[Buchgedanken] Carolin Otto: „Berchtesgaden“

Bevor es Morgen mit den Messeberichten weitergeht, habe ich heute noch eine Rezension für Euch. Denn in der letzten Zeit – auch während der Messe – habe ich „Berchtesgaden“ von Carolin Otto gelesen. Das Buch ist 2025 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG erschienen und als historischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die verlagseigene Bloggerjury.

Berchtesgaden im Mai 1945. Die Lieblingsstadt des Führers kapituliert, die US-Amerikaner übernehmen die Regierung. Trotz ihres bescheidenen Englischs tritt die 19-jährige Sophie eine Stelle beim Military Government an, wo sie zum ersten Mal mit der ganzen Wahrheit über die deutschen Verbrechen konfrontiert wird. Sie trifft dort Menschen, die den Blick auf ihre eigene Familie verändern. Da ist ihr Chef, der jüdische Emigrant Frank, der mit den GIs in seine Heimat zurückkehrt, in der plötzlich alle »von nichts gewusst« haben wollen. Und seine Freundin, die glamouröse Kriegsreporterin Meg, die den Siegeszug der Alliierten mit ihrer Kamera begleitet. Der einst zum Tode verurteilte Rudolf Kriss, der nun Bürgermeister ist. Und der schwarze GI Sam, in den Sophie sich verliebt. Im Schatten des Obersalzbergs kreuzen sich ihre Wege auf schicksalhafte Weise …

„Berchtesgaden“ ist der Debütroman von Carolin Otto, die als Drehbuchautorin tätig ist und seit 2019 der FES, der Vereinigung der europäischen Drehbuchautor:innen, vorsteht. Und so war – eigenen Angaben zufolge – „Berchtesgaden“ auch als Serienvorlage konzipiert, bevor es in Romanform gegossen worden ist. Dabei lässt sich das Buch aufgrund der doch viele Jahrzehnte zurückliegenden Handlung gut als historischer Roman einordnen, die teils auf Verkaufsplattformen vorgenommene Eingruppierung als Gegenwartsliteratur greift hier eher nicht mehr. Auch andere Kategorisierungen – sei es die als Schicksalsroman oder als Familiensaga – scheiden vorliegend eher aus.

Denn die Handlung deckt nur einen relativ kurzen Zeitraum von knapp vier Monaten ab (Ende April 1945 bis etwa Ende August 1945), ist also mehr Momentaufnahme der damaligen Zeit. Dabei ist die Handlung unweigerlich spannend, abwechslungsreich und hochinteressant, zeigt sie doch auch Entwicklungen und präsentiert, durchaus gut recherchierte, Fakten, die vielleicht nicht allgemein bekannt sind. Jedoch endet der Roman für die Leser:innen leider auch unerwartet offen, werden doch kaum Handlungsstränge zufriedenstellend aufgelöst.

Das Setting kann hingegen auf ganzer Linie glänzen. So entführt die Autorin die Leser:innen ins Berchtesgaden des Kriegsendes und der unmittelbaren Nachkriegszeit, in eine Stadt zwischen nationalsozialistischem Stolz, amerikanischer Besatzung und ersten Demokratiebestrebungen. Dabei gelingt es der Autorin gut, ein Porträt der zerrissenen Gesellschaft zwischen Ohnmacht, Hoffnung und Wut zu zeichnen – und dies aus multiplen Perspektiven zu erzählen – obwohl Sophie sicherlich als Hauptprotagonistin des Romans fungiert.

Sie und die anderen Charaktere sind dabei vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Und während Sophie und auch Meg und Frank hier brillieren, verbleiben Magda und Sam doch etwas eindimensionaler und handeln nicht zwingend nachvollziehbar. Carolin Ottos Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen – hat aber auch, wie das Nachwort selbst zugibt, zugunsten der Lesbarkeit sowohl auf historisch authentische Sprache als auch aufs Dialektische weitgehend verzichtet.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss nicht erheblich schmälern, der Buchsatz ist gelungen und lässt zumindest die fünf großen Sinnabschnitte jeweils auf ungeraden Buchseiten starten, auch wenn man die Briefe etwas stärker hätte vom Rest absetzen können. Die Geschichte wird hierbei durch ein einordnendes Nachwort sowie ein Literatur- und Zitatverzeichnis abgerundet, gern hätte ich mir hier noch einen Zeitstrahl der relevanten historischen Egeignisse gewünscht. Das Cover vermag mich jedoch nicht vollends zu überzeugen, wirkt etwas beliebig und austauschbar und ist kein Eyecatcher, das Hardcover unter dem Umschlag ist erwartbar schlicht.

