[Buchgedanken] Xia Da: „Bu Tian Ge – Die Ballade von den Himmelsstürmern – Band 1“ (Bu Tian Ge 1)

Vor kurzem habe ich den ersten Band von „Bu Tian Ge – Die Ballade von den Himmelsstürmern“ gelesen. Xia Da zeichnet dabei sowohl für Text als auch für die Illustrationen verantwortlich, die Übersetzung ist von Marc Hermann. Das Buch ist 2022 bei Chinabooks erschienen und als Manhua / chinesischer Manga einzuordnen, die Originalausgabe wurde 2019 in der Beijing Xiron Culture Group Co, Ltd. veröffentlicht. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Die kaiserliche Konkubine höchsten Ranges Jing gebärt unter den Strahlen der Abendsonne Zwillinge: einen Jungen und ein Mädchen. Der kleine Prinz wird mit einem zinnoberroten Muttermal auf der Stirn geboren, die kleine Prinzessin kommt mit sechs Fingern zur Welt. Glückverheissende Vorzeichen gehen mit unglückverheissenden Omen einher. Die beiden Geschwister, die im selben Mutterleib herangereift sind, treten in der Folge vollkommen unterschiedlichen Schicksalen entgegen, und sie werden dadurch von ihren nächsten Verwandten getrennt. Ein grosses Verhängnis naht drohend heran. Wird es zu einer Wiederbegegnung zwischen den beiden Geschwistern kommen, die von Geburt an voneinander getrennt waren? Und wie werden die beiden mit ihrem Schicksal ringen?

„Bu Tian Ge – Die Ballade von den Himmelsstürmern – Band 1“ ist – nach einigen Graphic Novels und früheren Mangas – mein erster Manhua, der in parallelen Handlungssträngen die Geschichte der Zwillinge Quchen und Ating erzählt. Dabei ist das Buch nicht als Standalone lesbar, da leider kaum Handlungsstränge aufgelöst werden, das Buch in einem sehr offenen Ende kulminiert.

Die Handlung generell ist spannend, aber teils auch vorhersehbar. So werden vor Kapitelbeginn einige der relevanten Geschehnisse bereits in einem Fließtext zusammengefasst, was durchaus spoilert und dessen Sinn sich mir nicht erschließt. Auch besitzt die Handlung durch das Auseinanderfallen in zwei parallel laufende Handlungsstränge einige Längen und geht, gerade in den Kapiteln 2 bis 4, relativ zäh voran.

Im Gegensatz zur Handlung brillieren die Illustrationen auf ganzer Linie. So sind Xia Das Zeichnungen unglaublich hochwertig und edel, atmosphärisch und detailreich, insgesamt wunderschön anzusehen und stellen den Text in den Schatten, tragen die Handlung deutlich besser.

Auch das Setting überzeugt im Wesentlichen. So verschlägt es den Leser in die Zeit einer fiktiven chinesischen Dynastie. Er besucht neben dem Hof mythische Orte, Dörfer und Zwischenwelten und lernt viel über chinesische Tradition, Kultur und Legenden.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz sind gelungen, allerdings sind die der Geschichte angehängten Informationen im Vergleich zur doch sehr kurzen Handlung etwas zu umfangreich. Der Buchumschlag und das darunter liegende Buch sind hochwertig gestaltet und dank des Covermotivs ein wahrer Eyecatcher – farbige Coverinnenseiten hätten hier das sehr edle Produkt noch abrunden können.

Mein Fazit? „Bu Tian Ge – Die Ballade von den Himmelsstürmern – Band 1“ ist ein gelungener Auftakt in die Manhua-Reihe, der vor allem dank brillanter Zeichnungen glänzt, aber auch Schwächen in der Handlung hat und kaum Handlungsstränge auflöst. Für Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 13 Jahren.

