[Buchgedanken] Michaela Thewes: „Mein Herbst voller Küsse, Chaos und Graffiti“ (Charly und Noah 2)

In den letzten Tagen habe ich auch „Mein Herbst voller Küsse, Chaos und Graffiti“ von Michaela Thewes gelesen. Der Roman ist 2024 bei One in der Bastei Lübbe AG erschienen und als Jugendbuch einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die verlagseigene Bloggerjury.

Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie aufgeregt ich bin! Sina, eine Freundin von früher, soll für eine Weile bei uns wohnen und in meine Klasse gehen. Das wird bestimmt cool – habe ich gedacht. Aber irgendwie ist diese Sina ganz anders als in meiner Erinnerung. Sie sieht aus wie ein Rockstar und verhält sich total feindselig. Ich weiß, dass sie im Moment ’ne Menge durchmacht, also versuche ich, ihr den Neustart zu erleichtern. Mein Freund Noah hilft mir dabei. Er nimmt sogar mit Sina an einem Graffitiprojekt teil … und irgendwie verbringen sie super viel Zeit miteinander. Noah versteht nicht, warum ich das echt ätzend finde. Und auf einmal verbreitet auch noch jemand an der Schule fiese Gerüchte über mich. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Sina dahintersteckt, die mir Noah ausspannen will – oder?

„Mein Herbst voller Küsse, Chaos und Graffiti“ ist nach „Mein Sommer voller Flips und Flops“ der zweite Band der Buchreihe um Charly, Noah und deren gemeinsame Freunde. Dabei lässt sich der Roman relativ einfach als Jugendbuch einordnen, auch eine Zuordnung ins Genre Teen Romance wäre gleichsam möglich. Über die komplette Buchreihe hinweg könnte man zudem über eine Eingruppierung als Coming-of-Age nachdenken, dafür fehlt mir aber etwas der langfristige Blick, etwas die kontinuierliche Entwicklung, sodass ich es bei der allgemeinen Kategorisierung als Jugendbuch belassen habe. Empfohlen wird der Roman dabei seitens des Verlages für Leser:innen ab 12 Jahren.

Die Handlung ist durchaus abwechslungsreich und spannend, teils aber auch vorhersehbar. So reichert Michaela Thewes die Geschichte um die erste große Liebe mit anderen, jugendtypischen und altersgerechten Problemen an wie Mobbing, familiäre Streitigkeiten und mangelndes Selbstwertgefühl und mischt das ganze mit Romance-typischen Tropes, z.B. „Forced Proximity“ und „Friends to Enemies to Friends“ (ausnahmsweise mal keine Lover). Dabei erlaubt es die Handlung, das Buch als Standalone zu lesen – das habe ich auch getan, ohne allzu viel zu vermissen. Für ein runderes Gesamtbild empfiehlt es sich aber sicherlich, vor diesem Band auch den ersten Teil zu lesen.

Das Setting ist relativ austauschbar, für die Geschichte aber auch eher unwichtig. So entführt die Autorin ihre Leser:innen in eine – gefühlt – kleine bis mittelgroße Stadt, die lediglich namenlose Kulisse für das persönliche Drama der Protagonist:innen ist und dafür lediglich ein Gymnasium, ein Eiscafé, eine Pizzeria und einige weitere, versprengte Handlungsorte aufweisen muss. Etwas Lokalkolorit, eine genauere Verortung hätte zwar die Handlung nicht weiter vorangebracht, aber ihr vielleicht noch einen stärkeren, authentischen Flair verleihen können.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig ausgearbeitet, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Trotz der relativ kurzen Auftritte haben mich Emma und Anna besonders überzeugt, auch Nele und Sina können größtenteils glänzen, während insbesondere Charly nicht immer nachvollziehbar handelt – und mir gerade am Ende von nahezu allen Charakteren etwas Einsicht und Größe fehlt, sind ihre Aktionen doch durchaus problematisch. Der Schreibstil von Michaela Thewes lässt sich jedoch leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen, ist altersgerecht, teils aber zu bemüht jugendsprachlich durchsetzt.

Die Buchgestaltung ist ebenfalls solide. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist schön anzusehen und versucht sogar, die Chatnachrichten innovativ zu setzen – auch wenn hier sicherlich noch mehr rauszuholen gewesen wäre. Der Buchumschlag ist auf dem Cover, dem Buchrücken und der Coverrückseite leicht geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Das Covermotiv passt sich gut in die Reihe ein und sorgt für einen einheitlichen Gesamteindruck, ist dabei jedoch recht eintönig – und die Darstellung der Protagonistin Ton in Ton mit dem Hintergrund irritiert zudem.

Mein Fazit? „Mein Herbst voller Küsse, Chaos und Graffiti“ ist ein durchaus abwechslungsreiches und berührendes, teils humorvolles Jugendbuch, das – wie das Leben selbst – aber auch nicht perfekt ist und kleinere Schwächen aufweist. Für Leser:innen ab dem vom Verlag vorgeschlagenen Lesealter von 12 Jahren bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Kristin MacIver: „Der Mut der Lady Leaf“ (Celtic Dreams 3)

Vor kurzem habe ich auch „Der Mut der Lady Leaf“ von Kristin MacIver gelesen. Das Buch ist 2024 im Knaur Verlag in der Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG erschienen und als historischer Liebesroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Schottland 1487: Leaf MacKay vertraut sich selbst und sonst niemandem. Nun soll ausgerechnet sie ihren erbitterten Feind Lennox heiraten, um die jahrelange Fehde mit Clan Ross zu beenden. Der drohende Verlust ihrer Unabhängigkeit treibt sie immer stärker in die Nähe des düsteren Schmieds Grey, der ihr im Kampf gegen Lennox zur Seite steht. Und dann ist da noch Leafs bester Freund und Adoptivbruder Artair, der nicht nur mit seiner unbekannten Herkunft, sondern vor allem mit seinen Gefühlen für Leaf ringt. Doch die Wunden der Vergangenheit sind tief, und Leaf muss eine Entscheidung treffen: Glaubt sie an die wahre Liebe? Oder nur an sich selbst? Hin und her gerissen zwischen ihrem Bedürfnis nach Schutz und ihrer Sehnsucht nach Liebe droht sie alles zu verlieren.

„Der Mut der Lady Leaf“ ist der dritte Band der Celtic-Dreams-Reihe, von der ich bislang den ersten Teil „Der Traum der Lady Flower“ gelesen habe. Während ersteres für mich noch klarer ein historischer Liebesroman war, verschiebt sich in diesem Buch das Genre stärker zur Historical Romance – und so wird das Buch vom Verlag auch als Kombination von beidem als „historischer New-Adult-Liebesroman“ beworben, da uns durchaus einige pikante Sexszenen erwarten. Zur Harmonisierung mit den restlichen Büchern der Reihe habe ich es dennoch hier auch bei der Eingruppierung als historischer Liebesroman belassen – kleinere Argumente fänden sich auch für eine historische Familiensaga oder generell für einen historischen Roman. Das Buch lässt sich zudem gut als Standalone lesen (mir fehlen ja auch die Ereignisse des zweiten Bandes), insgesamt würde ich aber aufgrund der Kontinuität der Geschehnisse und der Hintergrundgeschichten der Figuren dafür plädieren, alle Bände in der vorgegebenen Reihenfolge zu lesen, um das Lesevergnügen vollends auszuschöpfen.

Die Handlung ist durchaus spannend und abwechslungsreich, teils vorhersehbar, teils aber auch mit unerwarteten Wendungen versehen. Gerade im ersten Drittel hat das Buch jedoch auch kleinere Längen – und auch das Ende vermochte mich nicht vollends zu überzeugen und war etwas antiklimaktisch. Insgesamt fokussiert sich die Handlung viel deutlicher als im ersten Band auf das Love Triangle, hier konnten die Stärken des ersten Bandes nicht so umgesetzt werden. Gut gefallen hat mir jedoch, dass mit fortschreitender Handlung auch Artair eine Hintergrundgeschichte verpasst bekam.

Das Setting ist weiterhin brillant. So entführt die Autorin die Leser:innen – wenig überraschend – erneut ins Schottland am Ende des 15. Jahrhunderts, mitten hinein in eine blutige Fehde, die das Clansystem der damaligen Zeit mehr als verdeutlicht. Dabei spielen in diesem Band dynastische Politik, Ränkespiele und familiäre Verflechtungen eine noch stärkere Rolle, während der historische Hintergrund mehr zur wirklichen Kulisse verkommt – was der Spannung aber keinen Abbruch tut.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei überzeugt Leaf – meine Lieblingsschwester aus dem ersten Band – weiterhin, aber auch Lennox und Skye, von der ich gern noch mehr lesen würde, können brillieren, lediglich Gregor verbleibt etwas eindimensional. Kristin MacIvers Schreibstil ist dabei leicht und flüssig zu lesen, stellt Lesbarkeit im Zweifel über historische Authentizität und lässt das Kopfkino sofort anlaufen.

Auch die Buchgestaltung kann größtenteils glänzen. Lektorat und Korrektorat sind zwar Kleinigkeiten durchgerutscht, die das Lesevergnügen aber nicht schmälern, der Buchsatz ist solide. Der Umschlag ist mit Klappen und toll gestalteten, farbigen Coverinnenseiten versehen, das Covermotiv ist ein Eyecatcher, dem leider etwas der Bezug zur Handlung fehlt – und leider wird das Cover auch wieder zum Buchrücken hin krass unterbrochen. Insgesamt passt sich das Buch aber gut ins einheitliche Erscheinungsbild der Reihe ein.

Mein Fazit? „Der Mut der Lady Leaf“ ist eine größtenteils gelungene Fortsetzung der Reihe um die MacKay-Schwestern, die vor allem mit tollen Charakteren und einem brillanten Setting punkten kann, aber auch kleinere Schwächen in der Handlung hat. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Sarah Kempfle: „Mord im Rotstiftmilieu“ (Klein/Bähr 2)

Vor kurzem habe ich auch „Mord im Rotstiftmilieu“ von Sarah Kempfle gelesen. Der Roman ist 2024 bei Blanvalet in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH veröffentlicht worden und als Regionalkrimi einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Ein Gasleck beschert dem jungen Englischlehrer Wonneberg einen ziemlich spektakulären Tod. Doch damit nicht genug: An seiner Schule herrscht durch sein plötzliches Ableben Personalmangel in einem wichtigen Prüfungsfach. Isa Klein ist zunächst mäßig begeistert von der Aussicht, Wonneberg zu vertreten. Erst als sie hört, sein Tod sei vielleicht kein Unfall gewesen, sondern eiskalter Mord, sieht sie ihre Chance gekommen, erneut tatkräftig zu ermitteln. Kommissar Bähr, offiziell mit der Aufgabe betreut, den verdächtigen Tod an der Schule aufzuklären, sieht ihre „Assistenz“ gar nicht gern. Denn er weiß nur zu gut, welch magische Anziehungskraft Isa auf Fettnäpfchen, brenzlige Situationen und natürlich Mörder ausübt …

„Mord im Rotstiftmilieu“ ist der zweite Band der Krimireihe um die Lehrerin Isa Klein und Kommissar Götz Bähr – und lässt sich gar nicht so einfach einem Untergenre zuordnen. Als Provinzkrimi beworben, kommt mir das Lokalkolorit doch etwas kurz, sodass man durchaus auch Argumente fände, hier über Cosy Crime nachzudenken. Schlussendlich habe ich es aber bei der Eingruppierung als Regionalkrimi belassen, denn über die Reihe hinweg sollte das Lokale doch durchaus zentral für die Handlung sein. Der Roman lässt sich hierbei durchaus als Standalone lesen – mir fehlt auch der Vorgänger „Übung macht den Mörder“, empfehlen würde ich es aber nicht, da viele Anspielungen zum ersten Band vorhanden sind und sich die Chemie zwischen den Protagonist:innen kontinuierlich weiterentwickelt.