Mein Fazit? „Berchtesgaden“ ist ein überzeugendes Debüt, das wichtige Themen anspricht und mit seinem Setting und einer starken Protagonistin glänzen kann, leider jedoch etwas offen endet. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag vorgeschlagenen Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Andreas Hüging: „Die Football-Freunde – Touchdown für die Grasdorf Rebels“ (Football-Freunde 1)

Vor kurzem habe ich auch „Die Football-Freunde – Touchdown für die Grasdorf Rebels“ von Andreas Hüging gelesen. Das von Dominik Rupp illustrierte Kinderbuch ist 2025 im cbj Kinder- und Jugendbuchverlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Die Grasdorf Rebels verbindet eins: Die Liebe zum American Football. Als die Condors aus dem Nachbarort die Jungs zu einem Feindschaftsspiel herausfordern, wollen sie allen zeigen, dass mehr als nur ein Nachwuchstrupp in ihnen steckt. Doch um ihre Gegner schlagen zu können, muss das Team zusammenhalten. Und das nicht nur auf dem Feld, sondern auch als ihrem Quarterback Jimmy wegen eines vergurkten Mathetest ein Footballverbot droht, Artem von einem wütenden Kaufhausdetektiv verfolgt wird oder ein stinkender Hund ihren allergiegeplagten Trainer verjagt.

„Die Football-Freunde – Touchdown für die Grasdorf Rebels“ ist der Auftaktband einer neuen Kinderbuchreihe, die sich um die titelgebende Jugendfootballmannschaft dreht. Dabei kann das Buch mit viel Football-Expertise aufweisen, ist es doch mit einem Vorwort von Football-Superstar Sebastian Vollmer versehen und mit der Hilfe von Personen aus dem Umkreis der Potsdam Royals erstellt worden. Empfohlen wird die Reihe vom Verlag für Leser:innen ab acht Jahren, eine Alterseinschätzung, die ich hier durchaus teilen kann.

Denn die Handlung ist altersgerecht und wartet mit kinder- bzw. jugendtypischen Problemen auf, geht es doch um Freundschaft, Zusammenhalt sowie schulische und familiäre Konflikte. Aufgrund der Kürze des Buches und der notwendigen Vorstellung aller Figuren, die am Anfang etwas als Infodump daherkommt, bleibt die Handlung allerdings noch etwas auf der Strecke und wird insbesondere zum Ende hin schnell und auffällig komplikationsarm aufgelöst. Hier kann es in den Folgebänden – auch für die Zielgruppe – etwas konflikt- und spannungsreicher werden, auch im Hinblick auf die brisante Lage von Kilian.

Das Setting kann ebenfalls größtenteils überzeugen. So entführt Andreas Hüning die Leser:innen in eine fiktive Kleinstadt – mit Dönerladen, Beautysalon und einem Football-Trainingsplatz. In das sportliche Setting, das mit durchaus unerwartet vielen Fachbegriffen einhergeht, die aber im Glossar für Neulinge erklärt werden, mischt der Autor gesellschaftlich relevante Themen wie den Angriffskrieg auf die Ukraine, Flucht, Armut und Ghettoisierung mit ein, verbleibt hier aber sehr an der Oberfläche.

Dominik Rupps Illustrationen sind ein kleines Highlight des Buches und illustrieren die Geschichte wunderbar. So gelingt es ihm, den einzelnen Charakteren Leben einzuhauchen und ihnen Wiedererkennungswert zu verschaffen – gern mehr davon! Andreas Hünings Schreibstil lässt sich zudem leicht und flüssig lesen und in Zusammenspiel mit den Illustrationen das Kopfkino sofort anlaufen. Ferner ist der Schreibstil altersgerecht, was in fast bizarr anmutenden jugendsprachlichen Eskapaden von Amon gipfelt, die vielleicht minimal drüber sind.

Die Buchgestaltung ist ebenfalls gelungen. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss nicht schmälern, der Buchsatz ist im Zusammenspiel mit den Illustrationen sehr gelungen, lediglich die Chatnachrichten hätten etwas besser gesetzt und abgegrenzt werden können. Cover und Coverrückseite sind toll gestaltet, werden aber durch den Buchrücken relativ stark unterbrochen, der Umschlag ist zudem mit wunderschönen, in Grautönen gehaltenen, Coverinnenseiten versehen. Abzuwarten bleibt, ob das Buch mit den Folgebänden für einen einheitlichen Gesamteindruck der Reihe sorgt.

