[Buchgedanken] Dorrit Bartel: „Der Äthiopier“

In den letzten Tagen habe ich auch „Der Äthiopier“ von Dorrit Bartel gelesen. Das Buch ist erstmals 2024 im Selfpublishing über epubli veröffentlicht worden, die mir vorliegende Ausgabe entstammt der Neuveröffentlichung in der RavenPort Verlag GmbH aus dem Jahr 2025. Das Buch ist dabei als biografischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle dabei auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Früh wird Adane seiner Familie in der äthiopischen Savanne entrissen und erfährt, dass er selbst nicht über sein Leben bestimmen kann. Er passt sich wechselnden Umständen an: An einer Missionsschule wird er zum Christen, als Solidaritätsstudent in der DDR zum Kommunisten. Als Politiker kehrt er nach Äthiopien zurück, doch mit dem Zusammenbruch des Sozialismus landet er im Gefängnis. Bedroht von der Todesstrafe schwört er sich, zukünftig eigene Entscheidungen zu treffen, wenn er überlebt. Wider Erwarten kommt er frei und entsagt den Ideologien. Zurück in Deutschland arbeitet er fortan mehr mit den Händen als mit dem Kopf. Seine wahre Bestimmung findet er zuletzt wieder in der Heimat. Er sorgt für die Bildung von Kindern und gibt ihnen damit und das Werkzeug zur Selbsthilfe: Den freien Willen.

„Der Äthiopier“ ist mein erstes Buch von Dorrit Bartel, das – lose – das Leben des leider bereits verstorbenen Äthiopiers Fayissa/Adane beschreibt. Dorrit Bartel füllt dabei in künstlerischer Freiheit Erinnerungslücken, eine genauere Einordnung was Wahrheit und Fiktion entspricht, erfolgt nicht, auch, da selbst Adanes Erzählungen unzuverlässig sein könnten. Empfohlen wird das Buch in den unterschiedlichen Ausgaben für Leser:innen ab 16 oder 18 Jahren, aus meiner Sicht kann man das Buch durchaus auch minimal früher lesen.

Die Handlung ist spannend und abwechslungsreich – so wie Adanes Leben, das ihn in viele Länder, Systeme, Berufe und Gefahren gebracht hat. Und auch wenn das Buch dabei einige erzählerische Längen hat und insgesamt eher antiklimaktisch ist, macht es dennoch viel Spaß und ist informativ, lernt man doch durchaus das ein oder andere, insbesondere über die Kultur des Vielvölkerstaates Äthiopien. Leider lässt das Buch dabei manchmal eine Einordnung, ein Unrechtsbewusstsein auch bei Fehlern Adanes vermissen und zeichnet daher ein eher einseitiges Porträt.

Das Setting ist natürlich gelungen. So entführt uns Adanes Leben – von einem richtigen Setting kann man hier ja gar nicht sprechen – von Äthiopien über die DDR ins vereinte Deutschland, nach Moskau, in die Mongolei und immer wieder zurück nach Äthiopien, in die Savanne, die Hauptstadt und entfernte Regionen des Landes. Dabei wird insbesondere das Leben nomadischer Stämme in der Savanne genau beschrieben, gern hätte ich mir insgesamt noch mehr Informationen über die äthiopische Kultur gewünscht.

Insgesamt spricht das Buch durch die Geschichte von Adane wichtige Themen an wie Entwicklungshilfe, Unterdrückung und die Unzulänglichkeit des Sozialismus und des Kommunismus, von deren Ideen sich Adane leider Zeit seines Lebens nicht hinreichend lösen konnte. Auch erschließt sich im Nachhinein nicht, warum in den frühen 1990er Jahren der Aufenthalt in Deutschland durch eine rechtswidrige Scheinehe gesichert werden musste und nicht versucht wurde, den Aufenthalt zu legalisieren. Insgesamt hätte hier noch viel Potential für ein einordnendes Nachwort bestanden.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind zwar Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss aber nicht unglaublich schmälern. Der Buchsatz ist ausbaufähig, mein Exemplar hat – wie angekündigt – als Mängelexemplar auch keine Seitenzahlen. Das Covermotiv ist gelungen, aber kein Eyecatcher. Insgesamt ist das Buch sehr schlicht und eintönig gestaltet, die Coverrückseite mit viel zu viel Text überfrachtet, das Verlagslogo mit dunkelblauer Schrift auf schwarzem Hintergrund kaum zu entziffern.

