[Buchgedanken] Manuela Schörghofer: „Das Spiel der Ketzerin“

Vor kurzem habe ich „Das Spiel der Ketzerin“ von Manuela Schörghofer gelesen, mein dritter Roman der Autorin nach „Die Klosterbraut“ und „Die Sündenbraut„. Das Buch ist 2021 bei HarperCollins in der Verlagsgruppe HarperCollins Deutschland GmbH erschienen und als historischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag und die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

Rheinland im 13. Jahrhundert: Als ihr Vater in Ungnade fällt, entgeht die Grafentochter Alida von Erkenwald nur knapp einem Mordanschlag und muss vor ihrem Widersacher fliehen. Sie versteckt sich bei Salomon ben Isaak, einem Juden aus Coellen, der sie zu ihrem Schutz als seine Tochter ausgibt und ihr verspricht, ihr bei der Rettung ihres Vaters zu helfen. Gemeinsam machen sie sich auf die Reise, doch ihre Verfolger sind ihr auf der Spur. Als Alida verbotene Gefühle für ihren Feind entwickelt, weiß sie nicht mehr, wem sie noch trauen kann …

„Das Spiel der Ketzerin“ entführt den Leser erneut ins deutsche Mittelalter, in eine Zeit voller Intrigen, Machtspiele und persönlicher Fehden, von denen der Roman einige enthält. Eingebettet in den historischen Konflikt zwischen Friedrich II. und Heinrich VII. erzählt die Autorin die Geschichte der fiktiven Adelsfamilie von Erkenwald und lässt den Leser mit den Figuren die politischen und religiösen Konflikte der Zeit entdecken.

Dabei brilliert der Roman vor allem durch sein gelungenes Setting – und eine sehr authentische Sprache, die von einer gewissenhaften Recherche zeugt. Auch wenn der Leser durch die vorangestellten Dramatis Personae, Orts- und Flussbezeichnungen, Glossar und Erklärung der historischen Begebenheiten fast etwas erschlagen wird (vielleicht hätte man die letzteren beiden ans Ende stellen können), ist es doch allemal besser, als ihn gänzlich allein zu lassen.

Die Handlung der Geschichte ist spannend und kurzweilig, wenn auch in Teilen etwas vorhersehbar, was dem Lesevergnügen aber keinen Abbruch tut, da es Manuela Schörghofer gelingt, immer mal wieder auch durch eine unerwartete Wendung die Erwartungen des Lesers zu durchbrechen. Zudem wird die Schwerpunktsetzung eingehalten, die Liebesgeschichte gut ausbalanciert, sodass hier gerade – nicht wie teils beworben – kein historischer Liebesroman vorliegt sondern ein historischer Roman.

Die einzelnen Charaktere sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei überzeugen vor allem auch die Nebencharaktere wie Miriam und Dankwart, aber auch Konrad als Antagonist macht eine gute Figur, wenn auch seine Motivation lange unklar bleibt – ggf. hätte man die Ereignisse zwischen ihm und dem Grafen von Erkenwald als Prolog der Handlung voranstellen können.

Die Buchgestaltung überzeugt auf ganzer Linie, Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, wenn man von der Informationsflut am Anfang absieht. Das Covermotiv zieht sich über den gesamten Buchumschlag, ist wunderschön anzusehen (bislang das beste der Autorin), leicht geprägt auf dem Titelbild und Buchrücken und wartet mit farbigen, informativen Coverinnenseiten auf.

Mein Fazit? „Das Spiel der Ketzerin“ ist ein gelungener historischer Roman, der vor allem durch sein tolles Setting und eine authentische Sprache punktet – wahrscheinlich das bislang beste Buch der Autorin, in jedem Fall aber das schönste. Für Liebhaber des Genres bedingungslos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Catherine Aurel: „Bella Donna – Die Schöne von Florenz“ (Töchter Italiens 1)

Vor einiger Zeit habe ich „Bella Donna Die Schöne von Florenz“ von Catherine Aurel gelesen, den ersten Teil der historischen Reihe um die „Töchter Italiens“. Das Buch ist 2021 im Penguin Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als historischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.

Florenz, 1469. Die Zeiten, als Cosima Bellani von Männern umschwärmt wurde, sind vorbei. Die Schönheit der alternden Kurtisane beginnt zu schwinden – und sie fürchtet um ihre Zukunft. Als die junge Adlige Simonetta sie in Liebesdingen um Rat bittet, hat Cosima eine verheißungsvolle Geschäftsidee: Sie will fortan Kosmetik herstellen, denn der Handel mit Pulver und Salben, Bleiweiß und Lippenrot floriert. Simonetta wird mit ihrer Hilfe zur schönsten Frau von Florenz – nicht nur der einflussreiche Giuliano de Medici, auch der aufstrebende Maler Sandro Botticelli liegen ihr zu Füßen. Doch dann bricht ein erbitterter Machtkampf um die Stadt aus und Cosima und Simonetta werden in eine Intrige verwickelt. Bald handeln sie nicht nur mit erlesenen Schönheitsrezepturen, sondern auch mit Geheimnissen …

„Bella Donna – Die Schöne von Florenz“ ist ein im wesentlichen gelungener Auftakt in die historische Reihe um die „Töchter Italiens“, der zwar viel Potential für Folgebände bietet, die Handlung dieses Bandes aber auch unwiederbringlich abschließt, sodass man das Buch auch gut als Standalone lesen kann.

Dabei überzeugt vor allem das brillante Setting des spätmittelalterlichen Florenz, der aufstrebenden Künstlerstadt voller illustrer Persönlichkeiten wie Sandro Botticelli und Leonardo da Vinci. Die Handlung hingegen ist zwar spannend, abwechslungsreich und hält die ein oder andere unerwartete Wendung für den Leser bereit, bleibt insgesamt aber hinter den Erwartungen zurück. So verliert die Autorin hier etwas die Schwerpunktsetzung, führt viel zu lang in die Geschichte ein, während die im Klappentext prominent dargestellte Intrige, der Machtkampf um die Stadt kaum Bedeutung gewinnt, teils einfach per Zeitsprung übersprungen wird. Gerade die stärkere Einbindung in den historischen Kontext, eine stärkere Konzentration auf die spannenden, politischen Vorgänge hätte hier das Buch noch besser und zu einem absoluten Highlight gemacht, das sich positiv aus der Masse abgehoben hätte.

Die einzelnen Charaktere sind im Wesentlichen dreidimensional angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei überzeugen vor allem Sandro als Sympathieträger des Romanes und Fioretta, während Simonetta anfangs etwas blass bleibt – und Marco sehr schnell gar keine Rolle mehr spielt.

Die Buchgestaltung überzeugt hingegen auf ganzer Linie. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Covermotiv zieht sich über den ganzen Buchumschlag und ergibt ein tolles Gesamtbild. Dabei ist das Cover zudem hochwertig geprägt, mit Klappen und farbigen, toll aussehenden Coverinnenseiten versehen.

Mein Fazit? „Bella Donna – Die Schöne von Florenz“ ist ein gelungener Reihenauftakt, der vor allem durch ein tolles Setting punkten kann, aber auch leichte Schwächen und Längen in der Handlung aufweist. Für Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen – auch als Standalone lesbar.

[Buchgedanken] Lilli Beck: „Wenn die Hoffnung erwacht“

Vor kurzem habe ich „Wenn die Hoffnung erwacht“ von Lilli Beck gelesen. Das Buch ist 2021 bei Blanvalet in der Penguin Random House Verlagsgruppe veröffentlicht worden und als historischer Roman einzugruppieren. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag und die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.

Deutschland 1947: Nora wird von ihrer Freundin zu einer deutsch-amerikanischen Silvesterfeier eingeladen und ist überwältigt, als sie dort den attraktiven US-Officer William kennenlernt. Lange versucht sie, die frisch entflammte Liebe vor ihrem Vater geheim zu halten, doch als sie ein Kind erwartet und William in die USA zurückbeordert wird, bleibt ihr nichts anderes übrig, als Farbe zu bekennen. Ihr Vater ist außer sich, hat aber bald eine Lösung parat, die Nora zu einer wohlhabenden Frau werden ließe und für die Familie finanzielle Vorteile hätte. Nora, die nicht daran denkt, in den Plan einzuwilligen, flieht mit ihrem Sohn nach München, wo ihr auf der Straße eine fiebrige, verwirrte wirkende junge Frau begegnet. Sie begleitet Celia nach Hause, zur Villa der wohlhabenden Wagners, und ahnt nicht, dass ihr Schicksal eine überraschende Wendung nehmen wird …

„Wenn die Hoffnung erwacht“ porträtiert die deutsche Nachkriegszeit, beziehungsweise das Leben im von amerikanischen Truppen besetzten Bayern zwischen 1947 und 1951 anhand des Schicksals zweier Familien, deren Schicksale im Verlauf der Handlung zusammenführen. Dabei werden die damals besonders ausgeprägten Kontraste zwischen arm und reich, zwischen Besatzern und Besetzten, aber auch zwischen Männern und Frauen drastisch und eindringlich dargestellt.

Während der Roman durch sein wunderbares Setting zu brillieren weiß, hätte ich mir teils noch ausführlichere, teils noch plastischere Beschreibungen gewünscht, um das Kopfkino – was unzweifelhaft zum Laufen kam – noch zu unterstützen, um die Atmosphäre noch greifbarer, dichter zu machen. Die Handlung ist im Wesentlichen spannend, teils aber vorhersehbar – und teils ist das Verhalten einzelner Charaktere nicht nachvollziehbar.

Dies sorgt auch dafür, dass bei mir die meisten Sympathien auf den wirklich gelungen angelegten Nebencharakteren liegt – vor allem bei Marlene und Luis, während Nora teils etwas blass bleibt – was aber nicht schlimm ist, denn der eigentliche Star des Buches ist nicht Noras Werdegang, sondern die gravierenden Umwälzungen der Geschichte, die runtergebrochen werden auf den Mikrokosmos einer – bzw. zwei – Familien. So wird Geschichte durch die Figuren lebendig, das Gefühl einer Generation auf die heutigen Leser transportiert, sodass ich es auch verschmerzen kann, dass am Ende nicht gänzlich alle Handlungsstränge zufriedenstellend aufgelöst worden sind.

Dabei lässt sich Lilli Becks Schreibstil schnell und flüssig lesen, ist authentisch und der Zeit angepasst, hätte aber – wie bereits erwähnt – mehr beschreiben, den Leser im Sinne von „Show, don’t tell“ noch stärker in die Geschichte ziehen können. Als Service übrigens wunderbar gelöst: Direkt in der ersten Zeile des Kapitels wird die jeweils handelnde Person erwähnt, um dem Leser den Einstieg in die Abschnitte zu erleichtern.

Die Buchgestaltung überzeugt im Wesentlichen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, der Buchumschlag ist auf dem Cover und Buchrücken hochwertig bedruckt, das darunterliegende Buch nüchtern und schmucklos. Das Covermotiv zieht sich über den gesamten Umschlag und ist – gerade in dem Mangel an Farben – farblich gelungen, fängt die Stimmung des Buches ein. Allerdings fehlt mir etwas der Bezug des Motivs zur Handlung.

Mein Fazit? „Wenn die Hoffnung erwacht“ ist ein gelungener historischer Roman, der vor allem durch sein tolles Setting punktet und das Leben im besetzten Bayern der Nachkriegszeit anschaulich und nachdrücklich porträtiert, sodass kleinere Schwächen in der Handlung verschmerzt werden können und das Lesevergnügen kaum mindern. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Eva-Isabel Schmid: „Paracelsus – Die Fragen der Toten“ (Paracelsus 2)

Vor kurzem habe ich „Paracelsus – Die Fragen der Toten“, den zweiten Band der Paracelsus-Dilogie, von Eva-Isabel Schmid gelesen. Das Buch ist 2021 in der Piper Verlag GmbH erschienen und als historischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die vermittelnde Agentur Literaturtest. Meine Besprechung des Vorgängers kann *hier* abgerufen werden.

~~~ Achtung! Die Rezension kann milde Spoiler zum Vorgängerband enthalten. ~~~

Der junge Paracelsus ist endlich Arzt beider Arzneien. Eines aber lässt ihm keine Ruhe: Er will die menschliche Seele finden. Verfolgt vom uralten Zauberorden des roten Gürtels begibt er sich auf Wanderschaft – quer durch Europa. Immer mit dem Ziel, das Geheimnis doch noch zu lüften. Währenddessen wütet in Basel die Pest. Paracelsus’ Freund Caspar muss als Stadtarzt hilflos mitansehen, wie die Seuche Hunderte seiner Patienten dahinrafft. Als sich der nunmehr berühmte Paracelsus zurück in seine Heimat wagt, kommt es im allgemeinen Chaos plötzlich zu einer Reihe von mysteriösen Todesfällen. Verzweifelt sucht Caspar nach dem Mörder. Die ungleiche Freundschaft wird auf ihre größte Zerreißprobe gestellt.

„Paracelsus – Die Fragen der Toten“ setzt die Handlung des ersten Bandes nach einiger Zeit fort. Erneut begleitet man im Wesentlichen zwei Handlungsstränge, zum einen die Suche nach der menschlichen Seele, zum anderen die Geschichte Basels. Und so toll es auch ist, die altbekannten, liebgewordenen Charaktere wiederzutreffen und noch näher kennenzulernen, finde ich es doch schade, dass kaum neue, relevante Charaktere in diesem Teil angelegt worden sind. Hier ist ein Überraschungsmoment verspielt worden, die Chance, der Geschichte Frische einzuhauchen.

Nichtsdestotrotz gefällt mir „Die Fragen der Toten“ richtig gut, fast besser als der erste Teil. Dabei brilliert vor allem der Handlungsstrang um die Stadt Basel, der von den absoluten Sympathieträgern Jacob und Caspar dominiert wird, die gegen politische und religise Widerstände hinweg versuchen, Basels Überleben zu sichern, während der Handlungsstrang um Paracelsus gerade am Anfang etwas flach bleibt, einer Aneinanderreihung von sich ewig wiederholenden Flucht- und Beschwörungsversuchen gleicht.

Die Handlung ist im großen und ganzen spannend, abwechslungsreich und kulminiert nach der Zusammenführung der Handlungsstränge in einem großen, epischen und nervenaufreibenden Finale, das allerdings etwas zu esoterisch daherkommt. Dabei wird die Geschichte unterstützt von dem wundervollen, anschaulichen Setting des historischen Basels, mit dem es der Autorin erneut gelingt, den Leser in der Zeit zuückzuversetzen.

Dank der wechselnden, personalen Erzählperspektiven wird der Leser mit allen Charakteren gut warm – dankenswerterweise sind die Kapiel mit dem jeweiligen Erzähler überschrieben – eine gute Lösung. Dabei sind die einzelnen Protagonisten vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Neben den oben bereits erwähnten Caspar und Jacob brillieren hier vor allem kleine Nebencharaktere wie Professor Wölflin, Werner Gruber oder Esther, aber auch zum Luft als – mehr oder weniger – Antagonist vermag zu überzeugen.

Die Buchgestaltung ist ähnlich wie beim Vorgänger ganz solide, Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet. Weiterhin stört es mich jedoch, dass sich das Titelbild nicht über den kompletten Buchumschlag zieht, Buchrücken und Coverrückseite so sehr einfach und eintönig wirken. Auch hätte ich erneut eine etwas hochwertigere Ausstattung insgesamt erwartet.

Mein Fazit? „Paracelsus – Die Fragen der Toten“ schließt die Dilogie um den berühmten Arzt gut ab. Dabei brilliert der Roman vor allem aufgrund des tollen Settings, starker Charaktere und der spannenden Geschichte um die Stadt Basel, während gelegentlich die Handlung etwas zu sehr ins Esoterische abdriftet. Für Liebhaber des Genres – und vor allem Leser des ersten Bandes – bedenkenlos zu empfehlen.

Historische Leserunden im Doppelpack | Buchpost

In den letzten Tagen erreichten mich wieder einige Bücher, von denen ich Euch heute zwei zeigen möchte. Sowohl „Wenn die Hofnung erwacht“ von Lilli Beck als auch Catherine Aurels „Bella Donna – Die Schöne von Florenz“ wurden mir im Rahmen von Leserunden auf Lovelyooks.de von den Verlagen Blanvalet und Penguin zur Verfügung gestellt. Und obwohl beide Bücher historische Romane sind, könnte das Setting doch nicht unterschiedlicher sein, spielen sie doch im zerstörten Deutschland der Nachkriegszeit und im dekadenten, eskapistischen Florenz der Medici-Ära. Ich bin schon ganz gespannt darauf, in diese unterschiedlichen Welten einzutauchen.

Wunderschöne Buchpost | Historische Buchbox mit ganz viel Liebe

Vor kurzem erreichte mich eine tolle, mit viel Liebe verpackte, Buchbox von Manuela Schörghofer, die mir ihren neuesten Roman „Das Spiel der Ketzerin“ mit vielen tollen Goodies – Wellness für die Seele und den Körper – als Rezensionsexemplar zusandte. Vielen Dank dafür schon einmal an die Autorin und den Verlag HarperCollins.

„Das Spiel der Ketzerin“ ist nach „Die Klosterbraut“ und „Die Sündenbraut“ mein dritter historischer Roman von Manuela – und hat das Cover, das mir von allen drei Titeln am besten gefällt. Sieht es nicht toll aus? =)

Jetzt bin ich schon ganz gespannt darauf, erneut ins Mittelalter einzutauchen – und kann es kaum erwarten, bald mit dem Lesen zu beginnen!

[Buchgedanken] Mark Sullivan: „Das letzte grüne Tal“

In der letzten Zeit habe ich die historische Familiensaga „Das letzte grüne Tal“ von Mark Sullivan gelesen. Das Buch ist 2021 bei Tinte & Feder, Amazon Media EU S.à r.l. veröffentlicht worden, die Originalausgabe erschien ebenfalls 2021 unter dem Titel „The Last Green Valley“ bei Lake Union Publishing, Seattle. Die Übersetzung durch Peter Groth wurde durch Amazon Crossing ermöglicht. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag und die vermittelnde Agentur Buchcontact für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

Ukraine, März 1944: Es ist tiefer Winter, als Adeline und Emil Martel mit ihren beiden kleinen Söhnen vor der Roten Armee fliehen müssen. Als Deutsche sind sie in ihrer Heimat nicht mehr sicher und es bleibt ihnen nichts Anderes übrig, als sich auf den beschwerlichen Weg gen Westen zu begeben. Der aber wird von den Nazis kontrolliert. Emil, der als Soldat Gräueltaten der SS miterlebte, muss weiter um die Sicherheit seiner Familie fürchten. Besonders, als Adeline einer Jüdin bei der Flucht hilft und sie alle in Gefahr bringt. Doch Emil und Adeline, geleitet von ihrem Glauben aneinander, gehen ihren Weg gemeinsam – immer weiter Richtung Westen.

„Das letzte grüne Tal“ reiht sich nahtlos in die vielen Familiensagen ein, die in den letzten Jahren über deutsche Familien zur Zeit des zweiten Weltkrieges geschrieben wurden. Und so bekannt mittlerweile auch die grundsätzliche Thematik der Vertreibung und Flucht, der Arbeitslager und Kriegsereignisse ist, so wichtig ist doch jede einzelne Geschichte – ist sie doch Zeugnis und Chronik einer Familie. So berührte es mich besonders, im Nachhinein im Internet nicht nur den Grabstein von Emil und Adeline, sondern auch die Historie der Firma und die zukünftigen Generationen zu finden. So wird Geschichte erlebbar und in der Realität verankert.

Die Handlung ist dabei – wenn auch genrebedingt durchaus vorhersehbar – spannend und abwechslungsreich, sie ist teils brutal und beschönigt nicht. So ist „Das letzte grüne Tal“ daher auch kein Buch für zwischendurch, kein Buch um abzuschalten, sondern fordert den Leser emotional und verlangt seine volle Aufmerksamkeit. Dabei sind die Ereignisse teils etwas zu pathetisch geschildert, Mark Sullivan wird jedoch nie zu belehrend.

Das Setting kann dabei auf ganzer Linie überzeugen. Egal ob das Deutschland der Nachkriegszeit, das Gefangenenlager in Poltrawa oder das besetzte Polen in den letzten Kriegswirren – um nur einige der Handlungsorte zu nennen – der Autor beschreibt anschaulich, lebensnah und erschreckend real, lässt das Kopfkino beim Leser sofort anspringen und fesselt ihn so ans Buch.

Die einzelnen Charaktere sind insgesamt – sicherlich auch aufgrund der historischen Vorbilder – plastisch und vielschichtig ausgearbeitet, haben Stärken und Schwächen, Ziele und Motive. Hierbei glänzen neben Adeline insbesondere auch Nebenfiguren wie Esther, Malia oder das Ehepaar Schmidt, aber auch einige Antagonisten wie Iwanow können überzeugen.

Die Buchgestaltung ist ebenfalls gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover ist schön, aber auch etwas austauschbar. Vorwort und Nachwort runden das Buch gut ab, allerdings hätte ich mich noch über eine Karte gefreut, die den Treck abbildet, um die Entfernungen noch greifbarer zu machen. Auch ein Stammbaum der Familie Martel hätte den Leser visuell noch besser abholen können.

Mein Fazit? „Das letzte grüne Tal“ ist eine aufwühlende historische Familiensaga, die vor allem durch ein tolles Setting und eine erschreckend anschauliche, spannende Handlung besticht. Für Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16.

[Buchgedanken] Olli Jalonen: „Die Himmelskugel

In der letzten Zeit habe ich den historischen Roman „Die Himmelskugel“ von Olli Jalonen in der Übersetzung von Stefan Moster gelesen. Das Buch ist 2021 im mareverlag veröffentlicht worden, die finnische Originalausgabe erschien 2018 unter dem Titel „Taivaanpallo“ bei Otava Publishing Company Ltd. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag und die vermittelnde Agentur Literaturtest für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

Mitten im Atlantik, auf der Insel St. Helena, träumt der achtjährige Angus einen großen Traum: Er will in die Fußstapfen des Sternenforschers Edmond Halley treten und dessen Gehilfe im fernen London werden. Angus übt für seine Laufbahn als Wissenschaftler, indem er tagsüber Vögel zählt und nachts die Position der Sterne markiert, wie Halley es ihm bei seinem Besuch auf der Insel beigebracht hat. Als es unter dem tyrannischen Gouverneur zu Unruhen kommt, rückt die Erfüllung von Angus‘ Traum unverhofft näher: Mit einem geheimen Brief wird er als blinder Passagier an Bord eines Schiffes geschickt, um in England die Hilfe des geschätzten Herrn Halley zu erbitten…

„Die Himmelskugel“ ist – trotz des Rückblicks auf vergangene Zeiten – ein visionärer Roman; ein Buch über die Aufklärung und frühe Wissenschaft, über Treue, Loyalität und Hoffnung, und wurde mit dem „Finlandia-Preis“ ausgezeichnet. Dabei wird das Geschehen ausschließlich aus Sicht des Protagonisten Angus erzählt, im Fließtext gibt er erzählend Gedanken, Gefühle und Gespräche wieder.

Diese ungewöhnliche Form, der Mangel an Struktur, das gänzliche Fehlen richtiger Dialoge machen hierbei einerseits den Reiz des Buches aus, erfährt man doch alles gefiltert aus der Sicht eines anfangs noch sehr jungen Kindes, sorgen andererseits aber auch dafür, dass insbesondere der Einstieg ins Buch durchaus schwer fällt, ist es doch ganz anders, als man es als Leser gewohnt ist. Wenn man sich aber darauf einlässt, erfährt man eine faszinierende Welt, wächst und lernt mit Angus mit, erkundet und bereist faszinierende Orte.

Und auch wenn mich das Ende etwas ratlos zurücklässt und die Geschichte etwas langsam in Gang kommt, ist die Handlung doch größtenteils spannend und voller neuer Entwicklungen und Erkenntnisse, versucht man doch, mit Angus die Zusammenhänge überhaupt erst zu verstehen, wobei vieles im Dunklen bleibt, weil es das Bewusstsein des Kindes sprengt, ihm gänzlich unbekannt und fremd ist.

Das Buch brilliert nicht zuletzt durch sein wunderbares Setting, die Gegenüberstellung von London und St. Helena, von Wissenschaft und Religion und verschiedensten Gesellschaftsschichten und porträtiert so das Leben am Ende des 17. Jahrhunderts in einer Welt, die für nahezu alle Menschen sehr überschaubar ist, sieht man von Visionären wie Edmond Halley ab.

Die Buchgestaltung überzeugt im Wesentlichen. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz ist ebenfalls stimmig und passt sich der Erzählweise von Olli Jalonen an. Das Cover spiegelt den Inhalt wieder, zieht sich leider jedoch nicht über den gesamten Buchumschlag und wird am Buchrücken unterbrochen, bevor sich das Bild auf der Coverrückseite fortsetzt. Das Buch unter dem Umschlag ist schlicht, bietet aber immerhin farbige Coverinnenseiten, die das Titelbild aufgreifen.

Mein Fazit: „Die Himmelskugel“ ist ein literarisch wertvoller historischer Roman, der mit einem brillanten Setting und einer ausgeklügelten Erzählweise punktet – wenn man sich darauf einlässt. Für Liebhaber anspruchsvoller Literatur bedenkenlos zu empfehlen – kein Buch für zwischendurch!

[Buchgedanken] Ulla Mothes: „Geteilte Träume“

In der letzten Zeit habe ich „Geteilte Träume“ von Ulla Mothes gelesen. Das Buch ist 2021 bei Lübbe, Bastei Lübbe AG erschienen und als Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag zur Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Berlin, 1992: Erst als junge Frau erfährt Ingke, dass sie als Säugling zu DDR-Zeiten adoptiert wurde. Wer sind ihre wahren Eltern? Warum haben sie sie einst weggegeben? Und was bedeutet das für ihr Leben heute? Sie macht sich auf die Suche und stößt auf die Geschichte ihrer Herkunftsfamilie, die nach einem gescheiterten Fluchtversuch ihre Tochter verlor. Auf einmal hat die junge Frau zwei Familien, die um sie ringen: Ihre leibliche Mutter, die irgendwann von der BRD freigekauft wurde und bisher nichts über Ingkes Verbleib weiß. Und ihre vermeintlichen Eltern, bei denen sie behütet und geliebt aufgewachsen ist. Doch muss sie sich tatsächlich entscheiden?

„Geteilte Träume“ ist keine leichte Kost. Es ist vielmehr eine Familiensaga, die auch vor den dunkleren Kapiteln der deutschen Teilung nicht zurückschreckt, dabei aber nie den Fokus auf die Familie verliert. Informativ, aber nie belehrend, zeigt Ulla Mothes durch ihre Figuren anschaulich, wie nah Zerrissenheit und Verbundenheit zusammenhängen, und dass man durchaus auch differenziert zum totalitären System der DDR stehen konnte – in einer Grauzone zwischen totaler Ablehnung und fanatischer Zustimmung.

Dabei erkundet die Protagonistin Ingke die Vegangenheit ihrer Familien durch Erzählungen, durch geschickt eingestreute Rückblenden, und erlebt so die Geschichte mehrererer Generationen, während die eigentliche Handlung sich nur über etwa zwei Monate erstreckt. Und so kraftvoll und atmosphärisch die Rückblicke sind, so emotional und beklemmend die Ereignisse geschildert werden, so überzeichnet wirkt – zumindest im Vergleich – die Handlung in der Gegenwart, die von multiplen Schicksalsschlägen und Katastrophen, von jahrzehntealten Zerwürfnissen und mühsam gehüteten Geheimnissen geprägt ist, die alle mir nichts dir nichts mit einem Federstrich bereinigt werden können – etwas konstruiert.

Dahingegen überzeugt das vergangene Setting vollends und zeigt anschaulich und authentisch den damaligen Alltag, gut und verständlich recherchiert und von der Autorin in einem leicht und flüssig lesbaren Schreibstil dargestellt, sodass der Leser direkt mitgenommen wird. Dabei begeistert vor allem Marens Episode vollends und sorgt für emotionale Höhepunkte.

Insgesamt sind die einzelnen Protagonisten vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Während Ingke aufgrund ihres Alters hier noch etwas blass bleibt, teils nicht nachvollziehbar handelt, sind es daher vor allem die Nebenfiguren, die das Buch tragen. Besonders gefallen haben mir hier Maren, Otto, Emma und Bernhard.

Die Buchgestaltung ist im Wesentlichen gelungen, Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet und nur minimale Kleinigkeiten durchrutschen lassen. Das Cover ist hochwertig geprägt und verfügt über wunderschöne ausklappbare, farbige Coverinnenseiten. Das Titelbild, das sich in den Coverinnenseiten spiegelt wird leider durch den Buchrücken unterbrochen und zieht sich somit nicht über den gesamten Umschlag. Zudem wirken die auf dem Titel abgebildeten Menschen wie Fremdkörper, deplatziert – ohne diese hätte das Cover noch besser ausgesehen.

Mein Fazit? „Geteilte Träume“ ist eine berührende und aufwühlende Familiensaga, die vor allem durch wunderbar recherchierte und beklemmend erzählte Rückblenden punktet, in der gegenwärtigen Handlung aber kleinere Schwächen aufweist. Für Liebhaber von Familiensagen und Fans der deutsch-deutschen Geschichte bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Rena Rosenthal: „Die Hofgärtnerin – Frühlingsträume“ (Hofgärtnerinnen 1)

In der letzten Zeit habe ich im Rahmen einer Leserunde „Die Hofgärtnerin – Frühlingsträume“, den ersten Band der Hofgärtnerinnen-Saga von Rena Rosenthal gelesen. Das Buch ist 2021 im Penguin Verlag, Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH veröffentlicht worden und als historischer Roman beziehungsweise als Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag und Lovelybooks.de für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

Oldenburg, 1891. Als Gärtnerin in der Natur zu arbeiten und die schönsten Blumen dieser Welt zu züchten, davon träumt Marleene schon ihr ganzes Leben. Doch ihr Wunsch scheint unerreichbar, denn eine Gärtnerlehre ist allein Männern vorbehalten. Aber Marleene gibt nicht auf: Kurzerhand schneidet sie sich die Haare ab und verkleidet sich als Junge – und bekommt eine Anstellung in der angesehenen Hofgärtnerei. Marleene ist überglücklich! Doch die anderen Arbeiter machen ihr den Einstieg alles andere als leicht, und es wird zunehmend komplizierter, ihre Tarnung aufrechtzuerhalten. Als sie dann auch noch die beiden charmanten Söhne der Hofgärtnerei kennenlernt, werden ihre Gefühle vollends durcheinandergewirbelt. Marleene muss sich entscheiden – folgt sie ihrem Traum oder ihrem Herzen …

Mit „Die Hofgärtnerin – Frühlingsträume“ legt Rena Rosenthal einen gelungenen Auftakt in die Reihe um die Hofgärtnerinnen vor. Dabei ist der Roman nicht nur Familiensaga, sondern auch ein Spiegelbild der damaligen gesellschaftlichen Entwicklungen, porträtiert er doch, ohne allzu belehrend zu werden, den beginnenden Kampf um bessere Arbeitsbedingungen und die Rolle der Frau sowie die zarte Auflehnung gegen die immer noch herrschende Unterdrückung.

Dabei begeistert der Roman vor allem durch sein tolles Setting. Das Oldenburg im jungen Kaiserreich, die Hofgärtnerei, die Reise nach Holland – Rena Rosenthal beschreibt anschaulich und zeittypisch die Handlungsorte des Romanes. Die historischen Ungenauigkeiten, auf die die Autorin im Nachwort hinweist, halten sich dabei noch im akzeptablen Rahmen.

Die Handlung ist an und für sich spannend und abwechslungsreich und bietet immer mal wieder ungewohnte Wendungen, die teils aber etwas konstruiert anmuten. Leider werden zum Ende hin aber nur ein Bruchteil der Handlungsstränge aufgelöst, was natürlich viel Potential für die Folgeteile verspricht, allerdings auch dafür sorgt, dass „Frühlingsträume“ nicht als Standalone gelesen werden kann.

Die einzelnen Figuren sind größtenteils vielschichtig angelegt, haben Stärken, Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei überzeugen insbesondere auch die Nebencharaktere wie Bruno, Frieda oder Rosalie, über die ich gern in den Folgebänden noch mehr erfahren wollen würde.

Die Buchgestaltung überzeugt auf ganzer Linie. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet und der gesamte Buchumschlag ist hochwertig (auch auf den Klappen!) geprägt, wunderschön anzuschauen und mit tollen farbigen Coverinnenseiten versehen. Das traumhafte Titelbild ist ein wahrer Eyecatcher, auch wenn mir etwas der Bezug zur Handlung abgeht, ist Marleene doch ein sehr junges Mädchen mit hellblonden Haaren. Zudem ist im Nachgang zur Geschichte der informative Part mit 25 Seiten meines Erachtens nach etwas zu lang geraten. Zumindest die Fliederfakten und -rezepte hätte man sicherlich auslagern können.

Mein Fazit? „Die Hofgärtnerin – Frühlingsträume“ ist ein gelungener Auftakt in die Buchreihe um die Hofgärtnerinnen, der vor allem durch ein wunderschönes Setting und tolle Charaktere besticht. Kleinere Schwächen in der Handlung sind dabei zu verschmerzen – ich freue mich schon sehr auf Teil 2. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen.