Vor kurzem erreichte mich eine tolle, mit viel Liebe verpackte, Buchbox von Manuela Schörghofer, die mir ihren neuesten Roman „Das Spiel der Ketzerin“ mit vielen tollen Goodies – Wellness für die Seele und den Körper – als Rezensionsexemplar zusandte. Vielen Dank dafür schon einmal an die Autorin und den Verlag HarperCollins.
„Das Spiel der Ketzerin“ ist nach „Die Klosterbraut“ und „Die Sündenbraut“ mein dritter historischer Roman von Manuela – und hat das Cover, das mir von allen drei Titeln am besten gefällt. Sieht es nicht toll aus? =)
Jetzt bin ich schon ganz gespannt darauf, erneut ins Mittelalter einzutauchen – und kann es kaum erwarten, bald mit dem Lesen zu beginnen!
In der letzten Zeit habe ich die historische Familiensaga „Das letzte grüne Tal“ von Mark Sullivan gelesen. Das Buch ist 2021 bei Tinte & Feder, Amazon Media EU S.à r.l. veröffentlicht worden, die Originalausgabe erschien ebenfalls 2021 unter dem Titel „The Last Green Valley“ bei Lake Union Publishing, Seattle. Die Übersetzung durch Peter Groth wurde durch Amazon Crossing ermöglicht. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag und die vermittelnde Agentur Buchcontact für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.
Ukraine, März 1944: Es ist tiefer Winter, als Adeline und Emil Martel mit ihren beiden kleinen Söhnen vor der Roten Armee fliehen müssen. Als Deutsche sind sie in ihrer Heimat nicht mehr sicher und es bleibt ihnen nichts Anderes übrig, als sich auf den beschwerlichen Weg gen Westen zu begeben. Der aber wird von den Nazis kontrolliert. Emil, der als Soldat Gräueltaten der SS miterlebte, muss weiter um die Sicherheit seiner Familie fürchten. Besonders, als Adeline einer Jüdin bei der Flucht hilft und sie alle in Gefahr bringt. Doch Emil und Adeline, geleitet von ihrem Glauben aneinander, gehen ihren Weg gemeinsam – immer weiter Richtung Westen.
„Das letzte grüne Tal“ reiht sich nahtlos in die vielen Familiensagen ein, die in den letzten Jahren über deutsche Familien zur Zeit des zweiten Weltkrieges geschrieben wurden. Und so bekannt mittlerweile auch die grundsätzliche Thematik der Vertreibung und Flucht, der Arbeitslager und Kriegsereignisse ist, so wichtig ist doch jede einzelne Geschichte – ist sie doch Zeugnis und Chronik einer Familie. So berührte es mich besonders, im Nachhinein im Internet nicht nur den Grabstein von Emil und Adeline, sondern auch die Historie der Firma und die zukünftigen Generationen zu finden. So wird Geschichte erlebbar und in der Realität verankert.
Die Handlung ist dabei – wenn auch genrebedingt durchaus vorhersehbar – spannend und abwechslungsreich, sie ist teils brutal und beschönigt nicht. So ist „Das letzte grüne Tal“ daher auch kein Buch für zwischendurch, kein Buch um abzuschalten, sondern fordert den Leser emotional und verlangt seine volle Aufmerksamkeit. Dabei sind die Ereignisse teils etwas zu pathetisch geschildert, Mark Sullivan wird jedoch nie zu belehrend.
Das Setting kann dabei auf ganzer Linie überzeugen. Egal ob das Deutschland der Nachkriegszeit, das Gefangenenlager in Poltrawa oder das besetzte Polen in den letzten Kriegswirren – um nur einige der Handlungsorte zu nennen – der Autor beschreibt anschaulich, lebensnah und erschreckend real, lässt das Kopfkino beim Leser sofort anspringen und fesselt ihn so ans Buch.