Die Handlung ist – deshalb auch der leichte Genrezweifel oben – sehr cosy, sehr spannungsarm im Hinblick auf akute Gefahren bzw. Spannungsspitzen, sie konzentriert sich vielmehr auf die Konflikte der Personen untereinander – und den verzweifelten Versuch von Isas Mutter, sie zu verkuppeln. Auch hat der Roman kleinere Längen, verliert dabei aber nie den Humor und den Charme, der den Leser dennoch an die Seiten fesselt. Dies wird durch das doch sehr ungleiche Ermittlerduo unterstützt, die Kombination aus Lehrerin und Kommissar ist erfrischend anders – auch wenn Isas Methoden teils krass übers Ziel hinausschießen und sie so erheblich an Sympathie einbüßt.

Das Setting ist – naturgemäß – gelungen, etwas anderes würde bei einem Regionalkrimi auch irritieren. So entführt Sarah Kempfle die Leser ins Ländle (neu: The Länd) – nach Grimmingen und Reutlingen. Auch wenn der Lokalkolorit fast etwas kurz kommt, wird über Isas Vater doch noch etwas Dialekt eingestreut und insgesamt kommt der Flair der Region doch noch rüber. Auch das schulische Setting wird gut beschrieben – wenn es auch im Einzelnen vielleicht etwas überzeichnet ist – insbesondere um die Gegensätze zwischen den Schulen zu verdeutlichen.

Die einzelnen Figuren sind – im Wesentlichen – vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei brillieren vor allem Alfons (ja, ein Hund :)), Esma und Isas Vater, während Isa – wie oben angesprochen – durch ihr Verhalten viele Sympathiepunkte verspielt, die sie sich vorher als interessanter Charakter erarbeitet hat. Sarah Kempfles Schreibstil ist humorvoll und passend, lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung überzeugt ebenfalls. Lektorat und Korrektorat haben im Wesentlichen sauber gearbeitet, der Buchsatz ist schlicht, aber fehlerfrei. Der Umschlag ergibt durch die fließenden Übergänge zwischen Cover, Buchrücken und Coverrückseite ein schönes Gesamtbild – lediglich das zusätzliche Aufgreifen des Covermotivs auf dem Buchrücken stört hier etwas die Harmonie. Insgesamt ist das Covermotiv gut gestaltet, aber kein wirklicher Eyecatcher und lässt etwas den Bezug zur Handlung vermissen. Dafür fügt es sich gut in die Reihe ein und sorgt für einen einheitlichen Wiedererkennungswert.

Mein Fazit? „Mord im Rotstiftmilieu“ ist eine gelungene Fortsetzung der Regionalkrimis um Isa Klein und Götz Bähr, die vor allem mit Humor und einer cosy Handlung punkten kann und Lust auf weitere Bände macht, aber auch kleinere Längen aufweist. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

[Buchgedanken] Tanja Huthmacher: „Zeit der Schwestern – Kirschsommer“ (Zeit der Schwestern 2)

In der letzten Zeit habe ich auch „Zeit der Schwestern – Kirschsommer“ von Tanja Huthmacher gelesen. Der Roman ist 2024 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG erschienen und als Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die verlagseigene Bloggerjury.

Es ist Sommer am Bodensee, und die Kirschen leuchten in rotem Glanz. Als Alleinerziehende hat Romy mit zwei lebhaften Kindern und ihrem Job als Caterin eigentlich genug um die Ohren. Doch sie will unbedingt an einem Backwettbewerb teilnehmen, der ein beachtliches Preisgeld und attraktive Perspektiven für ihre berufliche Zukunft verheißt. Auch wenn sie ihre geliebten Schwestern Carolin und Veronika mit Rat und Tat an ihrer Seite weiß, will Romy dieses neue Projekt allein meistern. Als eine kleine Panne eine ganze Kette an Missverständnissen nach sich zieht, wird Romy bewusst, dass sie eine weitreichende Entscheidung nicht länger aufschieben darf …

„Zeit der Schwestern – Kirschsommer“ ist nach „Zeit der Schwestern – Apfelblütentage“ der zweite Roman der „Zeit der Schwestern“-Trilogie bzw. der Reihe um die Bodensee-Schwestern. Auch wenn sich weiterhin gute Argumente dafür finden, das Buch als Liebesroman einzuordnen, würde ich bei der Kategorisierung als Familiensaga verbleiben, sind die drei Teile doch durch die starken Familienbande untereinander geprägt. Zudem setzen die Folgebände – trotz der Fokussierung auf eine andere Hauptperson – die Geschichten der anderen Familienmitglieder nahtlos fort. Dabei kann man den Roman durchaus als Standalone lesen, aufgrund der nahtlosen Anknüpfung an den ersten Band würde ich aber dessen Lektüre vorab empfehlen.

Die Handlung ist durchaus abwechslungsreich und spannend, wenn auch teils vorhersehbar. Um etwas Vielfalt hineinzubringen erweitert Tanja Huthmacher das – für diesen Band – charakteristische Love Triangle um eine weitere Ebene und stellt der Protagonistin kurzfristig sogar drei potentielle Partner zur Seite. Dabei gelingt es ihr, zumindest kurzzeitig die Leser:innen an dem eigentlich eingeschlagenen Weg zweifeln zu lassen. Allerdings gerät das Buch dafür außerhalb des Haupthandlungsstrangs etwas ins Schwimmen. Während der Vorgängerband hier noch durch externe Konflikte befeuert wurde, legen sich diese nunmehr und es herrscht – etwas eintönig – mehr oder weniger eitel Sonnenschein, wohin man auch blickt.

