[Buchgedanken] Berni Mayer: „Das vorläufige Ende der Zeit“

Vor kurzem habe ich „Das vorläufige Ende der Zeit“ von Berni Mayer gelesen. Das Buch ist 2023 im DuMont Buchverlag erschienen und als Gegenwartsliteratur einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Buchverlosung auf Lovelybooks.de.

Der verlassene jüdische Friedhof Słubice gehört zu Frankfurt an der Oder, liegt aber auf polnischem Staatsgebiet. An diesem besonderen Ort begegnet die Archäologin Mi-Ra zum einen dem Friedhofswärter Artur, zum anderen Horatio Beeltz, einem seltsamen, aus der Zeit gefallenen Verleger, der nicht nur alles über den Friedhof weiß – sondern sich auch sehr für Mi-Ra und Artur und ihre Geschichte interessiert. Mi-Ra hat ihre traumatische Kindheit und eine brutale Beziehung bloß halb überwunden; Artur lebt nach dem Tod seiner kleinen Tochter wie betäubt in einer nahezu wortlosen Ehe. Dann eröffnet ihnen Horatio Beeltz Ungeheuerliches: Er habe auf dem Friedhof in Słubice einen Zeitriss entdeckt, über den es möglich sei, in die eigene Vergangenheit zu reisen. Falls sich Mi-Ra und Artur dazu entschlössen, könnten sie an bestimmten Stellen in ihrem früheren Leben eine andere, vielleicht bessere Entscheidung treffen und den Dingen eine neue Wendung geben.

„Das vorläufige Ende der Zeit“ lässt mich auch etwas nach Beenden der Lektüre weiterhin ratlos zurück. Und das beginnt bereits beim Genre. Ist das Buch ein Roman der Gegenwartsliteratur? Wohl schon. Aber geht es nicht auch um Zeitreisen? Ja, sodass man wohl auch zu Science-Fiction tendieren könne, wenn auch das Konzept der Zeitreisen im Buch hier eher untechnisch als ideologisch ist. Und schließlich ist auch die Selbsterkenntnis der Protagonisten zentral für das Buch, sodass auch Aspekte eines Entwicklungsromans vorhanden sind – ein bunter Genremix also, den ich der Einfachheit halber der Gegenwartsliteratur zugeordnet habe.

Die Handlung ist im Wesentlichen aufgeteilt auf vier Handlungsstränge: den gegenwärtigen, sowie die vergangenen von Mi-Ra, Artur und Horatio – die eher nebensächlichen und vernachlässigbaren Informationen zu Hubert Freund mal weggelassen, dessen einzig relevanter Anteil am Buch die Wortspiele mit seinem Namen sind. Dabei taucht die Handlung tief in die menschliche Psyche ein, spielt mit den Erinnerungen und dem Zeitreise-Paradoxon, ist im Wesentlichen eine Ausgestaltung der Multiversumstheorie. Wer sich hier klare Antworten wünscht, ist eher fehl am Platz, ist das Buch doch auf Dauer interpretationsbedürftig und auslegbar – wie auch das Leben selbst, auch wenn es einen als Leser dennoch bedingt unbefriedigt zurücklässt, insbesondere das Ende.

Das Setting ist hingegen toll gewählt. Der jüdische Friedhof in Slubice verbindet wie kaum ein anderer Ort Vergangenheit und Zukunft, verschiedene Länder, Menschen und Religionen. Darüber hinaus entführt uns Berni Mayer durch die Zeitreisen/Erinnerungen ins Polen der Jahrtausendwende, nach Essen, in den Alltag koreanischer Einwanderer, und nach Whitley Bay im frühen 20. Jahrhundert und verknüpft dabei die Handlungsorte aufgrund der (psychedelischen?) Reisen stark mit Gerüchen – ein interessanter Ansatz.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, beschränken sich aber auch auf einen kleinen Kreis wirklicher Protagonisten, sind ihre Familienmitglieder doch mehr oder weniger zu Statisten degradiert. Mi-Ra überzeugt hier auf ganzer Linie mit ihrem scharfen Blick – aber vor allem auch ihrer Kompromisslosigkeit und Direktheit, während Artur übers ganze Buch hinweg etwas blass verbleibt und Horatio sich als skurrile, nicht einschätzbare Mischung zwischen P. T. Barnum und Werther herausstellt. Berni Mayers Schreibstil ist dabei gut und flüssig lesbar und lässt das Kopfkino sofort anspringen.