Mein Fazit? „Die Football-Freunde – Touchdown für die Grasdorf Rebels“ ist ein gelungener Auftakt in die Buchreihe, der mit einem tollen Football-Setting glänzt, in der Handlung aber noch Potential für die Folgebände offen lässt. Für Leser:innen ab acht Jahren bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Kati Naumann: „Fernwehland“

In der letzten Zeit habe ich auch „Fernwehland“ von Kati Naumann gelesen. Der Roman ist 2025 bei HarperCollins in der Verlagsgruppe HarperCollins Deutschland GmbH erschienen und als Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Die Astoria ist das älteste seetüchtige Kreuzfahrtschiff der Welt. Seit über siebzig Jahren trägt es die Menschen übers Meer und hat schon unzählige Schicksale bestimmt. Nach einer Kollision mit dem Luxusschiff Andrea Doria wurde es an die DDR verkauft und fortan für Urlaubsreisen eingesetzt. Auf seinen Fahrten bis in die Karibik geraten das Schiff und seine Passagiere auch zwischen die Fronten des Kalten Krieges. Die Stewardess Simone und der Matrose Henri haben sich vor vielen Jahren auf diesem Schiff kennengelernt. Heute treten sie noch einmal eine Kreuzfahrt mit der Astoria und damit auch eine Reise in ihre Vergangenheit an. Denn sie begegnen dabei der Schwedin Frida, die als Kind die Schiffstaufe erlebt hat und deren Geschichte ebenfalls ganz eng mit der des Schiffes verbunden ist.

„Fernwehland“ ist nach „Die Sehnsucht nach Licht“ mein zweiter Roman von Kati Naumann, die beide unabhängig voneinander lesbar die Geschichte von Familien über Generationen hinweg in Deutschland beleuchten und dabei Bezug zu Ostdeutschland aufweisen. Daher ist auch „Fernwehland“ als (historische) Familiensaga einzuordnen. Die teils auch in der Bewerbung des Buches vorgenommene Kategorisierung als historischer Roman kann ich hier allerdings nur bedingt nachvollziehen, spielt doch ein elementarer Teil der Geschichte im Jahr 2019, also mehr oder weniger in der Jetztzeit, eher hätte man das Buch meines Erachtens noch zur Gegenwartsliteratur zählen können.

Denn die Handlung wird in zwei Zeitebenen erzählt, zum einen in der oben bereits angegebenen Gegenwart, zum anderen in der Vergangenheit, die hier den Zeitraum von 1938 bis in die 1980er Jahre abdeckt. Dabei ist die Handlung durchaus abwechslungsreich und spannend, wenn auch teils vorhersehbar – und dreht sich vor allem um das Schiff, das zu DDR-Zeiten unter dem Namen „Völkerfreundschaft“ fuhr. Anhand der Geschichte des Kreuzfahrtschiffes werden auch die gesellschaftlichen Umbrüche und Entwicklungen verdeutlicht – und den Einfluss, den das auf die Leben der Menschen hatte. Erzählt wird der Roman hierbei in einer auktorialen Erzählperspektive, die teils mitten im Kapitel zwischen den Personen hin- und herspringt – etwas klarere Abgrenzungen hätten hier nicht geschadet.

Das Setting ist naturgemäß gelungen. Denn die Autorin entführt uns nicht nur nach Radebeul, sondern mit dem Schiff auch rund um die Welt – zum Beispiel nach Kuba, Marokko oder Norwegen. Dabei werden auch historische Ereignisse wie der Zusammenstoß mit der Andrea Doria nicht ausgespart. So verwebt Kati Naumann geschickt die Geschichte der Familien von Henri, Simone und Frida mit der Geschichte des Schiffes – und sorgt dafür, dass man sich auf die Astoria träumt, idealerweise zu frühen schwedischen Luxuszeiten. Auch die eingeschworene Gemeinschaft unter den Besatzungsmitgliedern wird hier gut dargestellt und schafft eine Atmosphäre, die man selbst gern erlebt hätte.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei überzeugen insbesondere Elli und Dora als wichtige Nebencharaktere, während gerade Henri teils nicht nachvollziehbar handelt und zum Ende hin etwas zu schnell seine Einstellungen über Bord wirft. Kati Naumanns Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen – wie auch bereits schon in ihrem letzten Roman, der gleichsam begeistern konnte.