Das Setting bleibt naturgemäß gleich und somit brillant. Auch dieses Mal entführt Tanja Huthmacher – wie sollte es anders sein – die Leser:innen an den Bodensee, in die malerische Stadt Konstanz, nach Überlingen und – natürlich – aufs Wasser und auf die Mainau. Da man alle Handlungsorte kennt, gibt es wenig Überraschungen, dafür baut die Autorin durch den Filmdreh weitere Themen mit ein wie den Umgang mit Kindern am Set. Thematisch wird sicherlich der dritte Band hier am spannendsten, ist doch ein noch vertiefterer Einblick in Weinbau und Önologie zu erwarten.

Die einzelnen Figuren sind weiterhin vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei entwickeln sie sich (größtenteils) kontinuierlich weiter. Bereits im ersten Band stark, wird Rosalie endgültig zum Scene Stealer und besitzt Lieblingscharakterpotential, aber auch Romy und Marie überzeugen. Tanja Huthmachers Schreibstil lässt sich dabei weiterhin flüssig und leicht lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung überzeugt ebenfalls im Wesentlichen. Lektorat und Korrektorat haben größtenteils sauber gearbeitet, der Buchsatz ist solide. Der Umschlag ist auf Cover, Coverrückseite und Buchrücken hochwertig geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen, ein dreiseitiger Farbschnitt rundet das hochwertige Gesamtprodukt ab. Das Cover passt sich gut in die Reihe ein, ist allerdings kein Eyecatcher und wird leider zum Buchrücken hin unterbrochen.

Mein Fazit? „Zeit der Schwestern – Kirschsommer“ ist eine gelungene Fortsetzung der Familiensaga mit abwechslungsreicher Handlung, die in den Nebensträngen aber etwas mehr Komplikationen hätte vertragen können. Für Leser:innen des Genres weiterhin bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

[Buchgedanken] Julia Kuhn: „Moonlight Academy. Feenzauber“

Vor kurzem habe ich auch „Moonlight Academy. Feenzauber“ von Julia Kuhn gelesen. Das Buch ist 2024 in der Carlsen Verlag GmbH erschienen und dem Genre Romantasy zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Die Moonlight Academy an der Küste Irlands zählt zu den geheimnisvollsten Orten der Feenwelt. Doch für Elanor bedeutet sie vor allem eins: einen Neuanfang. Dieser gestaltet sich allerdings schwerer als gedacht, denn auf einmal steht ihr wieder Elijah gegenüber – der Junge, der für sie verboten ist. Im Gegensatz zu dem mysteriösen Kylian, der mit seinen Tattoos und der anziehenden Art eine neue Seite in ihr weckt. Fest entschlossen, sich davon nicht ablenken zu lassen, konzentriert sich die Mondfee ganz auf ihre magische Ausbildung. Diese hält jedoch unerwartete Herausforderungen für sie bereit, denn das Gleichgewicht zwischen Gut und Böse gerät ins Wanken und droht die Feenwelt in ihren Grundfesten zu erschüttern …

„Moonlight Academy. Feenzauber“ ist zwar ein in sich abgeschlossener Einzelband, gleichzeitig jedoch auch ein Spinoff der Dilogie „Ravenhall Acacdemy“, da man hier auf altbekannte Personen aus der Reihe trifft. Dennoch kann man – wie ich – „Moonlight Academy. Feenzauber“ als Standalone lesen, sollte dann aber auf die im Anhang befindlich Bonusgeschichte verzichten. Dabei ist es nicht ganz einfach, den Roman einem Genre zuzuordnen. So ist „Moonlight Academy. Feenzauber“ klar Romantasy und wird ja auch so – etwas sperrig als „Romantische Feen-Fantasy“ – vom Verlag beworben. Jedoch balanciert der Roman dabei knapp auf der Grenze von Young- zu New Adult. Aufgrund der Altersempfehlung und der behandelten Themen würde ich den Roman jedoch eher der Young Adult Romantasy zurechnen, auch wenn das Alter aller Protagonist:innen nicht ganz klar ist, vermutlich teils schon in den NA-Bereich fällt.

Die Handlung ist durchaus spannend und abwechslungsreich, wenn auch teils vorhersehbar und – am Ende sogar – etwas antiklimaktisch. Dabei ist zudem die Schwerpunktsetzung nicht immer ganz gelungen, so dominiert zwischenzeitlich die Liebesgeschichte die Rahmenhandlung völlig und lässt diese fast in der Bedeutungslosigkeit versinken, bevor das Buch zum Ende hin wieder etwas ausgeglichener wird. Dennoch macht diese Geschichte viel Spaß und ist quasi ein Füllhorn an Tropes, die jedoch nie zu sehr ins Klischee abrutschen.

Das Setting überzeugt auf ganzer Linie. So entführt die Autorin die Leser:innen an die Küste Irlands, in einen nur von Feen bewohnten Ort mit magischer Akademie. Und auch wenn einige Teile des Weltenbaus und Magiekonzepts noch etwas unklar verbleiben, vermag die Welt insgesamt zu begeistern und Interesse zu wecken, nun auch an die Ravenhall Academy zu reisen. Julia Kuhn mischt dabei fröhlich jugendtypische Themen mit dem der Fantasy inhärenten Kampf zwischen Gut und Böse – vor einem Akademie-Setting, das aber etwas dadurch unterminiert wird, dass die Familien der (wesentlichen) Protagonisten direkt im gleichen Ort leben.

Die einzelnen Figuren sind vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive (und verrückte Motten :D). Dabei überzeugen vor allem Leona als wichtiger Nebencharakter, Elanor und Elijah, der gerade im letzten Buchdrittel erheblich an Profil gewinnt, während Kylian sehr vorhersehbar verbleibt. Julia Kuhns Schreistil lässt sich zudem leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist atemberaubend. Lektorat und Korrektorat sind zwar Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist jedoch wunderschön und setzt an einer Stelle durchaus innovativ Chatnachrichten. Der Buchumschlag ist mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen und nicht nur auf Cover, Coverrückseite und Buchrücken sondern sogar auf den Klappen hochwertig geprägt und mit Glitzerelementen versehen – unglaublich hochwertig. Auch der Farbschnitt ergänzt das brillante Gesamtprodukt, auch wenn man ihn dreiseitig hätte gestalten können – der einzige, minimale Wermutstropfen. Das Covermotiv kann ebenfalls vollends überzeugen, ist ein wahrer Eyecatcher und zieht sich über den kompletten Umschlag, sodass ein traumhaftes Gesamtbild entsteht – einfach wunderschön.

Mein Fazit? „Moonlight Academy. Feenzauber“ ist ein Romantasy-Einzelband, der vor allem mit seinem Setting, tollen Figuren und seiner wunderschönen Ausstattung begeistert, in der Handlung aber etwas vorhersehbar bleibt. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag vorgeschlagenen Lesealter von 14 Jahren.

[Buchgedanken] Nadine Schojer: „Die Telefonistinnen – Stunden des Glücks“ (Telefonistinnen 1)

Vor kurzem habe ich auch „Die Telefonistinnen – Stunden des Glücks“ von Nadine Schojer gelesen. Das Buch ist 2024 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG erschienen und als historische Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die verlagseigene Bloggerjury.

Köln, 1948. Der Wiederaufbau ist in vollem Gange. Es sind vor allem die Frauen, die für sich und ihre Familien in der zerstörten Stadt ein neues Leben aufbauen. Als Telefonistinnen sorgen Gisela, Hannelore und Julia in einer großen Versicherung für die richtigen Verbindungen zwischen innen und außen. Jede hat ihre eigene Geschichte, für jede von ihnen ist die Arbeit lebenswichtig, jede hat Geheimnisse. Auch Charlotte, die neue Kollegin, die auftritt, als gehörte ihr das Unternehmen. Während die junge Republik entsteht und in den Bars wieder getanzt wird, gehen die Frauen gemeinsam Schritt für Schritt voran in eine neue Welt, die von Umbrüchen, Sehnsüchten und Träumen geprägt ist …

„Die Telefonistinnen – Stunden des Glücks“ ist der Auftaktband in Nadine Schojers Buchreihe über vier Telefonistinnen in der Nachkriegszeit – wobei eigentlich auch Erna, die Rezeptionistin, zu der (erweiterten) Clique gehört. Zwar handelt es sich hier bei den Protagonistinnen nicht um eine Familie im eigentlichen Sinne (vielmehr haben alle selbst Probleme mit ihrer jeweiligen „richtigen“ Familie), ich habe das Buch aufgrund der starken freundschaftlichen Bindungen untereinander in Einklang mit der Eingruppierung auf Verkaufsportalen dennoch als (historische) Familiensaga kategorisiert. Eine Zuordnung zum Genre historischer Roman wäre jedoch genauso denkbar gewesen wie im Übrigen auch die zu anderen Genres.

Die Handlung ist abwechslungsreich, läuft relativ stringent an und konzentriert sich auf den Handlungsstrang um Gisela, aber auch über Hanni erfährt man relativ viel, während Julia und Charlotte – letztere ein heimlicher Leserliebling von mir – erst im Laufe der Geschichte dazustoßen und daher ihre Handlungsstränge noch etwas stiefmütterlich ausgebaut sind. Auch das Ende überzeugt größtenteils. So endet der Roman nicht – wie befürchtet – in einem krassen Cliffhanger, sondern ist halbwegs abgeschlossen, lässt jedoch ausreichend Anknüpfungspunkte und Potentiale für die Folgebände, sodass man ihn auch – zumindest in Bezug auf Gisela – als Standalone lesen könnte.

Das Setting ist wenig überraschend, aber erwartbar gut. So entführt die Autorin die Leser:innen ins Köln der Nachkriegszeit, in eine von den Bombardierungen gezeichnete Stadt, die sich gerade erholt und von dem ersten zarten Aufschwung, von Besatzungstruppen und von der Suche nach den Heimkehrern geprägt ist. Nadine Schojer gelingt es dabei, das Flair der Zeit gut einzufangen – und über gelegentlich eingestreute Dialoge und Begriffe in Mundart auch den Charakter der Stadt und ihrer Bewohner zu verkörpern.

Die einzelnen Charaktere sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive – aufgrund der Vielzahl an (wichtigen) Protagonist:innen muss die Entwicklung in den Folgebänden aber noch konsequent weitergehen, damit hier ein rundes Bild entsteht. Bislang überzeugen insbesondere Charlie/Charlotte (trotz des kurzen Auftritts), Hanni und Erna, während insbesondere Julia noch ausbaufähig bleibt und auch Anton und Gisela nicht immer nachvollziehbar handeln. Nadine Schojers Schreibstil lässt sich gut und flüssig lesen, das Kopfkino sofort anspringen und ist im Wesentlichen historisch authentisch, wenn auch der Fokus wohl eher auf der Lesbarkeit gelegen hat.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss aber nicht entscheidend schmälern, der Buchsatz ist ordentlich. Der Umschlag ist auf dem Cover hochwertig geprägt und mit farbigen Coverinnenseiten versehen, das Covermotiv wird zum Buchrücken hin jedoch jäh unterbrochen. Insgesamt ist der Umschlag eher eintönig und das Covermotiv m.E. nicht in Gänze stimmig. So zeigt es zwar vier Frauen, es fehlt jedoch etwas der Bezug zur Handlung.

Mein Fazit? „Die Telefonistinnen – Stunden des Glücks“ ist ein gelungener Auftakt in die Reihe, der vor allem mit seinem tollen Setting und einer abwechslungsreichen Handlung punkten kann. Für Leser:innen des Genres daher bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

[Buchgedanken] Lucie Flebbe: „Bad Business. Deal mit dem Tod“

Vor kurzem habe ich auch „Bad Business. Deal mit dem Tod“ von Lucie Flebbe gelesen. Das Buch ist 2024 im GRAFIT Verlag in der Emons Verlag GmbH erschienen und als Thriller einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Mieke Jentsch macht ihren Job als stellvertretende Klinikverantwortliche schon deutlich zu lange. Als ihr Vorgesetzter unerwartet Suizid begeht, rückt sie in die Chefposition auf und wird beauftragt, Kliniken an einen Medizinkonzern zu verkaufen. Ist der Milliardendeal die Chance, ihre Fähigkeiten endlich unter Beweis zu stellen? Doch je tiefer Mieke in die Materie vordringt, desto größer werden ihre Zweifel daran, dass ihr Vorgänger freiwillig aus dem Leben gegangen ist. Als sie das Opfer mehrerer Anschläge wird, beginnt sie zu ahnen, dass sie längst zur Schachfigur in einem tödlichen Spiel geworden ist …

„Bad Business. Deal mit dem Tod“ ist der neueste Roman der Krimiautorin Lucie Flebbe, die 2009 für ihr Debüt mit dem Friedrich-Glauser-Preis ausgezeichnet wurde. Dabei ist der Roman als Einzelband konzipiert, lässt sich jedoch nicht ganz einfach einem Genre zuordnen. Auf dem Cover – passend zur Vita der Autorin – als Kriminalroman betitelt und beworben, erfüllt das Buch für mich eher die Genreanforderungen eines Thrillers, daher habe ich diese Eingruppierung übernommen, die Genregrenzen sind ohnehin fließend. Hierbei könnte man sogar noch stärker differenzieren und den Roman als Wirtschafts- oder Politthriller sehen, mit viel gutem Willen vielleicht sogar als Wissenschaftsthriller, aber da ich hier keine eindeutige Zuordnung treffen konnte, habe ich es bei der allgemeinen Bezeichnung als Thriller belassen.

Die Handlung ist hochspannend und abwechslungsreich und wartet auch mit der ein oder anderen überraschenden Wendung auf. Aufgrund der vielen Perspektivwechsel und sehr kurzen Sinnabschnitte ist der Start zwar durchaus herausfordernd und zäh, mit dem Verlauf der Handlung entwickelt sich diese jedoch immer stärker zum Pageturner, während das aus meiner Sicht für einen Einzelband deutlich zu offene Ende hier wieder etwas abfällt. Auch mischt die Autorin das zentrale und wichtige Thema der Privatisierung im Medizinbereich mit einer Lovestory und – unter anderem – den Komplikationen beim Familiennachzug von ehemaligen afghanischen Ortskräften, wobei sich letzteres nicht gerade homogen in die Story einfügt und etwas gewollt rüberkommt.

Das Setting hingegen überzeugt auf ganzer Linie. So entführt Lucie Flebbe den Leser ins Ruhrgebiet – auch wenn die Region hier eher zweitrangig ist. Vielmehr nimmt sie den Leser mit in das hochaktuelle Thema der Privatisierung von Medizinleistungen, in das Spannungsfeld (teils) konkurrierender Interessen zwischen Rentenversicherungen, Wirtschaftsunternehmen, Krankenhäusern und deren Beschäftigter. Als Abwechslung geht es dann auf einen Pferdehof, wobei das dortige Führungskräftetraining mit Pferden zwar der Fantasie der Autorin entspringt, aber gar nicht so weit weg von der Realität ist, gibt es doch bereits Bildungsurlaube mit Pferden zum Thema „authentisches Miteinander im Beruf“.

Die Figuren sind – im Wesentlichen – vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Lana und Sami, während Mo und Bille teils etwas unlogisch handeln und daher etwas blass verbleiben. Lucie Flebbes Schreibstil ist zudem leicht und flüssig zu lesen und lässt das Kopfkino sofort anspringen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben im Wesentlichen ordentlich gearbeitet, das Covermotiv ist sehr schlicht und wird zum Buchrücken abrupt unterbrochen. Insgesamt ist der Umschlag eher einfach gestaltet und kein Eyecatcher, auch wenn die Farbkombination durchaus gelungen ist. Gewünscht hätte ich mir zudem, dass bei den im Roman verstärkt auftretenden psychischen Erkrankungen und Problemen bis hin zu Selbstverletzungen im Nachwort für Betroffene Hilfsangebote angeführt worden wären.

Mein Fazit? „Bad Business. Deal mit dem Tod“ ist ein im Wesentlichen überzeugender Thriller, der ein wichtiges Thema auf spannende Weise anspricht, leider aber auch ein zu offenes Ende bietet, sonst jedoch nur kleinere Schwächen hat. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Beate Rösler: „Eddas Aufbruch“

Vor kurzem habe ich auch „Eddas Aufbruch“ von Beate Rösler gelesen. Das Buch ist 2024 bei Aufbau Taschenbuch in der Aufbau Verlage GmbH & Co. KG erschienen und als historische Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Um der Enge ihres autoritären Elternhauses zu entkommen, geht die 19-jährige Edda als Au-pair nach Paris. In einer politisch aufgeheizten Zeit verliebt sie sich in den Studenten Marcel, der neue Fragen in ihr weckt: Auf welcher Seite standen ihre Eltern in den Jahren des Nationalsozialismus? Zurück in Frankfurt am Main konfrontiert sie ihren Vater, doch dieser hüllt sich in Schweigen. Erst als Edda alte Feldpost im Schlafzimmer ihrer Mutter entdeckt, kommt sie den Ereignissen der Vergangenheit auf die Spur. Was sie herausfindet, stellt nicht nur ihre Beziehung zu Marcel auf die Probe. Edda muss sich zudem entscheiden, wie weit sie für Gerechtigkeit gehen will … 

„Eddas Aufbruch“ ist eine sehr lose Fortsetzung des Vorgängerromans der Autorin („Helenes Versprechen“) – zumindest trifft man hier teils auf bekannte Charaktere. Dabei sind die Romane jedoch jeweils als Standalone lesbar und angedacht, die Hinweise auf die Verbindungen ergaben sich für mich überhaupt nur durch den Austausch mit der Autorin. „Eddas Aufbruch“ lässt sich zudem nicht ganz einfach einem Genre zuordnen. Auf Verkaufsportalen teils eingruppiert als „Coming of Age“ habe ich mich aufgrund der Erforschung der familiären Vergangenheit dennoch für die Kategorisierung als Familiensaga entschieden – als „historische Familiensaga“ um genau zu sein, da die Handlung zudem mehr als 50 Jahre in der Vergangenheit spielt.

Apropos Handlung: Diese ist durchaus spannend und abwechslungsreich und wartet immer mal wieder mit der ein oder anderen unerwarteten Wendung auf. Gleichsam ist sie auch Produkt der erzählten Zeit, dennoch hätte ich mir trotz des jugendlichen Leichtsinns von Edda durchaus einen reflektierteren Blick auf die Verbrechen und Anfänge der RAF gewünscht – oder zumindest eine historische Einordnung in einem Nachwort. Auch sind mir die Handlungsübergänge zwischen den Sinnabschnitten teils etwas drastisch. So werden hier gelegentlich Probleme aufgeworfen und sind im nächsten Abschnitt bereits gelöst – dabei ist durchaus manchmal auch der Weg das Ziel, hier hätte man noch eine rundere Geschichte und Charakterentwicklung schaffen können.

Das Setting kann dahingegen völlig begeistern. So entführt die Autorin den Leser in die ausgehenden 60er Jahre zum Besuch des Schahs nach Berlin, in ein Paris der Studentenproteste und ein gutbürgerliches Frankfurter Elternhaus – kurz: in eine Welt im Umbruch mit krassen Gegensätzen, die hier durchaus deutlich werden. Dabei gelingt es Beate Rösler den schmalen Grat zwischen antiautoritärer Opposition und Radikalisierung greifbar zu machen – sie lässt ihre Figuren diesen nämlich regelmäßig überschreiten, sodass man ihnen teils auch kein Happy End mehr gönnt.

Diese Figuren sind somit durchaus auch komplex und vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei überzeugen vor allem wichtige Nebenrollen wie Ariane und Florence, während gerade Marcel etwas blass verbleibt und nicht nachvollziehbar handelt – aber vermutlich ist für viele Leser heute die damalige Radikalität nicht mehr wirklich verständlich. Beate Röslers Schreibstil hingegen lässt sich gut und flüssig lesen, das Kopfkino sofort anspringen und balanciert gut zwischen historischer Authentizität und der Lesbarkeit.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz ist ebenfalls ordentlich. Das Covermotiv zieht sich gut über Buchrücken und Coverrückseite, sodass ein tolles Gesamtbild entsteht, ist dabei durchaus auch ansehnlich, aber austauschbar beliebig. Gern hätte ich mir – wie oben angedeutet – auch ein ausführlicheres Nachwort gewünscht, das das Zeitgeschehen in den größeren historischen Kontext einordnet.

Mein Fazit? „Eddas Aufbruch“ ist eine im Wesentlichen überzeugende historische Familiensaga, die wichtige Themen und Fragen anspricht und aufwirft, aber auch kleinere Schwächen hat. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Arnaldur Indriðason: „Das dunkle Versteck“ (Kommissar Konráð 5)

Vor kurzem habe ich auch „Das dunkle Versteck“ von Arnaldur Indriðason gelesen. Das Buch ist 2024 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG erschienen, die Originalausgabe wurde 2022 unter dem Titel „Kyrrþey“ bei Forlagið veröffentlicht. Das Buch ist dabei als Kriminalroman einzuordnen, für die Übersetzung zeichnet Freyja Melsted verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Nach dem Tod ihres Mannes findet Halla eine Pistole in einer Garage mitten in Reykjavík. Sie bringt sie zur Polizei. Als der pensionierte Kommissar Konráð davon erfährt, erinnert er sich, dass sein Vater eine ebensolche Waffe besaß. Ein Mitarbeiter der Spurensicherung findet zudem heraus, dass aus dieser Waffe der tödliche Schuss in einem anderen ungeklärten Fall stammt. Damals wurde ein Mann namens Garðar aus heiterem Himmel erschossen. Konráð nimmt nun privat Ermittlungen auf, weil er wissen will, was sein Vater mit den Verbrechen zu tun hat. Eine Spur führt zu Gústaf, einem Arzt, der wegen Kindesmissbrauchs im Gefängnis sitzt. Auch Konráðs Vater war damals mit diesem Arzt in Kontakt …

„Das dunkle Versteck“ ist der fünfte Band der Reihe um den mittlerweile pensionierten Kommissar Konráð und ein klassischer isländischer Kriminalroman, auch wenn genrebedingt die Grenzen zum Thriller hier natürlich sehr fließend sind. Dabei lässt sich das Buch zwar als Standalone lesen, jedoch würde ich es empfehlen, die anderen Bände vorab zu lesen, da dann – vermutlich – ein besserer Überblick über die Handlung und Figurenentwicklung möglich gewesen wäre.

Denn so war die Handlung zwar durchaus spannend, aufgrund der multiplen Zeitebenen und diversen Handlungsstränge allerdings auch sehr komplex, an der Grenze zu verworren – nie hatte man hier das Gefühl, dass es wirklich stringend voran geht, ein klarer roter Faden fehlte mir. Nichtsdestotrotz schmiedete Indriðason hier ein Potpourri aus organisierter Kriminalität, Korruption, Kindesmissbrauch und persönlichen Rachefeldzügen, das – wenn man schlussendlich mal dahintergestiegen ist – durchaus zu begeistern weiß.

Das Setting vermag hingegen von Beginn an zu überzeugen. So entführt der Autor die Leser:innen nach Reykjavik und erschafft aufgrund der Zeitsprünge ein Porträt einer Stadt im Wandel, in der Wellblechhüttenslums der Kapitalisierung weichen müssen, in der jedoch auch weiterhin Obdachlose in kalten Winternächten auf Parkbänken erfrieren. Etwas klischeehaft hangelt sich Konráð dabei gefühlt von Schneesturm zu Schneesturm, dies tut der besonderen Atmosphäre des Romans jedoch keinen Abbruch.

In den Figuren konzentriert sich der Autor zentral auf Konráð, alle weiteren Figuren werden in der Regel nur kleinere Nebenrollen angedacht, deren Entwicklung daher durchaus etwas vernachlässigt. Konráð hingegen ist vielschichtig und dreidimensional, hat Stärken und Schwächen, Ziele und Motive. Dies trifft darüber hinaus noch am ehesten auf Marta zu. Arnaldur Indriðasons Schreibstil lässt sich zudem flüssig und leicht lesen und das Kopfkino sofort anspringen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist fehlerfrei aber auch sehr konservativ. Das Covermotiv kann die düstere Atmosphäre des Romans gut auffangen, das unter dem Umschlag befindliche Buch ist zwar schlicht, wartet jedoch überraschend mit toll gestalteten, farbigen Coverinnenseiten auf, auf denen die Karte Islands und ein Stadtplan Reykjaviks präsentiert werden.

Mein Fazit? „Das dunkle Versteck“ ist ein Kriminalroman, der vor allem mit seinem Setting und einer starken Atmosphäre punkten kann, dessen Handlung jedoch zuweilen zu verworren daherkommt. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Livia Pipes: „Endzeit – Die Todesinsel“ (Endzeit 1)

Vor einiger Zeit habe ich auch „Endzeit – Die Todesinsel“ von Livia Pipes gelesen. Das Buch ist in der vorliegenden Ausgabe 2023 im Selfpublishing veröffentlicht worden, eine frühere Ausgabe erschien ebenfalls 2023 im Selfpublishing unter dem Titel „The Quest – Die Insel“. Vielen Dank an dieser Stelle auch an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Im Jahr 2035 stürzt Fitnesstrainer Jay Carter in eine finanzielle Krise. Sein Ausweg: Das Casting für die extremste Survival-Live-Show weltweit. Auf einem verlassenen Fabrikgelände in New York kreuzt sein Weg den von Zoe – gefangen in einer explosiven Beziehung, mit einem Traum von einer besseren Zukunft. Gemeinsam erfahren sie, um was es in der Show geht: Überleben auf einer karibischen Insel, ein halbes Jahr lang, umgeben von Gefahren wie giftigen Pflanzen, wilden Tieren und unberechenbarem Wetter. Challenges bieten die Chance auf bessere Bedingungen, doch eine düstere Regel durchzieht das Spiel: Keine ärztliche Versorgung, keine Fluchtmöglichkeit. Wer bleibt, unterwirft sich dem Dschungel und dem eigenen inneren Kampf. Unwissend, dass sie lediglich Marionetten in einem perfiden Plan sind, unterschreiben die sechs auserwählten Gewinner den Vertrag. Als sich die Ereignisse überschlagen, wird ihnen klar: Sie sind gefangen, in einem brutalen Spiel, in dem das Überleben zum ultimativen Preis wird.

„Endzeit – Die Todesinsel“ ist der erste Band der neuen Reihe von Livia Pipes. Dabei lässt sich das Buch, das auf dem Cover vereinfacht als „Thriller“ beworben wird, etwas genauer als (dystopischen) Survival-Thriller eingruppieren. Anhand der Geschehnisse im Buch ist jedoch davon auszugehen, dass sich die weiteren Bände – passend zum Titel – mehr in Richtung (post-)apokalyptischer Thriller entwickeln. Ob und inwieweit das kammerspielartige Inselsetting dabei beibehalten wird, bleibt bis dahin abzuwarten.

Die Handlung ist durchaus spannend, hat zu Beginn jedoch auch kleinere Längen, später dafür dahingegen größere Zeitsprünge, hier hätte man etwas stärker balancieren können. Auch ist durch die zwischenzeitliche Erzählung aus mehreren Perspektiven die Handlung teils wenig stringent und geht etwas zäh voran und auch der drastische Cliffhanger am Ende ist nicht gerade leserfreundlich – auch wenn sich die Charaktere nicht sehr viel Mühe geben, die letzten Ereignisse zu durchdenken. So oder so verbleibt es dadurch schwierig, das Buch als Standalone zu lesen.

Das Setting ist größtenteils gelungen. So entführt die Autorin den Leser ins Amerika der nahen Zukunft, das trotzdem sehr dystopisch anmutet. Der zweite Part der Geschichte spielt dann größtenteils auf einer karibischen Insel, die austauschbar, aber unglaublich spannend ist, auch wenn das Konzept hier etwas an „Stranded – Die Insel“ erinnert. Insgesamt verwebt Livia Pipes gut persönliche Schicksale und gesamtgesellschaftliche Themen zu einem Gesamtkonstrukt, das in den nächsten Bänden aber noch mit etwas mehr Input zur politischen Situation unterfüttert werden darf.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere Zoe, Pearl und Qiuba, während Jay noch etwas eindimensional verbleibt, sich aber in den Folgebänden noch gut entwickeln kann. Der Schreibstil von Livia Pipes lässt sich darüber hinaus gut und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist solide. Kleinere Fehler mindern den Lesefluss kaum, der Buchsatz ist in Ordnung, aber etwas uninspiriert. Das Covermotiv zieht sich gut über Buchrücken und Coverrückseite und erzeugt so ein tolles Gesamtbild, ist aber gleichsam austauschbar und lässt etwas den Bezug zur Handlung vermissen.

Mein Fazit? „Endzeit – Die Todesinsel“ ist ein vielversprechender Auftakt in eine neue Buchreihe, der vor allem durch ein spannendes Setting und interessante Themen glänzt, aber auch noch kleinere Schwächen hat. Für Leser des Genres dennoch zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.