Vor kurzem habe ich auch „Liebe M. – Du bringst mein Herz zum Überlaufen“ von Heike Abidi gelesen. Der Roman ist 2024 im Selfpublishing veröffentlicht worden, eine frühere Version erschien unter gleichem Titel und dem Pseudonym „Anna Paulsen“ 2018 im Penguin Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH. Das Buch ist als Liebesroman einzuordnen, vielen Dank an dieser Stelle auch an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Während andere den Freitag herbeisehnen, freut sich Matilda auf Montag, denn nichts liebt sie mehr als ihren Job im Amt für nicht zustellbare Post, wo sie für die Buchstaben K bis M zuständig ist. Doch dann kommt der Tag, an dem Matilda ein nie überbrachter Liebesbrief so sehr berührt, dass sie beschließt, ihre gewohnten Pfade zu verlassen und den Empfänger ausfindig zu machen – ganz gleich, wie schwierig es wird. Sie stößt auf eine schmerzliche Liebesgeschichte, die bereits viele Jahrzehnte zurückliegt. Doch für ein Happy End ist es schließlich nie zu spät, oder?
„Liebe M. – Du bringst mein Herz zum Überlaufen“ ist – wie oben dargestellt – die Neuauflage des bereits 2018 erschienenen, gleichnamigen Titels, der 2019 für den DELIA-Literaturpreis nominiert worden ist. Dabei fällt die Genreeinordnung als Liebesroman zwar leicht, gleichsam ist das Buch aber auch – mehr oder weniger – Schicksalsroman und Entwicklungsroman – und in der zweiten Hälfte durchaus teils auch Briefroman, kommuniziert doch ein Protagonist nahezu ausschließlich in Briefform.
Die Handlung ist dabei durchaus interessant, teils aber vorhersehbar, immer jedoch sehr cosy, sehr bedacht, eine Feel-Good-Atmosphäre zu schaffen – so wird das Buch ein idealer Begleiter für einen verregneten Tag mit einer dampfenden Tasse Kaffee (oder in Matildas Sinne: Tee). Themen wie verbotene Liebe, Altersdemenz und Vorurteilsdenken werden dabei durch die Protagonisten angerissen, aber nicht allzu vertieft aufgearbeitet, um die heimelige Stimmung, die den Roman durchzieht, nicht zu gefährden. Brillieren können hingegen einige der Briefe, insbesondere Cornelius‘ 100 Wahrheiten sind eine der absoluten Sternstunden des Romans. Auch das teils offene Ende vermag – wenn es auch etwas plötzlich kommt – durchaus zu glänzen.
Das Setting kann ebenfalls überzeugen. So entführt die Autorin die Leser:innen nach Karlskirchen, in eine mittelgroße (sonst hätte sie keinen Oberbürgermeister), aber doch verschlafene Stadt und nimmt sie mit auf Reisen, unter anderem nach Berlin und an die Ostsee. Dabei entdeckt man als Leser:in diese Orte zusammen mit den Protagonist:innen, das Meer mit Elvira zusammen kennenzulernen ist hierbei eine der am stärksten berührenden Passagen des Buches. Auch vermag es Heike Abidi, den grauen Büroalltag innerhalb der Behörde durchaus humorvoll darzustellen und den Leser:innen so das ein oder andere Lächeln zu entlocken.
Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei überzeugen insbesondere Elvira, Kirsten und Cornelius, während Matilda so weltfremd erscheint, dass sie anfangs schwer greifbar ist, und auch später wenig nachvollziehbar handelt und – irritierenderweise – höchst illegal. Heike Abidis Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.
Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss nicht schmälern, der Buchsatz ist ordentlich, hätte aber durchaus die Briefe innovativer setzen können. Das Covermotiv zieht sich über Buchrücken und Coverrückseite und ergibt so ein ganzheitliches Bild über den kompletten Umschlag, ist jedoch etwas eintönig und kein Eyecatcher. Auch hätte man auf die Kapitelüberschriften verzichten können, spoilern diese doch teils die Handlung der Kapitel, die aber – auch das sollte man lobend erwähnen – alle auf ungeraden Buchseiten beginnen.
Mein Fazit? „Liebe M. – Du bringst mein Herz zum Überlaufen“ ist ein Feel-Good-Liebesroman, der mit tollen Briefen und interessanten Charakteren glänzt, teils aber auch etwas vorhersehbar ist und etwas zu stark an der Oberfläche verbleibt. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 12 Jahren.









