In der letzten Zeit habe ich „Arabische Nächte von Veronika Lackerbauer gelesen, mein viertes Buch der Autorin nach „Licht & Schatten 1„, „Licht & Schatten 2“ und „Bacchus‘ Vermächtnis„. Der Roman erschien 2021 im Selfpublishing über Books on Demand und ist eine bunte Mischung aus Entwicklungs-, Schickals- und Liebesroman. Vielen Dank an dieser Stelle an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

Weil ihr Mann wieder einmal in seiner Arbeit feststeckt, fährt Inga mit ihrer Freundin in den Urlaub. Am Strand von Dubai verliebt sie sich Hals über Kopf in den charmanten Architekten Paul, der in den Emiraten lebt. Alle Brücken abbrechen und mit Paul neu anfangen oder zurück in ihr altes Leben? Doch der Zwiespalt zwischen den beiden Männern ist bald Ingas kleinstes Problem, denn das Schicksal kann manchmal ein mieses Arschloch sein.
Wie oben schon angedeutet, fiel mir bei „Arabische Nächte“ die Genrezuordnung unglaublich schwer. Veronika Lackerbauer vermischt hier gekonnt Elemente von Liebes- und Schicksalsromanen, wodurch im Endeffekt ein Werk entsteht, das den Fokus auf die Entwicklung der Protagonistin Inga legt, ihre Wandlung, Erfahrungen und Sehnsüchte. Und auch wenn die Schwerpunktsetzung im zweiten Teil des Romanes vielleicht etwas zu stark auf den schicksalshaften Aspekten liegt, gelingt es der Autorin doch, den Charakter eines Liebesromanes dauerhaft beizubehalten – eines sehr ungewöhnlichen Liebesromans allerdings, weiß man als Leser hier nicht einmal, mit welchem der Männer man Inga nun Glück wünscht.
Dafür sorgt sicherlich auch der Prolog, der leider dem Buch etwas an Spannung nimmt, Teile der Handlung bereits spoilert, gleichsam aber einen schönen Rahmen zum Epilog bildet – und für ein offenes Ende sorgt. Ein Ende, das den Leser gleichsam befriedigt und unbefriedigt zurücklässt; ein Ende, das es ihm ermöglicht, Ingas Geschichte zum Wunschausgang weiterzuspinnen.
Das Setting ist malerisch. Die traumhaften Kulissen in den Emiraten, gigantische Hotelkomplexe, Strände und Einkaufszentren – mit Inga reist man in eine Welt, die den meisten Lesern im deutschsprachigen Raum fremd vorkommt. Hier hätte durchaus noch mehr, noch stärker, noch expresssiver beschrieben werden können, um den Leser noch brutaler in die Welt zu ziehen, ihm Bilder, Gerüche und Geschmäcker einzupflanzen.
Abgesehen davon ist Veronika Lackerbauers Schreibstil – wie üblich – leicht und locker zu lesen. Die Autorin schfaft glaubhafte, dreidimensionale Protagonisten mit Stärken und Schwächen, eigenen Zielen und Motiven, wobei mir hier insbesondere Britta und Tom sehr ans Herz gewachsen sind.
Lektorat, Korrektorat und Buchsatz sind solide, die durchgerutschten Kleinigkeiten bremsen den Lesefluss bzw. schmälern das Lesevergnügen kaum. Das Covermotiv zieht sich gelungen über den ganzen Buchumschlag und ist wunderschön anzuschauen, gleichsam hätte aber der Bezug zur Handlung noch stärker hervorgehoben werden können, da dort ein brombeerfarbenes Kleid eine starke Rolle spielt. Zudem scheinen die Füße der Frau im Sand etwas komisch zu versinken.
Mein Fazit: „Arabische Nächte“ ist ein Roman über Schicksal und die ganz große Liebe, der vor allem durch ein malerisches Setting und authentische Charaktere punkten kann. Für Liebhaber von Liebesromanen abseits des Romance-Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16.
Ps: Ich finde es mehr als schade – möchte es aber ausdrücklich nicht kritisieren -, dass im Klappentext die Chance auf ein kleines Easter Egg vertan wurde. Denn das Schicksal kann manchmal nicht nur ein mieses Arschloch, sondern vor allem ein mieser Verräter sein. Mit dieser minmalen Anpassung hätte man eine Hommage an John Green einbauen können, dessen Jugendliebesromane mehr als eine Generation an Lesern begeisterten und die Bestseller- und Preisträgerlisten stürmten. Ich hätte es zumindest gefeiert!


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