Die Buchgestaltung ist gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, die Kapitel sind dankenswerterweise mit der Handlungszeit überschrieben, die sonstigen Kapitelüberschriften hätte man sich aber schenken können – sie sind jedoch nur mild spoilernd. Das Covermotiv setzt sich über den Buchrücken und die Coverrückseite fort, sodass ein tolles Gesamtbild entsteht, insgesamt ist das Motiv auch ansehnlich, es fehlt jedoch etwas am Bezug zur Handlung. Das unter dem Umschlag befindliche Buch ist schlicht und mit farbigen, aber eintönigen Coverinnenseiten versehen.

Mein Fazit? „Fernwehland“ ist eine überzeugende Familiensaga, die durch das Setting und die spannende und abwechslungsreiche Handlung brilliert. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Roddy Doyle: „Paddy Clarke Ha Ha Ha“

In der letzten Zeit habe ich auch „Paddy Clarke Ha Ha Ha“ von Roddy Doyle gelesen. Der Roman ist 2024 im GOYA Verlag in der Jumbo Neue Medien & Verlag GmbH erschienen, die Originalausgabe wurde unter gleichem Titel 1993 bei Secker & Warburg veröffentlicht. Der Roman ist der Gegenwartsliteratur zuzuordnen, für die Übersetzung zeichnet Alexandra Rak verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Irland, 1968. Paddy Clarke ist zehn Jahre alt und tut das, was so ziemlich alle Zehnjährigen tun: Er langweilt sich in der Schule, zieht mit einen Freunden durch die Straßen, ärgert seinen kleinen Bruder und treibt Unfug. Er liebt den Geruch seiner Wärmflasche und am liebsten liest er mit einer Taschenlampe unter der Bettdecke. Doch Paddys Welt beginnt sich zu verändern. Die Felder, auf denen er gestern noch herumgestreift ist, werden bebaut, Barrytown bekommt neue Straßen und vergrößert sich. Gleichzeitig wird Paddys Reich immer kleiner und die Stimmung zu Hause immer angespannter. Je mehr Paddy von der Welt mitbekommt, desto weniger versteht er.

„Paddy Clarke Ha Ha Ha“ ist der „neue“ Roman von Roddy Doyle – allerdings nur als neuübersetzte Version. Denn – wie oben bereits erwähnt – stammt die Originalausgabe bereits aus dem Jahr 1993 und wurde damals mit dem Booker Prize ausgezeichnet. Im Kontext dessen ist der Roman als Gegenwartsliteratur einzuordnen – wenn er heute neu herauskäme, könnte man ihn fast als historischen Roman eingruppieren, schildert er doch die Realität der späten 1960er Jahre in Irland, eine Zeit, die 1993 allerdings noch fast präsent war und gerade eine Generation zurücklag.

Die Handlung ist dabei durchaus abwechslungsreich und spannend, allerdings auch antiklimaktisch und ohne erkennbaren roten Faden. So wird episodenhaft und nicht zwingend chronologisch aus der Sicht des zehnjährigen Paddy als Ich-Erzähler nicht mehr und nicht weniger als der Alltag der damaligen Zeit dargestellt, eine Zeit mit klaren Rollenbildern, die geprägt war von Gewalt – in den Familien, auf den Straßen, in den Schulen – und von klaren Hierarchien und einem einfachen, aber ehrlichen Leben.

Das Setting kann hier brillieren. So entführt Roddy Doyle die Leser:innen nach Barrytown, in einen fiktiven Vorort Dublins, in dem bereits andere Romane Doyles und deren filmische Adaptionen spielen. Dabei gelingt es dem Autor, ein beeindruckendes, eindringliches Porträt der damaligen Zeit und Gesellschaft zu erschaffen, mit all ihren Problemen aber auch dem ganz eigenen Charme und der – im Vergleich zur heutigen Moderne – doch Einfachheit der Lebensentwürfe und Tagesabläufe.

Die einzelnen Figuren sind dabei teils doch sehr schematisch dargestellt, werden sie doch aus der Sicht von Paddy beleuchtet – einem Zehnjährigen, der zwar teils älter erscheint, dennoch aber einen kindlichen Blick auf die Welt hat. Robby Doyles Schreibstil ist dabei sehr gewöhnungsbedürftig, insbesondere die Dialoge können mich nicht überzeugen – und auch der fehlende rote Faden sorgt für ein doch eher anstrengendes Leseabenteuer.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind doch einige Fehler durchgerutscht, die den Lesefluss aber nicht erheblich schmälern, der Buchsatz ist unauffällig – Sinnabschnitte hätten dem Buch jedoch gut getan. Das Covermotiv ist wirklich gelungen, ein Glossar irischer Begriffe und Ausdrücke wird der Geschichte vorangestellt. Leider wird das Cover zum Buchrücken krass unterbrochen, dieser und die Coverrückseite sind eher unauffällig und schlicht.

Mein Fazit? „Paddy Clarke Ha Ha Ha“ ist ein interessantes Porträt der irischen Gesellschaft aus Sicht eines Zehnjährigen, das mit seinem Setting brilliert, aber sehr ungewöhnlich und ohne roten Faden erzählt wird. Für Leser:innen des Genres und sprachlich eigenwilliger Texte durchaus zu empfehlen, ab einem Lesealter, das deutlich über dem der Protagonisten liegt.

Neuzugänge im Doppelpack | Buchpost

Heute habe ich wieder einmal zwei tolle Neuzugänge für Euch, die mich in den letzten Tagen erreichten. „Hinters Licht“ von Asa Avdic (Arche Verlag in der Atrium Verlag AG) erreichte mich dabei als Rezensionsexemplar im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de, „Sommerhimmel über dem Möwenhof“ von Frida Jacobsen (Aufbau Taschenbuch, Aufbau Verlage GmbH & Co. KG) als Leseexemplar direkt von der Autorin mit einem wundervollen Beutel – vielen Dank jeweils dafür. „Hinters Licht“, ein von Stefanie Werner aus dem Schwedischen übersetzter Roman, spielt hierbei im Grenzbereich zwischen Wissenschaft und Spiritualität und versucht, die gegensätzlichen Pole zu verbinden, während „Sommerhimmel über dem Möwenhof“ der erste Roman von Frieda Bergmann unter dem neuen Pseudonym bei den Aufbau Verlagen ist und die Leser:innen nach Sankt Peter-Ording entführt. Ich bin auf beide Romane gleichermaßen gespannt und freue mich schon auf die gedanklichen Lesereisen.

Wohin würdet Ihr gern – gedanklich oder in echt – reisen?

Ein Februar der Superlative | Doppelte Buchpost

In den letzten Tagen und Wochen erreichten mich auch diese beiden Neuzugänge, die jeweils Ereignisse des Februars begleiten. „Du hast die Wahl“ von Marc Rascshke (Pinguletta Verlag) kam dabei als Gewinn einer Buchverlosung zu mir, „Die Football-Freunde – Touchdown für die Grasdorf Rebels“ von Andreas Hüning (cbj Kinder- und Jugendbuchverlag, Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH) als Rezensionsexemplar im Rahmen einer Leserunde – jeweils über Lovelybooks.de, vielen Dank dafür! Andreas Hünings illustriertes Kinderbuch ist dabei der ideale Begleiter für den Supberbowl, während das Sachbuch von Marc Raschke die Entscheidung der morgigen Bundestagswahl erleichtern möchte. Ich bin schon ganz gespannt!

Welches Buch ist zuletzt bei Euch neu eingezogen?

[Buchgedanken] Anja Janotta: „Die coolste Klasse des Planeten“

In den nächsten Tagen habe ich wieder einige Rezensionen für Euch. Denn vor kurzem habe ich unter anderem „Die coolste Klasse des Planeten“ von Anja Janotta gelesen. Hierbei handelt es sich um ein von Ulla Mersmeyer illustriertes Kinderbuch, das 2024 bei Gulliver in der Verlagsgruppe Beltz erschienen ist. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Der große Musik-Wettbewerb steht an. Schulbands aus allen deutschen Großstädten treten gegeneinander an. Als Gewinn winkt ein Auftritt im Fernsehen! Für die Robert-Mayer-Schule geht die 6c mit ihrer Gruppe „Baba Gold“ ins Rennen. In der Vorrunde feiern sie mit ihrem Sänger Idris einen ersten Erfolg! Doch die Konkurrenz ist hart und neidisch. Plötzlich verschwinden Kostüme und Gitarren sind verstimmt … Jetzt muss „Baba Gold“ ganz cool bleiben.

„Die coolste Klasse des Planeten“ ist ein Titel aus der Reihe „super lesbar“, die leicht lesbare Geschichten für ein niedriges Leseniveau anbietet. So wird das Buch laut Verlag für Leser:innen ab 11 Jahren empfohlen, befindet sich aber auf dem Leseniveau für 9-Jährige. Dadurch balanciert der Titel genau an der Grenze vom Kinder- zum Jugendbuch. Da man ihn meines Erachtens aber auch schon mit neun oder zehn Jahren lesen kann, habe ich ihn als (illustriertes) Kinderbuch eingruppiert.

Denn die Handlung ist auch hier noch altersgerecht. Zwar sind die Protagonist:innen elf oder zwölf Jahre alt, mit der Geschichte können sich aber durchaus auch marginal jüngere Leser:innen noch identifizieren, geht es doch um jugendtypische Probleme wie familiäre Erwartungen, Zugehörigkeitsgefühl und Peer Pressure bzw. die bereits bei Kindern auseinanderklaffende Schere zwischen arm und reich. Dabei wird der Roman im Interviewformat erzählt – etwas ungewöhnlich, aber durchaus nicht unangebracht, entstehen so doch kurze Sinnabschnitte, was die weiter leichte Lesbarkeit fördert.

Die gelegentlich eingestreuten schwarz-weiß-Illustrationen sind zwar schön anzusehen, wiederholen sich aber, sodass der Fundus eher gering ist – hier hätten ein paar Illustrationen mehr für ein noch schöneres Ergebnis gesorgt. Auch ist es etwas schade, dass die „gegnerische“ Klasse hier sehr stereotyp gezeichnet wird, insbesondere in der Figur von Pauline hätte hier eine komplexere Darstellung die ganze Geschichte abrunden und realistischer gestalten können. Alles in allem kann aber zum Beispiel das Ende dennoch überzeugen. Anja Janottas Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und im Zusammenspiel mit den Illustrationen von Ulla Mersmeyer das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist gelungen. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz setzt Bild und Text zu einem schön anzusehenden Gesamtpaket, auf die teils spoilernden Kapitelüberschriften hätte man aber verzichten können. Das Covermotiv wird zum Buchrücken hin unterbrochen, ist aber durchaus ansehnlich und passt zur Geschichte. Buchrücken und Coverrückseite sind hingegen eher eintönig.

Mein Fazit? „Die coolste Klasse des Planeten“ ist ein abwechslungsreiches, illustriertes Kinderbuch, das von seiner durchaus guten Idee lebt, dabei aber auch kleinere Schwächen hat. Für Leser:innen ab etwa 10 Jahren bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Katherine Black: „May Morrigans mysteriöse Morde: Eine Buchhändlerin greift durch“ (May Morrigan 1)

Vor kurzem habe ich auch „May Morrigans mysteriöse Morde: Eine Buchhändlerin greift durch“ von Katherine Black gelesen, die Übersetzung stammt von Dr. Dietmar Schmidt. Das Buch ist 2024 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG erschienen und als Kriminalroman einzuordnen, die Originalausgabe wurde im Jahr 2023 unter dem Titel „A Most Unusual Demise“ bei Bloodhound Books veröffentlicht. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die verlagseigene Bloggerjury.

May Morrigan, Bibliothekarin a. D., trägt bevorzugt Perlenkette und Pastell, ihr Herzensort ist ihre imposante Buchhandlung. Die alte Dame lebt in einem englischen Landidyll vor den Toren Londons, gemeinsam mit ihren beiden Dackeln und ihrem alten Studienfreund Fletcher. Ein beschauliches Leben – wäre da nicht Mays Hang, unliebsame Menschen aus dem Verkehr zu ziehen. Wer die Gemeinschaft stört, wird kurzerhand eliminiert. Als ein junges Mädchen aus dem Dorf verschwindet, ist ihr krimineller Ehrgeiz geweckt: Endlich scheint May einen würdigen Gegner gefunden zu haben. Wer steckt hinter der Entführung? Gab es weitere Fälle? Und kann sie den Täter noch vor der Polizei zur Strecke bringen ..?

„May Morrigans mysteriöse Morde: Eine Buchhändlerin greift durch“ ist der erste Teil der im Original derzeit zweibändigen Buchreihe um die pensionierte Bibliothekarin May, der auch 2021 für den Yeovil Literary Prize in der Kategorie „Roman“ nominiert wurde. Dabei lässt sich das Buch – wie auch auf dem Cover angegeben – dem Genre „Kriminalroman“ zuordnen, die eigentlich sehr übliche Eingruppierung als „Cosy Crime“, wenn man an Landhaus, England und pensionierte Laienermittlerinnen denkt, scheidet hier sehr offensichtlich aus.

Denn die Handlung ist durchaus spannend und sogar actiongeladen, auch wenn bei den „Gewaltszenen“ teils ausgeblendet wird. Auch schafft Katherine Black es, gelegentlich die Leser:innen durch unerwartete Wendungen in die Irre zu führen, die letztliche Auflösung der Verbrechen überrascht jedoch nicht. Zudem irritiert der Versuch des Buches, Sympathien für May zu wecken – hier hätte man doch eine klarere moralische und auch rechtliche Einordnung ihrer Taten vorfinden müssen – ich hoffe, dass dies spätestens im Folgeband nachgeholt wird und auch sie die Konsequenzen davon zu spüren bekommt.

Das Setting ist natürlich sehr gelungen, entführt die Autorin doch die Leser:innen vor die Tore von London in ein kleinstädtisches, ländliches Idyll mit Buchhandlung, Metzger und Gemeindeveranstaltungen. Dabei mischt Katherine Black diverse Themen wie Langeweile im Alter und Queerfeindlichkeit mit der Krimihandlung zu einem spannenden Konglomerat, das gleichzeitig auch als etwas überzeichnetes Porträt von Großbritannien dienen kann.

Die einzelnen Figuren sind dabei größtenteils vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei brillieren insbesondere Nebencharaktere wie Danny Fox, Suzy und Chloe, während May teils – offensichtlich – nicht nachvollziehbar handelt. Katherine Blacks Schreibstil lässt sich hierbei flüssig und leicht lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben im Wesentlichen sauber gearbeitet, der Buchumschlag ist mit farbigen – allerdings eintönigen – Coverinnenseiten versehen. Das Covermotiv ist durchaus ansprechend und passt zur Handlung, die Farbgebung wird auf der sonst eher unspektakulären Coverrückseite und dem Buchrücken wieder aufgegriffen. Abzuwarten bleibt, ob mit einem etwaigen Folgeband hier ein einheitlicher Reihengesamteindruck entstehen kann oder das Cover dafür doch zu individuell gestaltet ist.

Mein Fazit? „May Morrigans mysteriöse Morde: Eine Buchhändlerin greift durch“ ist ein gelungener Auftakt in die Krimireihe um die titelgebende May, der vor allem mit Spannung und einem tollen Setting überzeugt, gleichzeitig aber in der Hauptprotagonistin durchaus problematisch ist. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.

Noch mehr Geschichte | Buchpost im Doppelpack

Auch heute habe ich noch einmal zwei Neuzugänge für Euch, die mich jeweils als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de erreicht haben – vielen Dank dafür! „Fernwehland“ von Kati Naumann (HarperCollins in der Verlagsgruppe HarperCollins Deutschland GmbH) nimmt die Leser dabei auf die „Astoria“ mit, auf eine Reise durch die letzten Jahrzehnte der deutschen Geschichte, während „Das Fräulein muss sterben“ von Christine Grän und Marianne von Waldenfels (Droemer Verlag, Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG) ein historischer Krimi ist, der zur Zeit der Bonner Republik spielt – und den Auftaktband der Reihe um die Kommissarin Clara Frings darstellt.

Welche Epoche der deutschen Geschichte würde Euch auch noch interessieren?

Deutsche Geschichte im Doppelpack | Lovelybooks-Buchpost

In den nächsten Tagen habe ich wieder Rezensionen, Buchneuzugänge und weitere Neuigkeiten für Euch – den Anfang machen heute zwei Rezensionsexemplare. „Berchtesgaden“ von Carolin Otto (Lübbe in der Bastei Lübbe AG) erreichte mich dabei über die verlagseigene Bloggerjury, während „Die Wächterin von Köln“ von Petra Schier (HarperCollins in der Verlagsgruppe HarperCollins Deutschland GmbH) im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de zu mir kam – vielen Dank jeweils dafür. Beide Bücher entführen die Leser:innen dabei in die deutsche Geschichte. Und so freue ich mich schon auf die Ausflüge in die Nachkriegszeit und ins spätmittelalterliche Köln.

In welche Epoche würdet Ihr gern einmal literarisch reisen?