[Buchgedanken] Ava Reed: „Truly“ (In Love 1)

In der letzten Zeit habe ich „Truly“ gelesen, den Auftakt der neuen Trilogie von Ava Reed. Das Buch ist 2020 bei LYX in der Bastei Lübbe AG erschienen und dem Genre New-Adult zuzurechnen. Es ist bereits mein fünftes Buch der Autorin, ihr Roman „Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen“ erreichte dabei sogar Platz 1 meiner Jahreshighlights 2019.

41SFSF3v9L._SX312_BO1204203200_Kein Job, keine Wohnung, kein Geld – so kommt Andie nach Seattle. Hier will sie sich ihren Traum erfüllen und endlich zusammen mit ihrer besten Freundin an der Harbor Hill University studieren. Während Andie darum kämpft, das Chaos in ihrem Leben in den Griff zu bekommen, trifft sie auf Cooper, der sie mit seiner schweigsamen Art gleichermaßen anzieht wie verwirrt. Und obwohl Andie genug Sorgen hat, lässt er sie einfach nicht los. Sie will wissen, wer Cooper wirklich ist. Aber sie merkt schnell, dass manche Geheimnisse tiefere Wunden hinterlassen als andere …

Seit der Ankündigung der „In Love“-Trilogie habe ich dem Erscheinen von „Truly“ entgegengefiebert. Eine meiner absoluten Lieblingsautorinnen und Jugendbuchzauberin unterschreibt bei einem meiner Lieblingsverlage für ein Genre, das ich liebe. Die Vorfreude hätte kaum größer sein können – und „Truly“ hat die hohen Erwartungen mühelos pulverisiert.

Dabei ist es Ava Reed gelungen, die großen Stärken ihrer Jugendbücher auch in die neue Trilogie zu transferieren. Der Roman ist intensiv und gefühlvoll, spannend und nervenaufreibend. Man leidet, lacht und weint mit Andie und verliebt sich mit jeder Seite mehr in sie. Sei es Monk-Andie oder Pompon-Andie, jede Facette ihrer Persönlichkeit macht sie zu etwas besonderem. Fragil und zerbrechlich, stark und zielstrebig – Andie ist eine der interessantesten New-Adult-Protagonistinnen – und definitiv eine der liebenswürdigsten.

Zwar werde ich mit Cooper nicht restlos warm, aber alle anderen Charaktere, insbesondere auch die Nebenfiguren überzeugen und ich giere bereits jetzt nach neuem Lesestoff über June, Mason, Dylan und die restliche Crew aus Seattle. Das Setting ist – erwartbar – brillant, hätte aber noch mehr Eindrücke auch von der Universität zeigen können. Abgesehen davon sind der Club, der Unterschied zwischen Seattle und Montana, WG und Wohnheim anschaulich beschrieben und erlauben es dem Leser, sich in die Staaten zu träumen.

Neben der tollen Protagonistin lebt der Roman vor allem von Ava Reeds unglaublichem Schreibstil. Gefühlvoll und bildgewaltig, leise und doch so laut – jedes einzelne Wort transportiert so viel, lässt Bilder im Kopf des Lesers entstehen und hält ihn gefangen, sodass das Ende viel zu schnell kommt und man nach mehr lechzt.

Die Buchgestaltung überzeugt ebenfalls auf ganzer Linie. Lektorat, Korrektorat und Satz haben sauber gearbeitet, das Cover ist wunderschön und hochwertig geprägt. Klappen und farbige Coverinnenseiten runden den tollen Gesamteindruck ab.

Mein Fazit? „Truly“ ist ein in allen Punkten überzeugener New-Adult-Roman, stark, zerbrechlich, und so gefühlvoll. Ava Reeds Schreibstil und Andie, die man sofort lieben lernt, sorgen dafür, dass man das Buch nicht aus der Hand legen kann. Ein sicheres Jahreshighlight und bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag angegebenen Alter von 16 Jahren.

 

[Buchgedanken] Suzanne Collins: „Die Tribute von Panem X: Das Lied von Vogel und Schlange“

Vor wenigen Tagen habe ich „Die Tribute von Panem X: Das Lied von Vogel und Schlange“ von Suzanne Collins beendet, eine Vorgeschichte zur Weltbestsellertrilogie „Die Tribute von Panem“. Der Roman wurde 2020 in der Verlag Friedrich Oetinger GmbH veröffentlicht, die Originalausgabe erschien ebenfalls 2020 bei Scholastic Press unter dem Titel „The Ballad of Songbirds and Snakes“. Das Buch ist dem Genre Dystopie zuzuordnen.

41O3M07O7sL._SX346_BO1204203200_Ehrgeiz treibt ihn an. Rivalität beflügelt ihn. Aber Macht hat ihren Preis. Es ist der Morgen der Ernte der zehnten Hungerspiele. Im Kapitol macht sich der 18-jährige Coriolanus Snow bereit, als Mentor bei den Hungerspielen zu Ruhm und Ehre zu gelangen. Die einst mächtige Familie Snow durchlebt schwere Zeiten und ihr Schicksal hängt davon ab, ob es Coriolanus gelingt, seine Konkurrenten zu übertrumpfen und auszustechen und Mentor des siegreichen Tributs zu werden. Die Chancen stehen jedoch schlecht. Er hat die demütigende Aufgabe bekommen, ausgerechnet dem weiblichen Tribut aus dem heruntergekommenen Distrikt 12 als Mentor zur Seite zu stehen – tiefer kann man nicht fallen. Von da an ist ihr Schicksal untrennbar miteinander verbunden. Jede Entscheidung, die Coriolanus trifft, könnte über Erfolg oder Misserfolg, über Triumph oder Niederlage bestimmen. Innerhalb der Arena ist es ein Kampf um Leben und Tod, außerhalb der Arena kämpft Coriolanus gegen die aufkeimenden Gefühle für sein dem Untergang geweihtes Tribut. Er muss sich entscheiden: Folgt er den Regeln oder dem Wunsch zu überleben – um jeden Preis.

Die Erwartungen, die die Welt an „Das Lied von Vogel und Schlange hatte“, waren immens, schließlich gehört „Die Tribute von Panem“ zu den Werken, die eine ganze Generation geprägt, und ein immens erfolgreiches Filmfranchise gestartet haben. Mit mehr als 100 Millionen verkauften Büchern gehört die Reihe zu einem sehr illustren Club und verfügt über eine treue und gigantische Fangemeinde. Ein neuer Teil war daher ein großes Risiko, er musste an die alten Erfolge anknüpfen und durfte – viel wichtiger – die Fans nicht enttäuschen, sodass sie sich nicht von der Reihe abwenden. Um das Ergebnis mal vorwegzunehmen – dies ist Suzanne Collins meiner Meinung nach gelungen.

Von der ersten Seite an fühlt man sich in die Welt von „Panem“ zurückversetzt, saugt die Atmosphäre gierig auf und – ja, lernt noch einiges über die Vergangenheit des Kapitols und der Distrikte hinzu. Auch wenn die Handlung teils etwas langatmig ist und einige Sachen naturgemäß vorweggenommen sind durch die spätere Trilogie, kommt jedoch nie Langeweile auf. Der Autorin gelingt es, den Spannungsbogen die ganze Zeit zu halten, und den Leser auch durch unerwartete Wendungen auf falsche Fährten zu locken.

Am beeindruckendsten ist jedoch, dass es Suzanne Collins gelingt, zwischen dem Leser und dem späteren, grausamen Antagonisten der Originaltrilogie eine Bindung zu schaffen. Gleichsam fasziniert und erschrocken folgt man seinem Werdegang und seinen Gedanken, die immer logisch sind und auf der Grenze zwischen richtig und falsch balancieren. Man ertappt sich dabei, mit Snow mitzufiebern und ihm Glück zu wünschen, obgleich in vielen Handlungen und Aussagen bereits der kompromisslose Geist angelegt ist – ein Meisterstück der Charakterentwicklung.

Das Setting überzeugt ebenfalls auf ganzer Linie. Düster und archaisch, gezeichnet von den Kriegsfolgen verschwimmen die später manifestierten Gegensätze zwischen Kapitol und Distrikten etwas, und werden doch auf jeder Seite deutlich. Altbekannte Schauplätze und neue Orte sowie kleine, eingestreute Details und Verbindungen sorgen dafür, dass man sich beim Lesen sofort wohlfühlt – trotz der düsteren Atmosphäre.

Die Buchgestaltung ist ebenfalls gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover ist klassisch gehalten, aber eindrucksvoll und ein absoluter Eyecatcher. Zusammen mit der Neuauflage der alten Trilogie bildet es einen einheitlichen Gesamteindruck mit hohem Wiedererkennungswert. Zudem wird der Buchschnitt von einem ausklappbaren Schutz bedeckt.

Mein Fazit? „Die Tribute von Panem X: Das Lied von Vogel und Schlange“ ist ein in allen Punkten überzeugender, dystopischer Roman, der vor allem durch ein brillantes Setting und einen wahnsinnig überzeugenden Protagonisten punkten kann. Ein definitives Jahreshighlight, wenn es auch nicht ganz an die schiere Perfektion der Originaltrilogie heranreicht. Für Leser aller Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag empfohlenen Alter von 14.

[Buchgedanken] Kiera Cass: „Promised“ (Hollis 1)

In den letzten Tagen habe ich „Promised“ von Kiera Cass gelesen, den Auftakt zur neuen Dilogie der Autorin einer meiner absoluten Lieblingsbuchreihen („Selection“). „Promised“ ist 2020 bei FISCHER Sauerländer erschienen, die Originalausgabe wurde 2020 unter dem Titel „The Betrothed“ bei HarperTeen, HarperCollins Publishers, New York, veröffentlicht. Der Roman ist am ehesten dem Genre Young-Adult Romantasy zuzuordnen.

51V6fLIOdVL._SX324_BO1204203200_Wie jedes Mädchen am Hofe hofft Hollis, dass sie diejenige ist, die König Jamesons Herz erobert. Als sie auf einem Ball stolpert und ihm buchstäblich in die Arme fällt, verliebt Jameson sich Hals über Kopf in sie. Er beginnt, ihr mit extravaganten Geschenken den Hof zu machen, und Hollis kann ihr Glück kaum fassen. Doch ist das wirklich das Happy End? Der mysteriöse Fremde Silas bringt Hollis‘ Welt ins Wanken. Silas ist kein König. Luxus und Macht kann er ihr nicht versprechen. Aber jeder Blick von ihm trifft sie mitten ins Herz. Die Augen des ganzen Volkes sind auf die zukünftige Königin gerichtet. Und niemand ahnt, welche Stürme in ihr toben, während sie lächelt.

Die Erwartungen, die ich an „Promised“ hatte, hätten kaum höher sein können. Kiera Cass zählt zu meinen absoluten Lieblingsautoren, ihr Meisterwerk „Selection“ fällt immer, wenn ich meine Lieblingsbücher benenne. Umso gespannter war ich, ob „Promised“ an die Perfektion anknüpfen kann. Und auch wenn der Roman nicht ganz an die Brillanz von „Selection“ heranreicht, erfüllt er doch alle Erwartungen und zählt bereits jetzt zu den Jahreshighlights.

Dabei kann der Roman mit einem tollen Setting punkten. Der Gegensatz zwischen der Pracht am Königshof und dem Leben auf dem Land, zwischen der Adelsschicht und den Flüchtlingen, zwischen den Kulturen und Traditionen der Länder – Kiera Cass beschreibt anschaulich und sorgt dafür, dass man sich direkt in die Geschichte hineinversetzt fühlt, dass ein Film vor dem inneren Auge des Lesers abläuft. Dass dabei der Weltenbau noch nicht in allen Details dargestellt wird, stört nicht, schließlich gibt es ja noch einen Folgeband, der hoffentlich dann die offenen Fragen klärt. Der Leser lernt mit Hollis mit, erkundet mit ihr die Welt.

Zu Hollis – aus deren Sicht die Geschichte in der Ich-Perspektive erzählt wird – findet man sofort eine Bindung, auch gerade dank der Erzählperspektive. Man leidet, lacht und weint mit ihr, man spürt ihre Verwirrung und Verzweiflung, aber auch gerade ihre Kraft und Entschlossenheit, ihre Impulsivität und ihren Mut. Auch die Nebencharaktere sind vielschichtig und dreidimensional angelegt, insbesondere Scarlet und Lady Eastoffe überzeugen mich völlig.

Die Handlung ist – auch genrebedingt – teils vorhersehbar, mit einigen, unerwarteten Wendungen gelingt es der Autorin aber auch, den Leser zu überraschen. Insgesamt wird die Spannung die ganze Zeit gehalten, das anfangs noch eher ruhige Geschehen steigert sich unaufhörlich und gipfelt in einem starken Finale. Dennoch lässt Kiera Cass den Leser nicht mit einem gewaltigen Cliffhanger zurück, sondern sorgt für einen vernünftigen Abschluss des Bandes, der trotzdem den Boden für einen gewaltigen Folgeband bietet. Ich kann es kaum erwarten – und zähle bereits jetzt die Tage bis zum Erscheinungstermin des zweiten Teils im nächsten Jahr.

Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben im Wesentlichen sauber gearbeitet und nur Kleinigkeiten durchgehen lassen. Das Cover ist ein wahrer, glitzernder Eyecatcher mit einem brillanten, wunderschönen Titelmotiv, die Coverinnenseiten sind ebenfalls ein farblich-glitzernder Traum.

Mein Fazit? „Promised“ ist Young-Adult Romantasy in Reinform mit tollen Charakteren, einem wunderschönen Setting und einer spannenden, wenn auch teils vorhersehbaren Handlung. Bedenkenlos zu empfehlen ab dem vom Verlag empfohlenen Alter von 14 – und ein sicheres Jahreshighlight!

[Buchgedanken] Armando Lucas Correa: „Die verlorene Tochter der Sternbergs“

Vor wenigen Tagen habe ich „Die verlorene Tochter der Sternbergs“ von Armando Lucas Correa beendet. Das Buch ist 2020 im Eichborn Verlag in der Bastei Lübbe AG erschienen, die Originalausgabe wurde 2019 veröffentlicht. Der Roman ist dabei am ehesten dem Genre Familiensaga zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

51pJNsClmhL._SX313_BO1204203200_Berlin, 1939. Für die jüdische Bevölkerung wird das Leben immer schwieriger. Wer kann, bringt sich in Sicherheit. Auch Amanda Sternberg beschließt, ihre Töchter mit der MS St. Louis nach Kuba zu schicken. Am Hafen kann sie sich jedoch nicht von der kleinen Lina trennen. So vertraut sie nur die sechsjährige Viera einem allein reisenden Ehepaar an und flieht mit Lina zu Freunden nach Frankreich. Im kleinen Ort Oradour-sur-Glane finden sie eine neue Heimat. Doch es dauert nicht lange, bis die Gräueltaten der Nationalsozialisten auch diese Zuflucht erreichen …

In „Die verlorene Tochter der Sternbergs“ erzählt der Autor die Geschichte der Familie Sternberg vor und während des zweiten Weltkrieges. Dank toller Beschreibungen und mittels einer eindringlichen Sprache gelingt es ihm dabei, die Gefühle der Angst und Verzweiflung, Liebe und Hass, Sehnsucht und Glück zum Leser zu transportieren und ihm die Grausamkeit und den puren Überlebenskampf vor Augen zu führen. Dabei verliert die Handlung jedoch teilweise an Kontinuität, sodass nicht immer ein roter Faden erkennbar ist. Es bleiben viele Fragen offen und ungelöst und man wird über das Schicksal vieler, episch eingeführter, Personen im Unklaren gelassen.

Dabei wird nicht verkannt, dass gerade dies auch realerweise ein Produkt der Kriegswirren ist. Von einem Moment auf den Anderen ist alles ungewiss, Menschen verschwinden, Schicksale bleiben ungeklärt und auch Jahrzehnte später ist nichts bekannt – einen Leser lässt so etwas jedoch unbefriedigt zurück. Hier hätte durchaus noch Potential für 50, vielleicht 100 zusätzliche Seiten bestanden, um weitere Handlungsstränge aufzulösen.

Das Setting hingegen überzeugt auf ganzer Linie. Sei es die Stadt Berlin in der unmittelbaren Vorkriegszeit oder Frankreich in den Kriegswirren, der Autor erschafft atmosphärisch starke Bilder und Orte, bedrückende Szenerien, die bildhaft vor dem inneren Auge entstehen und den Leser mit den Figuren mitfühlen, mitleiden lassen. Darin liegt auch die große Stärke des Romanes. Denn das in Erinnerung rufen vergangener Schrecken, das Mitfühlen mit unvorstellbarem Leid ist ein Mahnmal, ein Weckruf, der gerade in der heutigen Zeit von allen gehört werden sollte.

Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet. Der Buchumschlag ist ansprechend gestaltet, das Motiv zieht sich auch über den Buchrücken und die Coverrückseite und ist wunderschön und atmosphärisch passend. Der Titel des Romanes ist (allerdings nur auf dem Cover und nicht auf dem Buchrücken) hochwertig geprägt, das Buch unter dem Schutzumschlag klassisch ohne weitere Verzierungen.

Mein Fazit? „Die verlorene Tochter der Sternbergs“ ist ein im Wesentlichen gelungener Roman, der vor allem durch sein atmosphärisches Setting und eine sehr gefühlsstarke Sprache punkten kann. Trotz kleinerer Schwächen in der Handlung für Liebhaber des Genres daher bedenkenlos zu empfehlen.