Auch diese beiden Bücher durften auf der Leipziger Buchmesse bei mir neu einziehen. „Aurora – Das Flüstern der Schatten“ und „Laurelin – Das Flüstern des Lichts“ sind die beiden Bände der „Flüsterchroniken“ von Caroline Brinkmann. Erschienen sind die Bücher im cbj Kinder- und Jugendbuchverlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH, gekauft habe ich mir wie abgebildet die wunderschönen Exklusivausgaben von Chest of Fandoms. Die Bücher entführen die Leser dabei in die Städte Hansewall und Amsterlock – und hinein in den ewigen Kampf zwischen Licht und Dunkelheit. Ich freue mich schon unglaublich darauf, mal wieder eine Dilogie von Cari zu lesen!
Heute möchte ich Euch zwei Neuzugänge präsentieren, die mich in den letzten Tagen und Wochen aus der Bloggerjury der Bastei Lübbe AG erreicht haben. Sowohl „Ungeheuer lieb“ von Sonja Kaiblinger mit Illustrationen von Anton Riedel (Der Anton) aus dem Baumhaus Verlag als auch „Die Telefonistinnen – Stunden des Glücks“ von Nadine Schojer, das in Kürze bei Lübbe erscheint, begründen dabei jeweils eine Buchreihe, auch wenn die einzelnen Werke unterschiedlicher nicht sein könnten, handelt es sich doch um ein illustriertes Kinderbuch für Leser:innen ab acht Jahren und einen historischen Roman, der uns in die Nachkriegszeit entführt. Ich bin jedenfalls auf beide bereits sehr gespannt und bedanke mich an dieser Stelle bei den Verlagen für die Bereitstellung der Rezensionsexemplare.
Vor kurzem habe ich auch „Neue Heimat – 1404“ von Frauke Angel gelesen. Das Buch ist 2024 in der Tulipan Verlag GmbH (mittlerweile Teil der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH) erschienen und dem Genre Kinder- bzw. Jugendkrimi zuzuordnen, die Illustrationen stammen von Stephanie Brittnacher. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.
Enna tickt ein bisschen anders. Im Moment vor allem anders als ihre Mutter Stella, mit der sie Hals über Kopf aus dem gutbürgerlichen Stadtviertel in den 14. Stock einer Hochhaussiedlung umzieht. Während die erschöpfte Stella die neue Wohngegend als Ghetto bezeichnet, wittert Enna ihre Chance: Auf einen aufregenden Neuanfang, auf neue Freunde! Doch als gleich in der ersten Woche Ennas nagelneues Rad aus dem Fahrradraum geklaut wird, scheinen Stellas Vorurteile bestätigt und Enna sieht ihr neues Leben in Gefahr. Sie beschließt, den Dieb auf eigene Faust zu schnappen. Und sie bleibt mit ihrem Vorhaben nicht lange allein: Mit Vivien, Firuz und den Zwillingen Jack und Joy, die alle im selben Turm wohnen, gründet sie eine Bande, die sie nach der Hochhaussiedlung „Neue Heimat“ nennen – und gemeinsam machen sie sich auf die turbulente Spurensuche.
„Neue Heimat – 1404“ ist der Auftaktband einer Reihe an Kinder- bzw. Jugendbüchern für Leser:innen ab 11 Jahren. Dabei habe ich den Roman aufgrund der zentralen Bedeutung des Diebstahls für die Handlung als Kinder- bzw. Jugendkrimi eingeordnet, ob sich dies allerdings durch die Reihe durchzieht oder im weiteren Verlauf sich die Folgebände doch eher in Richtung klassisches Jugendbuch entwickeln, bleibt jedoch abzuwarten. Aufgrund der Altersempfehlung für die Leser:innen und des Alters der Protagonisten balanciert das Buch zudem direkt an der Grenze zwischen Kinder- und Jugendbuch, sodass ich hier keine genaue Festlegung getroffen habe.