Die einzelnen Charaktere sind insgesamt – sicherlich auch aufgrund der historischen Vorbilder – plastisch und vielschichtig ausgearbeitet, haben Stärken und Schwächen, Ziele und Motive. Hierbei glänzen neben Adeline insbesondere auch Nebenfiguren wie Esther, Malia oder das Ehepaar Schmidt, aber auch einige Antagonisten wie Iwanow können überzeugen.
Die Buchgestaltung ist ebenfalls gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover ist schön, aber auch etwas austauschbar. Vorwort und Nachwort runden das Buch gut ab, allerdings hätte ich mich noch über eine Karte gefreut, die den Treck abbildet, um die Entfernungen noch greifbarer zu machen. Auch ein Stammbaum der Familie Martel hätte den Leser visuell noch besser abholen können.
Mein Fazit? „Das letzte grüne Tal“ ist eine aufwühlende historische Familiensaga, die vor allem durch ein tolles Setting und eine erschreckend anschauliche, spannende Handlung besticht. Für Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16.
In der letzten Zeit habe ich den historischen Roman „Die Himmelskugel“ von Olli Jalonen in der Übersetzung von Stefan Moster gelesen. Das Buch ist 2021 im mareverlag veröffentlicht worden, die finnische Originalausgabe erschien 2018 unter dem Titel „Taivaanpallo“ bei Otava Publishing Company Ltd. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag und die vermittelnde Agentur Literaturtest für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.
Mitten im Atlantik, auf der Insel St. Helena, träumt der achtjährige Angus einen großen Traum: Er will in die Fußstapfen des Sternenforschers Edmond Halley treten und dessen Gehilfe im fernen London werden. Angus übt für seine Laufbahn als Wissenschaftler, indem er tagsüber Vögel zählt und nachts die Position der Sterne markiert, wie Halley es ihm bei seinem Besuch auf der Insel beigebracht hat. Als es unter dem tyrannischen Gouverneur zu Unruhen kommt, rückt die Erfüllung von Angus‘ Traum unverhofft näher: Mit einem geheimen Brief wird er als blinder Passagier an Bord eines Schiffes geschickt, um in England die Hilfe des geschätzten Herrn Halley zu erbitten…
„Die Himmelskugel“ ist – trotz des Rückblicks auf vergangene Zeiten – ein visionärer Roman; ein Buch über die Aufklärung und frühe Wissenschaft, über Treue, Loyalität und Hoffnung, und wurde mit dem „Finlandia-Preis“ ausgezeichnet. Dabei wird das Geschehen ausschließlich aus Sicht des Protagonisten Angus erzählt, im Fließtext gibt er erzählend Gedanken, Gefühle und Gespräche wieder.
Diese ungewöhnliche Form, der Mangel an Struktur, das gänzliche Fehlen richtiger Dialoge machen hierbei einerseits den Reiz des Buches aus, erfährt man doch alles gefiltert aus der Sicht eines anfangs noch sehr jungen Kindes, sorgen andererseits aber auch dafür, dass insbesondere der Einstieg ins Buch durchaus schwer fällt, ist es doch ganz anders, als man es als Leser gewohnt ist. Wenn man sich aber darauf einlässt, erfährt man eine faszinierende Welt, wächst und lernt mit Angus mit, erkundet und bereist faszinierende Orte.
Und auch wenn mich das Ende etwas ratlos zurücklässt und die Geschichte etwas langsam in Gang kommt, ist die Handlung doch größtenteils spannend und voller neuer Entwicklungen und Erkenntnisse, versucht man doch, mit Angus die Zusammenhänge überhaupt erst zu verstehen, wobei vieles im Dunklen bleibt, weil es das Bewusstsein des Kindes sprengt, ihm gänzlich unbekannt und fremd ist.
Das Buch brilliert nicht zuletzt durch sein wunderbares Setting, die Gegenüberstellung von London und St. Helena, von Wissenschaft und Religion und verschiedensten Gesellschaftsschichten und porträtiert so das Leben am Ende des 17. Jahrhunderts in einer Welt, die für nahezu alle Menschen sehr überschaubar ist, sieht man von Visionären wie Edmond Halley ab.
