[Buchgedanken] Henrik Hitzbleck / Kerstin Wacker: „Das Mädchen in unserem Badezimmer“ (Amra 3)

Vor einiger Zeit habe ich „Das Mädchen in unserem Badezimmer“ von Henrik Hitzbleck und Kerstin Wacker gelesen. Das Buch ist 2022 im Wacker und Freunde Verlag erschienen und als Jugendbuch einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag (und die Losfee) für die Durchführung einer Buchverlosung auf Lovelybooks.de.

Hätte meine Mutter Coco nicht zum Duschen eingeladen, hätten wir nie in ihrem Tagebuch gelesen. Hätten nie erfahren, was es heißt, aus dem Leben geworfen zu werden. Abzuhauen und auf stinkenden Sofas bei fremden Menschen zu schlafen. Hätte, hätte … denn jetzt ist es zu spät: Coco ist spurlos verschwunden. Niemand weiß, wo sie ist, und uns beschleicht ein schrecklicher Verdacht. Kann es sein, dass Coco den falschen Leuten vertraut hat? Louise und ich (14) müssen Coco einfach finden. Die Zeit rennt.

„Das Mädchen in unserem Badezimmer“ ist der dritte Band um Amra, eine Jugendliche aus Berlin, kann aber als Standalone gelesen werden, da die Geschichte in sich stimmig ist und unabhängig von etwaigen Vorgängerbänden funktioniert (zumindest fehlten mir keine relevanten Informationen). Dabei lässt sich der Roman zwar als Jugendbuch einordnen, einen Jugendkrimi oder Jugendthriller – wie oft angegeben – sehe ich hier allerdings eher nicht.

Die Handlung ist altersgerecht, durchaus abwechslungsreich und kurzweilig, trotz kleinerer Längen. Dabei bleibt die Spannung allerdings eher im niederschwelligen Bereich – was aber nicht wirklich stört, ist es doch vielmehr Kernaufgabe und größte Errungenschaft des Buches, auf unterhaltsamem Wege auf das Thema der Jugendobdachlosigkeit hinzuweisen.

Dies geschieht vor einem überzeugenden Setting. So entführen die Autoren den Leser nach Berlin, aber in eine Hauptstadt abseits des schillernden Lebens. Vielmehr nehmen sie den Leser mit auf eine Reise in ein Berlin, das unter dem Radar fliegt, eine Stadt zwischen Schrebergärten und Obdachlosenhilfsprojekten. Dabei ist der Schreibstil der Autoren zielgruppenorientiert und lässt sich gut und flüssig lesen.

Die einzelnen Charaktere – im Wesentlichen beschränkt sich das Buch hier auf Amra, Louise und Coco – sind durchaus vielschichtig ausgearbeitet und authentisch, teils aber noch sehr naiv. Gerade Amra verbleibt hier aber – isoliert betrachtet – etwas blass, vielleicht liegt das aber auch an der mangelnden Kenntnis der Vorgängerbände, sodass sich insgesamt ein runderes Bild ergeben würde.

Die Buchgestaltung glänzt hingegen auf ganzer Linie. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz und das Innendesign generell sind einfach atemberaubend. Lediglich das Covermotiv / der Buchumschlag können hier nicht ganz mithalten und sind etwas nichtssagend, passen sich aber zumindest vom Stil dem Innendesign an und warten mit farbigen Coverinnenseiten auf.

Mein Fazit? „Das Mädchen in unserem Badezimmer“ ist ein Jugendbuch mit wichtiger Botschaft, das vor allem durch sein Setting überzeugt, aber auch kleinere Schwächen in der Handlung hat. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 12 Jahren.

[Buchgedanken] Annette Böhler: „Zuckerstreusel zum Verlieben“

Vor einiger Zeit habe ich „Zuckerstreusel zum Verlieben“ von Annette Böhler gelesen. Das Buch ist 2022 im Empire-Verlag erschienen und als Liebesroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Eigentlich klappt alles bestens bei Bianca. Ihr hippes Café hat gerade eröffnet und der tägliche Besucherandrang bestätigt es: Sie hat als Jungunternehmerin und Konditorin endlich einen Namen in der Branche. Ihr Liebesleben dagegen sieht weniger toll aus. Jahrelang nur an die Arbeit gedacht und Augen für ihre Torten gehabt, ist sie natürlich solo und komplett aus der Übung, wenn es um Dates oder Romantik geht. Dementsprechend verlegen und überrascht ist Bianca, als der extrovertierte und draufgängerische Vincent sie aus dem Nichts heraus um ein Date bittet. Täglich schlemmt er sich seit der Eröffnung durch ihre Süßigkeiten-Auslage und scheint ihre Leidenschaft für Zucker zu teilen. Bianca lässt sich von seiner offenen Art aus der Backstube locken und findet Gefallen daran, nicht mehr nur an die Arbeit zu denken. Sofort verliert sie ihr Herz an den charismatischen Kerl, der Süßes liebt und zu selbstkomponierten Liedern auf der Gitarre spielt; sie auffordert, ihren Erfolg zu genießen und die Lorbeeren zu ernten. Das ist die Chance, die langen Arbeitstage endlich gegen romantische Nächte einzutauschen und mit Vincent die süßen Seiten des Lebens zu genießen. Aber Vincent verschweigt etwas, und wenn Bianca es erfährt, könnte es ihre junge Liebe bedrohen.

„Zuckerstreusel zum Verlieben“ ist ein klassischer Liebesroman mit Happy-End-Garantie, etwas zu alt und brav für New-Adult Romance, vielmehr ein Feel-Good-Roman für entspannte und gefühlvolle Lesestunden, nicht mehr, aber auch nicht weniger – was der Roman aber auch gar nicht zu verbergen versucht.

Die Handlung ist dabei genretypisch durchaus vorhersehbar, nichtsdestotrotz aber spannend und interessant. Annette Böhler spricht zwar auch schwere Themen wie Erkrankungen oder schwere Kindheiten an, diese verbleiben aber an der Oberfläche und vermögen es nicht, die positive Grundstimmung des Romans zu beeinträchtigen. Zudem werden den Protagonisten auch keine externen Stolpersteine in den Weg gelegt, die einzigen Probleme kommen aus ihnen selbst, sodass die Handlung grade am Anfang etwas dahinplätschert.

Das Setting ist im wesentlichen gelungen – urban, großstädtisch mit Kiez-Flair. Aufgrund der (lediglich zu Anfang etwas ausufernden) bildhaften Beschreibungen lässt sich, insbesondere, das Café gut vor dem inneren Auge darstellen – das Kopfkino beginnt fast sofort zu laufen. Dies wird auch durch Annette Böhlers leicht und flüssig zu lesenden Schreibstil begünstigt.

Die einzelnen Figuren sind dabei durchaus plastisch angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive, wenn sie auch nicht immer nachvollziehbar handeln, gerade was Bianca angeht. Stärker überzeugen hier Eleonore und Mira als Nebencharaktere. Ungewöhnlich ist dabei, wie klein der Cast des Buches ist – so kommt die Autorin hier im Wesentlichen mit vier Figuren aus.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover ist ansehnlich, auch wenn mir etwas der Bezug zur Handlung fehlt, dreht sich die Geschichte doch vor allem um Torten. Auch die Coverrückseite ist vollkommen überladen – wie auch schon der oben angegebene Klappentext zeigt.

Mein Fazit? „Zuckerstreusel zum Verlieben“ ist ein Feel-Good-Liebesroman, der vor allem durch seine zuckersüße Handlung punktet, aber auch vorhersehbar ist und ohne große Komplikationen daherkommt. Für Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen ab dem vom Verlag empfohlenen Lesealter von 12 Jahren.

[Buchgedanken] Yvonne Struck: „Ich, die Jungs und die Sache mit dem Coolsein“

Vor einiger Zeit habe ich „Ich, die Jungs und die Sache mit dem Coolsein“ von Yvonne Struck gelesen. Das Buch ist 2022 im Boje Verlag in der Bastei Lübbe AG erschienen und als Jugendbuch einzuordnen, die Illustrationen stammen von Carolin Dendorfer. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.

Mit vierzehn noch ungeküsst? Höchste Zeit, das zu ändern, findet Lena! Und die Klassenfahrt ist DIE Gelegenheit dafür. Das Problem: Um bei ihrem Schwarm Justin eine Chance zu haben, muss Lena eindeutig cooler werden. Also schreibt sie zusammen mit ihrer Freundin Amira eine Liste, die ihr dabei helfen soll. Doch auf einem matschigen Waldausflug und beim peinlichen Karaokeabend cool zu wirken, ist alles andere als einfach! Vor allem, wenn auch noch das Geläster der Klassenzicken und die dummen Sprüche von Justins Kumpels dazukommen. Aber Lena gibt nicht auf, denn ein Kuss von Justin ist den ganzen Aufwand auf jeden Fall wert … Oder? Denn plötzlich fängt Lenas Bauch bei jemand ganz anderem leise an zu kribbeln …

„Ich, die Jungs und die Sache mit dem Coolsein“ ist ein Jugendbuch ab 12, dessen Handlung sich über eine erzählte Zeit von knapp fünf Tagen erstreckt, und das den Leser mit auf eine Klassenfahrt in eine abgelegene Jugendherberge, inklusive Kaninchenstall und Volleyballplatz, nimmt.

Die Handlung ist dabei größtenteils vorhersehbar, dennoch aber unterhaltsam und abwechslungsreich. Der Fokus wird – richtigerweise – auf die verworrenen und ständig wechselnden Beziehungen der Jugendlichen zueinander gelegt, die Rahmenhandlung bietet dafür lediglich eine Kulisse, ist daher vernachlässigbar.

Handlung und Sprache sind dabei altersgerecht, Yvonne Strucks Schreibstil ist authentisch und lässt sich leicht und flüssig lesen. Thematisiert werden jugendgerechte Problemkreise wie die erste Liebe, Cliquenbildung/Gruppenzwang und der Umgang mit Diversität. Auch das Thema Cybermobbing mit Nacktbildern wird angesprochen und ist richtig und wichtig, nimmt aber einen zu großen Raum ein.

Die einzelnen Charaktere sind dabei – auch bedingt durch das relativ kurze Buch – eher einseitig angelegt, gerade Lena und Justin bleiben etwas blass und handeln teils unlogisch, während Nebencharaktere wie Nadja und ja, auch Fabienne, unerwartet glänzen können, sich gerade in Person von Fabienne durchaus ambivalent zeigen und das schwarz-weiß-Schema durchbrechen.

Die Buchgestaltung ist gelungen, Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, die Illustrationen von Carolin Dendorfer überzeugen auf ganzer Linie und lockern den Text auf. Der Buchumschlag kann hierbei jedoch nicht mithalten. Zwar ist die dahinterliegende Idee durchaus ansprechend, in der Umsetzung aber nicht gelungen, werden die abgeschnittenen Gesichter doch in der Innenseite des Umschlags verwirrenderweise fortgesetzt.

Mein Fazit: „Ich, die Jungs und die Sache mit dem Coolsein“ ist ein im Wesentlichen gelungenes Jugendbuch, das altersgerecht und abwechslungsreich durchaus wichtige Themen anspricht, dabei teils aber den Schwerpunkt verliert und – gerade in den Protagonisten – etwas blass bleibt. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag empfohlenen Lesealter von 12 Jahren.

Leserunden im Doppelpack | Buchpost

Bevor es nächste Woche wieder einige Rezensionen hagelt, möchte ich Euch heute zum Sonntag noch zwei Bücher zeigen, die mich letzte Woche im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de erreichten – vielen Dank dafür an die Verlage! „Ich, die Jungs und die Sache mit dem Coolsein“ von Yvonne Struck (Boje Verlag) ist ein Jugendbuch ab zwölf Jahren, „Papyrus: Die Geschichte der Welt in Büchern“ von Irene Vallejo (Diogenes Verlag) ein Sachbuch, das die schönste Sache der Welt feiert: Bücher!

Welches Buch ist zuletzt bei Euch eingezogen?