Mein Fazit? „Der Äthiopier“ zeichnet auf informative Weise das sehr ereignisreiche Leben von Adane nach und spricht dabei wichtige Themen an, weist dabei aber auch kleinere Schwächen auf. Für Leser:innen ab etwa 15 Jahren mit Interesse an dem Genre bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Kristin MacIver: „Limerick Love. Break the Rules“ (Limerick Love 1)

Vor kurzem habe ich auch „Limerick Love. Break the Rules“ von Kristin MacIver gelesen. Das Buch ist 2025 im Knaur Verlag in der Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG erschienen und als Historical Romance einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Die rebellische Lady Vivienne FitzGerald, genannt Viv, langweilt sich tödlich auf Limerick Castle, wo sie nicht mehr tun darf, als den Tag mit Sticken und Singen zu vertrödeln. Als Viv dann auch noch erfährt, dass sie in wenigen Wochen heiraten soll – den ebenso besitzergreifenden wie hochnäsigen Sir Liam – trifft sie eine verzweifelte Entscheidung: Wenigstens einmal im Leben will sie tun, wonach ihr Herz sich sehnt! Verkleidet als Junge schließt Viv sich dem Hurling-Team an. Trotz einiger Rückschläge beim Training entdeckt sie nicht nur ihre Begabung für den leidenschaftlichen Sport. Da ist auch ein verbotenes Kribbeln in ihrem Bauch, jedes Mal, wenn sie mit dem besten Hurling-Spieler Ruairí zusammen ist. Doch Ruairí und sie kommen aus verschiedenen Welten und ihre Familien spaltet eine Vergangenheit, die alles zerstören könnte …

„Limerick Love. Break the Rules“ ist der Auftaktband in die historische Sports Romance-Dilogie von Kristin MacIver, von der ich bislang auch die Celtic-Dreams-Trilogie kenne. Angesiedelt ist die Geschichte im Irland des 15. Jahrhunderts und wird aus der Ich-Perspektive von Viv erzählt. Dabei lässt sich die Geschichte relativ leicht kategorisieren, ist kein klassischer historischer Roman, auch kein historischer Liebesroman, sondern Historical Romance – mit allem, was das Genre so mit sich bringt, zum Beispiel spicy Szenen und eine Happy-End-Garantie. Darüber hinaus hätte man es auch noch als „Historical Sports Romance“ bezeichnen können, ich habe es aber bei der etwas allgemeinen Kategorisierung belassen, um das Genre nicht zu eng zu fassen.

Die Handlung ist spannend, kurzweilig und mit der ein oder anderen überraschenden Wendung versehen. Dabei mischt Kristin MacIver in altbekannter (und bewährter) Manier aus der Celtic Dreams Reihe eine freiheitsliebende Protagonistin mit einer spannenden Leidenschaft (hier das Hurling) und einer undenkbaren Liebesgeschichte zu einer wirklich toll lesbaren Geschichte, die viel Spaß macht und vor allem am Ende überzeugt – auch wenn das Konzept nicht allzu innovativ ist. Hierbei ist durchaus toll recherchiert worden – auch wenn sicherlich nicht alles historisch korrekt ist und sich sogar die ein oder andere moderne popkulturelle Anspielung findet.

Das Setting ist gelungen. So entführt die Autorin ihre Leser:innen ins Irland in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, nach Limerick, in eine Stadt voller Konflikte zwischen den englischen Besatzern und der irischen Bevölkerung. Dabei werden vor allem die gesellschaftlichen Unterschiede in aller Deutlichkeit herausgearbeitet – und der Fokus auf Hurling als historischer Sportart gelegt (prägend für die Reihe, in Band 2 wird sich dann einem anderen historischen Sport gewidmet). Gern hätte ich mir noch zur Unterstützung des Settings eine Karte gewünscht – aber die großflächige Illustration in den Coverinnenseiten ist natürlich auch wunderschön anzusehen.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Sláine (als heimlicher Leser:innenliebling – und wundervollerweise die Protagonistin des Folgebandes), Martha und Hugh, während sich Sir Liam und Darragh etwas eindimensional verbleiben und Viv nicht immer nachvollziehbar handelt. Toll ist zudem, welche Wandlung Adeline hinlegt und sich ebenfalls zu einer Favoritin entwickelt. Kristin MacIvers Schreibstil lässt sich leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen – die Waage ist hier sicherlich zugunsten der Lesbarkeit in Abwägung zur historischen Authentizität gekippt.

Die Buchgestaltung überzeugt ebenfalls im Wesentlichen. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist ordentlich, die Geschichte wird mit einer vorangestellten wundervollen Playlist abgerundet. der Umschlag ist mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Cover und gleich gestaltete Coverrückseite werden leider zum Buchrücken hin krass abgegrenzt, insgesamt sehen sie aber toll aus und bilden hoffentlich mit dem Folgeband ein tolles, einheitliches Reihenbild mit Wiedererkennungswert.

Mein Fazit? „Limerick Love. Break the Rules“ ist eine wundervolle Historical Romance mit spannender Handlung, interessanten Themen und nur minimalen Schwächen, die hier kaum ins Gewicht fallen und Lust auf Band zwei machen. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem genreüblichen Lesealter von 16 Jahren.

Eine Reise in vergangene Zeiten | Doppelte Buchpost

Kurz vor Weihnachten habe ich noch einmal zwei Neuzugänge für Euch. „Das Erbe der Drachenkrone“ von Sabrina Qunaj (Aufbau Taschenbuch, Aufbau Verlage GmbH) erreichte mich dabei als Rezensionsexemplar im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de, „Eliot Holtby und das Universum der Vergangenheit“ von Marc Rosenberg (Vermes Verlag) als Gewinn einer Buchverlosung – ebenfalls auf Lovelybooks.de, vielen Dank dafür jeweils. Beide Romane entführen die Leser:innen dabei in die Vergangenheit. Während es in Sabrinas Roman erneut ins mittelalterliche Wales geht, reisen die Leser:innen mit Eliot zusammen in einem fantastischen Abenteuer durch verschiedene Zeiten. Ich bin schon gespannt, was es dort jeweils zu entdecken gibt und freue mich daher schon auf beide Bücher – von Sabrina ist es ja bereits mein vierter Roman.

In welche Zeit würdet Ihr gern einmal reisen?

Von Intrigen und Verschwörungen in allen Zeiten | Doppelte Buchpost

Heute habe ich wieder zwei Neuzugänge für Euch, die mich vor kurzem als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de erreicht haben – vielen Dank dafür. „BENSKI – Die Jagd nach dem Artefakt“ ist dabei ein im Selfpublishing veröffentlichter Roman von Wolfram Benisch, der Auftaktband in die Reihe um den Privatdetektiv Jack Benski, während in „Schatten über dem Kloster“ von Manuela Schörghofer (Verlagsgruppe HarperCollins) die Richtergattin Isabella Falk in einem historischen Kriminalfall ermittelt. Beide Bücher versprechen dabei Spannung – und vor allem Intrigen und Verschwörungen bis in die höchsten Machtzentralen der jeweiligen Zeit. Ich bin schon ganz gespannt!

Mögt Ihr Thriller im Stil von Dan Brown?

[Buchgedanken] Fabian Navarro: „Miez Marple und die Tatze der Verdammnis“ (Miez Marple 3)

Vor kurzem habe ich auch „Miez Marple und die Tatze der Verdammnis“ von Fabian Navarro gelesen. Das Buch ist 2025 unter dem Label HaymonKrimi in der Haymon Verlag Ges.m.b.H. erschienen und als Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Katzendetektivin Miez Marple checkt im Tierhotel Bellagio ein! Und findet sich damit in der wohl luxuriösesten Unterkunft am Rand der Großstadt wieder. Eigentlich wollte sie ein paar Tage einen ruhigen Wollball schieben – aber nix da! Mit dem Tod einer Schnurrhaar-Diva kommen Geheimnisse ans Licht wie Mäuse aus ihren Löchern. Und der Mörder oder die Mörderin scheint direkt aus der Gemeinschaft der top gestylten und mit Gourmetleckereien vollgefressenen Haustiere zu kommen. Oder etwa doch aus dem tiefen, dunklen Wald nebenan?

„Miez Marple und die Tatze der Verdammnis“ ist der dritte Teil der Buchreihe um die flauschige Detektivin Miez Marple, deren ersten beiden Bände noch bei Goldmann erschienen sind. Dabei lässt sich das Buch gar nicht so einfach einem Genre zuordnen, ist ein tierischer Kriminalroman, der durchaus in Teilen auch cosy (oder wie vom Verlag benannt cuddly) ist. Gleichsam ist er auch in bester Agatha-Christie-Manier größtenteils ein Kammerspiel, ist der Kreis der Personen und der Handlungsort doch stark begrenzt. Der Einfachheit halber habe ich es dennoch bei der groben Einordnung als Kriminalroman belassen.

Die Handlung ist durchaus abwechslungsreich und spannend, wenn auch zwischenzeitlich mit kleineren Längen versehen. Dabei lässt sich das Buch, das aus Miez Marples personaler Erzählperspektive erzählt wird, gut als Standalone lesen, wenn auch die Lektüre der vorherigen Bände insbesondere Miez Marples Beziehung zu einigen anderen Charakteren sicherlich noch vertieft beleuchtet hätte. Etwas schade ist auch, dass der Epilog bereits den nächsten Fall anteasert – ein klarerer Schnitt hätte hier für ein noch runderes Leseerlebnis gesorgt.

Das Setting ist gelungen. So entführt der Autor die Leser:innen größtenteils in eine luxuriöse Tierpension, in der – unüblich – alle möglichen Tiere zusammenleben. Dabei ist die tierische Welt gespickt mit Anspielungen an die Welt der Menschen – egal ob Sprichwörter, Fernsehprogramme oder Kryptowährungen. Und auch wenn das ganze manchmal sogar etwas zu weit geht, macht das doch einen Großteil des Charmes des Buches aus und sorgt für humorvolle Momente. Hierbei gelingt es Fabian Navarro, in den Krimi durchaus auch kleine, gesellschaftskritische bzw. gesellschaftlich relevante Themen und Aspekte unterzubringen.

Die einzelnen Figuren haben eigene Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive, sind teils aber etwas eindimensional gestaltet. Hierbei überzeugen insbesondere noch wichtige Nebencharaktere wie Meredith, Florian und Gina, während Cookie und insbesondere Gabriel eher eindimensional verbleiben und Miez Marple nicht immer nachvollziehbar handelt. Fabian Navarros Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss nicht erheblich schmälern, der Buchsatz ist ordentlich. Der Umschlag ist mit Klappen und farbigen, toll gestalteten Coverinnenseiten versehen, das Covermotiv und die Coverrückseite werden zum Buchrücken leider jeweils krass unterbrochen. Generell ist die Farbgebung des Umschlags sehr ansehnlich und das Covermotiv ein Eyecatcher, das Design weicht jedoch von den früheren Bänden der Reihe ab und bricht so etwas den Wiedererkennungswert.

Mein Fazit? „Miez Marple und die Tatze der Verdammnis“ ist ein im Wesentlichen gelungener, tierischer Kriminalroman, der vor allem mit seinem Setting und Wortwitz überzeugt, aber auch kleinere Längen und Schwächen hat. Für Leser:innen des Genres – und insbesondere für Katzenfreunde – bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Volker Gerling: „Die Todesfalle“ (Skalla & Krampe 1)

In der letzten Zeit habe ich auch „Die Todesfalle“ von Volker Gerling, einem der Pseudonyme des Autors Volker Schulz gelesen. Das Buch ist 2025 bei SAGA Egmont, Egmont Verlagsgesellschaften mbH erschienen und als Thriller einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Investigativjournalistin Rachel Skalla arbeitet an einem Artikel über illegale Medikamententests, als sie Mark Kreutzer kennenlernt. Mark kann ihr die richtigen Türen für die Story öffnen. Um sich dafür bei ihm zu bedanken, will Rachel Mark dabei helfen, einen mysteriösen Fall aufzuklären, der ihn bis heute belastet. Marks Vater sitzt im Gefängnis. Er soll auf grausame Weise eine Prostituierte ermordet haben, beteuert aber bis heute seine Unschuld. Bei ihren Recherchen entdeckt Rachel sieben weitere Fälle, die dem von Marks Vater gleichen. Alle vermeintlichen Täter waren betrunken und wachten neben ermordeten Prostituierten in einem Hotelzimmer auf. Nur ein Zufall? Oder handelt es sich um das Werk eines raffinierten Serienmörders? Mit Hilfe des Hamburger Fallanalytikers Daniel Krampe begeben Rachel und Mark sich auf die Suche nach der Wahrheit – und geraten dabei selbst ins Visier des gnadenlosen Killers!

„Die Todesfalle“ ist nach „Redemptio: Sie wissen alles“ mein zweites Buch des Autors und der erste Band um die Investigativjournalistin Rachel Skalla und den Fallanalytiker Daniel Krampe, der bereits in Volker Gerlings vorheriger Trilogie zusammen mit Kommissarin Laura Graf Fälle löste. Dennoch kann man das Buch gut ohne Vorwissen als Standalone lesen, wenn auch die vorherigen Romane einem die Figur von Daniel sicherlich noch näher gebracht hätten. Zudem balanciert das Buch auf der Grenze zwischen Krimi und Thriller, der Einfachheit halber habe ich es bei der vom Verlag getroffenen Einordnung als Thriller belassen.

Die Handlung ist durchaus spannend und abwechslungsreich, auch wenn antiklimaktisch der Täter schon früh für alle aufgedeckt und präsentiert wird. Dennoch gelingt es dem Buch, die Leser:innen durch das Katz-und-Maus-Spiel zwischen Täter und Ermittelnden nicht zu verlieren. Kleinere Schwächen verbleiben jedoch bei der teils implausiblen Polizei- und Justizarbeit und auch bei dem Handlungsstrang über die illegalen Medikamententests, der sang- und klanglos vernachlässigt und nicht wieder aufgegriffen wird.

Das Setting ist ebenfalls gelungen, aber austauschbar, entführt uns der Autor doch in eine schnelllebige Welt zwischen JVA, Luxushotels, abgeschiedenen Blockhütten, nimmt uns mit in die USA, nach Kanada und Indien. Dabei mischt der Autor in die Krimi-/Thrillerhandlung weitere, gesellschaftlich relevante Themen wie dysfunktionale Familien, illegale Medikametentests und Justizirrtümer mit ein, verbleibt hier aber jeweils sehr an der Oberfläche, was insbesondere bei den Medikamententests sehr ärgerlich ist, sind diese doch so prominent im Klappentext erwähnt.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere Rachel und Johannes, während Mark nicht immer nachvollziehbar handelt und Daniel aufgrund der fehlenden Vorgeschichte wenig greifbar erscheint. Volker Gerlings Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen, wenn auch die Kapitellänge etwas zu kurz ist und die personalen Erzählperspektiven daher ständig wechseln.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist ordentlich und unauffällig. Das Covermotiv ist genretypisch, bietet aber wenig Anklänge zur Handlung und ist – zusammen mit dem gesamten Buchumschlag – eher unauffällig. Abzuwarten bleibt, ob der Roman mit den Folgebänden für einen einheitlichen Gesamteindruck der Reihe mit Wiedererkennungswert sorgt.

Mein Fazit? „Die Todesfalle“ ist ein spannender Thriller, der ungewöhnliche Wege geht und vor allem aufgrund der Interaktionen zwischen Täter und Ermittelnden brilliert, dabei aber auch kleinere Schwächen und Logikfehler aufweist. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von 16 Jahren.

Eintauchen in fremde Kulturen | Doppelte Buchpost

Pünktlich zum Nikolaustag habe ich heute noch einmal zwei Neuzugänge für Euch, die mich vor kurzem als Rezensionsexemplare im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de erreichten – vielen Dank dafür. „Der Äthiopier“ von Dorrit Bartel (RavenPort Verlag GmbH) beschreibt dabei nach wahren Begebenheiten die Geschichte des Äthiopiers Adane, während in „Tote Schwäne tanzen nicht“ von Mirenka Cechova (Anthea Verlag), übersetzt von Julia Miesenböck aus dem Tschechischen, ein ebenfalls biografisch angehauchter Blick auf die Sonnen- und Schattenseiten der Ballettszene geworfen wird. Ich bin schon sehr gespannt darauf, in beide Kulturen literarisch einzutauchen.

Mögt Ihr biografisch angehauchte Romane?

Tierische Neuzugänge | Doppelte Buchpost

Heute habe ich mal wieder zwei Neuzugänge für Euch, die mich vor kurzem als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de erreicht haben – vielen Dank dafür! „Affenliebe“ ist hierbei der neue, im Selfpublishing veröffentlichte Roman von Natasa Dragnic, während „Miez Marple und die Tatze der Verdammnis“ bereits der dritte Band der Reihe um die flauschige Ermittlerin von Fabian Navarro ist. Erschienen ist er unter dem Label Haymonkrimi in der Haymon Verlag Ges.m.b.H., nachdem die ersten beiden Teile noch im Goldmann Verlag veröffentlicht wurden. Egal ob Liebe, Lust und Leidenschaft oder doch Cosy Crime – in jedem Fall wird es mit den beiden Bänden sicherlich tierisch! Ich kann es daher kaum erwarten, in die Geschichten einzutauchen.

Mögt Ihr Romane, in denen Tiere als Protagonist:innen fungieren?

[Buchgedanken] Anika Mehlis: „Wo die Zukunft der Raumfahrt beginnt“

Vor kurzem habe ich auch „Wo die Zukunft der Raumfahrt beginnt“ von Dr. Anika Mehlis gelesen. Das Buch ist 2025 in der Knesebeck GmbH & Co. Verlag KG erschienen und als anekdotisches Sachbuch einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Nur im Raumanzug darf Anika Mehlis das Habitat verlassen. Vor ihr erhebt sich ein Vulkan. Doch sie ist nicht auf dem Mars, sondern auf der Erde. Als Analog-Astronautin testet sie in der Wüste Israels und in den Bergen Armeniens Technologien für zukünftige Missionen. Sie lebt unter extremen Bedingungen und erfährt hautnah, was es braucht, um auf dem roten Planeten zu bestehen: mentale Stärke, Teamgeist und Vertrauen. Denn am Ende geht es nicht darum, den Mars zu besiedeln – sondern darum, besser zu verstehen, was es bedeutet, Mensch zu sein.

In „Wo die Zukunft der Raumfahrt begint“ beschreibt Dr. Anika Mehlis ihr Leben „als Analog-Astronautin zwischen Erde und Mars“, wie der Untertitel besagt. Dabei lässt sich das Buch gar nicht so einfach einem Genre zuordnen, ist zugleich Sachbuch als auch biografisches Werk, sodass ich es schlussendlich als anekdotisches Sachbuch eingeordnet habe, wird doch die Tätigkeit als Analog-Astronautin anhand der persönlichen Erfahrungen der Autorin dargestellt und mit Fotos von ihren Missionen verssehen.

So begleitet man (die spätere Dr.) Anika Mehlis nicht nur durch den mühsamen und mehrstufigen Auswahlprozess zur Analog-Astronautin, sondern auch durch die beiden Missionen in Israel und Armenien – ein Unterschied wie Tag und Nacht. Dabei lernt man durchaus auch einige persönliche Informationen über die Autorin und ganz viel Neues über die unscheinbaren Held:innen der Raumfahrt – wobei sie ja gar nicht so unsichtbar sind, wenn ich mir den beschriebenen Medienrummel um die Missionen so durchlese.

So spannend das alles auch ist – so ermüdend ist es manchmal, das Buch mit den ganzen Abkürzungen zu lesen, die den Lesefluss doch etwas beeinträchtigen, auch wenn sich der Sinn dahinter natürlich erschließt. Auch hätte ich mir an einigen Stellen noch stärkere Ausführungen gewünscht – sowohl bei den Auswirkungen der Mission auf die Autorin als auch generell über die Probleme der Besiedlung des Mars. Toll ist hingegen auch, dass die einzelnen Abschnitte mit inspirierenden Zitaten von Pionierinnen aus Wissenschaft, Forschung und Kultur beginnen, eine Rolle, die ja nun auch die Autorin innehat.

Auch die restliche Buchgestaltung vermag zu überzeugen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben solide gearbeitet, der Umschlag ist auf dem Cover leicht geprägt und mit Klappen und farbigen, aber eintönigen Coverinnenseiten versehen. Covermotiv und Coverrückseite werden jeweils zum Buchrücken hin krass unterbrochen, bieten aber mit den offiziellen Missionsfotos natürlich tolle Eyecatcher, die auch mit dem Inhalt in Verbindung stehen.