Die Buchgestaltung ist durchwachsen. Lektorat und Korrektorat haben ordentlich gearbeitet, der Buchsatz verdient sich bereits ein Lob dafür, jedes Kapitel auf einer ungeraden Seite zu starten und ist sonst auch konservativ-solide. Der Buchumschlag ist relativ monoton, das darunterliegende Buch sehr schlicht, der Blurb auf der Coverrückseite kaum lesbar (ocker auf mintgrün?). Auch das Cover vermag nicht ganz zu überzeugen – eigentlich gibt es auch kein Covermotiv, sondern nur den typografisch ungewöhnlich gesetzten Titel.

Mein Fazit? „Das vorläufige Ende der Zeit“ ist ein atmosphärischer und eindringlicher Roman, der vor allem dank seiner Prämisse und dem tollen Setting brilliert, aber auch im Unklaren verbleibt und sich so zum Ende hin etwas verliert. Für Leser von Gegenwartsliteratur dennoch bedenkenlos zu empfehlen – allerdings nicht unbedingt für den klassischen Sci-Fi-Leser.

[Buchgedanken] Kameron Hurley: „Soldaten im Licht“

Kurz unterbreche ich die Messeberichterstattung für eine weitere Rezension, da ich vor einigen Tagen „Soldaten im Licht“ von Kameron Hurley beendet habe. Das Buch ist 2022 in der Panini Verlags GmbH erschienen, die Originalausgabe wurde 2019 unter dem Titel „The Light Brigade“ bei SAGA PRESS, einem Imprint von Simon & Schuster inc. veröffentlicht. Der Roman ist dem Genre Science-Fiction zuzurechnen, für die Übersetzung zeichnet Helga Parmiter verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Die Lichtbrigade – so nennen Veteranen des Marskriegs diejenigen Kameraden, die zurückkommen … und nicht mehr sie selbst sind. Diese Konzern-Kämpfer wurden in Licht umgewandelt, um schnell zu interplanetaren Schlachtfeldern versetzt werden zu können. Doch bei dieser Transformation geschieht etwas mit ihnen. Diejenigen, die die Prozedur überleben, halten sich exakt an die Missionsvorgaben – koste es was es wolle. Dietz, ein frischgebackener Infanterist, muss feststellen, dass seine Erinnerungen an die Einsätze nicht mit denen seines Zuges übereinstimmen. Sie erzählen eine ganz andere Geschichte des Krieges, die ganz und gar nicht dem entspricht, was die Konzernleitung ihren Soldaten weismachen will. Licht oder Schatten? In den Wirren des Krieges ist der Unterschied manchmal nur noch marginal.

„Soldaten im Licht“ ist der neue Roman der Gewinnerin zweier Hugo Awards, die sie für einen Essay und als bester Fan-Autor erhalten hat. Das Buch lässt sich dem Genre Science-Fiction oder auch dem Untergenre Military Sci-Fi zuordnen, gleichsam finden sich dystopische Ansätze. Aufgrund der sehr futuristischen Technik und dem Aspekt der Zeitreisen würde ich es jedoch bei der allgemeinen Kategorisierung als klassische Science-Fiction belassen, auch wenn der Krieg natürlich eine zentrale Rolle spielt.

Die Handlung ist, nun ja, durchaus spannend, aber vor allem eines, nämlich verworren. Als Leser verzweifelt man schier – wie der Protagonist – und versucht, sich zurechtzufinden. Dabei ist die Atmosphäre wirklich toll, die Erlebnisse eindringlich, die einzelnen Szenen durchweg stark. Und doch, es bleibt eine gewisse Frustration, auch über das viel zu offene Ende, das kaum Fragen beantwortet und sicherlich zumindest einige der Leser unbefriedigt zurücklässt.

Das Setting hingegen vermag zu überzeugen. Kameron Hurley entführt den Leser in eine sehr dystopische Welt, in der Konzerne die Regierungen abgelöst haben; in eine Zukunft, in der Menschen wieder in Klassen eingeteilt sind, die das Leben vorbestimmen und Wechsel fast unmöglich machen. Dabei wird gerade der Krieg in all seiner Grausamkeit und Idiotie gut dargestellt, was „Soldaten im Licht“ auch zum Antikriegsbuch macht. Der Schreibstil der Autorin ist hierbei eindringlich und schonungslos, aber dennoch gut und flüssig lesbar und lässt das Kopfkino anspringen.