Die Handlung ist im Wesentlichen spannend, humorvoll und altersgerecht. Während sie zu Beginn durchaus etwas hektisch und aufgrund der Einführung der Protagonist:innen teils unübersichtlich ist, nimmt sie im Verlauf doch an Fahrt auf. Lediglich das Ende kommt etwas komplikationslos und rasch daher, auch für die Zielgruppe hätte es hier ein paar Stolpersteine auf dem Weg zum Ziel mehr geben können.
Das Setting ist gelungen. So entführt die Autorin die Leser:innen in eine Hochhaussiedlung an der Grenze zum sozialen Brennpunkt. Dabei vermengt Frauke Angel dort Themen wie Migration, psychische Erkrankungen, Alkoholismus und die Vernachlässigung von Kindern (um nur einige zu nennen) zu einem interessanten Gesamtpaket – auch wenn einige der angelegten Probleme als etwas zu gewollt erscheinen.
Die einzelnen Figuren sind aufgrund der schieren Fülle noch etwas schematisch angelegt, können sich im Laufe der nächsten Bände aber noch entwickeln. Dabei überzeugen derzeit vor allem wichtige Nebencharaktere wie die Zwillinge Jack und Joy oder auch Cleo. Frauke Angels Schreibstil ist zudem altersgerecht, lässt sich leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anspringen.
Die Buchgestaltung ist ebenfalls im Wesentlichen gelungen. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist wunderschön anzusehen, versucht durchaus innovativ Chatnachrichten einzubauen und wird durch die tollen Illustrationen von Stephanie Brittnacher unterstützt. Das Hardcover ist mit in Graustufen gestalteten Coverinnenseiten ausgestattet, das Covermotiv bietet (auch auf der Coverrückseite) farblich tolle Akzente, ist insgesamt für mich allerdings etwas zu düster und zu abstrakt gehalten.
Mein Fazit? „Neue Heimat – 1404“ ist ein vielversprechender Auftakt in eine Buchreihe, die wichtige Themen anspricht und mit tollen Charakteren punktet, aber auch noch etwas Luft nach oben für die Folgebände lässt. Für Leser:innen ab dem vom Verlag vorgesehenen Lesealter von 11 Jahren bedenkenlos zu empfehlen.
Vor kurzem habe ich auch „Das dunkle Versteck“ von Arnaldur Indriðason gelesen. Das Buch ist 2024 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG erschienen, die Originalausgabe wurde 2022 unter dem Titel „Kyrrþey“ bei Forlagið veröffentlicht. Das Buch ist dabei als Kriminalroman einzuordnen, für die Übersetzung zeichnet Freyja Melsted verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.
Nach dem Tod ihres Mannes findet Halla eine Pistole in einer Garage mitten in Reykjavík. Sie bringt sie zur Polizei. Als der pensionierte Kommissar Konráð davon erfährt, erinnert er sich, dass sein Vater eine ebensolche Waffe besaß. Ein Mitarbeiter der Spurensicherung findet zudem heraus, dass aus dieser Waffe der tödliche Schuss in einem anderen ungeklärten Fall stammt. Damals wurde ein Mann namens Garðar aus heiterem Himmel erschossen. Konráð nimmt nun privat Ermittlungen auf, weil er wissen will, was sein Vater mit den Verbrechen zu tun hat. Eine Spur führt zu Gústaf, einem Arzt, der wegen Kindesmissbrauchs im Gefängnis sitzt. Auch Konráðs Vater war damals mit diesem Arzt in Kontakt …
„Das dunkle Versteck“ ist der fünfte Band der Reihe um den mittlerweile pensionierten Kommissar Konráð und ein klassischer isländischer Kriminalroman, auch wenn genrebedingt die Grenzen zum Thriller hier natürlich sehr fließend sind. Dabei lässt sich das Buch zwar als Standalone lesen, jedoch würde ich es empfehlen, die anderen Bände vorab zu lesen, da dann – vermutlich – ein besserer Überblick über die Handlung und Figurenentwicklung möglich gewesen wäre.
Denn so war die Handlung zwar durchaus spannend, aufgrund der multiplen Zeitebenen und diversen Handlungsstränge allerdings auch sehr komplex, an der Grenze zu verworren – nie hatte man hier das Gefühl, dass es wirklich stringend voran geht, ein klarer roter Faden fehlte mir. Nichtsdestotrotz schmiedete Indriðason hier ein Potpourri aus organisierter Kriminalität, Korruption, Kindesmissbrauch und persönlichen Rachefeldzügen, das – wenn man schlussendlich mal dahintergestiegen ist – durchaus zu begeistern weiß.