Mein Fazit? „Wo die Zukunft der Raumfahrt beginnt“ ist ein zuweilen persönliches, aber immer informatives Buch über Analog-Astronaut:innen, das dieses eher unterbelichtete Kapitel der Raumfahrt in den Fokus rückt, dabei aber teils noch andere Schwerpunkte hätte setzen können. Für thematisch interessierte Leser:innen bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Annette Mierswa: „Der Scherbenpalast“

In der letzten Zeit habe ich auch „Der Scherbenpalast“ von Annette Mierswa gelesen. Das Buch ist 2025 im Verlag Freies Geistesleben (Verlag Freies Geistesleben & Urachhaus GmbH) veröffentlicht worden und als Jugendbuch einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Lou ist wütend, sehr wütend, denn die Familie zieht von Hamburg nach Mannheim. Doch where the hell is Mannheim? Ohnmächtig taumelt Lou in ein neues Leben, ohne ihre beste Freundin Nel und ohne Damian, mit dem so viel möglich schien … Also provoziert und wütet sie, bis sich Dinge ereignen, die ihre Sicht verändern – und sie vor allem merkt, dass sie selbst für ihr Glück verantwortlich ist.

„Der Scherbenpalast“ ist mein erster Roman der hochdekorierten und produktiven Kinder- und Jugendbuchautorin Annette Mierswa. Empfohlen wird das Buch für Leser:innen ab 14 Jahren, eine Alterseinschätzung, die ich im Wesentlichen teilen kann. Daher lässt sich der Roman auch problemlos als Jugendbuch einordnen – darüber hinaus ließen sich auch Argumente für die Eingruppierung als Coming of Age finden oder, wenn man Lous Argumentation zu Beginn des Romans folgt, für eine solche als Schicksalsroman.

Denn die Handlung wird von dem als dramatisch empfundenen Umzug nach Mannheim dominiert, der Lou, aus deren Sicht die Geschichte in einer Ich-Perspektive erzählt wird, aus ihrem altbekannten Leben reißt. Dabei ist die Handlung durchaus kurzweilig und interessant, jedoch ohne größere Spannungsspitzen. Zudem kommt das Ende etwas abrupt, hier hätte man noch die ein oder andere Seite hinzufügen können. Zugleich bleibt das Ende, zumindest in einigen Punkten, sehr offen gestaltet, was Möglichkeiten für eine Fortsetzung lässt, für die Leser:innen jedoch durchaus Frustrationspotential bereithält.

Das Setting ist im Wesentlichen gelungen. So entführt die Autorin ihre Leser:innen in die Quadratestadt Mannheim, in eine Stadt zwischen renommiertem Nationaltheater, wunderschönem Barockschloss und – ja – der Eisdiele, in der das Spaghettieis erfunden wurde. Dennoch vermisse ich hier, da der Ortswechsel ja handlungstreibend ist, noch mehr Lokalkolorit, noch mehr Mannheimer Spezialitäten, genauere Beschreibungen – und stärkere Dialekte. Annette Mierswa mischt dabei ein Potpourri an jugendtypischen Problemen und Themen zu einem sehr dichtem Gefühlschaos für Lou und garniert dies mit einem Plädoyer für den Einsatz gegen den Klimawandel, auch wenn die hier beschriebenen Methoden durchaus auch kritisch betrachtet werden können oder sogar sollen.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere Nebencharaktere wie Romy und Nel, von denen ich jeweils gern mehr lesen würde. Dahingegen handelt Lou oftmals nicht nachvollziehbar, und Tikey verbleibt etwas eindimensional, könnte sich aber, wenn seine Handlung weitererzählt wird, durchaus noch entwickeln. Anette Mierswas Schreibstil ist altersgerecht und lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anspringen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind hierbei nur Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss nicht wesentlich schmälern, der Buchsatz ist ordentlich. Der Buchumschlag ist auf dem Cover und der Coverrückseite leicht geprägt und mit Klappen und farbigen, aber eintönigen Coverinnenseiten versehen. Cover und Coverrückseite werden leider zum Buchrücken krass unterbrochen, was einen Bruch in der Farbgestaltung mit sich zieht. Zudem zeigt das Covermotiv zwar Anklänge an die Handlung, ist aber etwas zu sehr stilisiert und farblich sehr eigen. Gleichsam irritiert auch die Typografie des Titels.

Mein Fazit? „Der Scherbenpalast“ ist ein Jugendbuch für Leser:innen ab 14 Jahren, das vor allem mit seinem Setting und einer durchaus ungewöhnlichen Handlung punkten kann, dabei aber auch kleinere Schwächen aufweist. Für Leser:innen des Genres dennoch zu empfehlen, ab dem vom Verlag vorgeschlagenen Lesealter.