[Buchgedanken] Frauke Scheunemann: „Der Tote im Netz“ (Usedomkrimi 1)

In der letzten Zeit habe ich „Der Tote im Netz“ von Frauke Scheunemann gelesen, den ersten Teil ihrer Usedom-Krimi-Reihe um Franziska Mai und Kay Lorenz. Das Buch ist 2022 bei FISCHER Scherz, S. Fischer Verlag GmbH, erschienen und als Regionalkrimi einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Im Seebad Heringsdorf auf Usedom herrscht Aufruhr: Bäderland-Radio, der kleine Ostsee-Lokalsender, soll von einem größeren Konkurrenten geschluckt werden. Radioreporterin Franziska Mai ist zwar der Liebe wegen auf die Insel gezogen, aber nun gilt es, ihren Job zu retten. Ihre Idee: ein neues Format, bei dem die Usedomer alles auf den Tisch bringen können, was ihnen unter den Nägeln brennt. Und Franziska versucht zu helfen. Aber bald geht es nicht mehr um Nachbarschaftsstreitigkeiten, sondern um den Mord an einem Fischer, der tot in sein eigenes Netz gewickelt im Hafen von Zeglin gefunden wird – in seine Brust das Wort »Rache« eingeritzt. Franziska wittert ihre Chance und mischt sich in die Ermittlungen ein. Und kommt nicht nur Kommissar Kay Lorenz ins Gehege, sondern auch dem Mörder gefährlich nahe.

„Der Tote im Netz“ ist ein vielversprechender Reihenauftakt, der Elemente klassischer Regionalkrimis mit Eigenschaften des Genres Cosy Crime mischt und so eine humorvolle und locker-leichte Lektüre kreiert. Gewaltszenen werden im Wesentlichen ausgespart und der Fokus stärker auf die Beziehung zwischen den Protagonisten gelegt.

Die Handlung ist abwechslungsreich, gelegentlich aber auch voraussehbar. Gerade zum Ende hin verschwimmt teils die Schwerpunktsetzung zwischen dem Haupthandlungsstrang und einem Nebenhandlungsstrang, der zudem nie aufgelöst wird. So vermag auch das Ende an und für sich nur in Teilen zu überzeugen, bietet dafür aber Ansatzpunkte für die Folgebände.

Das Setting ist ländlich-idyllisch und entführt den Leser nach Usedom, in eine Welt zwischen Provinzradio und Hafenkneipe. Und auch wenn der Hauptteil der Handlung leider in einem ausgedachten Ort spielt, gelingt es der Autorin doch, das Flair der Küste und die Eigenart der Insulaner einzufangen, sodass das Kopfkino sofort anspringt – auch dank dem leicht und flüssig zu lesenden Schreibstil von Frauke Scheunemann.

Die einzelnen Charaktere sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, besonders überzeugen bislang aber die Nebencharaktere. So sind Greta und Janis absolute Sympathieträger des Romans, während bei Kay und Franzi noch etwas Luft nach oben ist, die die Folgebände aber gut ausfüllen kann. Lediglich die Antagonisten bleiben bislang etwas blass.

Die Buchgestaltung kann ebenfalls überzeugen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, der Umschlag ist auf dem Titel und Buchrücken hochwertig geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Das Covermotiv ist schön anzusehen, aber etwas belanglos und lässt Bezug zur Handlung vermissen. Zudem gehen Buchrücken und Coverrückseite harmonisch ineinander über, zwischen Cover und Buchrücken ist jedoch ein harter Bruch.

Mein Fazit? „Der Tote im Netz“ ist ein gelungener Auftakt in die Krimireihe, der vor allem durch sein Setting und mit Humor punkten kann, gerade zum Ende hin aber auch noch kleinere Schwächen hat, die jedoch im Folgeband ausgeräumt werden können. Für Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen, etwa ab einem Lesealter von 13 Jahren.

[Buchgedanken] Jan Weiler: „Der Markisenmann“

In der letzten Zeit habe ich „Der Markisenmann“ von Jan Weiler gelesen. Das Buch ist 2022 im Wilhelm Heyne Verlag, München, in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als Entwicklungsroman bzw. Gegenwartsliteratur zu klassifizieren. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Was wissen wir schon über unsere Eltern? Meistens viel weniger, als wir denken. Und manchmal gar nichts. Die fünfzehnjährige Kim hat ihren Vater noch nie gesehen, als sie von ihrer Mutter über die Sommerferien zu ihm abgeschoben wird. Der fremde Mann erweist sich auf Anhieb nicht nur als ziemlich seltsam, sondern auch als der erfolgloseste Vertreter der Welt. Aber als sie ihm hilft, seine fürchterlichen Markisen im knallharten Haustürgeschäft zu verkaufen, verändert sich das Leben von Vater und Tochter für immer.

„Der Markisenmann“ ist – wie oben schon erwähnt – Entwicklungsroman und Gegenwartsliteratur zugleich; Coming of Age meets Vater-Tochter-Roman. Dabei schildert der Roman primär einen Sommer des Jahres 2005, erzählt aus der Sicht einer 17 Jahre älteren Protagonistin in der Jetztzeit (2022). Eingestreute Kommentare dieser Erzählerin sorgen dafür, dass leider wesentliche Handlungspunkte schon vorweggenommen werden, was dem Buch etwas an Spannung nimmt.

Die Handlung ist dabei durchaus abwechslungsreich und humorvoll, teils aber auch unlogisch – und lässt Konsequenzen und Reflektionen im Zusammenhang mit Fehlern vermissen – selbst rückblickend vom 17 Jahre älteren Ich werden diese teils geschönt. Insgesamt ist die erste Hälfte des Romans deutlich stärker, zum Ende hin wird vieles erwartbar und kann mit der aufgebauten Spannung nicht mithalten – und auch das Ende an und für sich vermag in einigen Punkten nicht zu überzeugen.

Hingegen brilliert das Setting auf ganzer Linie. Jan Weiler gelingt es, das Ruhrgebiet zwischen Herzlichkeit und Tristesse, zwischen Akropolis, Venezia und Centro, dem Leser ans Herz zu legen. Automatisch erschafft Weiler mit seinen Worten Bilder in den Köpfen der Leser – die Verfilmung schreibt sich quasi von selbst. Ich würde ja die pubertierende Kim in ein, zwei Jahren mit Helena Zengel besetzen …

Die Buchgestaltung ist im Wesentlichen gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Covermotiv zieht sich einheitlich über den kompletten Buchumschlag, ist aber simpel, unauffällig und farblich … gewöhnungsbedürftig, passt daher aber zur Handlung. Dahingegen ist die Einbindung von Autor und Titel auf dem Cover über die Banderole sehr innovativ, die damit integraler Bestandteil des Gesamtbildes wird.

Mein Fazit? „Der Markisenmann“ ist ein Entwicklungsroman über die Beziehung zwischen Vater und Tochter, der vor allem durch sein brillantes Setting punktet, aber auch im Verlauf der Handlung leider abbaut. Für Liebhaber der Gegenwartsliteratur bedenkenlos zu empfehlen – etwa ab einem Lesealter von 13, 14 Jahren.

[Buchgedanken] Veronika Lackerbauer: „Plötzlich Irland“

Vor kurzem habe ich „Plötzlich Irland“ von Veronika Lackerbauer gelesen, mittlerweile mein fünftes Buch der Autorin. Das Buch ist 2021 im Selfpublishing über BoD veröffentlicht worden und dem Genre Young-Adult-Romance zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

Weil ihre Mutter einen Job in Tokio annimmt, muss die siebzehnjährige Lena für ein Jahr zu ihrem Vater ziehen, mit dem sie bislang wenig Kontakt hatte. Auf das Leben auf seiner kleinen Schaffarm an der irischen Atlantikküste hat Lena überhaupt keinen Bock. Statt dem Partyleben mit ihren Freundinnen in Berlin gehören bald schroffe Felsen, raue See und verregnete Nachmittage zu Lenas Alltag. Und was will eigentlich dieser seltsame Kerl mit seinem stinkenden Motorrad vor ihrer Tür?

„Plötzlich Irland“ ist ganz anders als die bisherigen Liebesromane, die ich von Veronika gelesen habe („Bacchus‘ Vermächtnis“ und „Arabische Nächte“), daher fiel mir auch anfangs die Genrezuordnung nicht ganz leicht. Beworben als „Feelgood-Schicksalsroman“, in der Danksagung als Ausflug in die New-Adult-Romance verortet, bin ich schlussendlich doch zur Überzeugung gelangt, dass es wirklich ein Romance-Titel ist, er doch eher aber als Young-Adult einzugruppieren ist, wofür sowohl das Alter der Protagonistin und das Lebensumfeld sprechen, als auch die Tatsache, dass bei Sexszenen ausgeblendet wird.

Das Setting ist ungewöhnlich, aber interessant und birgt bereits erstes Konfiktpotential. So ist die ländliche irische Küste zwar idyllisch und malerisch, aber eher Urlaubsziel als Wunschlebensmittelpunkt eines hippen Großstadtteens. Dabei lernt man nach und nach nicht nur die irische Landschaft, sondern auch Bräuche und Geflogenheiten der Bevölkerung kennen – und lieben. Positiv anzumerken ist hier zudem, dass die Autorin dabei nicht nur die Sonnenseiten, sondern auch die Probleme in kleinen, dörflichen Gemeinschaften beleuchtet.

Die Handlung ist – genrebedingt – teils vorhersehbar, teils aber auch mit unerwarteten Wendungen (und Schicksalsschlägen, von denen ich der Autorin einen immer noch übel nehme) versehen. Dabei dreht sich die Handlung um typische Young-Adult-Themen wie die erste große Liebe – oder auch Probleme mit der Familie, ohne, dass der Roman dabei den Schwerpunkt verliert und zum Schicksalsroman wird – die Liebesgeschichte bleibt stets präsent, aber auch etwas brav.

Die einzelnen Charaktere sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen. Auch die Nebencharaktere glänzen – vor allem bin ich ein großer Fan von Helen und Mrs. Merriweather. Ayden, der Love Interest, erinnert mich (als Gilmore-Girls-Liebhaber) stark an Jess, ist wild aber belesen, loyal aber unbeständig, stammt aus einem problematischen Elternhaus und vermittelt den Eindruck eines Bad Boys. Für Lena als Protagonistin hätte ich mir zudem eine Ich-Perspektive gewünscht, um noch näher an ihr zu sein, um mich noch besser einfühlen zu können.

Die Buchgestaltung ist – wie üblich – solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben ordentlich gearbeitet und nur Kleinigkeiten durchrutschen lassen, das Coverbild zieht sich über den gesamten Buchumschlag und gibt so ein einheitliches Gesamtbild ab. Das Titelbild ist dabei auch typisch irisch und bietet zumindest Anklänge an die Handlung, ist aber insgesamt eher unauffällig, etwas zu harmonisch, auch durch die liebliche, aber austauschbare Gestaltung der unteren Bildhälfte.

Mein Fazit? „Plötzlich Irland“ ist eine im Wesentlichen gelungener Young-Adult-Romance, die vor allem mit einem tollen Setting und interessanten Nebencharakteren punkten kann, der aber auch etwas an Feuer fehlt. Für Leser des Genres, die gern auch ungewohnten Settings eine Chance geben, bedenkenlos zu empfehlen – ich würde lediglich das empfohlene Lesealter je nach Reife ein oder zwei Jahre hochsetzen und das Buch nicht ab 12, sondern eher ab 13/14 empfehlen.