Die Buchgestaltung überzeugt im Wesentlichen. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz ist ebenfalls stimmig und passt sich der Erzählweise von Olli Jalonen an. Das Cover spiegelt den Inhalt wieder, zieht sich leider jedoch nicht über den gesamten Buchumschlag und wird am Buchrücken unterbrochen, bevor sich das Bild auf der Coverrückseite fortsetzt. Das Buch unter dem Umschlag ist schlicht, bietet aber immerhin farbige Coverinnenseiten, die das Titelbild aufgreifen.
Mein Fazit: „Die Himmelskugel“ ist ein literarisch wertvoller historischer Roman, der mit einem brillanten Setting und einer ausgeklügelten Erzählweise punktet – wenn man sich darauf einlässt. Für Liebhaber anspruchsvoller Literatur bedenkenlos zu empfehlen – kein Buch für zwischendurch!
In der letzten Zeit habe ich „Geteilte Träume“ von Ulla Mothes gelesen. Das Buch ist 2021 bei Lübbe, Bastei Lübbe AG erschienen und als Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag zur Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.
Berlin, 1992: Erst als junge Frau erfährt Ingke, dass sie als Säugling zu DDR-Zeiten adoptiert wurde. Wer sind ihre wahren Eltern? Warum haben sie sie einst weggegeben? Und was bedeutet das für ihr Leben heute? Sie macht sich auf die Suche und stößt auf die Geschichte ihrer Herkunftsfamilie, die nach einem gescheiterten Fluchtversuch ihre Tochter verlor. Auf einmal hat die junge Frau zwei Familien, die um sie ringen: Ihre leibliche Mutter, die irgendwann von der BRD freigekauft wurde und bisher nichts über Ingkes Verbleib weiß. Und ihre vermeintlichen Eltern, bei denen sie behütet und geliebt aufgewachsen ist. Doch muss sie sich tatsächlich entscheiden?
„Geteilte Träume“ ist keine leichte Kost. Es ist vielmehr eine Familiensaga, die auch vor den dunkleren Kapiteln der deutschen Teilung nicht zurückschreckt, dabei aber nie den Fokus auf die Familie verliert. Informativ, aber nie belehrend, zeigt Ulla Mothes durch ihre Figuren anschaulich, wie nah Zerrissenheit und Verbundenheit zusammenhängen, und dass man durchaus auch differenziert zum totalitären System der DDR stehen konnte – in einer Grauzone zwischen totaler Ablehnung und fanatischer Zustimmung.
Dabei erkundet die Protagonistin Ingke die Vegangenheit ihrer Familien durch Erzählungen, durch geschickt eingestreute Rückblenden, und erlebt so die Geschichte mehrererer Generationen, während die eigentliche Handlung sich nur über etwa zwei Monate erstreckt. Und so kraftvoll und atmosphärisch die Rückblicke sind, so emotional und beklemmend die Ereignisse geschildert werden, so überzeichnet wirkt – zumindest im Vergleich – die Handlung in der Gegenwart, die von multiplen Schicksalsschlägen und Katastrophen, von jahrzehntealten Zerwürfnissen und mühsam gehüteten Geheimnissen geprägt ist, die alle mir nichts dir nichts mit einem Federstrich bereinigt werden können – etwas konstruiert.
Dahingegen überzeugt das vergangene Setting vollends und zeigt anschaulich und authentisch den damaligen Alltag, gut und verständlich recherchiert und von der Autorin in einem leicht und flüssig lesbaren Schreibstil dargestellt, sodass der Leser direkt mitgenommen wird. Dabei begeistert vor allem Marens Episode vollends und sorgt für emotionale Höhepunkte.
Insgesamt sind die einzelnen Protagonisten vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Während Ingke aufgrund ihres Alters hier noch etwas blass bleibt, teils nicht nachvollziehbar handelt, sind es daher vor allem die Nebenfiguren, die das Buch tragen. Besonders gefallen haben mir hier Maren, Otto, Emma und Bernhard.
Die Buchgestaltung ist im Wesentlichen gelungen, Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet und nur minimale Kleinigkeiten durchrutschen lassen. Das Cover ist hochwertig geprägt und verfügt über wunderschöne ausklappbare, farbige Coverinnenseiten. Das Titelbild, das sich in den Coverinnenseiten spiegelt wird leider durch den Buchrücken unterbrochen und zieht sich somit nicht über den gesamten Umschlag. Zudem wirken die auf dem Titel abgebildeten Menschen wie Fremdkörper, deplatziert – ohne diese hätte das Cover noch besser ausgesehen.
Mein Fazit? „Geteilte Träume“ ist eine berührende und aufwühlende Familiensaga, die vor allem durch wunderbar recherchierte und beklemmend erzählte Rückblenden punktet, in der gegenwärtigen Handlung aber kleinere Schwächen aufweist. Für Liebhaber von Familiensagen und Fans der deutsch-deutschen Geschichte bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.
In der letzten Zeit habe ich im Rahmen einer Leserunde „Die Hofgärtnerin – Frühlingsträume“, den ersten Band der Hofgärtnerinnen-Saga von Rena Rosenthal gelesen. Das Buch ist 2021 im Penguin Verlag, Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH veröffentlicht worden und als historischer Roman beziehungsweise als Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag und Lovelybooks.de für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.
Oldenburg, 1891. Als Gärtnerin in der Natur zu arbeiten und die schönsten Blumen dieser Welt zu züchten, davon träumt Marleene schon ihr ganzes Leben. Doch ihr Wunsch scheint unerreichbar, denn eine Gärtnerlehre ist allein Männern vorbehalten. Aber Marleene gibt nicht auf: Kurzerhand schneidet sie sich die Haare ab und verkleidet sich als Junge – und bekommt eine Anstellung in der angesehenen Hofgärtnerei. Marleene ist überglücklich! Doch die anderen Arbeiter machen ihr den Einstieg alles andere als leicht, und es wird zunehmend komplizierter, ihre Tarnung aufrechtzuerhalten. Als sie dann auch noch die beiden charmanten Söhne der Hofgärtnerei kennenlernt, werden ihre Gefühle vollends durcheinandergewirbelt. Marleene muss sich entscheiden – folgt sie ihrem Traum oder ihrem Herzen …
Mit „Die Hofgärtnerin – Frühlingsträume“ legt Rena Rosenthal einen gelungenen Auftakt in die Reihe um die Hofgärtnerinnen vor. Dabei ist der Roman nicht nur Familiensaga, sondern auch ein Spiegelbild der damaligen gesellschaftlichen Entwicklungen, porträtiert er doch, ohne allzu belehrend zu werden, den beginnenden Kampf um bessere Arbeitsbedingungen und die Rolle der Frau sowie die zarte Auflehnung gegen die immer noch herrschende Unterdrückung.
Dabei begeistert der Roman vor allem durch sein tolles Setting. Das Oldenburg im jungen Kaiserreich, die Hofgärtnerei, die Reise nach Holland – Rena Rosenthal beschreibt anschaulich und zeittypisch die Handlungsorte des Romanes. Die historischen Ungenauigkeiten, auf die die Autorin im Nachwort hinweist, halten sich dabei noch im akzeptablen Rahmen.
Die Handlung ist an und für sich spannend und abwechslungsreich und bietet immer mal wieder ungewohnte Wendungen, die teils aber etwas konstruiert anmuten. Leider werden zum Ende hin aber nur ein Bruchteil der Handlungsstränge aufgelöst, was natürlich viel Potential für die Folgeteile verspricht, allerdings auch dafür sorgt, dass „Frühlingsträume“ nicht als Standalone gelesen werden kann.
Die einzelnen Figuren sind größtenteils vielschichtig angelegt, haben Stärken, Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei überzeugen insbesondere auch die Nebencharaktere wie Bruno, Frieda oder Rosalie, über die ich gern in den Folgebänden noch mehr erfahren wollen würde.
Die Buchgestaltung überzeugt auf ganzer Linie. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet und der gesamte Buchumschlag ist hochwertig (auch auf den Klappen!) geprägt, wunderschön anzuschauen und mit tollen farbigen Coverinnenseiten versehen. Das traumhafte Titelbild ist ein wahrer Eyecatcher, auch wenn mir etwas der Bezug zur Handlung abgeht, ist Marleene doch ein sehr junges Mädchen mit hellblonden Haaren. Zudem ist im Nachgang zur Geschichte der informative Part mit 25 Seiten meines Erachtens nach etwas zu lang geraten. Zumindest die Fliederfakten und -rezepte hätte man sicherlich auslagern können.
Mein Fazit? „Die Hofgärtnerin – Frühlingsträume“ ist ein gelungener Auftakt in die Buchreihe um die Hofgärtnerinnen, der vor allem durch ein wunderschönes Setting und tolle Charaktere besticht. Kleinere Schwächen in der Handlung sind dabei zu verschmerzen – ich freue mich schon sehr auf Teil 2. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen.
Und auch heute möchte ich Euch wieder zwei tolle Bücher zeigen, die mich kurz vor Weihnachten erreichten. Dabei handelt es sich um zwei Rezensionsexemplare: „Sterbewohl“ von Olivia Monti und „Krone der Welt“ von Sabine Weiß. Vielen Dank an die Autorinnen, an Bastei Lübbe und an die Bloggerjury für die Bereitstellung der Rezensionsexemplare. Ich bin schon sehr gespannt darauf, ins 16. Jahrhundert und in eine dystopische Zukunftsvision einzutauchen.
Kennt jemand die Bücher bereits? In welche Zeit würdet Ihr gern einmal reisen?
In den letzten Tagen habe ich „Es war einmal in Italien“ von Luca Di Fulvio gelesen. Das Buch ist 2020 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG erschienen und dem Genre historischer Roman zuzurechnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.
Ein Waisenjunge, der mit seiner Kamera den Blick auf die Welt verändern will. Ein Zirkusmädchen, das für die Politik brennt. Eine Gräfin, die anderen die Freiheit schenkt. Drei Menschen, die das Schicksal im Jahr 1870 nach Rom führt, das pulsierende Herzstück Italiens auf dem Weg zum Nationalstaat. Inmitten dieser Stadt der Verheißungen kreuzen sich ihre Wege, und ihre Träume scheinen wie durch ein magisches Band miteinander verwoben. Doch das schillernde Rom stellt die drei vor ungeahnte Herausforderungen. Als eines Tages ein dramatisches Ereignis die Ewige Stadt erschüttert, drohen sie alles zu verlieren, was ihnen kostbar ist …
„Es war einmal in Italien“ ist ein sehr detailverliebtes Porträt einer jungen Nation. Dabei illustriert Luca Di Fulvio gekonnt die Gegensätze zwischen arm und reich, Macht und Ohnmacht, Liebe und Hass, und entführt den Leser in das malerische Setting der heiligen Stadt Rom im Jahr der Eroberung 1870.
Hierbei überzeugt der Roman vor allem durch brillante Charaktere. Diese sind – auch in den Nebenrollen – dreidimensional und plastisch angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Besonders überzeugt haben mich hier Nella, Albanese und Mamma Lucia, aber auch Melo und Ludovico glänzen auf ganzer Linie.
Die Handlung, die eine in Deutschland eher unterrepräsentierte Epoche beleuchtet, ist spannend, abwechslungsreich und wartet immer mal wieder mit unerwarteten Wendungen auf. Dabei gelingt es dem Autor, die Balance zwischen der historischen Entwicklung und den Einzelschicksalen zu wahren und den Leser an die Seiten zu fesseln.