Das Setting vermag hingegen von Beginn an zu überzeugen. So entführt der Autor die Leser:innen nach Reykjavik und erschafft aufgrund der Zeitsprünge ein Porträt einer Stadt im Wandel, in der Wellblechhüttenslums der Kapitalisierung weichen müssen, in der jedoch auch weiterhin Obdachlose in kalten Winternächten auf Parkbänken erfrieren. Etwas klischeehaft hangelt sich Konráð dabei gefühlt von Schneesturm zu Schneesturm, dies tut der besonderen Atmosphäre des Romans jedoch keinen Abbruch.
In den Figuren konzentriert sich der Autor zentral auf Konráð, alle weiteren Figuren werden in der Regel nur kleinere Nebenrollen angedacht, deren Entwicklung daher durchaus etwas vernachlässigt. Konráð hingegen ist vielschichtig und dreidimensional, hat Stärken und Schwächen, Ziele und Motive. Dies trifft darüber hinaus noch am ehesten auf Marta zu. Arnaldur Indriðasons Schreibstil lässt sich zudem flüssig und leicht lesen und das Kopfkino sofort anspringen.
Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist fehlerfrei aber auch sehr konservativ. Das Covermotiv kann die düstere Atmosphäre des Romans gut auffangen, das unter dem Umschlag befindliche Buch ist zwar schlicht, wartet jedoch überraschend mit toll gestalteten, farbigen Coverinnenseiten auf, auf denen die Karte Islands und ein Stadtplan Reykjaviks präsentiert werden.
Mein Fazit? „Das dunkle Versteck“ ist ein Kriminalroman, der vor allem mit seinem Setting und einer starken Atmosphäre punkten kann, dessen Handlung jedoch zuweilen zu verworren daherkommt. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.
Und auch diese beiden wundervollen Bücher zogen vor kurzem bei mir ein. „Chaos Witches – Die falsche Auserwählte“ ist hierbei das neue (und unglaublich wunderschöne) Buch von Caroline Brinkmann aus dem dtv Verlag, während „Dark Sigils – Wen das Schicksal betrügt“ bereits der dritte Band der gleichnamigen Reihe von Anna Benning aus dem Fischer Kinder- und Jugendbuchverlag, S. Fischer Verlage ist. Beide Bücher sind dabei der Jugendfantasy zuzuordnen und für ganz ähnliche Altersgruppen vorgesehen. So wird Caris Buch für Leser:innen ab 13 Jahren empfohlen, Annas Buch für Leser:innen ab 14. So oder so: Wenn die Inhalte auch nur annähernd mit dem tollen Design mithalten können, stehen mir in beiden Fällen hier bezaubernde Lesestunden ins Haus. Zudem freue ich mich, hoffentlich beide Autorinnen auch in Leipzig treffen zu können, um mir die wunderschönen Bücher auch noch signieren zu lassen.
In den letzten Tagen und Wochen trudelten auch diese beiden Rezensionsexemplare bei mir ein. „Neue Heimat – 1404“ von Frauke Angel mit Illustrationen von Stephanie Brittnacher (Tulipan Verlag GmbH) erreichte mich dabei im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de, „Zeit der Schwestern: Apfelblütentage“ von Tanja Huthmacher (Lübbe) über die Bloggerjury der Bastei Lübbe AG – vielen Dank dafür. In beiden Romanen stehen dabei zwischenmenschliche Beziehungen im Mittelpunkt der Handlung: Freunde und Schwestern. Noch eines haben jedoch beide Bücher gemeinsam: Sie begründen jeweils eine Reihe. Ich bin jedenfalls schon ganz gespannt, welcher Roman hier das Fundament für tolle Fortsetzungen legt.
Wie versprochen kurz vor Ende des Abends noch die zweite heutige Rezension. Denn vor kurzem habe ich auch „A Night of Shadows and Betrayals“ von Anne Pätzold beendet. Der Roman ist 2023 im LYX Verlag in der Bastei Lübbe AG erschienen und dem Genre Romantasy zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.
