinander“ ist eine Romanbiografie, die gleichsam spannend und informativ ist und dabei gut unterhält – lediglich die Schwerpunktsetzung und der Verzicht auf die letzten Jahre trüben hier das Gesamtbild leicht. Für Leser:innen des Genres daher bedenkenlos zu empfehlen.
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