Luca Di Fulvios Schreibstil ist leicht und flüssig zu lesen, anschaulich, unterhaltsam, und wirft sofort das Kopfkino an. Da man sich zudem gut mit den Protagonisten identifizieren kann, möchte man das Buch am besten gar nicht mehr aus der Hand legen und immer tiefer in der Geschichte versinken.
Die Buchgestaltung ist in allen Aspekten gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover ist wunderschön und ein wahrer Eyecatcher. Der Buchumschlag ist auf dem Cover und Buchrücken hochwertig geprägt und wartet mit farbigen, ausklappbaren Coverinnenseiten auf.
Mein Fazit? „Es war einmal in Italien“ ist ein rundum überzeugender historischer Roman, der vor allem mit seinem tollen Setting und wunderbaren Charakteren punkten kann. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – und ein potentielles Jahreshighlight.
In den letzten Tagen habe ich „Trümmermädchen – Annas Traum vom Glück“ von Lilly Bernstein, einem offenen Pseudonym der Autorin Lioba Werrelmann gelesen. Der Roman ist 2020 als Ullstein Taschenbuch der Ullstein Buchverlage GmbH erschienen und als historischer Roman / historische Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag und die vermittelnde Agentur Literaturtest für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.
Köln, 1941. Anna wächst bei ihrer Tante Marie und ihrem Onkel Matthias auf, einem Bäckerehepaar. Das Mädchen liebt die Backstube über alles, besonders den großen Ofen aus Vulkanstein. Doch mit dem Krieg kommt das Unglück: Matthias wird eingezogen und die Bäckerei bei Luftangriffen zerstört. Während Köln in Trümmern liegt und vom kältesten Winter des Jahrhunderts heimgesucht wird, schließt Anna sich in ihrer Not einer Schwarzmarktbande an und steigt zur gewieftesten Kohlediebin der Stadt auf. Als sie am wenigsten damit rechnet, verliebt sie sich – eine verbotene Liebe mit gefährlichen Folgen. Von Kälte, Hunger und Neidern bedroht, halten Anna und ihre Tante verzweifelt an dem Traum fest, die Bäckerei wiederaufzubauen. Und an der Hoffnung, dass die Männer, die sie lieben, irgendwann zu ihnen zurückkehren.
Mit „Trümmermädchen“ legt Lilly Bernstein einen sehr atmosphärischen Roman vor, der in einem beklemmenden, aber sehr guten Setting das Köln zur Kriegs- und Nachkriegszeit porträtiert. Dabei gelingt es der Autorin, die Entbehrungen, die Verzweiflung und Ohnmacht der Bevölkerung greifbar, glaubhaft zu machen.
Die Handlung ist dabei über weite Strecken spannend, teils aber auch vorhersehbar und wirkt zuweilen konstruiert, was dem Mitfiebern mit den Protagonisten allerdings keinen Abbruch tut. Dabei gelingt es der Autorin, sich geschickt durch die Genres zu navigieren und einen historischen Roman vorzulegen, der aufgrund der kurzen erzählten Zeit nicht ganz Familiensaga, nicht ganz Schicksalsroman ist.
Die Protagonisten überzeugen im Wesentlichen, sind dreidimensional angelegt, haben Stärken, Schwächen, eigene Ziele und Motive. Insbesondere die Nebenrollen wie Hilde und Agnes glänzen hier, aber auch Anna gelingt es, den Roman auf eigenen Schultern zu tragen, während Marie etwas blass bleibt.
Lilly Bernsteins Schreibstil ist unaufgeregt und lässt sich leicht und flüssig lesen. Sie beschreibt nüchtern und präzise und ermöglicht es dem Leser, direkt ein Bild vor Augen zu haben, das das Kopfkino anlaufen lässt – auch wenn die auktoriale Erzählperspektive etwas Distanz zu den Charakteren schafft. Hier hätte man durchaus vielleicht noch etwas nachsteuern können.
Die Buchgestaltung ist sehr gut gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover ist wunderschön und zieht sich als Gesamtbild über den kompletten Buchumschlag, der zudem auf dem Titelbild, dem Buchrücken und der Coverrückseite hochwertig geprägt ist. Lediglich die Coverinnenseiten hätte man, wenn man sie schon farbig gestaltet, besser nutzen können.
Mein Fazit? „Trümmermädchen – Annas Traum vom Glück“ ist ein sehr starker historischer Roman, der vor allem durch ein tolles Setting und eine atmosphärische Geschichte punktet. Leichte Schwächen in der Handlung schmälern dabei das Lesevergnügen in keinster Weise. Für Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen!
Dieses Wochenende habe ich im Rahmen einer Leserunde „Das Unrecht der Väter“, den ersten Band der Falkenbach-Saga von Ellin Carsta gelesen. Das Buch ist 2020 bei Tinte & Feder, Amazon Media EU S.à r.l. erschienen und als historische Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag und lovelybooks.de für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.
Bernried am Starnberger See, 1936: Paul-Friedrich von Falkenbach und die Brüder Lehmann stehen für Erfolg. Während die Söhne der Lehmanns bereits in deren Firmen eingestiegen sind, kann sich Gustav von Falkenbach nur schwer vorstellen, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten, schließlich steht er kurz davor, sein Medizinstudium abzuschließen. Auch seine Schwester Wilhelmine ist dabei, ihren eigenen Weg zu finden und sich eine politische Meinung zu bilden, während die Nazis im Land und im Umfeld der Familien immer mehr an Einfluss gewinnen. Als die Tochter eines Kriegskameraden auf Gut Falkenbach auftaucht, um Fragen zum rätselhaften Tod ihres Vaters zu stellen, versuchen die drei Männer alles, um ein altes Geheimnis verborgen zu halten.
„Das Unrecht der Väter“ ist ein historischer Roman, der vor allem durch ein tolles und authentisches Setting zu überzeugen vermag. So porträtiert er die Geschicke einiger Familien vor dem Hintergrund des aufziehenden Nationalsozialismus und illustriert die Bedeutung der Familie und die Rolle der Frau zu dieser Zeit.
Die Handlung ist, wenn auch teils vorhersehbar, größtenteils spannend und fesselt den Leser an die Seiten. Dabei ist allerdings zu beachten, dass quasi keiner der relevanten Handlungsstränge im Verlauf der Geschichte aufgelöst wird, „Das Unrecht der Väter“ daher leider nicht als Standalone lesbar ist. Zudem wartet der Epilog noch mit einem, etwas unnötigen, zusätzlichen Cliffhanger auf — man hätte ihn gut als Prolog für den Folgeband verwenden können, der mehr Sinn gemacht hätte, als der etwas unsinnige Prolog dieses Bandes.
Dagegen vermögen die Charaktere durchweg zu überzeugen. Auch wenn durch die Vorstellung so vieler Charaktere diese natürlich noch nicht in allen Facetten ausgearbeitet sind, zeigen sie doch Stärken und Schwächen, haben eigene Ziele und Motive. Insbesondere Erna und Irma überzeugen, aber auch Wilhelmine bringt sich zu guter letzt noch in Stellung für eine hoffentlich wichtige Rolle im Folgeband.
Ellin Carstas Schreibstil ist unaufgeregt, sachlich und lässt sich gut und flüssig lesen. Dass man am Anfang etwas schwer ins Buch kommt, ist nicht dem Schreibstil geschuldet, sondern der Fülle an Personen, die anfangs volle Aufmerksamkeit fordert.
Die Buchgestaltung überzeugt im Wesentlichen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, wenn sich mir auch der Sinn der Zitate über den einzelnen Kapiteln nicht erschließt. Der Buchumschlag ist wunderschön und ergibt über Buchrücken und Coverrückseite ein tolles Gesamtbild.
Mein Fazit: „Das Unrecht der Väter“ ist ein im Wesentlichen gelungener Roman, der durch tolle Charaktere und ein zauberhaftes, authentisches Setting brilliert, leider aber keinerlei Handlungsstränge auflöst und daher nicht als Standalone gelesen werden kann. Für Liebhaber des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen.
Vor kurzem habe ich „Paracelsus – Auf der Suche nach der unsterblichen Seele“, den ersten Band einer Dilogie über den berühmten Arzt, von Eva-Isabel Schmid gelesen. Das Buch ist 2020 in der Piper Verlag GmbH erschienen und als historischer Roman zu klassifizieren. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag und die vermittelnde Agentur Literaturtest für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.
Basel im Spätmittelalter auf dem Sprung zur Renaissance. Der junge Medizinstudent Paracelsus und sein Freund Caspar erhalten von der katholischen Kirche eine Sondergenehmigung zum Sezieren von Leichen. Zu nur einem Zweck: Sie sollen die Existenz der menschlichen Seele beweisen. Als der grausame neue Bischof die Macht erlangt, werden die beiden der Ketzerei beschuldigt. Ihre Forschung wird verboten. Während Caspar sein Leben nun der Medizin widmet, wendet sich der ehrgeizige Paracelsus dem Okkultismus zu. Die zwei Freunde finden sich gefangen in einem Netz aus Inquisition, politischen Intrigen und einem blutigen Bürgerkrieg.
„Paracelsus – Auf der Suche nach der unsterblichen Seele“ ist ein gelungenes Debüt, ein guter Auftakt in eine Dilogie mit vielen Stärken und nur einigen Schwächen. Dabei brilliert der Roman vor allem durch ein tolles und authentisches Setting der spätmittelalterlichen Stadt Basel, das das Kopfkino sofort anlaufen lässt.
Gewöhnungsbedürftig hingegen ist der Schreibstil der Autorin, der sich ohne weiteres gut lesen lässt, jedoch sehr von der Aneinanderreihung kurzer Sätze dominiert wird, was bei Kämpfen durchaus seinen Charme hat, bei Beschreibungen jedoch etwas fremd anmutet.
Die Handlung ist spannend und abwechslungsreich und setzt sich aus mehreren Handlungssträngen zusammen. Jedoch habe ich mich selbst ertappt, gedanklich viel mehr Fokus auf den Handlungsstrang von Jacob und der Stadt zu legen, viel mehr Interesse an der Zerrissenheit Basels als an Paracelsus‘ Suche nach der unsterblichen Seele zu zeigen.
Ein weiterer Lichtblick des Romanes sind die tollen Nebencharaktere, insbesondere Jacob und Laurencz sind echte Sympathieträger und treiben die Handlung voran, aber auch Simon ist faszinierend und bietet Potential für eine tolle Rolle im zweiten Band der Dilogie. Lediglich mit Paracelsus bin ich (noch) nicht so recht warmgeworden.
Die Buchgestaltung ist im Wesentlichen gelungen, Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet. Der Buchumschlag vermag allerdings nicht zu überzeugen. Während das Covermotiv noch ganz ansehnlich – wenn auch kein Eyecatcher – ist, sind Buchrücken und Coverrückseite einfarbig, wirken lieblos und ergeben keinen einheitlichen Buchumschlag, was ich bei einem Roman in dem Preissegment schon erwartet hätte – genau wie eine hochwertige Prägung auf dem Cover. Abschließend hätte man auch über eine Karte im Innenteil oder eine Auflistung der Dramatis Personae nachdenken können.
Mein Fazit? „Paracelsus – Auf der Suche nach der unsterblichen Seele“ ist ein gelungenes Debüt, das vor allem durch ein wunderbares Setting und tolle Charaktere glänzt. Trotz kleinerer Schwächen bedenkenlos für Liebhaber historischer Romane zu empfehlen – ab 16 Jahren.