[Buchgedanken] Veronika Lackerbauer: „Licht & Schatten“ (Band 1)

„Same procedure as last fair, Konrad?“ „Same procedure as every fair, Luise!“20171012_103734(0)

Es ist eine gute alte Tradition, dass ich seit einigen Messen auch jeweils eine Rezension direkt im Pressezentrum der jeweiligen Messe verfasse (dieses Mal auf der Frankfurter Buchmesse 2017). Für Konrad und Luise ist es allerdings das erste Mal, sie haben sich auch nur ins Bild geschummelt, weil zufälligerweise zwei der Protagonisten aus dem besprochenen Werk ebenfalls Konrad und Luise heißen. Zufälle gibts.

Ganz oben auf meinem Rezistapel, der allmählich kleiner wird, lag dieses Mal der erste Band von „Licht und Schatten – Eine Erzählung aus 100 Jahren deutscher Geschichte“. Das Buch von Veronika Lackerbauer ist 2017 bei BoD erschienen und – eine sehr schwierige Frage – genretechnisch am ehesten als Familiensaga einzuordnen. Es ist gleichermaßen aber auch ein Geschichtsbuch, das anschaulich die deutsche Geschichte bis hin zum Ende des zweiten Weltkrieg erklärt.41vutysnecl-_sx314_bo1204203200_

In „Licht & Schatten“ verfolgt man die Geschicke der Mitglieder der Familie von Konsigny zwischen 1899 und 1945. Theodor von Konsigny ist erfolgreicher Schokoladenfabrikant in München und glücklich mit seiner Frau Eleanor verheiratet. Als Hoflieferant verfügt er über Privilegien und wird sogar nach Berlin eingeladen, um den Kaiser kennenzulernen. Ihre gemeinsamen Kinder, Alexander, Marie-Louise, Rudolph und Maximilian könnten unterschiedlicher nicht sein. Alles scheint möglich. Doch dann taumelt Europa dem ersten Weltkrieg entgegen, und nichts sollte mehr so sein, wie es einst war.

Mit „Licht & Schatten“ gelingt der Autorin ein eindringliches und gut lesbares Buch über die deutsche Geschichte. Persönlich hätte ich es zwar noch besser gefunden, wenn den einzelnen Kapiteln nicht jeweils eine allgemeine Einführung zur Geschichte vorangestellt worden wäre. Da das Buch aber ausdrücklich nicht als Roman gekennzeichnet ist und dies auch nicht sein soll, kann man dagegen nichts sagen.

Das Werk lebt hauptsächlich von seinen Charakteren, die mir ausnehmend gut gefallen. Beeindruckend ist, dass Veronika Lackerbauer hier auch in der Familie den Titel „Licht & Schatten“ widerspiegelt. So haben alle Figuren ganz eigene Stärken und Schwächen, werden zum Alkoholiker oder lassen sich vom beginnenden Nationalsozialismus verführen.

Auch die Handlung vermag zu überzeugend. Zwar ist diese stark episodenhaft, lässt sich aber durch die Bindung zur Familie in einen guten Gesamtkontext bringen und hält den Spannungsbogen aufrecht. Ich hätte mir das ganze noch entzerrter gewünscht, die einzelnen Episoden ausführlicher und detailreicher. Dann hätten es aber anstelle der zwei Bände durchaus 6-8 werden müssen. Idealerweise hätte ich mir dies sogar als Pendant zur Fernsehserie „Downton Abbey“ vorstellen können, wo jede Episode, jedes Kapitel eine abgeschlossene Geschichte enthalten würde – und dann halt noch stärker ausgebaut werden müsste. So wäre aber vielleicht der Überblick verloren gegangen, sodass ich die Entscheidung zur Verknappung durch die Autorin gut nachvollziehen kann.

Da es ein historisches Buch ist, möchte ich natürlich auch noch die gelungene Recherche loben. Die Atmosphäre passt, die Handlung und Handlungsweisen der Figuren erscheint stimmig. Hier hat mir allerdings eine dem Buch vorgestellte „Dramatis Personae“ gefehlt, die historische und erfundene Personen auflistet – und auch die Familienstrukturen noch einmal hätte klarer machen können (die glücklicherweise jedoch nicht kompliziert waren).

Natürlich möchte ich auch zur Bucherstellung noch einige Worte verlieren. Das Cover von Grit Richter und der Schutzumschlag sind gelungen und hochwertig. Dem Lektorat und Korrektorat sind allerdings kleinere Fehler unterlaufen wie beispielhaft ein Logikfehler und einige Silbentrennungsfehler. Alles in allem aber nicht so stark, dass der Lesefluss und das Lesevergnügen dadurch gemindert werden würden. Die Autorin hat auch bereits versichert, dass diese Fehler zur neuen Auflage ausgebessert worden sind.

Mein Fazit? „Licht & Schatten“ ist ein informatives und durchaus spannendes Bildnis der deutschen Geschichte anhand einer bayrischen Familiengeschichte, das vor allem durch seine Charaktere und eine gute Recherche begeistert. Kleinere Fehler sind vorhanden, trüben aber das Lesevergnügen nicht. Für Geschichtsliebhaber bedenkenlos zu empfehlen.

2 Gedanken zu “[Buchgedanken] Veronika Lackerbauer: „Licht & Schatten“ (Band 1)

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