[Buchgedanken] Yngra Wieland: „Jagdfieber“ (Salome Liebeskind 2)

In der letzten Zeit habe ich auch „Jagdfieber“ von Yngra Wieland gelesen. Das Buch ist 2026 in der Edition M, Amazon Media EU S.à r.l. erschienen und als Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Als Salome Liebeskinds Patientin Serena nach einer Therapiesitzung absichtlich vor ein Auto läuft, ahnt die Münchner Psychotherapeutin nicht, dass sie damit in ein unheilvolles Geschehen hineingezogen wird. Serenas Vater – ein bekannter Schönheitschirurg – wurde kurz zuvor während einer Jagd erschossen. Angeblich ein Unfall. Doch Salome glaubt das nicht. Auf eigene Faust beginnt sie zu ermitteln und gerät in ein gefährliches Geflecht aus Erpressung, Familiengeheimnissen und verborgenem Hass. Als auch ein Investigativjournalist tot aufgefunden wird, ist klar: Der Täter hat viel zu verlieren. Aber wie weit ist er bereit zu gehen?

„Jagdfieber“ ist nach „Die weiße Dame“ der zweite Band von Yngra Wielands Buchreihe um die Psychotherapeutin Salome Liebeskind. Weiterhin eingeordnet im Label „Edition M“ von Amazon Publishing, ist das Buch somit klar als Kriminalroman zu kategorisieren, auch wenn hier erneut parallel polizeilich und privat ermittelt wird – im Vergleich zum ersten Band sind die Überschneidungen, ist die „Zusammenarbeit“ aber doch präsenter. Dabei lässt sich der Roman durchaus als Standalone lesen, wichtige Details des Vorgängers werden in den Text eingeflochten, insgesamt rundet die vorherige Lektüre des ersten Bandes aber das Leseerlebnis ab.

Die Handlung ist spannend und abwechslungsreich und wartet, gerade zum Ende hin, auch noch mit der ein oder anderen überraschenden Wendung auf, Teile sind natürlich auch vorhersehbar. Die Handlung knüpft dabei zeitlich und thematisch nahtlos an „Die weiße Dame“ an und setzt Salomes Geschichte fort, die weiter sowohl aus ihrer Sicht als auch aus multiplen anderen personalen Erzählperspektiven dargestellt wird – die ein oder andere hätte man hier sicherlich noch streichen können. Gleiches gilt für den zusätzlichen Handlungsstrang um Cybermobbing/Hassposts, der zwar ein unglaublich wichtiges Thema anspricht, nie aber wirklich Einfluss auf die Haupthandlung hat und so etwas isoliert im luftleeren Raum schwebt. Generell tauchen zwischendurch eine unglaubliche Vielzahl an Personen auf, sodass es nicht immer ganz leicht ist, den Überblick zu behalten.

Das Setting vermag weiterhin zu überzeugen. So entführt die Autorin ihre Leser:innen auch in diesem Band nach München – diesmal zur Wiesn-Zeit in eine Welt der Reichen und Schönen zwischen Lokalpolitik, Schönheitsoperationen und Jagdgesellschaften. Dabei baut Yngra Wieland durch die Mischung aus originärer Polizeiarbeit und Psychotherapie Themen wie Selbstzweifel, Unsicherheit, Suizidgedanken, Burn-Out und das bereits erwähnte Cybermobbing organisch in den Roman ein und sorgt so für ein komplexes Gesamtkonstrukt, das weiterhin so viel Spaß macht wie im ersten Band.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive – und der bekannte Cast aus dem ersten Band wird konsequent weiterentwickelt. Dennoch überzeugen vor allem wichtige Nebenfiguren wie Waltraud, Ciggy und Kimberley, während Salome nicht immer nachvollziehbar, teils sehr naiv handelt und Serenas rasche Wandlung etwas unglaubwürdig daherkommt. Yngra Wielands Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist noch solide. Lektorat und Korrektorat sind Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss aber nicht erheblich schmälern, der Buchsatz ist ausbaufähig. Das Covermotiv wird nahtlos auf Coverrückseite und Buchrücken fortgesetzt, sodass ein einheitliches Gesamtbild entsteht, das zudem gut zum ersten Band passt. Insgesamt ist das Covermotiv, der Umschlag generell aber eher eintönig und kein klassischer Eyecatcher. Gewünscht hätte ich mir im Nachwort noch die Auflistung von Ansprechstellen bei Cybermobbing und hate speech im Netz, nachdem das so prominent im Roman gefeatured wurde.

Mein Fazit? „Jagdfieber“ ist eine gelungene Fortsetzung der Reihe um Salome Liebeskind, die vor allem durch eine abwechslungsreiche Handlung und tolle Charaktere punktet und dabei nur kleinere Schwächen aufweist. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 16 Jahren.

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