Winnies schlimmster Alptraum ist wahr geworden: Sie hat es nicht geschafft, ihre Schwester Sasha zu beschützen. Das Einzige, was jetzt zählt, ist sie zu finden und zu retten. Doch es wird schnell klar, dass Winnie Hilfe braucht, und zwar ausgerechnet von Jo, die trotz all dem, was zwischen ihnen passiert ist, noch immer ihr Herz höherschlagen lässt. Nur gemeinsam haben sie eine Chance, herauszufinden, was mit Sasha passiert ist – wobei sie nie hätten vorhersehen können, auf welche unfassbaren Geheimnisse sie bei ihrer Suche stoßen würden …
„A Night of Shadows and Betrayals“ ist der zweite Band der „A Night of …“-Trilogie und setzt die Handlung des Vorgängers „A Night of Promises and Blood“ nahtlos fort. Dabei ist das Buch erneut als Romantasy einzuordnen, auch wenn hier eine gehörige Portion Suspense und Thrill mitschwingt. Und auch weiterhin balanciert das Buch auf der Grenze zwischen YA und NA, hat Protagonisten im typischen Alter für New Adult, vermittelt aber eher Young-Adult-Vibes und verzichtet größtenteils auf erotische Szenen.
Die Handlung ist unglaublich spannend, und rasant und kann mit unerwarteten Wendungen aufwarten. Allerdings endet der Band – noch brutaler als im ersten Teil – mit einem heftigen Cliffhanger, hier hätte man durchaus auch ein anderes, früheres oder späteres, Ende wählen können. Abgesehen davon hält „A Night of Shadows and Betrayals“ jedoch die immens hohe Qualität des Vorgängers und sorgt dafür, dass die Reihe sich weiterhin als Jahreshighlight präsentiert.
Das Setting ist – ebenfalls gleichbleibend – stark, entführt Anne Pätzold den Leser doch erneut nach New York City in das urbane Flair der Großstadt, wenn auch die Stadt in diesem Band nicht mehr die zentrale Rolle spielt wie im ersten Teil. Auch ist zugunsten der Fokussierung auf die Spannung jegliches Hintergrundthema wie die Kunst gänzlich abhanden gekommen – was etwas schade ist, nichts aber daran ändert, dass das Buch erneut ein absoluter Pageturner ist.
Die Figuren werden konstant weiterentwickelt, sind weiterhin vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Toll ist es hierbei, dass Blair in diesem Buch eine aktivere Rolle bekommt, während auch Sasha weiterhin brillieren kann und Winnie die starke Identifikationsfigur verbleibt, mit der man lacht und leidet. Anne Pätzolds Schreibstil lässt den Leser erneut durch die Seiten fliegen, lässt sich flüssig lesen und das Kopfkino sofort anspringen.
Und auch die Buchgestaltung kann wieder punkten. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover ist ein unglaublicher Traum, der sich gut in das Gesamtbild der Reihe einfügt und für einen einheitlichen Gesamteindruck mit Wiedererkennungswert sorgt. Und auch das unter dem Umschlag befindliche Buch ist erneut wahnsinnig toll anzusehen.
Mein Fazit? „A Night of Shadows and Betrayals“ setzt Anne Pätzolds Reihe nahtlos und brillant fort und glänzt weiterhin vor allem mit unglaublich starken Charakteren. Für Leser des Genres – wie vom Verlag vorgeschlagen – ab 16 Jahren bedenkenlos zu empfehlen.
Heute habe ich gleich zwei Rezensionen für Euch. Den Anfang macht hierbei „A Night of Promises and Blood“ von Anne Pätzold, das ich selbst gekauft und in den letzten Tagen gelesen habe. Das Buch ist 2023 bei LYX in der Bastei Lübbe AG erschienen und dem Genre Romantasy zuzuordnen.
Als Winnie mit ihrer Schwester Sasha nach New York zog, hatte sie nur ein Ziel: ihren Vater zu finden und zu erfahren, warum er vor vierzehn Jahren plötzlich aus ihrem Leben verschwand. Doch den Mut aufzubringen, sich der eigenen Vergangenheit zu stellen, ist leichter gesagt als getan, zumal Winnie mehr denn je das Gefühl hat, ein Auge auf ihre jüngere Schwester haben zu müssen. Diese hat sich nämlich mit Jo angefreundet, einer jungen Frau, die vor Kurzem in die Wohnung nebenan eingezogen ist und die Winnie nicht nur wegen ihrer mysteriösen Ausstrahlung, sondern auch mit der Art, wie sie ihr Herz schneller schlagen lässt, gehörig verwirrt. Dabei ahnt Winnie nicht, dass Jo ein Geheimnis hat. Ein Geheimnis, das so unglaublich wie gefährlich ist – und das Winnie alles nehmen könnte, was ihr lieb ist …
„A Night of Promises and Blood“ ist der Auftakt zur „A Night of …“-Reihe von Anne Pätzold, die auf drei Bände angelegt ist. Dabei ist bereits die Genrezuordnung nicht ganz klar, wird das Buch doch unter anderem als „Paranormal Romance“ oder als Vampirroman angepriesen. Ich persönlich würde es jedoch eher als klassische Romantasy einordnen, die an der Grenze zwischen Young- and New Adult balanciert. So ist Winnie zwar schon 22, generell vermittelt das Buch jedoch eher YA-Vibes, die – gelinde gesagt – einfach großartig sind.
Die Handlung ist spannend, abwechslungsreich – und das Buch daher ein wahrer Pageturner und ein frühes Jahreshighlight. Anne Pätzold gelingt es, komplexe Themen, brodelnde Gefühle, Hochspannung und ein fantastisches Setting zu einem dennoch leichten, fast Wohlfühl-Roman zu vermischen, der cozy Gefühle beim Leser weckt, sodass man die brillanten Charaktere direkt ins Herz schließen muss. Einziges, minimales Manko: der Cliffhanger am Ende – und die große Überraschung, die einen packt und gedanklich nicht mehr loslässt. Glücklicherweise kann ich direkt weiterlesen, mir graut es aber bereits jetzt schon vor der Wartezeit auf Band 3.
Das Setting ist ebenfalls gelungen. So entführt Anne Pätzold den Leser für das Urban-Fantasy-Setting in eine der urbansten Regionen der Erde: New York City – eine pulsierende Stadt voller Leben, Verbrechen und Kunst. Letzteres ist eine weitere, spannende Ebene des Romans – hier hätte ich mir fast noch stärkere Exkurse gewünscht, auch wenn dies sicherlich ein schmaler Grat ist, um das Buch nicht mit Fachwissen und Diskussionen dazu zu überfrachten.
Die einzelnen Figuren sind – wie bereits angedeutet – brillant, sind vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Natürlich überzeugen Winnie und Jo, gerade Winnie ist sehr relatable und unglaublich berührend. Restlos begeistert bin ich jedoch von Sasha und Blair – beide hochspannend, ich hoffe, noch mehr über sie zu erfahren. Und auch Anne Pätzolds Schreibstil glänzt auf ganzer Linie, ist leicht, humorvoll und emotional – und lässt das Kopfkino sofort anspringen.
Die Buchgestaltung ist ebenfalls – im Wesentlichen – gelungen. Zwar sind Lektorat und Korrektorat Kleinigkeiten durchgerutscht, diese schmälern das Lesevergnügen aber kaum. Der Buchsatz ist sehr schön, das Cover ein absoluter Eyecatcher und der Umschlag auf dem Cover und Buchrücken leicht geprägt. Farbige Coverinnenseiten und – vor allem – ein wunderschönes Buch unter dem Umschlag runden das atemberaubende Gesamtergebnis ab.
Mein Fazit? „A Night of Promises and Blood“ ist ein hochspannender Auftakt in eine Reihe, die mit starken Charakteren glänzt und das Potential hat, ein absolutes Jahreshighlight zu werden. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag vorgeschlagenen Lesealter von 16 Jahren.
Vor kurzem habe ich auch „Und Sie sind also der Künstler?“ von Simon Bill gelesen. Das Buch ist 2023 im GOYA Verlag, JUMBO Neue Medien & Verlag GmbH erschienen, die Originalausgabe wurde 2016 zuletzt unter dem Titel „Artist in Residence“ bei Sort of Books, eine frühere Version unter dem Titel „Brains“ bei CABINET II veröffentlicht. Das Buch ist der Gegenwartsliteratur zuzuordnen, für die Übersetzung zeichnet Friederike Moldenhauer verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.
Ganz schön frustrierend, wenn man sich von Vernissage zu Vernissage schleppt, selbst aber schon lange nichts mehr verkauft hat – immerhin sind die Drinks gratis. Auch sonst sieht die Situation für Simon Bills Antihelden nicht gerade rosig aus: Seine Freundin hat ihn sitzen lassen und der einzige Händler, der ihm Aufmerksamkeit schenkt, ist sein Drogendealer. Das soll sich jedoch ändern, als er an ein Arbeitsstipendium an einem neurologischen Institut kommt. Die rettende Idee: eine von Neurowissenschaften inspirierte Ausstellung! Es läuft nur leider nicht ganz so glatt, wie er sich das vorgestellt hat …
„Und Sie sind also der Künstler?“ ist ganz anders als erwartet – und lässt sich daher bereits nicht wirklich einem Genre zuordnen. Beworben als bissige Satire, fehlt mir hier sowohl der Biss als auch die Satire – am ehesten gleicht das Buch noch einer Mischung aus überzeichnetem Porträt der modernen Kunstwelt gemischt mit sachbuchhaften Ausführungen. Daher habe ich es dem Genre der Gegenwartsliteratur zugeordnet – mir gingen hier schlicht die Ideen aus.
Die Handlung ist im Grundsatz interessant, hat durch die teils echt umfangreichen, wissenschaftlichen Ausführungen aber durchaus auch Längen. Zudem fehlt fast gänzlich ein roter Faden, als Leser bekommt man nie das Gefühl, zu wissen, wo Simon Bill mit dem Buch hinmöchte, es ist viel mehr eine Momentaufnahme der Kunstszene als eine wirkliche Geschichte – schade, hier hätte man mit den Charakteren durchaus mehr machen können. Auch ist das Ende fast gänzlich offen und lässt mich als Leser durchaus unbefriedigt zurück.
Das Setting kann dahingegen im Wesentlichen überzeugen. So nimmt Simon Bill den Leser mit auf eine Reise durch die Kunstwelt – und in ein neurologisches Institut. Auch wenn die wissenschaftlichen Ausführungen – wie oben angegeben – teils zu umfangreich sind und daher den Fortgang und Lesefluss hemmen, ist die Mischung doch interessant und ermöglicht spannende Einblicke in das Zusammenwirken von Kunst und Neurowissenschaft.
Die einzelnen Figuren sind teils nur sehr schematisch angelegt, bestehen doch die Nebenfiguren für die Protagonisten fast nur aus ihren Erkrankungen – stärkere persönliche Einblicke fehlen hier leider. Am ehesten können noch Ben, Colin und Emily überzeugen, der namenlos bleibende Protagonist kann zu keiner Zeit eine richtige Verbindung zum Leser aufbauen – und das liegt nicht nur an dem exzessiven Alkohol- und Drogenkonsum. Simon Bills Schreibstil lässt sich dahingegen durchaus flüssig lesen, verbleibt aber alles in allem etwas emotionslos.
Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben ordentlich gearbeitet, die Handlung wird mit vereinzelten Abbildungen aufgelockert und unterstützt. Das Buch unter dem Umschlag ist schlicht, das Covermotiv etwas nichtssagend, zieht sich aber immerhin gut über den Buchrücken und die Coverrückseite, sodass ein einheitliches Gesamtbild mit tollem Farbverlauf entsteht.
Mein Fazit? „Und Sie sind also der Künstler?“ ist ein grundsätzlich interessantes Porträt der Londoner Kunstwelt gemischt mit neurowissenschaftlichen Ausführungen, dem jedoch leider der rote Faden und der versprochene bissige Humor fehlt. Daher nur bedingt zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.
Vor kurzem habe ich auch „Im Sturm der Macht“ von Tuomas Oskari gelesen. Das Buch ist 2023 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG veröffentlicht worden, die Originalausgabe erschien 2022 unter dem Titel „Miekka“ und dem Klarnamen „Tuomas Niskakangas“ bei Otava. Das Buch ist als Politthriller einzuordnen, für die Übersetzung aus dem Finnischen zeichnet Anke Michler-Janhunen verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.
Helsinki 2028: Bei einem Staatsempfang wird die finnische Ministerpräsidentin von einem Scharfschützen aus dem Hinterhalt erschossen. Die politische Lage im Land hatte sich schon zuvor zugespitzt, als die Regierung Flüchtlinge auf einer stillgelegten Kreuzfahrtfähre interniert hatte. In dieser dramatischen Lage kehrt Leo Koski, der Ex-Ministerpräsident, nach Helsinki zurück, zunächst nur als Spielball mächtiger Männer. Doch bald erkennt er, dass ein Staatsstreich geplant ist. Und den muss er mit allen Mitteln verhindern!
„Im Sturm der Macht“ ist der zweite Thriller um den Protagonisten Leo Koski. Dabei kann der Roman gut als Standalone gelesen werden, auch wenn es sich natürlich empfiehlt, den Vorgänger „Tage voller Zorn“ zu kennen, da die Entwicklungen aufeinander aufbauen und viele bekannte Charaktere vorkommen. Hierbei ist das Buch erneut als Politthriller einzuordnen, auch wenn natürlich auch die generelle, auf dem Cover vorgenommene, Eingruppierung als „Thriller“ möglich gewesen wäre – oder eine solche als Justizthriller, spielt doch zumindest ein Gerichtsverfahren eine zentrale Rolle im Roman.
Die Handlung ist – wie im Vorgänger – unglaublich spannend, abwechslungs- und temporeich. Zwar dauert es etwas, bis sich die verschiedenen Handlungsstränge verknüpfen und es werden immer neue aufgenommen, es gelingt Tuomas Oskari dennoch, nie Langeweile entstehen zu lassen, keine Längen zu produzieren. Dabei vermengt der Autor gekonnt wieder wichtige gesellschaftspolitische Themen wie Migrationspolitik mit einem Politthriller, dessen Ende niemanden kalt lassen wird.
Das Setting ist ebenfalls bestechend, wenn auch nicht ganz so brillant wie im ersten Band, der direkt in die geheimen Schaltzentralen der finnischen Politik führte. Aber auch in diesem Buch nimmt der Autor den Leser wieder mit nach Helsinki – unter anderem auf ein Kreuzfahrtschiff, das zum Transitzentrum für Flüchtlinge umfunktioniert wurde – ein fast prophetischer Ausblick auf die aktuellen Entwicklungen. Interessant ist dieses Mal auch die internationale Komponente – und der gut gewählte Ansatz, beide extremistischen, politischen Strömungen als radikal, manipulativ und verbrecherisch herauszuarbeiten.
Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen sowohl Leo als auch Sara als Protagonisten des Romans (selten!), sowie wichtige Nebencharaktere wie Amelia. Tuomas Oskaris Schreibstil ist dabei leicht und flüssig zu lesen und lässt das Kopfkino sofort anlaufen.
Die Buchgestaltung ist erneut brillant, der Umschlag ist auf dem Cover hochwertig geprägt und mit toll gestalteten, farbigen Coverinnenseiten versehen. Das Titelbild setzt sich nahtlos auf Buchrücken und Coverrückseite fort und sorgt so für ein schönes Gesamtbild, das auch durch die tolle Farbgebung verstärkt wird, die im Buchschnitt wiederaufgegriffen wird. Auch passt sich das Buch gut in das Gesamtbild der Reihe ein und sorgt für einen hohen Wiedererkennungswert.
Mein Fazit? „Im Sturm der Macht“ ist eine brillante Fortsetzung, die vor allem mit Spannung und tollen Charakteren glänzt. Eine der besten Thrillerreihen der letzten Jahre – für Leser des Genres ab 16 Jahren bedenkenlos zu empfehlen.