Durch die enorme Masse an Figuren, durch die ständigen Wechsel und ja, auch Tode, ist es nahezu unmöglich, alle vielschichtig und detailliert auszuarbeiten. Hierbei überzeugen vor allem Andria, Jones und Munoz als wichtige Nebencharaktere, während Norberg als Antagonistin ebenfalls solide ist. Dietz als Ich-Erzähler bleibt hingegen, trotz der Perspektive, geheimnisvoll und verschlossen, verwehrt dem Leser etwas den Zugang zum Charakter, auch wenn man die Verzweiflung und Verwirrtheit der Figur gut spüren kann.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, der Buchdeckel ist auf dem Cover und Buchrücken hochwertig geprägt, mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Das Covermotiv, das sich auch auf dem Buchrücken und den Coverinnenseiten wiederfindet – etwas mehr Abwechslung hätte hier auch nicht geschadet -, ist dennoch gut anzusehen, sehr eindrucksvoll und ein wahrer Eyecatcher, auch wenn dessen Wirkung auf dem Cover durch die doch etwas penetrant-große und das Cover sogar überschreitende Schrift gemindert wird.

Mein Fazit? „Soldaten im Licht“ ist ein solider Science-Fiction Roman, der vor allem durch seine Message und sein Setting punkten kann, dessen Handlung aber auch sehr verworren daherkommt. Für Liebhaber des Genres dennoch zu empfehlen – allerdings nicht unter 16 Jahren.

[Buchgedanken] Aiki Mira: „Neongrau: Game Over im Neurosubstrat“

Vor kurzem habe ich „Neongrau: Game Over im Neurosubstrat“ von Aiki Mira gelesen. Das Buch ist 2023 im Polarise Verlag, einem Imprint der dpunkt.verlag GmbH veröffentlicht worden und dem Genre Science-Fiction zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Hamburg im Jahr 2112: Die Stadt wird immer wieder von Starkregen geflutet, im Binnendelta hat sich ein Slum aus schwimmenden Containern gebildet und über allem thront das gigantische Stadion. Zum „Turnier der Legenden“ reisen Fans aus der ganzen Welt an, um die berühmten Glam-Gamer spielen zu sehen. Auch Go [Stuntboi] Kazumi begeistert sich für das VR-Gaming, fährt jedoch noch lieber Stunts auf dem Retro-Skateboard. Ein Sturz scheint das Aus für Gos Karriere zu bedeuten, doch dann wird Go ein Job im Stadion angeboten – bei den Rahmani-Geschwistern, den berühmtesten Gamern Deutschlands! Von da an überschlagen sich die Ereignisse und Gos Welt wird komplett auf den Kopf gestellt: ein Bombenanschlag, illegale Flasharenen, Tech-Aktivisten, Cyberdrogen, künstliche Intelligenzen – und dann ist da auch noch dieses Mädchen …

„Neongrau: Game Over im Neurosubstrat“ lässt sich bereits schwer einem Genre zuordnen. Vom Verlag beworben als Near-Future-Science-Fiction, als Entwicklungsroman, als LGBTQIA+-Roman, habe ich es der Einfachheit halber bei der Einordnung als Science-Fiction belassen – denn für „Near-Future“ sind mir die 90 Jahre doch etwas viel. Gute Argumente hätten sich aber auch für die Einstufung als progressive Phantastik gefunden – oder sogar für die Kategorisierung als (Polit-) Thriller oder Dystopie.

Die Handlung ist spannend und abwechslungsreich, teils aber auch etwas verworren und sehr komplex, fügen sich doch genug Handlungsstränge und Schauplätze für – mindestens – zwei Bücher mal mehr, mal weniger gut zusammen. So bleiben gerade die politischen Themen etwas flach, die verschiedenen Aktivisten- und Terrorgruppen blass, während der Handlungsstrang um Go, ELLL und die Rahmanis gut aufgearbeitet wird. Gerade der Einstieg fällt jedoch unglaublich schwer – selbst für gameaffine Leser ist der Wechsel zwischen Realität und VR, zwischen Gesprächen, Chats und übermittelten Gedanken anfangs viel und nicht immer leicht fassbar.

Das Setting begeistert hingegen auf ganzer Linie. Aiki Mira entführt den Leser in ein Hamburg der Zukunft, in eine Welt, die von global agierenden Unternehmen geprägt und dominiert wird. Und auch wenn man anfangs etwas braucht, sich zurechtzufinden, ist die Welt doch nach und nach immer faszinierender, spannender und – ja – auch dystopischer. Lediglich die Ingame-Umgebung und die Szenen im Neurosubstrat lassen sich bildlich für die Leser nur schwer fassen.

Die einzelnen Charaktere sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen vor allem Ren Kazumi, beide Rahmanis und ELLL, während Ben und Tayo sehr blass bleiben. Bei Go bin ich zwiegespalten. So sind die Zweifel, ihre Suche nach der geschlechtlichen Identität gut dargestellt, darüber hinaus handelt sie aber nicht zwingend nachvollziehbar. Aiki Miras Schreibstil ist im Wesentlichen gut und flüssig lesbar, sehr authentisch und technikaffin.

Die Buchgestaltung ist gelungen, Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz ist solide, aber relativ schlicht – hier hätte man den Gamecharakter oder die technologischen Features noch etwas besser darstellen können. Das Covermotiv zieht sich über den kompletten Buchumschlag, ist farblich ein Traum und verbirgt das ein oder andere typografische Easter Egg. Allerdings hätte hier durchaus noch mit Klappen oder farbigen Coverinnenseiten das Design etwas aufgepeppt werden können.

Mein Fazit? „Neongrau: Game Over im Neurosubstrat“ ist ein sehr ambitionierter, aber auch gelungener Science-Ficion Roman, der mit einem brillanten Setting punktet, aber fast zu viel Handlung für ein Buch bietet. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.

Von Debütanten und Preisträgern | Doppelte Lovelybooks-Buchpost

Vor kurzem erreichten mich mal wieder zwei Bücher als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de – vielen Dank dafür! „Freischwimmer“ von Gabriel Herlich ist dabei ein im Pendragon Verlag erschienenes Debüt, ein Roadmovie als Entwicklungsroman, während „Soldaten im Licht“ von Kameron Hurley (Panini Verlags GmbH) neue epische Military Science-Fiction der Hugo Award Gewinnerin von 2014 ist. Krasser könnten die Unterschiede gar nicht mehr sein – und genauso groß ist auch die Vorfreude auf die beiden Bücher.

Lest Ihr lieber Debüts oder Romane etablierter Autoren?

[Buchgedanken] Kim Young-tak: „Knochensuppe 1: Der Mörder aus der Zukunft“

Vor kurzem habe ich im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de „Knochensuppe 1: Der Mörder aus der Zukunft“ von Kim Young-tak gelesen. Das Buch ist 2023 bei Golkonda in der Europa Verlage GmbH erschienen, die Originalausgabe wurde 2018 unter dem Titel „Gomtang (Beef Bone Soup)“ und Autorennamen Youngtak Kim bei Arte (Book 21 Publishing Group) veröffentlicht. Der Roman ist dem Genre Science-Fiction zuzuordnen, für die Übersetzung zeichnen Hyuk-sook Kim und Manfred Selzer verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

2063 in der Küstenstadt Busan: Lee Uhwan, ohne Familie aufgewachsen, einsam und frustriert, wohnt im unteren Bezirk der Stadt, wo man jeden Tag ums Überleben kämpft. Seine Tage verbringt er in einer schwülheißen, stinkenden Küche, in der er sich als Gehilfe verdingt hat. Als ihn sein Chef eines Tages beauftragt, eine Zeitreise in das Jahr 2019 zu unternehmen, um ihm ein verloren gegangenes Rezept für eine Knochensuppe zu besorgen, zögert er keine Sekunde, obwohl diese Zeitreisen lebensgefährlich sind. Damit nimmt das Abenteuer seines Lebens seinen Lauf …

„Knochensuppe 1: Der Mörder aus der Zukunft“ ist der erste Band der Dilogie von Kim Young-tak, die dieser 2018 zuerst online als Gesamtwerk und im gleichen Jahr als zweibändige Printausgabe veröffentlichte. Durch die Anlage als Gesamtwerk ist der Roman schwer als Standalone lesbar, endet das Buch doch durchaus in einem Cliffhanger, auch werden kaum relevante Handlungsstränge aufgelöst. Zudem fällt die Genrezuordnung nicht ganz leicht. So erfüllt der Roman definitiv die Voraussetzungen für die Eingruppierung als Science-Fiction, hat zugleich aber auch Ansätze eines Thrillers, hat ein dystopisches Setting und ist – rein technisch gesehen – sogar eine Familiensaga oder ein Entwicklungsroman.

Die Handlung ist kurzweilig und abwechslungsreich, durchaus mit teils unerwarteten Wendungen versehen, wenn auch gelegentlich sehr verworren und etwas langsam, greifen die einzelnen Handlungsstränge doch erst nach und nach ineinander. Sie wird unaufgeregt, ohne große Spannungsspitzen, zurückhaltend von Kim Young-tak erzählt, dessen Schreibstil dennoch flüssig und gut lesbar ist.

Das Setting ist ungewohnt, aber interessant. So entführt der Autor den Leser nach Busan, in eine Stadt, die er sowohl in der Jetztzeit als auch in einer nahen, dystopischen Zukunft präsentiert, und sorgt damit für einen – positiven – Kulturschock, da er eine doch in der hiesigen Literatur sehr vernachlässigte Region in den Fokus stellt und die Aufmerksamkeit des Lesers darauf richtet, dass ihm teils phantastische Settings bekannter sind, als das, was am anderen Ende der Welt geschieht. Vielleicht ja ein Vorbote einer Welle koreanischer Literatur, die der weltweiten Erfolgsgeschichte anderer Medien (K-Pop, K-Drama) nachzueifern versucht.

Die einzelnen Figuren sind komplex, aufgrund der Vielzahl an Handlungssträngen aber teils noch etwas eindimensional, sodass diese hoffentlich im Folgeband konsequent weiterentwickelt werden. Insbesondere Yang Changgeun und Jongin verbleiben daher noch relativ blass, am ehesten können hier noch Kim Hwayeong und Yu Kanghee überzeugen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat haben mit Ausnahme eines riesigen Fehlers im Klappentext und den inkonsistenten Jahresangaben sauber gearbeitet, der Buchsatz ist ordentlich und verdient sich bereits ein Lob dafür, jedes Kapitel auf einer ungeraden Seite zu beginnen. Der Buchumschlag ist mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen, insgesamt aber eher schlicht – genau wie das Titelbild, das aber immerhin mit dem zweiten Band ein einheitliches Reihenbild erzeugt und für Wiedererkennungswert sorgt.

Mein Fazit? „Knochensuppe 1: Der Mörder aus der Zukunft“ ist ein gelungener Auftakt in die doch sehr ungewohnte Dilogie, der vor allem mit dem ungewohnten Setting und der doch besonderen Erzählart punktet, aber auch noch Schwächen in der Handlung und Figurenentwicklung besitzt. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen, ab einem vorgeschlagenen Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Julien Appler: „Die Suche nach den Splittern des Bahir: Ankunft in Aurelija“ (Bahir 1)

Vor kurzem habe ich „Die Suche nach den Splittern des Bahir: Ankunft in Aurelija“ von Julien Appler gelesen. Das Buch ist 2022 bei tredition im Selfpublishing erschienen und dem Genre Fantasy zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Autor für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Alistair erwacht in einer anderen Welt – in einem Computerspiel. Er erinnert sich weder an seinen Namen noch an seine Herkunft. Das einzige was er weiß, teilt ihm eine Stimme aus dem Spiel mit. Hält er sich nicht an die Anweisungen, wird sein Charakter gelöscht. Als Barbar muss er nicht nur gegen Riesenhornissen, Monster und dunkle Wesen kämpfen, sondern auch noch die Splitter des Bahir finden und damit Aurelija vor dem Untergang beschützen. Doch wovor muss er Aurelija schützen?

„Die Suche nach den Splittern des Bahir: Ankunft in Aurelija“ lässt sich bereits schwer einem Genre zuordnen. So gehört das Buch unzweifelhaft zum Genre der Phantastik, ließe sich aber dank des Klappentextes über das Aufwachen im Computerspiel (für das viel spricht, aber die „reale“ Welt kommt schlichtweg im Buch nicht vor) auch der Science-Fiction zuordnen. Das gänzliche Fehlen der parallelen Welt lässt somit auch die Unterscheidung zwischen Low und High Fantasy nicht wirklich gesichert zu, sodass ich es bei der groben Eingruppierung als „Fantasy“ belassen habe.

Die Handlung ist durchaus spannend, hat teils aber auch Längen, gerade in der ersten Hälfte, die etwas Abwechslung vermissen lässt. Leider lässt auch das Ende noch viel zu viele Fragen offen – so wird quasi kein Handlungsstrang zufriedenstellend aufgelöst, sodass das Buch eigentlich nicht als Standalone lesbar ist. Schade, denn im Vergleich zur wirklich spannenden Prämisse des Buches wird hier viel Potential verschenkt.

Das Setting ist solide. Der Autor entführt den Leser in eine Gamingwelt, die dieser mit dem unwissenden Protagonisten zusammen entdeckt – eine tolle Kombination. Dass hierbei der Weltenbau naturgemäß etwas auf der Strecke verbleibt, ist daher vernachlässigbar, sofern dieser in den nächsten Teilen konsequent weiter ausgebaut wird. Nichtsdestotrotz hätte ich mich über ein unterstützendes Glossar zur Welt, gegebenenfalls auch eine Karte sehr gefreut – das sehr kurze Glossar zur Gamingsprache ist da eher überflüssig, spielen doch die eingebauten Charakterattribute bislang auch kaum eine Rolle.

Aufgrund der Kürze des Buches bleibt zudem wenig Zeit, die Charaktere zu entwickeln – auch dies muss in den Folgebänden konsequent weitergetrieben werden. Bislang überzeugen noch Nebencharaktere wie Mahri und Elira am ehesten, während insbesondere Yves noch gar nicht eingeschätzt werden kann und Alistair teils etwas blass verbleibt. Julien Applers Schreibstil lässt sich hierbei leicht und flüssig lesen. Insbesondere die humorvollen Statusnachrichten vermögen hier zu punkten und die Handlung aufzulockern, wohingegen manchmal etwas mehr Beachtung von „Show, don’t tell“ für eine noch straffere und packendere Erzählweise gesorgt hätte.

Die Buchgestaltung ist noch okay, das Korrektorat hat sauber gearbeitet, dem Lektorat sind jedoch – sofern es durchgeführt wurde – durchaus Dinge durchgerutscht. Der Buchsatz ist durchwachsen, Quests und Zeitsprünge sind in der Regel grafisch toll (aber auch nicht durchgängig gleich) dargestellt, gleiches hätte ich mir jedoch auch für die Statusmeldungen gewünscht, die sich in der jetzigen Form vom Schriftbild nicht absetzen. Der Buchumschlag ist eher eintönig, insbesondere irritiert mich immer noch der Schreibfehler im Titel (so ist das „in“ auf dem Cover groß, im Innenteil klein geschrieben).

Mein Fazit? „Die Suche nach den Splittern des Bahir: Ankunft in Aurelija“ ist ein Fantasy-Reihenauftakt mit toller Prämisse, aber durchaus auch Schwächen in Handlung und Buchgestaltung, sowie Entwicklungspotential beim Weltenbau und der Charaktergestaltung. Bei konsequenter Umsetzung mit den Folgebänden durchaus für genreaffine Leser zu empfehlen – allerdings nicht als Standalone und ab einem Lesealter von etwa 12 Jahren.

Leserunden im Doppelpack | Lovelybooks-Buchpost

Heute geht es spannend weiter – mit zwei Neuzugängen, die mich als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de erreichten – vielen Dank dafür. „Neongrau – Game Over im Neurosubstrat“ von Aiki Mira (Polarise Verlag / dpunkt Verlag) ist dabei queere Science-Fiction, während „Stigma“ vom Autorinnenduo Lea Adam (Ullstein Verlag) ein im Hamburg spielender Thriller ist. Ich bin schon ganz auf die Ausflüge in die verschiedenen Genres gespannt.

Kennt Ihr eines der Bücher bereits?

[Buchgedanken] Nils Mohl: „Henny & Ponger“

Vor kurzem habe ich „Henny & Ponger“ von Nils Mohl gelesen. Das Buch ist 2022 im Mixtvision Verlag veröffentlicht worden und als Jugendbuch einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Wie von einem anderen Stern knallt Henny in Pongers Leben. Sie treffen sich in der S-Bahn, lesen das gleiche Buch und machen einen Deal: Sie gibt sich ein paar Tage als seine Freundin aus und er soll ihr helfen, wieder in ihr altes Leben zurückzukehren. Doch warum werden sie auf einmal von Leuten in Anzügen verfolgt, die eine Menge komische Fragen stellen? Nach und nach merkt Ponger, dass dies keine normale Lovestory ist. Werden sie es gemeinsam schaffen ?

„Henny & Ponger“ ist ein bunter Genremix, ist ein Jugendroman, ist Coming-of-Age mit Roadtrip-Elementen. Gleichzeitig sind aber auch Anklänge an Science-Fiction vorhanden – vor einem dystopischen Near-Future-Setting, das durchaus gesellschaftskritisch gegenwärtige Fragen aufgreift. Trotzdem bin ich aufgrund der jugendtypischen Themen, der Suche nach dem Platz in der Welt, bei der Eingruppierung als Jugendbuch verblieben.

Die Handlung ist dabei spannend, kurzweilig und abwechslungsreich. Nils Mohl gelingt es, den Leser an die Seiten zu fesseln, mit seinem pointierten, humorvollen und leicht zu lesendem Schreibstil das Kopfkino sofort anlaufen zu lassen. Allein die ungewöhnliche Bucheinteilung – mehr als 200 Kapitel ohne Seitenzahlen – sorgt anfangs durchaus für Irritationen und braucht etwas Eingewöhnungszeit. Zudem ist das Ende unerwartet und unbefriedigend offen – gerade im Jugendbuchbereich hätte ich mir hier etwas mehr Klarheit gewünscht.

Das Setting überzeugt auf ganzer Linie. Der Autor entführt den Leser dabei in eine Welt, in eine nahe, dystopisch Zukunft einer abgeschotteten Gesellschaft, die im krassen Gegensatz zu der Weite des Universums steht, die auf dem Cover schon angedeutet wird und im Roman eine große Rolle spielt. Gleichzeitig wird auch der Gegensatz zwischen der hektischen und anonymen Großstadt Hamburg zum Inselfeeling auf Amrum deutlich und gut herausgearbeitet.

Die einzelnen Charaktere sind vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Insgesamt kommt das Buch ja ohnehin mit nur wenigen Charakteren aus, hier brillieren Henny und Pörl, aber auch Stella und Ponger sind dreidimensional gestaltet und sorgen insgesamt für einen durchweg überzeugenden Cast.

Die Buchgestaltung ist gelungen, Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz ist innovativ, aber auch gewöhnungsbedürftig aufgrund des Fehlens von Seitenzahlen. Das Cover ist farblich ansprechend, sieht toll aus und zieht sich, zumindest als Farbverlauf, über den kompletten Buchumschlag.

Mein Fazit? „Henny & Ponger“ ist ein im großen und ganzen überzeugender Jugendroman mit tollem Setting und teils brillanten Protagonisten, leider aber auch einem zu offenen Ende. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag empfohlenen Lesealter von 14 Jahren.

[Buchgedanken] Edda Bork: „Telamon: Aufbruch nach Unoria“ (Telamon 1)

Vor einiger Zeit habe ich „Telamon: Aufbruch nach Unoria“ von Edda Bork gelesen, den ersten Band der Buchreihe um den Gestaltwandler Telamon. Der Roman ist 2022 im XOXO Verlag, einem Imprint der Eisermann Media GmbH / des Eisermann Verlags erschienen und als High Fantasy einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Der Elfensohn Telamon wächst unter Menschen auf. Niemand weiß, dass sein Vater ein verbannter Elfenhexer ist. Lange Zeit bleibt sein Leben ruhig – bis er sich plötzlich in einen Wolf verwandelt. Seine Herkunft kommt ans Licht und die Dorfbewohner vertreiben ihn. Bald muss auch Telamon erkennen, dass der Wolf in ihm seine dunkelsten Triebe entfesselt … Gleichzeitig besucht Moyra seine Träume. Das Mädchen aus der anderen Welt ist auf der Suche nach einem geraubten Drachenei und erscheint Telamon als Nebelkrähe. Um Moyra beizustehen und den Tod seiner Mutter zu rächen, macht Telamon sich mit ihr auf die Reise nach Unoria – zur Burg des Hexers. Im Elfenwald finden sie Verbündete – mit Schwert und Bogen stellen sie sich zahlreichen Gefahren. Doch Telamons Vater und das verschwundene Drachenei bergen mehr Geheimnisse, als sie ahnen …

„Telamon: Aufbruch nach Unoria“ lässt sich bereits kaum einem Genre zuordnen. So bedient das Buch quasi alle Unterarten der Phantastik, ist High- und Urban Fantasy in einem, hat Anklänge an Science-Fiction und Romantasy-Elemente. Insgesamt stellt sich das Buch als Mischung aus „Jurassic Park“ und „Herr der Ringe“ dar, aufgrund der Prämisse, des Kampfes gegen das Böse, habe ich es jedoch bei der Einstufung als „High Fantasy“ belassen.

Die Handlung erinnert dabei in Phasen sehr stark an Herr der Ringe, hat gerade im Mittelteil aber einige Längen und ein sehr unbefriedigend-offenes Ende, das nur wenige Handlungsstränge auflöst. Auch sorgt der krasse Unterschied zwischen der hochmodernen realen Welt und dem (typisch) mittelalterlich angehauchten Hesterna gelegentlich für Verwirrung. Nichtsdestotrotz ist die Handlung durchaus abwechslungsreich und teils überraschend und bietet Raum und Potential für Folgebände.

Das Setting ist gelungen, Hesterna eine bunte Welt voller Elfen, Chimären, Vampire, Magier, Werwölfe, Amazonen und … Wikinger? Eine etwas abstruse Kombination, ein Mix, der Vielfalt garantiert, aber auch noch im Rahmen der Folgebände einige weitere Erklärungen zum Weltenbau benötigt. In jedem Fall gelingt es Edda Bork die Lande zum Leben zu erwecken – auch durch ihren flüssig und leicht zu lesenden, bildhaften Schreibstil, der das Kopfkino anspringen lässt. Unterstützt wird sie dabei durch die der Handlung vorangestellte, etwas gedrängte, Karte sowie die Illustrationen, die teils etwas aquarellartig verwaschen sind, aber dennoch einen ersten, visuellen Eindruck vermitteln können.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen vor allem wichtige Nebenfiguren wie Lamur und Kassy, wobei ich mir von letzterer gerade in der zweiten Hälfte mehr gewünscht hätte. Moyra hingegen verbleibt etwas blass, handelt nicht immer nachvollziehbar und es fehlt mir etwas das Hadern mit der Gabe, die sie scheinbar mühelos akzeptiert und beherrscht.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist gelungen, eine Karte, ein Glossar und Illustrationen flankieren die Handlung. Das Cover ist schön anzusehen und zieht sich über den kompletten Buchumschlag, sodass ein wundervolles Gesamtbild entsteht. Inwieweit hier über die Folgebände eine einheitliche Reihengestaltung mit Wiedererkennungswert geschaffen wird, bleibt abzuwarten.

Mein Fazit? „Telamon: Aufbruch nach Unoria“ ist ein gelungener Start in die phantastische Buchreihe, mit spannendem Setting und Potential für Folgebände, aber auch mit kleineren Schwächen in der Handlung und noch Nachholbedarf beim Weltenbau. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

[Buchgedanken] Kris Brynn: „A.R.T. – Coup zwischen den Sternen“ (Savoy 1)

Vor kurzem habe ich „A.R.T. – Coup zwischen den Sternen“ von Kris Brynn gelesen. Das Buch ist 2022 im Knaur Verlag, einem Imprint der Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG erschienen und als Science-Fiction einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Kunst ist ein Zeitvertreib für die Superreichen; und da die Erde dafür nicht mehr rentabel genug ist, haben sich die Galerien in die Weite zwischen den Sternen verlagert. Doch auch im All bedarf es besonderen Schutz, ob vor Kunstschändern, Möchtegern-Ganoven oder religiösen Fanatikern. Auf dem Luxusraumschiff „Horta“ soll ein ebenso geheimnisvolles wie spektakuläres Objekt versteigert werden. Daher wird Savoy Midthunder von ArtSecure, unerfahren in der Leitung ihres halsstarrigen Teams, beauftragt, das Objekt zu sichern. Aber unter den eigenwilligen Dieben befindet sich auch eine besondere Frau – Savoys Ex-Freundin! Ein Wettlauf gegen die Zeit und Savoys Gefühle beginnt.

„A.R.T. – Coup zwischen den Sternen“ ist ein bunter Genremix, der sich schwer kategorisieren lässt. So ist das Buch sowohl Thriller als auch Heist-Roman, hat dystopische Züge und ein klar futuristisches Setting. Aufgrund letzterem und der starken, technischen Fokussierung habe ich es der Einfachheit halber bei der Einordnung als Science-Fiction belassen.

Die Handlung kommt dabei relativ schwer in Gang, da unglaublich viele Handlungsstränge angelegt, Personen und Fraktionen vorgestellt werden müssen. Im Laufe der Zeit, mit der Beschränkung der Handlungsorte und dem damit verbundenen Zusammenlaufen der Handlungsstränge, nimmt die Handlung jedoch an Fahrt auf, wird, vor allem in der zweiten Hälfte, kurzweilig und abwechslungsreich und eröffnet somit viel Potential für hoffentlich noch kommende Folgebände.

Das Setting überzeugt im Wesentlichen. Gerade die „Horta“ hat dabei Anklänge bereits an jetzige Luxuskreuzfahrten – nur halt im All. So entführt Kris Brynn den Leser in eine Welt der Dekadenz, des Überflusses – aber auch der Gegensätze, wenn man das medizinische System und die noch stärker auseinanderklaffende Schere zwischen Arm und Reich betrachtet. Hierbei sind es gerade auch diese dystopischen Ansätze, die für die Spannung und Innovation im Weltenbau sorgen.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, und vor allem eigene Ziele und Motive, die teils nicht ganz durchschaubar sind und öfters auch mal geändert werden. Hierbei überzeugen vor allem wichtige Nebencharaktere wie Ellen, Gitta und Mason, während Caius und Lizzy doch eher blass verbleiben. Kris Brynns Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen, wenn man auch auf einzelne Exkurse, insbesondere in der KI-Kunst, hätte verzichten können, hemmen diese doch sowohl den Lesefluss als auch den Fortgang der Handlung.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat, Korrekorat und Buchsatz haben ordentlich gearbeitet, der Buchumschlag ist unauffällig und eintönig. Das Covermotiv ist ebenfalls eher schlicht und nichtssagend, die Typographie auf dem Cover allerdings auffällig und gelungen.

Mein Fazit? „A.R.T. – Coup zwischen den Sternen“ brilliert vor allem durch sein dystopisches Setting, hat aber auch kleinere Längen und einen etwas mühsamen Einstieg. Für Leser des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen.