[Buchgedanken] Lukas Rieger, Josip Radovic: „Der Lukas Rieger Code“

Heute möchte ich mal ein etwas anderes, für mich ungewöhnliches Buch besprechen, dass ich im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks gelesen habe. Vielen Dank auch an dieser Stelle an den Verlag für die Bereitstellung des Leseexemplars. „Der Lukas Rieger Code“ wurde von Josip Radovic in Zusammenarbeit mit Lukas Rieger geschrieben, und ist 2017 bei HarperCollins veröffentlicht worden. Es ist am ehesten als Künstlerbiographie einzuordnen.

51lrfgcanzl-_sx303_bo1204203200_Millionen Menschen, nicht nur in Deutschland, folgen im Internet Lukas Rieger auf Schritt und Tritt. Seine Youtube-Videos erfreuen sich größter Beliebtheit, seine Instagram- und Snapchat-Zahlen schießen durch die Decke. Selbst im Alltag kann er nicht einmal mehr Schuhe einkaufen, ohne von den Menschen erkannt zu werden. Doch wie hat er den Durchbruch geschafft? Was treibt ihn an, und was sind seine Ziele?

„Der Lukas Rieger Code“ ist ein privater Einblick in die Gedanken und Gefühle, in die Welt eines 18-jährigen Superstars. Er erzählt von seiner Familie, von seinem Leben – und vor allem, von seiner Musik, seinen Wünschen, seinen Träumen. Dem Leser wird ein interessanter Einblick hinter die Kulissen des Werdegangs eines Superstars, des „deutschen Justin Bieber“, gegeben. Es ist spannend zu sehen, wie zielstrebig Lukas bereits seit jungen Jahren seine Karriere verfolgt hat, welche Opfer er dafür gebracht und welche Hindernisse er aus dem Weg geräumt hat. Insbesondere hat mich der Einblick in die Welt der Castingshows, die Bewertung der verschiedenen Social-Media-Marketingmöglichkeiten und die Unterstützung seiner Familie beeindruckt. Leider war es zuweilen etwas sprunghaft, ich hätte einige Kapitel sicherlich anders angeordnet, um einen stärkeren roten Faden zu schaffen.

Sprachlich hat mich das Buch ebenfalls nicht vollends überzeugt. Mir ist klar, dass eine Künstlerbiographie eines 18-jährigen Superstars auf das Zielpublikum zugeschnitten ist, dass die Sprache einfach, klar verständlich und eben jugendlich zu sein hat. Dennoch finde ich, dass der Autor/die Autoren hier übertrieben haben. Ich weiß nicht, wie viele Dinge, wie viele Situationen des Romans „fresh“ waren, wie oft Lukas Sachen „gefeiert“ hat. Sind denn ein, zwei Synonyme wirklich zuviel verlangt?

Gut gefallen dagegen hat mir die hochwertige Gestaltung des Buches mit farblichen, teils ausklappbaren Cover-Innenseiten und einem schönen Buchumschlag. Buchsatz, Lektorat und Korrektorat haben ebenfalls gut gearbeitet. Ein ganz besonderes Lob möchte ich noch an den Verlag richten, der sich (wie es heute kaum noch einer macht) an eherne Richtlinien gehalten hat, und jedes Kapitel auf einer rechten bzw. ungeraden Seite begonnen hat, auch wenn dies zu Leerseiten im Buch geführt hat.

Mein Fazit? „Der Lukas Rieger Code“ ist eine spannende und interessante Künstlerbiographie, die einen Blick hinter die Kulissen zulässt und zeigt, wie ein Star entsteht. Auch wenn das Buch sprachlich zu stark auf die Jugendsprache setzt und diese übertrieben einsetzt, kann es doch durch eine wunderbare Gestaltung punkten. Für Lukinators und Social-Media-begeisterte Jugendliche genau das Richtige.

[Buchgedanken] Halo Summer: „Aschenkindel. Das wahre Märchen“

Bevor ich Euch morgen wieder tolle Neuigkeiten von mir präsentiere (als kleiner Wink mit dem Zaunpfahl verweise ich mal auf die Jahreszahl 2017), möchte ich Euch heute noch ein Buch vorstellen, das ich fast in einem Zug verschlungen habe und das definitiv zu meinen Lesehighlights des Jahres gehört.

Am letzten Wochenende bin ich endlich dazu gekommen, Halo Summers „Aschenkindel“ zu lesen, den Gewinner des diesjährigen „Kindle Storyteller Awards“. Das Taschenbuch ist 2016 bei CreateSpace im Selfpublishing erschienen und ist eine Neuinterpretation des Märchens „Aschenputtel“. Als Gewinnertitel des Storyteller Awards wird es zudem in Kürze bei HarperCollins im Verlagsprogramm erscheinen. Ich möchte die Gelegenheit auch noch nutzen, Amazon zu danken, die auf der diesjährigen FBM im Rahmen der Preisverleihung interessierten Pressevertretern ein Exemplar jedes Shortlist-Titels überreicht haben. Mittelfristig werde ich hier auf dem Blog demnach alle Shortlisttitel besprechen, aber – auch aus persönlichem Interesse – zu Beginn führte kein Weg an „Aschenkindel“ vorbei. (Als nächstes auf der Liste: „Finian Blue Summers“ von Emma C. Moore)

„Aschenkindel. Das wahre Märchen“ ist genau das, was der Titel verspricht. Die 17-jährige aschenkindelClaerie Farnflee lebt nach dem Tod ihres Vaters mit ihrer Stiefmutter und ihren zwei Stiefschwestern zusammen, die sie Tag für Tag aufs Neue ausbeuten und tyrannisieren. Hinzu kommt, dass nach dem Tod ihres Vaters die Familie an Ansehen und vor allem an Vermögen verloren hat. Dennoch ist Claerie glücklich. Als ihre – nicht sonderlich begabte – gute Fee sie daher überreden will, den Ball des Kronprinzen zu besuchen, auf dem dieser sich eine Braut suchen möchte, ist Claerie nicht sonderlich begeistert, hat sie den Kronprinzen doch bereits auf seinem achten Geburtstag als trotziges, weinerliches Kind kennengelernt. Als sie dann jedoch im verbotenen Wald auf einen mysteriösen Fremden trifft, nimmt ihr Schicksal eine unerwartete Wendung.

Bereits nach den ersten Sätzen war ich fest überzeugt, dass mir das Buch gefallen würde. Ein tolles Cover, das für eine gute Grundstimmung sorgte, ein faszinierendes Genre und meine favorisierte Erzählperspektive hatten zur Folge, dass ich mich richtig auf das Buch freute. Dass es mich nahezu restlos begeistert hat, war dann selbst für mich jedoch noch eine kleine Überraschung.

Der Autorin gelingt es, dem klassischen Märchen einen komplett neuen Anstrich zu verpassen, ohne dabei die ursprüngliche Fassung aus den Augen zu verlieren. Claerie ist nicht nur sanft, genügsam und freundlich, sie ist schlagfertig, stark und unbeugsam. Sie ist auch impulsiv, abenteuerlich, treu und bescheiden. Und obwohl all dies in ihrem Charakter bereits von Anfang an veranlagt ist, entwickelt sie sich kontinuierlich während der Handlung weiter – genau wie der Kronprinz und der geheimnisvolle Fremde aus dem Verbotenen Wald. Die einzelnen Protagonisten sind dabei detailreich und vielschichtig ausgearbeitet und sorgen dafür, dass sich der Leser sofort mit ihnen identifizieren kann.

Der Schreibstil der Autorin ist leicht und flüssig, die Handlung spannend und kurzweilig. Lediglich der Zeitsprung kurz vor dem Ende hat mich leicht gestört, hat er das Buch doch so abrupt enden lassen – hier hätten ein paar mehr Kapitel, die auf das große Finale zusteuern, nicht geschadet. Die Welt, die Halo Summer hier erschaffen hat, bietet in jedem Fall viel Raum für weitere tolle Geschichten. Ich würde mich freuen, noch tiefer in die Geschichte von Amberling und dem kinyptischen Kaiserreich eintauchen zu können und freue mich schon darauf, weitere Bücher der Autorin zu lesen.

Das Cover ist wunderschön und ein toller Eyecatcher, wenn auch auf der Coverrückseite im unteren Bereich die Lesbarkeit des Klappentextes aufgrund der weißen Schriftfarbe nicht gänzlich optimal ist. Lektorat und Korrektorat haben (sofern durchgeführt) ebenfalls gut gearbeitet, lediglich beim Buchsatz sind kleinere Satzfehler vorhanden, die aber nicht gravierend sind und den Lesefluss nicht hemmen. Ich bin jedenfalls bereits jetzt auf die Umsetzung des Buches durch HarperCollins gespannt.

Mein Fazit? „Aschenkindel“ ist eine rundum gelungene Märchenadaption, die vor allem mit plastischen und dreidimensionalen Charakteren punktet. Ein tolles Beispiel dafür, dass sich in der Masse an Selfpublishing-Titeln wahre Schätze verbergen. Bitte mehr davon – und von Halo Summer!

[Buchgedanken] Alexandra Kleeman: „A wie B und C“

In der letzten Zeit habe ich im Rahmen einer Leserunde den Debütroman „A wie B und C“- von Alexandra Kleeman gelesen. Der gesellschaftskritische Roman, erschienen im Zürcher „Kein & Aber Verlag“ für den deutschsprachigen Raum, wurde 2015 unter dem Originaltitel „You Too Can Have A Body Like Mine“ von HarperCollins veröffentlicht und erschien auf der Longlist des „Center for Fiction First Novel Prize“.

„A wie B und C“ ist das verwirrendste, bizarrste Buch, das ich in meinem ga41-c2d9jv4l-_sx311_bo1204203200_nzen Leben bisher gelesen habe. Die Protagonistin A, lebt zusammen mit ihrer Freundin B, die immer mehr wie A werden will. Beide ernähren sich nur von Wassereis oder filetierten Orangen und sind auf Schönheitsprodukte fixiert. C ist der Partner von A und schaut im Fernsehen Haidokus, Pornos oder Spielshows. Ein Hauptaugenmerk des Buches liegt auf den bizarren, absonderlichen Werbespots für TruBeauty und Kandy Kakes, die die Kopfkinos der Leser sofort zum Laufen bringen und mit verstörenden Bildern füllen. Man nehme eine Sekte hinzu, eine Supermarktkette mit absonderlichen Geschäftsmethoden und fertig ist ein wahrlich beeindruckendes Buch. Ach ja, und Kalbfleisch spielt auch noch eine Rolle ;).

Irgendwie fehlen mir die Worte, dem Roman auch nur im Ansatz gerecht zu werden. Wahrscheinlich muss man das Buch zweimal, dreimal lesen, um alles verstehen zu können. Der Autorin gelingt es, durch die gnadenlose Überzeichnung der Figuren, durch die konsequente Fixierung auf die Seltsamkeiten eine leicht futuristische Schreckensvision zu entwerfen, der wir uns gesellschaftlich immer stärker annähern. Dabei spielt sie mit den Worten und erschafft ein stilistisches und sprachliches Meisterwerk. „Von A wie B und C“ erweckt den Anspruch, mehr als ein Buch zu sein – und in gewissem Maße gelingt es sogar. Es ist eine Mahnung, ein Gleichnis; eine unverhohlene Kritik an gesellschaftlichen Fehlentwicklungen.

Selten hat mich ein Buch so beschäftigt. Und dabei war die Erwartungshaltung bereits hoch – etwas, was das Buch sogar fördert, indem es prominente Rezensionen auf der Innnenseite des Buchumschlages abdruckt. Von der „Vogue“ als „Fight Club für Frauen“ bezeichnet, muss sich „A wie B und C“ nicht verstecken. Zwar habe ich Chuck Palahniuks Meisterwerk nicht gelesen, sondern nur die ebenfalls exzellente Verfilmung gesehen – aber für „A wie B und C“ würde ich mich ebenfalls an der Kinokasse einreihen. Am ersten Tag. Am aussagekräftigsten fand ich jedoch die bestechende Rezension der „New York Times“, die ich der Einfachheit halber hier zusätzlich verlinken möchte um den Lesern ein umfassenderes Bild des Buches zu präsentieren.

Nur am Rande möchte ich das wunderschön gestaltete Cover / den wunderschön gestalteten Buchumschlag und den exzellenten Buchsatz erwähnen.

Mein Fazit? „A wie B und C“ ist ein bestechender, gesellschaftskritischer Roman der den Leser im positivsten Sinne maximal verwirrt und verstört zurücklässt. Für jeden zu empfehlen, der einen Blick über den Tellerrand der Trivialliteratur werfen möchte. Mit ihrem Debüt hat Alexandra Kleeman den Grundstein, für eine beeindruckende Karriere gelegt – ich bin mir sicher, wir werden noch viel von ihr hören.

[LLC2016] Ein toller Tag in Berlin!

Am Samstag besuchte ich zum ersten Mal die LLC in Berlin. Und hey – ich war auch gar nicht der einzige Mann dort (naja, ich habe immerhin fünf oder so gezählt – aber ob das interessierte Besucher oder von ihren Freundinnen mitgeschleppte Zufallsgäste waren, kann ich natürlich nicht sagen *g*). Ungeachtet dessen zähle ich mich nun zu den Besitzern einer knallpinken Conventiontasche! (Ich wusste gar nicht, dass man Zuckerwatte einpacken kann!^^)

Auch wenn ich zeitlich etwas eingeschränkt war (ich war nur von 10.30-17.30 dort und habe somit die Massensignierstunde mit kostenlosen Büchern nicht mitgenommen – und den Sonntag ebenfalls ausgelassen), konnte ich doch viel sehen, erleben und bin sehr zufrieden damit, wie der Tag verlief.tanja janz

Vormittags besuchte ich eine Lesung von Tanja Janz, die aus ihrem neuesten St. Peter-Ording-Roman „Krabbe mit Rettungsring“ las. Das Buch ist im Mira Taschenbuch Verlag erschienen und ihr zweiter schriftstellerischer Ausflug nach St. Peter-Ording, ein Küstenort, den die Autorin bereits in ihrer Jugendzeit kennen und  lieben gelernt hat.

Zudem hörte ich mirPanel die Diskussion zum Thema: „Männer und Romance: Geht das?“ an. Das Panel bestand aus zwei Autoren (Friedrich Kalpenstein, Michael Meisheit) und zwei Verlagsmitarbeitern von Blanvalet und HarperCollins und wurde von einer Lektorin aus dem Bastei Lübbe Verlag moderiert. Dabei waren für mich vor allem die Einblicke von Michael Meisheit (2. v. r.) interessant – er schreibt unter dem Pseudonym „Vanessa Mansini“ sehr erfolgreiche Liebesromane.

Nach der Mittagspause – und auch in den sonstigen kurzen Pausen, die mir blieben, machte ich mich mit dem Conventionkatalog auf die „Jagd“ nach den Signaturen der anwesenden Autoren. Dafür, dass ich nur so kurz vor Ort war, bin ich ziemlich zufrieden – immerhin konnte ich ihn mit 15 Signaturen und Widmungen füllen. Ich traf unter anderem: Poppy J. Anderson, Tina Folsom, Kathryn Taylor, Carrie Elks, Vanessa Mansini, die ehemalige Oldigor-Verlagskollegin Annika Dick und … (man beachte die Überleitung!) Manuela Inusa.

Vor kurzem erschien im Blanvalet Verlag ihr neuestes Buch: „Jane Austen bleibt zum Frühstück“ (das ich mir natürlich signieren lassen habe). Ich weiß nicht, wie ich damals über ihr Profil gestolpert bin, aber das Buch hat mich schon seit der Entstehung fasziniert – und natürlich bin ich auch dezent neidisch über ihre tolle Recherchereise nach Bath! Mir war sofort klManuela Inusaar, dass ich dieses Buch lesen werde müssen – ein wunderschönes Cover, eine tolle Geschichte und ein toller Verlag. Jetzt nach der LLC (ein willkommener Anlass) kann ich mir auch endlich die Zeit dazu nehmen, nachdem ich mit meinen Rezensionsexemplaren, die ich noch abzuarbeiten habe, nahezu fertig bin.

Daher war das Treffen mit Manuela bereits im Voraus als Fixpunkt für die Convention eingeplant und einer der Gründe, um halbwegs spontan nach Berlin zu fahren. Sie war supernett, nahm sich für jeden Zeit und beantwortete geduldig alle möglichen Fragen. Und sie ist deutlich besser beim Fotografieren von „Selfies“ als ich (wenn ich mich da an das verwackelte, verpixelte Foto mit Charlotte Roche erinnere^^). Generell war die Atmosphäre vor Ort super – sicherlich trug nicht zuletzt das sonnige Wetter dazu bei, dass sich oftmals alle zwanglos im Garten trafen und unterhielten – ein krasser Gegensatz zu den komplett überrannten Buchmessen.Manuela Inusa2

Am späten Nachmittag nahm ich dann noch einen Workshop von Birgit Hasselbusch zum Thema: „Der ideale Liebesroman“ mit und besuchte zum Abschluss noch die Lesung von Manuela aus ihrem Buch. Da für das Frühjahr 2017 bereits ein weiteres Buch von ihr bei Blanvalet geplant ist … wer weiß, vielleicht sieht man sich ja 2017 auf der LLC wieder.

Ohnehin möchtellc2017 ich Euch die erste Ankündigung für die nächste LLC nicht vorenthalten. Wie Ihr vielleicht rausgelesen habt, bin ich ziemlich begeistert (und sollte ich nächstes Jahr fahren, werde ich wohl das ganze Wochenende mitnehmen). Ein erster „Stargast“ steht mit Samantha Young bereits in den Startlöchern! Also auf nach Berlin!

Erik